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Anzeiger
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Nr. 5
Freitag den 7 Januar
1921
Das Neueste.
— Die Entente fordert von Deutschland nach lauf de» Spa-Abkomme»S Kohlenliefcrxngen, die
Ab- von
deutscher Seite unausführbar bezeichnet werden.
— Der NelchSvcrkebrSm Zister hat den EinigungS- oorfchlag mit den Eisenbahnern gebilligt und ihn der -irich-regierung zur Annahme empfohlen.
— Im sächsischen Landtag kam c» zu wüsten Tumulten, ebenso in der Berliner Stadtverordnetenversammlung.
— Die Flensburger Sozialisten und Unabhängigen lehnten ein fernere« Zusammenarbeiten mit den Kommunisten ab.
— Nach einer Londoner Meldung hat die Polizei ein Komplott der Sinnfeiner aufgcdcckt, da» bezweckte, tat Tower in die Lust zu sprengen.
— Spanien beabsichtigt eine zweijährige Militär- dienstzeit einzuführen.
SUH gegen -le Frle-ensverlräge.
Die Ausführungen italienischer Staatsmänner und sonstiger wichtiger Persönlichkeiten in der letzten Zeit waren von nicht allzu freundlichem Geist gegen Deutschland getragen. Noch immer fühlt man die Mauer von Kriegsphrasen und Gedankenlosigkeit, die den Blick auf Deutschland verzerren und die Verständigung im Grunde zu einer recht einseitigen machen. Dies hat sich insbesondere bei den Verhandlungen im Senat über den Vertrag von Rapallo gezeigt, als Senator Barzilai und einige andere Senatoren die Haltung Frankreichs in der Völkerbund-Frage restlos gebilligt haben. Auch in manchen italienischen Köpfen spukt noch immer der Gedanke, Deutschland habe tatsächliche Garantien für die aufrichtige Absicht zur Erhaltung und Ausführung ues Friedensvertrages noch nickt aeaeben. Um so mehr muss den Aeußerungen eines so bedeutenden Staatsmannes wie des ehemaligen Ministerpräsidenten Francesco Nitti, der über eine bedeutende Gefolgschaft in den politischen Kreisen und in der Oeffentlichkeit verfügt, große Bedeutung beigemessen werden. Schon vor einigen Wochen gab Nitti in der United Preß Erklärungen ab, die, soweit sie für Deutschland von Belang waren, zum Teil Deutschland sogar von der Kriegsschuld entlasteten und gute Beziehungen zwischen Italien und Deutschland als unbedingt notwendig hinstellen.
Der Korrespondent des „Thewi" Tel.-Vüro nahm die Gelegenheit der Jahreswende zum Anlaß, um Nitti über seine Meinung über aktuelle Fragen in der europäischen Politik zu befragen. Nitti gewährte folgendes Interview:
„Ich halte das Jahr 1920 für ein Jahr der knttäuschungen für Europa. Die Lage Euro- ms verschlimmert sich von Jahr zu Jahr, ikeberall sind Arbeitsgeist, Ordnungssinn und Disziplin äußerst geschwächt, nicht nur bei den Besiegten, fast in demselben Maße auch bei den Siegern. Niemals gab es so wenig Arbeitslust, so viel Streiks, so großen Zwiespalt zwischen den sozialen Klassen. Europa befindet sich in wirtschaftlicher und moralischer Krisis. Der Krieg hat Industrie und Handel zerstört, der Friede hat diese Zerstörung noch vervollständigt. Kein vernünftiger Mensch in Europa kann glauben, daß die Friedensverträge das Leben in Europa wiederherzustellen vermögen. Der Glaube, daß die Besiegten eine unbegrenzte Reihe von Jahren unbewaffnet für die bewaffneten Sieger arbeiten sollen, ist eine wirtschaftliche Illusionen und eine sittliche Verwirrung, die baldigst verschwinden muß, wenn Europa Nicht dem vollständigen wirtschaftlichen und moralischen Untergang entgegengeführt werden soll.
Der Sieg ist nicht allein durch die militärische Kraft der Alliierten errungen worden, sondern vor allem durch die wirtschaftlichen Maßregeln, die gegen die Besiegten angewendet wurden. Der stärkste Alliierte war der Hunger. Erst jetzt kennen wir den Grad von Elend und Entbehrungen, wozu die Mittelmächte während des Krieges durch uns verbannt waren. Großbrittannien hat einen Todes- ring um das Land gelegt und Amerika mit seinen unerschöpflichen Quellen hat den Krieg entschieden. Nun hätte Amerika die Schuld und Verpflichtung, das sogenannte Friedens- Werk, durch das die europäische Lage noch ge- söhrlicher geworden ist, das hauptsächlich dem Präsidenten Wilson zu verdanken ist, Europa auf die Füße zu helfen. In Europa fehlt es an Rohstoffen, kein Land in Europa hat günstige Valuta. Nichts ist besser wie Gemeinschaftlichkeit in der Weltwir.schäft. Die Krankheit der Schuldner, in diesem Falle die V = [legten, hat auch die Gläubiger, in diesem Falle me Sieger, erfasst.
Die Vereinigten Staaten haben in her neueren Geschichte eine Stellung, die sie unbe
dingt ausnützen müßten. Nicht mit Waffen, son- bern mit wirtschaftlicher Zusammenarbeit muß für den Frieden und den Wiederaufbau der Völker gesorgt werden,, ohne den kein Friede möglich ist.
Aber nicht nur Amerika, auch Frankreich hätt« di« Pflicht, feinen Wahn aufzugeben und nicht mehr von dem Imperialismus Deutschlands zu faseln, sondern die Blicke auf seinen eigenen Imperialismus zu richten. Es ist wahr, Italien ist in den Krieg eingetreten gegen den deutschen Imperialismus, trotzdem Italien keinen Haß gegen das deutsche Volk hegte, jetzt erleben wir aber ein Beispiel, daß ein neuer noch gewaltigerer, noch gefährlicherer Imperialismus, der französische, als Folg« des Krieges entstanden ist.
Dieser Umstand hat zwischen Italien und Frankreich eine gewisse Verstimmung verursacht. Tenn der französische Imperialismus bedroht nicht nur das Land mit der Vernichtung, sondern will auch die Lebensmöglichkeit Italiens abschn«iden. Ueber 30 Jahre lang hat Italien eine Meng« feiner landwirtschaftlichen köstlichen Produkt« an Deutschland verkauft. Nun befindet sich Italien in völliger Isolierung. Di« Haltung ber französischen Treffe zeigt das geringe Verständnis der Italien betreffenden Erscheinungen.
Nuch die griechische Frage war nicht dazu angetan, das Verhältnis zwischen Frankreich und Italien zu bessern, da Italien nicht in ber Lage war, bie ausgezeichnete Haltung einzunehmen, die Frankreich bekundet hat. Daß Italien kein besonderer Freund Veniselos war, war klar auch schon vor dem Sturz dieses Staatsmannes- Aber auch ebensowenig war man in Italien mit ber Lösung der anatolischen, syrischen und mesopotamischen Frage zufrieden. Diese Lösungen sind aber auch, «in , ^Ä M^ sichtig bie europäischen Fragen in den Friedens- Verträgen behandelt wurden. Man muß Oesterreich nur einmal ansehen, wie dieses Staatsgebilde ohne jede Lebenskraft auf di« Bettelei und ausländische Hilfe angewiesen ist, um nicht vollständig zu verhungern, und man bekommt ein Bild dessen, wie die Staatsmänner in Warschau, St. Germain und Trianon die Friedensdiktate gemacht haben, sie sollen sich bewußt fein, eine vollständige Verwirrung und den wirtschaftlichen Ruin des ganzen Kontinents herbeigeführt zu haben. Die Fortdauer der gegenwärtigen Lage ist nicht nur für Europa, sondern auch für die Vereinigten Staaten ein Schaden und künftig eine Gefahr. Die Besiegten müßten von ben Siegern kein« feindlich«, sondern eher eine freundschaftlich« Behandlung erfahren. Deutschland und die Nach- folgostaaten von Oesterreich und Ungarn, müssen ihre Produktion wieder aufnehme» können, und dazu muß Amerika im Verein mit den Sieger- staaten helfen. Ich hoffe, daß das Jahr 1921 in diesem Sinne bedeutend weitere Fortschritte bringen wird, als dies im heurigen Jahre der Fall war."
Verschärfte Kohlenförderungen.
Das Ergebnis der bisherigen Verhandlungen zwischen den deutschen Delegierten und der Reparationskommission über die Regelung der deutschen Kohlenlieserungen nach Ablauf des Spa- Abkommens ist nach Mitteilung der zuständigen Stelle durchaus unbefriedigend. Die Reparationskommission teilte in einer Note vom 27. Dezember der deutschen Kriegslastenkomunssion als die von ihr in Aussicht genommene Regelung folgendes mit:
1. Mit Rücksicht auf die Transportschwierigkeiten bestehe die Wahrscheinlichkeit von Rückständen ih den deutschen Kohlenlieferungen auf Grund des Spaabkommens. Sie sei damit einverstanden, daß die Rückstände im Februar und März mit je 250 000 Tonnen je Monat ausgeglichen würden, die in diesen Monaten ohne Anrechnung auf die sonstigen Lieferungen vorweg zu liefern seien.
2. Für die Monate Februar und März 1921 solle Deutschland außer diesen Rückständen 2,2 Millionen Tonnen monatlich liefern. Derjenige Teil dieser 2,2 Millionen Tonnen, der von Deutschland trotz aller Bemühungen âus irgendeinem Grunde nicht abtransportiert werden könne, solle zur Verfügung der Reparalionskommis- sion gelagert und später nach den Wünschen der Kommission beschleunigt abtransportiert werden. Geschehe das, so werde dak einer Erfüllung der Lieferungen in den Monaten Februar und März gleichgeachtet.
• Staatssekretär Bergmann hat darauf auf Anweisung der deutschen Regierung der Repa- rationskymmission mitgeteilt, .daß die deutsche Regierung nicht in der Lage sei, sich mit dies«rRegeIung einverstanden zu erklären, vielmehr ihren der Reparations- kommission in eingehenden Verhandlungen dar
gelegten Standpunkt, daß die deutsch« Leistungsfähigkeit nicht einmal an die in Spa festgesetzten Mengen heranreicht, aufrecht erhalten müsse. Si« werde spätestens Mitte Januar «ine zusammenfassend« Darlegung ihres Standpunktes übermitteln. Es handelt sich dabei um eine bereits seit langem in Vorbereitung befindlich« Denkschrift über die Wirkungen des Kohlenabkommens von Spa. Bekanntlich hatte die deutsche Regierung in Voraussicht der seit November bestehenden Transportschwierigkeit«», um jede Möglichkeit zu versuchen, die in Spa übernommenen Verpflichtungen zu erfüllen, im Oktober das Liefersoll von 2 Millionen Tonnen erheblich überschritten. Der abnorme Tiefstand des Rheins und die dadurch herbeigeführte Verschärfung des auch bei normalen Verhältnissen im letzten Kalendervierteljahr des Jahres regelmäßig eintretenden Wagenmangels haben trotz dieser Vor- lieserungen die Unmöglichkeit herbeigeführt, die in Spa notgedrungen und gegen bessere Ueberzeugung übernommenen Verpflichtungen auf Lieferung von 2 Millionen Tonnen ohne Rücksicht auf die Zahl der Arbeitstage im Monat zu erfüllen. Die Klagen der deutschen Industrie, namentlich der Metall- und Textilindustrie, der chemischen Fabriken usw. über unzureichende Versorgung dauern trotz der gestiegenen Förderung und der erfolgreich durchgeführten Umstellungsmaßnahmen auf Rohbraunkohle fort. Dabei wird die Aufrechterhaltung dieser erhöhten Förderung durch die andauernd ungünstige Ernährungslage der Bergarbeiter ernstlich gefährdet. Statt diese Tatsachen durch eine vernünftige Begrenzung unserer weiteren Lieferungen zu berücksichtigen, wird von uns nicht nur die restlose Nachlieferung alles dessen verlangt, was wir ohne unser V«r- ^chulden nicht Bi^ Ende Januar werden abgeliefert haben, sondern wir sollen uns sogar damit einverstanden erklären, die Liefermengen noch selbst über die trotz aller Anstrengungen nicht er- reicyte Liefermenge des Spa-Abkommens zu erhöhen. Dazu kommt, daß gleichzeitig Bestrebungen im Gange sind, entgegen der uns von Lloyd George und Delacroix in Spa in feierlichster Form gegebenen Zusage, die Kohlenmeng« aus Oberschlesien, deren erhöhte Inanspruchnahme für Deutschland während des Spa-Abkommens bisher kaum stattgefunden hat, noch weiter^ zu kürzen. Ferner besteht auf alliierter Seite bisher so gut wie gar keine Neigung, die Kohlenvorschüsse, ja selbst die sogenannten Goldmarkprämien weiter zu zahlen, deren Bewilligung einer der wesentlichsten Gründe dafür war, daß wir schließlich dem Abschluß des Kohlenabkommens von Spa zustimmten. Die deutsche Regierung wird alles versuchen, um auf Grund eingehender sachlicher Darlegungen die Alliierten davon zu überzeugen, daß die jetzt von der Reparationskommission ausgestellten Forderungen weit über das Maß des Möglichen und Vernünftigen hinausgehen.
Angesichts der verschärften Kohlenförderungen der Entente weist der „Vorwärts" erneut darauf hin, daß die Kohlenbelieferung der deutschen Industrie infolge des Spa-Abkommens unzureichend gewesen ist. Weiter erinnert das Blatt daran, daß die Bergarbeiter trotz der schlechten Ernährungslage durch Verfahren von Ueber- f-ftWen alles aufgeboten haben, um nicht nur die Lieferungen an die Entente zu erfüllen, sondern auch die katastrophale Kohlennot der deutschen Industrie zu hindern. Sie hätten dadurch verhindert, daß ihre in anderen Gewerbezweigen beschäftigten Klassengenossen nicht noch mehr wegen Kohlenmangels feiern mußten. Tas Vorgehen der Entente sei nichts anderes als eine Strafe für die Bergarbeiter. Es sei mindestens fraglich, ob die deutschen Bergarbeiter und di« Bergarbeiter-Nationale dem tatenlos zusehen werde. Das Blatt warnt davor, den Bogen zu überspannen.
Zur Enlwafsnungsfrage.
Paris, 6. Jan. Der Londoner Korrespondent reS „Platin" will an» unterrichteten englischen Kreisen erfahren haben, man sei englischcrieit, geneigt, die Einwohnerwehren in Bayern und Ost - Preußen in je drei Perioden von drei Monaten auflöfen zu lassen, sodaß also die gesamten Freiwilligenvcrbäiide in Deutschland Ende 1921 verschwinden würden.
Paris, 6. Jan. Die Radio-Agentur veröffentlicht folgende Depc'chc auS Washington: Die Regierung der Vereinigten Staaten prüft augenblicklich die Haltung, die sie offiziell emnehmcn wird angcsichl» de« Verlangen» der französischen Regierung, von .Deutschland die stritte Durchführung der in Spa vereinbarten Entwaffnungsklanseln zu verlange!». Dar Staatsdepartement habe seine Ansicht über eine cveiitl. Besetzung des Ruhrgebiets zu erkennen gegeben. Der Standpunkt der Bereinigten Staaten scheine über diesen Gegenstand zu sein, daß Deutschland in dem Maße, in dem die Umstände es ihm gestatten, «brüstet und daß el gut sei, ihm eine
neue Frist zu gewähren. Die Temp« gibt diese Nachricht unter Reserve wieder.
Tevering für die Beibehaltung der jetzige« . P-lizeiftârt«.
Berlin, 6. Jan. Im HsuvtouSschuß bet preußische« Landcrverlammwng sagte der Minister derJnnern gegenüber der Extentenote vom 24. Dezember, er habe ein sehr gutes Gewissen. Alle Anordnungen der Polizei seien mit ausdrücklicher Zustimmung bei bevollmächtigten Vertreter» bei General» Rollet getroffen worden., An der gegenwärtigen Stärke und Bewaffnung bet/ Polizei sowie an einer gewissen Beweglichkeit müsse f st.rehalten werden. Andernfalls könne kein Minister Die Verantwortung für die öffentliche Sicherheit tragen,
Aus Sowjelrutzland.
Deutsche und amerikanische Arbeiter für Nuß« land. — Der Svwjetor-en.
Moskau, 4. Jan. In einer amtliche» Kundgebung beißt e»: Die Regierungen bei Westen» sehen die Befestigung der Sowjetmacht. Die englische Regierung berfuAt die Unterzeichnung bei Handelsverträge» hinauSzuschieben. Da» hindert aber die englischen Industriellen nicht, auf eigene Gefahr uni Waren zu schicken. Der Handel mit den neutralen Ländern nimmt immer mehr zu, besonder» aber mit Schweden. Die bürgerlichen Regierungen bei Westens fühlen die Stärke Sowjetrußland». Milli»« neu von Arbeiter des Westen» werden den revolutio« nâren Weg bei Kommunismus einschlagen. Viele Millionen ber unterdrückten Massen der Völker bei Westen» richten ihre Blicke nach Sowjetrußland. Da» geben sogar die bedeutendsten bürgerlichen Zeitungen Frankreichs zu. Wir müssen die Stärkung der, Sowjetrepublik völlig durchführen. Jede» in Betrieb gesetzte Werk, jeder Schornstein, jede» Stückchen wieder gepflügten Lande» und jede geringste Erweiterung der Anbaufläche bei Lande» sind glänzende Siege, welche da» internationale Gewicht ber ersten proletarischen Republik erhöhen. Zur Unterstützung unserer In- buftrie ist eine intensive Vorbereitung zur Aufnahme Don Sozialmt» aus Teutichiaud. m Die Wege stiertet worden. ES wird beabsichtigt, an» Deutschland 5000 Spezialisten anzufordern, ba"on 4000 für bie Metallindustrie, 800 für da? Lolkrkommisseriat für Gesund- heitrwesen. Um für die Abteilungen der Wirtschaft», röte vorbildliche Mustcrkommuncn in dem Bezirk von Moskau zu organisieren, sind 200 Markst «»gefordert. Aus Amerika »erben auber den bereit» angekommtnr« 150 Emigranten, von denen bie Mehrzahl bereit» an der Arbeit ist, weitere grossere TianSpirte erwartet, für welche eine Uatcrknnit von 4000 Mann bereit- gestellt ist. AuS den vorher Angekomm«»»» wurde eine Gruppe von Bergarbeitern für bei Doncz-Becken zusammengestellt. Es wurde auch eine Gruppe von Spezialisten für das Motorwcscn im Bergbau ausgestellt, in welche Arbeiter der berühmten amerikanischen Automobiftabrik Ford Eingang fanden.
MoSka», 4. Jan. Der achte Rätekongreß h«t auch einen Antrag RykowS angenommen, W Erfolge an bet Arbeitsfront den Orden ber Steten Fah»« zu stiften.
Politische Tagesberichte.
— llitrtthett im Berliner Sta»tpM»««nt. In der gestrigen Siabtoererbnetenügung rief die Ab- letmung eines kommunistischen Anträge», der die Einstellung bei gegen die der Sabotage beschuloigten Elektrizitätlarbeiter eingeleiteten Verfahrens auf Dienst- entlasiung forderte, schwere «ulf^rettungex »er Tri- bünenbeiueber hervor. Al» der Vorsteher die Räumung der Tribüne anordnete, schrien die Tnöüneugaste wüste Teschimpsungen in ben Saal hinunter und warfen mit Stinkbombe» nach den Stadtverordnete». Die wenige» Diener waren nicht in der Sage, bie Tribüne zu räumen und bie Stadtverordnete» sahen sich zur Flucht in den Vorsaal genötigt. Nach stunden- langer llnterbredning traten sie in einem anderen Saal wieder zusammen. Während dessen stimmten bie Tribünenbesucher gemeinsam mit den 'N Sitzungssaal verbliebenen kommunistischen Stadtverordneten bie Internationale an. Mit einem dreifachen Hoch auf die Internationale zogen sie schlichlich ab. — Und diese Zustände in einem Parlament mit einer fo|ia» lästischen Mehrheit!!
— Sturmszener» im Gachf«nparl«ment.
Zu Beginn ber geftr gen ersten Sitzung bei sächsischen Landtags nach der Fericnpallse verlangten die Kom- niv nisten stürmisch bie sofortige Beratung ihre» -in- trag! betreffend die Unterstützung der Erwerbsloicn, der gegen den Willen bei Präsidenten unter großem Lärm auf den Tribünen verlesen wurde. Der T»mult steigerte sich derart, daß ber Präsident sich kaum mehr verständlich machen konnte. Der kommunistische Ab- geordnete Renner wies auf die getroffenen polizeiliche» Maßnahmen hin, die erneut wilde Pfuirufe hervor- rief und beantragte, daß ber Präsident den Antrag bctr ffend bie Unterstützung der Erwerbklosen mrou auf die Tagesordnnvg setze und auch sofort eine Av» ordnung der Erwerbslosen im Hause empfange. Stete Anträge wurden vom Hau^e abgelehnt. Unter andauerndem ungeheuren Lärm sah sich ber vraftbent gezwungen, die Sitzung zu unterbreche». . iSachiog besitzt bekanntlich feit kurzem eine rein lozlalraiMuche Regierung und eine sozialistuch-kommunnnschc Mehrheit im Sanbtag. Und trotzdem Tumulte. Arbeiter, geht dir noch immer kein Licht auf V)
— Italic» verweigert die «inrci,eerlaub- ni» für rufftf^e Warnten. Wie au, Rom ge« nikldct wirb, verweigerte bie italienische Regierung den ru 'fischen Bolschewist-n Sinowje«, Bucharin und Balabanow, die an beni italienischen Sojialiftenfongreä teilncbmcn wollten, das Paßvisum.
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