Einrückung«gebübr:Die8aeIv.KoIon^,eileod. deren Raum 1.— Mk., die 4geiv. Zeile i. Reklame- teil 3.—Alk.. 25°>oTeuerunaszuichl. Offertgebübr 30 Pig. Bezusspreis'.Vierteliahrlick 12.90 ölL monatl. 4.30 Mk.. für Postbezug vierteljährl. 12.90 Mark. monatl. 4.30,01;. Die Nummer 20 Pig.
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Nr. 307
General-Mzsiger
AmMchss Organ für Slaöl- und Landkreis Sana«
Erscheint täglich mik Ausnahme der-Dann- und Feiertags
Freilag den 31. Dezember
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Rotationsdruckd.WaisenbausbuLdruckerei Hanas ! ^ Sernivrechanicklüsse Nr. 1237 und l2Ä
1920
Wieöerausbau.
Gedanken zur Jahreswende — Zeitenwende
Jahreswende — Zeitenwende! Ein Jahr ist wieder ins Land gegangen, die Weltgestirn« zogen ihre ewige Bahn, sahen unseres Volkes Not, sahen wie uns der Friede in Form einer klirrenden, schweren Kette, einer Fessel, die uns niederdrückt, auferlegt wurde, und sehen unser Vaterland noch immer auf jener Unglücksstelle, wo der Stoß aus dem Hinterhalt es in die Knie zwang, seine Freiheit dahin sank und tiefe Nacht die Zukunft verhüllt. Nun schwingen Neujahrsglocken- töne schwer und bang üb«rs Land. Schweren Herzens treten wir ins neue Jahr, die schicksalsschwere Frage auf unseren Lippen: Was wird es uns bringen? Mrd uns das neue Jahr von bem Rande des Abgrundes, an dem wir stehen, wegführen auf altes Land, oder wird es uns restlos in den Abgrund stürzen," aus dem es kein Entrinnen mehr gibt? Die Beantwortung dieser Frage ist heute unmöglich — wir müssen sie der Zeit überlassen. Eins aber können wir und das ist, dafür sorgen, daß am nächsten Jahresschluß die Antwort befriedigend für unser Volk ausfällt. Es wäre Selbsttäuschung, wenn wir nur auf das große Wunder hofften, das uns retten, uns Genugtuung für das Leid geben soll, das seit jenen Tagen unseres Zusammenbruches schicksalsschwer auf uns lastet. Wunder gibt es für uns kein«; wir finb mehr als je auf uns selbst angewiesen, haben mehr als je den Beweis dafür zu liefern, daß die Sonnenhöhe, die wir tin erreichten, wirklich das Ergebnis deutscher ^.raft war, daß wirklich der deutsche Geist den 'Temp^bau W"’ ls deutsches Kaiserreich um. »traft. bte wir hauplei, und un»^,^. .... ^yrtditen, muß aus uns selber kommen. Wir wissen, daß der Krieg mit dem Vertrag von Versailles noch nicht beendet ist, daß vielmehr ganze Geschlechterfolgen unter der schweren Traglast dieses Friedens zu Leibern haben werden. Man täusch« sich nicht über w* .Entgegenkommen", das Deutschland nach Rutentcblättern in Brüssel gefunben hat. Es ist bos „Entgegenkommen", das selbst der roheste 8wann seinem abgetriebenen, zusammenbre-
en Tiere zubillizt, wenn er ihm einige nblicke Rast gewährt. Er will nicht auf der Strecke liegen bleiben und das Tier soll so viel Kraft ansammeln, um die Last weiterschleppen zu können. Deutschland soll arbeiten für die Entente, und zwar nicht nur einige Jahre, sondern mindestens zwei Menschenalter, wenn es die Fron so lange aushält. Allein, je größer der Druck von außen ist, desto stärker müßten wir von innen heraus die Energien entwickeln, um Volk und Staat für eine neue Zukunft zu retten und zu erhalten. Doch gerade hier fehlt es, denn durch die innere Zerrissenheit, die heute größer ist als sie jemals zuvor in der deutschen Geschichte war, wird unsere Kraft geschwächt. Deshalb auch kein Erkennen einmal der Not und dann der Mittel und Wege, die aus dieser Not, diesem Labyrinth führen. Es gibt einen urdeut- schen Mythos von Wieland, dem Schmied; Richard Wagner hat ihn neu belebt. Mit durchschnittenen Sehven, gelähmt und verstlavt mußte Wieland dem König Neiding dienen, der ihn aus niederirächtigem Eigennutz in seine Macht gebracht hatte. Da schwang die Not selbst ihre mächtigen Flügel in des (gemarterten Brust und wehte Begeisterung in sein sinnendes Hirn. Aus furchtbar allgewaltiger Not ersann Wieland, wie er sich die Flügel schmiedete, mit denen , er sich kühn erhob, um feinen Peiniger zu bekämpfen. „O, du einziges, herrliches Volk! Das hast du gedichtet und du selbst bist dieser Wieland! Schmiede deine Flügel und schwinge dich auf!" so schrieb R. Wagner vor fünfzig Jahren im Kunstwerk der Zukunft. Er meinte allerdings die künstlerische Not. Die wirtschaftliche und politische Not von heute ist aber unendlich größer; sie bedroht den Fortbestand des ganzen Volkes, das Leben jedes Einzelnen. Und diese Not, diese Gefahr heißt es zu ertennen. Es genügt nicht, daß dies« Not nur von einem begrenzten Kreise unseres Volkes empfunden wird; es bietet auch der plötzliche Aufschrei eines Volkes bei bet h«reinbrochenden Katastrophe feinen Hebel zur innerlich erhebenden Hilfeleistung, sondern es muß die Last, die Not wie ein steter Tropfen empfunden werden, bet selbst den Stein höhlt, der mich und dich und jeden Nachbar und das ganze Volk unselig nmcht und zur Verzweiflung bringt, damit die Sehnsucht nach einer Besserung, einer Linderung der Not wach geboren wird. Wir müssen uns tagtäglich unsere Not, ihre Ursachen, jtnjer Elend, das Ziel des Weaes. den wir
gehen, vor Augen führen, dürfen nicht müde werden, nachzustnnen, wie wir aus diesem Chaos wieder herauskommen. Aber — und dies ist die traurigst« Erscheinung in unserem Unglück — die Masse des Volles tut dies nicht, sie taumelt dahin, zerfleischt sich im Haß, sie will nicht sehen, daß wir am Rand des Abgrundes stehen, will nicht sehen, wie die Schlinge um den Hals des deutschen Volkes sich immer enger und enger zu- sammenzieht; sie verschließt die Augen vor bet Tatsache, daß das Voll von Tag zu Tag tiefer im Sumpf versinkt und freut sich noch, daß droben die Sonne scheint wie immer und daß die Welt ihren gewohnten Gang geht. Die Sonne aber wird auch noch scheinen und ihren Gang weitergehen, wenn es einmal kein Deutschland und kein deutsches Voll mehr geben sollte. Deshalb deutsches Voll erkenne deine Notlage und handle darnach!. Raffe dich endlich auf zu innerer Geschlossenheit!
Der „Hanauer Anzeiger" ist als öffentlicher Mahner nicht müde geworden, immer wieder mit dem Finger auf die Notwendigkeit dieser Erkenntnis, die erste Voraussetzung unseres Wieder- auflommens hinzuweisen und er tut es auch heute zur Jahreswende wieder, weil er weiß, daß das deutsche Voll nur durch diese Erkenntnis und die Einigkeit, die Zurückstellung aller Son- derwünsche in einem vaterländischen Gottesfrieden — treuga Dei nannte die Kirche es im Mittelalter — wieder jenes starke Gleichgewicht erhalten wird, das es befähigt, den Weg, der in tiefes Dunkel gehüllt ist, zu gehen, und in Ge- "' ■ "ntMoffenhett
den anen wir die Not und rommen wir dann icoch nicht zur Einsicht — nun ja, dann zeigen wir eben, daß wir im Stadium der Er- sckwpfung stehen, die Top bedeutet. Doch vor der Hand gäubep wir noch an unser Voll; wir sind noch ni<ht soweit, daß wir alle Hoffnung aufgegeben hätten; denn Nietzsche sagte: Um sich selbst zu finden, muß man sich erst selbst verlieren. Immerhin wird es höchste Zeit, daß wir uns wieder findet und dazu ist nötig, daß sich die Führer, bie wenigen, bei denen Verstand und Einsicht -gesundett werden, und zwar die Führer aus allen Kreisen vor die Front stellen. Das gilt vor allem auch für die Arbeiterschaft. Weg mit der sogenannten „Massenpsychose", der geistigen Erkrankung unseres Volles, die alle Einsicht verhindert und uns nur auf ber Stelle treten und uns nicht vorwärts und aufwärts kommen läßt. Die wahren Vollsfeinde sind die Theorienpre- biget, die den Verstand der Massen umnebeln und die Sabotage der Wirtschaft und damit die Sabotage des täglichen Brotes aus egoistischen, politisÄen Gründen predigen. Wir müssen energisch einen Anfang machen mit praktischer Arbeit. Die Parteipolitik muß dabei aus dem Spiele bleiben; denn das gewaltig« Existenzproblem, das uns nackt und klar gestellt ist, kann überhaupt nicht von ber politischen, sondern nur von der wirtsibaftlichen Seite angefaßt werden. Der komplizierte Wirtschaftsproreß, von dem wir abhängig sind, muß als ein Faktor aufgefaßt werden, der durch politische oder parteipolittsch« Verordnungen in seinem Grundkern nicht umge- stoßen und nur zu einem geringen Teil« ab gewandelt werden kann, weil er gewissermaßen als Naturgesetz wirft. Daran müssen wir festhalten und diese Einsicht muß bei uns durchdringen, wenn wir zu einem Aufbau kommen wollen. Nicht Verführer, sondern Führer, ehrliche Männer vor die Front, die den Mut haben, ihre Meinung, die Wahrheit, zu sagen! Solche Männer gibt es in allen Parteilagern. Her damit! Es muß die Wahrheit gesagt werden, mögen noch so schöne Illusion«» bar ob zum Teufel g«h«n. Schön und gut, wenn man feine eigenen Ideen und Ziele hat, aber in ernster, schwerer Zeit, in einer Zeit vaterländischer Not, ist die Verfolgung von Ideen und Zielen, die das deutsche Volk trennen, gefährlich, wie die Erfahrung uns gelehrt hat. Was uns retten kann ist die Wahrheit — und ihr, ihr allein soll dienen, wer dazu helfen will, unser armes Vaterland wieder aufzurichten. Wir müssen, wie schon gesagt, aufräumen mit allen modernen Theorien und Ideen, um die sich die Deutschen die Schädel «inichlaoen. Mr kämpfen für vollsfremde und landfremde Ideen, denen unser Voll, soweit es noch bei Sinnen und gefunb ist, verständnislos und eiseskalt gegenüber steht. Nur der Hungrige Hf solchen Ideen zugänglich; den Hunger durch die Tat, durch Arbeit, durch Zusammenarbeit des aanzen Volkes au bekämvken: dar
ist darum die Aufgabe des Tages. Neben dem Reichsnotopfer von Geld und Gut muß noch ein anderes Reichsnotopfer gebracht werden: wir müssen allen Ballast der Theorien und Ideen — und dazu gehört auch die Idee des Klassenkampfes — sowohl als auch die uns aus dem Osten zugeschobene Sklavenmoral der rasenden Derwische über Bord werfen. Das ist das geistige Reichsnotopfer, das wir heute in der Stunde der Jahreswende von allen Deutschen fordern. Wenn wir uns dieses Ballastes entledigen, dann werden wir auch dem Gemeinschaftsgedanken, der aus Menschen erst ein Volk macht, näher kommen. Ein Weg zu dieser Gemeinschaft, die den gemeinsamen Willen zur Arbeit und Ordnung enthält, war uns bezüglich der Sozialisierungsfrage im Reichswirtschaftsrat, bezw. in einem Sachverständigenausschuß gewiesen worden, der einen Plan vorbrachte, der bei gutem Willen einen Ausgleich zwischen Kapital und Arbeit, eine Arbeitsgemeinschaft in sich schließt, der den Weg zeigt, wie die Lösung dieses scheinbar nicht zu entwirrenden sozialen Problems erreicht werden kann und wie zugleich der Wiederaufbau unseres zerbrochenen Wirtschaftslebens in Angriff genommen werden muß. Der Weg war und ist gewiesen, aber noch nicht beschritten worden, denn nicht verständiges Abwägen des Möglichen, sondern Unvernunft und blinde Begehrlichkeit lenkten bisher bei uns noch die Entwicklung. Der noch Natur und Ueberlieferung auf das Unfehlbarkeitsdogma angewiesene Partei- und Klasienegoismus bäumte sich — trotzdem nach über zweijährigem ergebnislosen Tastens die Aussicht geöffnet worden ist, daß das Kernproblem des Sozialismus gelöst und in einheitlicher Front aller Schichten der Wiederaufbau begonnen werden kann — b<u gegen auf, zuzugestehen, daß feine Schlagwortpolitik versagt hat. Fort mit der verödenden und MWM MW°« '^ yr L
Zu der Wahrheit gehört auch, die,, Ueber
zeugung, daß die Revolution abgeschlossen ist. Nur wenn wir zu dieser Ueberzeugung gelangt sind, wird jeder wieder so arbeiten, wie er arbeiten soll und kann, nur dann wird die schädliche Kampflust aufhören, die aus jeder Differenz zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer einen Kriegsfall schafft, der sich in Arbeitsstockung um- setzt; nur dann wird das Vertrauen wiederkehren, das zur Uebernahme von Aufträgen, zur Anlegung von Kapitalien, zur Erweiterung des Betriebes auch den vorsichtigen Unternehmer ermutigt. Wir müssen mit der ewigen Streikerei endlich einmal Schluß machen, müssen uns zu gemeinsamer Arbeit zusammenfinden unter, Zurückstellung aller Parteiinteressen. Denken wir an die Augusttage 1914, da wir ein deutsches Heer sahen, das in allen feinen Gliedern von erhaben machtvoller Geschlossenheit und Willenskraft war. Und welche große Taten wurden mit dieser Geschlossenheit vollbracht. Jetzt muß an die Stelle der Wehrpflicht die Gemeinsäbaftspflicht treten; wir müssen uns, ob reich, ob arm, ob hoch, ob niedrig von dem Gedanken ersäßen, daß -das Wohl des Staats ganzen, das Wohl der Gemeinschaft über das Wohl des einzelnen geht. Es muß uns wieder der hohe sittliche Staatsgedanke erfüllen, wie ihn ein Friedrich II. in klassischer Größe zum Ausdruck.brächte: Es ist nicht nötig, daß ich lebe, wohl aber, daß ich meine Pflicht tue. - Und Pflicht ist es heute für jeden von uns zu retten, was zu retten ist. Wir haben zwar viel, sehr viel verloren, doch das wenige was uns noch geblieben ist, wollen wir ftsthalten und das Ver- lorengegangene wollen wir versuchen zurückzu- erlangen. Der Trümmer haben wir genug — nun heißt es: Hand aus Werk zum Wiederaufbau!
Deshalb lieber Leser, der du heute an der Schwelle eines neuen Jahres stehend kurz die Bilanz von dem Schicksalsjahr 1920 ziehst — es kann sich ja nur um eine Unterbilanz handeln — und vielleicht auch einen kurzen Ausblick auf 1921 hältst, gelobe in dieser Stunde, im neuen Jahre deine Pflicht-zu tun und dich^ndlich zu dem Gedanken aufzuschwingen, alle «onoer- wünsche zurückzustellen und nur das Einigende im Auge zu behalten und so am Wiederaufbau unserer Wirtschaft, unseres Vaterlandes mitzu- arbeiten! Das neue Hauptbuch, das wir heute Nacht aufschlagen, soll nicht wieder werden zu einem Parteikalender, der bte politische Witterung anzeigt, sondern ganz einfach und schlicht das große Arbeitsbuch unseres Volkes, auf dessen erste Seite wir. so wie es m Handelshäusern üblich war und ist, uas Wort „Mit Gott!" prägen wollen.
R. Hultsch.
Die Frage der Entschädigung.
Eine halbanttliche französische Auslassung.
Aus einem hochoffiziösen Aufsatz, den bei Petit Pari sien heute über die Entschä» digungsfrage veröffentlicht, erkennt man, daß man in Paris offenbar mit den französischen Seit* gierten bei der Sachverständigenkonferenz in Brüssel nicht zufrieden ist. Das Blatt wendet sich gegen den Vorwurf, die Verbündeten hätten sich nur in Brüssel zusammen gefunden, um ect klären zu können, der Friedensvertrag von Versailles sei unausführbar. Wenn das wahr sei, müsse man die Sachverständigen der Verbündeten verhaften. Das Blatt sagt, zum erstenmal werde nützliche Arbeit geleistet, zum erstenmal habe man sich versichern wollen, daß Deutschland trotz seiner Einsprüche imstande sei, die Last bet Wiederherstellungen zu tragen. Man erkenn« heute schon, die augenblickliche Beschränkung Deutschlands in der Leistungsfähigkeit sei darauZ zu erklären, daß es noch keine ernstlichen Anstrengungen gemacht habe, um sich der neuen Lage anzupassen. Nach Ansicht des Blattes ist das einmal darauf zurückzuführen, daß das deutsche Budget nicht mit der erforderlichen Sorg- falt aufgestellt sei, und daß beispielsweise di« deutschen Staatsangehörigen für Kriegsverluste entschädigt würden mit Beträgen, die zwischen 90 und 130 Milliarden Mark schwankten. Das halbamtlich« Blatt sollte wissen, daß diese Beträge ins Budget eingestellt werden mußten, weil Deutschland verpflichtet ist, ja, weil der Friedens- vertrog von Versailles es ihm auferlegt, die Auslanddeutschen zu entschädigen, denen man ihr Vermögen weggenommen hat.
Der Petit Parisien findet ferner, daß einzelne Industrien Deutschlands gute Geschäfte machten. In der Schwerindustrie hätten einzelne Fabriken Nettogewinne von 80 bis 90 v. H. erzielt. Die. -^ise5ti46MimMMii}e-fi®8~b*s^^ -Mark«, standes von Januar bis April 1920 230 000 Tonnen Baumwolle eingeführt. Die Zollstattstil Hollands und der Schweiz beweise, daß Deutschland im ersten Halbjahr 1920 nach diesen Ländern zweimal mehr aus- als eingeführt habe. Die deutsche Produktion könne beträchtlich gesteigert werben, namentlich was die Förderung von Kohlen und die Herstellung von Stickstoff betreffe. Auch die Erschließung neuer Kohlenfelder im Ruhrgebiet komme in Frage. Diese Andeutungen könnten den Beweis liefern, zu welchem Zweck die Sachverständigen in Brüssel arbeiteten, nicht, um Deutschland Entschuldigungen für die Nichtzahlung seiner Schuld zu liefern, sondern um ihm klarzumachen, daß es feine Verpflichtungen sowohl in Peld als auch in natura erfüllen könne, und um bie Erledigung der Entschädign» gsfrag« mit dem wirtschaftlichen Wiederaufbau Deutschlands zu verquicken. Das einzige, was man bedauern müsse, fei, daß man alle diese Fragen nicht früher angeschnitten habe.
Der letzte Vorwurs kann, das wird auch der Petit Parisien zugeben, nur den Franzosen ge. macht werden. Von deutscher Seite war man längst zu Verhandlungen bereit, aber von französischer Seite wurde immer Prestigepolitik getrieben. Man erklärte, K schicke sich für die französische Regierung nur zu diktieren, mit den Deutschen dürfe man nicht verhandeln. _ Im übrigen muß der Petit Parisien vor einem übertriebenen Optimismus in bezug auf die Lage des deutschen Wirtschaftslebens gewarnt werden. Es scheint, daß feine Erwartungen sich auf Statistiken aufbauen, die nicht ganz mit der Wirklichkeit übereinfümmen.
Eine Slrrikftalisllk.
Amsterdam, 30. Dezbr. Eine in London veröffentlichte Statistik gibt einen Überblick über die Anzahl der Streifs in den verschiedene« Ländern während der ersten sechs Monate d. Js.:
Streikende
Deutschland
Italien . Frankreich Schweden Spanien.
England Amerika.
Australien Belgien .
Oesterreich
Durch Streik ver, lorene Arbeitstage 18201660 21650200 19358100 4779170 11630100 6925900
11787 400 7642000 2090 440
902900
100 Millionen Ar»
1866358
1781230
1186670
180070
224700
117010
958700
203400
176940
97540
Es sind insgesamt über beitstage durch das Streiken von etwa 9 Mu« Honen Arbeiter verlorengegangen. — Deutsch, land, das Land, das die Arbeit am nötigsten hat. hat natürlich den Vorzug, an der Spitze dieser Statistik, zu marschieren. Wrr können uns dies ja leisten!
(Weitere politische Nachrichten Seite 74