Hanauer «Anzeiger
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General-Anzeiger
Amlliches Organ Mr Stadl- und Landkreis Sana«
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage
Verlagsleitung: Ad. Jndermüble. Verantwortlich: für politischen und allgemeinen Teil Richard Hultsch: für lokalen und vrovinrielle«Teil sowie Sport Wilhelm Moritz: für Anreisen und Reklamen August Brodt. alle in Hanau am Main. Rotationsdruck der Waisenhausbuchdruckeret Hana«. Fernsprechanschlüsse Nr. 1287 und 1238.
M. 58
Donnerstag den 10. März
*es
1921
Das Neueste.
. _ Die deutsche Delegation ist gestern abend, begrüßt «i ttner großen Menschenmenge, in Berlin eingetroffen.
_ Im Auswärtigen Amt wird ein deutsche- Weiß- u* aurgearbeitet, das den Gang der Londoner Veredlungen »iedergeben wird.
_ Nach zuverlässigen Nachrichten sind von Belgien mh Frankreich 450 000 Tonnen ReparationS-Kohlen ui Holland verkauft worden.
_ Die Alliierten dehnen die Besetzung weiter aus.
— Die gestrigen interfraktionellen' Besprechungen stcr die Regierungsbildung ix Preußen sind ohne èrfolg geblieben. Demokraten und Zentrum verlangen eine Erweiterung her Koalition.
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Mellgeschèchte und Friebens-
1 verkrag.
; Am 14. Dezember 1917 hat Wilson, der dieser T<M das Weiße Haus in Washington verlassen ^it, in einer Ansprache im Senat gesagt: ,Die Hand Gottes liegt schwer auf den Völkern. Er wird nur dann mit ihnen sein, wenn sie sich zu den lichten Höhen seiner Gerechtigeit und Bnade erheben." Es sind gewiß tiefreligiöse Worte, die der Mann einst gesprochen hat, der -berufen schien, nach blutigem Völkerringen der Welt Ruhe und Frieden zu bringen, der aber Mglich versagt hat. Es sind ohne Zweifel Worte der Wahrheit, die der geistige Vater des unmöglichen Völkerbundes einst verkündet hat, mag mn zu ihm stehen, wie man will. Gerechtigkeit mb Gnade! Die Sieger in dem großen Kampf ^ben sich nicht zu den lichten Höhen göttlicher Gerechtigkeit und Gnade erhoben, sie haben das Gegenteil getan, sie haben sich der Rachsucht, dem )aß, der Grausamkeit verschrieben. Ihre Staatsmänner verkündeten der aus tausend Bünden blutenden Menschheit: „Der neue Frie- KäM.M Fortsetzung des Krieges, nur mit mveren Mitteln." Darum will die Rot uno -uus ssoße Elend nicht von den Völkern weichen/ torum liegt die Hand Gottes nach wie vor schwer tuf ihnen. Der Frieden, der in jenen Junitagen es Jahres 1919 in Versailles abgeschlossen vurde, ist kein Frieden, er ist ein Frevel, eine politische Unsittlichkeit, wie sie seit Bestehen der christlichen Zeitrechnung nicht begangen worden ist, ein Frevel an der Menschheit, ein Frevel, der wf die Versklavung eines 60 Millionen-Volkes und den sicheren Hungertod vieler Millionen wn Mitmenschen hinzielt. So sieht die „Gerechtigkeit und Gnade" aus, von der. einst Wilson sprach, Wilson, dem das deutsche Volk blind- links gefolgt ist. Gerade in den gegenwärtigen Tagen bekommen wir jene „Gerechtigkeit" wieder recht deutlich zu fühlen. Nicht Gerechtigkeit, Dicht Recht, sondern Macht, Gewalt regiert heute die Welt, Gewalt, die das Fundament des ganzen Friedensvertrages bildet.
Dieser Friedensvertrag von Versailles, der Sanz Europa beunruhigt, der uns und der ganzen Welt ein Wirtschaftschaos gebracht hat, das schlimmer auf den Menschen und Dingen lastet, als die Schrecken des Krieges, spielt in der ; Weltgeschichte eine große Rolle. Wie lange noch, °W läßt sich heute noch nicht sagen, — aber ; r^r ist, daß eines Tages die Weltgeschichte über den Versailler Vertrag hinweggehen wird I wenn Frankreich noch so viele Fochs mit I â.wnetten aufstellt — das Wort Talleyrands I sich bewahrheiten, daß man auf den Bajo- I ^"en nicht sitzen kann. Doch wie war es über- I möglich, daß Frankreich in die Lage Lam,- I riicksichtslosesten Art und Weise von der I J®0“ Gebrauch zu machen und gewissermaßen I die anderen Länder zu befinden? Die Ant- I °uf diese Frage gab am Dienstag abend I bekannte Hystoriker Prof. O ncke n-Heidel- I m^ xn Frankfurt a. M. in der vom dortigen I schuß veranstalteten Vortragsreihe. I ben Versailler Friedensvertrag, so meinte I Mos. Oncken, ist eine neue Weltordnung I 1H11 e t worden und damit ist zugleich I ^Erschiebung der Machtord- I „ " herbeigeführt worden. Dies war aber I Östlich mit Hilfe einer außereuropäischen I J/% nämlich der Amerikas, das in dem letz- I win-»"^bu den Ausschlag gegeben hat. Wir alle I Wâ.^' das Eingreifen Amerikas in den I ^^ bedrängte uns hart und es kann ge- I Ä"' daß diese Macht den Krieg entschie- I Si»^'i.r d trotzdem gebieten heute Leute als I / die gar keine Sieger waren. Sie arbei- I nt5til. tn, oriedensvertrag aus, mit dem der ivorki.» -5?^§.^ dem deutschen Volke begangen - Ä < Das deutsche Volk hat kapituliert, V-„m^drlos gemacht auf die internationalen hin, nämlich die „14 Punkte" s Anne ! ^^ „^ versprochenen Prinzips „keine ks £s n .ârerts bei der Ausarbeitung die- ' schickt ^^nslnstrumeutes, das in der Weltge- nur ein einziges Beispiel hat und zwar
zwei ober drei Sabre keinen Nutzen ziehen, denn die deutsche Geschäftsführung sei gegenwärtig schlecht, aber die Alliierten könnten da ein gute» Beispiel bet Reorganisation geben. (?!)
»eitere Ausdehnuna der Besetzt»««.
Kamborn, 9. März, 9 Uhr abend». Die Meldungen über die Besetzung Hamborn» und bei Kohlen- bafens der August Tbyffen-Hütte sind zutreffend. Er sind eine belgische Rabsahrkompanre m Stärke von 200 Mann und eine E»kadron belgischer Kavallerie eingerückt. Zwischenfälle sind nicht vorgekgmmeu. Soeben wurde der Belagerungszustand erflärt Dn S-dutzposizei wurde bisher nicht entwaffnet. Mau erwartet für morgen den Einmarsch größerer Truvpex- maffen. Er geht das Gerücht um, daß man bie Absicht habe, auch Oberhausen zu desetzcn. I« Duisburg liegen 7 Kompanien Franzosen und 5 Kompanien Belgier.
Düsseldorf, 10. März. Die Besatzunssbehörd« in Düffeldorf hat eine Verordnung erlassen, wonach der Verkehr auf den Straßen von 10 Uhr abends bis 4 Uhr morgens verboten ist. Di« Straßenbahn bat infolgedessen den Betrieb eingestellt. Auf Befehl des Oberkommandos muß bie grüne Schutzvolizei auf 500 Mann vermindert werden. Die Auswahl der Beamten, die biet bleiben können, liegt in den Händen der Be- fatzungsbehörde.
Sozialistische Kundgebungen.
In Ausführung bei Beschlusse» der Wiener K»w wrenz der internationalen Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Parteien, ant 13. März in allen großen Städten Europas Kundgebungen zu veranstalten gegen bie Versklavung der deutschen Arbeiter, gegen de» Militarismus und für bie Umgestaltung der Friedens- Verträge ruft die „Freiheit" zu Demonstrationr-Vcr- fammlunqen auf, bie am Sonntag mit der TageSord- nung „Die Aufgaben des internalen Proletariat»" stattfinden sollen.
Die Rückkehr der deutschen Delegation.
(Sonderbericht.)
In Ostende, wo einige Achpertmaßnahmen zs troffen waren, verlief die Abfahrt de» SonderzugeS der deutschen Delegation ohne Zwischenfall. Inoden deutschen Städten waren auf verschiedenen Bahnhöfen kleine Gruppen versammelt, die den Zug begrüßten. Zn E l b e r f e l d, der Vaterstadt Dr. Simons, erwartete eine große Menschenmenge den Zug. Kopf an Kopf drängte sich auf dem Bahnsteig unb laut erklano da» Lied: Deutschland, Deutschland über alle»! als ReickSminister Dr. Simons am Fenster erschien, für den Empfang dankte und der Hoffnung Ausdruck gab, daß trotz alledem Deutschland blühen werde. Dem Minister' wurden große Fliedersträuße dargereicht. Hochrufe und Hüteschwenken begleitete die Abfahrt bei Sonderzuges. Auf dem Potsdamer Bahnhch waren zu dem Empfang u a. anwesend: Frau Dr. Simon», Reichskanzler Fehreubach, der Gesandte Lucius, Staatssekretär von Haniel sowie zahlreiche Mitglieder bei Auswärtigen Amts und der Reichskanzlei. Neben Berliner Pressevertretern waren fast alle ut Berlin tätigen ausländischen Journalisten erschienen. Der Bahnsteig, der weite Potsdamer Platz unb bie Nebenstraßen waren von gewaltigen Menichenmassen dicht besetzt. Der Wagenverkehr stockte vollkommen. Die Be- geifterung war ungeheuer. Ohne Unterbrechung brausten vieltaiffendstimimge Hochrufe auf Simons und Deutschland durch die Menge. Nur schrittweise konnte den Herren der Weg freigemacht ioerden. Bei der Abfahrt des Kraftwagens brach die Menge von neuem in spontane Huldigungen aus.
Die Reichskabinetts-Sitzung Veeschoben.
Die für gestern abend anberaumte Reichskabinetts- Sitzung ist auf Wunsch bei Reichs'^'Oer - Dr. Simons auf heute vormittag verschoben worden.
Politische Tagesberichte.
— Zu dem Attentat auf den spanischen Ministerprästdenten. Nach einer HavaS-Meldung aus Madrid wurde Ministerpräsident Dato durch 3 Kugeln am Kopf und 2 an ber Brust tödlich getroffen. Der Führer seines Automobil» erklärt, er habe schon einige Augenblicke vor der Tat bemerkt, daß ein Motorrad mit einem Beiwagen dem Automobil gefolgt fei. 3 Personen seien durch bai Motorrad befördert worden. Er sei rasch zugefahren, aber am Uuabhängigkeitsplatz fei er durch andere Wagen aufgehalten worden, fobaß es dem Motorrad möglich ge- wesen sei, bis zur Höhe de» Automobils zu gelangen, um das Attentat auszusühren. — Nach einer ferneren Meldung sollen in Aranjuez in der dem Attentat folgenden Nacht Motoriahrer beobachtet worden sein, die in aller Geschwindigkeit die Gegend durchsahren hätten. Es fei jedoch an der Maschine ein Defekt eingetreten und bie Insassen des Motorrade» feien verwundet vordem Die Polizei von Madrid habe ich sofort nach der UnfanfteUe begeben. — Die Negierung hat bestimmt, daß Ministerpräsident Tato die Ehren eines Generals erwiesen werden sollen, der auf dem Felde der Ehre gefallen ist. — Der Privatsekretär des verstorbenen Ministerpräsidenten Dato hat nach einer HavaS-Meldung erklärt, daß offenbar daS Attentat von langer Hand' vorbereitet worben ist, denn schon am Samstag fei dem Wagen des Muustcrpräsidcirtcn ein Motorrad gefolgt, daS den Versuch machte, in gleicher Geschwindigkeit mit dem Automobil zu fahren. Zu gleicher Zeit fei von der Gegenseite ebenfalls ein Motorrad. gekommen. Die Führer der beiden hätten sich durch Zeichen verständigt.
im dritten Punischen Kriege, war Clemen- ceaus Hintergedanke der, uns den Lebensnerv zu zersch neiden, wie es einst Rom mit Karthago tat. Wie war es aber nun Frankreich möglich, das doch nur von den übrigen Staaten gerettet worden ist, der Politik Wilsons, von der wir eingangs dieses Artikels sprachen, eine so beschämende Niederlage beizubringen? Prof. Oncken bemerkte hierzu/ daß Frankreich durch die Machtentäußerung der Mitte (Deutschland) und des Ostens (Rußland) in eine Lage gerückt sei. in die es nicht gehöre. Von den alten Großmächten von 1914 sind nur Frankreich und England übrig geblieben und so ist Frankreich allein im Besitz einer großen Armee, die die erste Rolle in der neuen Machtordnung spielt. Und diese Rolle sucht Frankreich sich zu erhallen, indem es Afrika militarisiert. Groß ist die Gefahr, die diese Militarisierung mit sich bringt, sie bedeutet für die Herrschaft der weißen Völker den Anfang vom Ende. Wir sehen also an diesem einen Beispiel, welch weltgeschichtliche Entwicklungen der französische Machtwille, der von den übrigen Alliierter! infolge der Nebenbuhlerschaft der Angelsachsen untereinander nicht eingedümmt werden kann, zur Folge haben kann. Aber noch mehr Der Friedensvertrag bedeutet nach Prof. Oncken ein Hohn auf die Solidarität der Arbeit Wenn wir die unmöglichen Bedingungen dieses Vertrages erfüllen wollen, so muß in Deutschland die Arbeitszeit von acht auf vierzehn Stunden erhöht werden,, und das eherne Lohngesetz lebt wieder auf, diesmal aber in der Form der Ausbeutung von Volk zu Volk. Wir sollen also die Kulis von Europa werden. Und wenn man sagt, England und Amerika würden dies nicht zulasten, so täuscht man sich, denn der englische Vernichtungswill« unterscheidet sich nicht aroß von dem französischen und iMa^UkUnfl^ von der europäischen Politik, und rm übrigen mutz auey Amerika infolge seines gespannten Verhältnisses zu Japan und England mit Frankreich rechnen, das also sein- ganze Machtstellung, die es heute in der neuen Weliorbnung. trotzdem es eigentlich kein Sieger ist einnimmt, der Nebenbuh^erschaf der Angelsachsen untereinander verdankt.
Diese neue Weltordnung, von der Professor Oncken sprach, wird und muß eine Revidierung erfahren. Weltgeschichtliche Zusammenhänge können und dürfen nicht allein über unser Schicksal entscheiden, wie auch die neue Besetzung durch die Alliierten nicht das letzte Wort der Weltgeschichte bedeutet. Wir müssen gegen diesen Rechtsbruch ankämpfen mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln und dabei müssen wir vor allem die Hauptwurzel zu treffen suchen. Diese Hauptwurzel ist die Schuld. Wir haben deshalb zunächst die hohe Mission zu erfüllen: Die unparteiische Klarstellung der Schuld am Weltkriege. Bis jetzt bürden die feindlichen Staatsmänner in ihrer moralischen Verworfenheit die Schuld dem deutschen Volke auf, trotzdem aus den deutschen, Gèheiinakten diese Schuld nicht festgestellt werden konnte. Wir haben unsere Geheimakten veröffentlicht, wo bleiben aber die unserer Feinde? Heraus mit diesen Dokumenten! Wir fordern die Wahrheit! „Englands Gedeihen kann nur gesichert werden, wenn Deutschland vernichtet würde . . ." Diese Worte waren im Jahre 1897 in der „Saturday Reviero", der bekannten Londoner Wochenschrift zu lesen. Und im Verein mit der britischen Forderung. die dem Neid entsprang, ging Arm in Arm die französische Revanche und der Panslawismus. Aus dieser Gemeinschaft und ihrem Wirken voll Lug und Trug eNUprang das große llpteil, entwickelte sich die größte Tragödie, der 'urchtbarste' Todestanz, der je über.diese Erde ;ing. Dieser Gemeinschaft und ihrem Wirken muß die Sebald aufgebürdet werden. Das putsche Volk hat eine Weltmission zu erfüllen, )te Weltmission der Wahrheit über den Krieg! Rüsten wir uns zu dieser großen Mission, ernsten wir unsere Herzen mit festem Glaubensmut. Der großen Lüge von der deutschen Schuld gelte der Kampf! Sie ist die Hailptwurzel des gegenwärtigen Leidens in der Welt, sie ist die Ursache der Verschiebung Ter Welt- u. Machtordnung, von der Prof.Oncken sprach.Und wenn diese Wurzel beseitigt sein wird, dann ist es möglich, laß unserer Zeit voll Tränen unb Not, voll Sorgen und Kummer eine bessere folgen wird, in der nach Wilsons Wort „die Hand Gottes" nicht so schwer wie bisher auf den Völkern ruht.
Die Prüfung der SanM?onen.
Soubou, 9. März. Die Sitzung der Konferenz begann mm 12 Uhr und war 1.45 Uhr beengt. Die alliierten Delegierten prüften in ihren Einzelheiten die Diirchiührungsmöglicbkciten der wirtichaitlichen Èanf« noneu und nahmen Kenntnis von beut ersten Beucht der Rheiiila«dskomnufsion, wonach die Beschlagnahme
der Zölle an der Grenze schon begonnen habe, welche Deutschland von Frankreich unb Belgien trennt. Darauf prüften sie die Bedingungen, unter denen die Zollgrenze am Rbein errichtet werden kann und be- stinlmten, welche Erzeugnisse bei ihrer Ein- unb Ausfuhr aus dem besetzten nach dem unbesetzten Delijsch- laud belastet werden können. Zum Schluß legten sie die Grundlagen zu einem ei«beitlichen Gesetzentiours, der von jeder ber beteiligten Regierungen ihren zuständigen Parlamenten vorgelegt werden soll, um zu erreichen, daß ihre Staatsbürger an den Reparationsausschuß einen Teil der Zahlungen leisten, die sie ihren deutschen Lieferanten schulden. Einzelheiten der Durchführung werden beute nachmittag in einer Sitzung ber Sachverständigen geregelt werden. Um 6 Uhr nachmittags wird der Oberste Rat von neuem uisammentreten, um in bie-er Frage eine endgültige Entscheidung zu treffen. Diese wird sofort der Rbein- jandSkommission telegraphiert werden. Rlarschall Fock und General Weygandt unternchteten den Obersten Rat davon, unter welchen Bedingungen die Besetzung von Duisburg, Düsseldorf und Ruhrort bisher stattgefunden bat und weiter fortgefiihrt werden wird. Die wichtigste Entscheidung, die heute morgen getroffen wurde, besteht ix der Anwend«ng der Strafmaßnahmen für alle Verstöße Deutschlands gegen den Versailler Vertrag, sei es, daß es sich um die Entwaffnung handele, um die Auslieferung der Kriegsschuldigen oder sonstige Verpflichtungen. /
London, 9, März. Das offizielle Lom- muniquc der Nachmittagsfitzung besagt u. a.:
Die Führer der alliierten Delegationen kamen heute nachmittag zusammen und verhandelten. Es wurde verlangt, »aß die Zwangsmatznahmen erst aufgehoben werden, wenn fi« zu einer zu« friedeu stellenden, von den Alliierte« angenommenen Vereinbarung über die Reparationen, die Entwaffnung und die Schuldigen geführt haben.
> . London. âL'ttl». Su^i^86J^^>^ Gesetz die Durchführung der Vorschläge betr. die Abgabe von 50 Pror. des Wertes eingeführter Waren jetzt im Entwurf fertiggestellt ist. Nachmittags beschäftigen fi<6 die englischen, französischen italienischen und belgischen Sachverständigen damit, um ähnliche Maßnahmen für die anderen Länder zu entwerfen.
Die Sanktionen haben keine rechtliche «rundlage.
Bern, 9. März. Die schweizerische Presse drückte schon beim Bekanntwerden der Ultimatums starten Zweifel über die Rechtsgrundlagen der ix Aussicht genommenen Strasmaßnabmen aus. Besonders deutlich kamen diese Gedanken in den „Basler Nachrichten" der „Neuen Züricher Zeitung", dem „Berner Tagblatt" und anderen Organen der deutschen Schweiz zum Ausdruck. Auch die „Genfer Suisse" sprach ziemlich deutlich aus, daß vertragsmäßig mit den Sanktionen bis üum 1. Mai gewartet werden müsse. Ueber den Abbruch ber Londoner'Verhandlungen liegt bis jetzt xur ein Kommantar des „Berner Bundes" vor. Das Blatt sagt: Die Eile, in der, die Repreffalien in London beschlossen wurden und in die Tatmmgesetzt werden sollen, kommt überraschend, zumal da die rechtlichen Grundlagen für eine solche Aktion durchaus nicht ganz klar sind. Auch bei der den Deutschen überreichten, Liste von angeblichen Verfehlungen gegen den Fric- densvertrag, handelt cs sich um Punkte strittiger Natur, jo daß nicht alle rechtlichen Bedenlen beschwichtigt werden können. Das Blatt fragt, ob durch diese Eile Mir ber Wille zum Ausdruck kommen soll, daß eS den Alliierten mit ihren Forderungen bitter ernst ist, und ob auch gewisse Bedenken, z. B. der bevorstehende Friedcusschlus; ber Vereinigten Staaten mit Deutschland, in Betracht zu ziehen sind. Sollte vor dem Abschluß dieser Friedens ein neues Fast aceompli geschaffen werden, um den Vereinigten Staaten für ihre künftige politische Einstellung einen bedeutsamen Fingerzeig zu geben? Und doch, fährt da» Blatt fort, hätte »cnig iens über da» zweite deutsche Angebot verhandelt werden könne«. Den Alliierten schien dieser Ausiveg unannehmbar. Das Lasso feilte um den Kops des Gegners geworren werden, damit er nicht mehr entweichen könne. Wahrscheinlich hätten die Staatsmänner der Entente hauptsächlich aus inner» politischen Gründen eine solche Haltung ihren Völkern gegenüber als notwendig erachtet.
Foch ist „entzückt".
Marschall Foch wurde von einem Vertreter des „Petit Parisien" über die militärischen Zwangsmaßnahmen besiegt. Foch erklärte sich entzückt von der Art unb Weise, wie die Besetzung von Düffeldorf, Duisburg unb Ruhrort erfolgt sei. Die Telegramme, die wir erhielten, mel en, daß alles ohne Zwischenfall verlief. Die Truppey, die an dieser Operation teilge- uomni-n haben, «litten ungefähr die Stärke einer Division.
Neue Koutrollvooschläge beS „Temps".
Paris, 9. März. Der „Temps" schreibt: Wir glauben, daß bie Alliierten im Rheinland nicht nur die Zollioiurolle, sondern and) die Kontrolle der Bergwerke, ber Forsten, Eiienbannen unb ber ©teuern un aUg-mc mn übernehmen sollten. L te Zölle, Bergwerke und Briten des beerten Gevietes könnten zwcuenos 400 Millionen Goldmark einbringen. Aus den Eisenbahnen und Steuern könnte man während der ersten