Nr. 9
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Anzeiger
Amtliches Organ für Stadl- und Landkreis Kane«
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage
sris
Mittwoch den 12. Januar
Verlagsleitung: Ad. Jndermuble.
Verantwortlich: für volitilcken und allgemeinen Teil Richard Hultsch: für lokalen und provinziellen Teil sowie Sport Wilhelm Moritz: für Anzeigen und Reklamen August Brod t. alle in Hanau am Main. Rotationsdruck der Waisenhausbuchdruckerei Hanau. Fernsprechanschlüsse Nr. 1237 und 1238.
1921
Das Neueste.
— Die deutsche Friedensdelegation fordert in einer an die Botschafterkonscrcnz gerichteten Note die Ergreifung von Maßnahmen für die Sicherung und Aiisrechterhaltung der Ruhe und Ordnung in Ober- schlesien.
— Der erweiterte Vorstand de» deutschen Eisen- tahnerverbande» spricht in verschiedenen Entschließungen seine Unzufriedenheit über die Regeliing des leuerungSzuschiage» an» und fordert weitere Verhandlungen mit der Regierung.
— Wie verlautet, nimmt die Konferenz der Sach- »erständigen Ende Januar ihre Arbeiten wieder auf.
— Am 15. Januar treten in Dresden sämtliche deutschen ErnäbruugSministcr zusammen, um die ’Dlin» destpreise für die Ernte 1921 festzusetzen. Ferner findet eine allgemeine Aussprache über die Ein- und AuSsubr statt.
— Die Polnisch-Danziger Wirtschaftsverhandlungen in Warschau sind in den besten Formen verlaufen und haben in allen Punkten zu einem Einvernehmen geführt.
— Die Entente hat die für Griechenland früher bewilligten Anleihen gesperrt.
Sie Abstimmung in Oberfchlefien.
Der Leiter der Zentrale des Verbandes heimattreuer Oberschlcsier in Kattowitz Dr. Quester sandte am 9. Januar folgendes Protesttele- gramm gegen die zeitlich getrennte Abstimmung und gegen di« Ausschließung der nach dem 1. Januar 1904 zugezogenen, nicht gebürtigen Oberschlesier an den Botschafterrat in Paris und an die französische, die englische und die italienische Regierung:
Der Verband heimattreuer Oberschlester gibt sich als die größte Organisation in Oberschlesien, die mehrere hunderttausend Oberschlesi«r deutscher und polnischer Zunge umfaßt, und in jedem Ort Oberschlesiens vertreten ist, die Ehre, die Aufmerksamkeit des hohen Botschafterrates in Paris auf folgende Punkte hinzulenken: Di« Nachricht, daß in den interalliierten Kreisen die Frage einer zeitlich getrennten Abstimmung der Abstimmungsberechtigten aus Oberschlesien und den übrigen im Deutschen Reiche Ansässigen ernstlich erwogen wird, und daß nach dem Abstimmungsreglement für Oberschlesien nur diejenigen nicht geborenen Oberschlesier abstimmungsberechtigt sein sollen, die seit dem 1. Januar 1904 ununterbrochen im Abstimmungsgebiet wohnen, rief in der oberschlesischen Bevölkerung große Erregung hervor. Es besteht die Gefahr, daß die Erregung iu öffentlichen Demonstrationen führt Obwohl Die führenden deutschen Kreise gegenwärtig jegliche öffentliche Massenkundgebung mit allen Mitteln zu verhindern suchen werden, darf nicht verhehlt werden, daß nicht mit Gewißheit gesagt werden kann, ob es gelingen wird, die erregten DolkSmassen von ihrem Vorhaben abzubringcn. Der Verband heimattreuer Od-rschlesier hält sich für verpflichtet, den hohen Botschafterrat auf diese Gefahr hinzuweisen. Er ist überzeugt, daß bei den Beratungen der interalliierten Mächte über die getrennte Abstimmung di« Frage der Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung während der Volksabstimmung entscheidend sein wird. Aus diesem Grunde geben wir uns die Ehre, dem hohen Botschafterrat folgende Erwägung vorzutragen: Eine jede Wahl, vor allem eine Volks- âbstimmung, die über die nationale Zugehörigkeit eines Landes entscheiden soll, erregt die Bevölkerung. Diese Erregung wird dadurch, daß die Abstimmung zeitlich getrennt wird, weiter fortdauern. Wir-sind der Ueberzeugung, daß die zeitlich getrennte Abstimmung die Gefahr des Terrors nicht beseitigt, im Gegenteil verstärkt. In der Zeit, die zwischen den beiden Abstimmungsterminen liegen würde, wird der fieberhafte Zustand, in den die Bevölkerung gesetzt werden wird, sich leicht derartig steigern, daß hierdurch die G«- Mr von Unruhen außerordentlich verstärkt wird. Es wird also das Gegenteil davon erzeugt, was dl« interalliierten Mächte als Leitsatz für die Abstimmung aufge-stellt haben: Anstatt Ruhe und Ordnung, verschärfte Erregung und verstärkter Terror. In dem Abstimmungsreglement für O^rschlesin sieht die Wahlberechtigung nur die klcht in Oberschlesten geborenen Oberschlesier vor, die seif dem 1 Januar 1904 ununterbrochen im Abstimmungsgebiet ihren Wohnsitz haben. Der --erband heimattreuer Oberschlesier glaubt nicht, M Personen, die laut Friedensvertrag von -Versailles bei einer eventuellen Zuteilung Ober- Mesiens an Polen ohne weiteres die neue Lan- di^zugehörigkeit erwerben, nicht durch die Teil- ^>ahme an der Volksabstimmung selbst entscheiden Een, welche Staatszugehörigkeit sie versönlich Enschen. Der Verband heimattreuer Oberschle- p gibt sich die Ebre, dem Botschafterrat von bie» E Erwägungen Kenntnis zu geben, und ist der Meten Erwartung, der Meinung von hundert- Elenden heimattreuer Oberschlesier Ausdruck zu «wleihen, daß im Interesse einer unbedingt ge
rechten nud unbeeinflußten Volksabstimmung der Botschafterrat diese Erwägungen für entscheidend anerkennt. Genehmige der hohe Botschafterrat den Ausdruck unserer vorzüglichen Hochachtung: gez. Dr. Quester, Verband heimattreuer Ober- schlesier, Zentrale für Oberschlesien in Kattowitz.
Eine deutsche Note.
Die deutsche Regierung hat der Botschafter- konferenz eine Note zugehen lassèn, in der auf die tagtäglich zunehmende Unsicherheit in Ober- schlesien, dem polnischen Terror, die Verbrechen und Vergehen hingewiesen wird, daß nicht nur auf die gemeinen Vergehen abschreckendere Strafen gesetzt werden, sondern auch von der Anwendung des Standrechts gegen Plünderer und Mörder nicht zurückgeschreckt wird. Am Schluß der Note heißt es:
Die deutsche Regierung w # kt von den alliierten Regierungen die die Verantwortung für die öffentliche Ruhe und Ordnung in Oberschlesien und für die gerechte Durchführung der Abstimmung übernommen haben, daß sie kein Mittel unversucht lassen, um in den bedrohten» Grenzbezirken Ruhe und Ordnung zu schaffen und der Bevölkerung das Gefühl der Sicherheit zu geben, ohne das eine freie, geheime und -unbeeinflußte Abstimmung unmöglich ist.
Der Note sind drei Anlagen beigefügt. Die Statt stik der Verbrechen und Vergehen im Bereiche der Polizeidirektion Kattowitz seit Beginn der Besetzung durch die interalliierten Truppen Danach hat innerhalb der Zeit vom 1. Januar 1920 bis zum 15. Dezember 1920, verglichen mit der Zeit vom 1. Januar 1919 bis zum 31 Dezember 1919, betragen: die Zahl der Morde 79 (im Vorjahr 23), die Zahl der Körperverletzungen 892 (518), der Raubanfälle 390 (217), der Gefährdung von Eisenbahntransporten 9 (2). der schweren Diebstahlsfälle 4900 (3775), der Hehlereien 153 (67), der Bedroh- uMnâ.^â .des LVlderstands gegen die Staatsgewalt 80 (40).
In der zweiten Anlage sind einzelne Fälle besonders markanter Gewalttaten während der letzten vier Monate des Jahres 1920 mitgeteilt. Auf- gezählt sind 49 Fälle von Einbrüchen, Raubüber- "ällen und Entkleidungen, 33 Fälle von Bandenüberfällen auf Polizeitruppen, Gehöfte usw., 29 Fälle terroristischer Aktionen, Sprengungen von Denkmälern und Anschläge auf öffentlche Gebäude, 17 Fälle von Sprengungen deutscher Versammlungen durch Polen und 18 Fälle politischer Mordanschläge und Morde.
Die dritte Anlage schildert zunächst die Polizeiverhältnisse in den Grenzgebieten, wobei besonders darauf hingewielen wird, daß das Zusammenarbeiten der Polizei Oberschlesiens und der sogenannten blauen Poli- -«i besonders durch bk Vorschrift der Interalliierten Kommission erschwert ist. daß die Hilf« der Abstimmungspolizei in der Regel nur durch den oft gar nicht oder nur schwer erreichbaren Kon- trolloffizier der Hundertschaft in Anspruch genommen werden kann. Die Grenzkontrolle ist. wie des Näheren ausgeführt wird, so unzureichend, ^aß auf eine Strecke von etwa 100 Kilometer höchstens 50 Polizeibeamte zur Bewachung zur Verfügung stehen. Wie sehr bur^ diese mangelhafte Grenzbewachung das Verbrechertum in Ober- Schlesien gefördert wird, beweist eine Auszählung von 22 Fällen, wo Verbrecher nach ihren Untaten 'n Oberschlesien in der Lage waren,.ohne von der Grenzpolizei gefaßt ru werden, über die Grenze nach Polen zu entkommen.
Die Eisenbahn r "ordern weisere Verhcu 6 ungen.
Die Zugeständnisse ungenügend.
Berlin, 11. Jan. In der seit Sonntag tagenden Sitzung des erweiterten Vorstandes des Deutschen Eisenbahnerverbandes gelang.en nachstehend« Entschließungen zur Annahme:
1. Der erweiterte Vorstand des Deutschen Eisenbahnerverbandes prüfte in gründlicher und gewissenhafter Weise das zwischen den Sechzehnerausschuß und der Regierung zustande gekommene Verhandlungsergevnis. Angesichts der durch die anhaltende Geldentwertung verursachten Preissteigerung auf allen Gebieten bleibt die Erhöhung des Teuerungszuschlages für die unteren Beamten und Arbeiter so erheblich selbst hinter den bescheidensten Erwartungen zurück, daß eine Beruhigung des Rcichreisenbahrpcrsonals ganz ausgeschlossen ist. Mas außerdem den besonderen Unwillen der an der Bewegung Beteiligten erregt, ist die unsoziale Abstufung der Zulagen, die übersieht, daß die durch den Krieg hervorgerufenen Verhältnisse eine gewisse Gleichmäßigkeit der Preise auf dem ganzen deutschen Warenmarkt erzeugte. Unter Berücksichtigung dieses Umstandes sieht sich der erweiterte Vorstand außer Stande, beruhigend auf die Mitglieder des Deutschen
Eisenbahnerverbandes einzuwirken. In der Voraussetzung, daß auch die Vorstände der übrigen Großorganisationen der Eisenbahner trotz des erreichten Teilerfolges ähnliche Schwierigkeiten in ihren Mitgliederkreisen vorfinden, beschließt der erweiterte Vorstand, die bisher im Ächzehn-er- ausschuß zusammengefaßten Verbände zu ersuchen, die Einheitsfront aufrecht zu erhalten, um durch ein gemeinsames Vorgehen denunbefriedig«nd«nTeilerfolgzu einem Ergebnis zu führen, das den Leitungen der Eisenbahnerverbände ermöglicht, die Bewegung in geordneter Weise abzuschließen. Der erweiterte Vorstand beauftragt den geschäftsführenden Vorstand des Verbandes, unter Berücksichtigung der vorstehend angeführten Grunde die Verhandlungen weiter zu führen und im Bedarfsfalls auch vor dem letzten gewerkschaftlichen Kampfmittel nicht zurückzuschrecken.
2. Die verantwortlichen Verbandsinstanzen, Bezirksleitungen und Ortsverwaltungen sind verpflichtet, sich den angekündigten Teilstreiks mit aller Energie zu widersetzen. Entsteht trotzdem irgend ein Teilstreik, so haben sie die Verpflichtung, jede Verantwortung dafür abzulehnen.
3. Der erweitert« Vorstand des Deutschen Eisenbahnerverbandes legt Verwahrung gegen die unwahre Berichterstattung über die Verhandlungen des SechzehnerausschusseZ mit der Regierung ein, wie sie in der „Roten Fahne" beliebt wird. Insbesondere weist der erweiterte Vorstand die in dem Artikel „Die verratenen Eisenbahner" der „Roten Fahne" vom 11. Jan. enthaltenen unwahren Behauptungen ganz energisch zurück. Der erweitert« Vorstand hält die Preßhetze der „Roten Fahne" für umso bedenklicher, als sie geeignet ist, die Einheitsfront der Eisenbahner zu zerschlagen. Er ersucht die Eisenbahner, sich durch dieses Treiben nicht beirren zu lassen und sich umso fester um ihre gewerkschaftliche Organisation zu scharen.
Im Anschluß an die vorstehenden Beschlüsse können wir noch mitteilen, daß am 12. Januar vormittags die Verhandlungen des Sechzehner- ausschusses mit dem Vorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes stattfinden. Der erweiterte Vorstand des Deutschen Eisenbahnerverbandes tagt aus diesem Grunde weiter.
Außer dem deutschen Eisenbahnerverband haben gestern auch die anderen Eisenbahnerorganisationen zu dem Ergebnis der Verhandlungen zwischen der Regierung und dem Sechzehner-Ausschuß Stellung genommen. Nach dem „Lokalanz." wurden zwar noch keine endgültigen Beschlüsse gefaßt, jedoch lassen die Beratungen erkennen, daß man die Zugeständnisse des Reichsfinanzministers als unzureichend ablehnen dürfte. Auch der Gewerkverein der deutschen Eisenbahner (christlich) erklärt die Zugeständnisse als ungenügend.
Die Urabstimmung der Eisenbahner.
Berlin, 11. Jan. Das Ergebnis der Urabstimmung der Eisenbahnbeamten liegt für die ehemals preußisch-Hessischen, sächsischen, oldenburgischen und mecklenburgischen Bezirke vor. Danach nahmen von den insgesamt vorhandenen 319 732 Beamten nur 73,5 Prozent nämlich 235 000 teil. Für den Streik stimmten nach Mitteilung der Reichsgewerkschaft der Eisenbahnbe- amten 192 953, also 603 Prozent der Beamtenschaft. Es ist anzunehmen, daß bei Berücksichtigung der noch nicht vorliegenden Ergebnisse aus Bayern, Württemberg und Baden der Prozentsatz der für den Streik stimmenden Beamten noch wesentlich, voraussichtlich bis unter 50 Prozent zurückgeht.
Politische Tagesberichte.
— Die deutschen Flugplätze im besetzten Gebiet. Der deutschen Regierung wurde folgender Beschluß der Botschafterkonferenz vom 15. Dezember mitgeteilt: Bestimmungen über die deutschen Flugplätze in den Rheinlanden und in der neutralen Zom. a) Fliegen im Rheingebiet. 1- Wenn die Herstellung von Luftfahrtgerät in Deutschland wieder ausgenommen sein wird und solange Deutschland noch nicht als Mitglied der Konvention vom 13. Oktober 1919 betreffend die Regelung der Luftfahrt ausgenommen oder zum Völkerbund zugelassen worden ist, ist das Ueber- fliegen der Rheinlande in deutschen Zivilslug- zsugen förmlich untersagt. Da das Ueberfliegen untersagt ist, ist auch die Frage des Lèndens nicht nur gelöst, sondern sie kann auch überhaupt nicht gestellt werden 2- Sobald Deutschland der Konvention vom 13. Oktober 1919 oder dem Völkerbund beigetreten sein wird, dürfen seine zivilen Flugzeuge die Rheinland« überfliegen und die Hallen benutzen, die auf den militärischen Flugplätzen der Alliierten in den Rheinlanden für die Bedürfnisse der zivilen Luftfahrt der verbündeten Mächte referbkrt sind, im Einklang mit der Bestimmung C A 662 vom 24. Juli 1920 und
unter denselben Bedingungen wie die zivile» Flugzeuge der Alliierten. 3. Sobald die alliierte« und assoziierten Mächte die Besetzung der Rhein« lande aufgegeben haben werden, kann di« d«utsch« Zivilluftfahrt die Rheinland« überfliegen und di« Hilfsplätze benutzen, aber auch nur Plätze dieser Art. Niemals darf sie in den Rheinlanden feste Einrichtungen unterhalten, die mit den Bestimmungen des Artikels 43 unvereinbar sind, b) Fli«, gen in der neutralen Zon« 1. Das Ueberfliegen wr neutralen Zone wird der deutschen Zivilluftfahrt gestattet sein,, sobald es eine solch« gibt, d. h. von dem Zeitpunkt an, wo die Herstellung von Luftfahrtgerät wieder ausgenommen wirb. 2- Gemäß Artikels 43 des Friedensvertrages darf aber niemals eine feste Einrichtung für die Luftfahrt in der neutralen Zone geschaffen werden.
— Die Unabhängigen gegen die Kommunist en» In der gestrigen Berirksgeneralverfammlung Berlin-Stadt der Unabhängigen erklärte Hilfferding in einem Bericht über die politische Lage und die Landtagswahlen zu dem offenen Brief der Kommunisten, in dem die sozialistischen Parteien imd die Gewerkschaften zu einer gemeinsamen 8lftion ausgefordert werden, daß de Unabhängigen kein« Veranlassung haben, mit den Kommunisten zusammenzugehen Die Unabhängigen haben die Erfahrung machen müssen, daß die Kommunisten lebe gemeinsame Aktion zu einer Schmutzkonkurrenz im Radikalismus machten. Hilfferding bezeichnete den offenen Brief als die Bankerotterklärung der Kommunisten. Die Unabbängigen feien gezwungen, scharf goren bk Kommunisten zu kämpfen, so lange deren Politik ein« aTyk Gefahr für die deutsche Arbeiterbewegung bilde.
— Deutschland muß bezahlen. 'Ter fran» rSü'die Senat bat oeOmi nachmittag unter dem Alters« vräfidiiinl des Senates Denis feine Session eröffnet, ^n seiner Rede erklärte Denis, Deutschland müsse die Verpssichtungen des sZriedenSvcrtraaes von Bersaille« erfüllen und namentlich die schuldigen Summen be» mblen. Wenn eS gegen jedes OkAt und unter Verletzung seiner Verpflichtungen mckt bezahl-, dann wäre Frankreich gczwnimcu, eine energische Politik zu beweiben, also eine Politik, die allein, für ein siegreiches Solf in Frage komme. Für den ÄiigenSNk könne sich ssrankreich nicht mit einem zu kleinen Heere begnügen. Alterspräsident Denis stellt auch hie Bchauptung auf, vor sechs Jaüren habe Deutschland die schreckliche Sataftrovbe bernorgerufen, die 20 Millionen Opfer aeforbert habe. Obzwar es mr dem Schlachtkelde be» siegt wurde, babe es die Revolution in Rußland ge» fördert und sie auch in anderen Ländern mit allen Mitteln propaaieit. Nugesichts dieses eigenfinnigen Feindes müsse Frankreich als der vorgeschobene Posten der Weltzivilisation die Pflichten übcrnedmen, die ihm Zufällen, und wenn cs von seinem Parlamente wiedei rie dazu crsorderlichcn Mittel verlange, werde el si« ihm nicht verweigern. Der Senat vertagte sich dann auf Mittwoch, um sein Büro zu wählen.
— Deutschlands Kohlenlieferrtngen. Der „Temps" meist daraufhin, daß das Koblenabkonnne« von Spa am 31. Januar ablaufe. An den Kohlen- lieserungen der letzten sechs Monate fehlten 500 000 Tonnen. Die Reparationskommiision habe für die Monate Februar und März ein provisorische» Pro« gramm vorgeschlagen. Deutschland solle monatlich statt 2 Millionen Tonnen 2 2o0 OOQ Tonnen liefern, außerdem die fehlenden 500 000 Tonnen in zwei Monatsraten nadiliefern, sodaß für die Monate Februar und März je 2 450 000 Tonnen zu liefern feien.
— Die Grttäh ungSfchwieriakeiten in Sowjet. Lenin und die Volkskommissare für Versorgung uni nerkchrswe'en richteten an die Vertreter der Gouvernc. mnitsabteünngen von Samaya, Ufa, Kasan, Parin»! «Deutsche Kommune», Petrowsk, Savato», Tambow, Jekaterinburg, Simbirsk, Pcm'a und Sterlitamak die Aufforderung, die Ausfuhr von Korn zu verstärken. In dem Telegramm heißt es: Wegen des Mangels an Htizmarer.al ist es augenblicklich unmöglich, auS dem Kaukasus mehr als die Hälfte der Dort bestellten Nahrungsmittel herbeizuschafi , Auch muß die kalte Jahreszeit benutzt werden, i: Fleisch aus Sibirien üerbeizuschaffen. Darum ist cs nötig, Brot und Futtermittel in vollem Umfange dcr Anordnung bei VockS- ommissars für die Versorgung bereitzustellen und in die hungernden Eouvcrncmcnts zu schicken. Nach 80 ■eitigung der augcnblicklichm HeizmaterialkrisiS sollen -HaRHobmen getroffen werden, um die Gegenden, ans denen jetzt Brotkoiu ausgesührt werden muß, ihrerseits int Brotk ru tu verwegen.
— D e „Sozialist Party of America" lehnt den AnsüTust an Moska» ab. Da» ürckutrv- kdmitce dcr amerifaiüidjeu sozialistischen Partei hat die üoefauer Beengungen für den Anschluß an die 3. 'mternationde abgelebiit. In der Begründung des xekutivkomilceS wird erklärt, daß Moskau ben tojia» l suschcn Parteien Methoden aiifzwingen wolle, bie für . in er i la nicht anwendbar seien. Die Moskauer Bringungen diktierten eine Politik der bewaffneten Hut» stände. Die Moskauer Taktik fei lächerlich und autokratisch. — Bc'aniitlich hatte die--„So,ial'st Party or America" Sure 1919 den Anschluß an Moskau de- ichlosscu und im März 1920 eine diesbezügliche An- 'cbluvertlärung nach Moskau übersandt. liolfau hatte «doch diese Anichlußerkläning keiner Antwort gewür» bigt. Nunmehr hat die amerikanische sozialistische Partei di« Konsequenzen auS der Haltun, Moskau» a-toaeu.