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General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanau

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M. 285

(Samstag den 4. Dezember

192a

Das Neueste.

Der Hauptausschuß des Reichstages ge- Mmigte als erste Rate für den Bau eines kleinen Areuzers 25 Millionen Mark.

Reichspräsident und Reichskanzler erließen einen Aufruf zur Grenzspende.

Die Bauarbeiterinternationale befaßte sich mit dem Wiederaufbau Nordfrankreichs.

Eine durch die Sinnfeiner geplante Mi- nisterentführung wurde vereitelt.

Frankreich und Amerika.

Während der französische Ministerpräsident Leygues in London die östlichen Fragen mit lLloyd George bespricht, bereitet sich die franzö- ' fisch« Diplomati« in Paris auf die Ankunft des amerikanischen Senators Mackormick Senator Mackormick nimmt bei Harding die Stelle ein, wie fie Oberst Houfe bei Wilson innehatte, vor. Mit der ihr eigenen Intensität untersucht sie die neue Stellung der Vereinigten Staaten zu den alliierten Mächten und damit zum Versailler Ver­trag«. Die Leitung der auswärtigen Politik Frankreichs liegt jetzt in der Hand einer ganz kleinen Anzahl erprobter Männer, deren Kraft­quellen so stark sind, daß sie Angriffen einer par­lamentarischen Opposition siegreich Widerstand leisten können. Derdiplomatische Generalstab der dritten Republik" verfügt über eine Anzahl

fiervorragender Specialisten, die vor dem Kriege ;au die dringendste Jlufgaöe. Er kann aver nur hartnäckig an dem Allianzwerke arbeiteten, wäh-'^"^ ln gerechter und billiger Weise erfolgen, rend des Krieges die Propaganda leiteten und ^"u der Schleier der Ungewißheit und Unge- beren gründliche Sachkenntnis heute so notwen- rechtigkeit bon ben Dingen mu Verhältnissen hie. ist, daß man in einer veränderten innerpoli- f^t.mb die Wahrheit offen zutage liegt. ^ae ^.^^<1«« ^..s wKoffenfrage ist naturgemäß ba£ wichtigst« Pro-

richten könnt«. D^^W^W^MWWWW Regimes in Franfteich und gleichzeitig die Bürg­schaft für dieKontinuität in ber Weltvolitik ber dritten Republik".

Um die Position Frankreichs mit der neuge­schaffenen und durch Hardings Wahl gekennzeich- reten weltpolitischen Richtlinie Nordamerikas in Einklang zu bringen, ist ein Mann wieder in Ak­tion getreten, der zweifellos am geeignetsten ist, um diese Aufgabe zu lösen: Andr6 Tardieu. Der Diplomat und Publizist Tardieu diente nicht allein Clemenceau in der Friedenskonferenz, son­dern wurde noch vor dem Kriegskabinett Clemen- ceau nach Amerika geschickt, um dort neben dem französischen Botschafter die Kriegspropaganda zu betreiben und die Mittelstellung zwischen Eng­land und den Vereinigten Staaten in allen den Seekrieg und die Blockade betreffenden Fragen zu übernehmen. Tardieu ist es, den die heutige Re­gierung auserlesen hat, mit Mackormick zukon­ferieren", ebenso wie Tardieu mit Wilsonkon­ferierte", das heißt: ihm täglich ein Privatissi- mum über die-europäische Lage und Frankreichs Wichten und Rechte las. Nicht zufällig ist es, daß einig« Blätter an Tardieus alte Beziehungen zu Mackormick erinnern; das war im Jahre 1905. Mackormick hatte damals den Posten des ameri­kanischen Botschafters in Paris inne; er hielt offizielle, Rede, die im Zusammenhang mit der englisch-französischen Freundschaft den Erhalt hatte, daß die Vereinigten Staateneine sreundschaftliche Annäherung an Frankreich wün- Wn, weil dadurch den kommerziellen und fried- uchen Interessen der Welt am meisten gedient Auf dies« Rede stützt man sich jetzt wieder erwartet von Tardieu, daß er sie zu guter Runde dem Senator in Erinnerung bringt.

Die diplomatischen Pariser Kreise wissen aber Mch mehr; MackormicksVertrauensmann", der iubl'.'isi Gibbons, hat in englischen und am«ri- wiidjcn Zeitschriften mitgeteilt, was Harding unter einerKlärung des Verhältnisses der Ver- ^nigten Staaten zu den europäischen Kolonial- Echten" versteht. Gibbons weist mit Nachdruck M denenormen Gewinn Englands", auf die »^roverungen Frankreichs in Europa" und zu- auf die eigenmächtige Lösung der Mandat- A durch diese beiden Mächte hin. Dagegen ' ^ er fest, daß die Vereinigten Staaten nichts gewonnen hätten als die Anerkennring r Monroe-Lehre. Damit ist die öffentliche Mei- Zg der Vereinigten Staaten nicht gufrieben. auch beunruhigt über die Folgen des Ver- ber Westen Europas ist ein e'm' ^lager". Dieser Zustand flößt Besorgnis ch. ^ie Amerikaner können aber nur dann in ^"ba eine Handelspolitik führen, sie können Jann an dem Wiederaufbau des Kontinents , wenn dieser Zustand verschwindet. Gib- tro'^ ^ ^me Revision des Versailler Ver- ^kez und geht so weit^dic maßgebenden Kreise .^ütons als Verfechter dieser Meinung hitt-

, Wie begreiflich, macht dieser Aufsatz Gibbons urn französischen Diplomatenkreisen mehr von

sich reden als dasAthener Wespennest" und des Moskauer Irrenhaus". Man ist sich der Trag­weite der Europareise Mackormicks voll bewußt und bereitete darum die Auseinandersetzungen aufs genaueste vor.

In engster Verbindung mit den Gesprächen, die der amerikanische Senator in Paris führen wird, stehen die handelspolitischen Angelegen­heiten. Mehr denn jemals stützt sich die Diplo­matie der französischen Republik und ganz be­sonders Andrö Tardieu auf die wirtschaft­lichen Vorteile, die sich für Nordamerika ergeben werden, wenn es in Franfteich und den Kalo- inen feste Stützpunkte für Handel und Industrie, Schiffahrt und Bankgewerbe sucht. Briand tritt bereits für diese französisch-amerikanischeEn­tente" ein. In einigen Blätterst gesellt sich zu diesen Betrachtungen eine tendenziöse Note gegen England. Aus diesenVorverhandlungen" der Pariser Diplomati« geht hervor, daß Mackormick in Paris gehörig in die Arbeit genommen werden soll . . .

Ein englischer Derlreler zur Lage.

Der Botschaftsrat SeedS, der mit diplomati­schen Vollmachten aus gestattete englische General­konsul für Bayern, machte einem Vertreter der Deutschen Telegrapheninformation folgende Mit- teinngen:

Nach schweren Zerrüttungen, die der Krieg

der ganzen Welt gebracht hat, ist der Wiederauf­bau die dringendste Aufgabe. Er kann aber nur

blem für den W iederaußdau- &s Hh« notax^g, daß der Verband die volle Wahrheit über die Kohlenerzeugung in Deutschland erfährt. Es steht fest, daß gegenüber England und Frankreich die Kohlenförderung in Deutschland verhältnis­mäßig größer ist. Wenn die objeftive Wahrheit über die Kohlenförderung in Deutschland vor- liegt, dann wird versucht werden müssen, selbst­verständlich in Uebereinstimmung mit den Ab­kommen von Versailles und Sva, Mittel und Wege zu finden, um nach dieser Richtung hin den Wiederaufbau Deutschlands zu ermöglichen^ Was die Frage der Milchkühe anbelangt, so ist Eng­land an dieser Ablieferung unmittelbar nicht in­teressiert. In diesem Zusammenhang möchte ich erwähnen, daß es nicht klug ist, wenn die deutsche Presse immer wieder versucht, die alliierten und assoziierten Mächte gegeneinander auszuspiel«n. Die gemeinsame Grundlage für ben Verband sind der Friedensverftag von Versailles und das Ab- komm:N von Spa. Es ist nicht richtig, wenn ver­schiedentlich behauptet wird, daß das englische Volk Haß gegen Deutschland habe. Es mag zu- treffen, daß einzelne die ihnen im Kriege wider­fahren:« Bitterkeiten nicht vergessen können; aber von einem Deutschenhaß in England kann nicht gesprochen werden. Die englische Regierung hat dir Einreiseerlaubnis für deutsche Journalisten erleichtert. Auch deutsche Kaufleute, die in Eng­land geschäftliche Beziehungen anknüpfen wollen, erhalten diese Erlaubnis. In diesem Zusammen­hang möchte ich auf Ihre Frage bezüglich der Er­haltung der bayerischen Einwohnerwehren ant- w irren: Der Verband wird die Antwortnote der Reichsregierung in der Einwohnerwehrfrag« ab­warten und dann seine weiteren Beschlüsse fassen. Ich persönlich denke und hoffe, daß sich ein Kompromiß wird finden lassen, der Bayern vorläufig die Einrichtung der Einwohnerwehr unter Dezentralisation und Kontingentierung be­läßt. -

Worum der Verband Klarheit und Wahrheit über die Kohlenförderung in Deutschland ver­mißt, wissen wir nicht; wir haben nicht gehört, daß sie irgendwie in Dunkel gehüllt sei. Jeden­falls dürfte es aber nicht schwerfallen, ihm hier Klarheit zu verschaffen.

Die Wahl des preutz. Slaalsrals.

Die Frattionen der Sozialdemokraten, des Zentrums, der Deckokraten, der Deutschen Volks- partei und der Rechtsunabhängigen in der Preu­ßischen Landesversammlung haben einen Ini­tiativantrag eingebracht, der die Wahl zu dem in der Verfassung vorgesehenen Staatsrat i* geln soll.

Die Wahl der Mitglieder des Saatsrates und ihrer ersten und zweiten Stellvertreter soll danach, nach den Grundsätzen der Verhältniswahl, in den Hohenzollernschen Landen, wo nur ein Mitglied des Staatsrates zu wählen ist, nach den Grund­sätzen der Mehrheitswahlen vorgenommen wer­den. Wähler sind die Mitglieder der Wahlkörper (Provinziallandtag, Stadtverordnetenversamm­lung in Berlin, Kommunallandtage der Grenz-

bezirke Posen, Westpreußen ifnb der Hohenzollern- schen Lande). Die Wahl findet in der Regel in der ersten Tagung des Wahlkörpers nach seiner Neuwahl statt. Ueber das Wahlverfahren ent­hält der Gesetzentwurf eingehend« Bestimmungen. Aus einstimmigen Beschluß des Wahlkörpers kann an'Stelle der Einreichung von Wahlvor- schlägen und der Wahl durch verdeckte Stimm­zettel nach einem vereinfachten Verfahren ge­wählt werden. Die Richtungen oder Gruppen des Wahlkörpers vereinbaren die Verteilung der auf den Wahlkörper entfallenden Sitz« im Staatsrat« untereinander. Die Wahl der Vorgeschlagenen erfolgt nach Bekanntgabe der Vorschläge durch den Wahlkommissar durch Zuruf. Gegen die Gültigkeit der Wahl kann jedes Mitglied des Wahlkörpers binnen zwei Wochen nach der Be­kanntmachung Einspruch beim Wahlkommissar er­heben. Ueber den Einspruch beschließt der Staatsrat. Für die erstmalige Wahl der Vertreter der Grenzmark Posen-Westpreußen wird ein Wahlkörper von 30 Mitgliedern gebildet, der in unmittelbarer, geheimer, gleicher Wahl nach den für die Wablen zu den Provinziallandtagen gel- tenben Bestimmungen von der Bevölkerung des Regierungsbezirks Schneidemühl gewählt wird. Für Berlin und die Hohenzollernschen Lande wird erstmalig der Zeitpunkt der Wahl durch die Staatsregierung festgesetzt.

Ein bekanntes Mannöver.

Im Zusammenhang mit den frandösisch-eng- lischen Vorschlägen, eine örtlich« und zeitliche Trennung der Abstimmungsberechtigten für die Volksabstimmung in Oberschlesien durchzuführen, fei an die Vorgänge erinnert, die sich kurz vor der Abstimmung in Ost- und Westvreußen zugetragen Autuk -Dama^. kaue . die Jmeralljierte Kom­

mission in Allenstein :

mr

wissen Umständen für die auswärtigen Abstim­mungsberechtigten besondere Wahlbüros und Ur­nen zugelassen werden könnten.

, Diesen Beschluß hat die Interalliierte Kom­mission auf Vorschlag der Polen gefasst Gegen dieses Vorhaben hatte die deutsche Regierung Protest eingelegt. Zudem hatte der Reichskom­missar für die Abstimmungsgebiete Ostpreußens, Frhr. v. Gayl, der Interalliierten Kommission in Allenstein am 5. Juli eine Protestnote über­reicht, in der er darauf hinwies, daß die Polen bei der Entscheidung über das Schicksal des Be­zirks gegebenenfalls erreichen wollten, daß den Stimmen der von aufwärts kommenden Wahl­berechtigten eine geringere Bedeutung beigemessen werden sollte als den anderen Stimmberechtigten. In der Protestnote heißt es u. a:

Ich lege gegen den Schritt feierlichst Ver­wahrung ein. Er wird das Abstimmungsergeb­nis an sich in keiner Weise zu Deutschlands Nach­teil beeinflussen, wohl aber muß und wird er von der deutschen Seite als eine Rechtsbeugung guf polnisches Betreiben hin empfunden werden. Ich lege auch gegen die Form des Vorgehens schärfste Verwahrung ein und behalte mir alle Maßnah­men vor, welche notwendig sind, um den deutsch- gesinnten Teil der Bevölkerung über die Außer­achtlassung seiner im Versailler Vertrag ihm zu­gebilligten Rechte aufzuklären. Wenn von bem deutschen Volk in allen Punkten eine völlige Er­füllung dieses Vertrages gefordert wird, so hat das Abstimmungsgebiet seinerseits ebenfalls das Recht, genau nach den Bestimmungen des Ver­sailler Vertrages abstimmen zu können. Das ein­seitige Vorgehen der Interalliierten Kommission ist geeignet, die Ruhe und Ordnung in den Ab- stimmungstagea zu oefährden."

Auf Grund des Einspruches der deutschen Re­gierung erhielt dann der Vorsitzende der Deut­schen Friedensdelegation folgende« Schreiben:

Paris, 9. Juli. Das Generalfeftetariat der Friedenskonferenz beehrt sich, dem Herrn Präsi­denten der Deutschen Friedensdelegation auf seinen Brief vom 4. Juli 1920 mitzuteilen, daß Anweisungen an die Abstimmungskommissionen in Allenstein und Marienwerder ergangen sind, damit bei der Abstimmung keinerlei Unterschei­dung gemacht wird zwischen den Wählexn, die in dem Gebiete ihren Wohnsitz oder ständigen Aufenthalt haben und denen, die dort geboren sind, aber dort nicht ihren Aufenthalt haben.

Eine sozialreformerische Anklage.

Wir leben in einer Zeit, in der von den in jahrzehntelanger Arbeit durch deutschen Fleiß und deutsch« Intelligenz geschaffenen Kulturwer­ten einer nach dem anderen zugrunde gebt." Mit diesen Worten beginnt Professor Dr. H. Albrecht in derSozialen Plans" einen Aufsatz, der sich mit dem wahrscheinlich bevorstehenden Ende der Zentralstelle für Volkswohlfahrt be­schäftigt. Als freie Vereinigung errichtet, die teils durch Beiträge ihrer Mitglieder (dar waren

besonders Jndustriefirmen und industrielle Ver­bände), teils durch Zuschüsse von Reich und Staat gespeist wurde, bedarf die Zentralstelle infolge der Teuerung gesteigerter Einnahmen. Aber sie hat die 200 000 Mark, die so an Stelle der bisher er­haltenen 50 000 Mark notwendig wurden, von Reich und Staat nicht bekommen können. Deshalb schreibt Prof. Albrecht u. a.:

Es ist . . ein Anzeichen tiefsten Verfalls, daß zu einer Zeit, in der täglich Millionen in unproduktiven Streiks auf die Straße geworfen werden, in der Taufende und aber Tausende, ohn« Werte irgendwelcher Art zu schaffen, sich an der Staatskrippe satt machen, Reich und Staat die dem gegenüber lächerlich geringe Summe von 150 000 Mark nicht aufzubringen sich entschließen konnten, um ein in dreißig­jähriger Arbeit ausgebautes Kulturwerk ersten Ranges aufrechtzuerhalten, das gerade in bei heutigen Zeit berufen gewesen wäre, geistige und sittliche Werte zu erhalten und neu zu schaffen, die in den Wirren der letzten Jahre verlorengegangen sind.

In einem ausführlichen Rückblick auf die Lei­stungen der Zentralstelle begründet Albrecht die­sen Standpunkt. Die Zentralstelle hat nicht nur die Betriebswohlfahrtspflege propagiert und den Begriff der Wohlfahrtspflege wissenschaftlich ver­tieft, sondern auch die Zusammenfassung der freien Vereinst atigkeit auf den zahlreichen Ge­bieten der Wohlfahrtspflege, die kommunalen Wohlfahrtsbestrebungen, das Genossenschafts­wesen usw. in ihren Arbeitskreis einbezogen. Auf allen diesen Gebieten fallen den Organen der freien Wohlfahrtspflege, dank ihrem Recht auf Initiativ«, die bedeutsamsten Aufgaben zu. Pro­fessor Albrechts Anklage der neuen Zeit erscheint daher begreiflich genug.

Berlin, 3. Dezbr. Der Reichspräsident und d«r Reichskanzler erlassen folgenden Aufruf zur Grenzspende:

Der Tag der Abstimmung über Oberschlesien naht heran. Allen Oberschlesiern muß die Betei­ligung an der Wahl ermöglicht werden. Große Mittel sind dazu erforderlich. Noch einmal ergeht der Ruf an die freiwillige Liebestätigkeit, damit durch die Hilfe aller deutsches Land dem Deut­schen Reich« erhalten bleibt. An der Opferfteu- digkeit des deutschen Volkes mögen die Ober- schlesier erkennen, daß das Vaterland an ihnen hängt. Sie mögen daraus neuen Mut zu treuem Beharren schöpfen. Umso einmütiger werden sie ihre Stimmen für das Deutsche Reich abgeben. je sichtbarer hinter ihnen der Wille des deutschen Volkes steht. Der Ausdruck des Willens ist die Tat. Zu solcher Tat bietet die Sammlung zur Grenzspende Gelegenheit. Keiner darf fehlen, w» es gilt, der Heimat die Treue zu beweisen.

Politische Tagesberichte.

Das Befinden der Kaiserin. DerTele« graaf" meldet aus Doorn, das Befinden der vor­maligen Kaiserin sei äußerst kritisch. Man erwarte jeden Augenblick den Tod. Eine Bestätigung die­ser Meldung aus Haus Doorn sei bisher nicht eingetroffen.

Die Londoner Besrpechung. Der Sonder* berichterstatter der Agentur Havas in London berichtet, daß die alliierten Ministerpräsidenten heute vormittag von halb 12 Uhr bis nachmittags halb 2 Uhr verhandelten. Man habe die Be­ziehungen zum Vertage von Sevres und der in Griechenland neugeschaffenen Lage geprüft. In der Nachmittagssitzung, die um halb 4 Uhr be­gonnen hat, werden die notwend'gen Schutzmaß- nahmen geprüft werden, die man von Griechen­land verlangen wolle, wenn es trotz der Warnung der Alliierten König Konstantin zurückcufen werde. Der bedeutendste Entschluß, der vormittags gefaßt wurde, sei, daß die englischen, französischen und italienischen Vertreter beim Völkerbünde aufgefordert wurden, sich gegen den Eintritt Armeniens in den Völkerbund auszusprechen. Armenien habe noch kein« legale Existenz, bevor der Friedensvertrag von Sevres in Kraft getreten sei. Außerdem seien die Grenzen des neuen Staates noch nicht festgelgt. Havas meldet aus London: Die Tagung des Oberstenlliates in Lon­don wird jedenfalls nicht vor Samstag zu Ende gehen, da noch die WiedergutmachungSfrage und die Frage der Wiederanknrvtung der Handels­beziehungen mit Sowjetrußland erörtert werden soll. Ministerpräsident Leygues erklärte dem Londoner Berichterstatter desTemps", die Lage in Griechenland sei nicht dieselbe, wenn Kron­prinz Georg den Thron besteigen würde. Er sei nicht in der gleichen Weise wie König Konstantin das Symbol des Verrats. Den Treubruch des Königs Konstantin verurteil« man formell und einmütig