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General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan
Erschein! täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage
Verlagsleitung: Ad. Zndermühle. Verantwortlich: für politischen und allgemeinen Teil Rickard Hulti ck: für lokalen und vrovinziewen Teil sowie Svort Wilhelm Moritz: für Anzeigen und Reklamen August Brodt. alle in Hanau am Main. Rotationsdruck der Waisenhausbuchdruckerei Hanau. FernivreckanschlMe Nr. 1237 und 1238.
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Nr. 54 Semsfaß den S. März 1921
Das Neueste.
— Die deutsche Delegation in London bearbeitet die am Montag zu gebende Antwort auf das Ultimatum.
— Beim Reichspräsidenten fand gestern eine Besprechung der Parteiführer statt.
— Im Reichstag wird heute der Reichskanzler das Wort ergreifen und eine Erklärung über London abgeben.
— 3m Reiche fanden zahlreiche Kundgebungen statt, in denen das „Festbleiben" der deutschen Negierung gegenüber London gefordert wurde.
— Der neue amerikanische Präsident Harding hielt gestem im Senat seine Antritte rede.
Die Lage.
„Das Geheimnis des Wettfriedens". (Spezialbericht.)
London, 4. März. Die deutschen Delegierten waren bis. in bie späte Nacht hinein mit dem Studium der Rede Lloyd Georges und den von den Alliierten überreichten Denkschriften beschäftigt. Die hiesige Morgenpresse beurteilt di« Lage zunickhaltend und ruhig und schreibt, man könne aus den Schlußworten Dr. Simons schließen, daß die Deutschen bereits mit der Ausarbeitung eines neuen Vprfchlags beschäftigt stirb und daß somit die Anwendung von Sanktionen unnötig sein werde. Immerhin meint „Daily Chronicle", daß andernfalls die Sanktionen sofort eintreten werden, und stellt bereits, falls bie Sanktionen die beabsichtigte Wirkung nicht haben sollten, neue Strafmaßnahmen in Aussicht. Allgemein kommt in der Presse die größte Befriedigung über bie Rede Lloyd Geor- sss zum MlWM. ^Ssi&yiÈyUki^^ zösischen Delegierten, bte ihre Befriedigung nicht verhehlen. Solange als sie nur gekonnt hätten, hätten die Franzosen sich gemäßigt und des Friedens wegen all« möglichen Konzessionen gemacht. Eine Trennung zwischen England und Frankreich wäre das Ende des Friedens. Die Einigkeit bet beiden Länder sei das Geheimnis des Weltftiedens. x
Wettere DerhandlungsmSglichkeileru (Spezialbericht.)
London, 4. März. Während im Savoyhotel weiter beraten wird, streife ich durch die Straßen Londons, in denen^das Leben der Weltstadt wie immer flutet. Alle" diese Beratungen über Entschädigungen und Strafmaßnahmen spielen für den Cityknan eine untergeordnete Bedeutung. Selbst in den Zeitungen von heute abend tritt bas Interesse ein wenig zurück und die Rede Hardings nimmt den ersten Platz ein. An der Börse zeigte die Mark heute eine kleine Besserung und das kann nur bedeuten, daß ein gewisser Optimismus bezüglich des letzten Ausgangs der Beratungen über die Entschädigungs- ßage vorhanden ist. Und auch in den Zeitungen, die alle damit rechnen, daß Deutschland eine irgendwie zufriedenstellende Antwort geben wird, kommt dieser Optimismus zum Ausdruck, wenn hier natürlich auch der Wunsch der Vater des Gedankens ist. Wenn Lloyd George gestern geiagt hat, daß die sofortig« Anwendung der 'Llrosnmßnahmen möglich war«, falls Deutsch- ^.irnd.den Friedensvertrag mit Absicht verletzt Mt, so begegnet das auch hier allerhand Zweifel, denen der „Manchest«r Guardian" offen Ausguck gibt. Es wäre falsch, eine solche Stimme ^gendwie zu überschätzen, aber es ist doch ein Symptom, daß sie überhaupt laut wird. Wie steht die Absicht der Verbündeten, nach Geneh- wigung der Parlainent« einen Teil des Ver- kapfspretses deutscher Güter in ihren Ländern zu ^itschädigungszwecken einzubehalten, im Ein- ; Mâ mit dem noch gar nicht alten Verzicht, der iuerst von englischer Seite ausgesprochen wurde, hh üailc einer möglichen Verletzung des Frie- ”ii?u»rträges durch Deutschland in England er- ®orxntn oder dort zum Verkauf gestellten beu Ueber Privatleute nicht beschlagnah- Ä ®’a England sein von vielen mit Er- 'chicrung begrüßtes Versprechen, die Heiligkeit " privaten Eigentums zu respektieren, als
^" Papier betrachten, den man nach ^w^ 3<rreifj€n kann? Ist im übrigen der
, zwischen den Forderungen der Pa- mJ Schlüffe und den deutschen Gegenvor- tinh, !° 6roß, daß keine Brücke von einem zum der m1*.'1^^ Und beruht nicht die Ablehnung ß« hurI>t!l,be^ zuw großen Teil darauf, daß nitii ^ - ^™0^1^ irt ihrer Tragweite gar «ine» haben? Beive Teile betonen ihren Ärcn^^ ^"' b’€ Deutschen, daß sie bis zur wollet "es Möglichen Entschädigungen leisten - bte Alliierten, daß sie nichts mehr wollen
als Entschädigungen, daß ihnen an einem blü- chenden, glücklichen Deutschland, dessen fundamentale Bedeutung für die Wiederherstellung der europäischen und der gesamten Weltwirtschaft sie anerkennen, gelegen ist? An Mißverständnissen darf diese Konferenz, darf die Lösung des Entschädigungsproblems unter keinen Umständen scheitern. Noch sind di« Fäden nicht endgültig zerrissen. Der „Evening Standard" glaubt über die Sitzung vom Montag schon zu wissen, daß Dr. Sstnons Lloyd George in einer langen Rede antworten wird. Die Verbündeten beraten unterdessen über die türkisch-griechisch« Frage weiter. Morgen finden keine Beratungen statt. Der englische erste Minister geht nach Choquers, Briand nach Lympno, wo er Gast von Sir Philip Sassoon ist.
Frankreich für Gerechtigkeit und Billigkeit?
Bari-, 4. März. Wie der Sonderberichterstatter her Sabaiaaenlur au» London meldet, bat eine besonder» gualizierte französtsche Persönlichkeit ihm er« klärt, wenn Frankreich wollte, Wie c8 könnte, dann könnte niemand eine französische militärische Promenade durch Deutschland verhindern. Allerdings müsse man dann Soldaten einberufén und es gebe nicht ohne Kosten. Frankreich habe aber keine imperialistischen Absichten. Es wolle nur Gerechtigkeit und Billigkeit. (?!) ES wolle den Weltfrieden nicht stören, im Gegenteil die endgültige Wiederherstellung und deshalb bringe es seine Handlungen mit diesem Ergebnis in Einklang. Briand habe gestern erklärt, er bä'te die Rechte Frankreichs nicht besser verteidigen können, Wie Lloyd George biel getan habe.
Eine Besprechung des Reichskabinetts
Berlin, 5. März. Den Blättern zufolge trat gestern das Reichskabinett zu einer Besprechung über die Londoner Verhandlungen zusammen. Den Beratungen lag ein ausführlicher Situationsbericht von Dr. Simons zu Grunde. Im
Reichskanzler wird heute im Reichstage im Namen der Regierurrg eine Erklärung zu den Verhandlungen in London abgeben. Alsdann wird sich der Reichstag um einige Stunden vertagen, um den Fraktionen Gelegenheit zu geben, zu der NegiernngserUärung Stellung zu nehmen. Nach Wiederbeginn der Sitzung wird dann eine, große politische Aussprache stat^inden.
Für eine Einheitsfront.
Im Reichstage fand gestern eine interfraktionelle Sitzung der Vorstände der Koalitions- Parteien statt, worin auch die Rückwirkung der Londoner Vorgänge auf die innere Politik besprochen wurden. Mittags hatten sich bie Führer der Koalitnonsparteien zum Reichskanzler begeben. Später sollte auch nach dem „Lokal- anseiaer" eW Is'WmMkmlst beim Reichs- schreibt, versucht die Deutsche Dolkspartsr eine Einheitsfront von den Deutschnationalen bis zu den Mehrheitssozialisten zustande zu bringen. Bei den MshrheitssozialWn scheine dafür aber wenig oder gar kein« Neigung dafür zu bestehen. Von deutschnationaler Seite wird im „Lokalanzeiger" betont, daß die Fraktion an sich bereit ist, in die Regierung einzutreten.
Feste Haltung der Reichsregierung.
Unter der Leitung des Reichskanzlers fand gestern nachmittag eine Aussprache des Sach- verständigenausschusies über die wirtschaftlichen Wirkungen der von der Londoner Konferenz angedrohten Zwangsmaßnahmen statt. Alle Anwesenden waren einer Meinung darüber, daß die Maßnahmen auf das d euts ch e Wirtschaftsleben die schwersten Wirkungen ausüben würden, daß diese Wirkungen aber die Regierung von ihrem Standpunkt, die Unterschrift von Verpflichtungen abzulehnen, die Deutschland zu erfüllen außerstande sei, nicht abbringen könnten.
Bei der Besprechung, die gleichzeitig der Reichsminister des Innern mit den parlamentarischen Vertretern des besetzten Gebietes abhielt, wurde festgestellt, daß dis angekündigten Zwangsmaßnahmen schwer, aber nicht unerwartet seien, und daß die Regierung wegen der zu befürchtenden Schädigungen soweit als möglich Vorsorge getroffen habe. Die angedrohten Maßnahmen könnten feine Veranlassung geben/ die von der Reichsregierung bisher einge- nommène Haltung zu ändern.
Reichstag und Ultimatum.
KommttttijIsch-ttnavhü^.gigcr «tavotageakt.
Bertin, 4. März. Der Reichstag setzte nach Erledigung kleiner Anfragen die Beratung Del Reeve,ci- abfiiidimgsvertragcS von der ^agesoldnung ab und nvar in Antrag der Demokraten, weil die Vorlage eine längere Eiöricr.mg bervoiiu en würde, Deren Inhalt nicht mu >cr segnen Stimmung Del Hause»
Kardings Antrittsrede.
Die Rede, die Warren G. Harding anläßlich der Iteberuahm« der Präsidentschaft im Senat gehalten hat, bat »obenben Wortlaut:
Ein Beobachter, bet seinen Blick über die Welt schweifen läßt, nach der unendlichen Qual die Trümmer betrachtet, die allenthalben in großer Zahl entstanden sind, kann sich wohl kaum einer aewissen Befriedigung erwehren, wenn er die Festigkeit der Dinge betrachtet, bit all dieser Unheil überlebt haben. Wenn er Amerikaner ist, so wird er mt Traurigkeit, die aber doch mit Hoffnung sich mischt, die Atmosphäre betrachten, die nanmest ««Dre > âbE ver Mittelung der Fune über die ganze Welt km bergewohnt 'nnb sehen nun, daß unsere Republik immer noch stark auf ihren Fundamenten rubt und daß unsere Zivilisation gerettet ist. Unsere Verfaflun« wie» nur eine Zweideutigkeit auf. Aber der Fehler des Artikels 61 ist wieder gut gemacht durch die Taufe der Opfer und Del Blute». Die Einigkeit wurde stell bewahrt unb ebenso der Hobe Wille bei Volke». das mehr denn je vom Geiste tiefdringender Eintracht durchdrungen ist. Wir haben es erlebt, daß die ganze Welt voll Hoffnung ihren Blick auf die großen Wahrheiten richtete. Die Einheit wurde stell gewahrt und der bohr Wille bei Volker ist mehr denn je durchdrungen vom Geiste tiefer Eintracht Wir haben er erlebt, daß die Welt voll Hoffnung ihren Blick auf die großen Wahrheiten richtete, auf beneu unsere Väter ihr Werk aufgebaut hatten. Die materiellen und moralischen Fortschritte, welche unsere Regierung hat verwirklichen können, beweisen ohne weiterer die Weisheit , der Politik, die uns von unseren Vätern überkommen' ist, der Politik, die darin besteht, sich nicht in die Angelegenheiten der alten Welt verwickeln zu basse n. Wir haben nicht die Absicht uni in biete Wirriale hineinziehen zu lassen. Wir werden keiner- lei Verantwortungübernehmen, er müßte denn fein, daß unser Gewissen und unser Urteil um dazu bestimmen sollten. Unsere Augen werden niemals fick verschließen angesichts irgendeiner Drohung, die uni erwachsen könnte. Wir werden dem Rufe der Zivilisation gegenüber nicht taub bleiben. Wir er- tenneu die Neuordnung der Welt an mit ihren engen Berührungspunkten, die ein Ergebnis des Fortschritt» sind. Wir fühlen tief im Inner« bex Ruf bei Sien« ickenherzen» zur Freundschaft, Brüderlichkeit und-gegenseitigen Unterstützung. Wir fordern Frcuxdschaft und hegen keinen Haß. Aber A m ertta kann uno darr nicht an irgend einem ständigen militärischen Bündni » beteiligt sein. Er kann keinerlei politische oder iwlrtjchaftlichc Verpflichtungen übernehmen, die unsere Entschließungen einer Autorität unterworfen müßten, ole Nicht sie mutigen sind. Wir hoffen, unsere Rolle zu erfüllen, incent wir einen jeden Angriffskrieg all so hassenswerr erscheinen lassen, daß die Regierungen und die Völker, die dazu ihre Zuflucht nehmen, beweisen müssen, daß ihre Sache gerecht ist, oder aber ue müßten wie Geiktzciveräckter vor den Schranken Del Weltgerichts erscheinen. Wir sind bereit, mit allen
Hein, Rat einer
rid) taugen zu Wasser und zu Lande zu erleichtern. Wir find eiyfdjwjfcn, uns in der Anregung von Plänen zu beteiligen, welche die Vermittlung,'die Aussöhnung und beii Schiedsipruch zur Folge habe. Mit wancer Freude werden wir uns zu dieser stunbgebiing bei «zorlschruls geteiltit, Deren Ziel el ist, Aufklärung zu verbreiten, Die Gesetze der völkerrechtlichen Be- ziepungcn nie»erzu>chreiben und ein Weltgericht z u schaffen, um alle b.e der Veroandlung zugänglichen fragen zu regeln, über deren Vorlage vor viele» Gericht die Nationen sich verstäub. gen werden, unter gegenseitiger «uudgedung ihrer Ziele. Diesen Plänen, Die gangbaren Wege zu such n, um die neuen Gedanken der Memchhe.t über Recht und billig seit uno ihren Haß gegen den Krieg in preiswerte Taten umzujcyen, vielen Plänen gelcucn wir un< gern und gus tiemem Herzen zu. Über je je Verpflichtung m»ß
im Einklang stehen würde. Löbe teilte den Wortlaut ter entscheidenden Sätze der Erklärung der englischen Ministerpräsidenten mit und schloß:
Er wird tu diesem Hause niemand fein, der diese Bestimmungen mildem Versailler Friedensvertrag für vereinbar hält. (Brausender Beifall im Haus« und auf den Tribünen, Lärm bei den Unabhängigen und Rentmuniften, erneuter stürmischer Beifall und Händel klatschen, der sich minutenlang hinziebtI Inzwischen melden sich mehrere Abieordnete der äußersten Linken zum Wort, darunter Adolf Hoffmann. Löbe erklärt, ihm das Wort zur Geschäftsordnung nicht geben zu können, da dies nur bei Geleaenbeiten geschehen könne, die auf der Tagesordnung ständen. Als sich daraus ein gewaltiger Tumult erhebt, vertagt der Krästbent die Sitzung bis 3'/, Uhr. Zwischen den Unabhängigen und der Rechten kommt es zu heftigen Auseinandersetzungen die auch noch während der Pause andauern. Beginn der Pause gegen 3 Uhr. Bis */* vor 5 Uhr ist die Sitzung noch nicht wieder ausgenommen. Um diese Zeit werden die im Saal noch bezw. schon wieder anwesenden Mitglieder bei Reichstages und die Pressevertreter durch den Bürodirektor Geheimrat Jungheim davon verständigt, daß die heutige Sitzung geschloffen ist und daß der Reichstag morgen zu einer noch zu bestimmenden Stunde, seine nächste Sitzung abhaltcn wird.
Stationen Der Welt, ob groß oder uns zusaunnen»utuii, zu beraten und Ht halten, um bie Möglichkeit Verminderung der Rüstungen zu finden und die meberbrüefenbe Last der militärischen Ein-
unter der Herrschast unserer nationalen Sauveränitä zur Erfüllung kommen. Das soll nicht heiße«, daß wir uns abseits halten wollen. 64 ist nur eine Sicherheitsmaßnahme. Besser als je zu- vor kennen wir bie hohen Bestrebungen der Menschheit und teilen sie. Wir sind dahin gelangt, den Platz, den Wir in der Welt einnehmen, besser zu erkennen und dir Neuwertung, die unser Land in der Welt ge- nießt. Der «eist der Uneigennützigkeit der Beremigt«« Staate« ist bewiesene Tatsache. Unser innige» Streben Nack Frieden für uns unb bie ganze Welt ist wohlbekannt. Unsere Teilnahme an der Wahrung der Zivilisation fand ihren begeisterten und heldenmütigen Ausdruck. Amerika hat el nicht daran fehlen lassen, den Versuchen zu widerstehen, den Rückgang der Zivilisation herbeizutühren. In gleicher Weise wird Amerika auch heute wiederum ober morgen bandeln. Amerika ist bereit, jede Ermutigung zu geben. Ek wünscht Von Serien, den ersten Schritt zu tun unb bei jedem Plane mitzuarbeite«, bet geeignet ist, bie Wahrscheinlichkeit künftiger Kriege zu vermindern. Er wartet mit Ungeduld darauf, die Brüderlichkeit der gesamten Welt zu begünstigen, bie her höchste und wahrhaft göttliche Ausdruck der menschlichen Bezkibungen ist, weil wir das Ideal der Gerechtigkeit uns bei Friedens lieben. Wir streben nach einem hohen Rang in der moralischen Rettung der Zivilisation und wir behaupten stolz, daß Amerika in seiner heutigen Verfassung, die Republik: die tausendfach erprobt ist, der unerschütterliche Kamp« reinster Demokratie und ein gar hobel Beispiel und Muster nicht nur zur Nachahmung ist, sondern auch zu gleicher Zeit der tätigste Rufer im Streite ist, wo es gilt, den guten Willen zu festigen und die Ein- kracht in beiden Weltteilen zu begünstigen. Die Meizschen, unter denen solche Einigkeit herrscht, werden in vollstem Vertrauen sich dem ständigen Bemühen nach Besserung ihrer «eziehiingen widmen können un» die Nationen werden die Bildung von Ausschüssen begünstigen, die für den Frieden der Welt von so wesentlicher Bedeutung sind. Die wirtschaftlichen Beziehungen stellen ein enges Baad dar, ohne ! daß man fich dessen bewußt wird. Wir müssen uns I ‘lar werden, daß die wirtsstaatlichen Bande dir engste Wikern -bilden daß nie- mand nehmen kann, der nicht auch gibt Auch im Rahmen der neuen finanziellen und wirtschaftlichen Ordnung wollen wir weitergehenbe Tatkraft ermutigen unb ein tieferes Vertrauen suchen. Vielleicht könne« wir wenigstens helfen und Mitarbeiten durch unser Beispiel, bat beweist, daß eine Republik wohl bie Eignung hat, aus den Trümmern eines Krieges in neuer Blüte aufzuerstehen. Obwohl wir keine verwüsteten Länder aufmweifen haben, keine zerstörten Städte, keine schmerzenden Wundrn, obwohl keinHaß in unserer Brust lebt, sind wir doch hineinge- rissen in den Wahnwitz der zügellosen Ausgaben, in bie Vcrwässtruna der Kredite, in den Umsturz bei industriellen Gleichgewichts, in schwere Unruhen, in ein unsagbares Trümmerfeld aller Beziehungen. Starr ist der Blick gerichtet ans das Rechisbewußtsein. Unsere Demokratie, unsere Freiheit ist niemals bis zum kriegerischen Angriff gegangen. Niemals hat man es erlebt, daß wir durch Gewalt unser Gebiet vergrößert haben. Nie riefen wir bas Glück der Waffen «n, bevor wir nicht jeden Versuch gemacht hatten, her Vernunft zu ihrem Rechte zu verhelfen. Wenn erfnbie Regierungen der ganzen Erde gleiche Freiheit:» wie wir geschaffen haben und in gleichem Maße wie wir dem Streben nach Frieden ihre Kräfte leihen, dann wird, so glaube ich, die Traurigkeit, daS Opfer des Striegel .zwischen den Völkern zum letztenmale nièdergcfchrieben werden.
Harding versichert sodann, sein höchster B e- streben werde cs sein, den W i e d e r a u f b a n, die Neugestaltung und die Wiederherstellung nach Kräften ; u beschleunig en. Der Präsident spricht sich für den Schutz der amerikanischen Industrie au», ohne den die ausländische Konkurrenz den allgemeinen Lebensflansarr zum Sinken bringen würde. Harding ruft den Geist der Initiative der Amerikaner auf unb das Genie Amerikas, Amerika eine starkeHandelsflottezu schaffen. ES gilt; dieser Aufgabe mit wahrer Hingabe sich zu widmen, die würdig ist, des großen Zieler. Es ist unbedingt nötig, daß die amerikanischen Schiffsladungen mit amerikanischen Schiffen über See befördert werben, um den Weg nach allen Märtten der Welt zu finden. Harding spricht sich dann noch zu Gunsten der Er- leidjterung der Steuerlasten aus, für die Förderung Der Kreditgewährung, für den Frieden in Der Well der Industrie und für eine weitherzige Verteilung der Früchte der Arbeit. Er erklärt stch all Gegner jede- unberechtigten Eingreifens der Regierung in Die Geschäftswelt.
Harding schloß mit folgenden Worten: Man muß sich der Veichflichtungen und Schulden cntlebigen, Die von dem Krieg verrühren, denn keine Zivilisation konnte deren Ärrleugnung überleben.
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Die Botschaft Hardings dürfte für so manchen Leier, der große Hnffnuiige» auf sie gesetzt hatte, und besonders denjenigen, der von bem Präswenltnwechsel unsere Schicksalswende erhoffte, enttäuschen, Denn sie enthält nichts positives, was zu Deutschlands Gunsten spräche. Nur Dal eine ist von Wichtigkeit, daß nâ Der Präsident für die europäischen Fragen völlig freie Hand Vorbehalt, anstatt —' worauf man in London gehofft hatte — sich in den europäischen Fragen irgendwie fefizulcge». Harding bat sich alle Möglichkeiten offen gehalten, woraus • aber keinesfalls bie Möglichkeit eine» etwaigen Beistandes zu Deutschland gtsoigeii werben kann. — Dem Völkerbund Wilson» hat Hartung bie endgültige Absage erteilt und bietet Dafür der Welt die obligatorischen Schiedsgerichte an.
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