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General-Anzeiger

MMchrs Organ für Stadt- und Landkreis Sana«

* Erscheint täglich mit Ausnahme bev Sonn» und Feiertage

Nr. 305 Mittwoch den 29. Dezember

Einrückungsgebühr: Die8gesv.Kolonelzeileod. deren Raum L Mk., die 4geiv. Zeile i. Reklame­teil 3. Mk.. 25°inTeuerunaszuschl. Offertgebühr 30 Pfg. Bezt^tS preis: Vierteljährlich 12.90 Mk., monatl.4.30Mk.. für Postbezug vierteljährl. 12.90 Mark. monatl. 4.80 Mk. Die Nummer 20Hfg. Postscheck-Konto Nr. 26659. Frankfurt a. M.

1920

Das Neueste.

Die interalliierte militärische Kontrollkommission erklärt sich mit der Reorganisation der Sicherhetts- «oliaci unzufrieden.

Die ReichSregierung richtete an die Botschafter­konferenz eine Note über die Ausstattung der deutschen Festungen mit Artillerie.

, Nansen erklärte einem Vertreter der Presse gegenüber, daß die letzten HeimtranSporte für Kriegs- -csaiigene aus Rußland im Februar oder März in der Heimat eintreffen werden.

Die österreichischen Staatrangestellten haben in hrer Notlage die Hilfe der Entente angerufen.

Die Kernfrage»

In Brüffel hat Staatssekretär Bergmann^ di« Kohle als das wichtigste deutsche Wiedergut- machungsmittel bezeichnet. Wir haben tatsäch­lich nicht viel anderes zu liefern, denn auch die Erzeugnisse der chemischen Industrie, die wir ebenfalls angeboten haben, gehören der Kohlen- wirtschaft im weiteren Sinne an. Es ist-ge­lungen, die Kohlenförderung zu steigern, was aber noch kein Grund zur Sorglosigkeit und zur Zufriedenheit ist. Wir dürfen nicht vergessen, daß im Kohlenbergbau noch immer Raubbau g«- trieben wird. Während es längst notwendig ge­wesen wäre, neue Schächte abzuteufen, müssen die alten Schächte Hergeben, was st« irgendwie lei­sten können. In wenigen Jahren wird diese Leistungsfähigkeit völlig erschöpft sein. Und wenn wir im Ruhrgebiet drei Millionen und in Ober­schlesien zwei Millionen Bergarbeiter ansiedeln, so werden sie aus den Schächten keine Kohle, sondern nur Dreck und Steine zu fördern ver­mögen. Die Kernstage ist also: wie bringen wir es fertig, die Leistungsfähigkeit unseres Kohlen­bergbaues nicht nur zu erhalten, vielmehr auch . zu steigern. Dazu ist die Abteufung neuer Schächte nvtwLlchia. Hin Prozeß, den sich der r Laie nicht etwa als einfache Betriebserweiterung vorstellen darf. Es handelt sich vielmehr um ein verwickeltes und außerordentlich kostspieliges technisches Verfahren. Nicht jeder Versuch ge­lingt, da sich die Mächtigkeit und Ergiebigkeit neuer Schächte oft erst nach.Jahren und Jahr­zehnten herausstellt. Völlige Fehlschläge sind bei diesen Versuchen nicht nur Ausnahmen, sondern die Regel.

Der Kohlenbergbau muß also gewaltige Kapitalien opfern, wenn er nicht ganz in sich zu- stmmenbrechen soll. Schon das zeigt, daß die Sozialisierung des Kohlenbergbaues nicht nur eine organisatorische Maßregel ist, sondern auch eine solche, die eine Fülle volkswirtschaftlicher unb finanzieller Probleme aufwirft. Die Sozial- demokraten geben nunmehr offen zu, daß für sie die Wirtschaftlichkeit und Leistungsfähigkeit des Kohlenbergbaues Nebensache sind, daß sie mit der Sozialisierung vielmehr die politische Macht erobern wollen. Sie werden sich darin allerdings gewaltig täuschen. Selbst wenn es ihnen gelin- . gen sollte, die Sozialisierung des Kohlenberg­baus vom Reichstag und von der Regierung zu erpressen, so wird ihre Herrlichkeit nicht lange dauern. Einige Jahre läßt sich der Raubbau noch fortsetzen, um das sozialistische Beamtenheer der sogen. Kohlengemeinschast zu besolden. Daß die Kohlenpreise dabei gewaltig in die Höhe ge­trieben werden müssen, um die Kosten für die Verwaltung aufzubringen, wird die erste unan­genehme Entdeckung sein, die wir nach der Voll- sozialisierung machen. Wichtiger ist, daß nach der Erschöpfung der alten Schächte die neuen Schächte nicht rechtzeitig abgeteuft sind. Dazu wird die Kohlengemeinschast umso weniger Zeit haben, als mit Sicherheit zu erwarten ist, daß sich die verschiedenen sozialistischen Parteien er­bitterte Kämpfe um die besten Plätze am Futter­troge der Kohlengemeinschast liefern werden.. Die Kohlenwirtschaft wird dann zu einem Scher­benberg, zu einem Trümmerhaufen. Was noch gefördert wird, wird der Verband in Anspruch nehmen, während für die deutsche Industrie und für die Eisenbahnen nichts oder nur kümmerliche Reste übrig bleiben. Der Verfall Deutschlands ist dann unermeidlich, ebenso wie die Maffenaus- wanderung, da nur eine gesunde und leistungs­fähige Industrie ein 60-Millionenvolk zu er­nähren vermag. Es zeigt die ganze Hohlheit und Verwerflichkeit der sozialistischen Schlagwortpoli­tik, daß sie jeder sachlicher Erörterung über den Wert oder Unwert der Sozialisierung des Koh­lenbergbaus aus dem Wege geht. Sie hat guten Grund dazu. Das Volk darf nicht erkennen, daß die Sozialisierung keine Rettung vor dem Unter­gang, sondern die Vollendung der deutschen Tra­gödie ist. Gerade weil die Sozialisten die Sozia- lisierung des Kohlenbergbaus als Panier aufge­worfen haben, deshalb müssen sie auch glatt vor die Beantwortung der Kernfrage gestellt werden: woher nimmt der sozialisierte

Kohlenbergbau die finanziellen Mittel, um den Betrieb technisch auf d'er H ö he zu erhalten, die zur Ergiebigkeit notwendig ist? Soll das Reich die Mittel durch Anleihen beim Fi­nanzkapital aufbringen, so setzt das wieder die Verpfändung des Kohlenbergbaues voraus. Wir kämen also aus dem Regen in die Traufe. Das gilt besonders für die Bergarbe'ter, die sich dann zur Herauswirtschaftung der Rente für das Betriebskapital Lohnabzüge gefallen , lassen müssen, die auch durch Maffenaufzüge und Gene­ralstreiks nicht zu beseitigen sind. Wir sehen ja an den Kundgebungen der Berliner Arbeitslosen, daß selbst eine sozialistische Stadtverwaltung un­fähig und ohnmächtig ist, Arbeit zu schaffen und die Arbeiter zufrieden zu stellen.

EiNe neue Nole in 6er Snlwaffnungs- frage.

Die Entente fordert die Smflöfung der Sicherheitspolizei.

Die interalliierte militärische Kontrollkommission richtete unter dem 23. Dezember eine Note an das Auswärtige Amt. in her sie sich mit der Art, wie die Reorganisation der Polnei ausgeführt wurde, nicht befriedigt erklärt und die Auflösung der> i chcr- beitspolizei verlangt. -Tie Note stützt sich auf die in der Ententenote vom 22. Juni und den Be­sprechungen in Spa festgelegten Bedingungen für die Organisation der Polizei in Deutschland. Die Note vom 22. Juni hatte die Auslösung der Sicherheitspolizei binnen drei Monaten verlangt, darüber aber eine Er- höhunz der Kopfstärke der lokalen Ordnung?- und Schutzpolizei von 92 000 auf insgesamt 130 000 Mann zngestanden und das Entwaffnnngsprotokoll von Sva hatte hierzu noch die unverzügliche EntMiffnnng der Sicherheitspolizei dekretiert. Die Einzelheiten der Be­waffnung und Organisation der verstärkten Polizei sollten unmittelbaren Abmachungen zwischen der Inter­alliierten Ueberwachungskommission und den zuständigen deutschen Stellen vorbehalten bleiben. Solche 9lb» machungen sind in der Tat zwischen der preußischen Regierung und ber'STrtertrtiHeti*twi«>«y^^ worden. Der Inhalt ist in dem Erlaß des preußischen Ministers des Innern vom 4. Oktober ds. Js. niedergelegt, der vor feiner Veröffentlichung der Inter­alliierten Kommission Vorgelegen hatte. In dem Erlaß ist die Organisation und die Bewaff­nung der Polizei ganz im Einklang Hut den Forde­rungen der Entente geregelt. Die Sicherheitspolizei ist aufgelöst und entmilitarisiert. Jede zentralisierte Gliederung ist aufgehoben, die Befehlsgewalt stebt nur noch den örtlichen Polizeibehörden zu. Der Durch­führung dieses Erlasses dienten dann noch Ans- führungsbestimmungen, die am 20. November ergingen. Die Note Rollet» spricht im allgemeinen eine ziemlich energische Sprache.

Aus Berlin wird un» zu der neuen EntwaffnungS- Note gemeldet, daß die Bedingungen der Alliierten, die mit Zustimmung der Ueberwachungskommission in dem Erlaß vom 4. Oktober bindende Vorschrift auch vom deutschen Standpunkt aus geworden sind, tatsächlich verwirklicht seien. Wenn der Zweck der Polizei, der in der Note der Alliierten vom 22. Juni richtig gekenn­zeichnet worden fei, überhaupt noch erreicht werden solle, dann seien weitere Abänderungen oder gar Ein­schränkungen über das Maß des Erlasses vom 4. Ok­tober hinan» unmöglich. Deshalb glaubt man auch, einer etwaigen Nachprüfung der Verhältnisse in Preußen auf Grund der neuen Beanstandung Nollets mit ruhigem Gewissen entgegensehen zu können. Der Wortlaut der Note soll nach bett Absichten der ReichSregierung zu­nächst nicht veröffentlicht werden, weil man versuchen will, in unmittelbaren Besprechungen mit der Inter­alliierten Ueberwachungskommission die Mißverständ­nisse zu klären, auf die man die Note zurückführen zu müssen glaubt. (Wir sind mit dieser Geheimniskrämerei nicht einverstanden, da sie nur Veranlassung falscher Gerüchte und unzutreffender Kombinationen gibt. Fürchtet man etwa die Presse, d. h. deren scharfe Worte der Abwehr gegen die Entente, durch die Schwierig­keiten bereitet werden könnten. D. Red.)?

Die Abrüstung der östlichen Festungen

Die Reichsregierung ließ an die Botschafter- konferenz eine Note über die Ausstattung der deutschen Grenzfestungen mit Artillerie richten, in der gegen den Beschluß der Botschafter­konferenz, nach dem von den 14 Festungen an der Südgrenze und Ostgrenze Deutschlands elf ihrer Geschütze.beraubt und damit tatsächlich aus der Reihe der Festungen gestrichen werden sollen, Protest erhoben wird. In der Rote heißt es zum Schluß u. a.:

Seitdem der Beschluß der Botschafterkonferenz gefaßt wurde, hat sich jedoch die Lage an der deutschen Ostgrenze wesentlich verändert. Die immer bedrohlicher lautenden Nachrichten über Rüstungen der Sowjetrepublik und die Zu- sammenziehung russischer Truppen gegenüber der deutschen Östgrenz« zwingen dazu, die Gefahr eines Wiederaufflammens des russisch-polnischen Krieges und einer Bedrohung der deutschen Grenzgebiete nicht außer Acht zu lassen. Wenn in diesem Augenblicke die dort liegenden festen Plätze sämtlich aller VerteidigungSnüttel be­raubt würden, schwände die letzte Möglichkeit,

dem eindringenden Gegner Widerstand zu leisten. Die deutsch« Regierung bittet daher die alliierten Regierungen, nicht darauf zu bc' ehen, daß Kö­nigsberg, Küstrin und die Feste Boyen, die als vorgeschobene Posten dem ersten Ansturm des Gegners standzuhalten haben würden, sofort ent­waffnet werden. Sie bittet, ibr dafür bis zur Klärung der Verhältnisse im Osten Aufschub zu gewähren. In Königsberg handelt es sich im ganzen um 390 Geschütze, darunter 298 schwere, >n Küstrin um 168, darunter 100 schwere, in Bohen um etwa 20 Feldgeschütze. Ein Vergleich mit ähnlich wichtigen Festungen anderer Länder wird bestätigen, daß diese Bestückung außer­ordentlich gering ist. Sie stellt das Mindestmaß dessen dar, was erforderlich ist, um an eine Ver­teidigung überhaupt denken zu können Es darf darauf hingewiesen werden, daß die deutschen ^ru-ven seinerzeit in Kowno 857 Geschütze, in Warschau rund 1100 und in Maubeuge 412 Ge­schütze vorfanden. Die Befehle der Ablieferung und Zerstörung aller übrigen Geschütze, soweit sie von der Kontrollkommission nicht genehmigt sind, ergingen am 15. Dezember und 20. Dezember. Eine Abschrift der Note wird dem Vorsitzenden der interalliierten Militärkontrollkommission mit­geteilt

Ein Slreikerlatz -es Veichsverkehrs- Ministers.

Der Reichsverkehrsminister Groener hat noch derFreiheit" an sämtliche Zweigstellen, Gene­raldirektionen und Eisenbahndirektionen folgen­des Telegramm verschickt: .

Der klare und feste Standpunkt bei Reichs­regierung zur Frage des Beamtenstreiks (siehe Reichsverkehrsanzeiger 24) ist von den Herren Präsidenten mit allem Nachdruck zu vertreten. Hierzu werden folgende Richtlinien gegeben: 1. Miss den Beamtenpflichten unvereinbar ist eine zum Streik treibende Tätigkeit von Beamten beim Kapp-Putstch hoben den Beamten vollkommen die Köpfe verwirrt. 2. Strekagitation innerhalb der Dienststunden und Diensträume ist , unzü- lässia. Anschläge an Eisenbahngebäude, die zum Streik auffordern, sind ^u verhindern, ebenso die Verteilung von Druckschriften unter, der Be­amtenschaft zum Zweck der Streikagitation. 3. Die geeigneten Mittel zur Bekämpfung des Streikfiebers unter der Beamtenschaft sind anzu- wendgn. Da'U gehört insbesondere Aufklärung über -die schweren Folgen von Beomtenstreiks für den einzelnen, für die gesomte Beomtenfchoft und ihre Stellung zum Staate, für den Staatsoedan- ken sowie für unsere politische imb wirtschaft­liche Entwicklung überbaust. 4. Reichsregieruna und Parlament hoben die Not der Beamten durch die im Dezember getroffenen Maßnahmen. on- erkonnt und werden auch weiter.auf eine Milde­rung dieser Notlage hinwirken. Die unbesonnenen fortgesetzten Streikandrohung^n dagegen scheinen nur eine Aufgabe zu haben, eine gerechte und, soweit es die Verhältnisse zulassen, befriedigende Lösung dr Besoldungsfrage zu verhindern.

Groener.

Diese Anweisung hat unter den Eisenbahnern eine starke Erregung ausgelöst.

Die Forderungen der G^endahner. In Verhandlungen zwischen dein Reichsfinanzministerinm und dem Deutsche« Beanttenbrind wurde einer Blätter- !' clbitng zufolge beschlossen, die Forderungen der Eisenbahner dem R-ichSgutacht-rausschiltz zu über= Weisen, in dem Vertreter des Allgemeinen Deutschen Gewerklchastsbundes, des Deutschen Beamtenbunde« und des Deutschen Gewerkichaftsbunde? sitzen. Der ReichSgutachteranSschuß wird am ». und 4. Januar in Berlin alle die Eisenbadnbeamten angehenden Fra­gen erörtern. Die Forderungell der Eiienbabnardeiter werden in Verhandlungen im ReichSarbcitSministerinm erledigt werden.

Die Fiumer Vorgänge.

Berlin, 28. Tezbr. Von italienischer Seite wird uns über die Fiumer Vorgänge eine Zu­sammenhänge Darstellung gegeben, die bis zum 27. Dezember reicht, und der wir folgendes entnehmen:

Das Vorgehen der regulären Truppen kann in zwei Perioden geteilt werden: Verkündigung der Blockade und wirklicher Vormarsch, welcher im Gange ist. Der Vormarsch konnte nicht weiter hinausgeschoben werden, und es war die Gefahr vorhanden, daß die Fiunmner Legonäre d'Annun- zios jugoslawisches Gebiet betreten könnten. In der Nacht vom 24. bekame.i die regulären Trup­pen allseitig Befehl vorzurücken, -während Kriegs­schiffe des Geschwaders der oberen Adria in den'Gewässern Fiumes erschienen, sich jedoch auf eine Demonstration beschränkten. Gegen 5 Uhr nachmittags fanden die regulären Truppen^ den ersten ernsten Widerstand. Nach kurzem Gefecht rückten die regulären Truppen die Eisenbahn

Ve.rlagsleitung: Ab. Indermübl«.

Verantwortlich: für politischen und allgemeinen TeilNich.Hultsck' für lokalen und provinziellen I Teil lotete Sport W.Moritz: für Anzeigen und 1 Reklamen A. Brodt. alle tn 6 an au a. M. ; Rotationsdruckd.Waisenhausbuchdruckerei Hanau |

FernIvrechanschlusse Nr. 1237 und 1238 1

entlang bis zu den ersten Häusern von Fiume vor. Eine Ableitung Alpisii besetzte den Bahn­hof. Die Truppen gaben sich die größte Mühe, sowohl die Häuser wie das Leben der Einwoh­ner möglichst zu schonen. Während die meisten Einwohner angstvoll in den Häusern sich ein» schloffen, veranstaltete eine erhebliche Anzahl Fiumaner eine Straßenkundgebung zu Ehren Italiens und gegen die Torheit d'Annunzios. Sie persuchte den Palast der Regentschaft zu er­reichen, wurde jedoch von den Legionären zer­streut. Um ?412 Uhr abends war der Vormarsch der regulären Truppen beendet, und die Truppen hatten die Ausgabe unter Währung der Dis­ziplin vollendet, obschon die Legionäre alle Widersiandsm-Uel anwendeten. General Ca» viglia wollte, daß wenigstens der heilige Tag ohne Blutvergießen vor üch gehe. Daher stellten die regulären Truppen jedes Unternehmen ein. Am 26. Dezember wurden die Kriegsoperationen wieder ausgenommen. Die regulären Truppen rückten in die Stadt, wo die Legionäre lebhaften Widerstand leisteten. An Bord des Torpedo­jägersEspero", der sich auf Seilen d'AnnunUos befand, brach eine Feuersbrunst aus, und das Schiff wurde vollständig zerstört. Der in Rom zusammengetretene Ministerrat beschloß, Gene­ral Caviglia volle Freiheit zu lallen. lieber die innere Lage in Fiume gehen allerlei ^Zerüchte um. Wie man weiß, sind nicht alle FiuMner d'Annunzio ergeben. Andererseits ist ein großer Teil bereit, sich mit d'Annun-io aufzuopfern. Es ist zur Stunde außerordentlich schwer, die Gerüchte zu kontrollieren. Die italienische Preffe verbirgt den tiefen Eindruck der traurigen Ereignisse nicht, sieht jedocki geschloffen hinter der Reaterung und General Caviglia.

Rom. 28. Dezbr. (Stefani.) Alle Gerüchte über nicht ordnungsmäßiges Verhalten der Re­gierun gstruppen vor Fiume entbehren jeder Grundlaoe- Die Truppen machen von der Wane nur im Falle der äußersten Not Gebrauch. Die Mannesz uttu ovr -^ftM^ ' -

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Rom, 28. Tezbr. (Stefani.) Heute bortmilag sind der Leiter der nationalen Verteidigung von Fiume, Venturi, und der Bürgermeister von Fiume in Abbazzio mit General Ferrario zu> fammengetroffen. Da die beiden Delegierten der Regentschaft die Verhandlungen eröffnen woll­ten, ohne sich über ihre Stellung zum Vertrage von Rapallo Ju erklären, drückte General Ferrars in unzweifelbafter Weise aus, daß die boiitän» bitte und rückhaltlose Anerkennug des Vertraoes eine unerläßliche Vorbedingung jeglicher Unter» bandlung fei. Darauf erbaten d-e Delegierten bte Anberaumung eines neuen Zusammentreffen- auf den Nachmittag.

Paris, 29. Dezbr. Der Korrespondent der Cbicago Tribune" meldet unter dem 27. De­zember: Landgeschütze bombardieren die Stel­lungen der Truppen der Regentschaft im Norden von Fiume. In dem Vorort Susak ist ein schrecklicher Kampf Mann gegen Mann entbrannt. Auch in der Gegend von Gantrida und Castrano sind heftige Kämpfe im Gange.

Politische Tagesberichte.

Weitere Einschränkung des Versmmn- lungsrechis in Bayern? Die Münchener sozial- demokratische Presse veroffentlichi eine Verfügung des Staatskommissars für den Regierungsbezirk Mittelfrankcu, wonach sämtliche bayerischen Staatskommissare übereingekommen finb, das Versammluugsrecht noch weiter einzuschränken, als es bisher durch die ausnahmerechtliche Re- gelung der bayerischen vereinsrechtlichen Ver- Hältnisse geschehen ist.

Die deutsch-amerikanischen geistigen Be« Ziehungen. Der amerikanische Senator Mc Gor« mick hat Berlin verlassen und sich zunächst nach Koblenz begehen. Vor seiner Abreise hat er dem Berliner Amerika-Institut einen Besuch abge. siattet. Während seines Besuches sprach er sich, wie dieB. Z. am Mittag" berichtet, über dir Ausflchttn der deuifch-amerikanischen^ geistigen Beziehungen günstig aus. Er faßte sein Urteil über die allgemeine Lag« in dem Wort« zusam­men: Am Ende des Tunnels kann man Licht sehen. Zur Erreichung einer Annäherung zwi­schen beiden Staaten hält Mc Cormick bejonbets auch den gegenseitigen Besuch der Hochschstlen durch Studenten für sehr wichtig. Er meinte, daß mit Rücksicht auf die Valutaverhältncß« in Amerika. den deutschen Studenten, entgegenge» kommen werden müsse, etwa durch die Errichtung von Dollar-Stipendien. _

Abkommen zwischen deit Nledrrl«nden und Dcntkchtand. Im mederländuchcn Ministermin der Auswärtigen hat die Ratjfikatio« der zwischen den Niederlanden und Deutschland abgeschlossenen Ab- tommen» betreffend die Gewährung von Krediten und die Kohlexaurfuhr -attgefunden.