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Donnerstag den 13. Januar
Nr. 10
Lokales.
Hanau, 13. Januar.
♦ Der 18. Januar, der Tag, an dem vor fünfzig Jahren die Reichseinheit geschaffen wurde, wird durch «in« künstlerische Veranstaltung in der.Centralhalle* festlich begangen. Unter Mitwirkung der Stadtkapelle, einer hochgeschätzten Kraft der Frankfurter Oper, des Direktor Spannuth-Bodenstedt, der als hervorragender Vortragskünstler hier außerordentlich beliebt ist, und eines Redners von Ruf wird ein reiches Programm abgewickelt. Der Abend beginnt um 7^ Uhr, die Eintrittspreise sind so niedrig gehalten, daß lediglich die entstehenden Kosten gedeckt werden können und allen Kreisen der Besuch dieser künstlerischen Veranstaltung ermöglicht wird. Die numerierten Plätze sind zum Preise vvn 3.60 Mk., die Saalplätze für 2 40 Mk. erhältlich in der Buchhandlung König. Da die Nachfrage nach Einlaßkarten schon sehr groß ist, empfiehlt es sich, frühzeitig für Plätze zu sorgen, da bet den geringen Eintrittspreisen die vorhandenen Karten halb vergriffen sein dürften.
* Zum Tag der Rrichsgründung. Die Deutsche Volkspartei hat in einem Antrag die Landesversammlung ersucht, bei der Staats- regierung dahin vorstellig zu werden, daß unter Abänderung de» Erlasses des Ministers für Kunst, Wissenschaft und Volksbildung in den Schulen der 18. Januar durch Ausfall des Unterrichts und eine entsprechende Ausgestaltung der Feiern als nationaler Feiertag würdig begangen wird.
* Zur Nachahmung empfohlen. Dër Stadt- «lt zu Burgstädt veröffentlicht folgend« Bekanntmachung: Jahrzehntelang ist um das allgemeine gleiche Wahlrecht gekämpft worden. Jetzt, nachdem es gewährt ist, wird es mißachtet. Etwa 40 Prozent der Wähler und Wählerinnen zur Stadtverordnetenwahl haben ihr Wahlrecht nichtausgeübt und dadurch das Recht verwirkt, am Bier- und Kaffeetisch über den Gang der öffentlichen Geschäfte zu kritteln und zu nörgeln. Es ist von selten hiesiger Einwohner der Antrag gestellt, solche gleichgültigen Leute durch öffentliche Bekanntgabe ihrer Namen a n d e n Pranger'zu stellen. Aus Sparsamkeitsrücksichten muß hiervon abgesehen werden. Doch ist in anderer Weise diesem Zweck gedient. Das. Verzeichnis der Nichtwähler und Nichtwählerinnen liegt im Einwohnermeldeamt ununterbrochen zu jedermanns Einsicht aus.
* C n jeitsschule und Familienrecht. Von Gegnern der Einheitsschule hört man immer wieder den Einwand, die Auslese der Schüler für die ihnen jeweils gemäße Schulbahn durch den Lehrer bedeute einen ungerechtfertigten Eingriff in die Eltemrechte. Zudem ziehe die erstrebte Einrichtung der Einheitsschule einen scharfen Trennungsstrich nach oben, derart, daß Kinder, die nach dem vierten Erundschulfahre als"unfähig für die höhere Schule in der Volksschule zurückbleiben müßten, dauemd von aller weitergehenden Bildung ausgeschlossen seien, auch dann, wenn sie hinsichtlich der Begabung zu den sogenannten „Verspäteten" gehören. Was zunächst den angeblichen Eingriff in die Elternrechte angeht, so ist dieses Bedenken zweifellos übertrieben. Kein Lehrer wird auch nur in einem einzigen Falle daran denken, ohne Fühlungnahme mit dem Elternhause einen Schüler in eine bestimmte Schulbahn zu bringen bezw. sich ihm zu verschließen. Nur dann, wenn der Elternroille sich hartnäckig dem Gutachten der Schule widersetzt, muß diese entscheidend sein; denn unbestritten ist, daß der Lehrer vermöge seiner Vorbildung, seiner Berufserfahrung und seiner genauen Kenntnis der Anforderungen, welche die einzelnen Schularten stellen, die Begabung und Neigung des Kindes in vielen
Das Winkelbergsche Kerz.
Koman von Ewald Gerhard Seeliger.
76. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Fritz von Winkelberg fühlte plötzlich einen scharfen, stechenden Schmerz neben seinem Herzen und sank ohnmächtig zu Boden. Das war die Kugel des Müllers. Der aber fiel eine Sekunde später, von den Rehposten des Försters übel zugerichtet, auf das Wildprct. Ueber ihn hinweg sprang Karl Ruppert zum Baron, der sich erholt hatte, sich mühsam aufsetzte und die Hand auf die Wunde preßte- Ter Förster riß die Weste und Hemd mit einem Schnitt entzwei und untersuchte die Wunde. Das Blut rann nur schwach. Eine Rippe auf der rechten Seite war zerschmettert. Die Kugel war dadurch von ihrer Bahn abgelenkt worden. Das Herz schlug sehr kräftig, aber auch sehr unregelmäßig. Aus den Fetzen des Hemdes und den beiden Gewehrriemen machte Karl Ruppert einen Notverband, mit dem er das Blut glücklich zum Stehen brachte. Dann hüllte er den Verwundeten in seinen Rock und lief ins Dorf nach Hilfe. Währenddeffcn kam Christian Reuschel auf die Beine und schleppte sich, gestützt auf seine Büchse, zu seiner Mühle hin. Auf einer Leiter wurde der Baron, der in tiefer Ohnmacht lag, ins Schloß getragen und sorgsam auf das Bett gelegt. Thomas Hauschild sprengte in Karriere nach Zdurot- schin zu Doktor Bielschowsky. Der Förster blieb bei dem Verwundeten, bis er von Moritz Gassel, den man noch mitten in der Nacht von dem'Un- glückssall benachrichtigt hatte, abgelöst wurde.
Unter Sturm und Regen dämmerte ein trüber Morgen herauf.
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Bleich und regungslos, mit geschloffenen Augen, ruhte Fritz von Winkelberg in den Kissen. Die Ohnmacht wollte noch immer nicht von ihm weiche«, Rua vor sieben Uhr, um welche Zeit die
Fällen einwandfreier beurteilen kann, als die nicht immer von einer gewissen Eitelkeit freie elterliche Sorglichkeit. Das bedeutet aber noch lange keinen unberechtigten Eingriff in Elternrechte, sondern lediglich die aus dem gleichen Anrecht aller auf Bildung folgende Anwendung einer Verteilung der Schüler auf die Schulbahnen nach Begabung und Neigung. Wer sich über ein solches Verfahren beklagt, steckt noch tief in überwundenen privatwirtschaftlichen Anschauungen und müßte folgerichtig das ganze demokratische System seiner im Grunde staatranar- chiftischen Auffassung zuliebe ablehnen. Ueber- diqs liegt es im ureigenen Wesen der Einhefts, schule, durch Schaffung von möglichst zahlreichen Uebergangsmöglichkeiten zwischen den einzelnen Schulgattungen etwaige Srrtümet oder Härten bei der ersten Schülersonderung jederzeit aus- zugleichsn. Dor allem denke man an die Aufbauschule, welche sich als verkürzte höhere Lehranstalt dem 14- hezw. 13jährigen Volksschüler öffnen soll. Sie gibt neben mannigfachen andern Vorteilen vornehmlich die Gelegenheit, diejenigen Schüler, deren Begabung sich verhältnismäßig spät entfaltete, ohne wesentlichen Zeitverlust in die höhere Schule hinâberzuleiten.
* Stadttheater. Heul« Donnerstag, 13. Jan., abends 7 Uhr (das nachzuhoknde Freiiags- abonnement für den 31. Dez. 1920), „Jugend", ein Liebesdrama von Max Halb«. Fr«itag, 14. Jan., abends 7 Uhr, „Ihre Hoheit die Tänzerin", Operette von Walter W- Goetz«. Samstag, 15. Jan., 5 Uhr, „Die sieben Raben", Märchen von Morte Sorg«; abends 7 Uhr: Erschlossene Vorstellung. Zur Aufführung kommt: „Die Raschhofss".
* Familienabend der niederländischen und wMonischen Gemeinde. Im Centralhâllen-Saal fanden sich gestern abend bie Glieder der beiden Neustädter Kirchengemeinden zu einem gemütlichen Familienabend zusammen. Herr Pfarrer Munk begrüßte die zahlreich Erschienenen und erläuterte in gemüt- und humorvoller Weise den Zweck des geselligen Zusammenseins, der, auf einen ernsten Unterton gestimmt; das familiäre Band der Gemeindemitglieder fester und enger knüpfen solle. Seine Worte Hangen aus in ein Hock auf das seit 25 Jahren das Amt eines Kirchendieners der niederländischen Gemeinde ausübende Ehepaar Wörner. Darauf wurde in bunter Reihenfolge von den einzelnen Gemeinde- gliedern nach bestem Können zur Verschönerung des Abends bei gesteuert und man muß sagen, daß das Gebotene lstabèn enthielt, die weit über den dilettantischen Rahmen hinausragien. So wurde
lieferte M aber nicht ab, sondern wollte sie für sich verwenden? Die des Diebstahls bezichtigten Angeklagjen waren geständig, während die der Hehlerei Angeklagten behaupteten, ihnen fei von den Verläufern erklärt worden, daß die Sachen aus dem besetzten Gebiet stammten und in diesem Glauben seien sie nach der Art der Verpackung auch be-stärkt worden. Aus den Aussagen der - ,__—,^,„..OT„ Sachverständigen ging hervor, daß die in Frage
macht« Hèn Willi. Deines her
nicht zu haben waren, daß sie aber auch und zwar nicht feiten, im freien Handel.angeboten tourben und die von den Angeklagten dafür ge- zahli-en Preis« (5 Mk. für das Kg.) nicht außergewöhnlich niedrig gewesen seien. Ter Ver-
u. a. von Herrn und Frau Assessor R o e d i g e r ein Adagio aus einem Violinkonzert von Mozart und eine Mazurka von Wieniawski geboten, Frl. Drescher erfreute mit einem Rondo capricioso von Mendelssohn und „Aufschwung* von Schubert. Belehrende und interessante Ausführungen
wesen und, Eindrücke bei einem Flug unterhielt. Di« Anwesenden waren mit der Veranstaltung und dem Gebotenen des Abends sichtlich zuftie- d«ngastcllt und als Herr Pfarrer Neßler unter Hinweis auf die Folgen der Stromsperre zum Aufbruch mahnte, machte er die erfreuliche Mitteilung, daß diese Familienabende zu einer ständigen Einrichtung ausgebaut werden sollen und schloß mit dem Wunsche auf baldiges Wiedersehen.
Zur Landtagswahl. Auf der soziald-emo- kvatischen Liste für Hessen-Nassau stehen fol- gende 26 Kandidaten: 1. Hauschildt, Richard, Stadtverordneter, Caffel; 2. Wittich, Heinrich, Verw.-Beamter. Frankfurt a. M., 3. Ege, Lina, Hausfrau, Frankfurt a. M., 4. Haese, Otto, Ge- werkschaftssekretär, Frankfurt a. M., 5. Grze- sinski, Mert, Staatssekretär, Caffel, 6. Weber, Andreas, Schmied, Griesheim a. M-, 7. Schreiber, Eduard, Goldarbeiter, Hanau a. M., 8.
Schul« anfing, kam der Förster toieber. Moritz Gass«l sprang schnell das Dorf hinunter, gab den Kindern ein paar schriftliche Arbeiten, ermahnte sie zur Ruhe und lief wieder ins Schloß zurück. Hier mußte er zunächst Cäcilie und den kleinen Günter beruhigen, die schon nach dem Vater schrien. Dann schlich er wieder ins Krankenzim- mer. Flüsternd fragte er den Förster, wer den Schuß abgegeben hatte. Der wollte nicht mit der Sprache heraus und sah furchtsam nach dem Baron hinüber, der eben mit der rechten H^and eine schwache Setoegung machte Gleich darauf öffnete er die Augen. Wirr und matt schweiften feine Blicke im Kreise. Er mußte sich erst zurechtfinden. Endlich dämmerte ihm eine schwache Erinnerung auf.
„Ist Knorreck schon da?" fragte er tonlos.
Moritz Gassel schüttelte den Kopf.
„Knorreck soll kommen!" befahl der Baron und schloß die Augen.
Der Förster lief sofort hinunter, um einen Boten nach Zdurotschin zu schicken.
Als er zum Gesindehaus« hinüber wollte, prallte er mit Thomas Hauschild zusammen, bet eben im Galopp durch das Hoftor kam.
„Der Doktor ist schon Unterwegs!" rief er und wollte aus dem Sattel spingcn.
„Der Inspektor soll kommen!" sprach Förster „Er hat eben nach ihm verlangt."
Thomas Hauschild riß den Gaul auf
der
der
Stelle herum, daß er stieg, und preschte wieder zum Tore hinaus. Karl Ruppert klomm die Treppe hinauf, ging aber nicht ins Krankenzimmer, sondern setzt« sich ins Arbeftszimmer und ließ den Kopf hängen. Denn er hatte ein schweres Gewissen wegen der Rehvosten, die er dem Müller in di- linke Seite gesetzt hatte.
Unterdessen hatte der Baron zu trinken verlangt Moritz Gaffel hob ihm den Kopf und hielt ihm ein Glas Wasser an die Lippen. Durch diese Bewegung wurden die verwundeten Luftwege beunruhigt. und der Atem ging plötzlich ruckweise
Strunck, Landjäger. Niederaula, 9. Kohl, Hans, Gewerkschaftssekreiär, Limburg a. L., 10. König, Christoph, KreiSschulrat, Berlin SW., 11. Kresse!, Wilhelm, Obertelegraphensekretär, Frankfurt a. M., 12. Frankfurth, Paul, Landwirt und Bürgermeister, Altmorschen, 13. Brömer, Karl, Maurer, Kinzenbach, 14. Bittorf, Maria, Kran» kenkontrolleurin, Frankfurt a. M-, 15. Mihm, Balthas-, Eisenbahnassistent, Fulda, 16. Schmidt, Jost, Gewerkschaftsbeamter, Niedertveimar, 17. Beyer, Alwin, Maschinenmeister, Frankfurt a. M., 18- Bornemann, Optiker, Ihringshausen, 19. Scheffler, Georg, Beigeordneter, Biebrich a RH., 20. Becker, Emil, Bürgermeister, Anspach (Taunus), 21. Vohmann, Josef, Maschinenmeister, Bad Orb, 22. Holzapfel, Lehrer, Hers« selb, 23. Laveth, Georg, Eisenbahnarbeiter, Oberlahnstein, 24. Ermel, Werner, Landwirt, Kirchhain, 25. Becktel, Heinrich. Filialleiter, Diez 26. Reinemann. Schreinermeister, Immenhausen.
* Für 40 000 Mark Paraffin, Ceresin usw. gestohlen. Vor der hiesigen Strafkammer hatten sich gestern eine Reihe jugendlicher Burschen von hier zu verantworten und zwar die Arbeiter Christian H-, Johann B., Konrad V., Karl L. und Otto M wegen EinbruchdiebstahlL, während die Anklage den Drogisten I. Sch. von hier und Ferd. H. von Frankfurt sowie dem Hilfsarbeiter Karl P. von hier Hehlerei und dem Arbeiter Wilh. M. Unterschlagung zur Last legt«. In der Zeit von Mai bis Dezember 1919 wurden in einer hiesigen chemischen Fabrik von den Angeklagten, die zum Teil in der Fabrik beschäftigt waren. fortgesetzt Diebstähle ausgeführt, in dessen Verlauf die bestohlene Firma um 500 Kg. Paraffin, 750 Kg- Ceresin, 100 Kg- Harz, 100 Kg. Farbstoffe, 100 Kg. Bienenwachskompositionen, 200 Dosen Bohnerwachs und 10 000 Dosen Schuhkreme geschädigt wurde, die einen Mert von über 40 000 Mk. repräsentieren. Die Diebe stiegen über den Zaun und durch ein zerbrochenes Fenster oder Abortfenster in das Fabrikgebäude ein, öffneten mit einem Nachschlüssel den Aufbewahrungsraum, entwendeten di« angegebenen Sachen und verkauften diese in der Hauptsache an den Drogisten Sch., zum Teil an den Drogeriebesitzer H. in Frankfurt, ebenso erstand der Hilfsarbeiter P 300 Dosen Schuhkr«me zum Preise von 100 Mk. Der Angeklagte M- überraschte eines Abends drei der Diebe, die unter Zurücklassung eines Sackes mit 300 Dosen Schuhkreme das Weite suchten. Diese 300 Dosen
treter der Anklage beantragte gegen Ehre H-, Joh. B. und Konr- V. je 9 Monate, gegen Karl L. und Otto M-, bei denen nur ein Fall von Diebstahl in Frage kommt, 3 bezw- 2 Monate Gefängnis, gegen Sch-, der sich bei der Haussuchung dadurch verdächtig machte, daß er einen Teil der an gekauften Sachen verschwieg, 9 Monate, gegen Wilh. M. wegen Unterschlagung 2 Monate Gefängnis. Gegen Ferd. H. und Karl P. glaubte der Staatsanwalt nach der Beweisaufnahme die Anklage nicht aufrecht erhalten zu können und beantragte Freisprechung. Das Urteil lautete gegen Chr. H. auf 9 Monate, Joh. B- und Konr. V. 8 Monate, Karl L. 4 Mo- ......... ..... ....................... illlll.....III
und röchelnd. Endlich kam ein starker Blutstrom, der schnell Erleichterung schaffte.
Zwei Glas Wasser trank der Baron, dann sank er in die Kissen zurück. Geschlossenen Auges begann er zu sprechen. Nur mit den Lippen bildete er die Laute. Moritz Cassel mußt« ganz nahe heranrücken, um dieses tonlose Flüstern zu verstehen.
„Ich muß sterben! "'sprach Fritz von Winkelberg ruhig. „Ich fühle es in meinem Herzen. Die Kugel drückt darauf. In ein paar Tagen wird sie es erdrückt haben!"
Moritz Staffel wußt« nichts darauf zu erwidern und ließ traurig den Kopf hängen.
„Ich kenne mein Herz genau!" fuhr d«r.Baron fort. „Ich habe es zwanzig Jahre lang studiert. Morgen, spätestens übermorgen wird es aufgehört haben zu schlagen!"
„Herr Baron!" preßte sich Moritz Gaffel durch die widerspenstige Kehle und schluckte die Tränen hinunter. „Siv dürfen nicht die Hoffnung verlieren!"
„Was haben wir Menschen für eine Hoffnung?" antwortete der Baron. „Nur eine: das Grab"
»Der Arzt ist schon unterwegs!" meinte Moritz Dassel kleinlaut.
„Gegen mein Herz kann er nichts ausrichten!" flüsterte der Baron hastig. „Es geht feinen Weg, ich fühle es deutlich. Bis jetzt hatte ich es in meiner Geivalt gehabt. Nun ist es mir entschlüpft."
Erschöpft schwieg er, und Moritz W.I trat zum Fenster, um nach dem Arzt auszuschaucn. Endlich sah er eine Kutsche aus dem Walde rollen. Das sonnte Doktor Bielschowsky sein. In einer Viertelstunde mußte sie da fein. Plöülich wurde der Varon unruhig.
„Ich muß mein Testament machen!" sprach er lebhafter und suchte sich aufzuscßen. „Stecken Sie mir ein paar Kissen hinter den Rücken! Und dann Papier und Feder!*
Moritz Gasiel brachte das Verlanatc, aber
nate, Otto M. 2 Monate, Wilh. M. 6 Woche, Gefängnis Den drei ersten tourten je 3 Woche» der Untersuchungshaft auf die Straf« ongerech, net und den 5 Jugendlichen bei einer Bewäh, runpsfrift von 3 Jahren Strafaufschub bewilligt Die Angeklagten Jul. Sch., F«rd. H. und Ka^ P. wurden als nicht überführt freigesprochen.
* Die Freiwillige Sanitiitskolonne vom Koten Kreuz hielt am 6. Januar ihre diesjährige Hauptversammlung ab. Aus dem Jahresbericht ging hervor, daß von der Kolonne trotz der grossen Schwierigkeiten, die sich bezüglich her Transportmittel und der Zeitvergütung der diensttuenden Mannschaften boten, 371 Transport« aucgeführt wurden, wovon 21 Transporte in die Nachtzeit fielen. Nach bezw. von außerhalb wurden 37 Transporte ausgeführt. Zu ersten Hilfeleistungen wurde die Kolonne in 111 Fällen herangezogen. Außerdem wurden Wachen bei allen öffentlichen Veranstaltungen gestellt und bei Brandausbrüchen sowie bei Feuerwehr. Übungen war die Kolonne regelmäßig vertreten. Die Kolonne hat es sich zur Pflicht gemalt, mitzuhelfen an dem Wiederaufbau unseres Vater- landes. Sie stellt sich in den Dienst der Nächstenliebe, sie will mithelfen an der Wochlsahrtspflege, an der B-:kämpfung der Seuchengefahr unb hat vor allem die Weiterausbauung ihres Trans, Port- und RettungZwefens im Auge, um eine rasche und sichere Ueberführung nach den Kran, kenanstalten zu gewährleisten. Sie läßt es sich angelegen sein, die Mitglieder durch Unterrichtsstunden, deren Leitung Herr Dr. Grieshammer übernommen hat, zu tüchtigen Sanitatsmannschaften heranzubilden. Und wenn heute die Kolonne einen Wunsch äußert, so ist es der, haß alle Arbeitgeber, Vereine und Geschäftsleute sich als außerordentliche Mitglieder mit einem Jahresbeitrag der Sanftätskolonne anschließen möchten. , Dadurch könnten die pekuniären Schwierigkeiten der Kolonne einigermaßen behoben werden. — Nachdem der seitherige Vorsitzende, Gutsvorsteher Neureuther, und der Kolonnenführer Schmidt ihr Amt freiwillig niedergelegt, wählte die Versammlung den Justizoberwachtmeister Frischkorn zum Vorsitzcnd«n und Malermeister Heinrich Prell zum Kolonnenführer. Das Amt des Schriftführers wurde Herrn Buchhändler Friedrich Grasineher übertragen und als Beisitzer Herr Schuhmachermeister Heinrich Weimar neu hinzugewählt. Die übrigen Vorstandsmitglieder, Christ. Hubert, Kassierer, Wilh. Horn, Lolonn«nführ«rstellvertreter, Christ. Friedrich, Materialverwalter, Ernst Köhler, Beisitzer, blieben im Amt, da ihre Wahlzeit noch nicht abgelaufen war. Mög« die Kolonne im neuen Jahre allen Anforderungen gerecht werden, möge aber auch bie Bevölkerung Hanaus mithelfen, bie Kolonne auf bie Höhe zu bringen, wie es in einer Stadt wie Hanan, erforderlich ist. Die Kolonne ist angeschlossen an das FernspreDetz K inib 1073. In besonders dringenden Fällen eiliger Transporte ist letzter« Nummer anzurufen.
StacMIheatcr Elaiian
Direktion: Job. Poetsch. — Telephon 160.
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Donnerstag, 13. Januar 1821, 7 Ufr
Freitag-Abo ttncment ,-Jugenö" Liebesdrama von Max Halbe.
Freitag, 14. Januar 1921, 7 Uhr
„Ihre KotzE dis Tänzerin"
Operette von Walter W. Goetze.
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Fritz von Winkelberg war nicht imstande, die Feder zu führen. Er reichte sie Moritz GaM und lehnte sich in die Kissen zurück,
„Soll ich die Kiffen w.eoer fortnehmen?*
„Nein!" flüsterte de^ Baron. „Das Sitzen ist mir zuträglicher. Schreiben Sie, ich werde Ihnen dictieren. Holen Sie den Förster herein, damit er zeugen kann, wtnn's not tut.
Karl Ruppert trat an das Fußende des Bette» und hörte genau zu, was der Baron diktierte.
„Mein letzter Wille. Ich ordne an, daß daS Majorat Britzkawe bis zur Großjährigkeit meines einigen Sohnes von meinem Inspektor August Knorreck verwaltet wird. Ich lege in feine Hände sämtliche Vollmachten, die mir als Atajoratsherr zu Gebote stehen. Ich übertrage ihm ferner diâ Vormundschaft über meine beiden unmündigen Stinber Cäcilw und Günter und bestimme ausdrücklich, daß sie niemals mit meiner Stiefmutter in Berührung gebracht werden dürfen- Ich befehle, daß dieser Frau unter keinen Umständen das Betreten des Gutes Britzkawe gestattet wird. Di« Erzrehung meiner Kinder übertrage ich Hedwig Knorreck."
Hier machte Fritz von Winkelberg eine lange Pause, und der Förster wischte sich verstohlen über die Augen.
„Da für meine persönlichen Verbindlichkeiten,* fuhr der Baron fort, „das Majorat nach meinem r^ode nicht hastet, lege ich meinem Sohne hiermit die ernste Pflicht ans Herz, am Tage seiner Großjährigteit meine Schulden zu tilgen mit Zinsen und Zinseszins."
Dann mußte Karl Ruppert das Testament laut vorlesen, und Fritz von Wintelberg setzte mit vieler Mühe die steilen, eckigen Schriftzüge feine? Namens darunter. Noch konnte er Mo.iy Gaffel bitten, das Blatt in den Geld sch rank zu legen, bann war's mit seiner Kraft zu Ende, und « verlor wieder die Besinnung.
lFortsetzung folgt.)