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Hanauer U Anzeiger

General-Anzeiger

gaWl. OKertsebührMPsg.Bezugsvreis:Viertel- _ . , _ ., ,

ffi:»Ä «mlliches Organ für Sladl- und Landkreis Sanau

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Derlagsleitung: Ad. Jndermüble.

Verantwortlich: für politischen und allgemeinen Teil; RichardSultich: für lokalen und vrooinziMen sowie Sport Wilhelm Moritz: für Anreisen und Reklamen August Brod t.â in Sanau am Main. Rotationsdruck der Watsenbausbuchdruckerei Sanau.

Fernsprechanschlülle Nr. 1287 und 1238.

ÄS

Mittwoch den 16. Mörz

1921

Das Neueste.

Der Reichstag wird voraussichtlich am 22. März in die Osterferien gehen und am 12. April Mieder zusammentreten.

~ Der bayerische Ministerpräsident erklärte im Landtag, daß die bayerische Regierung die Nnwchnerwehc nicht auflösen werde.

Die bei der deutschen Regierung ein- gegangenen Schadensanmeldungen belaufen sich ruf rund 180 Milliarden Goldmark.

Infolge Ueberhäufung der italienischen Zollstellen wurde auf Ersuchen der italienischen Postverwaltung der Postpaketverkehr nach Ita­lien eingestellt.

In Berlin wurde gestern der frühere türkische Großwesir Talaat Pascha ermordet.

Das englisch-russische Handelsabkommen soll vor dem Abschluß stehen, nachdem Krassin aus Moskau weitgehende Versprechungen mit­gebracht hat. i

Das Syndikat der Bergarbeiter des Koh­lengebiets von Aveyron hat sich in seiner Haupt­versammlung mit-bedeutender Mehrheit für die Internationale von Amsterdam und gegen die Moskauer Internationale, ausgesprochen.

Die Schuld am Kriege

Am 19. März 1907 nahm der französische Oberst Go epp vom 26. Linienregimcut Nancy seinen Abschied und führte aus:

Am Ende meiner Laufbahn und in dem Augenblicke, wo ich mein Regiment verlasse, ist nie in großer Kuuuncp nur der, nach 35 Dienst- jahren nicht den Revanche krieg gesehen zu haben, den wir immer erw arteten. Vor zwei Jahiren glaubte ich, daß dieser Äugen­

Krieg muß aber kommen."

Gegen Oie Auflösung der bayer. Einwohnerwehren.

, Enthüllungen über die bayer. Königspartei.

In der gestrigen Sitzung des bayerischen Landtages kam Ministerpräfident K ah r in hier längeren Rede auf die schivebenden inner- olitifchen Fragen, die Einwohnerwehr und das cntwaffnungsgesetz zu sprechen. Er warnte Hor .den im Reich sich geltend machenden Ten­denzen, die.Axt âit. die innere Verwaltung der Einzelstaaten zu legen. Pas würde nur eine Schwächung des ReichLgedankens zizr Folge haben. Hier heiße es, die Augen offen zu

frage nach dem Abbruch der Verhandlungen in London und nach den in Kraft getretenen Sank­tionen völlig in den Hintergrund getreten sei. Die Londoner Verhandlungen ergäben, daß die Einwohnerwehrfmge gegenüber der Repara­tionsfrage von untergeordneter Bedeutung sei, trotzdem erkläre nun die Reichsregierung, an dem Entwaffnungsdiktat von Paris festhalten zu wollen. Durch dieses Vorgehen der Reichs­regierung sei die bayerische Regierung vollkom­men überrascht worden und sie habe gegen die­ses Vorgehen der Reichsregierung entschie­denen Einspruch «rhoben. Die bayerisch« Regierung wird von ihrer Anschauung, daß der Zeitpunkt für die Auflösung und die Entwaff­nung der Einwohnerwehren noch nicht gekom­men sei, und daß die Gefahren, gegen welche die Einwohnerwehren geschaffen wurden, noch fortdauern, nicht abgehen. Die Staatsregie­rung würde unverantwortlich handeln, wenn sie den Schutzdamm vorzeitig entreissen würde, und sie weiß sich darin einig mit der Mehrheit des bayerischen Volkes. Unsere Gegner wissen, daß die Einwohnerwehr ihnen nicht gefährlich wer­den kann und daß der Revolutionsgedanke keine Rolle spielt. Wenn sie gleichwohl auf eine mili­tärische Bedrohung durch die Einwohnerwehren Hinweise, so ist das nur ein Vmwand, und wenn sie die Auflösung verlangen, so geschieht dies nur wegen des Aufbauwertes, der in den Einwohnerwehren liegt. Unsere GeMer wollen uns nicht wieder emporkommen lassen und wir sollen als Volk und als Staat am Boden liegen bleiben. Sollen wir solchem Vernichtungs­willen, der in Widerspruch steht mit Recht und Gerechtigkeit und auch mit dem Friedensver- trage von Versailles, widerspruchslos nachgeben? Wie würde die Geschichte über ein Volk ur- __________ Willen, das Staats wohl zu be- haupten, n gt? Allein um diese Fra­gen handelt es . rind deswegen kann ich bei den gegenwärtigenVerhältnissen die Auflösung und die Entwaff­nung unserer Einwohnerwehr we­der billigen, noch jene verurtei­len, die sich nicht entwaffnen las­sen wollen. Die Zukunft Deutschlands hängt allein von der Kraft seines Willens, sich zu be­haupten ab. Ich bin überzeugt, daß wir trotz aller Meinungsverschiedenheiten auch über den Weg, der zum Ziele sührt, uns doch noch zusam­menfinden können.

Die französische Kammer über London

Paris, 15. März. In der heutigen Kammer- sitzung wird trotz des Antrages des Ministerpräsidentex Briand und des FinanzministerS Douiner, an erster

schaffen- Er sagt zum Schluß: Wenn die Verbünde­ten die Zahlung in natura ablehnen, dann wird der französische Schatz darunter leiden. Der Notenumlauf wird sich vermehren, das Papiergeld wird entwertet. Deutschland kann sein Geld darauf verwenden, seine Industrie zu entwickeln, Frankreich aber muß e» für seinen Wiederaufbau verwenden.

Nach dem Abg. Heneffy erhält der kommunistische Abgeordnete Marcel E a ch i n das Wort, um seine Interpellation zu begründen. Er verliest eine Erklär­ung im Namen seiner Gruppe, wird aber lebhaft unterbrochen. Er protestiert gegen die Aufrechterhal­tung französischer Streitkräfte in Cilicien und Syrien und erwähnt die Intervention PoincarS» zugunsten der Araber. Das sei jedenfalls eine Geste gewesen, die Poincarè ehre.

Der Kammerpräsident P e r e t protestiert, indem er sagt, die Kammer habe einmütig einen Gesetzentwurf angenommen, mit dem zum Ausdruck komme, daß Präsident Poincarö sich um das Vaterland verdient gemacht habe. (Lebhafter Brifall.t Wenn Deutschland nicht entwaffnet worden sei, fei dar die Schuld der herrschenden Klasse in Deutschland und Frankreich. (Im Hause herrscht großer Lärm. Die Abgeordneten der Rechten und der Mitte begleiten die Ausführungen der Redner mit ironischem Lachen). Er weigere sich, der Regierung und ihrem militärischen Unternehmen zu folgen.

Alsdann ergreift das Wort der Abg. D u t r a i l von der Pattei Arago: In Paris und in London hätte man viel von Reparationen, aber weniger von der Entwaffnung Deutschland» gesprochen. Da sei aber der Hauptpunkt. Der Wille zum Frieden herrscht weder beim deutschen Volk noch bei den Regierenden in Deutschland. Deshalb müsse die Tätigkeit der interalliierten Kontrollkommissionen verlängert werden. An zahlreichen Beispielen sucht der Abgeordnete zu beweisen, daß Deutschland den Friebcnsvertrag verletzt habe. Er verlangt delhalb eine Abänderung des FriedenSvertrageS von Versailles.

Der Abg. Auriol (rechtsstehender Sozialist) er­klärt alsdann, der Grundsatz der Reparationen, wie er in dem Vertrag enthalten sei, sei gerecht und mäßig. Gewiye (Stewenre tu * aber sobald dieser Ärundsa . ... _____

werde, entständen Schwierigkeiten. War jetzt fehle, sei die internationale finanzielle Solidarität. Gewiß seien die Vorschläge in London lächerlich gewesen, aber von verbündeter Seite hätte man vor

Die Schadensanmelduug der Fetu- bun-staaien.

Die Schadenersatzforderungen, die durch die Reparationskommission auf Grund des Artflel« 233 des Friedensvertrages bei der deuffchen Regierung angemeldet worden sind, belaufen sich auf nicht weniger als 180 Milliarden Gold­mark, wenn man die in der Landeswährung auf­gestellten Forderungen nach dem jetzigen Valuta- stand umrechnet. Die Unterlagen, * die dieser Forderungen beigegeben sind, find ungemein dürftig und machen eine gewissenhafte Nachprü­fung unmöglich, was nicht hindert, daß die Reparationskommisfion eine Nachprüfung in kurzer Frist, teilweise binnen ein bis zwei Wochen verlangt, widrigenfalls di« Forderungen rechtskräftig werden sollen. Selbstverständlich wird versmHt werden, gleichwohl in dieser kurzen Frist die Forderungen nachzuprüfen und auf diese Nachprüfung den unausbleiblichen Protest zu gründen, in dem auch der Beweis nicht fehlen wird, daß die Entente bei ihren Forderungen, zu deren Zusammenstellung sie sich zwei Jahre Zeit gelassen hat, gänzlich den Paragraphen 234 des Friedensvertrages über­sehen zu haben scheint, wonach bei der Fest, setzung der Forderungen die Leistungsfähigkeii Deutschlands zu berücksichtigen ist. Im Einzel­nen stellen sich die*Forderungen wie folgt:'

Es verlangt Frankreich 218 542 Millionen Franken.

England 2 006 000 kanadische Dollar uni 1706 800 000 Pfund und 7598 Mill. Franken.

Italien 33 087 Mill. Lire und 128 490 Mill. Pfund und 37 926 Mill. Franken.

Japan 822 800 Mill. Pen.

Belgien 36 630 Mill. Franken.

Bolivia 200 000 Bolivare.

SW «L

Brasilien 2015 Mill. Pfund und 598 00*

801 000 DollSrs.

Stelle einige kleinere Gesetzentwürfe zu erledigen, sofort die Diskussion über die vorliegenden Jnterpellatio-

hân und dem Uni t a r i t ä t S c i f c r des ^ie Sifsion übel die ^ Reiches rechtzeitig e n t ge ge nz u trc tc n. newW die Ergebnisse de D'c wichtigste Aufgabe sei und bleibe die Wie» Konferenz eingetreten. Minister

:r Londoner

derauftichtung der Staatsautorität. Den Aus­nahmezustand in Bayern halte die Regierung

nach wia vor für notwendig, um zu verhüten, daß Bayern erneut ins Unglück gestürzt iverde. Es solle aber nur eine vorübergehende Maß­nahme sein. Ausführlich ging der Minister­präsident auf die Erhaltung der Ein­wohnerwehr ein. Sie bilde eine Äöwehr

Konferenz eingetreten. Ministerpräsident Briand erklärt jedoch, daß die Regierung am Donnerstag ihre Erklärung abaeben wird, da an diesem Tage die Mit­glieder der Berattriig beiwohnen könnten, die den

Segen älle Stöiungsversuche von rechts und links und haW keinen militärischen Charakter. Ein Bedürfnis für diese Organisation dauere hier noch an. Die bolschewistische Gefahr be­stehe noch unvermindert und die Eipwohner- Wehr sei keine reaktionäre Einrichtung. Die Be- sürchtungen in dieser Hinsicht' seien vollkommen unbegründet. Es bestehe volle Uebereinstimmung karin, daß von der Einwohnerwehr jede Politik strnzuhalten sei. Der Ministerpräsident nahm beiden in den Selbstschutzorganisationen unb der Einwohnerwehr hervorgetretenen Män- ^i Escherich und Kanzler in Schutz gegen die Vorwürfe, die besonders von der Königspartei gegen sie erhoben wurden. In diesem Zusam­menhang rnachte er die Mitteilung, daß es sich hier um eine Aktion gewisser Kreise der baye- , 'lchen Königspartei und des Grasen Bodmer Mndle, die Ende Januar verabredet wurde.

lvurde damals beschlossen, mit Beschwerden Einzelnen Abgeordneten Heranzutreten Weil die Orgesch und die Orka als poli- Ichc Organisationen bloßzustellen, dje Ragie- zu stürzen, ein politisches Chaos herbeizu- um da"" das Volksreferendum zu ver- ®^ dieser Sache scheinen die Fäden ^Oesterreich und nach dem Westen eine Rolle ^u haben. Der Ministerpräsident hebt S ®^ hervor, daß die Mitglieder des

Präsidenten der Republik auf seiner Reise begleiteten.

Als erster Interpellant nimmt Abg. Henessp da« Wort, der eine Reihe von Fragen stellt. In welcher Lage, so sagte er, befinden wir uns? Was wollen wir morgen tun ? Sind wir durch das Ab» kommen von Paris gebunden, oder wollen wir uns wieder an den Vertrag von Versailles halten? Sind die Sanktionen augenblickliche Zwangsmittel 00er dauernde Pfänder, die uns dafür Garantien geben sollen, daß Deutschland seine Verpflichtungen erfüllt. Der Abgeordnete bemängelt die öOprozentigc Abgabe vom Vcrkaufswert der deutschen Lieferungen in den verbündeten Länder. Selbst in England habe sich die Regierung da« Recht Vorbehalten, die Grundlage die­ser Steuer abzuändern. Es fei nicht sicher, daß Ita­lien, Belgien und Japan die gleiche Abgabe einführ» ten. Auf alle Fälle aber könnten diese Länder nach ihrem Gutdünken verfahren. Das fei ein unsicherer Zustand. Anstatt daß Deutschland Zahlungen mache, um den Verbündeten zu liefern, werde es seinen Han­del nach Rußland leiten. In längeren AuSführnngen, in denen der Abgeordnete Vergleiche zieht zwischen der Art, wie 1870 die Kriegskosten bezahlt wurden, und der Art, wie Deutschland heute seine Verpflichtungen erfüllt, spricht der Redner davon, daß Dentichland durch feine Materialien und durch feine Arbeitskraft bezahlen könne,

Ministerpräsident Briand erklärt, in London habe Reichsminister Dr. Simons einen derartigen Vorschlag gemacht, aber sehr vage. Wenn ihn die irauzösischc Negierung augebört hätte, hätte sich daran eine Diskussion gckiiüpft, die jetzt vielleicht noch nicht beendet sei.

Abg. H c n e s s y sagt: Das mag wahr fein, aber mir und die Verbündeten könnten doch Wünsche über die Zahlungtart formulieren.

IyaKa^a .«v^Lvur, vüij oic MitßlieDCr oc# t,-!?» * Königshauses dieser ganzen Sache

E^gestand-N hnttAM w.Tak^.,.. cm:; 1

Der 9lbg. Trespel, unterstützt von drei weiteren .Adgtordnet-n aus den Norddepatt-mkntS erklärt: In

den verwüsteten (Ücbtckli sei alle Welt der Ver­wendung d e nt s ch e r Arbeiter feindlich gesinnt. Die Zustimmung zu dieser Maßnahme kommt nur von der äußersten hinten. Der Abgeord­nete entwickelt seine These weiter, aber oft unter«

iri1 r. . " ^^ v-."^- v1 v yuJlfpH vimo

SM hätten. Alsdann ging der Mini- Verba m* ^ das zur Zeit im Reichstag zur I»k ^, ""9 stehende EntwaffnungSge« ne« tinwiacu jciite xikw weiter, aoer on unter« in und betonte, daß die Entwaffnung», drackeu. und er kann sich nur mühsam Gehör ver.

dem Dilemma gestanden, entweder einen Rabatt zu gewähren ober zu Sanktionen zu schreiten. Man könne her Regierung nicht den Vorwurf machen, b«6 st« offiziöse Besprechungen unternommen hätte, um den Bruch zu verniciden. Man müsse aber ver­langen, daß man die Berichte der Sachverständigen kennen lerne, um sich ein Urteil bilden zu können. Er begreife, daß Deutschland das Ergebni» der Volks­abstimmung in Oberschlesien abwatten wolle. Wenn e» sich beuge, kehre man dann wieder zum Abkommen von Pari» zurück? (Der Abgeordnete Forgeot ruft dazwischen: KeineSweg«. Dieser Abkommen besteht nicht mehr. So liegt die ganze Frage.) Abg. Auriol fährt fort : Auf alle Fälle beginnt der bewaffnete Friede mit einem Eewaltstreich angesichts der Passivität Deutschland«. Düffeldorf ist der Ausgangspunkt. Wo ist^daSEnde? Etw«imRuhrgebitt?WiewerdendieAbgaben von den deutichen Lreferüngcn verteilt werden? Soll jeder Staat die Steuern behalten, die er einkassiert, oder den Betrag der Reparationskasse überweisen, um verteilt zu werden nach der bekannten Skala? (Briand ruft dazwischen, er werde noch im einzelnen darauf zurückk ommen.) Auriol sagt, das englische Gesetz über diese Maßnahmen sei einfach zum Schutz deS eng­lischen Handels bestimmt, damit die deutsche Produktion nicht nach England kommen könnte. Wenn eine Zoll­grenze am Rhein entlang errichtet werde, dann würden gewisse Robmatermlien und Fertigprodukte doppelt mit Zöllen belegt. Wenn man aber die Rhein­lande schone» dann werde man nur schwache Ergeb­nisse erzielen, die nicht« cinbrächteu. Man werde aber protestieren. Wer werde schließlich die Kosten für das Besatzungshccr lutb für die Zollbeamten bezahlen ? Würde nicht von 150 Millionen Goldmark, die die deiitscheu Zollciniiahmcn brutto einbringen sollen, viel durch die Kosten verloren werden? Sdion schätze mau die Bcsatzung»kosten seit dem Wayenstill- staild auf 4'/, Milliarden Papirrfranc». Sie hätten einen großen Teil der deutschen Zahlungen amortisiert. Der sozialist. Redner fragt deSdalb, ob man nicht anber« ivärtS die 30 Milliarden für den Wiederaufbau und die Pcnsioncil finden könne. England und Amerika hätten nicht daS glelcheBtdürfN!» wie Frankreich, ihre schwebende Schuld zu verringern. Man habe in dem Reparations- Problem nicht nur ein finzianelle« Moment, sondern auch ein wirtschaftliches zu suchen. Zahlungen in natura und in Arbeitsleistung würde im übrigen die Arbeitslosigkeit verschärfen uub brächten kein Geld ein für die Zadlnng der Pensionen. Man müsse ein internationaler Wicderaus- bauangebot macken, an dem die ^«schädigten, die Unternehmer nnb die Arbeiter, beteiligt seien. Dadurch könne man die Arbetttaervältmffe regulieren. Das Betriebskapital für dicies Unternehmen müsse durch eine internationale Anleihe unter Mitarbeit von Amerika aufgebläht werden. Dann könne Deutsch­land nicht mehr über seine Zahlungsunfähigkeit nörgeln. Ein derartige» Unternehmen fit schwer in die Tat nmznsctzen. aber «» sei in Anbetracht der wichtigen Wiederanfdauplan« einer ernsten Betrachtung wert.

- Nack dem Abgeordneten Auriol spricht der Abg. D n r a f 0 u r von her radikalfozmlistffcken Partei, der ich hauptsächlich mit der Frage der Londoner 53er« mudlungen beschäftigt. Er wünscht Anfklärung über die Koui-iomißvervandlungen.Nach seiner Rede wird die Debatte auf meraen vertäut

; Griechenland 5 070 239 000 Goldfrrnken. , Haiti 612 000 Franken.

Liberia 3 977 000 Dollar.

Peru 56 000 Pfund, 107 000 Franken.

Polen 9 818 831000 Franken unb 4 385 043 000 Goldrubel und 500 000 OOP deutsche Mark.

Portugal 1944 261 000 Contos.

Rumänien 31099 401000 Franken.

Südslawien 8 496 091000 Dinare unB 19 972 500 000 Francs.

Siam 5119 515 Tie.

Tschechoslowakei 7 612 400 000 Francs.

Ermordung

eines türkischen Grotzwesirs.

Eestem vormittag wurde in Tharlöttenburg ein älterer Herr durch einen Ausländer hinter­rücks erschaffen. Der Täter warf ben Revolver weg und versuchte zu flüchten. Er wurde vom Publikum ergriffen und nach der Mommsenwache gebracht, hier stellte man den Täter, der nur gebrochen deutsch spricht und einen Dolmetscher verlangte, als den oierundzwanzigjährigen Stu­denten Salomon Teilirian, geboren in Salmas, Persien fest. Die Untersuchung hat ergeben, daß es sich bei dem Ermordeten um den früheren türkischen Großwesier Talaat Pascha handelt, der seit dem unglücklichen Ausgang des Welt- trieges unter dem Pseudonym Ali Sali Bey sich in Berlin aufhielt. Talaat Pascha gehört zu den von der Entente am meisten gehaßten türkischen Staatsmännern. Er war eben im Begriff, sich nach der Türkei, und zwar nach Angora zurückzubegeben, wo ihm, wie man vermuten darf, eine führende militärische Rolle zugedacht war. Noch gestern wurde gemeldet, daß die Entente seine and Enver Paschas Aus­lieferung von Deutschland verlangen wolle. Talaat Pascha suchte wie Erwer in einem engen Anschluß an Deutschland und die Mittelmächte die Entwicklung der Türkei zu fördern.

Der Mörder Tdlaat Pascha» erstatte laut Verl. Lokalanzeiger bei seiner Vernehmung, daß er Anhänger der Blutrache sei. Talaat habe seine Eltem töten lassen und deshalb habe er Rache an dem Großwesier genommen. Dar. Verbrechen steht .also im grundsetzlichen Zu. sammenhang mit' den Armenieroettreidungen während des Krieges unter der Staatsleitung Talaat Paschas.

Beleidigung des preuftifAeit Minister. Präsidenten. Einer SUiittermelbuna aus Magdeburg infolge wurde der Redakteur Rötde von der .Maqdeburger Leitung' wegen Beleidigung bei preußischen MiniüerprSiideuten Braun zu 500 Mari Geldstrafe verurteilt. Nöthe hatte in einem Arttke dem Ministerpräsidenten ein nicht einwandfreie» Brr. halten in der Bestechung»offärc bei ijkbttmrntl August» vorgeworfe«. Da« Gericht kam zu bet Entscheidung, daß her Angeklagte den Wrhrdeit»h«w«i» «kicht geführt »her in gutem Glauben aedaudekt hab«.