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Hanauer L Anzeiger

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General-Anzeiger

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Verlagsleitung: Ad. JnderWüble.

Verantwortlich: für politischen und allgemeinen Teil RichardHultsch:für lokalen und provinziellen Teil sowie Sport Wilhelm Moritz: für Anzeigen und Reklamen August Brodt. alle in Hanau am Main. Rotationsdruck der Waisenhausbuchdruckerei Hanau. Fernivrechanschlülle Nr. 1237 und 1238.

Nr. 13

-

E3

Montag den 17. Januar

1921

Das Neueste.

__ Bei einem Zusammenstoß zwischen kommu­nistischen Demonstranten und Schutzpolizei in Berlin trugen fünf Personen Schutzverletzungen vavon.

Schweden hat die Ausfuhrverbote für lebendige Tiere, Milch, Sahne und kondensierte Milch aufgehoben.

Briand hat das neue französische Kabinett gebildet.

Die nächste Zusammenkunft des Obersten Rates wird voraussichtlich am Samstag dieser oder Montag nächster Woche ihren Anfang nehmen.

- Der amcr'kanische Senat hat sich mit großer Mehrheit für ein stehendes Heer von 150000 Mann ausgesprochen.

Der Schah von Persien soll abgedankt haben.

Die nöchslen Aufgaben.

Am Mittwoch, 19. Januar, nimmt der Reichs­tag seine Tagungen wieder auf. Daß er alle außen- und innerpolitischsn Probleme löst, ist nicht zu erwarten, denn das würde auch die Kräfte eines" Menschenalters übersteigen. Daß der Reichstag aber versucht, mehr als eine Veranstal­tung von Fensterreden zu sein, das erwarten wir nicht nur, das verlangen wir. Die wirtschaft­liche und finanzielle Lage des Reiches können wir uns gar nicht ernst genug vorstellen. Wir müssen damit rechnen, daß der Verband uns eines Tages die Finanzaufsicht aufzwingt, das heißt, daß er unsere Steuern- und Zolleinnahmen be­aufsichtigt und zu erheblichem Teilen für Wieder­gutmachungszwecke abführt. Es ist Sache des MiWtsas und der Regierung, die außenpoli- tlWn Gefahren abzudrängen, was nur möglich ist, wenn nicht innerpolitische Gegensätze aufs neue vertieft und unüberbrückbar gemacht wer­den. Wenn die Spezialisten schon glauben, selbst bei den Preußenwahlen den Klassenkampf ver­künden zu müssen, so zeigt auch das wieder, daß der Parieigeist die Fähigkeit zerstört hat, die großen Zusammenhänge von Politik und Wirt­schaft zu erkennen.

Die nächsten Aufgaben, die der Reichstag zu lösen bat, bestehen zunächst in der Ordnung der Reichshamshalts, sodann in der-Steigerung der Erzeugung der Wirtschaft. Das bars inbeffen kein Nacheinander, es muß ein Nebeneinander sein. Die Ordnung des Neichshaushalts um­schließt auch die Wiederherstellung der Währung, als der Voraussetzung einer gesunden Finanz­wirtschaft. Wenn die Geldentwertung als Folge der Erhöhung des Notenumlaufs andauert, läßt sich ein Reichshaushalt ebensowenig schaffen, wie es die Wirtschaft vermag, sich auf Palutaschwan- knngen und Geldentwertung cinzurichten. Die, andere Aufgabe ist die Steigerung der Erzeugung um jeden Preis. Das ist eine Frage auf Leben und Sterben. Entweder es gelingt uns, die Warenerzeugung soweit zu steigern, daß wir zu­nächst die Selbstkosten unserer Wirtschaft decken, sodann noch einen Ueberschuß Herauswirtschaften ober aber wir müssen uns auf den Untergang als Nation und auf das Verschwinden in ber Ge­schichte vorbereiten. Wir füllen dann nicht etwa $u einem Staat zweiten oder dritten Ranges her­ab, denn im Verhältnis zu den Skandinaviern, den Holländern und Schweizern wären wir trotz unserer Volkszahl von 70 Millionen als staaten­loses Volk nur von geringer Bedeutung. Dey Ueberschuß der Wirtschaft über die Selbstkosten brauchen wir, um Mittel zu neuer Arbeit zu ge­winnen, um uns wirtschaftlich und finanziell frei zu machen.

Das sind die großen Aufgaben der nächsten Zukunft. Die öffentliche Meinung muß dafür sorgen, daß Reichstag und Regierung nicht ver­sagen. Es droht Gefahr, daß die Kräfte der,par- lainentarrschen Maschinerie in den üüerflüfsiren Kämpfen um die Soxialisierumg des Kvhlenbe^g-- baues vergeudet werden. Die Sozialisten aller Parteien versuchen /die Sozialisierung zu erzwin­gen. um auf diesem Wege die politische Macht zu erobern. Verstehen wir genau: wenn der Kohlen­bergbau sozialisiert ist, wird die Verwaltung die­ses Wirtschaftszweiges eine Domäne für sozia­listische Führer v Parteibeamte werden. Wer nicht nach der P :e dieser Verwaltung tanzt, muß damit rechn..:, daß er keine Kohlen erhält. Colan^ die Sozialdemokraten noch in der Regie­rung säßen, fiel es ihnen nicht ein, die Soz'ali- ferung des Kohlenbergbaues zu verlangen. Erst als sie hinausgewählt waren, entdeckten sie diese vvrderumg.dcs Tages. Wir können und dürfen den Kohlenbergbau nicht für solche Versuche her­geben. Unsere wirtschaftliche und politische Zu­kunft wäre damit für immer vernichtet.

Bildung des französischen Kabinetts.

PSrets Misteefolg. Der «»zufriedene

Poincarè. Ein Kabinett Briand.

Raoul Pöret bat auf die Bildung des Kabinetts, die ibm von Millerand ««getragen worden war, ver­zichtet. Ueber die Gründe seines Verzichtens teilte er Pressevertretern mit: Er wollte den Wünschen der großen Mebrbeit der Kammer entsprechen, ein Mini­sterium der nationalen Einigung bilden, zusammenge­setzt ans denjenigen Politikern des Parlaments, die sich bereits durch eine erfolgreiche Regierungstätigkeit bewährt haben; seine Bemühungen sind auf Widerstand geffoßen. Herr Poincarö hat zu verstehen gegeben, daß es einige Ueberwindung koste, in ein Ministerium einzutreten, in dem er nicht selbst den Vorsitz führe. Er würde sich jedoch aus Patriotismus dazu bereit finden, das Ministerium der Aeußern zu übernehmen. Herr Briand hat seinerseits seine M4arbeit zugesazt unter der nämlichen Voraussetzung, daß ihm die Lei­tung der auswärtigen Politik übertragen würde. Da­mit war der Beweis geliefert, daß das große Mini­sterium der nationalen Einigung unmöglich ist, weil die Eifersucht hinter den Führern ebenso stark ist wie die Zwietracht unter den Parteien, die bis vor einem Monat noch den nationalen Block bildeten.

Der Präsident der Republik hat daraufhin am Samstag Bri and zu sich berufen, der den Auftrag, das Ministerium zu bilden, angenommen hat.

Das neue Kabinett.

Paris, 16. Jan. Um 6 Uhr abends begab sich Briand ins Elyiöe und unterbreitete dem Präsidenten der Republik die Liste des neuen Ministeriums. Die­ses setzt sich folgendermaßen zusammen: Ministerpräsi­dent und AeußereS Briand, Justiz Monnevay, Ministerium des Innern H a r r a u d, Krieg B a r- t h o u, Marine G u i st h a u, Finanzen Paul D o u- mer, Befreite Gebiete und Wiedergutmachung 2 ou= dj enr, öffentlichen Unterricht und Künste 2 éo it Berard. Kolonien 6 a r r a u t, öffentliche Arbeiten

L e Trocguer, Pensionen Hag i« ot, Handel

Ackerbau 2ef e bre du Prö, Gesundheitswesen L e r e d «. Briand begab sich darauf ins Ministerium der öffentlichen Arbeiten, wo ein Ministerrat in An­wesenheit aller Minister stattfand. Heute abend 9 Uhr werden die neuen Minister dem Präsidenten der Republik vorgestellt. Die offiziellen Dekrete über die Zusammensetzung de» neuen Kabinetts erscheinen mor­gen früh im Amtsblatt. Im Ministerrat fand ein Meinungsaustausch statt, der morgen früh in einer neuen Zusammenkunft, die für 9 Uhr vormittags an« gesetzt ist, fortgesetzt werden soll. In diesem Minister­rat werden dann auch die UnterstaatSsekretäre ernannt werden.

Aus dem et eiten Rtglerungsprogramm.

Briand bat fein Programm den parlamentarischen Kollegen mit folgenden Worten darrelegt: Ar kön­nen ui*» nicht mit einer langfristigen Politik befassen, wir müssen die jetzige Lage zur Gesundung zu bringen suchen. ES ist datier nötig, mög ichst raf* die Summ- u bestimmen, die Deutschland zu bezahlen bat,, sowie den Betrag b-r Jahresraten in Waren und Geld und oen Anteil am Gewinn der deutsben Judustricgesell- schaften. Bor a"em aber sind Vereinbarungen mit den Alliierten zu treffen, um die von Deutschland ausm eflenbat Wechsel auf diese oder jene Weise verwerten und in teil Handel bringen zu sönnen*

Französische und englische Preffrsilmmen.

Ueber daS neue Kabinett schreibt derMatin": Trotz gew sf r Schwierigkeiten, die auch Briand gehabt bat. bat es den An'cht'n, daß die Kammer das reu- Ministerium bestens aufnehmen wird.Ech o de Pari s" sagt: Das große Ministerium der natonalen Bereiniaung, das man uns berfbrodj-n bat ist in einem bescheidenen Ministerium mittlerer Klasse ziisainmeii- aeschrnmvft. Wir können nur wünschen, daß da? rogramm der neuen Reoierung ernst und beständig ist und den Wünschen des Landes entspricht. Das Journal" sagt: Das neue Ministerium stellt eine tu stiebende Zwammensetzung aller Schattierungen der repnblikau'schen Anstmnun-en dar. Das Land wird ohne Zweifel geneigt fein, Beiand einen eroßen Kredit zu gewähr 'N, ohne dem er nicht anskommen kano.

Daily CI> roiiicl c" weist daiaus bin. daß Groß, britannien vor allem Interesse daran habe, die auswär­tige Polstik des neuen fram. Ministeriums kennen zu lernen. DaS Blatt schreibt: Die Haiipfforsernng sei, die Kontinuität aufrecht zu erhalten. Die iranüisi ch und britische Re ierung basten vor aKmi ihren Plan ur AnSfü rung «i bringen, den sie inbezug auf bie anslâi buchen Schwierigkeiten ge aßt hätten. ^ ie er Plan sei das ResnLat schwieriger Berhan liingru ge­wesen und ein eventueller Verficht auf denselben bedeute nichts Gutes.Ta ly News" begrüßt die Erncnung Briands zum feay'ösucken Piiniiter- präsidentcn. Das Blait schreibt, eS sei klar, ban^bie Enstvicklung der Entenvpolitik durch die in Spa esaßten Beschlüsse gegeben fei und Vese Be chlüss' müßten unbedingt zur" Eruäüung gelangen. Brian o Natur sei viel eher imiwnde, auf die englischen Anregungen euisugehen.

Frankreichs Ziele.

In seiner Wochenübersicht in derDaily News" schreibt Gardiner zur französischen Krisis, Eualand habe den Ansichten Fochs,

Elemencequs, Millerands und Leygues' so oft zugestimmt, daß seine eigenen politischen Fähig­keiten beinahe aufgehört hätten zu funktionieren. Die schlimmsten Feinde der Entente seien die­jenigen, die aus Loyalität gegen Frankreich vergäßen, daß sie gewissermaßen doch auch zur Loyalität gegen wirkliche Tatsachen verpfliHet seien. Unglücklicherweise sei klar, daß das Ministerium Leygues deshalb gestürzt sei, weil das französische Volk nichts von den riesigen deutschen Schätzen erhalte, die man ihm ver­sprochen habe, und weil es die Geduld verloren habe. Frankreich verfolge aber bis jetzt zwei einander entgegengesetzte Ziele: Politisch wolle es Deutschland zu Boden drücken und wirtschaft­lich verlange es die Zahlung einer Entschädi­gung, die nur von einem aufrecht stehenden Deutschland geleistet werden könne. Eines dieser Ziele müsse geopfert werden. Gardiner befürch­tet, daß eine AZiederbelebung der ftanzösischen Pläne bezüglich des Ruhrgebietes bevorstehe. Das Saargebiet sei bereits schon nicht mehr in den Händen Deutschlands. In Oberschlesien arbeite seit einem Jahre die französische Propa­ganda unter General Lerond auf das Ziel hin, den Besitz des oberfchlefifchen Kohlengebietes ober wenigstens eines Teiles davon den Polen zu verschaffen. Wenn nun auch noch das letzte Kohlengebiet Deutschlands, das der Ruhr, be­setzt werde, so wäre Deutschland zu wirtschaft­

verurteilt. Vor allem aber

uhrgebiet als Pfandobjekt in einem

licher Knechtschaft spiele das Ruhrge weitgehenden politischen Plane eine Rolle: es sei der Schlüssel zur Auflösung Deutschlands. Bayern sei auf die Ruhrkohle angewiesen. Wenn Frankreich nun das Ruhrgebiet besetze, so sei es in der Lage, Bayern zu sagen: Der Weg zum Austritt aus dem Reiche ist frei; du wirst unser Freund sein und wir werden dafür sorgen, daß du Kohlen bekommst! Diesen Plan 'â. h^ &# M MM Ä ÄÄ das Entrustungsgeschrer gegen die Einwohner­wehren begreifen wolle. Die Besetzung des

Ruhrgebietes würde aber die Auflösung Europas besiegeln, dessen Bau ja nur dann standhalten könne, wenn das Mutelstück des Gewölbes nicht einstürze.

Die WieSergulmachuNgsfrage.

Die Pflicht Deutschlands".

DerTemps" veröffentlicht einen Leitartikel unter der Ueverschrrft:Die Pflicht Deutsch­lands", in welchem er ausführt:

Die französische Delegation auf der Brüsseler Konferenz hat eine Methode zu finden gesucht, die unmittelbar für Gläubiger und Schuldner frucht­bar sein soll. Was erwartet man jetzt? Man er­wartet das Angebot Deutschlands! Der Chef der deutschen Sachverständigen, Herr Bergmann, soll heute nach Paris zurückkehren. Wird er erüstc Angebote, die dem französischen Programm ent­sprochen, mitbringen, oder wird die deutsche Re­gierung schweigen, bis die Brüsseler Konserenz ihre Arbeiten wieder aufgenommen hat,, deren Wiederaufnahme wieder einmal durch die Ver­tagung der Zusammenkunft des Obersten Rates verzögert ist? Wir erklären mit der aufrichtigen Ueberzeugung, daß wir damit nicht nur dem Jn- le.esse Frankreichs, sondern auch der Sache des europäischen Friedens dienen: Es ist Deutsch­lands Pflicht, nicht zu schweigen, sondern sobald als möglich die Angebote zu machen, die Frank­reich erwartet. Wenn die deutsche Regierung so handelt, dann wird sie denen recht geben, die in Frankreich und in anderen Ländern der Entente eine Politik der Versöhnung und Mäßigung emp- sehlen. Sollte sich Deutschland dagegen dieser Pflicht entziehen, dann würde es denen ein macht­volles Beweismittel in die Hand? geben, welche behaupten, wir werden es nur durch Gewalt zum Zahlen bringen, und es würde uns dieses Be­weismittel in einer entscheidenden Stunde in die Hand geben, in der Frankreich seinen Weg wählt.

Eine Mahnung des Bergardriterverbandes.

Der fast 500 000 Mitglieder zählende Ver­wind der Bergarbeiter Deutschlands hat folgende

Ent'chließnna angenommen:

Die am 15. J - ar in Berlin tagende Kon­ferenz des Cesamtvarflandes und der Se-üttshr tret!.' «teert der Bergarbeiter Druilchlands wa die der B-erginternaiivna^e angeb Srenden Bern-, ^

arheüerberbänbe in Frankreich, Belgien. Trotz-. ^ J;V . ®cr8e-t al-dankt» Wie brilannien unb die Leiter ^ «^Jnttansierèant" beichtet.w der Schah

werricbastsiniernatwnale tn -^ ^ von Pernen abcebantt. Auch derTemps" ver»

darauf aufmerksam, daß das Gerücht, bemerkt aber dazu, daß bie

mens von Spa ' ber die Kok, len h r n - ;. ^ f^MsHen Regierung ein gegangenen Telegramme noch keine Bestätigung dieser ^Nach­richt enthalten, sondern nur melden, daß das persische Kabinett zurüSgetteten ist.

nen Deuttchkavds von uns eine noch höhere Op­ferung gefordert wird» außerdem ge Fe Goldmark-Prämie nicht mehr g«Et wechen wll.

Dagegen müssen wir entschieden J c't .errn Ter Kohlenmangcl in Deutschland ist jetzt weit größer als in anderen großen In-

duftriestaaton. Die Erfüllung des Spa-Abkom- mens war nur möglich durch die ausgedehnte Ueberschichtenarbeit der deutschen Veroarbeiter. Diese arbeiten heute mehr Stunden wöchentlich, als nach dem Beschluß der internationalen Ar» beitskonferenz in Washington zulässig ist. Der gefährdete Gesundheitszustand der Bergarbeiter verlangt gebieterisch den Abbau bet Ueber« schichten, während von uns noch höhere Koh- lieferungen gefordert werden. Der Fortfall der Fünf-Goldmark-Prämie, mit der die Verbesse­rung der Ernährung der Bergarbeiter bezahlt wird, würde ihren Ernährungszustand derart ver­schlechtern, daß ein unabsehbarer Rückgang der Leistungsfähigkeit einträte. Ohnehin müssen wir die Spakohlen zu Preisen liefern, die tief unter deren Weltmarktspreisen liegen. Dadurch sin­der deutschen Vollswirtschaft schon Milliarden­verluste entstanden. Wir bitten die Kameraden in der Bergarbeiter- und in der großen Gewerk­schaftsinternationale, uns energisch zu unter­stützen in dem Bemühen, zu einem Kohlenabkom- men zu kommen, das die deutsche Bergarbeiter­schaft nicht noch stärker belastet, sondern human entlastet und der deutschen Vollswirtschaft die Lebensmöglichkeit gibt.

Uebersättigung des französischen KohlenmarkteS.

In der deutschen Presse erschienen jüngst, offenbar aus französischer Quelle, Angaben über die Einfuhr fremder Kohle nach Frankreich, die in keiner Weise den Tatsachen entsprechen können. Danach sollte die Einfuhr fremder Kohle nach Frankreich im Oktober betragen haben: aus Ame­rika 614 000 Tonnen, aus England 803 000 T. und aus Deutschland 253 000 T zusammen 1670 000 T. Deutschlands Lieferungen auf Grund des Friedensvertrages allein nach Frank­reich beziffern sich auf Grund her französischen Uebernahmebescheinigungen im Oktober auf

man 1371058 T. Hiernach würde die ftanzösnche Kohleneinfuhr im Oktober .»tragen haben.: aus England und Amerika 1 417 000 T , aus Deutsch-

land 1371058 T-, zusammen 2 788 058 T. Erst diese Zahlen sind geeignet, die Nachrichten von einer Uebersättigung des französischen Koblen- marktes zu illustrieren, denn zu dieser Brennstoff einfuhr tritt die eigene französische Kohlenförde­rung, die Minister Le Troauer auf 1,65 Millio­nen für den Wintermonat bezifferte. Die Ein­fuhr von rund 2,50 Millionen T. Kohle, zuzüglich 1,65 Missionen T. eigener Förderung würde im Monat 4,45 Millionen T. ergeben oder jährlich 53,40 Millionen T. gegen den ftanzösischen Koh- lenverbrsuch von 54,5 Millionen T. im Jahre 1912.

PsMffche Tagesberrchle.

Oesterreichs verzweifelte Lage. Maß, gebende englische Kreise haben keine Bestätigung der Absicht der österreichischen Regierung er­halten, die Verwaltung des Landes aufzugeben. Ra-ff den letzten in englischen Kreisen einge, troffenen Nachrichten sei jedoch die Lage in Oesterreich verzweifelt. Ein im erwähnten Sinn« gehaltener Schritt der österreichischen Regierung könne daher jeden Augenblick erfolgen. Die Gewährung eines großen Kredites durch die Alliierten einschließlich der Vereinigten Staaten an Oesterreich durch Uebernahme verschiedener Negierungs-Monopole in Oesterreich würde große Schwierigkeiten sowohl hinsichtlich der Geldfrage als auch bezüglich der Verant. Wartung mit sich bringen. Die Schälung gehe dahin, daß es 50 Millionen Pfund Ster- lmo erfordern werde, um Oesterreich nochmals an die Beine zu helfen.- Die Lage ist daher äußerst ernst. Der diplomatische Mitarbeiter desObferver" schreibt, Oesterreich müsse wieder aufgerichtet werden, wenn die Fäulnis nicht von einem Ende Europas zum andern bringet solle.

Internationales Vorgehen gegen Sowjet» Rußland. Die russische Konferenz, die zurzeit in Paris stattfindet, Hai beschlossen, sich an meh­rere europäische.Regierungen sowie an die Ver­einigten Staaten zu wenden, um eine gemein« fame Akt'on gegen Sowie lJar^ cinzuleiten, ie sowohl von außen als aj® ,. .innern Ruß» ands gegen den tolschewi bwerden soll, um einen Fall der Sows:. ...»e.ung herbei»

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