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Nr. 70
Donnerstag den 24. März
Das Neueste.
— Die deutsche Regierung hat in einer nach Paris gerichteten Note die verlangte Zahlung von 12 Milliarden Goldmark als unmöglich abgelehnt.
— In Hambrrrg und im mitteldeutschen Industriegebiet kam es zu schweren Ausschreitungen. In Sachsen wurden mehrere Bombenanschläge verübt.
— Die Fraktion der Deutschen Volkspartei in Preußen fordert infolge der kommunistischen Unruhen sofortige Einberufung des Landtags.
— Der polnische Terror greift nach den letz- jM Nachrichten immer weiter um sich.
— Lloyd Georgs trat in einer großen innerpolitischen Rede für eine Koalition zur Bekämpfung des Sozialismus ein.
Kommunistische Gewaltakte.
Unruhen in Hamburg *— Ausnahmezustand — Schwere Zusammenstöße in Mitteldeutschland — Bombenanschläge in Sachsen.
Vor wenigen Tagen wurde eine Nummer der „Roten Fahne" in Berlin beschlagnahmt, in her die Arbeiter aufgefordert wurden, auf das Gesetz zu pfeifen und sich Waffen zu verschaffen, um in einen offenen Kampf einzutreten. Zu gleicher Zeit dieser Beschlagnahme faßte der - sozialdemo- statische Oderpräsident der Provinz Sachsen Hörsing den Entschluß, der Terrorwirtschaft im mitteldeutschen Industriegebiet, vor allem im Mansfeldischen und in der Gegend von Merse- vurg, ein Ende zu machen, indem er Schutzpolizei dorthin verlegen ließ. Es hatte sich bekanntlich im Laufe der beiden letzten Jahre eine BäveiLstwyerrschaft u^tjj^ ö^^ mente entwickelt, die der Anschauung sind, daß sie kraft der Gewalt, über Recht und Gesetz sich hinwegsetzen können. Aus den Arbeiterkreisen selbst kamen die Hilferufe an die Regierung. Und als der Terror seinen Höhepunkt erreichte, sah sich Oberpräsident Hörsing veranlaßt, einzugrei. fen, allerdings mit dem Hinzufügen, daß wohl nicht Kommunisten die Urheber der Terrorwirtschaft seien, sondern regelrechte Verbrecher. Die Quittung wurde mit der Aufforderung zum Generalstreik gegeben und die Rote Fahne schrieb: „Schon wüten in Mitteldeutschland die Bluthor- den HörsingS*. Die kommunistischen Blätter forderten weiter zur Streikunterstützung für di« deutschen Bolschewisten in Mitteldeutschland auf. Die „Rote Fahne* versuchte, den Unteroffizieren und Mannschaften der Sicherheitspolizei klar zu machen, daß ihr Platz in dem Ordnungskampf, der nun in Mitteldeutschland wieder einmal entbrannt zu sein schiene, auf der Seite der schaffenden werktätigen Masse* sei. Inzwischen ist nun diese kommunistische Hetze leider auf fru^tbaren Boden gefallen, überall im Reiche flackern Unruhen auf, Bombenanschläge werden vollführt, ein Zustand, der einer Anarchie gleichkommt. In Hamburg ist es zu schweren Ausschreitungen gekommen, die die Verhängung des Ausnahmezustandes nötig machten, nachdem aufrührerische Elemente zwei Werften mit Handgranaten besetzt hatten. Ebenso nimmt die Bewegung im mitteldeutschen Industriegebiet einen größeren Umfang an.
Wir hoffen, ba^bie deutsche Arbeiterschaft den Hetzern nicht weiter folgen wird, und daß sie die Ruhe und damit da» deutsche Volk vor neuem Blutfließen bewahren. Der Sicherheitrpolizei aber sei gesagt, daß ihr Platz ganz wo ander» ist al» wie ihn die „Rote Fahne* bezeichnet. Ihre Pflicht ist es zxr Mehrheit der Volkes zu stehen und diese zu schützen vor Ge- tvalttatcn, die die kommunistischen Blätter predigen. Bemerkenswert inbezug auf letztere Hetze ist eine Er- llärung der „Voss. Ztg.*, die lautet:
,E» ist kein Zweifel möglich, daß sie auf eine bestimmte Parole, offenbar von Moskau aus, zurückzu- sühren ist und die publizistische Einleitung und Vorbereitung zu einerkommunistischen „Aktion" bilden sollte".
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Von bex uns vorliegenden Meldungen über die ünruhkn seien folgende wiedergegeben:
Berlin, 23. März. (Priv. Telegr.) Die R o t e Fahne setzt ihren Hetzfeldzug fort und fordert "neut die Arbeiterschaft auf, auf der ganze« Linie rum Angriff überzugehen. Sie verlangt, daß alle -truppen- und Waffentransporte nach Mitteldeutsch- tand und Hamburg verhindert werden. — In einem Bericht über die Lage ix Mitteldeutschland hebt die «Freiheit" hervor, daß sich die Polizei im allgemeinen iurückhaltend benimmt. Bisher sei auch nicht ein ein- ksger Betrieb von ihr besetzt worden. Der Streik fei nirgends allgemein, auch nicht in Mansfeld. Von fwer Einheitlichkeit der aanren Bewe-una könne aar «int Rede sein.
polizer zur Waffe greifen mußte. Die rother» standleiftende Menge erlitt dabei schwere Verluste, etwa 16 bis 20 Tote und Verwundete. Kurz darauf ereignete sich am Justizgebäude ein weiterer Zusammenstoß. Hierbei hatten die Demonstranten etwa 6 Verwundete. 6,45 Uhr wurden die noch in der Vulkanwerst befindlichen Aufrührer herausgedrängt. Abends 10 Uhr herrschte in der Stadt und am Hafen Ruhe.
In Mitteldeutschland.
ManSsklb, 23. März. Hrute vormittag hielten vor dem LandratSamt 35 bewaffnete Männer, bie in einem Kraftwagen angekommen waren. Sie stellten vor dem Gebäude ein Ma'chinengewebr auf und raubten dann au» der im Hause befindlichen Krei-'parkaffe und Krei»kommunalkaffe 199 000 Mark. Ein Beamter der Sparkafft wurde, wie die Manrfelder Zeitung meldet, durch einen Beinschuß verwundet. — Vo« dem Raubzug in das LandratSamt begab sich die Räuberbande nach der Station ManSfeld-Balmbof überfiel da» dort befindliche Postamt uxb beraubte er. Hierauf verschwanden die Banditen, ohn« daß man ihrer bisher habhaft geworden ist.
EiSlebrn, 23. März. (Abends 8»/, Uhr.) Der Nachmittag brachte eine
lebhafte Echietzerei
in den Straßen. Die Kommunisten begnügten fich nicht damit, bie Schutzpolizei von der Straße zu vertreiben, sondern warfen auch Handgranaten in tie Polizeiwache im Rathau ft. Drei Polizeiwachtmeister wurden erheblich verletzt. Bereit» am Nachmittag hatte die Schutzpolizei bei einem Feuerwechsel mehrere Tote itnb Verwundete. Die Verluste auf Seiten der Angreifer find unbekannt. Zur Stunde ist kein Sichcrheitrbramte auf den Straßen sichtbar. Die aufrührerischenElementehabe« die Oberhand. DaS offenbart sich auch in den Plünderungen, die am späten Nachmittag am Marktplatz und in den Nebenstraßen einsetzten, von benen besonder» die Konfektion?- und Schuhwarengeschäfte betroffen wurden. Beim Abgang bei Bericht? plünderte I
^EiLlcbcner Rettung* zufolge, em_ weitere? | Konfektionsgeschäft, vereinzelt fallen nock immer Schüsse. Die Schutzpolizei hat sich in ihre Quartiere zurückgezogen. Der in der Mädchen-Volksschule liegenden Abteilung wurde ein Ultimatum gestellt, falls sie sich b s bewe abend nicht ergeben werde, werde man die Stadt an allen Ecken anzünden. In der Nähe der Krughütte - Gewerkschaft kam es gleichfalls zu Schießereien. Der 6.20 Uhr abends von Halle abge- gangene Versonenzug, der gegen 8 Uhr eintraf, wurde von den Streikenden an der Weiterfadrt gehindert.
Dombenanschläge in Sachsen.
Dresden, 2.3. März. Heut« mittag ereignete sich am Landgericht»gebâude am Münchener Platz eine folgenschwere Explosion, die durch eine unter den Ver- handlungSiaal gelegte Bombe entstanden ist. Dreizehn Personen wurden verletzt. Der Sachschaden ist ziemlich bedeutend. Die Täter sind entkommen.
Freiberg (Sachsen), 23. März. Heute vormittag wurde auf das hiesige Gerichtsgebäude ein schwerer Anschlag verübt. Anscheinend war eine Bombe in eine Abortan'age der Amtsgericht» im ersten Geschoß gelegt worden. Er erfolgte eine furchtbare Explosion, die großen Schaden anrichtete. Die Verwüstungen, besonder» in unmittelbarer Nähe der Tatorte», waren sehr schwer. Eine Person wurde verletzt.
Leipzig, 23. März. Heute vormittag ereignete sich im Landgerichtiigebände in der Elisensiraße eine Bombenexvlösion. Die Bombe war in einem Abort der Erdgeschosse» niedergelegt. Diirch die Explosion wurde ein bedeutender Sachschaden angerichtet. Der Abortvorraum wurde völlig verwüstet, bie Decken herauSgeschlcudert und die Türen und Fensier au8 der Füllung gerissen. Auch sonst wurden zahlreiche Fensterscheiben des Lichtboler bi» ins zweite Stockwerk hinauf zertrümmert. Menschen wurden nicht verletzt. DaS Landgericht wurde sofort abgesperrt und eine Polizei- liche Ermittelung eingeleitet. Von den Tätern fehlt jede Spur.
ipuuen i. B., 23. März. Um 'M- Uhr morgens wurden in ein Kellerfenster der Rathauses zu Rodewisch niedergelegt- Sprengstoffe zur Entzuuduiig gebracht. Hierzu wird noch gemeldet: Kurz nach 3 Uhr frih flog ein Teil des Rathauses unter furchtbarem Kuall in bie Luft. Das Steueramt und das Meldeamt sind völlig zerstört. Die Dynamitladung, mit der bie Sprengung erfolgte, war in ein Kellergeschoß ein« geschnmagelt. Ein Wachtmeister trug einen Nervenchock davon. Das Nathans wurde abgesperrt und wird ivabricheinlich abgetragen werden müssen. Die Täter sind entfommen. Zu gleicher Zeit sollte anscheinend auch versucht werden, baâ Ratbaus in Auerbach in die Luft zu sprengen. Dort gelang eS einem Schutzmann, euren Mann zu verhaften, der einen Sack mit Dynamit bei sich trug. Ein zweiter unbekannter Mann schoß auf den Beamten und entkam. Dcr Verhaftete wnrd- m das LandgenchtSgef-ingniS in Plauen eingeliefert. Er gibt an, aus Danzig zu stammen.
Regierung und die Unruhen.
Berlin, 24. März. Wie die .Voff. Ztg." meldet, haben sich dar Reichrkabinctt und bie preußische Regierung gestern mit den Ereignissen in Mitteldeutsch, land und Hamburg bc>chäftigt. ES wurde zunächst davon Abstand genommen übet Mitteldeutschland den Belagerungszustand zu verhängen, da man angesichts eer besonnenen und ruhigen Haltung der Arbeiterschaft hofft, daß die komiiiilnistiiche Aktion in Mittel- Deutschland auch ohne Anwendung außerordentlicher Mittel im Sande verlausen wird. Verstärkungen
Besetzung von Werken durch Kommunisten.
Hamburg, 28. März. (Wolff.) Der Lhef der OrdnnngSpolizei teilt mit, daß sich heute früh zwischen 5 und 6 Uhr etwa 400 biB 500 Erwerbslose auf dem Heiligengtistftlde angesammelt und von dort vertrieben wurden. Sie zogen dann dort nach den St. Pauli- LandungSbrücken, aber auch dort warben die Versamm- ungen verhindert. In Altona sind an mehreren Stellen Zusammenrottungen vor den Fabriken zerstreut wurden. Mehrere Hundert Erwerbslose drangen vor Beginn ber Arbeit in die Werft von Blobm und Voß ein und forderten die Einstellung des Bc. triebe». Am mittag besetzten kommunistische Arbeiter auf der Werst von Blobm und Voß der Dirrktion?- aebâude und hißten auf dem Gebäude die rote Sowjct- lagge. Der Arbeiterrat wurde abgcsetzt und ein KktionSanrschuß für die Werstleitung gewählt. Auf dem Betrieb der Finkenwärder Werft fanden Zusammenrottungen statt. Gegen mittag verliebe« die Arbeiter sämtlicher Hamburger Werften die Arbeit», stätte, um sich zu einer gemeinsamen Versammlung zu begeben. Diese Versammlung konnte wegen starker Absperrung durch Stacheldraht, Panzerautos und Polizeimannschaften nicht vorstchgehen. Gegen die Auto» wurden Steine geschleudert. Die Zugang»- itraßen vom Hasen zum Heiligengeistfeld waren eben« falle abgefperrt. Die Straßenbahnen hatten den Vcr- kebr größtenteils eingestellt. Die Ansammlungen wurden überall zerstreut.
Berlin, 24. März. Wie der „Vorwärts" ans Hamburg meldet, bat sich die 2200 Mann starke Belegschaft der Lemm-Werke mit Handgranaten und Schußwaffen bewaffnet und da» Werk besetzt. Man erwartet einen allgemeinen Angriff auf bie Gefängnisse.
Hamburg, 23. März. Auf der Reeperbahn kam er in der Nähe der Hochbahnhokes am Millerntor zu Zusammenstößen. Auf die Aufforderung zum AuS- emandergthen wurde die Ordnungspolizei an» der Menge mit Bierflasche« bombardiert. Au» einem Haufe fielen sodann Schüsse, wodurch bei der Ordnung-polizei ein Mann getötet und ein Mann schwer verwundet wurde. Die OrdnungSpolizei eröffnete hierauf da» Heu«. MhDMeLâ.
15 Tote und Verwundete zu verzeichnen. Auch am Holstenplatz kam eS zu einem Zusammenstoß, wo die Menge der Aufforderung zum AuSeinandergehen ebenfalls nicht Folge leistete. Hier gab e» fünf Vcwnndete.
Hamburg, 23. März. Heut« nachmittag kam es vor der Vulkanwerft gu' einem Zusammenstoß zwischen der Schutzpolizei und der Wcrftarbeiterschaft. Die Arbeiter durchbrachen die Postenkette und versuchten die Mamlschaftea der Polizei zu entwaffnen. Von der Polize» wurde geschaffen und Handgranaten geworfen. Bon den Arbeitern sind vier getötet, 12 schwer verletzt und 14 leicht verwundet worden. Die Feuerwehr eilte mit Sanitätswagen herbei und schaffte bie Toten und Verwundete weg.
Aurnahmezustand übev Hamburg.
Hamburg, 23. März. Der Sengt der freien und Hansestadt Hamburg macht bekannt, daß in Anbetracht der Vorkommnisse auf der Werft von Blohm u. Bob und in anderen Betrieben mit sofortiger Wirkung der Ausnahmezustand über Hamburg verhängt ist. Die vollziehende Gewalt wurde Senator Hense übertragen unter gleichzeitiger Ernennung zum Re- gicrungrkommissar.
Offene Aufforderung zum Kampf mit Waffen.
Hamburg, 23. März. Die Werft von Blohm u. Voß ist von der Werstleitung bis auf weitere» geschlossen worden. — Die Hamburger Volkszeitung fordert weiter zum Kampf auf. Keine leeren frait« losen Demonstrationen wollen wir unternehmen, sagt daS Blatt, nur durch Taten können wir unseren kämpfenden Brüdcm zu Hilft kommen und nur durch Taten verstärken wir den Sturm, der Deutschland zagbaft zu durchbrausen beginnt. Das Blatt fordert banx zu Massenkundgebungen auf. Die Arbeiter sollten endlich den Willen zur Tat fassen und sich Waffen verschaffen.
Weitere Zusammenstöße. — Zahlreiche Tote und Verwundete.
Hamburg, 24. März. Der Chef der Ordnungspolizei teilt mit: Gegen 3'/, Uhr nachmittags versuchten etwa 1500 Arbeiter der Vulkanwerft über den Roßdamni-Cldtunnel in die Stadt zu gelangen. An der Ellertholzbrücke wurde der Aufforderung an der Sperre Halt zu machen, nicht Folge geleistet, vielmehr forderte ein Hetzer trotz des Ausnahmezustandes die Menge auf, gewaltsam im geschlossenen Zug durchzubrechen. Als die Menge sich hierzu verleiten ließ, mußte die Wache von der Schußwaffe Gebrauch machen. Hierbei hatten die Demonstranten etwa vier Tote und zehn Verwundete. Dann wurde der Aufforderung, in kleinen Trupps weiter zu gehen, nachgekommen. Ein Teil der Menge zog in der Richtung Wilhelmsburg-Veddel in die Stadt. Um 4'/, Uhr nachmittag war die Werft von den ausrührischen Elementen gesäubert. Bei ihrem Herausströmen hatten die Aufrührer mehrere Verwundete. Sie zogen durch den Elbtunnel nach dem Millentor. Hier kam es zu einem Zusammenstoß mit der Absperrung. Der Zugwachtmeister der Ordnungspolizei Adler wurde von rückwärts aus einem Hause erschossen, sodaß die Ordnungs-
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werden nur im Ausmaße bei Notwendigen entsandt werden. Wir da» Blatt weiter meldet, versuchen bk kommunistischen Agitoren, bie Eisenbahner dazu auf« zuhetzen, die Beförderung von Polizeiverstärkungen »u verweigern.
Ein« Mahnung bet Gewerkschaft«« tut Besonnenheit.
Berlin, 24. März. Der Allgemein» Deutsche Gewerkschaftsbund hat eine Entschließung angenommen, in der er sich gegen bk durch die kommunistische Hetze herborgerufene Streikbewegung im mitteldeutschen Industriegebiet wendet. Die Bewegung habe nicht» mit gewerkschaftlichen Bestrebungen zu tun und die Gewerkschaftsleitungen warnen erneut die Arbeiterschaft, den kommunistischen Parolen zu folgen. In den gewerkschaftlichen Organisationen dürfe dies« Strcikhetze keinen Rückhalt finden.
Scharfe Verurteilung- bet kommunistischtu
Wahnsinnstaten.
Berlin, 24. März. Der „Vorwärts* bezeichnet da» Blutvergießen in Hamburg und Eisleben als die direkte Frucht bec kommumstnch-n Wühlarbeit. Die Zusammenstöße seien bie unmittelbare Folge der fortgesetzten Aufrufe der Kommunisten zu den Waffen und zum Stampfe. DaS vergossene Blut kommt über bie Leute, die tagtäglich den .Arbeitern bie Parole zum Kampfe mit den Waffen auSgegeben haben.
Auch die „Freiheit" wendet sich erneut in schärfster Weise gegen die Hetzpolitik der Kommunisten. Die Ueberfällt auf Sparkassen und die verbrecherischen Anschläge gegen Eisenbahnen und die Dvnamitanschläze gegen Gerichtsgebäude hätten mit Politik nicht« zu tun. Die Verantwortung treffe allein die Leitung der fommuninifchen Partei, bie durch ihre sinnlose Hetze dem Gesindel da» Stichwort geliefert habe. DaS Blatt fordert die Arbeiter auf, geschloffen den kommunistische« Wirrköpfen entgeg;nzutreten und warnt die Arbeiter davor, sich provozieren zu lassen.
Letzte Melsungen.
Beeürträchtigung des Eisenbahnverkehrs — Brandstiftungen.
Halle, 24. März- Die Ereignisse in Eisleben haben bereits eine empfindliche Beeinträchtigung des Eisenbahnverkehrs auf der Strecke Halle- Nordhausen im Gefolge. Heute Nacht ging kein Zug mehr in der Richtung auf Nordhausen ab und der ganze Verkehr muß umgeleitet werden. Auch werden schon Brand stiftungen aus einigen Ortschaften gemeldet, denen man ih«n ursächlichen Zusammenhang mit der Auftuhrbs- wegung gibt.
Eisleben, 24. März. Dem „Eislebener Tageblatt" zufolge herrscht in der Stadt selbst Ruhe, In der letzten Nacht vernahm man an den Stadtausgängen ziemlich lebhaftes Feuer, da die Kommunisten Verstärkung der Sipo erwarten. Die Eisenbahnlinie und der Bahnhof sind VM den Kommunisten besetzt, sodaß nur der Chaussee- weg übrig bleibt. Der Westausgang der Stadt ist von den Kommunisten stark besetzt. Das Hauvt- quartier der Letzteren liegt wahrscheinlich im Alten Otto-Schacht. Besetzt ist auch die Höhe über der Hünenburg. Von dort aus beschießsn sie die anliegenden Straßen.
Lloyd George gegen den Sozialismus.
London, 24. März. Lloyd G-org- hielt heute vor der New M-mb-rS^oalition Group (einer au? 112 Parlamentsmitgliedern' bestehenden, von beiden Flügeln der Koalition z-samm-ngefttzten Gruppe) eine große iiinerpolitische Rede, in der er für eine Koalition zur Bekämpfung de» Sozialismus eintrat. Lloyd George erklärte, die große Gefahr sei der phänomenale Ausstieg zur Macht einer neuen Partei mit äußerst umstürzlerischen Zielen. Diese Partei nenne sich Arbeiterpartei. In Wirklichkeit fei sie eine kapitalistische Partei. Sie reiße die anderen Parteien in Stücke, um daraus die bürgerliche Gesellschaft in Stücke zu reißen. Der Sozialismus bezwecke die Zerstörung alles dessen, was die großen Propyeten der Rührer bcider-Part-icn seit Generationen mühsam aufgebaut haben. Die unabhängig-« Liberalen unterstützten diese Revolutionäre. Ihre Artilleric helfe bie Verteidigungsstellungen der bürgerlichen Gesellschaft vernichten. Wenn sie Erfolg hätten, würden bie Sozialisten in die Zitadelle einbringen und dort allein herrschen. Lloyd George forderte alle, die sich der Gefahr bewußt feien, auf, bie Reihen zu schließen und schloß mit der Erklärung, daß alle Ataßnabmen getroffen werden müßten, um die große Wählerschaft aufzuklären, die zu einem nicht sehr entfernten Zeitpunkte zu entscheiden haben werde, damit, wenn Diese schicksalsschwere Stunde schlage, das Wohl Englands ruiig ihrer Sorge anvertraut werden könne. Die Rcvc des Premierministers findet in der Abend- presse größte Beachtung.
— Giftmord an König Carol von Rumänien? Der „Lokalanz." meldet über den Tsd der Königs Carol von Rumänien, daß der Rektor bei Universität Bukarest, Professor Begvan Duize, einen Artikel veröffentlichte, wonach König Carol am 11. Oktober 1914 ermorbert worden fei und zwar soll ihm Gist im Kaffee gereicht worden sein. Al« Urheber der rat werden Take ZoneScu und Continercu bezeichnet.'
(Weitere Politische Nachrichten Seite 3.)