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Anzeiger
General-Anzeiger -----
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AmMches Organ für Stadl- und Landkreis Sana« I Reklamen August Brodt. alle in Hanau am Main. I Rotationsdruck der Waisenbausbuchdruckerei Hanau.
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage
Nr. 3
Mittwoch den 5. Januar
1921
Das Neueste.
— Der Sechzehner-AuSschuß der Eisenbahner fordert auf, Aktionen zu unterlassen, um die Verhandlungen nicht zu stören.
— Der Handelsvertrag zwischen England und Rußland liegt zur Unterzeichnung bereit.
— Bei einem Zusammenstoß in London zwischen Polizei und Arbeitslosen wurden gestern 6 Polizisten und 10 Arbeitslose verwundet.
— Der Generalkommissar hat für Elsaß-Lothringen ein Verbot für öffentliches Austreten fremdländischer bolschewistischer Agenten erlassen.
Löhne und Leistungen.
Die deutschen Eisenbahner ringen um erträg- ltche Daseinsbedingungen. Sie stellen Lohn- und Gehaltsforderungen auf, deren Bewilligung den Fehlbetrag im Reichsverkehrswesen beträchtlich erhöhen würde. Der Finanzminister des Reiches wehrt sich gegen Neubelastungen der Reichskasse. Mit der fritieren Auszahlung der Beamtengehälter (am 15. Dezember statt am 1. Januar) ist die Lösung des Problems nicht erreicht, sondern nur um Wochen verschoben worden. Man spricht davon, daß künftig die Gehaltszahlungen in der Mitte des Monats stattfinden sollen, um den Beamten nicht zumuten zu müssen, daß sie mit einem am 15. ausgezahlt-en Gehalt den Rest des laufenden und den ganzen nächsten Monat auskommen müssen. Die Eisenbahner haben mit Streik gedroht, wenn ihre Forderungen- nicht bewilligt werden. Die Urabstimmung hat eine wesentliche Mehrheit für den Streik ergeben. In vielen Gegenden des Reiches macht sich bereits ein bedenkliches Nachlassen der Arbeitsenergie bemerkbar, was man mit dem Ausdruck „passive Resisten,* bezeichnet.
Unsere Wirtschaftsnot ist in erheblichem Maße eine Verkehrsnot. Die Rückständigkeit in der Erfüllung der Spaer Kohlenlieferungen ist zum großen Teil eine Folge der .unzureichenden Waggongestellung in den Kohlengebiten. An einem Dezembertage mürben für den westlichen Jndustriebezirk sogar über 8500 Waggons weniger gestellt, als angefordert waren. Die Kohlennot in zahlreichen Gegenden des Reiches ist in erheblichem Gmde auf Verkehrsschwierigkeiten zurückzuführen. Wollte man also nur die Bezüge der Eisenbahner erhöhen, so würde man damit vielleicht für einige Wochen die passive Resistenz beschränken, nicht aber die so unbedingt notwendige Mehrleistung sichern. Es liegt daher nahe, die Lohn- und Gehaltserhöhung der Eisenbahner von einer Leistungserhöhung abhängig zu machen. Wie das im einzelnen geschehen könnte, kann nicht für das ganze Reichsgebiet einheitlich festgesetzt werden. Es empfiehlt sich, in einzelnen Reichsteilen praktische Versuche anzustellen: Hierfür eignet sich besonders das Ruhrgebiet, wo ja bereits die Bergleute seit Monaten in erheblichem Umfange Mehrarbeit leisten. Eine Steigerung der Tarifsätze für Fracht- und Personenverkehr ist nur in gewissen Grenzen möglich. Das meiste muß durch eine Arbeitsreform im Verkehrswesen eingebracht werden.
In Arbeitnehmerkreisen ist man nur wider- villig bereit, Abweichungen vom Achtstundentag wzustimmen. Die mehr als zweijährige Erfahrung in der Anwendung des Achtstundentages hat gezeigt, daß er an zwei Bedingungen geknüpft ist: 1. an das Vorhandensein einer kontinuierlichen, jederzeit abzubrechenden Arbeit, 2. an den Stand der Wirtschaft eines Volkes überhaupt. Das Verkehrswefen läßt sich nicht in drei tägliche Achtstundenschichten einieilen — ebensowenig wie der Landbau und die Arbeit in zahllosen freien Berufen. Weiter zwingen uns die Ansprüche der lusländischen Gläubiger zu Mehrleistungen über den eigenen Bedarf hinaus. Bisher sind diese Leistungen fast ausschließlich vom deutschen Volksvermögen und von den deutschen Produktionsmitteln genommen worden. Dauert diese Praxis fort, so wird Deutschland in absehbarer Zeit nur noch 30 Millionen Menschen (gegenüber jetzt 60 Millionen) in seinen Grenzen .beschäftigen und ernähren können. Wohl gibt es Schädlinge, die gewaltige Einkünfte beziehen, indem sie ihre Volksgenossen bewuchern. Es ist aber eine falsche Politik, wenn man daraus höhere Ansprüche der Arbeitendem ableiten wollte. Der richtige Weg ist: Den Bainpyren das Handwerk zu legen, aber für alle Arbeitenden den. Grundsatz festzuhalten: Der Lohn muß der Leistung entsprechen.
Der GechzeKner-AttSschust der «isenbahner mahnt zur Besonnenheit.
Der Scchzehner-AuSschuß der Vereinigten Eisen- bahnerv-cbände erläßt folgenden Aufruf an die Eisen- Hahner :
An die Eisenbahner!
Die Regierung hat die Bereitwilligkeit auSge- -rochcn, innerhalb der Grenze bei Möglichen aller
zu tun, um die Notlage der Beamten und Arbeiterschaft zu heben. Die Regierung ist auch gewillt, die Verhandlungen mit besten Kräften zu beschleunigen und im Benehmen mit den Ländern so rasch wie möglich eine Vorlage in den Reichstag zu bringen, der sie gleich vorzugsweise verabschieden wird. Wir fordern sämtliche Eisenbahner auf, das Zustandekommen befriedigender Vereinbarungen jetzt nicht zu stören und deshalb Aktionen z« unterlassen.
Deutscher Eisenbahner - Verband, ReichSgewerkschast deutscher Eisenbahn-Beamten und -anwârter, Gewerkschaft deutscher Eisenbahn- und Staatsbediensteten, Allgemeiner Eisenbahnerverband.
Die Enlwassnungsfrage.
Der englische Standpunkt.
Paris, 4. J«m. Das Reuterfch-e Büro veröffentlichte gestern abend, wie das „Journal" meldet, eine längere Erklärung über die Entwaffnung in Deutschland. In der Erklärung wird u. a. gesagt: Der englische und der französische Generalstab seien in der Frage der Entwaffnung Deutschlands vollkommen einig. Ihre Ansichten gingen nur auseinander» hinsichtlich der Fristen, in der die deutschen Formationen aufgelöst werden sollen. England betrachte die Lage hinsichtlich der Zerstörung und Ablieferung der Waffen für befriedigend. In der Erklärung wird zugegeben, daß verschiedentlich Waffen in Deutschland versteckt gehalten werden. England wünsche wie Frankreich, daß diese Waffen ebenfalls abgeliefert würden, aber die englische Regierung habe auch die Schwierigkeiten im Auge und könne sich noch das Chaos in Deutschland vorstellen, das 1919 und zum Teil auch noch 1920 geherrscht habe. In dieser Beziehung könne Deutschland nicht selbst absolut verantwortlich gemacht werden. Vereinzelte Verfehlungen Mzen das Entwaffnungsabkommen könnten der deutschen Regierung nicht zur Last gelegt werden, doch sei der englische militärich« Standpunkt der. daß die Kontrolle der Alliierten bis zur vollkommenen Entwaffnung Deutchlands fortgesetzt werden müsse. Die Erklärung sagt weiter, England und Frankreich seien einig über die Notwendigkeit, daß das Abkommen von Spa betreffend der -Sicherheits- und Ordnungspolizei durchgeführt werden müsse. Eine leichte Meinungsverschiedenheit besteht dagegen zwischen England und Frankreich in Bezug auf die Einwohnerwehren und die Orgesch. England glaubt wie Frankreich, daß diese Organisationen verschwinden müssen, aber in England glaubt man nicht, daß dies so rasch erfolgen kann, wie Frankreich zu wünschen scheint. Es sei notwendig zu betonen, daß in der Entwaffnungsfrage dieser Organisationen Marschall Foch und Marschall Wilson nicht absolut einer Meinung seien. Die wichtigsten Zentren für diese Freiwilligen-Organisatio- nen seien Ostpreußen und Bayern, aber in den beiden Gegenden bestehe Grund, den Bolschewismus zu befürchten, was in den Augen Englands die Erhaltung dieser freiwilligen Organisationen augenblicklich in diesen Gegenden berechtigt mache. Eine sofortige Auflösung dieser Freiwilligenverbände könne deshalb im gegenwärtigen Augenblick als unerwünscht erscheinen. Nach Ansicht der englischen Regierung würden jedoch besonders in Bayern mehr Freiwillige unter den Waffen behalten, als notwendig sei. Um in dieser Angelegenheit zu einer vollen Verständigung zu kommen, sei es notwendig, daß binnen einer kurzen Frist eine Zusammenkunft zwischen den alliierten Ministerpräsidenten stattfinden werde. Man sei der Ansicht, daß die Besetzung des Ruhrgebietes ein Mittel sei, welches nur im Falle der alleräußersten Notwendigkeit angewandt werden dürfe, beispielsweise im Falle einer Aktion in Ostpreußen gegen Polen.
England sei entschieden der Ansicht, daß der Artikel 172 des Friedensvertrages betreffend die Verteilung der Erzeugnisse der chemischen Industrie nicht befriedigend ausgeführt worden sei, das sei eine sehr wichtige Frag«, aber es sei noch zu früh, über die Maßnahmen zu sprechen, die ergriffen werden müßten.
Eine Besprechung der Ministerpräsidenten.
Der „Temps" teilt mit, daß di« französische Regierung gestern Telegramme an die Regierungen in London, Brüssel und Rom gesandt hat, um den Vorschlag zu unterbreiten, die Ministerpräsidenten möchten zwischen dem 7. und 12. Januar zu einer Besprechung zusammentreten. Leygues habe gestern dem italienischen und englischen Botschafter erklärt, welchen Wert er auf die Zusammenkunft lege. Die französische Regierung babe keinen Vorschlag hinsichtlich des Ortes gemacht, an dem die Beratungen stattfinden sollen»
Der »»Maulkorb" für -eulsche Minister.
Jpu. Paris, 4. Jan. Die interalliierte Rheinlandkommission hat den Besatzungsbehörden neue Vorschriften mitgeteilt, wie in Zukunft Mitglieder der deutschen Regierung im besetzten Gebiet zu behandeln sind. Oeffentliche Reden der deutschen Regierungsmitglieder sind im besetzten Gebiet verboten. Sie können erlaubt werden, wenn der Wortlaut der Rede vorher der Rheinlandkom- mission vörgelegt ist und von dieser genehmigt wurde. In solchen Versammlungen haben Militärpersonen der Besatzungsbehörde darüber zu wachen, daß mit dem Genehmigungsrecht* kein Mißbrauch getrieben wird. Sollte dies dennoch der Fall sein, oder andere Personen sollten sich in beleidigender Weise gegen die Alliierten aussprechen, so ist die Versammlung unverzüglich zu schließen und die Personen, welche die Uebertre- tung begangen haben, auch eventuell deutsche Minister, sofort zu verhaften. Diese Fälle sollen zur Aburteilung den Kriegsgerichten überwiesen werden. Weiter sind von der Kommission Anweisungen ergangen, welche eine schärfere Kontrolle und Beobachtung aller Personen fordern, die sich im Auftrage der deutschen Regierung Md) dem besetzten Gebiet begeben. Die Kommandanten haben, sobald sie von einer derartigen Reise Kenntnis haben, davon telegraphisch Mitteilung zu machen, ehe sie einschreiten. Eine neue Verordnung ist in Vorbereitung, welche das Versammlungsrecht im besetzten Gebiete unabhängig von den deutschen Reichsgesetzen regeln soll.
Aus Rutzland.
Moskau, 3. Jan. Der allrussische Rätekongreß bestätigte die Beendigung des Krieges und den Uebergang zur Friedensarbeit. Uebrigens beschäftigte er sich hauptsächlich mit der Bekämpfung des Wirtschaftsverfalles und der Schaffung der technischen Grundlagen für das kommunistische System. In der Agrarfrage wurde beschlossen, die Bauern mit dem notwendigen Saatgetreide zu versehen, um di« Anbauflächen nach Möglichkeit erweitern zu können und alle Kräfte zur Wiederaufrichtung des Bauernstandes heranzuziehen. Sodann wird man an die Elektrisierung der Industrie gehen. Der Kongreß beschloß, in erster Linie das Donezbecken und das Uralgebiet mit Elektrizität zu versorgen, da die Gewinnung von Heizmaterial und Eisen besonders wichtig ist. Einstimmig wurde auch der Plan für die Organisation der Schwerindustrie angenommen. Zusammenhängend mit der Beendigung des Bürgerkrieges wies Kalinin darauf hin, daß der achte Rätekongreß die Opfer und Entbehrungen und die Helden d«s grausamen Bürgerkrieges nicht vergessen darf. Namens des Kongresses verkündete er, daß bei der ersten Gelegenheit dec geringsten »Verbesserung der wirtschaftlichen Lage die Sowjetmacht den Arbeitern, Bauern, Verwundeten und Invaliden zu Hilfe komme.
Moskau, 4. Jan. Der eingetroffene russische Gesandte für Lettland, Ganezki, berichtet: Das Verhalten der lettischen Regierung sei auch unter dem Einfluß der Entente die ganze Zeit während seines Aufenthaltes in Riga unfreundlich gewesen. Die lettische Regierung habe den Friedensvertrag offen verletzt, die Weißgardisten unterstützt, die Geiseln, die nach Rußland ab- transportiert werden sollten, in die Gefängnisse gesteckt und auf eine Anfrage über die Erschießung einiger angeforderter Geiseln keine Auskunft gegeben. Auch habe die lettische Regierung die Kriegsgefangenen, die sie jeglicher Rechte beraubte, nicht in die Heimat zurückbefördert. Neuerdings lasse sie jedoch eine Aenderung ihres Verhaltens erkennen. Dabei spiele der außerordentliche Niedergang des wirtschaftlichen Lebens des Landes eine Rolle, das auf die wirtschaftliche Annäherung an Rußland angewiesen ist. Die Geiseln, di« wir in unseren Händen halten, bürgen uns für diejenigen, welch« in ihrer Macht sind. Die gegenwärtige ungarische Regierung, die die Vertreter der Sowjetregierung mit Justizmord bedroht und die die russischen Gefangenen, welche sich noch in Ungarn befinden, verfolgt, ist die Urheberin der Wiedervergeltungs- maßregeln, die man uns vorwirft. Es ist also unsere Pflicht, zu Gunsten derjenigen einzuschreiten, die sich als unsere Verbündeten betrachten. Wir wünschen diesen Zustand mit größtmöglicher Schnelligkeit zu beendigen und schlagen Ihnen erwidernd auf Ihr Ersuchen vor, die Verhandlungen mit unserem diplomatischen Vertreter Litwinow in Reval zu beginnen, welcher zu diesem Zwecke mit ausgedehnten Vollmachten versehen wird. Wir bitten Sie, uns den Tag und den Kimen Ihres Vertreters für die zu begin-, nenden Verhandlungen mitzuteilen,
Politische Tagesberichte.
— Die Unhaltbarkeit des Versailler Vertrags. Der „Vorwärts" stellt in einem Artikel fest, daß wir durch die monatlichen Kohlenlieferungen an die Entente ungeheure Verluste erleiden. Bekanntlich erhalten wir für die Lieferungen keine Barzahlungen, sondern die fälligen Summen werden auf das Reparationskonto erzeichnet. Für etwa 1600 000 Tonnen monatlicher Kohlen wird uns nur ein Tonnenpreis von höchstens 300 Mark gutgeschrieben. Bei jeher Tonne erleiden wir den Verlust von 700 Mark. Das sind monatlich rund 1120 Millionen oder jährlich 13,44 Milliar, den Mark. Diese gewaltige Summe wird uns nicht auf das Wiedergutmachungskonto gebucht Der „Vorwärts" hält diesen Vorgang angesichts unserer verzweifelten Notlage für einen Beleg der Unhaltbarkeit des Versailler Vertrages.
— Wrangel in Berlin. Wie unser Berliner Korrespondent erfährt, ist der Führer der süd- russischen Bewegung, General Wrangel, in Berlin eingetroffen.
— Bon der Brü^cler Konferenz. AuS Brüssel wird gemeldet: Wie Bier verlautet, wird die Finanzkonferenz, die am 11. Ian. wieder zusammen- treten sollte, ihre Verhandlungen erst einige Tage später wieder anfnehmen, um den Delegierten für die Ergänzung ihres Materials genügend Zeit zu lassen.
— Dank an die Marburger Studenten» Rektor und Deputation der Marburger Universität veröffentlichen gegenüber den Angriffen gegen die Marburger Studenten eine längere Ehrenerklärung für diese, in der er u. g. heißt: Wir sind stolz darauf, daß sich die Marburger Studenten in großer Zahl freiwillig zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung mit Verfügung gestellt haben, und wenn den Studenten von den Stellen der jetzigen Regierung, durch die sie wiederholt und dringend um Mithilfe gebeten worden waren, der Dank bisher vorenthalten worden ist, so wollen wir, die akademische Behörde, ihnen wenigstens den unseren aus prechen.
— Krieasqefangeueu- Austausch. Wie bal „Berl. Tageblatt" von zuständiger Seite erfährt vollzieht sich der Austausch der deutschen und russischen Kriegsgefangenen weiter programmäßig. Bis zum 31. Dezember 1920 sind von Rußland 29 000 Reichsdeutsche und 70 000 nichtreichSdeutsche Kriegs- und Zivilgefangene zurückgekehrt. Bis zu diesem Zeitpunkt sind rund 132 000 kriegSgelangene Russen in ihre Heimat zurückbefördert worden.
— Der Kaiser zum Tode Bethmanu-Holl- WegS. Aus Schloß Doorn ist folgender Telegramm an den Sohn des Verstorbenen von Bethmann Hollweg cingegangen : Ich spreche Ihnen und Ihrer Gräfin Schwester meine herzlichste Teilnahme bei dem ss unerwarteten Hinscheiden Ihres Herrn VaterS, meines früheren Reichskanzlers Dr. von Sethmann Hollweg, aus. Der nun Verewigte war ein edler Mann. Sein Verdienst und feine Sorge um das Wohl des Volkes war von ehrlichster Ueberzeugung getragen und von bewt aufrichtigsten Willen zum Guten. Sein Wirken gehört der Geschichte an. Sein Gedächtnis wird von n ir hoch geachtet bleiben. Ich habe meinen Sohn Prinzen Oskar beauftragt, dem V.rewigten in meiner Vertretung die letzte Ehre zu erweisen. Wilhelm.
— Vin nettes Urteil Aber Rttstland. Ser« lingske Tidende meldet aus Helfingfors : Der finnische Geologe Dr. HanS Hansen, der sich 1918 zum Zwecke einer wissenschaftlichen Expedition nach der Mongolei begab, ist jetzt nach reichen Erlebnissen nach Finnland zurückgekehrt. Gegenüber dem Vertreter von Hufvudstadsbladet teilte er über seine Eindrücke vom Boffche- wiSmuS mit, eS fei feine Ueberzeugung, daß der Soin« jetstaat früher oder später zusammenbrechen müsse. Er könne sich die Möglichkeit nicht denken, daß eine Entwickelung Platz greise, die allmählich die Leninschen Staatsiormen umbilden und festigen würde. ES müsse gelegentlich eine Erhebung kommen, die die jetzigen Machthaber stürze. Moskau habe daS Aussehen einer auSgeplündeiten Stadt. Dr. Janien befand sich in Jrknsk, a'S A'dmiral skoltschak von den Russen hinge- richtet wurde. Die Abteilung Soldaten, die Koltscha! erschießen sollte, weigerte sich zunächst, dem Befehl nachznkommen. Schließlich gelang es, die Soldaten zum Gehorsam zu zwingen. Auf die Hinrichtung Koltschaks folgte ein furchtbarer Massenmord aller Koltlämkosfiziere. Diese wurden entweder meberge»; schossen, wo man sie trat, oder sie verschwanden spurlos in den sibirischen Steppen.
— Ter Handelsvertrag zwischen England und Rttffiand ist, wie amtlich aus London gemeldet wird, zur Unterzeichnung bereit. Einige technische SAwierigfeiien werden sich binnen kurzem überwinden lassen. Sir Robert Horne unb Krassile sind auf einem gemeinsamen Standpunkt angelangt, welcher unbedingt zur Verständigung führen wird.
— Die Fiumer Borgâiige. Nach einer Miv teilunz der »Agenzia Stefani" hatten bei den Ereign Nissen von Fiume am 24. Dezember bis zur Unter* zeichnung der Vereinbarung die regulären Truppe» verloren: 17 Tote, 120 Verwundete. Die irregulären Truppen verloren 18 Tote und 50 Verwundete. Dl, Zivilbevölkerung hatte 2 Tote und 10 Verwundete. Wie die „Agenzia Stefani" hierzu bemerkt, sind »:e Verliistziffer geringer als bie Angaben in den bisherigen Berichten, was ein Beweis dafür sei, daß der Kampf keinen ernsten Charakter gezeigt hava.