NN
Einrückunssgebükr:
Die 8ge!v. Kolonelzeile oder deren Raum 1.— Mk., die tzgekv. Zeile im Reklameteil 3.—Mk..25"tn Teuerungs- zuickl. Offertgebühr30Pfg.BezugsvreistViertel- jäbrl. 14.40 Mk..monatl. 4.80 Mk.. f. Postbezug Vierteljahr!. 15.90 Mk..monatl.5.30Mk. DieNummer20Pfg.
PostiL^ck-Konto Nr. 26659, Frankfurt a. M.
Anzeiger
General-Anzeiger--
Derlagsleitung: Ad. Jndermühle.
Derantwortlick: für volitilchen und allgemeinen Teil Richard öultick: für lokalen und vrovinziellen Teil
Amlliches Organ für Eladl- und Landkreis Lana» I Reklamen August Brodt. alle in Hanau am Maim a ' Rotationsdruck der Waisenhausbuchdruckerei Sanaa.
Fernsprechanschlülle Nr. 1237 und 1238.
Erschein! täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage
7
an
M. 30
BXaaMMIBimHBWtfauUBIMUIMmiMWWW^^
Samslag den 3. Februar
1921
Das Neueste.
5 — Der Reichstag hat sich gestern bis zum 23. I $tSruar ver agt.
— Der ReichStagsauSschuß lehnte die Regierungs- Mlage betreffend die Erhöhung des KaffcczollS ab.
— Die deutsche Regierung bat die Alliierten um »ebermittelung des Gutachtens ersucht, das die Entcnte- Wverständigen in Brüssel ausgestellt haben:
" — Briand dielt gestern in der französischen Kammer eine neue Rede.
• — In der italienischen Treffe tauchen gegen die «ariser Beschlüsse jetzt immer mehr Bedenken auf.
— Der griechische Gesandte dementiert namens seiner Regierung die Nachricht, Griechenland werde g-r Regelung mit der Türkei über Smyrna und ragten zustimmen.
I 3« den Pariser Beschlüssen.
Ein neue Briandrede.
I Paris 4. Febr. In der heutigen Kammer- Hung richtete der Abgeordnete und frühere [ Minister Tardieu schwere Angriffe gegen Briand und das Pariser Abkommen, das Uhm nicht weit genug geht und verlangte I die Ablehnung desselben. Briand erklärte, es sei falsch, daß Frankreich 30—35 Prozent seiner Forderungen aufgegeben habe. Er habe dafür ; gesorgt, daß man aus dem deutschen Wiederaufstieg Nutzen ziehe. Der Versailler s Bertrag sehenurZölleaufgewiffedeutscheProdukte I Mr. Er habe es durchgesetzt, daß eine allgemeine Zolltaxe und eine Zollkontrolle in den Rheinlanden vvrgesehen werden. Alle Zwangsmatz- ' nahmen würden solidarisch angewand, so dass cs s Deutschland unmöglich sei, sich seinen Verpstich- Lungen zu entziehen. Wäre das Abkommen nicht' zustande gekommen, so wäre daraus eine wirtschaftliche Katastrophe für Frankreich entstanden. WWmd schloß: In zehn Jahren würde die Lage ÄW‘4 Urur tu cci. äMMMMML werde allgemein die Tätigkeit wieder ausgenommen sein. Die Pensionen und Reparationen seien für die folgenden Jahre sichergestellt. Man müsse bei den Alliierten Anstrengungen machen, um gewisse Vorteile durch die finanzielle Solidarität zu erlangen. Die jetzige Regierung habe das Möglichst« getan. Sie habe Vertrauen zu Frankreichs Alliierten gehabt und habe versucht, die Gemeinsamkeit der Interessen herzustellen. In allen Fragen habe sie Befriedigung erhalten. Jetzt gehe sie nach London. Wenn man ihm nicht bolles und ganzes Vertrauen schenke, hätte man, lote Tardieu sagte, selbst einen vorübergehenden Bruch mit den Verbündeten ins Auge fassen können. DaS sei alles, was Deutschland hätte hoffen können. (Beifall.) Wenn dieser Zustand jein oder zwei Monate gedauert hätte, wäre dann das Land nicht in seinen Hoffnungen enttäuscht gewesen? Hätte es nicht schon zu lange gewartet? Wenn die Konferenz kein Ergebnis gehabt Katte, so wäre das eine Katastrophe für das Land gewesen. Seine Pflicht als Franzose sei «s gewesen, zu einem gemeinsamen Abkommen zu gelangen. Er habe sich nichts vorzuiverfon. Wenn die Kammer das glaube, dann solle sie es offen èusfprechen. (Beifall.) — Der sozialdemokrat. Abg. Vincent Auriol sprach alsdann von der iteralliierten finanziellen Solidarität — Die Weiterberatung wurde daraufhin auf Dienstag vertagt.
Italienische Bedenken.
Rom, 4. Febr. Gegen die Pariser Konferenz- itschlüsse tauchen in der italienischen Presse immer mehr Bedenken auf. Besonders lebhafte Besorgnisse ruft dort die Ausfuhrabgabe hervor, die zwar zu einem guten Schutz der englischen und französischen Ludustrie zu werden verspricht, für Industrielle der weniger stark entwickelten, daher mehr von der Eininbr abhängiger Länder, darunter vor allem für Italien, über Recht unangenehme Folgen haben kann. Deutschland — sagt man — wird notgetrungenerwene seine Preise um die Abgabe erhöhen müssen und Italien mit seinem großen Bedarf deutscher Produkte wird infolgedessen einen beträchtlichen Teil der Abgabe zu tragen haben, die dann zu */ia in den Taschen der großen Verbündeten endet. Corriera della Serra, Tribuna, Popolo Romano, Messagero und Jdea "iazionale machen einstimmig auf diese recht bedenk.iche neue Paris r Errungenschaft aufmerksam. Die italienische Presse ist im übrigen der Anschauung, daß die Beschlüsse der Pariser Konferenz nicht endgültig steil, wenn man überhaupt die Absicht habe endlich finmal zu einem geordneten Friedenszustaud zu gc- Mgen.
Ausschaltung Amerikas in der Wieder- antmachnngsfrage
Paris, 4. Febr. Nach dem „Tcmps" beabsich- 'igen die Alliierten auf der Londoner Konferenz die Nebarationsfrage ohne Befragung der neuen ameri- «»ljchcn Regierung zu lösen.
Bayern und die Entwaffnungsfrage.
Nach einer Blättermeldung aus München fand dort Jestern unter dem Vorsitze des Ministerpräsidenten $e» Kahr ein Ministerrat statt« auf dem die Richt
linien beraten wurden, die Herr von Kahr in der Frage der Pariser Beschlüsse bei der ReichSregieriing vertreten wird. Dem „Berl. Tagebl." zufolge wird Kahr auf der einheitlichen Ablehnung des Pariser Diktats bestehen unb keinesfalls ans eine verschiedenartige Behandlung der Reparations- frage unb der Entwaffnungsfrage eingehen. Der Ministerrat faßte einstimmig den Beschluß, daß jede andere Auffassung für Bayern unannehmbar sei.
Nn alle Arbeiter der Welk.
Der allgemeine deutsche Gemerkschastsbund richtet an die Arbeiter der Welt folgenden Aufruft
Die Sklaverei, die in Afrika abgeschafft wurde, soll in Europa wieder eingeführt werden. Die europäischen Großmächte, die angeblich einen Völkerbund errichten wollen, haben ihre Einführung für ein halbes Jahrhundert beschlossen. Schwarze Soldaten, die aus dem Innern Afrikas nach Europa gebracht werden, sollen dafür sorgen, daß die weißen Sklaven ihre Pflicht tun. Die Sklaverei wird eingeführt im Namen der Freiheit und Eerechtigkèst, zur höheren Ehre Gottes und der Menschlichkeit. Vier Jahre haben die Völker Europas unter dem Kriege geseufzt; vierzig Jahre sollen Menschen, die unter der Herrschaft derer stanken. denen die Gegner die Schuld am Kriege zuschieben, büßen. Ihre Kinder und Kindeskinder sollen verkommen und sterben; sie selbst sollen wie Arbeitstiere am Leben gehalten werden, um für die Sieger zu arbeiten, Ein Recht auf die Freuden des Lebens sollen sie iW mehr haben. Ungefähr ebensoviel wie das ganze deutsche Nationalvermögen vor dem Kriege ausmachte, soll im Laufe von zweiundvierzig Jahren von den deutschen Arbeitern erzeugt und an die Sieger abgeliefert werden. Erzeugt in einem Lande, dem man schon die ungeheuerlichsten Lasten auferlegte, seine âMÄSWe ÖUUV ytË Mi. âMW-hat. unb dem man den Absatz der Werke seiner Arbeit nach andern Ländern unterbindet. Das deutsche Volk hat sich bereit erklärt, im Rahmen der Möglichkeit den angerichteten Schaden wieder gutzumachen, es ist nicht bereit, zum Vorteil des internationalen Kapitalismus zu Grunde zu gehen. Hass und Erbitterung werden sich in den Herzen einfressen, auch in den Herzen derjenigen, die ihr ganzes Leben lang für die internationale Verständigung und für die Völkerverbrüderung kämpften. Arbeiter der Welt ihr habt das Wort?
Diesen Aufruf schließen sich der Allgemeine freie Angestelltenbund und der Beirat der freigewerkschaftlichen Vetriebsrätezentrale an.
Die Freundschaft zwischen Polen und Frankreich.
Bei einem zu Ehren bei polnischen Marschalls Pilsudski vom Präsidenten der französischen Republik gegebenen Essen erinnerte Millerand an das lange Martyrium Polens. Die Sache Polens sei immer die Sache Frankreichs gewesen. Die letzten polnischen Siege seien vor allem der Tatkraft Pilsudski» zu danken. Millerand sprach die Ueberjcuaung aus, daß das polnische Volk der augenblicklichen Schwierigkeiten die zu dem inneren Aufbau nötige Tatkraft finben werde. Pilsudski erinnerte an die Jahrhunderte lange Freund- schalt zwischen Polen unb Frankreich, an die brüderliche Ausnahme, die Frankreich den polnischen Patrioten habe zuteil werden lassen und an bie gemeinsamen Kämpfe. Der Tag, der Elian-Lothringen bemMntter- lanse zufühlk, habe auch Polen seine Unabhängigkeit gegeben. Polen sei geims, daß es auch bei den ume- ren Aufgaben auf Frankreichs Hilfe rechnen könne.
Paris, 4. Febr. Marschall Pilsudski sagte heute Pressevertretern, zwei Fragen seien augenblicklich für Polen wesentlich. Sie beherrschten seine ganze Politik: Die Frage des Friedens, damit zu Wiederaufbau- arbeiten gelangen könne, unb die ?,r«gc der Sympathie für Frankreich, die heute tief wurzele im Herzen j.des Polen. DaS ganze Leben der polnischen Bcvol- kerilug sei mit diesen beiden Fragen verbunden. Schließlich kundigtr der Marschall noch an, der polnische Finanzminister werde demnächst nach Paris kommen, um Angelegenheiten seines Ressorts mit der französischen R g.cririig zu verhandeln. Um t1 Nhr batte der Marschall mit Präsident Millerand eine längere Unterredung. Während dieser Zeit verhandelte der Minister für auswärtige Angelegenheiten Sapi ha mit verschiedenen politischen,diplomatischen und inilitärischcn Persönlichkeiten. Der Kriegsminister erklärte überdies einem „Temps"-Vertreter, mit Hilfe der firanzösischeu Militärmission bereite Polen a lc8 vor, da . it man sich verteidigen könne. DaS sei für dâS Land die be te Garantie für die Aufrechterhaltung bei FriedenSzu- standeS mit den östlichen Nachbarn.
Deutsche Bolksparlet und Reichstags- Koatttion.
Von gut nnterrichtcter parlamentarischer Seite erfahren wir: Die Bemühungen der Dculschen VolkS- partet als Vater bei Gedankens, die Regierungsmehrheit durch Anschluß nach rechts und link» zu vcrgiö- ßkdn, find in ein neues Stadium eingetreten. Ein Erfolg versprechender Notenaustausch zwischen der Deutschen Volksvartei und den Deutschnatisualen
führte zu einer Annäherung der Anschauungen. Der Wunsch bei äußersten rechten Flügels, Anschluß zu suchen nnb zu finden, wächst mit der immer bedrohlicher werdenden politischen Lage. Bei den dentsch- natioualen betrachtet man die Antwort, die die Deutsche VolkSpartei in Fortführung ber Verhandlungen Freitag morgen überreichen ließ, als Grundlage für weitere Besprechungen. Die deutschnationale Fraktion, die zu einer Sitzung zusammentrat, wird in der Lage sein, noch heute eine Antwort festznlegen, die den anderen in Betracht kommenden Parteien zugeben soll. Von feiten der MehrbeitS'ozialdemokrattn allerdings werden noch erhebliche Schwierigkeiten gemacht, denen auch der „Vorwärts" Ausdruck verleiht. Diese Ablehnung bat leider ihren Grund in allerhand Partei» doktrinären Bedenken. Man gibt aber die Hoffnung noch keineswegs auf, mich hier durch -Zugeständnisse von allen Seiten eine Einigung herbeizulühren. Die Lage für Deutschland, bal keinesfalls auf Unterstütz- ung im neutralen Ausland rechnen darf, wird als so ernst betrachtet, daß alle kleinlichen Bedenken vor dem einen Gedanken fallen müssen, die große Einbeit»fro«t den WahnsinnSforderungen der Entente rntgeqcnru- stellen. In diesem Sinne werden bie Bemühungen der Deutschen 8»If4partei unermüdlich fortgesetzt werden.
PolMsche Tagesberichre.
— O-trschlesie» nnb dieArbeiterbkweqn«!».
In ber „Freiheit" prüft der Arbeitersekretär Nowak- Gleiwitz von gewerkschaftlichen Standpunkte aus die Frage, welche Abstimmung für die oberschlesiiche Ar- beiterbelucgung am vorteilhaftesten ist. Er komnit zu dem Schlnß, daß für den Fall der Angliederung Ober- schlesten» an Polen die aufstrebende Arbeiterbewegung ix Oberschlesien, die ihre Entwickelung zum größten Teile der Unterstützung der machtvollen deutschen Gewerkschaften und Arbeiterparteien zu danken hat, in ihrem Aufstieg nicht nur gehemmt, sondern auch auf ea» Niveau der polnische« GewerkschastSbewegnng Hcrabgedrückt werden märbe. Ohne Verbindung mit den deutschen Gewerkschaften werde die oberschlesischr Arbeiterbewegung mit der sozialistischen Bewegung der übrigen Welt nicht Schritt halten können.
üb« Lherschlesien. Aus London wird gemeldet: Sidney Osborne schreibt an den Herausgeber des Common Senfe: Bis zum gegenwärtigen Augenblick ist das Publikum 0anz fürchterlich mißleitet und mißunterrichtet worden bezüglich der Bedeutung des Kampfes, der in Oberschlesien zwischen den Polen und den Deutschen um den endgültigen Besitz von „Deutschlands Lancashire" ausgefochlen wird. Die Polen haben versucht, die Welt glauben zu machen, daß Oberschlesien vorherrschend polnisch ist in alledem, was eine Nationalität ausmacht: den Gefühlen der Einwohner, der Sprache und den historischen Ueberlieferungen. Wie falsch dlle diese Annahmen sind, habe ich meinem Buche Die oberschlestsche Frage und Deutschlands Kohlenproduktion klar zu machen versucht, in der Hoffnung, daß Männer des Gedanekns und der Tat in der ganzen Welt bewogen werden, ihren Einfluß auf eine gerechte Lösung des Problems geltend zu machen, bevor es zu spät ist. Denn wenn die Sachen so weiter in diesem schwer geprüften Lande gehen wie jetzt, und die Polen freie Bahn hiLen in Mißachtung der bewiesenen natürlichen, politischen und wirtschaftlichen Einheit Oberschlesiens als eines Ganzen mit Deutschland, dann können wir gewiß sein, daß alles das Wenige, was nach an Dauerhaftigkeit der Grundlage von Europas Frieden und Ordnung geblieben ist, eine Erschütterung erfahren haben wird, gegen die selbst das Solidaritätsempfinden der alliierten und assoziierten Mächte nicht standhalten kann, und daß wir unsere ganze europäische Zivilisation in Flammen sehen werden.
Deutscher Reichstag.
Bei nur schwach besetztem Hause kommen zunächst kleine Anfragen zur Erledigung. Es folgt die Beratung des gemeinsamen Antrags aller Parteien betreffend Ermächtigung zur Erhöhung der Teuerungszulagen gemäß dem Reichsversorgungsgesetz. — Abg. Albrecht (U. S.) begründet eine Entschließung im Interesse der Kriegsbeschädigten, eine Novelle zum Reichsper- sorgungsgefetz vorzulegen. Außerdem,verlangen die-Unabhängigen-Erhöhung der Teuerungszulage auf 35 Prozent statt 25 Pro^nt im gemeinsamen Antrag, ferner bei der Elternrente Erhöhung des Betrages von 1500 auf 5000, statt 3000 Mark im gemeinsamen Antrag. Ein Ruhen der Rente beginnt erst bei einem steuerpflichligen Einkommen von 13 000 Mark mit einem Zehntel und steigt bei jeden weiteren 1000 Mark Mehreinkommen um ein Zehntel. — Abg. Meier (Soz.) sieht keinen Anlaß, auS dieser Frage eine große politische Angelegenheit zu machen. Den dringenden Anforderungen der Teuerung wird der gemeinsame Antrag geregt. — Abg-T h o - mas (Komm.) unterstützt den unabhängigen Antrag. — Nach eingehender Debatte wird unter Ablehnung aller weitercehenden Anträge der Antrag der Mehrbeitsparteie» einstimmig angenommen.
Abg. Lange-Hegermann (Ztr.) begründet hierauf einen von der Deutsch-demokratU schen Fraltion, der Deutschen Volkspartei, dem Zentrum und der Bayerischen Volkspartei unter, zeichnete Interpellation, in der ausgeführt wird, daß die steigenden Kosten der Lebenshaltung, dis Schwierigkeiten der Rohstoffbeschaffung, bie Un« ficherheit in der Preisberechnung und ander« Schwierigkeiten zu einer Gefährdung bei Handwerks, der Kleinhandels und des Kleingewerbes geführt haben. Di« Interpellation verlangt von der Regierung eine Aeußerung darüber, ob sie zur Hebung dieser Schwierigkeiten beitragen und besonders dabei die VMchtzugehSrigkeit zur Organisation bei Handwerks im S'nne der Selbstverwaliungs- körper der Verfaffung in Erwägung ziehen wolle. Drese Selbstverwaltungskörper sollen nach dem Willen der Interpellanten in erster Linie den Bezug und die Verteilung von Rohstoffen fü» das Handwerk unter Ausschalkung überflüssiger Zwischengewinne übernehmen. Die Arbeitnehmer sollen dabei durch eine reue Form der Ent* lohnung auch eine Gewinnbeteiligung erhalte». So soll eine gewisse Berufssolidarität geschaffen werden. Zwischen Sozialisierung und dem vom Reichsverband des deutschen Handwerks empfohlenen System der Selbstverwaltungskörper bestehe ein großer Unterschied. Das Handwerk wolle eine gewisse zentrale Regelung der handwerklichen Berufsorganisationen. Redner emp-
K schließlich die Bildung einer Kommission,
H mit der Lösung dieser Frage öeschäftige» soll/
Reichsminister Dr. Scholz: Die Regierung teilt die Auffassung der Interpellanten, daß auf dem Handwerk und kleingewerblichen Mittelstand infolge des Krieges große Lasten liegen, während das Großkapital Reserven an sammeln konnte. Statistische Aufnahmen der Handelskammern beweisen, daß'^ür die Beschaffung von Betriebskapital allein schon für die einzelnen Beruft* stände ganz verschiedene Notwendigkeiten bestehen. Dazu kommt die ganz gewaltige Vermehrung der kleinen Geschäftsbetriebe überhaupt. Das beste Hilfsmittel wäre die Stabilisierung unserer Valuta. Die Beteiligung des Hand, Werks an staatlichen Aufträgen und die Förderung des Bauwesens durch die Regierung sind weitere Mittel, dem Handwerk aufzuhelftn. Erschwert werden unsere Bemühungen durch die Schwierigkeiten, welche uns die Entente in der Kohlenfrage macht. Die Regierung erkennt den Wert des Handwerks für unsere Volkswirtsckaft an und erwartet noch viel von einer zielbewußten Erstarkung des Handwerks.
In der Besprechung der Interpellation wider, legt zunächst Abg. Hünlich (Soz.) die Behauptung, als ob bie Sozialdemokratie ein Feind des Handwerks sei. — Abg. Dr. Wienbeck (©nat): Die von der Linken heraufbeschworene Gefahr der Sozialisierung lastet drohend auf dem Mittelstand. Die Handwerker haben aber in eindrucksvollen Demonstrationen sich gegen Sozialisierung und Kommunalisierung gewandt. Das Handwerk ist heute eine Macht durch dis Organisation der Handwerkerbünde. — „ Abg. Havemann (D. Vpt.): Für den nadifteit Etat sollte die Regierung Mittel zur Verfügung stellen, damit die Existenzbedingungen bei Handwerks systematisch erforscht werden können. Allen Bestrebungen auf Kommunalisierung und Sozialisierung setzt das Handwerk den größten Widerstand entgegen. Die achtstündige Arbeitszeit darf nicht schematisch für alle H-andwerkszweig« auf» recht erhalten bleiben. — Abg. Kniest (Dem.) meint, die Selbsthilfe müsse die Hauptsache bleiben. Dann sei es aber audi notwendig, daß all* Kollegen sich zusammenschlössen.
Nach debatteloser Erledigung zahlreicher Petitionen vertagt sich das Haus auf Mittwoch den 23. Februar. Die Vertagung erfolgt infolge der bevorstehenden Preußenwahlen.
Unglück in einem Kalibergwerk. Als Mittwoch früh die Belegschaft der Gewerkschaft „Ilberstedt* bei Magdeburg einfuhr, strömten ihr giftige Gass entgegen, durch die sechzig Mann betäubt wurden. Bis gegen Abend waren elf Tote geborgen. Die Zahl der Verletzten steht noch nicht fest. Bei ber Rettungsaktion wurde der in den Schacht zuerst eindringende Obersteiger sowohl wie der bald darauf vorgehende Bergwerksdirektor ^ödd« mit zwei weiteren Steigern durch giftige Gai« schwer betroffen und mußten besinnungslos au! der Grube getragen werden. Später gelang dann die Rettung mit einer Rettungskolonne der benachbarten Grube. Als man nach der Bergung feflffellie, daß noch ein Bergmann fthlte, würd« nach diesen eine neue Kolonne in den SchachI geschickt. Diese fand ihn auch nach vieler Müh« am Ende de» Schachtes an einer abgelegene» Stelle noch lebend not*