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Samstag den 18. Dezember
1928
Das Neueste.
— Im Reichstag wurde gestern der Gesetzentwurf über die Verschärfung der Strafen gegen den Schleichhandel und die Preistreiberei sowie die verbotene Ausfuhr von lebenswichtigen Gegenständen endgültig angenommen.
— Der Reichspräsident bestimmt« durch Verordnung den 20. Februar als Wahltag für die Reichstagswahlen in Ostpreußen und Schleswig- Holstein.
— Vor dem Reichsgericht begann gestern die Revisionsverhandlung im Prozeß Erzberger gegen Helfferich. Das Urteil wird am 2i. Dezember verkündet werden.
— Mit den Landtagswahlen (20. Februar) finden gleichzeitig die Provinziol- und Kreistags- wahlen statt. ■
— In der französischen Kammer wurde eine Tagesordnung angenommen, in der die Durchsetzung der Entwaffnung Deutschlands und dir Ausführung der Reparationsklauseln gefordert wird.
Brüssel.
Die Brüsseler Sachverständigenkonferenz hat iIon Anfang genommen. Viele Schwierigkeiten ^""n zu überwinden, viele Konferenzen mußten '.r.tenwerden,und grosse Noten warennot- i "Dg, um zu dieser Konferenz, auf der da; L lrdZherstellungsproblem beraten werden soll, p gelangen. In Spa wollte man schon mit vor Diskussion beginnen, doch Entwaffnung und Kohlenlieferungen gingen vor, und es blieb nur dje feierliche Zusage, baldmöglichst eine neue Konferenz unter Hinzuziehung deutscher Vertreter ^'^"ichwertige Teilnehmer abzuhalten. Jetzt
eine Vorbei atung
gönnen. Es handelt sich ausschliesslich um Beratungen; zu bestimmten Abschlüssen haben die Alluerten-Delegierten keine Vollmachten. Die erste Handlung der deutschen Vertreter bestand in der Ueberreichung eines ausführlichen Beuchtes über die wirtschaftliche, finanzielle und soziale Lage Deutschlands, wie wir gestern kurz berichteten. Es ist ein sehr langes Schriftstück, das die Eingänge aus den Zollrechten, Steuern und Monopolen zusammenstellt und in dem in der Hauptsache auf die Bedeutung der schwebenden Schuld hingewiesen wird, die Anfang Dezember 165 910 235 620 Mark betrug.
Es sei jetzt ein Jahr vergangen, heißt es, seitdem die finanzielle Reform im Lande in die Hand genommen wurde, und es werde ndnbeftens noch ebenso lange dauern, ehe die Früchie dieser Reform erkennbar sein werden. Unterdessen lvachsen die Schulden und damit die Schwierigkeiten, in denen sich das Deutsche Reich befindet. Nur die Durchführung dieser finanziellen Reform könne das Reich davor retten, daß der Zustand völlig hoffnungslos werde Das fei der letzte Ausweg. Wenn Deutschland den finanziellen Zustand nicht länger beherrschen kann, weil ein großer Teil der Bevölkerung seinen vermeintlichen Besitz an Bonds und Papiergeld nicht mehr als Reichtum ansehe, dann werde der wirtschaft- kiche Zusammenbruch kommen müssen und einen Umfang annehmen, dessen Folgen noch gar nicht zu übrrsehen sein werden. — Alsdann gab der Reichsbankpräsident Havenstein einen ausführlichen Ueberblick über den Stand des deutschen Geldwesens und der deutschen Valuta. Er schilderte die Gründe, die der Besserung der deutschen Valutaverhältnisse entgegenstehen. Unter den Ausführungen war besonders bemer- «nrwext die Richtigstellung derjenigen Zahlen, dl« auf der letzten Brüsseler Finanzkonferenz über den Wert der deutschen Ein- und Ausfuhr dem ersten Halbjahr 1920 angegeben worden snoren. Nach den damaligen Ziffern ergab sich "n Mai und Juni eine aktive Handelsbilanz. Havenstein stellte das in der heutigen Sitzung Win richtig, daß auf Grund der angestellten Nachprüfung sich im gesamten ersten Halbjahr
Zurückbleiben der Ausfuhr hinter der ($in= fnhr von nicht weniger als 36 Milliarden Mark, Mo durchschnittlich 6 Milliarden Mark monat- ich, ergeben habe. Zum Schluß seiner Ausfüh- sungen erklärte Havenstein, daß die Besserung
deutschen Valuta nur aus einer Besserung Zahlungsbilanz erfolgen könne. Diese beruhe ^eberum einerseits auf der Ordnung des Fi- ^uzwefens, andererseits auf einer guten Ordnung und Organisation aller deutschen Verwal- i^Sen, ferner auf § v a r s a in k e i t und schließ- ich und vor allem auf Arbeit, deren Dorbe- °wgung die freie Exportmöglichkeit sei. Endlich s^üsse die Kriegsentschädigung van Deutschland st berechnet werden, daß sie noch getragen wer-
In der gestrigen Sitzung gab, wie ein amtlich herausgegebener Kor serenzberichi meldet, Staatssekretär Bergmann einen Ueberblick über die Ansichten der deutschen Regierung in der Repa- rationsfrage, wobei er einen Unterschied machte zwischen der Frage der Revaration in natura und der Reparation in Geld. Bezüglich der Frage der Reparation in natura skizzierte Staats» sekretär Bergmann einen Plan, der später diskutiert und besprochen werden wird. Der deutsche Delegierte betont die Schwierigkeiten, ^für Deutschland, Zahlungen in natura zu machen, solange die finan'ielle Lage und der Kurs der Mark sich nicht gebessert habe.
Nach den bis jetzt aus dem Konferenzsaal zu uns gedrungenen Reden geurteilt, scheint man in Brüssel eine ernste Sprache zu reden, eine ernste Sprache, die nötig ist, um den Alliierten endlich beizubringen, daß man nicht die sofortige Regelung unserer Finanzlage vorgenommen wird, der vollkommene wirtschasi^iche Zusammen- bruch Deutschlands unausbleiblich ist. Fortge- whren in dieser Sprache, einmal muß doch auck^ in den Hirnen der Ententestaatsmänner die Vernunft Platz greifen.
Ueber den Eindruck der Sitzung in Trüffel lauten die Berichte der Variser Presse durchaus widrrsvruchS- voll. Der „Excelsior" erklärt, daß in Brüssel neffern abend in alliierten Kreisen eine etwas pessimistische Stimmung geherrscht habe, daß man aber dennoch bte Hoffnung'hme, daß die Konferenz von Brüssel nicht mit einem Mißerfolg enden werde. Der heutige Tag werde bie Entscheidung bringen. — Dagegen erklärt der „Petit Parisien", daß der Eindruck gestern in den alliierten Kreisen gut war. — Nach verschiedenen Blättermeloungen wurde beschlossen, der deutschen Delegation einen Fragebogen zn überreichen, der be« rein in Vorbereitnng sei, den sie anSarbcrten müßte. Sollten die Bemühnngen, zu Vereinbarungen zu ge- icheitcr», würden Joie,liniierten unterem» bamitber Sertotuer Vertrag angewendrt weM/uM daß Denlsch'and vor dem 1. Mai lstLl bekanntgegebkn würde, welche Lieferungen es zu vollbringen hat.
Der Sondervertreter der Agence HavaS gibt eine sehr pessimistische Schilderung der geftriaen Verhandlung in Brüssel, die wesentlich bur* die Ausführungen des ReichSbaukvräsidcnten Haven^ein beherrscht war. Der Vertreter der Agence Havas kommt zn folgendem Schluß: Die Deu-ichen erklären, verlangt augenblicklich nichts mehr von uns, denn, wir sind mit unsrem A:em zu Ende. Laßt uns noch Lust atmen. Wenn das e ntreten sollte, werden die Alliierten unter sich beraten und daran geben, einen Fragebogen an'zu- setzen, der schon in Doroereitung ist und den deutschen Dcleg-erten unterbreitet wird. Wenn dieser Versuch, der ben Zweck eines Zusammenarbeitens mit der Vertretern Deutschlands haben soll, seine zufriedenstellende Lösnng ergeben sollte, bleibt noch übrig, daß die Allii-rten unter sich die Modalitäten ausfindig machen, wie der Vertrag von Versailles in einer We se angewandt werden sollte, die mit der Lage Deutschlands im besten Einklang steht. Diese Modalst ten/ Wevoe man dann in einem Verfahren, wie es in dem FneÄcnsvcrtrag für das daselbst festgesttzte Damm, ben 1. Mai 1921, vorgcichlagen ist, durch die Repa- rakronSkom nission notisisteren lassen. . Trotz dieses gestern abend in Ententekreisen herrschenden Eindruck? hoffe man doch, daß die Konferenz von Trüffel nicht mit diesem grellen Mißerfolg enden werde. ES sehe so aus, als ob in dieser Beziehung der morgige Tag entfebeiben» sein könnte.
Zu diesen Ausführungen erfährt da? WTB. von znstänstgrr Stelle, daß es unbedingt nötig war der Gcarnscste zuerst die außerordentlichen Schwierigkeiten der geaenwärt g'n wirtichaitlichcn und fiuanzielltn Lage Teutschlauss darzustellen. Er ist nicht verwnnder'ich, daß diese m-zeichminkte Darstellung auf bte Sachver- kändigen der Alliierten zunächst vielleicht einen un= erwarteten Eindruck machte. Diese Lage schliesst i-doch nach Ansicht uteioebenber deutscher Stellen nicht aus, daß auf der Basis der durch die dentichen Tar- k^ungen gewonnenen Erkenntnis in bem Zusammenarbeiten mit den Sachverständigen der Alliierten eine positive Lösung in der Sicparationsfrage ,cfunden wirb
Keine Regierungskrise.
Berlin, 17. Dezbr. Der Steuerausschuss des Reichstags behandelte die vom Unterausschuss vorgelegte Formulierung der § 1 des Reichsnot- opfergefetzes und nahm diesen Pharagraphen mit geriiiger Mehrheit an. Im Hinblick darauf, dass die Mitglieder der Deutschen Volkspartei dagegen stimmten und die Demokraten sich der Abstimmung enthielten, erklärte der Reicps- fnanzminister, dass er dem Reichskanzler über die Haltung der Regierungsparteien sofort Bericht'erstatten werde, dass die heute zutage getretene Lage als e ne für die Regierung un» mögliche zu bezeichnen sei. Die Abstimmung her Deutschen Volkspartei und die Stimmenthaltung der Demokraten gaben dem Zentrum Veranlassung, sich feine Stellungnahme im Ple turn vorzubehalten.
Die drähende Regierungskrise infolge der Vorgänge im Steuerausschutz des Reichstages ist beseitigt. Die Fraktion der Deutschen Volks-
parier hat beschlossen, die Regierungsvorlage über die beschleunigte Einziehung des Reichsnotopfers mit bestimmten Milderungen, zu denen sich der Reichsfinanzminister im Namen der Regierung bereit erklärte, anzunehmen. Ein entsprechender Verständigungsantrag, der insbesondere Erleichterungen für das Betriebskapital der Industrie und Landwirtschaft und für bte kleinen Rentner vorsieht, dürste heute von den Regierungsparteien im Plenum des Reichstages eingebracht und mit den Stimmen dieser Parteien und der Sozialdemokraten angenommen Werden.
Die PvMik Frankreichs.
Paris, 17. Dezbr. In der heutigen Kommer- sitzung richtete General Castelnou eine Anfrage an den Ministerpräsidenten unter Bezugnahme auf den Demissionsbrief des abgegangenen Kriegsministers Andrä Lesövre. Die Befürchtungen der Kriegsministers wären berechtigt, wenn Deutschland nicht ent w a s f n e t wäre. Deshalb richte er ax den Minister- Präsidenten die Frage, ob Deutschland entwaksnet oder- ob die Entwaffnung auf gutem Wege sei. Man müsse für eine gewisse Zeit die deutsche Militärmacht beseitigen. Diese Periode müsse soviel wie möglich verlängert werden. Deutschland sei eine schikanierende Macht, die der Ausführung der FriedenSvertrageS Widerstand entgegensetze. Die ReparationSfrage sei noch nicht geregelt. Erst wenn Deutschland entwaffnet sei, könne Frankreich seine militärischen Lasten verringern, ohne die Interessen des Vaterlandes zu gefährden. Ministerdräsident LehgneS fegte, er begreife vollkommen die Erregung, die sich anoeficht» des TemissionSbriefeS der Kriegsminister» im Lande zeige. Diese Beunruhigung dürfe nicht fertbeftehen. AndrS Lesövre habe geglaubt, auS GewissenSbedenken fein Amt »icderlegcn zu müssen. Das wolle er nicht diskutieren, aber er frage, ob die neuen Militärgeseze
die national-. Verteidigung in Gefahr bringen könnten. iMMHi^L-«« Wenn man ihn frage- ob Dmtsckkand da entwaffnet sei, bann antworte er nein. Wenn man ihn aber frage, ob Deutschland auf dem Wege zur Entwaffnung sei, dann antworte er ja. M-nister- bräfitcnt Leyoucs führt die Anzahl der ahgelieferten Waffen und Munition an und erklärt. Deutschland müsse sein Heer auf 100 000 Mann berabürn. Es tue das nicht ohne Widerstand. Minister-
präsident Leygur» fährt fort: Die Entwaffnung Deutschlands schreitet trotz seines
Widerstandes, der nur unsere Festigkeit er»
mutigen kann, vorwärts. Gegenüber einem'Deutschland, das kein Material besitzt, ist Frankreich mit emeüi ungeheuren Material ausgerüstet. Deutschland hat noch lr,0 000 Mann unter den Waffen. Drut'ch- latd, daS 150 000 Mann Soldaten unter den Waffen (igt un», wenn es wolle, bat Doppelte, stellt einem Frankreich gegenüber mit 800 000 Mann Soldaten unter den Lünsten. Wären wir in dieser Lage un« fähig, Deutschland niederzuwerfen, wenn eS more-n wagen sollte, den Kopf zu erbeben? Wir ha!ten die Mainlinie und alle Brück nlöpfe, die Ä.ixale und die EisenÄayi.en. Unsere Sicherheit läuft feine Öefalir. Die Regicrnna hat ihre Schuldigkeit getan dadurch, daß sie einen ® nebenttonrf cinge nacht hat, der die nationale Verteidignu, nicht schwächt, her aber auf die wirtschaftliche Notwendigkeiten Rücksicht u mm.t. Der Finau^ansichnd der Kammer und der de» SenatS oaben die Diegurnng aufgefarbeit, die Kosten zu vermindern. Gute , ''langen sind fürs Volk ebenfalls notwendig. Man faat, es könnten Echwierigkeiten in Europa entstehen. Gewiß besteht noch da» Fieber, das sich aus dem grossen Krieg ergibt. Wer hat gr« glaubt, daß die Erregung so ktinell vorüber sein würde ? Besonders für die kleinen Staaten, die gerade erst entstauben sind. Es ist die Aufgabe Frankreichs und der Großinächic, die siegreich an« dem Striege herber« gegangen sind, wachsam zu bleiben und die kleinen Staaten zu beschü-en. — General Eastelnau fordert den Ministerpräsidenten «if, nachdem er seine Erklärung über die Entwaffnung DrutschlaiidS für bc- iriebigcnb erklärt hat, sein Werk forttufegen, denn oas Land wolle den Frieden. —'Hieraus interpelliert der royalistische Abgeordnete Leon Daudet ebenfals über die Demission bei Kriegs- mimsters. — Der Abgeordnete Louis Bart l, o u er» greift alsdann das Wort. Er wundert sich, daß der rgeuialige Kriegsm nister Lef vre, der durch feinen Briet bie Frage der Sicherheit Frankreichs vor das Land gebracht hat, nicht zur Stelle ist. Barihon er« hart, dag DiMschloud sich wr gere, den Friedenzper- trag auSzusübren, ob er sich um Kohle ober um die Eniwastnnug handele. 8er.hon erinnert an die Reden, die der deuliche NcichSkanzlcr un» der Minister bei Arußeru im besetzten Rhc nland gehalten habe. Aus bie Rote Q-ranfreidib habe Deutschland mit einer Stete geantwortet, bie eine wahre Hcrautfordcrnng bedeure. Barthou wünsche zu wissen, ob Deutschland ni*t den ärieben»»eitrag von Versailles verlegt habe. Ob man Nicht geheime Waffenlager ge undm habe. Leygned habe erhärt, bie Lage des Land. 4 sei so, daß es keinen Krieg zu befürchten hc »e. Das stimme
für den Augenblick, eher auch im kommenen Frühjahr büne keine Öefahr bestehen. Frankreich allein sorge dafür, Latz in Europa bte ikttragg'lamelu auSgefübt: werben. Wo sei die interalliierte €oli» barität 9 Stur Italic» und -wen'reich hätten in Ober chlesicu Soldaten. Frankreich fei an den N ern des Rheir^s fast ullei/i. Die Kammer habe die Thesen M.üerand» behatidjt, der erklärt habe, die Fristen für
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die Vefabungsjeit liefen nicht, wenn Deutschland nich ben Vertrag ausführe. Sie könnten nur berechnet werden von dem Tage an, an dem Deutschland den FriedenSvrrtrag aiiSgesührt habe. Hierauf bringt Kaution BarneS die Frage der Vorschüsse für die V rbesferung der Lage ler Bergarbeiter im Ruhrgebiet zur Svrache. Der sozialistische Abgeordnete Sembat ’agt, die Erklärung der Ministerpräsidenten über die Entwaffnung Deutschlands sei pollkommen beruhigend. Er glaube nicht an die Entwaffnung, die man selbst einem besiegten Volk nicht austwrngen könne, wenn man nicht selbst entwaffne. Man verleugne Frank- .reich, wenn man es mit einem Gesicht darstelle, bat nicht bas (einige sei. Sembat spricht noch von bet Möglichkeit, in der Reparation-frage zu einem Ein« Verständnis zu gelangen.
Ministerpräsident L e y g u e» antwortete auf die' Anfrage BarthouS, indem er die Waffen- und Munitiont- mengen bezeichnete, die im Gegensatz zum Monat Juli am 1. Dezember von Deutschland an die Alliierten «bgeliefert waren. Auf bie Anfrage von Barret erklärte er, man müsse die Tatsache unterstreichen,^ daß, wenn die Bergarbeiter im Ruhrrevier gelitten hätten, die' nicht auf die Alliierten, sondern auf die Fehler der deutschen Regierung zurückzusührcn sei. Der Dlinisterpräsidcnt sprach alsdann von der Konferenz in Brüssel. Den französischen Delegierten seien klare, bestimmte und kategorische Instruktionen gegeben worden. Es handele sich nicht darum, Deutschland zu zwingen, alles in Gsldniark zu bezahlen, aber eS handele sich darum, die AuSsührung aller Vertragsklauseln zu forbern. Frankreich wolle nur verlangen, was raifonabel sei. Ob die Schuld in Goldmark oder in Natura be« zahlt werde, sei gleich, sie müsse bezablt werden. Man wolle nicht, daß Frankreich in der Welt als eine Ratio« erscheine, die Mißbrauch mit ihren Kräften treibe. Ministerpräsident LcygucS sprach alsdann von einer Propaganda, die in Amerika betrieben werde, pm Frankreich als imperialistisch und militaisstisch hinzustellen. Gegen diese Propaganda müsse sich Frankreich durch seine Haltung wenden. Schließlich erklärte Ministerpräsident LeygueS, daß die englische Regierung ihm Beweise ihres Willens zur freundschaftlichen und vertrauensvollen Zusammenarbeit gegeben habe. DaS Lend wisse», daßdaSEinseiständniS zwischenE»s,land u, . ' sei, alS heute. Die
H Seite an Seite krockieren, nicht nur zur Verteidigung ihrer eigenen Interessen in der Welt, sondern auch zur Sichersiellung bei Friedens in Europa (Lebhafter Beifall). Nach einer unwesentlichen Debatte werden drei Tagesordnungen einge»
beiden Nationen
legiere, die von der Regier» n
bracht. Die eine von Marcel Hadert, die andere von Lösn Audet, die dritte von General Eastelnau. Die "tegierxna angenommen wurde, nimmt Kenntnis von ben Er-
lautet: Die Kam »er
klörungen der Regierung und vertraut auf ihre An- ftrcngungen, die sie gemeinsam mit den Alliierte» unternehmen wird. um die Entwaffnung Deutschlands und die Auslührung der Reparationtklauseln gemäß dem striedensverlrag von Lerja lleS durchzuführen. äie zählt auf die Regierung, daß sie die nationale S.chcrheit und die Ereorderniffe der auswärtigen Politik mit den finanziellen Möglichkeiten in Einklang Dringen wird. Diese Tagesordnung ist mit 493 gegen 75 Stimmen angenommen worden. Die Beratung der noch vorliegenden Interpellationen über die auswärtige Polidk wurde auf Mittwoch vertagt. Schluß gegen
8
Uhr.
Polnische Tagesberrchle
— Der OberprLfldent LjtpreußtnS über den <elNfrf*u^. Zur ÄFienten'oie über die Luk« leimig der Or,cfch un». f»Hftigir Sclbstswutzo.gani- sarionca wie der vstprcuß.jckr.k Cn<« und «reitj« Wemn, vrröffeullicht Oderpräfiscut Siebr eine Er« hiruug, worin e» b«8t: Lelbstvriftäasllch habe er incmcls bie Ansicht »ertreteu, »e» eine Bernärkuns von öOJO Mann genüge, um bie Sicherheit in Ostpreußen aufre*3anerhaltcn. Er ha be mit Rücksicht auf die expouierte Lage Oßpreußeiis ich Beginn ferner Am'SkuNuiig auf die ?.*twen»igtcit einer Ärrstärkun, ocr Grknzfickrruuz hingewicirn und die Vermehrung oer Reichswehr und S.cheehci.spolizei für potwenerg ertüäri. Seiler seien alle Luuäse urterHmwei« auf oeu Friedcnsvrr.rag »bgekhnt worden. Die Le« w«chu->g und der Abkrautport der ubtrgarciG.cn 50 000 Russen der zahUnmütziz schwachen ReiwSwehr waren übcrr>auvt nur babur^ xiögu*. vaß Orts- und Grcuzwchrea ins Leben geruscel- un» für bieten be« sonderen Zweck ausgedo^n wurden. Mit den Eicherich» Orzanrsatr.neu had<n diese Orts» u«> Grenzwenen nicht» zu tun. So sind vielmehr gegen diese Seibif id)Uiorganifati»ne:t in scharfem Knuipfe eingefeg: wor« den. iie Zahl 3<)0O, die in der Rote erwähnt w.rd, i;at erst we enllich später eine Rolle gespielt, ci* eS galt, d.e in den Wälocl» zerstreute» Rnsjen zu saul- mein und abjutranvporhcrca. Hierzu wurden bie Grenzwehren als freiw.l je Polizeitruppe in Ätarle von etwa 2000 Nian» und bie Orrswehn» in Llarle von etwa 1000 Alaun aufgeboten und für elesen be» ioxbereu Zweck für genügend ertiärt. Die Erklärung verweist daraus, daß, loiunge der russiich-polnnche Krieg noch tobt, für bu Provinz eine «tute uxfaljr beste»t, uxb dre Oits- un* Eren-wehr sur die Sicherheit der Provinz uucntbchrirch i|t Bu« Schluß heißt eS: Falls tro, der befonberen Sage bet Provinz Ostpreußen die Austöjung der Orts- und Grenzwcdren zur Herstcuuug des vollen offrcdcns- liiftenoeg im Osten durchgefuhrt wurde, könnte ich bie Verantwortung für bte Sicherheit bet Provinz nicht weiter tragen und wurde bte daraus sich ergebenden Folge.ungcil ziehen.
(Weitere politische Nachrichten Tettz, 1}