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General-Anzeiger
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M. 62
Dienslag den 15. März
1921
Das Neueste.
I — Gegen die Sewaltmaßnahmen des FeindbundrS I die ReichSregierung beim Völkerbund protestiere.
— Die Reparation!» - Kommission hat in ihret I Mifetgen Sitzung u. a. beschlossen, spätestens am 1. Mai I Js. die Summe der deutschen Schuld mitzuteilen. I — Die Drucklegung der ersten Bände der Akten I bei Auswärtigen Amte» über die Ursachen der Welt- I stiege» hat begonnen.
— Wie au» Hamburg gemeldet tmrd, rst dort aber« I „alr ein bewaffneter englischer Dampfer im Hafen erschienen.
^ DaS 12 000 Mann starke Kavalleriekorps Bud- fenny ist nach vorliegenden Meldungen zu den Auf- fjjndischen übergegangen.
— Zn der vergangenen Agcht wurde in Frankreich I die Sommerzeit eingeführt.
— Nach einer Meldung aus Dublin wurden sechs ium Tode verurteilte ©innfeiner gehängt.
: I
Die Schuld am Kriege.
f Nach Entstehung der Triple-Entente zwischen Frankreich, Rußland und England berichtete der belgische Gesandte in Berlin, Baron Greindl, an seine Regierung am 23. Sep-
I temfter 1905:
„Der von Deutschland geleitete Dreibund hat uns dreitzig Friedensjahee in Europa beschert. Die neue französisch-eugNsch- russische Triple-Entente würde kein Ersatz sein, sondern im Gegenteil eine Ursache dauernder Beunruhigung. . . , Die neue Berteilung der englischen Seestreitträfte SIN M ^^tfelhaft gegen
Deutschlgnd." M '^
trsch bezeichnet. Besonders bemerkens»vert ist der Ueber gong von bolschewistischen Regimentern zu den Revolutionären, woraus man den Schluß ziehen kann, daß letztere reichlich mit Lebensmitteln versorgt fiub. Ob der antibolsche- wistische Aufftand sich auch auf das Innere Rußlands ausgedehnt hat, läßt sich zur Stunde noch nicht sagen, da wir über die Lage im Innern aus verständlichen Gründen sehr knapp informiert sind. Zweifellos setzen die Bolschewisten dem Aufftand einen Widerstand entgegen, der, von Verzweiflung getrieben, vor keinem Mittel zurückschemn wird. Die Bewohner des arnâ, unglücklichen Landes, die die Opfer eines aus irrer Menschheitslehoe geborenen RegierMgssystem sind, werden vielleicht die apokalyptischen Reiter, Hungersnot, Bürgerkrieg, Pest und Tod in der furchtbarsten Erscheinung erleben.
Von den uns vorliegenden Nachrichten über den Aufstand geben wir folgende wieder:
Helsingsfor», 12. März. Ein finnischer Kurier, der gestern aus Morkau eingetroffen ist, bestätigt die Berichte, daß in .den Straßen von Moskau verzweifelle Kämpfe stattfinde«, bei denen schwere Artillerie in Tätigkeit getreten ist.
Reuter meldet aus Reval, daß an der estländischen Grenze in der Nähe von Narwa am Mittwoch und Donner-tag große Scharen kommunistischer Flüchtlinge eingetroffen sind, die in Kon«ntration»lâgern untergebracht worden sind. Ein Regiment, das von Kurst nach Peterkburg gefattirt worden war, nm Kronstadt anzugreifen, ist zu ben Revolutionären fibergegangen.
Kopetthaa««, 12. März. Einem Telegramm auS Helsingfors zufolge ist am Freitag in Kronstadt eine Feuersbrunst ausgebrochen. Da» Geschützfeuer war außerordentlich lebhaft. In der Nacht zum 10. März wurde au» Kronstadt ein drahtlose» Telegramm ver- a. beißt: Die Arbeiterschaft Kron-
Wichtige Beschlüsse der Reparations- Kommission.
Kestsetzung der deutschen Schuld.
Pari ö, 15. März. Wie „Petit Parisien" mitteitt, hat die Neparationskommisston sich gestern versammelt, um Deutschland aufzufordern, den Artikel 285' des KriedenSvcr- trageS auszuführe», d. h. de» Rest der Summe zu Vegleiche», der nach Anstcht der Kommission noch nicht »«zahlt ist. Es handelt sich hier um die 20 Milliarde» Goldmark. Bekanntlich hat Deutschland «ach feiner Ansicht für 21 Milliarden Goldmark Waren feit dem Waffenstillstand an die Alliierten geliefert. Die alliierten Regierungen behaupten dagegen, daß nur die Summe von 8 Milliarden erreicht worden sei. — Die Neparationskommisston wird ferner gemäß Artikel 233 spätesten» am 1. Mai 1921 Deutschland de« Betrag der Schuld mitteile«, deren Ersatz der Vertrag vorschreibt. Das Blatt fügt hinzu, dieser Betrag sei notwendigerweise höher, alS die Summe, die das Abkommen von Paris festgesetzt habe. Mit andere« Worten, so schreibt das Blatt, wenn Deutschland bei seiner Ablehnung beharrt, wird es die Alliierten zwingen, di« lückenlose Ausführung des KkiedenSvertragS zu verlangen. Das sei die Bedeutung der gestrigen Sitzung der Neparationskommisston.
Sie Zahle» von KeyneS bleiben die Grenze.
Sie Ventralen zur Ausfnhrabgabe.
Ipu. Amsterdam, 15. März. Im gesamten Export. Handel ist nach bet Londoner Konferenz ein Stillstand eingetreten, der die weiteren Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und allen neutralen Ländern emstlich in Gefahr bringt. Die Importfirmen haben sofort, nachdem Lloyd George» famoser Plan mit der Einkassierung der 50 Pko,ent bekannt wurde, zunächst die Aufträge »der nächsten Zeit abbestellt und die Abnahme der fertigen Waren verschoben. Umsätze sind seit Anfang voriger Woche nicht mehr getätigt wordm. . Allgemein wird die Entwicklung der politischen Vorgänge ab« gewartet, obwohl max sich darüber klar ist, daß die Entente den deutschen Handel mit den Neutralen nicht unterbinden und ebenso nicht die Weiterbeförderung der au» neutralen Häfen abgehenden Waren ans halten kann. Wenn die Entente auf die deutschen Waren gänzlich verzichtm will, so ist daS ihre Sache, aber Krieg»mittel lassen sich im Frieden gegen die Neutralen nicht anwenden.
Politische Tagesberichte.
— Das geplante Attentat auf der Siege«' faule. In einem Berliner Abendblatt werden über die Untersuchung, die sich an da« auf der Siegessäule geplante Attentat anschlietzt, sensationelle, aber durchaus unzutreffende Mittet, lungen verbreitet.. Demgegenüber erfährt das Wolffbüro von zuständiger Stelle: Es wurde weder ein großes Komplott festgestellt, noch find gestern im Laufe des Tages in Berlin umfangreiche Dynamitfunde gemacht worden. Im Ser«
laufe einer Entwaffnungsattion wurden allerdings von der Kriminalpolizei verschiedene Lager von Waffen und auch von Sprengstoffen gefunden. Diese zeitlich weit auseinander liegen- )en Feststellungen mit dem Anschlag auf der Siegessäule in Verbindung zu bringen, liegt bisher keinerlei Anlaß vor. Auch von geplan-
Die Revolution in Rutzland.
nahme der kommunistischen, übereinstimmend bet urteilt. Diese Ereignisse haben tatsächlich eiw ganz außerordentliche Sebeutittig. Mit ihnen beginnt eine neue Etappe in der Entwicklung der russischen Revolution. Von Ronstadt aus gingen die ersten Kundgebungen in das russische Land, die zur dritten Revolution aufriefen. Der ausschlaggebende Faktor hierfür. dürfÄ ebenfalls der Hunger in dem großen Lande gewesen sein — und der ist bekanntlich der gefährlichste Umstürzler. Die Menschheit ist be- ingt durch Bedürfnisse; sind diese nicht beftieS
in Sowjetrußland zu erleben.
Es sind erschütternde Bilder, die dieser Tage von einem Hanauer, der vor drei Wochen aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückgekchrt ist, uns gegenüber über die Not in dem unglücklichen Laud entrollt wurden, Silbers in denen als bte markanteste Erscheinung „der Hungerwahn- ftnn* im Mittelpunkte steht. Und dieser ent- etzenerregende. Gast weilt bekanntlich schon so Mgr in Rußland, solange das NeO-i:nt der Bolschewisten besteht. Und wenn Zahlen die verzweifelte Situation her „Sowjetherrlichkeit" Lenrns und Trotzkis darlegen können, dann sind es gewiß Lie, die von den Mengen des Saatge- ^r Sowjetregierung Kenntnis geben. Abbestellung der Felder sind in diesem Frühjahr nach. den bolschewistischen Berech- nungen 220 Millionen Pud Saatgetreide not- wendig, in Mrklichkeit aber verfügt die Regierung nur über etwa 22^ Millionen Pud, d. h., e sind etwa 200 Millionen Pud weniger vor- ^uden, als gebraucht werden. Dazu kommt diel oustandige Zerrüttung des Transportwesens, teilweise Betriebseinstellung der russischen Industrie. infolge Mangels an Heizmaterial/ ^ gänzliche Versagen des Regierungsappa-
Herrschaft der Partei a_____,.T«ttwwen, m^uu die RSteregierung mit ihrem blutigen Marschall an der Spitze den Willen der arbeitenden Volke», indem sie redliche Arbeiter erschießt und Gewalt gegen sie anwendet. Wir versichern den arbeitenden Völkern der
Haag, 14. März. In einem Artikel „Entschä- ten Attentaten auf einzelne prominente Person tzuerhalterr, lähmt f'to^g?;^"^ fische Ncil.ontilokono
rlenMktione»", den er im - —, —suchen schrervt, weist der eng, okonom Professor Lee Smith darau hin, daß Keynes' Zahl für alle Sachverständigen noch immer die äußerste Grenze dessen, wa» Deutschland wirklich leisten könne, darstelle, und daß schon die
linierten ist der Krimmalpolizei nicht das geringste bekannt. — Von den bisherigen ^rge^ Nissen der Untersuchung und der verfolgten Spur kann im Interesse des Aufllärens des Ver- brechens vorläufig noch nichts mttgeteiü werden.
ersten verhöhnten deutschen Geaenv»rschlü»e darüber beträchtlich hinausgmgen. Der Gelehrte knüpft daran folgende berechtigte Bemerkungen: Und nun beachte man, wie diese Vorschläge ausgenommen wurden. Keynes' Zahl ist sowohl von den Arbeitern all von den liberalen Politikern akzeptiert worden, A»quith hat sie sich in der Vafiley-Wahl ausdrücklich zu eigen «gemacht. Ein Blatt wie die „Daily Mail" nimmt sie m^ntt^R>nÄn>^« â^a^-^lrerse in Stockholm, beständig zum Leitfaden. Die ganze Londoner Presse, wvnach Bud,mny^KavaLmekorps,^120M Mann stark, öom „Herald" abgesehen, folgt Lloyd George» Beispiel höhnischer Abweisung, die „Daily News" voran. Die deutschen Delegierten waren in der Aufmachung ihrer Sache verblüffend ungeschickt. Statt von solchen Vorschlägen auszugehen, wie sie Keyne» machte, nahmen sie ihren Autgangspunkk von den Pariser Vorschlägen, suchten ihre eigenen aus diesen zu deduzieren und fanden sich so beständig durch phantastische Absurditäten der Zahlen gehindert, von denen sie auSgingen. Deshalb bleiben ihre Vorschläge aber doch da» Aeußerste
Welt, daß an unserer Spitze keine reäflionâren Generale stehen und daß wir mit Finnland nicht verhandelt haben. Wir verfügen über Waffen. Munition und Lebensmittel für so lange, als erforderlich ist, um die Kommunisten zu besiegen und die Kämpfe zu beenden.
Stockholm, 13. März. „Aya Dagligh Allehanda" veröffentlicht ein Telegramm aus Reval an gut i«-
das von den Bolschewisten den Befehl erhielt, ans Südrußland nach Moskau zu marschieren, um eventl. gegen Kronstadt verwendet zu werden, bei Drei zu den Revolutionären übergegangen ist. Drei befindet sich nach sicherer Quelle in den Händen der Revolutionäre.
London, 14. März. Die „Times" erfährt aus Riga, daß die Matrosen von Kronstadt die Festung Oranienbaum genommen und dort h
!— Wie die Sachserstäudigen, die den Inhalt des in der Siegessäule vorgefundenen Spreng- paketr untersuchten, dem „Achi-Uhr-Abendblatt" mitteilen, wäre bei der Explosion nicht nur die Siegessäule vollständig in Trümmer gelegt worden, sondem auch das Vismarckdenkmal, das Krollsche .Etablissement und »er auf ben. Königsplatz hinausgehende Flügel des Reichstagsgebäudes wären demoliert worden. Hunderte von Menschen, die bei dem schönen Wetter um die Siegessäule herumstanden, wären ums Leben gekommen.
— Normaler Verlauf der Teansportvewe» gttng «ach Oberschlesten. Von her Zentralstelle für die technische Durchführung der oberschlefischen Abstimmung wird mitgeteilt, baß bi» zum 14. März abends die TranSportbcweguug ziemlich normal war
hatten 400 Tote und 1300 Verwundete. Die Matrosen von Kronstadt beginnen unter dem Schutz der Kynonen von Kronstadt auf Peters- bmg zu inarschieren, Eisbrecherschiffe machen gegenwärtig eine Fahrtrinne für die Flotte frei. Im Suden sind die Aufftändischen endgülttg Herren von Tambow. Es wird ferner gemeldet, daß .die gtzgènbolschewistische Bewegung sich auch nach Sibirien und nach der Ukraine ausdehnt. Die „Times" erfährt ferner, daß Trotzki ein Ulttmatnm an Finnland gerichtet hat, in dem Finnland aufgefordext wird, die Beziehungen mit Kronstadt einzüstellen.
Die Versorgung von Kronstadt mit Lebensmitteln ist durch einige aus Europa eingetroffene Schiffe mit großer Ladung möglich gewesen.
Kopenhagen, 14. März. Berlingske Tidende meldet aus. Helsingfors: Am Sonntag morgen wurde der Arttlleriekampf zwischen Kronstadt und Petersburg wieder ausgenommen. Die militärische Lage ist unoeränbert, und es besteht keine tatsächliche Grundlage für die von ser Sowjetregierung verbreitete Meldung, daß die Lage für die bolschewistischen Truppen eine günstige Wendung genommen habe.
Die heute eingetroffenen bolschewistischen Zeitungen veröffentlichen die Rede, die Lenin auf dem letzten Kongreß der Bolschewisten in Moskau gehalten hat. Lenin gab zu, daß der wirtschaftliche Zusammenbruch die Regierung hindere, die .kommunistischen Grundsätze nach chren Wünschen durchzuführen. Er gab auch zu, )atz sich überall in Rußland Bewegungen gegen die Diktatur des Bolschewismus zeigen. Schließ-
V^ ,^hâ kein Wunder, daß sich im, der Zeit Aufstände bemerkbar machten, die mâls der diktatorischen Gewalt immer. liAx- "Erdrückt werden konnten, bis schließ- Eh^» Kronstädter Matrosen bën Anstoß zur' hâ°r"^ âd Auflehnung gegen die Gewalt- dest-n ^^ und so einen Aufftand inszenierten, ote Diktatur Des Bolschewismus zeigen. Schließ- führt ^ cnoch nicht obzufthen ist. Kronstadt-! lich erffärte er noch, daß d er russische Sol- Uii„lO ^ Et oder ohne Unterstützung der dat allmählich die Fähigkeit zum arbeiten Ma^" ^d.t Aoch nicht einwandfrei fest — verloren habe und Bandit geworden sei. $oltow;r? *"â regelrechten Krieg gegen die Parks, 14. März. Wie das „Echo de Paris" mittet rtCn Zut Hilf« aller modernen Kriegs- aus London erfährt, sind die von den Kron- «foiV x^r Ausgang dieses Kampfes ist un- stabtet, Aufständischen nach Moskau entsandten den mw r ?^d die Lage der Bolschewisten 'n Vertreter sofort bei ihrem Eintreffen erschossen lolaenden Meldungen als äußerst kri- worden.
Schwarze Truppe» in de«, »«u-efetzte«Gebiet.
Berlin, 15. März. Nach einer Blättermeldung aus Duisburg sind dort zwei Abteilungen farbiger Truppen- eingetroffen und zwar Schwarze und Annamiten. Sie werden vorläufig in ihren Quartieren zurückgehalten.
Ein englischer Abgeordneter für ben Einmarsch in Berlin.
Londgn, 14. März. In einem Artikel in der „National News" kündigt der Abgeordnete Bottomley an. er wèrde heute im Unterbaute einen Antrag einbringen, der den Vorschlag des sofortigen Einmarsches nach Berlin enthalte, um Deutschland jene Bedingungen aufzuerlegen, die ihm zu zeigen geeignet sind, daß es den Krieg verloren habe. Bottomley will, daß die Annahme seines Ent° Wurfes den Regierungsentwurf über die deutschen Entschädigungszablungen überflüssig mache.
Die Ausfuhravgabe.
London, 14. März. In der Times wird darauf hingewiesen; daß Vie ReparattonsbM unlösbare Verwirrung im englischen Handel nicht nur mit Deutschland, sondern auch mit allen europäischen und vielleicht sogar mit außereuropäischen Ländern erzeugen werde. Sie werde dazu führen, Deutschlands Handel nach den Neutralen abMlenkn. (Ein solches Ereignis werde den internationalen Handel in einem Augenblick ernster Notlag« hemmen. Es sei auch wahrscheinlich, daß die Bill ihren Hauptzweck, größere Beträge zur Tilgung der Reparationsschuld an das Schatzamt abzuführen,
keineswegs erfüllen werde.
Die Times ist jedoch der Ansicht, daß die Bill für Deutschland eine Sttafmatznahme bedeutet, und daß daher eine Schädigung des englischen Ueberseehandels durch die Reparattons- nU in Kauf genommen werden müßte, da sie Deutschland noch mebrUnaeleaenheiten vemrsache.
ten von Niederschlesien und dem Oberpräsidenten vor Otzerschlesien 'begrüßt, dabei kam er zu machtvolle« KuNigebangest für das Mutscht««.
— Polnisch« Stlmmtart<»v«rtäuf«r. Don der Zentralstelle für die technische Durchführung der oberschlesischen Abstimmung wird mitgeteilt, daß ans der Fahrt von Cottbus bis Sagan polnische Stimm- kartiqaufkäufer feftgenommeu worden sind. Weiter haben''sich in mehreren Orten, auch in Oberschlesien, polnische Agenten als Kriminalbeamte oder Vertreter deutscher Abstimmungsorganisationen aulgegeben. Sie haben die Papiere der Abstimmungsberechtigten zur Einsicht gefordert und sind kann mit thue« 6er« schwunden. ES muß deshalb erneut darauf Angewiesen werden, daß kein Stimmberechtigter während der Reise und in dem Abstimmungsgebiet ferne Stimmkarte aus der Hand geben darf.
— Schießereien zwischen Polen und Ab- stimmungspolizisten. Nach Blättermeldungen laut eS im Anschluß an eine Polenversammlung zwischen Abstimmung-polizei und Polen zu einer Schießerei, in deren Verlauf mehrere Polen sowie zwei Abstimmuna»- beamte getötet, sechs schwer verletzt wurden. — Wie die Vossische Zeitung au» Königshütte meldet, wurde . im Walde von Parchowitz der deutsche Apo-Haupt- mann Luschin erschossen. Er befand sich auf der Fahrt durch den Wald gemeinsam mit einem französischer Hauptmann und dem englischen Koiitrilloffizier bei» Kreitkontrolleur in Rybnik.
— Die schlechte GrnäHkUttSslagc Polen». Bezeichnend für die Ernährungklage in Palen fint eine Reihe von Verordnnngcn, die der neu ernannte polnische SrnährungSmimstcr Grodzischki erlassen hat. Er mürben laut Bosfischer. Zeitung zwei fleischlose Tage wöchentlich eingeführt, ferner ein Verbot bei Verkauf» von Delikatessen, Schinken und Kâsc, erlassen, eine außerordentliche Vereinfachung der Gasthaus- Speisekarte bestimmt und ein Standard-Brot einge- 'ührt.
— Der Mörder des spanischen Mintster- prâfidcnten. Die Polizei verhaftete einen zweiund- zwanzigjährigen Anarchisten namex« Petro Mateo au» Tarragona, der eingtstanden hat, daß er den Ministerpräsidenten Dato ermordete. Auch die Na»«« seiner Ptittäter hat er angegeben.
(Weitere „Politische Nachrichten^ Seite 6.)