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Hanauer 8 Anzeiger

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General-Anzeiger

Berlagsleitung: Ad. Jndermüüle.

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AmMches Organ für Ela-l- und Landkreis Saturn I Reklamen August Brodt. alle in Hanau am Main.

Rotationsdruck der Waisenhausbuchdruckerei Hanan. Fernsprechanschlüsse Nr. 1237 und 1238.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage

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Nr. 15

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Mittwoch den 19. Januar

1921

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Das Neueste.

Der Reichstag tritt heute zusammen.

Das Abkommen zwischen den Eisenbah- itertt und Regierung ist gesichert. Die Eisen­bahner stimmten für Annahme des Verhand- lungsergebnisies.

Aus Oberschlefien werden neue Morde and Plünderungen gemeldet.

Harding wird den außerordentlichen Kon­greß in Washington zum 4. April einberufen.

In Parma ist wegen ungenügender Maß­nahmen für die erwerbslosen Landarbeiter der Generalstreik ausgebrochen. LautAvanti" wurde der Belagerungszustand verhängt.

oberschlesle« eine Schicksalsfrage der Welt.

Im jüngsten Heft der Deutschen Rundschau verbreitet sich der bekannte schweizerische Städte­bauer Martin M ä ch l e r in höchst bemerkenswer­ter Weise über das Thèma Oberschlesien eine Schicksalsfrage der Welt. Er behandelt die Frage zum ersten Male unter dem für die gesamte Welt allein produktiven Gesichtswinkel des objektiven Staatenbaus und führt u. a. aus:

O^erfchlesien gehört dem Staat, dessen Mit- rlieder die Träger seiner Kultur sind. Ist Polen der Träger der oberschlesischen Kultur, dann ge­hört Oberschlesien zu Polen, ist Deutschland der Kulturträger, dann gehört Oberschlesien Deutsch­land. Das ethnische Individuum Deutschland hat sich seit dem Einsetzen der großen abendländischen Zivilisationsepoche, die durch fortschreitende Industrialisierung und Großstadtbildung gekenn­zeichnet ist, in hervorragendem Maße als Jn- Mrieträger und Großstadtbildner erwiesen. Es W*«i 0«« âwM

Volk, auch innerlich kein von provinzialem Geist erfülltes Volk. sondern ein Großvolk, einer der stärksten und geeignetsten Träger der Zivilisation unseres Zeitalters ist. Das ethnische Individuum Deutschland hat sich seine materielle Grundlage dadurch geschaffen, daß es ein geographisches Gebiet zuerst in seinen Besitz zu bringen und dann entsprechend zu entwickeln vermochte, welches diejenigen Existenz- und Produktionsmittel ent­hielt, die allein ihm seine Eigenschaften als Welwolk und Zivilisationsträzer verschaffen und sichern konnten. Diese Produktionsmittel der gegenwärtigen Zivilisationsepoche aber sind für die deutsche Rasse als ethnisches Individuum die Kohle und das Eisen. Die Volkseinheit Deutsch­land hat sich eine geographische Grundlage er­worben und erschlossen, die diese Produktions­mittel namentlich im Westen im Ruhr- und im Caargebiet und im Osten in Oberschlesien enthält. Die technische Ausbeutung dieser Produktions- grundlage ist, was auch die Feinde Deutschlands anerkennen müssen, ebenso»ratinoell wie voll- lommen gewesen. Sie ist aus eigner Kraft ge­schehen, ja, die qualitativ geistige und quantitativ numerische Kraft, die sich in dieser Ausbeutung gezeigt hat, beweist, daß die vorhandene Pro­duktionsgrundlage für das deutsche Individuum diel eher zu klein als zu groß gewesen ist. Die duftige und körperliche Kraft, die Deutschland zur Entwicklung seiner Produktionsmittel «inzu- itfoto hatte, ist allenthalben überschüssige Kraft gewesen. Der in di« Augen springende Beweis für diese Behauptung liegt darin, daß Deutsch­land trotz vollendeter Entwicklung seiner Produk» lionsmittel in der Lage und genötigt gewesen ist, hervorragende Intelligenzen und Kräfte auf ver­hältnismäßig Heinen Posten innerhalb seiner eignen Grenzen zu beschäftigen und außerdem noch einen großen Ueber schuß von Intelligenz und Kraft an die ganze Welt abzugeben. Die Spuren deutscher Intelligenzen und Kräfte sind überall sehr deutlich, und sie sind der Welt nicht eufgedrängt, sondern in weitem Maße von ihr begehrt worden. Steht es aber so um die deut­schen Produktionsmittel und die Kraft, die sich w ihnen betätigt hat, dann ist es in der Tat "lcht nur eine Lebensfrage für das deutsche «olks-Joch sondern eine Existenzfra e für die Kultur der gesamten Menschheit, ob diese Pro- buktionsmiijel ihm erhalten bleiben oder ge­nommen werden.

Wer ist nun der Kulturträger in Ober- Westen? Derjenige, der Oberschlesien in seinen besitz zu bringen und es so zu entwickeln vermocht M, daß es geistig und technisch ein vollendeter «uzdruck seines Volksgeistes geworden ist. Die ^«chnik, welche die oberschlesi'chan Kohlengruben âiisgebaut hat, die Verkehrswege, welche die iluèbeutc der oberschlesischen Gruben erst zum Urzeit und überall verlvendbaren Produktions- Distel machen, die Wobnanlaoen, die den Pro- Wituttn die Lebensmöglichkeit und die Bil- üngMr.skisten, die ihnen die Qualifikaiion zur lrtal -«den, sind gänzlich und ausschließlich

deutsches Werk. Das nationalpolnische Element ist wie in seinem Sprachgebiete, so auch mit seinen sich nach Oberschlesien hineinstreckenden letzten Ausläufern überall ebenso im geistigen wie im technischen Sinne aus ganz natürlichen Gründen unschöpferisch gewesen und geblieben. Es ist des­halb unrichtig, einem Volke, das weder im Laufe seiner Geschichte, noch im Gange der zurzeit lau­fenden Zivilisationsepoch« die Qualitäten eines Weltvolkes zu entwickeln vermochte, sondern ein vom réin provinzialen Geiste erfülltes Volk ge­blieben ist, aus angstpolitischen Gründen ein Pro- duktio-nsmittel in die Hand zu geben, mit dem es, weil es nicht Existenz- und Produktionsmittel seines ethnischen Individuums ist, offensichtlich nichts anzufangen vermochte, und einem andern Volk ein Produktionsmittel zu nehmen, das ihm lebensnotwendig ist. Polen könnte ein Aufbau­faktor und Schutzwall nicht werden, weil ihm ebenso die qualitativen wie die quantitativen Eigenschaften fehlen, welche di« unerläßliche Voraussetzung eines aufbauend zivilisatorischen Weltvolkes sind, und nur Weltvölker kommen als Aufchauelemente der vor uns liegenden Epoche ist Frage.

Polen ist ein künstliches Gebilde. Seine Kraft stammt nicht aus dem Innern, sondern von außen. Ohne seine Schutzengel ist Polen nichts. Deutsch­land aber trägt, trotz des schweren Unglücks, das es getroffen hat, noch immer in sich alle Gaben und Kräfte, die es zum selbständigen Kultur- und Zivilisationsfaktor machen, wenn es auch einer übermächtigen Koalition gelingt, diese Fähig­keiten und Strafte auf kürzere oder längere Zeit in Fesseln zu schlagen. Für den Wiederaufbau wird es also entscheidend sein, ob wir und dieseswir" soll sich auf den gesamten Umfang der an ihm teilnehmenden und interessierten Volcer oezregen -t» ver,reuen wersen. o«n. M deraufbau nach staatenbaulrchen Gesichtspunkten unter Berücksichtigung der Tatsache zu gestalten, daß er ein Einheitsbegriff ist, oder ob wir daran festhalten werden, ihn politisch gestalten zu wollen, wobei wir ihn notwendigerweise zu einem Viel­heitsbegriff zersplittern und damit vernichten und ausheben müssen.

Erst wenn eine politisierte Welt ihren un­fruchtbaren Standpunkt zu verlassen und sich auf eine staatenbauiliche Warte zu stellen vermag, erst wenn eine nicht mehr auf kleine politische Augen­blicksvorteile, sondern auf große staatenbauliche Zukunftsaufgabsn eingestellte Welt jedem Zivi­lisationsträger die ihm entsprechende Zivilisa­tionsgrundlage gönnt und zuerkennt, erst dann ist die Bahn für eine Kultur des kommenden Jahrhunderts frei, und auf dieser Bahn ist ein deutsches Oberschlesien der erste Schritt.

Aus dem besetzten Gebiet.

Der parlamentarische Heirat für das besetzte «ebiet.

Kob enz. 18. Jan. In Anwesenheit von Ver­tretern der verschiedenen Re chkminister und der Lan­desregierung tagte heute der parlamentarische Beirat für daS besetzte Gebiet beim Neicbrkvniiiiissar. Nack einleitenden Worten der Staatssekretärs im Neichs- miniftcrium des Innern ExrellenS L e w a l 0, der der Bedeutung deS 18. Jan. für das Deutsche Reich ge­dachte und die neuen Mitglieder begrüßte, erstattete der Rcichskomm ssar für die besetzten rheinischen Ge­biete v. Starck den Bericht über die Tätigkeit des RcichskommiisarS im vergangenen Friecensjahr und über die jetzige Lage in den besetzten Gebiete». In der folgenden Aussprache ivnrde zunächst die Notwen- diakeit einer baldigen Fertigstellung de» Perioncn- 'chädengeictzes behandelt. Der Vertreter deS Reichs- ministermms der Innern erklärte, daß der Gesetz nt- wurf mit allen Mitteln gefördert würde, da es das Reich als eine Ehrenpflicht ansehe, den Personen und den Angehörigen von Personen ausreichende Hil e *it sichern, die infolge der Besatzung Schaden an Leben und Gesundheit genommen haben. Einen sehr breiten Raum nahmen d e Klagen vieler Beiräte über die Hebergriffe und Lasten der Besatzung ein. Es sei nicht besser in dem besetzten Gebiet geworden, sondern die Aerbälinisse hatten sich verschlechtert. ES wurden ver­schiedene gravierende Fälle "orgebracht. Der ReichS- fomiiiiffar aAt- zu, daß er bei ocr RheinlandkommissW vorstellig werde, sobald ihm die nötigen Unterlagen vorlicgen würd.». Die itmvpuniannifcbe Ausübung der Jagd besonder» im TaunnSgebict gab zu der Be­fürchtung Anlaß, daß der dortige Notwildäand in fitrter Zeit vernichtet sein werde. Auch hier 1 offt der Reichèkemm ssar zu einem Ueberenikouinien mit den Btiatziingsbchöiden kommen zu können. Einen breiten Nanin in bett weiteren Verhandlungen nahm die Be­sprechung der Verordnttng Nr. 64 der Rvcmlandkom- nii sioii betr. Bestandsaufnahme der Hilfsmittel für militärische Zwecke ein, die eilte nicht geringe Erregung in der gesamten Bevölkerung der besetzten Gebiete ber= vorgerufen habe. Die druckende Wohnungsnot und die Notwendigkeit einer erheblichen Steigerung des Wohnungsbaues in dem b setzten Gebiet wurde lebba t erörtert und gab zu Wiiii'che» an die ReichSvermög'ns- verwaltun, Anlaß. Ein Vertreter des !)le d)c>hba|« nnnisteriumS entwickelte die Tätigkeit der ReichSver- mögcuivrrivaltung auf dem Gebiete des EntschädLUngs-, ReauiiitisuS- und ÄtzobnunaSbaumeieu».

Zum Gedenktag der Reichsgrüuduug.

Berlin, 18. Jan. Die heutige Erinneriingrscier in der Universität sank, wie die Abendblätter berichte«, uiffer gewaltigem Andrang? der Studentenschaft statt. Der Rektor Professor Seckel forderte die Studenten­schaft auf, aurzubarren und mit neuem Mut und neuer Spannkraft an den Wiederaufbau des Vaterland«» zu. geben. Bei der Feier in der Handelshochschule hielt Professor Wegener die Festrede.

Der Chef der Heeresleitung, General der Jnfanteri» von Seeckt, verweist in seiner Kundgebung darauf, daß vor 50 Jahren das Zusammenwirken der deutschen Waffen da» Zustandekommen der Einigung der deutschen Stämme ermöglichte. Gemeinsame Frieden»arbeit und gemeinsame Kriegsjahre hatten das Band enger ge« schmiedet. Heute sei das festverbundene Heer em Wahrzeichen der unauflöslichen Reichscinheit und ein Unterpfand für die Zukunft des Reiches, die nur iw Einheit und Einigkeit eine lichte sein werde.

Vorstandsmitglieder des WablkrciSverbande» Groß» Berlin der Deutschen Volkspartei legten heute einen großen Lorbeerkranz mit schwarzweißroter Schleife mit dem NilsdruckDem Gründer deS Reiche» in Dank» barteit* am Denkmal des Fürsten Bismarck nieder.

Karlsruhe, 18. Jan. Der badische Landtag hielt anläßlich der 50 jährigen Jubiläums der Reuhi- grünbung in der Kammer eine feierliche Sitzung ob. Präsident Kops führte in der Festrede u. a. aus, da» deutsche Volk sei fest entschlossen, die Einheit de» Reiche» zu wahren und wenn nötig, dafür sein Herz» blut enuufe&en. Da» deiiti'che Volk müffe sich wieder ciiworarbeiten und zur Lösung aller großen Kultur- aufgaben der Menschheit beitragen. Sei erst der moralische Aufstieg gelungen, so werde auch der poli­tische und wirtschaftliche nicht ausbleiben. Diese Hoff­nung könnten wir aber nur dann verwirklichen, wenn wir schwere innere Erschütteriingen vermeiden und un» ehrlich auf den Boden der Tatsachen stellen würden. Laut nnb deutlich müsse c» au»gcsprochen werden, daß auch der badische Landtag einmütig und entschieden sich zum Reichsgedanken stelle. Jeder Versuch der Unter­grabung der deutschen Einheit, woher er auch komme» möflf, würde eulMcüen zurückgcwicseu wtt Unsere ganze Straft wollten wir einsten zur Ervoirrung unserer Vaterlandes.

Poèirifche Tagesberichte.

Der deutsche Papiergeldumlauf. Auf die Frage der alliierten Mächte, wie hoch un­gefähr der Betrag des deutschen Papiergeldes im Auslande und die Höhe der seitens des Auslandes Deutschland gewährten Kredite zu schätzen sei, wird deutscherseits geantwortet: Genaue Ziffern können weder über den Gesamt­betrag des im Auslande befindlichen deutschen Papiergeldes noch über die Höhe der seitens des A^landes an Deutschland gewährten Kre­dite gegeben werden. Es bleibt nur der Weg der Schätzung. Damach ist die Summe des im Auslande befindlichen deutschen Geldes und bei seitens des Auslandes gewährten Kredite auf mindestens 70 Milliarden Mark anzunehmen, ohne daß dabei die in ausländischem Eigentum befindlichen Wertpapiere deutscher Herkunft berücksichtigt sind, die auf wenigstens 25 Milliarden Mark zu schätzen sind. Von der Gesamtsumme in Höhe von 70 Milliarden Mark entfällt weniger als die Hälfte auf im Auslande befindliches deutsches Papiergeld, der größere Teil auf Kredite, die das Ausland uns gewährte.

Der Deutsche Eisenbahnerverband gegen den Streik. Der Deutsche Eisenbahnerverband^ die größte der im Sechzehnerausschuß ver­tretenen Organisationen, hat am 18. Januar seinen erweiterten Vorstand erneut nach Berlin berufen. Nach einem umfassenden Bericht der Vertreter des Sechzehnerausschusfes über den Gyng der Verhandlungen und über die großen Schwierigkeiten, die neue Verhandlungen zur Unmöglichkeit machen, wurde beschlossen, ohne Diskussion in geheimer Abstimmung zu dem Verhandlungsresultat Stellung zu nehmen. Von den 74 abgegebenen Stimmen waren 51 für Annahme des Verhandlungsergebnisses, 20 für den Streik, und drei Zettel waren unbeschrieben. Damit-ist die Entscheidung gegen den Streik gefallen.

Von der Pariser «»izferenz. Nach ««er Londoner HavaSmelünnz erfährt Reuter au» zustäu- biger Quelle, rs sei wahrscheinlich, daß man auf der Pariser Konferenz auch andere Gegenstände al» die Entwaffnung Deutschlands, die Frage der Reparatio­nen und den Vertrag von Sevres in den Krei» bet Beratungen ziehen werde. Es könnte sein, daß man sich auch mit der Gefahr beschäftigte, die durch den Zusammcnbeuch Oesterreich» entstehen könnte. Am komineiiden Sonntag würden Lloyd George und Lord Curzon mit tuberen ossizicllcn britischen Vertreter» nach Pari» reisen. Churchill und andere englisch« Vertreter würden sich gleichzeitig in Paris aushaltcn, um nötigen al!» von der Konferenz zu Nate gezogen zu werden. Dennoch werde der Kreis der Teilnehmer nicht io groß sein, wie bei bei früheren Zusammen' fünften bet alliierten Minister.

In der nachfolgenden Aursprache wurde zum Au»- druck gebracht, daß gegenüber den ungeheuren Nöten und dem durch die Forderungen der Befatzungèarmeen verursachten WohnungSelend in den Städten und Ge­meinden des besetzten Gebietes durch da» Reich daS menschenmöglichste geleistet werden müsse. ES wurde hierbei ausgesprochen, daß die Besitzer der mit Ein­quartierung belegten Wohnungen vielfach nicht mehr wagten, ihre Beschwerden zu äußern, da sie glaubten, sich der Gefahr einer Verurteilung wegen Beleidigung der Familienangehörigen und der Mitglied« der Be- satzungstruppcu auSzusetzen.

Die englisch-russische« Verhandlungen

Eine Note Tschitscherins.

Moskau, 17. Jan. In einer zweiten Note Tschitscherins an Curzon heißt es:

Wir haben Ihr Telegramm vom 7. 1. erhal­ten, worin Sie versuchen, die Verantwortung für die langen Verzögerungen der Verhandlungen mit Rußland über das Handelsabkommen von der britischen Regierung abzuwälzen. Die russische Regierung ist gezwungen, bei der Behauptung zu bleiben, daß die Verantwortung für die Erfolg­losigkeit der Verhandlungen vollständig auf feiten der britischen Regierung liegt. Es widerspricht den Tatsachen, daß Litwinows frühere Tätig­keit in Großbritannien irgendwelche vernünftigen Gründe gegen die Erteilung der Einreiseerlaub­nis an ihn hätte bilden können. Seine Nichtzu­lassung kann nur als ein wohlüberlegter Versuch getrachtet werden, Hindernisse für die normalen friedlichen Beziehungen zwischen Großbritannien und Rußland zu schaffen. Auch die Verzögerung der Abreise Krassins nach Kopenhagen ist einzig und allein den unaufhörlichen Verschiebungen seitens der britischen Regierung bei der Aner­kennung der ihn begleitenden kommerziellen und technischen Sachverständigen zur Last zu legen. ifc^: Mm>Mff, M diele Verhandlungen von der britischen Regierung nach Kopenhagen gesandt worden war, war die Unter­brechung der Verhandlungen wieder einmal das Ergebnis des neuen Schrittes der britischen Regierung. Kein vernünftiger Mensch kann glauben, daß Herr Woyse mit seinem großen Stabe von Sachverständigen und zahlreichen Be­amten nur deshalb nach Kopenhagen fuhr, um den russischen Delegierten zu erklären, daß die britische Regierung in London und nicht in Kopenhagen zu verhandeln wünsche. Woyses plötzlich« Abreise von Kopenhagen einige Tage nach Beginn der Verhandlungen bleibt bis jetzt vollständig unerklärlich. In dem Augenblick, da die britisch« Regierung forderte, daß sich Krassin nach London begeben sollte, wurde von den bri­tischen Vertretern offiziell erklärt, daß nur die Handelsverhandlunzen in London stattfinden sollte, da für die politischen Verhandlungen Litwinows Teilnahme erforderlich wäre. Ganz und gar abweichend von dieser Erklärung stellte der britische Premierminister, als er mit Krassin verhandelte, seine wohlbekannten politischen For­derungen und schuf somit neue Schwierigkeiten für das Zustandekommen des Handelsabkommens. Nur dank der neuen Konzessionen seitens der russischen Regierung im Zusammenhang mit der polnischen Frage war die russisch« Delegation trotz der erneuten hindernden Eingriffe der bri­tischen Regierung imstande, sich nach London zu begeben, wo aber die Verhandlungen trotzdem noch einmal verzögert wurden. Die russische Re­gierung sieht sich gezwungen, noch einmal gegen ine grundlosen Anschuldigungen zu protestieren, die gegen den Präsidenten ihrer Delegation, Ka­menew, vorgebracht wurden, und welche als Vorwand für eine neue Verschiebung des Ueber- einkommens mit Rußland dienen sollten. Was Kamenews Geschäfte mit dem Aktionsrat betrifft, so haben diese auf Wunsch der britischen Regie­rung selbst begonnen, die dadurch versuchte, un­sere Entscheidung betreffs des Friedens mit Polen zu beeinflussen. In der Angelegenheit der Unterstützung, welche demDaily Herald" durch die Exekutive der Dritten Internationale ange­boren worden war, und mit dem Verkauf der Juwelen hatte Kamenew nichts zu tun. Wir haben allen Grund zu glauben, daß ehemalig« Beamte der Zarenregierung die britische Regie­rung in dieser Angelegenheit gehörig betrogen haben. Gegenwärtig ist es die britische Regie­rung, welche von den Bedingungen des Juni- Juli-Abkommens abweicht, und somit veranlaßt, daß das Handelsabkommen noch nicht unterzeich­net wird. Die Begrenzung der jeweiligen In­teressen der beiden Staaten kann nur durch poli­tische Verhandlungen erreicht werden, und eine solche Konferenz sieht bas' Juni-Juli-Abkommen vor. Wir hoffen, daß die britische Regierung es nicht auf sich nehmen wird, einen Bruch der Verhandlungen mit- Rußland- herbeizufü^n. in­dem sie "von einem zwischen den beiten ^ zte- rungen schon zustande gekommenen Uebe.....,rm- .Uten abiuet&L