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Lokales.

Hanan, 27. Dezember.

Nach dem Feste.

$Xe Kerzen am Tannenbaum sind erloschen, 'rre Weihnachtslieder verklungen, der hellaufjauch- -ende Jubel freudiger Ueberraschung und Dank­barkeit der Kleinen ist einer stilleren Beschau­lichkeit — der Weihnachtsgeschenke gewichen. Man ist jetzt in «in kritischeres Stadium einge- treten und beginnt, die Gaben des Christkinds auf ihre Dauerhaftigkeit und Nützlichkeit zu prü­fen. Da ist es kein Wunder, wenn hier und da eine Enttäuschung Platz greift. Das Heer her Puppen, die immer noch da, wo kleine Mädchen zu beschenken sind, in größeren Massen auftreten, >seist schon bedenkliche Verwüstungen auf. In eitler Neugier möchten die Kleinen so gerne wissen, wie die Puppe angekleidet ist, oder wie sie innen ausschaut. Viele Puppenkostüme sind dabei böse zerzaust worden; hier fehlt eine Locke, dort ist ein Gürtel entzweigegangen oder ein Arm oder ein Sein ausgerissen, und aus der Wunde riefelt unaufhaltsam ein Strom von Häcksel oder Sägespane. Manche Eisenbahnen, ganze elek­trische „Betriebe" sind stehen geblieben oder voll­ständig „kaput" gegangen, wie der terminus technicus der Meinen lautet, weil sie, wie die Wagen, Trommeln, Schießgewehre und wie die schönen Sachen alle heißen, der Wißbegier der Beschenkten nicht standhalten konnten.

Das Weihnachtswetter ließ manches zu wün­schen übrig. Statt der weichen träumerischen Schneeflocken, nach denen man sich um die Zeit des Christfestes fast sehnt, fielen am Heiligen Abend, als die Glocken ihr Weihnachtslied sangen und „Friede auf Erden" verkündeten, bleierne Regentropfen vom Himmel , hernieder und schmutzige, schlüpfrige, zeitweilig in dichten Nebel gehüllte Straßen starrten uns trübselig an. An den Feiertagen blieben wir indes von Regen­schauern verschont, ja vormittags gelang der Sonne oftmals für einige Augenblicke der Durch­bruch durch den grauen WoÜenfchleier, und die Witterung war so milde wie um Ostern, was in den Zeiten der Kohlennot auch als ein Geschenk des Himmels zu betrachten ist.

Reichlich boten die Feiertage auch diesmal wieder Gelegenheit zu stiller Einkehr und Sammlung. Beginnen wir mit den Weihnachts- gottesdienstcn, die am Heiligen Abend sowohl wie auch an den beiden Festtagen eine äußerst große Menge Andächtiger' in den Kirchen ver­sammelten. Besonders die Teilnehmer des Abend- gottesdienstes in der Marienkirche brachten die richtig« Weihnachisstimmung mit noch Hause, wo unter dem Tannenbaum die Familienmitglieder sich versammelten. Auch sonst war für Weih- nachtsuntcrhaltunzen gut gesorgt, die Wirte hatten es sich angelegen sein lassen, den Aufent­halt in ihren Lokalen anregend und gemütlich, -ü gestalten ffkr"tMMlWü7 die sich zur M- wechselung aus ben engeren vier Wänden herous- Kbnten und zahlreich waren die Weihnachts­feiern der Vereine in den größeren Lokalen und Sälen — überall guter Besuch und frohe Stim­mung. So war amh das heurige Weihnachtsfest wieder das alte und doch ewig schönste Fami- lienfeft.

Dom Rote« Kreuz.

Die Beendigung des Kriegszustandes und das Inkrafttreten des FriedenSvertrages Hot dem Wirken der Verein« vom Roten Kreuz kein Ziel reicht. Das Rote Kreuz sucht auch fernerhin Be- tätigung im Geiste der Nächstenliebe und Barm­herzigkeit. Das Rote Kreuz hat «S hierbei an einer Umstellung seiner Aufgaben und an einer Anpassung an die gegenwärtigen Verhältnisse nicht fehlen lassen; es stellt sich mit in den Dienst

Das Winkelbergsche Kerz.

Ro-aan von Ewald Gerhard Seeliger.

63. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

„Das will ich nicht!" lächelte der Baron, bei den Widerstand seines Gegners schwinden fühlte. „Sie sollen ja auch hier bleiben. Nur die Dummheit von heut morgen sollen Sie wieder gutmachen. Ihr Kontrakt läuft noch zwei Jahr«. Sollten Sie, was ich nicht glauben kann, meiner Kündigung Folge leisten, so werbe ich Ihnen das Gehalt weiter^ahlen, sofern ich dazu imstande bin. Kann ich s nicht und wirtschafte ich mich ohne Sie auf Britzkawe zu gründe, ba-nn tragen Sie allein die Schuld."

August Knorreck hielt den Blick gestatt und schüttelte in einem fort den Kopf.

„Es ist mein letztes Wort, Kmorreck!" warnte ihn der Baron. „In der Dickköpfigkeit nehm ich's noch mit Ihnen auf? Ueberspannen Sie ben Bogen nicht."

„^ tu das nicht, Herr Baron!" stöhnte der Inspektor.

„Sie wundern sich darüber?" rief Fritz von Winkelberg, seines Sieges sicher, „obgleich Sie selbst den Herrn Baron in mir großgezogen haben. Jetzt saßt er Si« an. Jetzt will ich einmal wenigstens Ihr Herr Baron sein."

„Herr Baron ich bitte Sie, nehmen Sie die Kündigung zurück."

.Nur ilr^r einer Bedingung."

August Knorreck sanken mit einem Ruck die T hultern herab.

„Sind Sie nun mürbe, mein lieber Knorreck?" lachte der Baron und stopfte ihn auf bie Schul­ter. „Sehen Sie einmal, Sie richten mit Ihrem ^ickf^ädel nichts aus. Werfen Sie mir wirflich ben Kram vor die Füße, dann wirtschafie ich mit Tbomas Hauschild weiter. Hedwig kommt her. Ich finde sie kürn. Sie bet in Zdurotschin das­selbe Billet wie Hugo gelöst, und zwar nach

der gesamten Wohlfahrtspflege, um so auch zu seinem Teile zur Vc^öhnnng und zum gegen­seitigen Verständnis innerhalb unseres verärgerten und durch allerlei 9i5k schwer geprüften Volkes bcitutraoen. Der Familienfürsorgc und hier wieder insbesondere der Säuglings- und Wöch, nerinnenfürsorge will das Rote Kreuz sich künftig zuwenden. Freilich kann ein solcher Neuaufbau ohne die erforderliche finanzielle Grundlage sich nicht vollziehen. Das Rote Kreuz appelliert des­halb nicht nur an seine bisherigen Mitglieder, von denen es regelmäßige Zahlung und tunlichst auch Erhöhung der Beiträge erbittet, sondern es legt auch besonderen Wert auf die Gewinnung neuer Mitglieder aus allen Ständen ohne Rück­sicht auf die Parteizugehörigkeit. Das Rote Kreuz ist gerne bereit Angehörige aller Schichten. der Bevölkerung, soweit sie mitarbeiten wollem bei sich zu Worte kommen zu lassen.

Diejenigen Volkskreise, die während des Krie­ges überwiegend Träger der verschiedenen Zweige der Kriegswohlfahrtspflege gewesen sind, sind heute zum Teil nicht mehr leistungsfähig genug, um Geldopfer für das Rote Kreuz so wie bisher zu bringen. Nachdrücklichst muß deshalb darauf hingewiesen werden, daß die große Not in weiten Kreisen der Bevölkerung die Opser- willigkit vorzugsweise des jungen Reichtums er­fordert, und daß gerabe dieienigen, die ihr Ver­mögen der Kriegskonjunktur verdanken, die Ehren­pflicht haben, an der Genesung unseres erkrank­ten Volkskörpers mitzuarbeiten und der wirt­schaftlichen Not durch Wohltätigkeit noch Kräften zu steuern.

Besonders hervorgehoben sei, daß für die Leistung von Beiträgen von Einzelpersonen die Bestimmung des § 13 des R.-E-St.-Gef. vom 29. März 1919 von Bedeutung ist, wonach vom Gesamtbetrag der Einkünfte Beiträge an mild­tätige Vereinigungen, worunter auch das Rote Kreuz fällt, abgezogen werden dürfen, soweit ihr Gesamtbetrag 10 Prozent des Einkommens der Steuerpflichtigen nicht überschreitet. Gleiches gilt für die Körperschaftssteuer der nicht natürlichen Personen nach § 5 des Körperschafts-^teuerge- setztes vom 30. März 1920.

Anmeldungen zum Roten Kreuz und Beiträge werden vom Schatzmeister des hiesigen Zweig­vereins Herrn Philipp Koburger, Bangert 1, entgegengenommen. Soweit die SanitätSkolonnen in Frage kommen, werden diese auch fernerhin sich den früheren Friedensaufgaben (Kranken­transport, erste Hilfe bei Nnglücksfällen und der­gleichen) widmen. Das vorhandene Pflegepersonal stellt sich bereitwilligst in den Dienst der Besse­rung der hygienischen und sozialen Verhältnisse. Besonders industriellen Betrieben ist hier der Beitritt als zahlende inaktive Mitglieder zu empfehlen, da die SanitätSkolonnen als Gegen- leistuna sich angelegen sein lassen werden, mit Unterstützung der Betriebsleitungen die erste Hilfe.. W Isa4lüchsiällen_Lu organisieren-. M-^»-

* Eine Gedenktafel für die im Weltkriege gefallenen Hanauer Post- und Telegraphen- deamten. Am ersten Weihnachtsfeiertag ist in der Schalterhalle des Hauptpostamts eine von den Be­amten gestiftete Ehrentafel mit den Namen der im Weltkriege gefallenen bezw. gestorbenen Hanauer Post, und Telegraphenbeamten feierlich enthüllt worden. Die in Antiquaschrist Wiedergegebenen Namen der Helden mit dem Todesdatum sind auf einer Platte von schwedischem Granit in fortlaufender Zeile nach Art der Inschriften auf den Denkmälern der Klassiker eingetragen. Der Entwurf rührt von Herrn Kunstmaler Estler von der hiesigen staatlichen Zeichenakademie her, die Ausführung lag in der Hand des Herrn Friedrich Jörg.

* Gesangverein der Marienkirche. Die Hauptprobe zum Festabend finbet bestimmt morgen abend 7 U$r in der „Centralhalle" statt.

Halle. Wir machen Hochzeit. Ihre Einwilligung ist dazu nicht nötig. Und dann werden Sie schon ganz von selbst wiederkommen."

August Knorreck knüllte mit der rechten Hand seine Mütze zusammen.

„Also, wie stehen wir?" rief Fritz von Win­kelberg und schlug ihn auf die Schulter.

„Wie der Herr Baron besthlen!" sagte der Jnsvektor und ging.

Fritz von Winkelberg atmete erleichtert auf und schrieb einen Brief nach Halle.

Als August Knorreck die Haustür erreicht hatte, durch die er über fünfundzwanzig Jahre gegangen war, mußte er sich an den Pfosten hal­ten. Sein, Gang war unsicher und tappend. Frau Knorreck öffnete die Tür.

„August!" schrie sie auf, als sie ihn taumeln sah. „Was ist dir!"

„Nichts!" sagte er ruhig und raffte sich zu­sammen. „Es war so ein kleiner Schwindelanfall. Wir ziehen morgen nach Zdurotschin. Der Herr Baron hat mir gekündigt."

Frau Knorreck entfiel vor Schreck der Leuch­ter. Das Licht erlosch.

„Ruf Thomas!" befahl er mit fester Stimme. „Er muß ein Telegramm nach Luscbelau bringen. Der alte Abraham muß morgen herkommen."

Zehn Minuten später ibrengte der Gehilfe in voller Karriere in die Nacht hinein.

21. .

August Knorreck schlief diese Nacht nicht. Zuerst holte er feine Wirtschaftsbücher heran und begann zu rechnen. Frau Knorreck, die sich noch immer nicht zu fassen wußte, saß zusammenge­brochen auf dem Stuhl hinter dem Ofen und schluchzte leise in ihre Schürze.

„Was soll das?" rief August Knorreck barsch. „Das hilft nichts. Hol dir zwei Mägde und pack die Sachen. Morgen früh ziehen wir. Es bleibt dabei. Hör auf zu lamentieren!"

„August!" stöhnt« sie. „Wov-n losten wir leben? Wir haben doch nichts als dein Gehalt."

* L avttheater. Heute Montag den 27. ^c^ember, abends 7 Uhr, findet eine geschlossene Vorstellung statt. Zur Aufführung kommt das Lustspiel „Im weißen Röß'l". Dienstag den 28. Dezember, nachmittags 4 Uhr. findet eine Wiederholung des Kindermärchens „Die sieben Raben" statt. Wir möchten auf diese Aufführung ganz besonders Hinweisen, abends 7 Uhr erste Wiederholung des mit starkem Beifall aufge- nommenen Schauspiels „Die Eondottieri". Be­reits heute möchten wir darauf aufmerksam machen, daß die Vorstellung im Freitags­abonnement auf Donnerstag den 30. Dezember verlegt wird. Die am 24. Dezember ausge­fallene Abonnementsvorstellung wird später nachgeholt.

* Der Hessen-Nassauischc Handwerkerbund, ein Kartell des kurhessisch-waldeckischen Handwer­kerbundes, des Gewerbevereins für Nassau und des Handwerker-Jnnungs-Verbandes im Reg.- Bezirk Wiesbaden, entsandte am 22. ds. Mts. seine Vertreter nach Marburg zu einer Beratung über Maßnahmen bei der kommenden Wahl zum Preußischen Landtag. Es gilt die Interessen des geeinigten Handwerks des gesamten Wahlbezirks in einheitlicher Weise wahrzunehmen und die erforderliche Vorarbeit sofort in engster Verbin­dung mit den politischen Parteien durchzuführen.

Hk. Ueber Verpfändung deutschen Eigentums in den Vereinigten Staaten erteilt Interessenten Auskunft die Geschäftsstelle Hanau der Vereinig­ten Handelskammern Frankfurt a. M.-Hanau.

Hk. Ueber Liquidation deutschen Eigentum» in Rumänien erteilt Interessenten Auskunft die Geschäftsstelle Hanau der Vereinigten Handels­kammern Frankfurt a. M.-Hanau.

Hk. Die Ausfuhrsperre nach der Schweiz be­zieht sich nicht auf Waren aus Edelmetallen und auf vergoldete ober versilberte Unebelmetallwaren, welche im Ausbeflerungsv«rkehr nach der Schweiz ausg«führt werden.

Hk. Für Sendungen nach dem Saargebiet wird ab 1. Januar 1921 ausnahmslos bie Bei­bringung des Berechtigungsscheines bezw. des Derbleibszeugnisses der Handelskammer Saar­brücken erforderlich sein. Vor dem 31. Dezember ohne solchen Schein ausgestellte Ausfuhrbe­willigungen behalten bis zum 15. Januar Gül­tigkeit. Bei Holz- und zenttalisierten Waren ver­bleibt es bei den bisherigen Bestimmungen, für Textilwaren regelt die zukünftige Reichsstelle die Handhabung.

* Hanauer Kriegerverein. Wir erinnern hierdurch nochmals daran, die dem Verein zur Verlosung zugedachten Gewinne möglichst recht­zeitig im großen Saale der „Eentralhalle" ab« zuliefern, damit dieselben zur Verlosung passend eingereiht werden können.

* Weihnachtsfest der Schüler der Oberreal- schulc. Am Dienstag den 21. Dezember fand in

*--«*** “fMÄS Kaufm. Ber

Heute abend 8'/- Uhr Singstunde im Restaurant «Drei Schwanen".

ben Säle Wonach

, fest der Schüler der Oberrealschule statt. Welch hohes Interesse dieser Veranstaltung nicht nur von den Schülern und ihren Ange­hörigen, sondern auch von allen Kreisen unserer Hanauer Bürgerschaft entgegengebracht wurde, bewies der überaus zahlreiche Besuch; die Säle waren kaum groß genug, um sie alle fassen zu können. Besonders sahen die Kleinen in echter Festesfreude dem Kommenden entgegen. Kurz nach 4 Uhr fand das Fest durch die Egmont- Ouvertüre von Beethoven seine Eröffnung. Mit richtigem Empfinden hatte man neben weih-

nächtlichen Musik- und Gesangsvorträgen her Werke unseres großen Meisters gedacht, dessen Andenken wir vor einigen Tagen gefeiert haben. Das Schülerorchester unter der bewährten Leitung des Herrn Gesangslehrer Liese war erfolgreich bemüht, uns einenTeil Beethovenschen Schaffens zu vermitteln. Der Chor „Die Himmel rühmen" gelangte unter machtvoller Stimmentfaltung wir- ■namMHHmHRiHMMaHBaHaMMi

„Ein Jahr halten wir's aus!" wies er sie zurecht. „Und für das Weitere wird der Herr­gott sorgen. Jst's hier mit Britzkawe ganz und gar aus, dann such ich mir eine andere Stellung!"

„Du bist doch ein alter Mann!" rief sie. „Gib doch nach! Dich nimmt doch keiner mehr als In­spektor!/

„Das wollen wir erst mal sehen. Ich nehm's mit jedem Jungen auf."

Da wußte sie, daß nichts gegen ihn und seinen Starrsinn auszurichten war. Sie ging langsam hinaus und holte sich ein paar Mägde, um das Geschirr und die Wäsche einzupacken. Eine halbe Stunde später hörte sie August Knorreck im Schlafzimmer herumhantieren. All« Hoffnung aber hatte sie noch nicht verloren. Sie konnte nicht glauben, daß sie der Baron ziehen lassen würde.

Der Inspektor aber rechnete, schloß die Zah­lenreihen ab, überblickte den Inhalt der Kasse und machte einen Rundgang , durch die Ställe. Dann kam Thomas Hauschild zurück. Dem über« gab er die Bücher und die Kasse, prägte ihm die Arbeiten für die nächsten Wochen ein und ließ ihn nicht eher los, bis er alles vom Herzen her­unter hatte. Da schlug es Mitternacht.

„Wenn Sie was nicht wissen," sagte August Knorreck und stand auf, „bann kommen Sie zu mir. Ich wohne in Zdurotschin. Halten Sie die Ohren steif, daß nichts versäumt wird. Ich werd hin und wieder selbst zum Rechten sehen kommen. Wenn Sie nicht aufpaffen, ist unsere Freundschaft aus. Dann mögen Sie selbst sehen, wie Sie mit Hedwig zurechtkommen."

Thomas Hauschild versprach es ihm in die Hand und legte sich schlafen, denn er war über­müdet.

August Knorreck aber nahm Stock und Mütze und ging mit starten, langsamen Schritten durch die Felder Matt nur schimmert« die Mondsichel durch die unbeweglichen Wolkenschleier der Nacht. August Knorreck brauchte kein Licht.' Er kannte

fungsucl zum Vortrag. In seiner Begrüßung^. ! ansprache wies der Oberprimaner H. j darauf hin daß trotz des Ernstes der Zeit, Geist einer harmlosen Freude wie es beim Wes«. j natchsfest der Fall ist, gepflegt werben müsse und richtete an alle die Mahnung, sich für ein ^ ' Stunden in die Poesie des Weih nachts festes versenken. Um das. weihnachtliche Gepräge fe5 Abends zu verstärken, hatte man für den ersten Teil entsprechende kleine Gedichte gewählt, bjc i von den Schülern Ferd. Rösser (6b), G- : Stummer (6b) und H. Bauer (U. 3b) in schliß ; ter Herzlichkeit vorgetragen, wurden; dem sch^ sich der wirklich gut gespielte Klaviervortrag „Vögleins Abendlied" des Tertianers Schwer- sinnig an worauf der Chor „Stille Nacht, heilig Nacht" alle Zuhörer wir immer in den Sam Zwang. Der zweite Teil leitete allmählich zur Unterhaltung über. Neben einigen Klaviervor- trägen des Oberprimaners Withol, fesselten die turnerischen Vorführungen. Das Turnen am Hochbarren ließ auf saubere Vorbereitung schlie­ßen, ebenso riefen die von Herrn Turnlehr« Lohfink zusammengestellten und eingeübten Sied- ! Übungen lebhaften Beifall hervor. Den Schluß des offiziellen Teils bildete der Einakter „Ei« Dummerjungenstreich" von K. Laufs. Die frische Art der Vorführung und die Liebe und aufmerk-1 samkeit mit der sämtliche Mitwirkenden sich i« den Stoff vertieft hatten, riß die Zuhörer mit und löste einen langanhaltenden, wahlberechtigte« Beifall aus- Nach einer längeren Pause, in der die Ausräumung des Saales vorgenommen wurde, kam auch der Tanz zu seinem Recht. Während des Tanzes führte das Schattenspiel „Der Rin; des Polykrates" eine angenehme Abwechselung herbei. Alles in allem genommen, war der Ein­druck des Abends ein durchaus günstiger, und er ist der Oberrealschule nur zu wünschen, daß stets ein derartig glücklicher Stern über all ihren Ver­anstaltungen walten möge.

* Der Schutz gegen die Zwangsvoll­streckungen würde nach der Verordnung vom 16. Juni 1920 am 1. Januar 1921 ablaufen, durch dar in der Sitzung des Reichstages am 17. Dezember beschlossene Gesetz, dessen Ver­öffentlichung im Reichsgesetzblatt bevorsteht, ist indessen dafür Sorge getragen worden, daß den Kriegsteilnehmern auch noch für ein weiteres halbes Jahr, also bis zum 1. Juli 1921 bet Schutz gegen die Zwangsvollstreckungen zuteil wird. Die sachlichen Voraussetzungen für bh Anwendung dieses Schutzes sind dieselben- ge blieben. 6s tritt aber eine Abänderung be« Verfahrens insofern ein, als ab 1. Januar 1921 die Vollstreckung nicht mehr der vorherigen Be­willigung durch das Vollstreckungsgöricht bedarf, es vielmehr Sache des Kriegsteilnehmers [ein , wird, nach Beginn der Vollstreckung seinen An- ' spruch auf die Gewährung des Schutzes durch -

Stadttheater Hanau

Direktion: Joh. Poetsch. — Telephon 160.

Montag, 27. Dezember 1920, 7 Uhr Geschlossene Borstellung

„3m weißen Steffi“ Lustspiel von Blumenthal und Kadelburg.

Dienstag, 28. Dezbr. 1920, nachm. 4 Uhr

--Die sieben Stäben“ Märchen von Marie Sorge

Dienstag, 28. Dezember 1920, 7 Uhr

--Die SonboMeri^^

Schauspiel von Rudolf Herzog.

in der Gemarkung Britzkawe jeden Stein. Linki und rechts streckten sich die dünnen, zähen Halme des Roggens in die Höhe. Sie leuchteten schon gelblich. Acht Tage noch, dann fiel der erste Sensenwurf. Er hob die Hand und ließ die Halme durch die Finger gleiten. Eine Aehi« blieb darin hängen. Sie war voll und schwer und strotzte von Körnern. Das war feine Ar­beit, seine treue Arbeit seit fünfundzwanzig ren. Und das sollte jetzt plötzlich ein Ende haben! Gesenkten Hauptes schritt er weiter, durch den fetten, raschelnden Weizen, durch die flüsternde Gerste, die der sanfte Nachtwind furchte, durch die dunklen Kartoffelfelder und an den schnurgeraden Rübenfurchen entlang- Drei Stunden wanderte er, sprang über Gräben, strich am Waldrande entlang, umkreiste fast die ganze Gemarkung bis nach Altsorge hinunter, wandle sich endlich und machte sich auf ben Rück­weg, als im Osten gerade der erste Morgenschiw- mer erwacht«. Auf der Schwedenschanze, von deren freier Höhe man das ganze Dorf und den größten Teil der Gemarkung übersehen konnte machte er halt. Lange ließ er seinen Blick in die Runde schweifen und nahm Abschied von dem Boden, der ihm durch fünfundzwanzig Iah" harter Arbeit seine Heimat geworden war.

Da fiel drüben an der hohen Ecke des Süd- reviers ein lauter Schuß. August Knorreck sah sogar die Flamme des Pulvers aufleuchten. Zu­erst dachte er an den Förster, bann an Moutz Gaffel, der da einen Rehbock zur Strecke gebrarw haben sonnte. Aber er verwarf diesen Gedanken bald und schöpfte Verdacht. Die beiden hak" ' es nicht nötig, sich in der Nacht, wo alles schlief, auf den Anstand hinauszustehlen.

Eine halbe Stunde später klopfte August Knorreck mit seinem Stocke an die Fensterläden des Försterhauses. Karl Ruppert steckte den struppigen Kopf heraus, wies die Hunde, Die 'ärchterlich lärmten, zur Ruhe und fragte, was los fei,. (Fortsetzung folgt.)