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Mr Groß-Auheim unö Umgebung.
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Rotationsdruckd.Waisenhausbuchdruckerei Hanau FernsyreLanschlüsse Nr. 1237 und 1238
Nr. 1 Montag den 3. Januar 1921
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Das Neueste.
— Der frühere Reichskanzler v. Bethmann- Hollweg ist gestorben.
— Die Urabstimmung der Eisenbahner über einen eventuellen Streik gab die Mehrheit für letzteren.
— Das am 1. Juni v. Is. zwischen Ungarn und Deutschland provisorisch abgeschlossene Wirtschaftsabkommen wurde nunmehr ratifiziert.
— Der Friede zwischen Finnland und Rußland ist am 29. Dezember in Kraft getreten.
— Das Abkommen von Fiume wurde endgültig unterzeichnet.
Fehrenbach über den Gemeinschaflsgebanken.
Auch Reichskanzler Fehrenbach äußert sich, wie wir es in unserer letzten Nummer des alten Jahres getan haben, in einem Ausblick in der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" über den Ge- meinschastsgedanken, den notwendigen Willen des Volkes zur gemeinsamen Arbeit. Er schreibt u. a.:
Die Männer, die in schwierigen Verhandlungen unermüdlich um das deutsche Recht, um sie künftigen deutschen Lebensbedingungen mit unsern Vertragsgegnern kämpfen, hätten leichteren Stand, wenn hinter ihnen in diesen Schicksalsfragen ein starker einheitlicher Volkswille stände. So sehr uns auch Fragen der Weltanschauung trennen mögen, so verschieden auch unsere Vorstellungen und Wünsche von dem Staats, den jeder als den besten ansieht, sein ' ent Wünsch muß uns doch sicher allen gemeinsam sein: der, daß das deutsche VoiL. leben muß, daß unsere Kinder auf deutscher Scholle unverkümmert aufwachsen, daß deutsche Art und deutsche» Eeisteswesen erhalten bleiben. Solange es sich um nichts anderes handelt als um die Sicherung der Existenz des deutschen Volkes, sollte deshalb jeder, der sich Deutscher nennt, der sein Vaterland liebt, an diesem großen Werke mitarbeiten. Keine Partei, keine Volksschicht, kein deutscher Stamm sollte verkennen, daß, gleichviel wie er auch im einzelnen zu der jetzt gewordenen Form des deutschen Staates steht, auch sein Los mit dem Schicksal des gesamten Volkes entschieden wird.
Wenn die Erkenntnis, daß eine möglichst umfassende Mitarbeit aller Deutschen am Werke der Verteidigung unserer Rechte, am Werke des Wiederaufbaus entscheidend sein wird, nicht nur für die künftige Geltung des deutschen Volkes, sondern für die Erinnerung solcher Lebensbedingungen, die uns die Weiterexistenz als Nation erlauben, so wäre damit ein gewaltiger Schritt zur Sicherung unserer Zukunft getan.
In letzter Zeit hat sich in unserem Vater- lanbe auf dem Boden gemeinsamer Arbeit eine gewiße Milderung der Gegensätze der sich allzu feindselig gegenüberstehenden Klassen und Parteien zweifellos schon vollzogen. Dies gibt uns die Richtlinie für die Zukunft. So vielerlei Fragen, begründet in natürlichen Gegensätzen der Lntereffen, begründet in der Verschiedenheit der politischen Auffassungen, zur Lösung drängen, wir werden sie zum Heil unseres Volkes nur dann lösen können, wenn wir mit dem festen Willen zum friedlichen Ausgleich, mit dem Willen zur gemeinsamen Arbeit an sie herantreten, wenn wir versuchen, in der gemeinsamen Not zunächst die großen gemeinsamen Ziele zu erreichen. Wir müssen auch hier verstehen, das Wichtige und unbedingt Erforderliche zunächst zu erstreben und Sonderwünsche, so sehr sie uns am Herzen liegen mögen, zurückzustellen. Versöhnungswillen auf dem Boden gemeinsamer Arbeit für unser Volk, das muß in diesen schweren Tagen unser Leitwort jein.
v . Bethmann Hollweg f.
Hohenfinow, 2. Jan. Der frühere Reichskanzler Dr. v. Bethmann Hollweg ist in der vergangenen Nacht nach kurzer Krankheit verschieden. Die Beisetzung findet am Mittwoch nachmittag 3 Uhr in Hohenfinow statt.
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Der Verstorbene wurde am 29. September 1856 in Hohenfinow geboren.. Nach dem Besuch derLandcè- schule in Psorta studierte er von 1875—1879 in Straßburg, Leipzig und Berlin die Rechte. Nach kurzer Tätigkeit als Kammergerichtrreserendar wurde er 1885 Assessor in Potsdam, 86 Landrat in Ober-Barnim, »ar 1890 kurze Zeit Mitglied bei Reichstages, wurde 1896 Oberpräsident in Potsdam, 1899 Regierungs- Präsident in Bromberg, drei Monate später Ober« Präsident in Brandenburg, im Januar 1901 Wirkt. Geh. Rat, 1905 Minister der Innern in Prcnßcn, 1907 schied er aus dem Ministerium des Innern aus und wurde Reichsstaatssckretär des Innern und gleichzeitig Vizepräsident des preußischen Staatsministeriums; im Juli 1909 wurde er zum Reichskanzler berufen; er blick m dieser Stellung bis rum Juli 1918.
Zum Hinschetzen v. Bethmann Hollwegs erfahren wir Folgendes: Bethmann Hollweg war bis zum letzten Tage geistig und körperlich frisch und rüstig. Am vergangenen Mittwoch zeigten sich die ersten Spuren einer Erkrankung. Nach einer Rückkehr von einem Svaziergaug wurde er in seinem Schlafzimmer ohnmächtig vorgefunden. Ter Arzt stellte eine Rippensellund Lungenentzündung fest. Am Donnerstag war Bethmann geistig noch frisch und verbrachte einige Zeit in lebhaftem Gespräch mit einem Besucher. Am nächsten Morgen stellte der aus Berlin berufene Professor Lazarus fest, daß es sich um eine schwere doppelseitige Erkrankung handelte. Die Krankheit machte rapide Fortschritte. Abends zeigten sich leichte Bewußtseinsstörungen. Die Nacht verbrachte der Kranke ziemlich ruhig. Am Samstag trat ein schwerer Schwächeanfall ein. Seitdem war der Kranke ohne Bewußtsein. Im Laufe des Tages schien eine leichte Besserung einzutreten. In der zweiten Morgenstunde des Sonntags verschied Bethmann Hollweg.
Der „Berl. Lokalanzeiger" schreibt, ob Bethmann Hollweg noch die Absicht hatte, die Rechtfertigung seiner Geschäfte, die er im ersten Band feiner Erinnerungen begonnen hat, fortzuführen, ist nicht bekannt geworden. Das Urteil, über die Verderben bringende Rolle, die ihm im Hause des Bismarck zu spielen erlaubt worden war, hätte er nicht mehr ändern können, auch wenn er mit Engelszungen gepredigt hätte. — Auch die weniger weit rechts stehende Presse schließt sich diesem Urteil im allgemeinen an. So sagt die „Montagspost" : Die ganz großen Führereigenlchaften, die ein Staatsmann haben muß und erst recht in so schicksalsschwerer Zeit haben müßte, fehlten dem Kanzler und in dem Bestreben, im Kriege es möglichst mit keiner Partei zu verderben, verdarb er es schließlich mit allen. Sein Tod beschließt ein Leben, welches reich war an äußeren Erfolgen und für alle Zeit mit der Tragik des großen Deutschlands eng verknüpft bleiben wird. — In der „Welt am Montag" sagt Gerlach: er war ein treuer Diener seines Herrn und wollte natürlich auch dem Volke dienen, hat aber letzteres nur den Weg ins Verderben geführt. -— ’; ^ » • ;
Neue Drohungen Frankreichs.
Frankreich hat am letzten Tage des vergangenen Jahres Deutschland noch eine Note zugehen lassen, in der behauptet wird, daß Deutschland in einer Reihe wesentlicher Punkte gegen die in Spa übernommenen Verpflichtungen verstieß. Die Note schließt:
Die französische Regierung nimmt, soweit sie beteiligt ist, schon jetzt Akt von diesen Verstößen, die Deutschland gegen die feierlich übernommenen Verpflichtungen begangen hat. Die alliierten Regierungen werden über die Vorstöße zu befinden haben.
Nach dem Protokoll von Spa sollten die Kontrollkommissionen berichten, ob die deutschen Regierungen die übernommenen Verpflichtungen loyal erfülle. Deutschland bemühte sich nach besten Kräften und in voller Loyalität, den Anforderungen des Protokolls gerecht zu werden. In den Ländern der Alliierten wurde der Erfolg dieser Bemühungen von den Staatsmännern wie im Parlament und in der Presse anerkannt. In der vorliegenden Note aber sollte offenbar, um den im Spaprotokoll festgesetzten Termin vom 1. Januar zu wahren, alles zusammengefaßt werden, was nach Ansicht der Kont' ollkommission überhaupt als Mangel oder Verfehlung in Betracht kommen konnte.
Paris, 31. Dezbr. Ministerpräsident Lehgues hatte heute vormittag, wie Havas berichtet, Marschall Foch empfangen und sich mit ihm über den Bericht unterhalten, den die interalliierte Militärkommission in Versailles, an deren Spitze Marschall Foch steht, ausgearbeitet hat über die angeblichen Verfehlungen Deutschlands bei der Ausführung der militärischen, maritimen und Luftfahrklauseln des Friedensvertrages von Versailles. Nach dem „Journal des Debats" soll der Bericht nunmehr der Botschafterkonferenz vorgelegt werden und die französische Regierung werde auf die Notwendigkeit einer demnächsttgen Zusammenkunft der alliierten Ministerpräsidenten Hinweisen.
Die Haltung Englands noch unbekannt.
Paris, 2. Jan. Der „Temps" erklärt heute abend, man habe bis jetzt in Paris noch keine autorisierte Nachricht erhalten über die Haltung, welche England angesichts der Frage der Entwaffnung Deutschlands einzunehmen beabsichtige. Die Nachricht, Winston Churchill wolle nach Paris kommen, die der „Newyork Herold" verbreitete, sei bis jetzt nicht bestätigt worden. Man wisse auch nicht, wann die Zusammenkunft zwischen den Ministerpräsidenten der Entente, von der wiederholt gesprochen wurde, stattfinden werde.
Die Eisenbahnerbewegung.
Die Eisenbahnerbewegung nimmt einen immer ernsteren Charakter an. Die Beteiligung an der Urabstimmung über einen eventuellen Streik war allgemein sehr stark und zwar hat sich fast in allen Bezirken die Mehrheit für den Streik ausgesprochen. In H a n au stimmten von 1019
903 für den Streik. Im Bezirk d er Eisenbahndirektion Frankfurt ergibt als Gesamtbild, daß die überwiegende Mehrheit für den Streik ist, sowohl in der Stadt Frankfurt wie auch auf dem Land. In Frankfurt haben von 3316 Abstimmungsberechtigten 2795 für den Streik gestimmt. Von den Teilergebnissen auf dem Lande sind u. a. folgende bemerkenswert: In Westerburg erklärten sich ,von 148 Stimmberechtigten 145 für den Streik, in Weilburg 243 von 248, in Oberroden 65 von 78, in Bebra 818 von 949, in Altenkirchen 147 von 203, in Fulda 537 von 614, in Herborn 184 von 207, in Engern 109 von 114 und in Homburg sämtliche 172 Stimmberechtigten.
Erfurt, 2. Ian. An der Abstimmung der Eisenbahner des Direktionsbezirks Erfurt nahmen 95 Prozent aller Beamten und Anwärter teil; 80 Prozent sprachen sich für die Durchsetzung der Forderungen mit allen gewerkschaftlichen Mitteln aus.
Dresden, 2. Jon. Nach den bisher vorliegenden Ergebnissen der Urabstimmung unter den Eisenbahnbeamten Sachsens ist eine Mehrheit von mehr als 74 v. H. für den Streik.
Verhandlungen.
Berlin, 31. Dezbr. Die Beteiligung an der Abstimmung der Eisenbahner war außerordentlich stark. Die Blätter heben hervor, daß die Erklärung für die Anwendung des Streikes nicht bedeute, daß der Streik der Eisenbahnbeamten nun unmittelbar vor der Türe stehe. Am Montag beginnen erst die Verhandlungen zwischen der Regierung, besonders des Reichsverkehrsministeriums und dem Sechzehner-Ausschuß. Das ent- Widenhe Morf wird auf Seiten der Regierung der Reichsfinanzminister zu sprechen haben Zu der Meldung eines Blattes, wonach im Reichsverkehrsministerium Pläne erwogen werden, die darauf obzielen, den Betrieb der Eisenbahnen an sieben Verkehrsgesellschaften zu verpachten, erfährt die „Vossische Ztg", daß derartige Pläne nicht bestehen. Was vorliege, seien lediglich Vorschläge, die seitens höherer Verkehrsbeamten als Privatäußerungen verschiedentlich an die Oef- fentlichkeit gebracht wurden.
Die bolschewistische Propaganda in Frankreich.
Paris, 31. Dezbr. In der gestrigen Sitzung der Kammer erklärte der Minister des Innern Steeg auf eine Anfrage wegen der Anwesenheit Klara Zetkins auf dem Kongreß in Tours, daß die Regierung ausdrücklich die Pässe für vier Reichstagsmitglieder verweigert hohe, die an dem Kongreß teilnehmen wollten, denn man könne nicht dulden, daß Ausländer nach Frankreich kämen, um dort den Bürgerkrieg zu-propagieren. Trotz der getroffenen Maßnahmen sei aber Klara Zethin nach Tours gekommen und habe eine Rede gehalten, die beweise, daß, wenn sich die Bolschewisten verschiedener Wege für ihre Propaganda bedienten, einer dieser Wege über Berlin gehe. (Lebhafter Beifall auf allen Bänken mit Ausnahme der äußersten Linken.) Er bedauere es, daß gewisse Sozialisten, die den von Deutschland gewollten Krieg vergessen hätten, der Rede Klara Zetkins Beifall gezollt hätten. (Cachin ruft dazwischn: „Sie toten gut doron." Diese Bemerkung rief in der Kammer allseitige lebhafte Entrüstung hervor und trug Cachin einen Ordnungsruf ein.) Es sei bewiesen, daß Klara Zetkin die Grenze unter Unterstützung auf beiden Seiten der Grenze überschritten. Die Rgierung sei fest entschlossen, jede Propaganda für einen Bürgerkrieg zu verhindern und habe einen Gesetzentwurf eingebracht, der jede Person, die ohne Paß die Grenze überschreitet, mit einer Gefängnisstrafe von 6 Monaten bis zu 3 Jahren belegt.
Hierauf wurde eine Interpellation über die Anwesenheit zahlreicher Fremder behandelt- — Der Sozialist Cachin hielt eine Lobrede auf Klara'Zetkin, lebhaft von allen anderen Parteien unterbrochen. Der Royalist Daudet interpellierte darüber, daß man den deutschen und bolschewistischen Agenten ihre Propaganda erleichtere. Minister Steeg erklärte hierauf, daß die Regierung sehr strenge Maßnahmen getroffen habe, um unerwünschte Fremde zu entfernen. Sie sei nicht untätig geblieben gegenüber der bolschewistischen Propaganda. 11000 Fremde seien im Jahre 1920 ausgewiesen worden. Das Verhalten Cachins, der es sich angelegen sein lasse, eine Propaganda des Bürgerkrieges zu verfolgen, stelle eine Herausforderung dar. Die Tatkraft der Regierung stehe auf gleicher Höhe mit der Kühnheit der Agitatoren. (Lebhafter Beifall.)
Die Kammer nahm hierauf mit 451 gegen 54 Stimmen eine Vertrauenstagesordnung an. j
Politische Tagesberichte.
— Zur Entwaffnung Deutschlands. Wie bi< Entwaffnung Deutschlands ist, geht aus einet Zusammenstellung der Blätter über die Herabsetzung der deutschen Landesstreitkräfte auf die 100 000-Manngrenze hervor. Fast 40 000 Offiziere sind entlassen, nur noch 4000 bleiben im Heere. Alle Offiziere und Mannschaften des Beurlaubtenstandes wurden aus ihren militäri- schn Dienstverpflichtungen entlassen. 5000 Geschütze, 5 Millionen Handfeuerwaffen, sowie 60 000 Maschinengewehre wurden zerstört. Alle Lenkluftschiffe, 14 000 Flugzeuge, 26 Flugmotore wurden abgeliefert oder zerstört. Demgegenüber hat das französische Heer an Flugzeugen 3 Jagdregimenter, 5 Bombenregimenter, 7 Beobachtungsregimenter, im ganzen 928 Kampfflugzeuge und 512 Beobachtungsflugzeuge. — In Ergän- zung dessen, was die letzte Note der deutschen Regierung über die Feftungsfrage mitteilte, ist nachzutragen, daß beantragt war, der Festung Königsberg ^390 Geschütze zu belassen, bewilligt wurden nur 30. Pillau sollte 75 behalten, bewilligt wurden nur 36. Der Festung Swinemünde wurden 32 Geschütze bewilligt. Die Festung Ulm erhält kein Geschütz, ebenso Küstrin nicht. Damit ist Berlin einem Einfall von Osten schutzlos preisgegeben.
— Elektrisierung der russischen Eisenbahnen. Aus Paris wird gemeldet: „L'Eclair" berichtest daß außer Hugo Stinnes auch die Borsig- und Siemens-Schuckert-Werke an der Elektrisierung der russischen Eisenbahnen beteiligt sind.
— Die russisch-englischen Verhandlungen ge» scheitert. In dem amtlichen Bericht über den Gang der Verhandlungen zwischen England und Sowjetrußland heißt es: Am 30. Juni schlug die englische Regierung vier grundlegende Bedingungen für die Erneuerung der Handelsbeziehungen mit Rußland vor: 1. Sowjetrußland und England verpflichten sich, jeder feindlichen Handlung gegen die andere vertragschließende Partei zu entsagen. 2. Zwischen den beiden Ländern findet ein Austausch der Kriegsgefangenen statt. 3. Beide Länder bezahlen den Bürgern des anderen Landes die gelieferten Waren und die geleisteteten persönlichen Dienste- 4. Die Bedingungen für die Erneuerung des Warenum- tausches sind auszuarbeiten. Die Bedingungen wurden von Sowjetrußland angenommen, was der britischen Regierung am 7. Juli mitgeteilt worden ist. Die englische Regierung, die noch unlängst die Julibedingungen anerkannt«, hat jetzt die Stellungnahme dazu völlig geanbert- Heute lehnt England die im Juli übernommenen Verpflichtungen schroff ab. Die Sowjetregierung hat daher beschlossen, ihren Vertteter Krassin zu Beratungen nach Moskau zurückzurufen.
— Das Ergebnis der französischen Anleihe. Finanzminister Marsal teilte in der Kammer mit, daß das Ergebnis der letzten französischen Anleihe sich auf über 27 Milliarden belaufe.
— Neujahrsempfang im Elysee. Zum ersten Male seit 1914 fanden im Elysee die üblichen Neujahrsempsänge statt. Bei dem Empfange des diplomatischen Korps hielt der italienische Botschafter Graf Bonin-Longaro als Doyen eine Ansprache an den Präsidenten Millerand. _ Dieser sagte in seiner Erwiderung u. a.,^die wesentliche Bedingung für die endgültige Sicherung des Friedens sei die loyale Annahme und vollkommene Ausführung der diplomatischen Abmachungen, die die Neuordnung geschaffen hätten und die noch für viele Jahre die politische und wirtschaftliche Chata der Welt bilden müßten. Frank- reicy, das dem Friedensideal und der Freiheit ergeben sei, die es im Innern und nach außen nun zu entwickeln suche, bleibe seiner Ueberlieferung treu. Das Werk der-Entspannung habe begonnen und die bereits erzielten Ergebnisse gestatteten, mit Vertrauen der Zukunft entgegenzusehen.
— Das Finmer Abkommen unterzeichnet. Den Blättern zufolge ist das Abkommen zwischen den Vertretern Fiumes und dem General Ferraris gestern mittag endgültig unterzeichnet worden. Die Bitte d'Aununzios, an der Spitze der Legionäre Fiume verlassen zu bürfen, wurde nicht bewilligt. ,
— „Vereinigte Staaten von Mtttel- amerika". In der Pariser Ausgabe der „Daily Mail" wird nach spanischen Blättern Zre Nach, richt über Einigungsbestrebungen zwischen den mittelamerikanischen Republiken dahin ergänzt, daß Guatemala, Honduras, Nicaragua und Costarica sich unter dem Namen „Ver. einigteStaaten vonMittelamerika" alsBund es- rep'ublik zusammengeschloffen hätten. Der neue Staat werde eine einzige Flagge führen und einen gemeinsamen diplomatischen Vertrete, bei den einzelnen Mächten bestellen; auch das Geldwesen werde vereinheitlicht werden.