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Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Sanau
Erscheint kägüch mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage
Verlagsleitung: Ad. Lndermuyle.
Verantwortlich: für politischen und allgemeinen Teil RichardSultsL:für lokalen und provinziellen Teil sowie Sport Wiloelm Moritz: für Anzeigen und Reklamen August Brod t. alle in Hanau am Main. Rotationsdruck der Waisenhausbuchdruckerei Hanau.
FernivreLanichlüffe Nr. 1287 und 1238.
Nr. 74
Donnerstag den 31. Mörz
1921
Das Neueste.
— Zwischen.der Interalliierten Militär« kommisston und dem Auswärtigen Amt hat ein Notenwechsel über die Entwaffnung Deutschlands stattgefunden.
— Im kommunistischen Aufruhr ist weiteres Abflauen zu verzeichnen. Der Eeneralstreiks- parole wird wenig Folge geleistet.
— In Halle wurde das Hauptquartier der Roten Armee ausgehoben.
— Wie die „Voss. Ztg." aus Hamburg melbet, find nach Unterdrückung des kommunistischen Putsches zahlreiche Arbeiter aus der Kommunistischen Partei ausgetreten.
— Exkaiser Karl hält sich noch immer auf ungarischem Boden auf. Einige Garnisonen haben fich ihm zur Verfügung gestellt.
Gewalt geht vor Recht.
Willkürliche Entwaffnung deutscher Festungen durch den Verband.
Zwischen der Interalliierten Militärkontroll- kommisston und der deutschen Regierung hat ein Notenwechsel stattgefunden, der sich mit den angeblichen Verfehlungen Deutschlands gegen die Bestimmungen des Friedensvertrages beschäftigt- Es handelt sich hauptsächlich um das Verlangen der Auslieferung des noch über den zugestandenen Bestand vorhandenen Geschützmaterials der Ostfestungen Königsberg, Boyen, Lötzen und Küstrin. Nach dem Friedensvertrag war uns für diese Festungen die Anzahl der Bestückung ^gestanden worden, die bei Inkrafttreten des Friedensvertrages am 10. Januar 1920 dort vorhanden waren. Gemäß dieser Vorschrift hatte die deutsche Regierung eine Uebersicht über den SMK der Bestückung zu ÄMOfe gereicht, die für die 14 Festungen, mit Einschluß von Pillau und Swinemünde 4111 Geschütze ergaben.
Die Kontrollkommission hat diese Angaben nachgeprüst, dann aber eine willkürliche Auswahl getroffen und hauptsächlich bei den Nordseefestungen gerade die modernsten Befestigungsanlagen untersagt. Hinsichtlich der Ost- und Südfesrungen gelangte sie zu der Entscheidung, daß Deutschland für diese überhaupt keine Geschütze zu verlangen habe mit Ausnahme von Königsberg, für das 22 Geschütze zugegeben wurden. Diese Entscheidung der Kontrollkommission fand die Billigung der Botschafterkonferenz, obwohl sie dem klaren Wortlaut des Friedensvertrages widerspricht. Die deutsche Regierung hat sich unter ausdrücklicher Wahrung unseres Rechtsstandpunktes dem Druck der Entente gefügt in allem, was die Nordseefestungen und die Mehrzahl der Südfestungen angeht. Nur iöegen der Ostfestungen Königsberg, Doyen und Küstrin hat sie die alliierten Regierungen ersucht, nicht aus der Auslieferung zu bestehen, bevor sich die Verhältnisse im Osten nicht geklärt hätten. In Königsberg sind 390 Geschütze vorhanden, in Kßstrin 168 und in Boyen 20 Feldgeschütze. Der Oberste Rat hat in seiner Note vom 29. Januar d. Js. dieses Ersuchen rundweg abgelehnt und auch die Auslieferung bis zum 28. Februar verlangt. Inzwischen hat sich die Lage im Osten keineswegs gebessert. Im Gegenteil trifft Polen militärische Maßnahmen, in denen wir diè Vorbereitungen eines Angriffes gegen uns erblicken. Die deutsche Regierung hat diese Tatsachen in einer Denkschrift dar gelegt, die am 8. Februar der Botschasterkonferenz überreicht worden ist. Eine Antwort darauf ist überhaupt nicht erfolgt.
Solange sich diese Verhältnisse nicht gebessert haben, und solange wir über die Gesinnung unserer polnischen Nachbarn nicht beruhigt sind, kann die deutsche Regierung nicht die Verantwortung sür die Auslieferung der Ostfestungen übernehmen. Es ist dies ein willkürliches Verlangen und wir können uns auf die Bestimmungen des FriedenSvertrazeS berufen. Die deutsche Regierung ist sogar noch weiter gegangen und ist bereit, die Angelegenheit einem unparteiischen Schiedsgericht vorzulegen, in der Ueberzeugung, daß das Recht auf ihrer Seite steht.
Abflauen des Kommuniflen-Ausruhrs
Zum ersten Male seit dem Beginn des kommunistischen Aufruhrs weiß der Telegraph nichts von neuen Kämpfen zwischen kommunistischen Banden und Polizeitruppen zu berichten. Nur in Schkeuditz bei Leipzig ist eine von.GröberS kommende bewaffnete kommunistische Bande eingezogen und hat den Ort besetzt. Ein von Sch^uditz nach Leipzig fahrender Personenzüg wurde von den Aufrührern beschosien. Die Aufständischen haben auch den Betrieb der Leipzi-g- Schkeuditzer Außenbahn vollkommen lahmgelegt.
Sonst sieht es überall in Mitteldeutschland und auch in Westdeutschland erheblich ruhiger aus als in den Togen vorher. Besonders günstig lauten die Meldungen über die Streikbewegung. Fast überall ist die ganz raffiniert betriebene Generalstreikhetze an der Einsicht der über wagenden Zahl der Arbeiter abgeprallt. Da wo man bereits in den Generalstreik eingetreten war, wird wieder gearbeitet, unb dort, wo der Streik proklamiert worden ist, findet er keine Gefolgschaft. Die Arbeiter haben glücklicher- und vernünftigerweise erkannt, daß ihnen durch die wüsten Auftuhrakte gewiß keine Verbesserung ihrer Lage in Aussicht stand, sondern das Gegenteil.
Ueber die Lage liegen heute folgende Meldungen vor:
DaS Stavsq«artter der Roten Armee «»-gehoben.
Berlin, 30. März. Wie die Blätter aus
Halle melde«, wurde dort das kommunistische
Hanplquartier, von dem ans der Anfruhr in Mitteldeutschland geleitet wnrde, von der Schutzpolizei ausgehoben. Als die Polizei in die Büroränme eindrang, sprangen die beiden anwesenden Kommunisten Schneidewindt und Hartfeld an- dem Fenster ans den Hof nnd senerten von dort aus auf die Beamten- Nach kurzem Feuergefecht wurden beide getötet. Bei der Durchsuchung der Räume wurde eine große Menge Karten- material nnd Pläne über die Aufstellung und Einteilung der Banden, ihre Führung usw. gefunden. Anch fand fich die Meldung vor, daß die Anschläge auf die Zeitungsbetrieb« in Halle erledigt seien. Unter den
befinden sich 8, ^ StRudS^ find, die Bombenanschläge ans die Landgerichte in Dresden nnd Freiberg sowie auf den Bahnhof Hettstedt verübt zu haben. Einer der Verhafteten hat bereits ein Geständnis abgelegt, an den Bombenattentaten beteiligt zu sein. Die Pläne zu den Anschlägen Würben von einem Verschwörerkomitce auS- gearbeitet, das seine Beratungen in Charlottenburg abzuhatten pflegt.
Zu der AuSbcbung des kommunistischen Hauptquartiers in Halle wird weiter gemeldet, daß die Sichtung der vorgefundenen Papiere das Bestehen einer schon seit langem vorbereiteten planmäßig angelegten kommunistischen Kampforganisation ergab. Fast alle bekannte« Kommunistenführer Deutschlands sind in den mitteldeutschen Aufstand verstrickt. Auch das Auftreten von Max Hölz ist durch die beschloß» nabmten Dokumente festgestellt worden. Hölz war Anführer der Bande in Sangersbauscu und erstattete von dort seine Meldungen nach Halle. Gefangene des LeunawcrkeS bestätigen das Auftreten Hölz und erklärten, sie seien von ihm gezwungen worden, in die Rote Armee einzntreten.
DaS Anfangsfignal für eine neue Revolution
Berlin, 30. März. Die polizeiliche Untersuchung gegen die Urheber des Anschlages auf die Siegessäule wurde heute abgeschlossen. Die Verhafteten wurden in das Untersuchungsgefängnis Moabit gebracht. Nach ihren Anssagen sollte die Sprengung der Siegessäule das Anfangssignal für eine neue Revolution sein.
Ruhe in Berlin.
Berlin, 30. März. In Berlin ist die vergangene Nacht und der heutige Vormittag ruhig verlaufen. Die Generalstreikparole der Kommunisten wurde nirgends befolgt. In vielen Betrieben sind heute vormittag sogar Kommunisten zur Arbeit erschienen. Die Abstim- mung im Kraftwerk Golpa, das den Süden Berlins mit Strom versorgt, ergab eine überwiegende Mehrheit für die Wiederaufnahme der Arbeit. Die Stromlieferung nach Berlin setzte heute morgen wieder vollständig ein.
Mitteldeutschland.
Magdeburg, 30. März. Die Meldestelle beim Oberpräsidenten 'teilt mit: In Schkeuditz kR-qicrungs- bezir! Merseburg) wurde die Arbeit deute eingestellt. Es treiben sich dort bewaffnete Banden umher. Der Verkehr der elektrischen Bahn Leipzig-Schkeuditz.wurde wegen des Streiks eingestellt. In Bitterfeld- herrsch: Ruhe. In Zschornewitz sand heute morgen eine Ab stimmung über den Streik statt.' 600 Stimmen waren gegen und 200 für den Streik. Die Wiederaufnahme der Arbeit ist im Gange. In Halle ist das Bild unverändert. Der wilde Streik geht weiter. In Sieben« roerbet hat sich die Lage zngespitzt- Die Arbeiter versehen sich von nettem mit Waffen und besetzten heute vormittag die Millygrube, deren Direktoren sie verhafteten. Um 2 Uhr war beabsichtigt, sämtliche öffentlichen Gebäude im Ländchen zu besetzen und alle Lebensmittel zu requirieren. In Mühlhausen stimmten die kommunistischen Tabakarbtiter mit großer Stimmenmehrheit gegen den Generalstreik. In Ohrdrufs, Sömmerda und Langensalza herrscht Ruhe. Die Eisenbahn- direktion in Erfurt hat 22 streikende Arbeiter entlassen. Außer in zwei Betrieben wird in Erfurt überall gearbeitet. Wiehe bei Artern wurde heute von 150 Kommunisten besetzt. Der Pfarrer und der Büraer-
meister wurden verhaftet und sollten gegen ein Lösegeld von 100 000.— Mk. freigelassen werden. Die Läden und die Post sollen geplündert worden sein. Der Kirchturm ist mit einem Maschinengewehr besetzt.
Bockwitz, 30. März. Im östlichen Teil der Braunkohlengebietes bei Kreise» Liebenwerda herrscht seit am OstersamStag der Generalstreik. Zu Ausschreitungen ist eS nur in wenigen Fällen gekommen. So wurden die Baulichkeiten des Ritterguts Döllinaen bei Elsterwerda zerstört. Seit gestern abend sind die Führer, besonder» der Vereinigten Kommunistischen Partei, bemüht, den Ausstand abzubrechen, doch stoßen sie bei den radikalen Elementen noch auf Widerstand. Lauchhamnicr liegt seit acht Tagen in einem Lohnstreik, der mit dem kommunistischen Generalstreik nicht» zu tun hat.
Jena, 30. März. Die Arbeiterschaft der Firma Karl Zeiß hat heute früh die Arbeit wieder geschlossen ausgenommen. Der Antrag der Kommunisten, im Betriebe eine Abstimmung über den Generalstreik vornehmen zu lassen, wurde vom Betriebsrat glatt abgelehnt. Auch die kleineren Teilstreiks sind verpufft.
Ruhrgebiet.
Essen, 30. März. Die Belegschaften ans den Zechen bei rheinischen Industriegebiets fuhren heute fast überall vollzählig an, außer auf einigen linksrheinischen Schachtanlagen, wo die Belegschaften stark mit kommunistischen Elementen durchsetzt find. Die Versuche der Kommunisten, dm Generalstreik hervorzurufen, sind demnach vollkommen gescheitert.
Düsseldorf, 30. März. Da die Kommunisten angekündigt hatten, sie würden heute morgen die Arbeitswilligen aus den Betrieben hole«, hatten die Arbeiter Maßnahmen getroffen, um dem Terror vor- zubeugen. Auch von der Polizei wurden Vorkehrungen getroffen. In der Nacht hatten die Kommunisten Plakate angeschlagen, in denen zum Generalstreik und zum Bündnis mit Sowjetrußlaud aufgefordert wurde. Di« Plakate wurden von der französischenBesatzungS- behörde heute morgen entfernt. Die gestrige Nummer der hier erscheinenden „Freiheit wurde von der Be- satzungSbehörde beschlagnahmt. Die Düsseldorfer Arbeiterschaft ist der Streikparole bis auf ganz ver- Jdrtmubenb kleine .Teil- «Sl gefolgt Nur bei der Firma Schöndorff Nkt.-Ges. fehlen von 1200 Arbeitern 400. Die Firma hat die fehlende« Arbeiter sofort entlassen.
Ein Aktionsausschuß verhaftet.
Breslau, 30. März. Der Aktionsausschuß der Vereinigten Kommunistenvartei in Breslau wurde gestern nachmittag verhaftet, ebenso wegen Beihilfe zum Landesverrat eine Anzahl Flugblattvertciler dieser Partei, die ein Flugblatt mit der Aufforderung zum bewaffneten Aufruhr und zur Besetzung der Betriebe u. f. w. verteilten.
I« den Bänden von Kolz.
Mitteilungen befreiter Geisel».
Dem „Dresd. Anz." wird an» Merseburg gemeldet: Soeben erfahre ich von mehreren Herres, die am Kar- freitag als Geiseln von Hölz in Sangerhansm festgenommen waren, folgendes: Sie wurden auf Denunziation bei Sangerhausener Kommunistenführers Franzke verhaftet. Redakteur Georg Heese, der sich unter den Geiseln befand und Hölz von früher genau kannte, behauptet fest, daß es zweifellos Hölz gewesen sei, der die Operationen geleitet hatte. Die Herren, die den verschiedensten Ständen angehören, wurden auf dem Schützenplatz in Sangerhausen zusamnien- gestellt. Sodann erschien Hölz, der sich den Geiseln vorstellte und ihnen mitteilte, daß bei dem Tode eines seiner Leute alle Geiseln ins Jenseits befördert würden. Hölz verlangte sodann ein Lösegeld von 500 000 Mk. Da jedoch die Reichsbank unter Feuer lag, konnten nur 140 000 Mk. ausgetrieben werden. In der Nacht zum Samstag wurden bie Geiseln kreuz und quer gesahren und kamen wieder nach Sangerhausen zurück. Dann ging es in Irrfahrten nach Bernstedt, bem Quartier des Baudenführers Hölz. Die Geiseln wurden ständig mit Erschießen bedroht, einige von Hölz maßlos geohrfeigt und mit Gewehrkolbenstößen bearbeitet. In Bernstedt wurde übernachtet. Am frühen Morgen wurde die Kreuzfahrt fortgesetzt, bis man gegen 11 Uhr vormittags in Groß-Qsterhaufen iaiibete. Hier ergriffen die Kommunisten den Geistlichen Müller, führten ihn int vollen Ornat aus der Kirche und erklärten ihn für verhaftet. Pfarrer Müller hatte kann: Zeit, sein Ornat auSznziehen, als er ebenfalls zu den anderen Geiseln auf ein Auto verladcu wurde. Dann ging die Fahrt nach Schraplau. Hier wurde den Geiseln trockenes Brot unb Wasser gereicht. Dann wurden sie in eine Gefängniszelle von 3 Meter Höbe, 2‘/» Meter Länge und 3 Meter Breite gesperrt. Hätte man sie längere Zeit in dem Raume belassen, so wären zweifellos bie meisten gestorben. Die Kommunisten brachten die Unglücklichen oann iit eine Sckmie.
Interessieren dürfte auch, daß sich unter den Geiseln der Kommunist Kuhndr, der ehemalige Prästdent von Oldenburg, befand, da er als Spitzel der Sipo galt. Vor dem Schlafengehen wurde eine große Revision der Gefastgenen abgetanen unb ihnen alles Bargeld, Uhren, sogar Streichhölzer usw. abgenoiumen. In Schräplau würben zwei Geiseln entlassen. , „
Am frühen Morgen bei 28. März begann die letzte Fahrt. Zur Abfahrt bekam Geisel Wüstnwnn Hcrz- trämpfe unb wurde zu einem Sanitäter der Bolschewisten geführt. Seitdem ho" man nichts mehr von ihm gehört. Hcrvorzuhcben ist, daß die Geiseln in einem Anhüngewagcn eines Lastautos, in dem sich 5 Zentner Dynamit befanden, untcrgebracht waren und vorangefahren wurden, um bei einem Angriff als Kugelfang zu dienen. Der Pastor wurde sogar ge» rwunaen sich auf die Dynamitkiste zu setze«
Jm Morgennebel sichtete man bei Lauchstedt die ersten Autor der Schutzpolizei. Man ließ da« Dhnamitauto mit den Gefangenen voranfahren, während sich die Kommunisten abseits hielten. Bei dem sich entspinnenden heftigen Gefecht wurde Kuhudt erschossen. Mehrere Geiseln, die man natürlich für Kommunisten halten mußte, wurden verwundet. Einer der Verwundeten, der einen Lungenschuß erhalten hatte, starb. Endlich wurde der Kampf zugunsten der Schupo entschieden und ein Teil der Kommunisten gefangen. Hölz enttarn.
Die Okkupation des Rheinlandes.
Jpu. Paris, 30. März. Dem Oberkommiffar Tirard von der Interalliierten Rheinland« tommiffion find Befehle zugegangen, um die ev. Ausweisung aller preußischen Beamten aus dem Rheinlande vorzunehmen. Die Feststellungen find schon eingeleitet. Sobald die Ausweisung erfolgt, werden die Posten von Beamten ersetzt, die im Rheinlande geboren find. Man bezeichnet diese Maßnahme als eine Fortsetzung der Sanktionen. In zweiter Linie sollen auch die Schulen im Rheinlande einer Kontrolle unterzogen werden und alle Lehrer entfernt werden, die der deutschnationalen Richtung angehören. Das find bisher nur Borschläge, die von der französischen Regierung der Rheinlandkommisfion übermittelt wurden und von dieser trotz der einseitigen Beauftragung ausgeführt werden. Die übrigen Verbündeten scheinen fich um die wirkliche Tätigkeit der Rheinlandkommisfion kaum zu bekümmern. Kürzlich ereignete es sich in London, daß das Auswärtige Amt von einer ähnlichen Untersuchung der Rheinlandkommisfion, die schon seit Dionaten iyr Gange war, überhaupt keine Ahnung hatte, da lediglich Frankreich die Sache verfolgte.
Die Tettuug Oberschlesiens.
Ipn. Paris, 31. März. Es wird in amtlichen französischen Kreisen bestätigt, daß dem General Lerond Auftrag erteilt worden ist, in den Abstimmungsgebiete^ die für Polen gestimmt haben, bereits Maßnahme zu treffen, daß diese Orte nicht mehr unter deutschen Einfluß gebracht werden. Darum hat der General auch eine Anzahl Deutsche, die den Wahlkommissionen angehört haben, aus diesen Gebieten ausweisen lassen. Die französische Regierung hat den Gesandtenrat ersucht, die öfter- reichische Frage in der nächsten Sitzung zur Beratung zu bringen. Dies wird jedoch noch nicht möglich sein, weil die Zollgesetze dem Rat zur Erledigung vorliegen. Aus der letzten Sitzung des Gesandtenrates geht hervor, daß die Zuteilung der oberschlesischen Orte mit polnischer Mehrheit an Polen von den Alliierten mit Ausnahme Englands dringend gewünscht wird. Die militärische Besetzung soll sehr bald eingeschränkt werden, doch ist vorgesehen, daß alliierte Truppen noch einige Jahre in Oberschlesiei. bleiben.
Karl von Kabsburgs ungarisches Abenteuer.
(Letzte Meldung.)
Wien, 31. März. Aus hiesigen monarchisiit schen Kreisen erfährt das „Neue Wiener Tageblatt", daß Exkönig Karl noch in Steinamanger weile und daß die Garnison von Steinamanger bereit sei, gegen Budapest zu marschieren. Der König habe aber Einspruch erhoben, um Blutvergießen zu vermeiden. Er habe dagegen verlangt, daß man sich nochmals mit Budapest in Verbindung setzen solle. Daraufhin habe Graf Andrassy eine Art Ultimatum an Budapest gestellt. Darauf seien einige Minister in Steinamanger eingetr offen. Zwischen diesen und Andrassy seien Verhandlungen im Gange. Legitimisten hätten den Eindruck, daß bie ungarische Re gierung bereits eine nachgiebigere Haltung einnehme.
Wien, 31- März. Der Sektions chef Schager von Eckartsau, der Vermögensverwalier des Königs, äußerte sich gegen einen Mitarbeiter des „Neuen Wiener Tagebl.": Da die Reise des Königs nach Ungarn nun einmal durchgeführt ist, gibt es nichts anderes als durchzuhalten. Gewiß war in Wien niemand in die Angelegenheit eingeweiht und es ist zwecklos, daß bei verschiedenen Monarchisten HaussuchungeM abgehalten werden. Nachrichten aus Steinamanger besagen, daß die Lage für den König zunehmend günstiger wird, da nicht nur das Korps Lehar, sondern auch die angrenzenden Garnisonen sich dem König zur Verfügung gestellt und ihren Entschluß kundgegeben hätten, gegen Budapest zu marschieren, falls die ungarische Regierung sich nicht dem legitrmistt» schen Standpunkt (Ueber gäbe des Thrones an König Karl) anschließe.