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Generm-Anzerger

AmMchss Organ für EtaSk- und Landkreis Sana« I Reklamen August Brodt. alle in Hanau am Main. ' ° Rotationsdruck der Waisenhausbuchdruckerei Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage

Verlagsleitung: Ad. Jndermüble.

Verantwortlick: für volitischen und allgemeinen Teil Richard Hultsch: für lokalen und provinziellen Teil

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Die 8seiv. Kokönelzeile oder deren Raum 1. Mk., die 4gein. Zeile im Reklameteil 3. Mk..25°tnTeuerungs- zuichl. Oikertgebübr30Psg.Bezugsvreis:Biertel- iährl. 14.40 Mk..monatl. 4.80 Mk., f. Postbezug Viertel­jahr!. 15.90Mk..monatl.5.30Mk. DieNummerMPfg. Postscheck-Konto Nr. 26659, Frankfurt a. M.

gr. 37

Montag den 14. Februar

zeiger

Fernsvrechanschlüne Nr. 1237 und 1238.

1921

Das Neueste.

L. Reichsminister Dr. Simons sprach gestern Ifo Stuttgart über die auswärtige Lage.

I Die Pfälzische Sozialdemokratie nahm Ifo einer Vertreter-Konferenz Stellung gegen die kftyerische Negierung.

2n Irland ist es zu erneuten Unruhen I Wommen.

r Nach einer Meldung derDaily Mail" lau» Athen hat die griechische Regierung in ^Thrazien das Standrecht erklärt.

Das portugiesische Kabinett Dato ist kzürückgetreten.

Dr. Simons über die Lage.

I Der Reichs minister des Auswärtigen Dr. Si- Kmons sprach gestern üormMtag in Stuttgart vor Rmchr als tausend Personen, darunter die würt- »Mbergischen Minister, die Vertreter aller Orga- knisationen der Beamten, der Arbeiterschaft, des »Handels, der Industrie usw. über die p o l i - kjische Lage. Redner begrüßte zunächst die »Gelegenheit, die ihm geboten sei, vor südden!- |$em Publikum die brennendsten Tages fragen Lu besprechen und sich davon zu überzeugen, ob hie Stellungnahme der Reichsvegiernng auch im Mutschen «Aiden den Beifall der Bevölkerung ifinde. Ueber die Stellungnahme selbst seien in llefcter Zeit Zweifel entstanden, besonders infolge der Annahme der Einladung nach London. Diese Zweifel seien unbegründet. Die Erklärung, die der Minister im Reichstage abgegeben habe, be­sehe vollkommen zu Recht. Eine nähere Prüfung der Pariser Beschlüsse könnte das damals gefällte [Urteil nur bestätigen. Auch durch die zahlreichen Reden, die leitende Staatsmänner der Entente ! in den letzten Wochen gehalten hätten, Jet die Tcmchführbarkeit der Pariser Beschlüsse nicht er-

:xn. Der Minister setzi-

iMm Lloyd Georges, Briands unawP^r

Sforza auseinander.. Er bemängelte, daß keiner ht^cr Staatsmänner es für der Mühe wert ge­halten habe, aus dem Material der Brüsseler '^onserenzen den Nach^weis auch nur zu ver­suchen, inwieweit Deultschland zur Zahlung der ungeheuerlichen festen Annuitäten von 6 Milliar­den Gold jährlich fähig sei. Ueber die 12proz«n5 tige Ausfuhrabgabe seien die verschiedensten An- fich'.en zutage getreten, die vielfach in völligem Widerspruch zu einander ständen. So werde zum Beispiel die Ausfuhrabgabe von der einen Seite deshalb als besonders nützlich auch für Deutsch- laQ angepriesen, weil sie die deutsche AuLfuhr- industrie vor den differenziellen Einfuhrzöllen der anderen Länder schütze, während eine zweite Ansicht dahin gehe, daß die Abgabe überhaupt unmittelbar mit dem ^Export nichts zu tun habe, sondern lediglich nach der Exporthöhe berechnete, von den deutschen Steuerzahlern allgemein zu tragenbe Znfatzannuitäten bedeute. Beide Auf­fassungen seien, wie der Minister nachwies, gleich unvereinbar mit den Interessen nicht nur der deuschen Wirtschaft, sondern des internationalen Verkehrs überhaupt. Die bisherige Debatte habe

nur eines mit voller Klarheit ergeben, daß die R«parationsdestimmung>rn des Friedersvertrogs bie ungeheure Aufgabe des Wiederaufbaues der europäischen Wirjschaft nicht gelöst hätten, son­dern daß sie durch neue Bestimmungen ersetzt twben müßten.

Der Redner charakterisierte die durch das große Defizit hervorgeruftne finanzielle Notlage Frankreichs und die Sorge Englands vor der Konkurrenz der deutschen Industrie und der Ar- bsitslosigftit der englischen Industrie. Aus die­sen Bedürfnissen und Sorgen heraus müßten die deutschen Gegenvorschläge gestellt werden. Ueber beten Inhalt erklärte 'ber Minister keine näheren Angaben machen zu können, da die Prüfung der Tachverständigen noch in vollem Gange sei. Er beschränke sich deshalb darauf, darzulegen, welche Fehler der Pariser Vorschläge nicht wiederholt werden dürsten. Ein Hauptfehler sei es, daß bie Pariser Konferenz die Aufgabe zu sehr als sinanzftlles Problem und zu wenig als Produk- llmsproblem an gefaßt habe, daß sie es völlig unterlassen habe, die Wirkungen der von Deutsch- ^nd geforderten finanziellen Leistungen auf den Produktionsprozeß der Welt zu untersuchen. Aber auch die finanzielle» Bestimmungen als solche seien unpraktisch, da die Mobilisation der Annuitätenschuld nicht möglich sein werde. 2lb= besehe» von der langen Dauer seien die Annui- töien auch wegen ber Unsicherheit über die Art ber Zahlung als Grundlage des Kredits unge- ®Wt, denn im Zusammenhang mit den übrigen Bestimmungen des Friedens vertrag es könne man ui« wissen, in welchem Umfange sie in bar, in welchem Umfange sie durch anrechnungssäbige kachle Bunsen beglichen werden würden. Was.....,. ^riyH»«» **------------------

die europäische Gsfamtwirtschaft brauche, nämlich' sesthalte, ft.bst auf die Gefahr der Besetzung

eine große internationale Anleihe , zu ihrem Wiederaufbau, insbesondere zum Wiederaufbau der zerstörten Gebiete und zur Heilung der son­stigen Kriegsschäden, sei nur erreichbar, wenn man eine ganze Anzahl von komplizierten Be­stimmungen des Friedensvertrages durch ein­fache, klare Finanzverpflichtungen ablöse. Wei­terhin bedürfe es einer Verständigung über die Bedingungen, unter denen der deutsche Export, die einzige dauernde Quelle für deutsche Zahlun­gen, gesteigert werden könne, ohne sich selbst so­wohl, wie die Industrie der übrigen Staaten aufs schärfste -zu gefährden. Die 12prozentige Exportabgabe sei, wie der Minister des näheren ausführte, dazu jedenfalls das allerungeeignetste Mittel. Man solle darüber.die industriellen Sach­verständigen der beteiligten Länder in unmittel­bare Verhandlungen eintreten lassen.

Endlich aber müsse auch das technische Prob­lem des Wiederaufbaues der zerstörten Gebiete energisch anxefaßL werden. Es gehe nicht an, daß Frankreich und Belgien jede technische Mit­arbeit Deutschlands abl-shnten, ohne selbst im­stande zu sein, die Aufgabe zu lösen. Deutschland biete seine uneigennützige Hilfe an. Der Mini­ster erklärte, er sei sich bewußt, daß jeder Vor­schlag, den die deutsche Regierung mit gutem Ge­wissen machen könne, bei der Gegenseit einen ähnlichen Sturm der Entrüstung auslösen werde, wie er jetzt bei der Bekanntgabe der Ententefor­derungen durch Deutschland brauste. Das sei eben die Folge des Fehlers, zahlenmäßige For­derungen aufzustellen, ehe man den Versuch der Verständigung über die wirtschaftlichen Unter­lagen der Reparationspflicht zu Ende geführt habe. Hätte man das Brüsseler Programm zu­erst verwirklicht, so wäre es vielleicht möglich ge­wesen, nach dem sogen. Seydouxschen Vorschlag zu einer vorläufigen Regelung der deutschen

liarden wi« ein Gespenst .aufiteigen sehe. Es er­scheine undenkbar, daß der Reichstag ein solches Abkommen annehmen werde. Die Annahm« j«des Abkommens, das in London geschlossen werde, könne durch di« deutschen gesetzgebenden Körperschaften abgelehnt werden. Das erklärte der Minister für notwendig, weil darin eine Aenderung des Friedensvertrages von Versailles und daher der Reichscefetzgebung enthalten sei.

Zum Schluß forderte der Redner bie Zuhörer auf, jeder in seinem Kreise dahin zu wirken, daß die e i n h « i t l i ch « S t i m m u n g, mit der bisher das deutsch« Volk den Pariser Beschlüssen gegenübergetreten fei, nicht im Streit über Ein­zelheiten gefährdet werde, sondern daß die Männer, die Deutschland zu vertreten chaben würden, sich dabei getragen fühlten von der ein­mütigen Unterstützung ihrer Volksgenossen.

*

Bevor der Reichsminister seine Rede hielt, hatte Staatspräsident Dr. Hieber einige Be- grüßungsworte gesprochen, wobei er u. a. aus­führ ft:

Wir haben bei der Ministerbespvechrmg vor acht Tagen in Berlin keinen Zweifel, gelassen, daß Württemberg geschlossen hinter der Reichs- regierung und dem verantwortlichen Leiter un­serer auswärtigen Politik steht, wenn er und seine Begleitgx nun erneut den schweren Gang zu den Verhanvlungen nach London gehen. Denn ohne solche Geschlossenheit und Entschlossenheit des Volkes, das hinter ihnen steht, können auch die besten Vertreter der Regierung weder an ihre Aufgab« herantreftn. noch ihre Arbejftn zu End« führen. In diesem Geiste wollen wir hören, was der Herr Reichsminister uns, unseren Feinden, was er der Welt zu sagen hat.

Neue Kundgebungen gegen Parrs.

Bis hierher und nicht weiter.

Leipzig, 13. Febr. Hier fand ètne eindrucks­volle, von der Arbeitsgemeinschaft der vereinigten Parteien, sowie von wirtschaftlichen und kul­turellen Verbänden veranstaltete Maßenkund- aebung gegen die Forderungen der Entente statt. Nacheiner stark besuchten Versammlung im Zentcaltheater, in der ein Redner aus Berlin sprach, begaben sich die Teilnehmer in ge­schlossenem Zuge, in dem unter Vorantritt mehrererMufikkapellen, schwarz-weiß-rote Fahnen und zahlreiche dem Zweck der Veranstaltung ent­sprechende Schilder aetragen wurden, nach dem Augustusplatz, wo 13 Redner und eine Rednerin in Ansprachen die Unmöglichkeit der Erfüllung der Ententeforderungen heroorhoben und be­tonten, daß Deutschland nicht nach London gehen

dürfe, bevor nicht genau feststehe. was man dort mit ihm Vorhabe. Von der Neichsregierung wurde verlangt, daß sie unter allen Umständen an dem von ihr ausgesprochenenUnannehmbar"

Deutschlands -durch Ententetrupven. Der Welt müsse gesagt werden, daß es für das deutsche Volk jetzt nur noch das eine gebe: Vis hier­her und nicht weiter! Die von vielfachen stürmischen ^Zustimmungskundgebungen unter­brochenen Redner forderten schließlich die Ver­sammelten zur Einigkeit ohne Ansehen der poli­tischen Gesinnung âuf. Mit dem Gesang der Nationalhymne und des Niederländischen Dank- gebets fand die Kundgebung ihr Ende.

Berlin, 13. Febr. In dem größten Saale Berlins, dem Sportpalast, der dicht gefüllt war, fand eine von der Liga zum Schutze der deutschen Kultur veranstaltete Volkskundaebung aller Stände und Schichten gegen die Pariser Beschlüsse statt. Nachdem Neichstagsabgeordneter Geheimrat Professor Dr. Kahl, Gesandter Dr. Riezler, Reichtagsabgeordneter Regierungs­rat Laverenz, Neichstagsabgeordneter Dr. Maximilian Pfeifer und Dr. Croll unter brausendem Beifall der Versammlung zur Einig­keit des ganzen Volkes in der Frage der Ab­lehnung des neuen Diktats aufgerufen hatten, erreichte die Stimmung ihren Höhepunkt, als der Schauspieler Ludwig Hart au ein Ge­dicht mit dem Leitgedanken: Wir unter­schreiben nicht vârtrug. Zum Schluß sang die vieltausendköpfige Menge stehend das Lied: Ich hab mich ergeben". Einstimmig wurde eine Resolution angenommen, die die Regierung auffordert, keine unerfüllbaren unbilligen Be­dingungen anzunehmen.

Don Sen Deulschnattonalen bis zu Sen Mehrheilssoziattslen.

Zu den schwebenden Verhandlungen über die Ver­breiterung der Basis der Rkgienlngkparteitn erfahren dieLeipz. N. N." von besonders gut nnterrichtcter Seite erneut folgende» : Der Briefwechsel zwischen den Führern der Deutschen Volkspartei und der Dcutsch- natipualcn hat nunmehr zu dem Ergebnis geführt, daß die Deutschnationalen bereit ftnd, sich an einer Einheitsfront zu betei­ligen, in der auch die Mehrheitssozia­listen vertreten sind. Diese Koalition wird zunächst nur in außenpolitischen Fragen dadurch sicht­bar in die Erscheinung treten, daß sie sich in den jetzt zur Verhandlung stehenden Lebensfragen des deutschen Volkes geschlossen hinter die Regierung stellt. Auch verpflichten sich die Beigetretenen Parteien von rechts und links dazu, in erster Linie dalür Sorge zu tra­gen, daß nicht iWeitgemäße Eeitenfprüngk der Partei­presst da» Bild der Einheitlichkeit stören und eine falsche Deutung der Sachlage verursachen.

Die Weitersüyrung der Verhandlungen zwischen den maßgebenden Männern der Fraktionen ist augen­blicklich dadurch verzögert worden, daß der Reichstag vertagt ist und die Führer teilweise durch den preußi­schen Wahlkampf gezwungen sind, auf Reisen und aus­wärts zu weilen. Die Deutsche Volkspartei ist aber bestrebt, ihre vermittelnde Tätigkeit unermüdlich fort- zusetzcil und Hpfft, unmittelbar nach Wiederzusainmcn- treten bei Parlaments einen weiteren Ausbau und eine Verdichtung der bis jetzt getroffenen Vereinbar­ungen vornehmen zu können. Der Ausblick in die Zukunft ist in dieser Hinsicht als gut zu bezeichnen.

Die pfälzische Sozialdemokratte gegen Bayern.

Ludwigshafen, 13. Febr. In Nenstadt nahm am Sonntag vormittag die pfälzische Sozialdemokratie in einer Vcrtreterlonicrenr zu den Vorgängen im bayerischen Landtag und der durch die Pariser Be­schlüsse gegebenen politischen Lage Stellung. Das Referat hatte Neichstagsabgeordneter Johann Hof­mann in Kaiserslautern. Die Ausführungen des Red­ners färben ihren Niederschlag in einer einstimmig au= genommenen Entschließung, die im wesentlichen besagt: Die Psalz als besetztes Gebiet ist an der Haltung der Reichs- und Landes» egicruug in der EntwaffnnugS- und WiedergutmachuttgSfragc besonders interessiert. Der sozialoemokratischc Vertretertag verurteilt die zwei­deutige Politik der bayerischen Regierung, deren Fol­gen die Pfalz zu tragen bat. Er billigt da» Vor- gehen der Mindcrheitspartcien int bayerischen Land­lag und unterstützt bie Kampfansage der bayerischen Sozialdemokratie gegen die Regierung Kabr, die noch- uiall gewarnt wird, in ihrer vcrivcrflichen Politik sortzusahreil. Gleich wie die Reichsregicrung die un» ersüllbareu WicdcrgutmachungSforderuilgen der En­tente abzulehncu berechtigt ist, sei bie bayerische Regie­rung verpflichtet, die Einwohucrwchrcu und Orgeich auizulöseu, wofür sie allein die Verantwortung trage.

Eine Botschaft der deutschen Regierung.

Paris 13. Febr. Eine Havasmeldung be­sagt, der deutsche Staatssekretär Bergmann ist mit einer Botschaft der deutschen Regierung an die französische über die Zahlung der Nepa- rationssumme gestern vormittag in Paris «in» getroffea.

Eine Arbeiterfamilie von fünf Köpft« soll jähr» lich 500 Goldmark zählen.

ImBerl. Tagebl/ rechnet Prof. Schücking aus, daß bei Zahlung von jährlich 6 Milliarden Goldmark an die Entente auf den Kopf der deutschen Bevölkerung 100 Goldmark kommen. Eine Arbeiterfamilie von fünf Köpfen würde da­durch jährlich mit 500 Goldmark belastet sein. Das würde nach dem gegenwärtigen Stande der Valuta etwa 6000 Mark bedeuten. Diese Steuer wäre also von einem Arbeiter zu entrichten, bet? gegenwärtig in der Industrie bestenfalls etwa 15 000 Mark Lohn bekommt. Die ungeheure Ab­gabe könnte von den reichen Schichten des Vol- kes nicht vorzugsweise getragen werden, da es infolge der hohen Steuern in Deutschland in zehn Jahren große Vermögen kaum noch geben werde. «

*

Nichts zeigt Wohl deutlicher die ganze Un­sinnigkeit ber Pariser Forderungen, als ein« solche Berechnung. Denn welche deutsche Arbei. terfamilie oder welche Familie des deutschen Mittelstandes wäre heute in der Lage, auch nur den vierten Teil dessen zu erlegen, was die En­tente von ihr verlangt. Der Wille zur Ableh­nung der Wahnsinnsforderungen, der zum Glück bereits stark und fest ist, muß die gesamte Arbei» terschaft, die gesamten Parteien durchdringen. So verbohrt radikal sollte auch kein Unabhängi­ger und kein Kommunist sein, daß er sich, seine Kinder und Kindeskinder für die nächsten fünf­zig Jahre dem Elend und Hunger preisgibt, nur um der milliardenwahnsinnigen Entente einen Gefallen zu tun.

Kohlenüberflutz im Saarbecken.

S a*r brücke», 12. Febr. Der katholisch« Volksverein und die christlichen GewcHkschaste» hielten heute tm Saargebiet viele Versammln-.»- gen ab, die von taufenden von Bergarbeiter» be­sucht waren. Etwa 40 weitere Versammlungen werden morgen folgen. In den Vcrsttmmlungcn wurde lene Entschließung angenommen, in der unter Hinweis wf die z a h l r e i ch e n F e i e r * schichten im Saarbergbau die Ver­sammlungen dito französische B«rgwerksdiEivn ersuchen, sich dafür einzufetzen, daß in Frankreich fürdie Kohle» der französischen Saar gruben ge» nirgend Absatz geschaffen wird. Die Sctrberg- etbeiter könnten es nicht verstehen, èctß Deutsch- land monatlich über 210 000 Tonnen Ruhr- kohlen, die bie deutsche Volkswirtschaft sehr be­nötigt, an die Entente abliefern soll, während eins den Halden der Saargrube» kein Platz mehr ist zum Aufschütten neuer Kohlen. Die Bersavr- melten ersuchen ihre Beziukslci hing, unverzüglich sich zusammen mit dem Deutsche» Bergarbeiter- verbaud tat das Büro des internationalen Berg» ckrbeiterbundes in Amstcrdcm mit dein Erstachen zu wenden, durch gemeinsames Vorgehen der Bergarbeiter der angeschloffenen Länder zu er­reichen, daß ein Teil der zu liefernde» Ruhr- kohle» i« Deutschland verbleibt. Sodann fordern die Bergleute bk Freigabe der Kohlenwirtschaft im Saargebiet und die Be­zahlung der Feierschichten, zugtzeich Untrer möglichster Einschräâirg.

Auch der Deutsche Bergakbeitvrverbcmd hatt« heute seine Mitglieder ante dem ganzen Sack- gebiet zu großen Versmmnlungen znsaunnenbe- rufen, um Stellung zu nehmen zu den brennen» den Fragen des Saarlandbergbacres. In vhv Verfarmnlrmgcn wurden von etwa 810 000 Teilnehmern eine Entsihliefnmg des gleichen In­haltes angenommen.

PoZiMchs Tagesbsrichle.

Neue Unruhen in Irland. 700 Sinn» feiner haben die Polizsikaserne und mehrere Häuser des Dorfes Drimoleagu angegriffen und zerstört. Es gelang der Garnison schließlich, die Sinnfeiner, von denen eine Anzahl verwundet wurde, zu zerstreuen. 200 Sinnfeiner brachten einen Zug in der Grafschaft Cork zum Stehen, griffen 14 im Zug befindliche Soldaten an, töteten einen und verwundeten sechs. Sinnfeiner griffen die Polizsikaserne in der Grafschaft Roseemon an, wurden jedoch nach einem bie halbe Nacht anhaltendem Gefecht zerstreut. Die Brücke über den Fluß Lee zwischen Cork und Macroom wurde in der vergangenen Nacht in die Luft gesprengt. Die Polizei feuerte und tötete einen Mann.

& rättberuttgen im engHMien Kabinett. Der englische König hat die Rückniitsgeiilche Don Lord Milner und Song angenommen und die Er­nennung Churchill» zum Koloiiialministcr, Ävrtdmgto« Evan» zum Kriegsmaiister. Lord Lee'S zum Nlarinr» minister und Gr isith Boscawen» tum LeulLwick schajtsulllttsler genehmigt.