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Anzeiger

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Verantwortlich: für oolititchen und allgemeinen Teil Richard Hultsch: kür lokalen und provinziellen Teil

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Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan Reklamen August Brodt. alle in Hanau am Main. ^WHW^ ' Rotationsdruck der Wailenbausbuchdnickerei Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage

Rernfpretbanf&lüüe Nr. 1237 und 1238.

Nr. 21 Mittwoch den 26. Januar 1921

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Das Neueste.

Zwischen Lloyd George und Briand haben sich in Paris ernste Mclnnxgsvcrschikdenhtiten rezugt.

Die Pariser Konicrenz behandelte gestern die -sterreichische Frag«

NeichSminister Dr. Simon# erklärte, daß die ktimninng der Bevölkerung in Oberschlesien zuver­sichtlich sei.

Die Zahl der unterffühten EnverbSloken hat tüte gewaltige Zitnahme erfahren.

VerkehrZmini er Groener sprach in Ho iburg Iber die Lage der Neichseiscnbahncn.

- Jin Ruhrre'ner hat erneut eine rege Werbcar- kit für den ScchSstnndcntag im Bergbau eingesetzt.

In London tagte der Vollzugsausschuß des internationalen BergarbeiterverbandeS.

Die Anleihe von 30 Millionen Dollar für Belgien, die von den Guarauty Trust und der Firma Morgan'aufgelegt wurde, ist stark überzeichnet worden.

Die Pariser Konferenz.

Meinungsverschiedenheiten.

Di« Pariser Konferenz liefert wieder einmal den Beweis, daß man sich sehr hüten muß, alles für bare Münzen zu nehmen, was die Pariser Blätter verbreiten. Während diese vor zwei Tagen versicherten, daß über die deutsche Ent­waffnung in Paris und London Einigkeit bestehe, Md daß jedenfalls schon am Schluß der ersten Vormittagssitzung ter Konferenz die Frage als erledigt angesehen werden könne, zeigt sich jetzt, was auch aus dem von uns bereits gestern wie- dertzegebenen amtlichen Bericht über den ersten Sitzungstag ersichtlich war, daß keine einheitliche Auffassung besieht. Im Gegenteil, die Gegen­sätze zwischen Lloyd George einerseits und Briand und Foch andererseits sind sehr groß, sodaß sich die Verhandlungen ziemlich schwierig gestalten werb--« Zunächst hat man die militärischen Sach- veMnoigen der interalliierten MWärlommisston von Versailles beauftragt, einen neuen Bericht auszuarbeiten und dlefen der Konferenz vorzu- kgen. In der Zwischenzeit beschätsigt man sich mit Oesterreich, dem man helfen will und dann soll die orientalische Frage behandelt werden, während die den Franzosen wichtigste Frage, die Entschädigungsfrage in suspenso bleibt.

Ueber die Meinungsverschiedenheiten liegen folgende Blättermeldungen vor:

Wie derMatin" nutteilt, haben in der Mon- aung der interalliierten Konferenz nach all Foch die Generäle Rollet und Bing­ham ihre Ansichten über die E n t w a f f n u g s- frage dargelegt die im ganzen überernstimm- ten. Ueber diesen Gegenstand soll eine Dis­kussion stattfinden. Man kennt zwar die Einzel- heiten nicht, aber aus den letzten Noten der De- pefchen-Agenturen und aus den englischen Zei­tungen kann man herauslesen, daß die englische Delegation nicht abgeneigt ist, den Einwoh­nerwehren, namentlich den in Ostpreußen, ein« Frist von mehreren Monaten zu bewilligen, was Frankreich für übertrieben hält. Der letzte deutsche Bericht, der angesichts eines bolsche­wistischen Angriffes den Auflösungstermin hin­ausschieben will, scheint auf Frankreichs Verbün­det«, insbesondere auf England Eindruck gemacht zu haben.

DerPoint Parisien" schreibt, es sei das Ge­rücht verbreitet gewesen, die von General Rollet und General Bingham vorgebrachten Zahlen hät­ten von einander abgewichen.

DasEcho de Paris" stellt fest, daß man sich in der vorgestrigen Sitzung über die Frag: der Entwaffnung Deutschlands nicht verständigt habe Marschall Foch habe als letzter Redner in dieser Angelegenheit als Termin für die Auf­lösung der Einwohnerwehren den 1 Mai vorge­schlagen, unter dem Hinweis einer eventuellen Besetzung des R u h r g e b i«t e s, falls die Auf­lösung der Einwohnerwehren zu diesem Zeit­punkt« nicht rechtzeitig erfolgt. Die Bemerkung Fochs von der Besetzung des Ruhrgrüietes Halle eine sofortig« Entgegnung Lloyd Georges aus- Selöst.

Nach dem gleichen Blatte hat es sich bei der Privatunterredung zwischen Briand und Lloyd Georg e am Nachmittag ergeben, daß die beiden Staatsmänner nicht einig gewesen sind. Lloyd George vertrat den Standpunkt, daß Deutschland in der Frage der Entwaffnung seine Verpflichtungen annähernd erfüllt habe. Deutsch­land sei von nun ab vollkommen unfähig, einen ttnsten Angriff gegen die Alliierten zu unter­nehmen. Die bolschewistische Gefahr sei tat­sächlich vorhanden, sie könn« nicht ernst genug ge­nommen werden und man dürfe sie nicht vernach­lässigen. Deutschland könne angesichts dieser Ge- sahr nicht ohne Verteidigungsmöglichkeit sein. Die öffentlich« Meinung in Bayern verlange Schutz und Sicherheit. Sei ez etwa gerecht, di« Einwohner des Ruhrgebietes dafür zu bestrafen,

wenn München einen Fehler begangen hätte. Lloyd George sei sogar so weit gegangen, die Frage zu erheben, ob es nicht besser wäre nach den Erfahrungen von Spa, die Deutschen zur K onferenz nach Paris zu be­rufen, denn dann könne man besser zwischen dem Möglichen und Unmöglichen entscheiden. Drese Ansicht habe Briand energisch abgelehnt. Der belgische Minister für auswärtige Ange­legenheiten, Jospar, hat sich unter Vorbehalten den englischen Anschar'mg«n genähert.

Graf Sforza sagte, man solle sich erst über die Grundsätze einigen, ehe man von Vergeltun­gen spreche. Alsdann könne man von der deut­schen Regierung di« Entsendung von Sachver­ständigen verlangen. Weder Lloyd Georg« noch Briand hätten aber diesen vermittelnden Stand­punkt angenommen. Nm nun aus der Verlegen­heit herauszukommen, habe man die militärischen Sachverständigen ersucht, einen neuen Bericht auszuarbeiten.

Havas meldet, daß entgegen einem umlaufen­den Gerücht die englische Delegation keinen Vor­schlag auf Zulassung von Mitgliedern oder Ver­tretern der deutschen Regierung zur gegenwärti­gen Konferenz vorbereite. Für die Zukunft sei es möglich, daß man eine spätere Zusammenkunft von Vertretern der Alliierten und der deutschen Regierung al? erforderlich ins Auge fasse, um Deutschland die Lösungen mitzuteilen, auf welche sich die Alliierten zwecks Ausführung der Re­paration geeinigt hätten. Es sei niemals beabsichtigt gewesen, eine solche Zusammenkunft mit den gegenwärtigen Beratungen in Verbin­dung zu bringen, die zwischen den Alliierten stattfinden. Es scheine übrigens, daß von der Konferenz erst andere Fragen geprüft werden müßten, ehe sie das Reparationsproblem an­schneide.

. das

Frankreichs zum großen Teil von der Entschei­dung abhänge, di« die Konferenz in ter Repa­rationsfrage treffen werde oder andeute. Komme man diesmal zu keinem Ergebnis, dann werde tes im ganzen Land« eine große Enttäuschung hervorrufen, die einen Zornausbruch zur Folge haben werde

Figaro ist nicht damit zufrieden, daß man nicht sofort nach' der Entwasknungsfrage die Reparatilmsfrage besprochen will.

Nur 2 oder 3 Jahresraten.

Echo te Paris stellt fest, daß die Beratungen, die am Sonntag bei Millerand stattgefunden haben, den Zweck gehabt hätten, das System der Pauschalsumme und das System der Repa^ations- kommission miteinander in Einklang zu bringen. Es sei übrigens interessant fost-uftellen, daß Briand das Unangenehme des Systems der 5 Jabreszahlungen anerkannt habe und nunmehr dazu neige, 2 oder 3 Jahreszahlungen feftzusetzent

Belgien und Frankreich einig.

Paris, 25. Ian. Der belgische Minister für auswärtige Angelengenheiten, Iaspar, lässt durch die Radioagentur dementieren, dass er nach einer Vormittagszeitung behauptet habe, dass er in der ' Entwaffnungsfrage sich dem englischen Standpunkt nähere. Im Gegenteil, er habe sich hem französischen Standpunkt angeschlossen. Die Belgier könnten in der Entwassnungs'rage ferne andere Ansicht vertreten als die Franzosen, da sie unter derselben Bedrohung lebten.

Die DrenslagssiFunfl.

Ueber die gestern vormittag stattgehabte dritte Sitzung der Konferenz ist ein offizielles Tommuniqus ausgegeben worden. Es be- 'agt, man habe sich mit den Maßnahmen be- 'chästigt, die ergriffen werden sollen, um in kürzester Frist der ernsten Lage, in der Oesterreich sich befindet, abzuhelfen und feine Wiederherstellung sicher zu stellen. Die von den alliierten Finanzsachverständigen vorberei­teten Pläne sind geprüft worden, und es wurde schliesslich beschlossen, eine kleine Kommission einzusetzen, deren Aufgabe darin besteht, die sofort zu ergreifenden Massnahmen der Mächte zu studieren. Der Ausschuß hat bereits gestern nachmittag seine erste Sitzung abgehalten und will seine Arbeiten beschleunigen.

Paris, 25. Jan. Nach einem Sonderbericht­erstatter der Havasagentur wurde in der heutigen Konferenz hinsichtlich der Lage Oesterreichs der Standpunkt vertreten, daß, um die Lage normal zu gestalten, es notwendig sei, ein vollständiges Hilfsprogramm aufzustellen. Die Frage sei so gestellt, daß man Oesterreich einerseits lang« slistige Kredite bewilligen müsse, daß aber auch andererseits Oesterreich Garantien geben müsse, hinsichtlich der Verwaltung seiner Finanzen und der Reorganisation der öffentlichen Dienste. Nach demTemps" müsse man Oesterreich für

das laufende Jahr einen Kredit von 80 Millionen Dollar gewähren. Im ganzen handle es sich mr 5 Jahre um einen Kredit von 250 Millionen Dollar.

Die Last der Besatzung.

Graf Montgelas gibt im Berliner Tage­blatt aufgrund von Erkundigungen an unterrich­teter deutscher Stelle eine eingehende Zusammen­stellung über die Kosten der interalliierten D«- satzungsarmeen im Rheinland. Danach betragen die Aufwendungen ter Verbandsmächte, die Deutschland zurückersiaiten muß, im Monats­durchschnitt 1% Milliarden Papiermark. Dazu kommen die Aufwendungen, die unmittelbar aus deutschen Staatskassen bestritten werden, in Höhe von ^ Milliarde und 50 Millionen Papiermark. Dies ergibt eine Gesamtsumme von monatlich über 2 Milliarden oder jährilch über 24 Milliar­den Papiermark Besetzungskosten. Als Ursache dieser phantastischen Ziffer bezeichnet Montgelas die übermäßige Stärke der Besatzung und deren übermäßige Gehälter. Jm^Rheinland stehen ins­gesamt 136 000 Mann Ententetruppen, während im Jahre 1914 her glei-che Raum von deutscher Seite mit etwa 65 000 Mann belegt war. Ein­schließlich der französisch«« Truppen in Elsaß- Lothringen bewachen 200 000 Mann eine 470 Kilometer lange Grenze gegen di« deutsche Reichs­wehr, die nur 90 000 Mann Verpflegungsstärke einschließlich sämtlicher Nichtkombattanten zählt und im Osten eine 2000 Kilometer lang« Grenze gegen Polen und Bolschewisten zu schirmen hat. Für die fremben Besetzungstrupven zahlt Deutsch­land in Gold berechnet 60 Prozent mehr als 1914 für sein gesamtes Landh«er. Wenn die 15jährige Befetzungsdauer wegen der von fünf *u fünf Jahren eintretenden Verringerung der besetzten Zone einer 10jährigen Besatzung in dem bisherigen Umfangs gleichgestellt wird, so beträat die Gesamtsumme der Besatzungskosten 225 Milliarden Papiermark.

Der vorurteilfreie Historiker, so schlißt Graf Monchelas, wird über ten na^onakökonomUchen Unverstand, der das einfache Mittel nicht sehen will, wie durch vernünstiae Regelung der Be- satzungssrage mit einem Schlage die Regelung ter nanzen Enikchädig'^gsfrage ermöglicht wer- dm könnte, den Kopf schütteln.

Dr. Simons über Oberschlesien.

Stectetmmfter Dr. Simons empfing gestern den Vertreter des MolffbüroS zu einer Autsprache über die Abstimmung i n Oberschlesien. Der Minister la^te it. tu: Nach den letzten ans Cb*r« schienen eingeiankenen Nachrichten ist die Stimmung der dentichen Bevötkernng durchaus uiversichtlich Ueber« all herrlAt die Ueberzeugung, daß bei einer dem Frie- deukve't-aae entiprewenden, allo einer freien, geheimen und unbeeinflußten Abnimmuua der gesunde Sinn der Etvölkerung diese zum Votum für D utsch.and führen toirS; An einhrimbeben Vorstel- luneen der Bevölkerung Db.rfrfilefien# über die litt« sichertet in den (Prcnzgebieteu über den mit den brit« täl en Mitteln arbeitenden Terror und über die ne» heitren Macke »scheuten aewifier polnischer Streife hat es nickt gc eblt. Auch bi* dcutsckc Regierung bat hie­rüber aurführlick, mit überzeugendem Material ver­gebene Dartenmgcn gegebeu. Deshalb erwartet man übe, »1 mit B n, uNthkit, daß die interalliierte Rom» Mission sofort alle ihre Machtmittel anwenden w-rd, um geordmee Zustände drrzustetken. Ich selbst erwarte das nn so sicherer,«!» ja die iiiterakliierte Kommission elb g Nicht im Zweisel sein kann, daß nur nack nëtti« gtr Herstellung von Rube und Sicherheit eine'.Abstim­mung möglich ist, die der wirklichen Ueberzeugung der Vtvölkcrnng ti ♦ipridit und deshalb a'lerseitS anerkannt werden kann. Das geht ans d n eigenen Proklama­tionen ber interalliierten Kommission hervor, mit denen sie früher die gleicke An'icht zum Shirrucf gebracht hat. Zu biefem Zweck muß aber in erst r Linie die Grenze audw gegen Polen abreiperrt und gegenüber dem dem inen politischen Verbrechertum im Abstim­mungsgebiet, sowie aetrn alle Vermche, btudt Em- 'ckückterung und Störung der Vorbereitungen und Abstimmung selbst des AdstimmuuaSerg'dnis zu fäl­schen, rücfMtl o# dnrchgeariffcn werben. Ich hoffe bestimmt, daß die interalliierte Rommrfion, die ihr Reckt in Ode? schießen et# zu wahren bestrebt war, au b diese Pft ckt mit allen turnst und Rrchdruck er* ui Hm wird. ES liegen Lnteichen banir vor, daß sie mit Kbiirfcrtn Maßnahmen vorg den wird, bereit G» folg nicht «nSblc'be» kann. Die Reichsreiienliig wird eS jeden all# davon können Sie ü '-ngeuat sein auch ihrerieit# an nichts feilen lassen, um auf du Herbeiführung cortmcter Verhältnisse in Obnschiessen hmiilwlrks» und eine rüstige Abstimmung zu sichern. Pflicht der Abitimniunglb rechtigt « Bevölkerung ist cd aber, auch ibrercit# zu helfen die Abstimmung zu einem guten Ende zn führen. Die große Anmeldung auSwäitiqcr Etimmäerecktmter zeige schon jetzt, ^in welch hohem Maße die Heimattreuen Oberickkesier sich »essen bcwußt sind, kaß niemand bei der Äbnimmung fehlen bart und daß c# ane jede Summe ankomme, um den Sien zn erringen, der keine andere Entschei­dung al» das Verbleiben Obcricb efit: * bei Deutsch- lw d zu läßt. L»e Termine für die Eintragung ut bie Listen sind sehr tnnpp bemessen. Die Frist für die Elutraiiuiia läuft am 3. nebr. ab. Er bars feine

Stunde für die Anmeldung verloren gehen. Sollt« durch Nachrichten über schwebende Verhandlungen be­treffend die Abstimmnngrmodaiitäten nnb über di« augenblicklichen Zustände in Oberschleffen da nn» boxt eine Ungewißheit entstanden sein, so darf diese doch niemanden von sofortiger Anmeldung abhalten; den« nur dadurch kann sich jeher Oberschlesier sein Absti«. miingkrecht wirklich sichern. Wer die rechtzeitige An. Meldung unterläßt, vcrliert damit unwiederbringlich die Möglickkeit, später an der Abstimmung teilzuned» men und es wird ihn ter schwere Vorwurf treffen, feine Heimat in der Schicksalrstunde im Stich -»lasse» zu haben.

Ponrische Tagesberichte.

Die Zunahme der Erwerbslosen eint Folge des Spa-Abkommens. Das Reichs» arbeitsminifierium teilt mit: Die Zahl der un­terstützten Erwerbslosen ist vom 15. 12. bis 1. 1. um 43 000 auf rund 409 000 gestiegen und zwar hat sich die Zahl der männlichen von 292 000 auf 033 000 und der weiblichen von 74 000 auf 70 000 erhöht. Der besonderen Steigerung der männlichen Erwerbslosen ent» spricht eine starke Zunahme der Familienange­hörigen von 381000 auf 454 000. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die unterstützten Erwerbs« losen mit den Angehörigen nur einen Bruchteil der wirklich Erwerbslosen bilden. Tatsächlich dürfte die Zahl der Erwerbslosen und der mit» betroffenen Angehörigen das Doppelte der vor­genannten Ziffem überschreiten, wozu noch die sehr große Zahl der sogenannten Kurzarbeiter tritt. Wenn trotz der Arbeitsstreckung und trotz der Maßnahmen der prouktiven Erwerbslosen» fürsorge, durch die 200 000 Arbeitern Beschäfti­gung verschafft wurde, die Erwerbslosigkeit so gewaltig anschwillt, so zeigen sich damit nicht zuletzt die Folgen des Kohlenabkommens von Spa, dessen drosselnde Wirkungen auf die deutsche Industrie mehr und mehr in die Erscheinung treten.

Groener 86er das Verkehrswesen. Reichsverkehrsminister Groener hob gelegentlich einer Aussprache über aktuelle Fragen auf dem Gebiete des Verkehrswesens in der Handels, kammer in Hamburg hervor, es geltd jetzig vor allem den Eifenba''napparat wieder in Ordnung zu bringen, erst dann komme es darauf an, durch Organisationsänderungen den Betrieb wirtschaftlicher zu gestalten. Das Defizit der Eisenbahn rühre von der Ueberspannung in den Jahren 1914 1918, von den Erscheinungen der Revolution mit der Inflation an Personal so­wie der Valutaverschlechtung her. Eine schema- tische Durchführung des Achtstundentages sei bei der Eisenbahn unmöglich. Erfreulicherweis« lasse fich eine erhebliche Steigerung der Leistungen und der Willigkeit beim Eisenbahnpersonal neu zeichnen. Die letzre Tariferhöhung habe nicht nur eine Steigerung des Verkehrs, sondern auch der Einnahmen, etwa um 10 Prozent, gebracht. Die Reichseisenbahnverwaltung könne nicht ge« funden, wenn sie nicht vom Reichsfinanzmlmster loskomme; sie müsse ihre finanzielle Selbstän­digkeit erhalten. Ohne Tariferhöhung sei eine Deckung des Defizits unmöglich. Er verfolge den Plan, ganze Schlafwagenzüge mit größter Beschleunigung zwischen den großen Verkehrs. Zentren einzurichten. Als seine vornehmste Auf» gäbe betrachte er es, durch die Reichseisenbahn und Reichswasserstraßenverwaltung die über­seeischen Beziehungen Deutschlands, speziell Hamburgs als Knotenpunkt des Weltverkehrs, mit aller Kraft zu fördern.

Kapitän KStlig v «schollen. Wie bent Berl. Loka!«» .eiger" aus Halle gemeldet wird, ist her Führer des ersten HandclsunlcrieebooteS Deutschland. Dr. h. c. Kapitän König, verschollen. Er war al» Kapitän de» Hochseefuchdampser»Senator Michaeli«" in See gegangen. Ta» Schiff wird von der Euxllavcner Hochseesiicker« als verloren gemeldet.

Italien und Deutschland. Der neu er­nannte italienische Botschaster in Berlin, Frasseti, erklärte einem Mitarbeiter derBosfischen Zei­tung", daß die schwere europäische Krisis nur durch das Mittel aufrichtigen Zusammenwirkens unter allen Ländern überwunden werden könnte. Er werde fein möglichstes aufbieten, um bie Handelsbeziehungen zwischen Italien und Deutsch­land nach jeder Richtung zu entwickeln.

Ein polnischer Waffen» und Munitions» trausport beschlagnahmt. Rach einer Meldung desBerl. Lokalanzeigers" aus Breslau ist ein großer polnischer Waffen- und Munitionstrans« port von der Abstimmungspolizei in Obersch esierr auf der Straße bei Klreschow, Kreis Oppeln, ungehalten worden. Es wurden beschlagnahmt: 48 Maschinengewehre, über 1000 Schuss Munition und 45 Gummiknüppel. Von den zehn Reglet« lern des Transports konnten nur »ter feftge» nominell weroen.

Weitere politische RâlLten SaUi.4