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Hanauer W Anzeiger

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General-Anzeiger

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AmMches Organ für Eladl- und Landkreis Sana« Reklamen August Brodt alle in Hanau am Main. Rotationsdruck der Waisenbausbuchdruckerei Hanau. Fernsorechanschlüne Nr. 1237 und 1238.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und-Feiertage

Nr. 8

Dienstag den 11. Januar

1921

Das Neueste.

Staatssekretär Bergmann wird sich wieder nach Paris begeben, um die Verhandlungen mit Frankreich fortzusetzen.

Das Reichsgericht hat gestern die erste Ab­urteilung der sogenannten Kriegsverbrecher vor. genommen.

Die Thyssenhütt« ist geilte wieder eröffnet worden, da sich einige taufende von Arbeits­willigen gemeldet hatten.

In Brandenburg streifen sämtliche Metall­arbeiter, insgesamt etwa 5000 bis 6000 Mann.

Der beligsche Ministerrat stimmte dem Ge­setzentwurf, der die Liquidation der in Belgien beschlagnahmten deutschen Güter vorsieht, zu.

Bedrohung des deutschen Osten.

Aus Ostpreußen wird uns geschrieben:

Die Forderung der Entente auf Entwaffnung der Einwohnerwehren und Sicherheilspolizei und auf Desarmiernng der Ostfestungen hat be­greiflicherweise in Ostpreußen die gesamte Be- völlerung erregt. Nur blinder Haß kann die Ge­fahren verkennen, in denen wir schweben, denn es ist nicht anzunehmen, daß man in Frankreich und in England so wenig über die Lage im Osten orientiert ist, daß man dort vorgeben könnte, im guten Glauben zu handeln.

Sicher ist den Ententestaatsmännern nicht entgangen, daß die Sowjetarmee noch nicht demobilisiert ist, obwohl die letzte antibolsche- wiistisch« Armee in der Krim vernichtet ist und die Sowjetregieruny mit allen Ländern Frieden geschlossen hat. Nicht ein Mann ist vom Heere nach Hause geschickt. Kann man glauben, daß die Moskauer Regierung zum PergMen eine Armee von Millionen unter Waffen hält. Gewiß werden die Soldaten gehalten, um im gegebenen Fall den Befehl zum Vormarsch auszuführen und bei der Eröffnung des 8. allrussischen Kongresses gesagt, daß die Weltrevolution unverändert das Ziel der Sowjetregierung sei. Wohin der Stoß der russischen Truppen sich richten wird, ist un­schwer zu erkennen. Es ist allgemein bekannt und dürfte auch der Entente nicht verborgen ge­blieben sein, daß von Smolensk aus in Richtung auf DünaburgWilna und Polozk 3 große Ar­meen aufmarschiert sind, die gewiß, sollte ihnen keine besonder« Aufgab« zugedacht sein, besser in anderen Gegenden des großen russischen Reiches untergebracht sein würden. Ein untrügliches Zeichen für einen zu erwartenden Vormarsch ist immer die in erhöhtem Maße einsetzende bolsche- wisttsehe Propaganda gewesen. Aus Polen und Litauen kommen zuverlässige Nachrichten, die be­sagen, daß der russische Rubel überall rollt und unterstützt durch die schlechten Ernährungsver- Hältnisse sich eine zahlreiche Anhängerschaft wirbt. So liegen für uns in Ostpreußen die Dinge. Tatsachen, die nicht abzuleugnen sind, beweisen, daß die bolschewistischen Armeen einen Vormarsch nach Westen antreten werden. Wir müssen also damit rechnen, daß wir über kurz oder lang die bolschewistischen Truppen zum zweiten Male an unseren Grenzen haben werden, denn wir glauben nicht, daß die Polens mögen sie von den Franzosen noch so unterstützt werden, dem russischen Ansturm gewachsen sind. Werden die Bolschewiken diesmal an unseren Grenzen stehen bleiben? Wir glauben mit Recht diese Frage -verneinen zu müssen. Versteht man nun, daß wir uns weigern, die Sicherheitspolizei und die Orts- und Grenzwehren zu entwaffnen und die Festungen zu desarmieren. Wer würde sich wohl wehrlos machen, um zuzusehen, wie man ihn und seine Angehörigen vernichtet?

- Die polnische Truppenbewegung.

Zu dem Versuch desJournal de Pologne", aie polnischen. Truppenbewegungen nach der teutsch-polnrschen Grenze durch die Notwendigkeit e.ner Entladung der Staatskasse und die Er­holungsbedürftigkeit der in den Heimaigarni- jonen demobilisierenden Soldaten zu erklären, Memt dieDeutsche Allgemeine Zeitung": Nach dem Wilna-Putsch des Generals Zeligowski be­geht di« Gefahr, daß die Ansammlung so bedeu- ender Truppenmassen einem anderen polnischen General w.eoerum verlockend erscheinen könnte, vw auf eigene Hand vorzugehcn. Bis vor drei Monaten waren an der polnischen Westgrenze zwischen Oderschlesien und der Ostsee im ganzen vur etwa 5700 Mann Grenzivachtreiter eingesetzt worden. Diese sind inzwischen allein an der ober- Mesischen Grenze durch irreguläre Formationen M etwa 17 000 Mann gebracht, in der Provinz Posen stehen gegen 24 000 Mann Infanterie. Acht jenseits der olierschlesischen Grenze sind seit November zwei Divisionen hinzugekommen, außer- in Posen weiter« zwei, und in Westprcußcn *in«inhalb Divisionen, sodaß die Stärke der in

den westlichen Grenzgebieten Polens stehenden kampfbereiten Truppen bereits die Zahl 100 000 erreicht. Durch das Hinzukommen weiterer drei Divisionen an der oberschlesischen Grenz« und einer Division in der Provinz Posen wird die polnische Armee in jenen Gebieten demnächst eine Kopfzahl von rund 17Ö0O0 Mann erlangen, außerdem bestehen die im August ausgestellten Bürgerwehren in Posen und Westpreußen weiter. Hand in Hand mit diesen Maßnahmen jenseits der Grenze geht di« rastlose Arbeit der im deut­schen Oberschlesien tätigen geheimen polnischen Kampforzanisationen. Was die alliierten Trup­pen in Oberschlesien betrifft, so kommen rund 10 000 mit den Polen mehr oder weniger sympa­thisierende Franzosen in Betracht, die ebenso wie im August und September nicht eingreifen wür­den, sowie rund 3000 Italiener, die sich fast aus­schließlich westlich der Oder befinden und auf deren wirksamen Eingreifen wegen ihrer zahlen­mäßigen Unterlegenheit ernstlich nicht gerechnet werden kann. DieDeutsche Allgemeine Zeitung" hebt ferner hervor, die Posener ZeitungPrawda" habe darauf hingewiesen, daß Polen sich am Vor­abend möglicher Verwickelungen im Westen, Sü­den und Osten befände, und fährt fort: Einen weiteren Kommentar lieferten aufreizend Reden polnischer Generale, wie sie kürzlich General Haller bei der Ueberreichung eines Ehrensäbels hielt, und die Resolutionen ganzer Volksver­sammlungen, wie die jüngst in Krakau gefaßte, man dürfe eine für Polen ungünstige Entschei­dung der oberschlesischen Frage nicht tatenlos hinnehmen.

Demgegenüber sind die polnischerseits lancier­ten alarmierenden Nachrichten über eine angeb­lich hohe Zahl deutscher Reichs-wehrtruppen in zu Wederlegen, als die interalliierte Kontrollkom­mission festgestellt hat, daß lediglich die nach dem Friedensvertrag zugebilligte Truppenzahl vor­handen ist. Die deutsche Regierung wies bei den Regierungen in London, Paris und Rom auf den großen Ernst der durch die militärischen Maß­nahmen Polens geschaffenen Lage hin und machte die polnische Regierung erneut auf die Gefahren aufmerksam, di« sich aus her von ihr geschaffenen militärischen Lage vielleicht gegen ihren Willen ergeben können.

Zur Brüsseler Konferenz.

Jpu. Berlin, 11. Jan. (Eig. Meld.) Staats­sekretär Bergmann, der sich gegenwärtig in Ber­lin befindet, wird sich mit den anderen Delegier­ten in den nächsten Tagen nach Paris zurückbe- geben, um dort die in Brüssel unterbrochenen Verhandlungen mit Frankreich fortzusetzen. Es wird angenommen, daß er bis zu Beginn der alliierten'Ministerkonferenz verbleiben wird.

Jpu. Berlin, 11. Jan. (Eig. Meld.) An den bevorstehenden Verhandlungen in Brüssel wer­den nun auch Vertreter der deutschen Industrie, teilnehmen. Anläßlich der Verhandlungen über die letzte deutsche Delegation sind Unftimmig- ceiten zwischen den Vertretern des Reichsverban­des der deutschen Industrie und dem Auswär­tigen Amt entstanden, die zur Folge hatten, daß schließlich der ursprünglich ernannte Delogiert« von Siemens sich weigerte, nach Brüssel zu gehen. Jnsbesonders soll ihn dazu die Tatsache ver­anlaßt haben, daß kein Sachverständiger auf dem Gebiete der Schwerindustri« für Kohlen und Eisen für feine Begleitung zu gewinnen war. Vor einigen Tagen hat nun in Essen eine Be­ratung stattgefunden, in der neben Vertretern der Industrie auch Außenminister Simons teilge­nommen hat. Dort soll es zu einer Einigung ge­kommen sein. Die Industrie hat nicht nur St in nee und Kommerzienrat Klöckner, sondern auch den Generaldirektor V ö g e l« r für die Vertretung der Regierung bei den bevorstehen­den Verhandlungen delegiert. Den deutschen De­legierten sind bis jetzt über 40 Fragen vor­gelegt worden, die meisten von der englischen Delegation.

Angeheure Besatzungskosten.

Der Berliner Berichterstatter derDaily News" will aus amtlichen alliierten Kreisen er­fahren haben, daß die Kosten für die Aufrecht­erhaltung der verschiebenden alliierten B e- satzungstruppen am Rhein feit dem Waffenstillstand betragen:

für das amerikanische Heer 263 474 170 Doll., für das britische Heer 51 900 890 Pfd. Steil., für das französische Heer 2 002 998 060 Frks., . für das italienische He«r 15 207 717 Lir, für das belgisch« Heer 314 940 698 belg. FrkS.

Außer den in hatura erfolgten Lieferungen an die Besatzungshce:« im Betrag« von vielen Millionen Mark zahlte Deutschland bis­her in bar;

für das amerikanisch« He«r 608 Millionen Mk-, für das britische Heer 206 Millionen Mark, für das französische Heer 1427 841 Mark, für das belgische Heer 49185 000 Mark.

Der Berichterstatter fügt hinzu, es sei bedauer­lich, daß die Vereinigten Staaten in Brüssel nicht vertreten seien, wenn die Frage der Wiedergut­machungskosten erörtert werden, denn der Ver­gleich zeige, daß die Unkosten des amerikanischen Heeres im Verhältnis zu dem französischen ge­radezu phantastisch, seien. (Wir sind der Ansicht, daß sämtlich« Zahlen phantastisch sind. D. Red) Uebrigens betrugen nach neuerlichen Schätzungen amtlicher amerikanischer Persönlichkeiten die Un­kosten für das amerikanische Heer jetzt 80 000 Dollar täglich oder 6 Millionen Mark.

(Obige Zahlen gehören eigentlich in das Reich der Fabeln und doch sind sie Wirklichkeit Für uns kann es nur die eine Frage geben, wie lange soll das arme gebrochene Deutschland, dem man nicht einmal die beiden Hände zum Arbeiten lassen will, für diese ungeheuerlichen Kosten noch auflommen, um den alliierten Herren ein Schlem­merleben zu bereiten? Und es ist ein Schlemmer­leben, wenn man sieht, daß die Besatzungssoldaten ihre Mahl-eiten im Hotel nach der Karte ein­nehmen und dabei ihren Wein trinken' und das alles auf Kosten der Teutschen. Unter diesen Ver­hältnissen ist natürlich ein Wiederhochkommen für uns gänzlich ausgeschlossen. Wir sind der An­sicht, daß die deutsche Regierung Maßnahmen er­greifen und gegen diese hohen Kosten ganz energisch protestieren muß. D- Red.)

Erzberger über den Waffenstillstand.

Radolfzell. 10. Jan. In einer Zentrumsver­sammlung sprach hier gestern der Reichsfinanz- e r ger. un^Jefonbercr Betonung seiner Mitwirkung an dem Zustande­kommen des Waffenstillstandes. Erzberger benutzte die Gelegenheit zu einer eingehenden Rechtfer­tigung seines damaligen Verhaltens und sagte, es sei im Jahre 1917 versäumt worden, über die Wiederherstellung Belgiens ein offenes Wort zu sagen. Ludendorff habe noch im Oktober 191L die Bereitstellung von 600 000 Mann innerhalb eines halben Jahres gefordert, was aber unmöglich gewesen sei.Niemand habe gesagt, daß der Ver­sailler Frieden gerecht sei, aber dennoch sei die Unterzeichnug des Waffenstillstandes und des Vertrages von Versailles eine nationale Tat ge­wesen, weil dadurch das Auseinanderfallen des Reiches verhütet wurde. Das deutsche Volk besitzt auch heute noch zahlreiche Freunde, auch bet Heilige Stuhl sei von Wohlwollen für Deutsch­land erfüllt. Fast alle Staaten unterhielten mit dem Heiligen Stuhle diplomatische Beziehungen, :vas für die Bedeutung der römischen Kurie spreche. Ohne das Eintreten des Heiligen Vaters hätten sich manche Erleichterungen für das deutsche Volk nicht erreichen lassen und auch heute noch sei Rom diejenige Macht, die fortgesetzt, wenn auch nicht in die Augen springend, auf die Unmöglich­keit des Friedensvertrages von Versailles hin­weift. Die Revision des Friedensvertrages fei keine parteipolitische Frage, sondern eine Volks­frage im besten Sinne des Wortes. Erzberger for­derte, daß das Reichsgericht mit der Ä b u r t e i - lung der Kriegsverbrecher endlich be­ginn«, um auch auf diesem Gebiete den Willen Deutschlands zur Erfüllung der Vertragsver­pflichtungen kundzutun.Nur dadurch, daß wir uns bemühen, den Vertrag zu erfüllen, könnten wir auf Erleichterungen hoffen." Wenn anderer­seits die Alliierten kein genügendes Beweismate­rial herbeibringen könnten, so soll man das vor aller Welt aussprechen. Eine Besserung unserer wirtschaftlichen Sage verspricht sich Erzberger von der Einführung einer einjährigen Ar­beitsdienst Pflicht für alle jungen.Männer. Einen sehr erheblichen Teil des jetzigen Defizits könnte die Landwirtschaft aufbringen, allerdings unter der Voraussetzung einer Verbilligung der Düngemittel, durch eine intensive Produktion. Parteipolitisch hält der Redner den Weg Steger­walds nicht für richtig. Er fürchtet, daß viel Gutes zerstört und nichts Besseres an feine Stelle gesetzt wird

Die ersten Kriegsverbrecher".

Leipzig, 10. Jan. Der zweite Strafsenat des Reichsgerichts, der mit der Aburteilung der so­genannten Kriegsverbrecher betraut ist, beschäf­tigte sich mit den drei ersten Fällen dieser Art, und zwar handelte es sich nicht um auf der Aus- lieferungslist« stehende Personen, sondern um solche, beten Straftaten von anderer Seite zur Kenntnis des Reichsgericht? gelangte und von diesem nach dem Gesetz vom 5. Dezember 1919 zu erledigen finb- Ange.lagt waren der Zimmermann 'ietrWj Lettmann aus der Gegend von Emden, der Schlosser Paul Niegel aus Ber­lin und der Stifter Paul Sangerhauser

aus Marienwerder bei Potsdam. Die Angeklagten zogen im Oktober 1918 als Pioniere in das beligsche Städtchen Edingen in der Nähe von Lille ein. Am 30- Oktober abends besuchten st« eine Anzahl Lokale und drangen schließlich gegen 12 Uhr gewaltsam in die Wirtschaft des Herm Conen ein. Nachdem Lettmann den aus dem Schlafzimmer heruntergeholten Wirt mit ent­sichertem Revolver und Niegel ihn mit dem Sei­tengewehr bedroht hatten, sodaß er auf die Straffe flüchtete, gingen alle drei Angeklagten nach dem ersten Stock, erbrachen und durchwühlten mehrere Behältnisse, stahlen eine größere Geldsumme und eine Anzahl Wertsachen und warfen die Wäsche und Kleider im Zimmer umher. Durch einen .Hauptmann und mehrer« deutsch« Soldaten wur­den Lettmann und Niegel sofort nach der Tat feftgenommen. Die Beweisaufnahme in der heu­tigen Verhandlung ergab den obigen Sachverhalt. Tas Gericht erkannte alle Angeklagten der Plün­derung nach den Paragraphen 129 und 133 des Militärstrafgesetzbuches für schuldig und ver­urteilte Lottmann zu fünf, Niegel zu vier Jahren Zuchthaus und Sangerhauser zu zwei Jahren Gefängnis. Gegen Lettmann und Niegel würd« außerdem auf Ehrverlust auf die Dauer von zehn Jahren erkannt. *

Der Kifferuf der österr. Beamten.

Wien, 11- Jan. Die gestern dem General­sekretär der österreichischen Sektion der Repara- tionskommission übermittelte Denkschrift des Zen- tralüüros der österreichischen Staatsangestellten- Vereinigungen verweist zunächst darauf, daß es einem internationalen Areopag aufgrund des St. Germainer Friedens obliege, nicht nur für die Wiedergutmachung zu sorgen, sondern auch die Lebensnotwendigkeit erst sicher zustellen. Die Be­amtenschaft sei zu der Ueberzeugung gelormriA», daß der Staat nicht mehr über die erforderlichen Mittel verfüge, um das Einkommen der Beamten­schaft entsprechend dem verteuerten Lebensunter­halt zu erhöhen. Die Streiks der Staatsangestell­ten seien keineswegs eine politisch«, oder soziale Mutwilligkeit, sondern Ausdrücke tiefster Ver­zweiflung. Die Mächte müssen sich -so rasch als möglich entschließen, die Vorschläge Sir William. Goodes in eine befteiende Tat umzusetzen Di« Lebensmittelkredite allein genügen für den Wie­deraufbau Oesterreichs jedoch nicht, da es lang­fristiger Kredite bedürfe. Die Denkschrift stellt schließlich in vollem Bewußtsein die Tragweite dieser Erklärung fest, daß, wenn den zu 8 Zehntel halb verhungerten Bundesangesicllten nicht in kürzester Zeit die Möglichkeit gewährt werde, sich einigermaßen zu ernähren, heute oder morgen mif einem Verzweiflungsausbruch gerechnet wer­den müsse, der das Ende dieses bedauernswerten Staates bedeute. Das Aufhören Oesterreichs in seiner heutigen Gestalt werde aber auch das End« jenes politischen Systems sein, das durch den Friedensverttag geschaffen wurde.

PsMsche Tagesberichre.

Zur Lohnbewegung im mitteldeutschen Braunkohlengeâiet. Bekanntlich haben die mitteldeutschen Bergarbeiter ein Ultimatum an die Arbeitgeber ynb an die Regiemng gerichtet, bis zum 15. Jasiuar d. Js. die Forderungen der Bergarbeiter zu bewilligen. Die Arbeit­geberverbände haben die Forderung der Er­höhung des Schichtlohnes von 10 auf 15 Mk. mit der Begründung abgelehnt, daß ihnen die Kohlenpreiserhöhung vom Reichswirtschafts- minifterium versagt worden sei. Um zu einer Verständigung zu kommen, haben die Arbeit, geberoerbände des Akittelseutschen Braunkohlen- gebiets einer Einsetzung eines Schiedsgerichts nicht widersprochen. Morgen Mittwoch be­ginnen in Halle die Verhandlungen zwischen den Arbeitgeberverbänden und den beteiligten Berg- arbeiterorganisationen, zu denen auch einige Betriebsodleute und jedenfalls auch ein Ver­treter der Regierung hinzugezogen werden.

Das Wettrüsten zur See. Nach einer Ha» vasmeldung aus Washington besagt eine in den Händen der amerikanischen Regierung befindliche Uebersicht, d- England bis 1. Januar 32 Pan­zerschiffe und Panzerkreuzer mit einer Gesamt- tonage von 811 050 Tonnen besaß, die Vereinig­ten Staaten 16 Panzerschiffe und Kreuzer mit 300 000 Tonnengehalt, Japan 9 Panzerschiffe und -Kreuzer mit 267 520 Tonnen. 1924 werden die genannten Schiffskategorien in den drei Län­dern nach den bisherigen Plänen folgendermaßen vertreten sein: England unverändert, die Der- einigten Staaten 27 Schiffe mit 983 000 Tonnen. Japan mit 16 Schiffen von 526 920 Tonnen. Wan erwartet, daß 1927 Japan 24 Großkamvf. schiffe mit einer Gesamttonage von 848 920 be­sitzen wird, während die Streitkräfte Englands und Amerikas unverändert bleiben.

(Weitere Politische Nachrichten Seite 3.)