Einzelbild herunterladen
 

E-Ne r

ersten, baß erst bmch ihre Nv'sage die Fron« ^Ler Polizei hinter die Diebstähle gekommen sei "ie Zeugin, deren Freundschaft jich inzwischen n Feindschaft verwandelt hatte, sagtedamals as, daß Frau R mit einem Ka.nmcrunteroffi- er in Verkehr gestanden habe, dadurch habe :!eren Mann die Schis P' zum Zeughaus erhal- -11. die Bett sicher entwendet und nach Franksur "schafft. Sie gab eine derartig genaue Anoabe on dem Fuhrmann, der den Transport besorgte, " es nicht schroer fiel, diesen zu ermitteln, auch ruft gab sie Namen an, die die Glaubwürdigkei »5 bestärkten. Gelegentlich einer Haussuchung and man bei ihr 11000 Tücher, die sie von Kon. ab zur Ausichvahrung hatte. Gestern in der Hauptverhandlung konnte sie sich auf nichts mehr erinnern, sie meinte, wenn sie derartige Angaben «emacht habe, dann wären es nur Vermutungen gewesen , Der Kriminalkommissär hielt diese An- -alen, die tatsächlich gemacht worden sind, unter seinem Eid aufrecht. Auch diese Zeugin wurde richt vereidigt., da sie der Teilnahme verdächtig .st. Ein als Zeug« austretender Kellner, der im Hause Reinhardt» wohnte, verneinte die Frage, ^ö Frau R. mit einem Kammerunteroffizier oder Feldwebel verkehrt habe. Auf einen großen Teil der Zeugen konnte verzichtet werden.

Ein Sachverständiger der Der. Handels- kanmrera Frankfurt-Hanau äußerte sich n. a. äber die Preise der Bettücher und kam zu dem Ergebnis, daß zu damaliger Zeit der Preis eines Dettuches im Detailverkauf mit 3040 Mark üblich war.

Der Vertreter der Anklage, Herr StaalSanwalt Heß, schilderte da» überaus traurige Bild, das die Verbandlnnq entrollt habe. Nach einem verlorenen Rreg der Ausbruch der Revolution, womit jede Auto» ritgt untergraben wurde, wo militärische Depots dc- 'Loblen und die Bestände von HeereSgrit in unter« rdischen Kanälen nach der Großstadt in bie Hände der Schieber gerieten. Verbrecher- und Eckiebertum haben ich die Hand gereicht, um da» Volk auszubeuten. AuS der Verhandlung müsse man die Ueberzeugung gewinnen, daß die Angeklagten Reinhardt und Konrad mit Dritten den Diebstahl auSgekührt hätten. Von so z^wieite» Leuten, die, wie der VolkSmund besage, mit allen Hunden gehetzt seien, könne man kein Geständnis rwarte«. Er trage Bedenken, schweren Diebstahl an- iunehmen, aber auch bei der Annahme einfachen Dieb- iadls käme siraifchärfend der Rück-all in Betracht. Frau R. sei der Beihilfe des Diebstahl» schuldig, Louis ^l. der Hehlerei und die übrigen Angeklagten des ^lienhandel» für übersüdrt. Nur bezügl. des Jak. G. naltr er die Anklage nicht aufrecht und beantrage ^rciGreckuna. Er beantrage für Reinhardt und Konrad je 4 Jahre Zuchthaus und 6 Jahre Edr» "rlust. Das für die weiteren Angeklagten beantragte Strafmaß bewegte sich zwischen 1 Monat bis 9 Monaten Gefängnis und 100025000 Geldstrafe.

Die Verteidigung, die von 4 Frankfurter Recht»- an Kälten und den Herren Koref nnd Rußbaum wadr- rcnommen wurde, plädierte bei den Angeklagten Rtin- k-ardt und Konrad für Lerncinun« bei Diedstabls, der . 4 nur auf Indizien stützen lasse; eS könne höchsten» Kettenhandel in Betracht kommen. Für die übrigen Angeklagten wurde Frei svrechung Sezw. für den Fall iner Verurteilung aber um wesentliche mildere Strafen gebeten.

Das Gericht hielt die Angeklagten Ernst Konrad nnd Joh. Reinhardt her Mittäterschaft an dem Dieb- nahl für schuldig. Es gelangte zu dieser Ueber» i-ugung, neben den widersprechenden Aussagen der Angeklagten selbst durch die Bekundungen der Zeugin Et Die Geschichte von dem Wäschefabrikante« Kran- zinger, der trotz eifriger Nachforschungen weder hier, noch in Friedberg zu ermitteln war, hielt das Gericht für erfunden. Strafschärfend fiel ins Gewicht, daß beide Angeklagte wegen DiebstahlS mit Zucht» bau» vorbestraft sind und nach Verbüßung lvrcr Strafe nichts bessere» zu tun wußten, als den Weg des Verbrechens von neuem zu bescherten. Bei den weiteren Angeklagten wurde teil» die Ueberführung als für nicht erwiesen erachtet, teils folgte das Gericht der seitens der Verteidigung er» wähnten neuesten Reichsgericht-entscheidung betr. R'uenhanbel und des einwandfreien Gutachtens des Sachverständigen und hielt ein Vergehen der Angk* klagten hinsichtlich übermäßigen EcwimreS als nicht für vorliegend.

Da- Urteil das um die Mitternachtssrunde gesprochen wurde, her» urteilte die Angeklagten Reinhardt und Konrad wegen RückfalldiebstahlS unter Verneinung mildernder Um« stände zu je 5 Jahren Zuchthaus und 5 Jahre Ehr­verlust, außerdem wegen Führung eines falschen Namens zu 4 Wochen Haft. Diele gilt durch die Uniersuchungehsst als verbüßt, ebenso wird ein Jahr der Zuchthausstrafe durch die Untersuchungshaft als verbüßt erachtet. Hinsichtlich aller übrigen Ange­klagten erfolgte Fitisprechung.

ARgsmerse Kesegefellschafl.

JatzresberiHt für 1919 20.

Die Deputation, der Vorstand der allgemeinen Lesegesellschaft, bestand imverssossenenRechnunqs- jsbre statutengemäß aus zwei Vertretern des Ma- giitrats, den Herren Oberbürgermeister Hilo und Stadtrat Dr. Verensmann, aus zwei von der Lesegesellschaft gewählten Mitgliedern, den Herren Fabrikant Morin und Zahnarzt Dr. Nußbaum, und aus einem Vertreter des hiesigen Geschichtsvereins, Herrn Oberlehrer Dr. N. Bemges. Den Vorsitz führte Herr Oberbürger- meiste: Hild und die Leitung der Gelchafte Herr Gtsdtrat Dr. Vehrenxmann. Die Kasse ver­waltete Herr Fabrikant Morin und die Bibliothek der Gesellschaft die Bibliothekarin Meline Raabe. Die Deputation hielt 3 Sitzungen ab; außer­dem fand eine Generalversammlung statt. Die Zahl der Mitglieder der Gesellschaft betrug am Ende des Geschäftsjahres, dem 30. Juni 1920, 310 gegen 302 im Vorjahre. Der Jahresbeitrag der Mitglieder wurde vom 1. Semester 1920 ab auf Mk. 10. erhöht; die Zeit des Bücher­umtausches fand alle 14 Tage, Dienstag von 912 und 25 Uhr, sowie Mittwochs von 912 Uhr statt. Den Mitgliedern standen nach Ausweis des jedem von ihnen zugeftellten Nacktraues 1919 rum Bücherverzeichnis 1917

6*»MIW

nebst Nachtrag 1918 insgesamt 987 Werke zur Auswahl für ihre Lektüre zur Verfügung. Die von Herrn Morin ausgestellte und von Herrn Dr. R. Nußbaum geprüfte und richtig befundene Jahresrechnung betrug in: Einnahme 1. Kassen- bestand am 1. Juli 1919 974.10 Mk., 2. Mit- gliederbeiträge 1619 20 2792.50 Mk., 3. Beitrag der Stadtkasse 1919 20 300 Mk.. 4. Zinsen der Stadt. Sparkasse 1919 20 24.35 Mk., Zusammen 4090.95 Mk. Ausgabe 1. Für Bücher und Literalien 2670.70 Mk., 2. Buchbinderarbeiten 585.38 Mk., 3. Verwaltungskosten 525.42 Mk., 4. Beitrag an den Hess. Eeschichtsverein 5. Mk., Zusammen 8786.50 Mk. Gesamteinnahme 4090.95 Mk., Gesamtausgabe 3786.50 Mk., Kassenbestand am 1. Juli 1920 304.45 Mk. Jeder Einwohner hiesiger Stadt und deren nächsten Umgebung kann der Lesegesellschaft als Mitglied beitreten und hat auch das Recht, Bücher zur Anschaffung vorzuschlagen. Anmel­dungen zum Eintritt in die Allgemeine Lese­gesellschaft werden von jedem Mitgliede der Deputation, sowie in der Stadtbibliothek während der Ausgabestunden jederzeit angenommen.

iBlenstag den ?ß November

* Stadttheater. Aus dem Büro des Stadt- ibeaters erfahren wir, daß heute Dienstag den 30. Nov. zum ersten Male der SchwankDie Rutschbahn" von Gordon und Götz in Szene geht. Die Hauptrollen liegen in den Händen der Damen Alide Vallin, Thea Bosse, Flory Jakoby sowie der Herren Albert Badewitz, Willy Schu- chardt, Georg Mendel usw. Anfang 7% Uhr. Am Mittwoch den 1. Dezember im Mittwoch-Ahonne- mentAlt-Heidelberg", Schauspiel von Meyer- Förster. Donnerstag den 2. Dezbr. Geschlossene Vorstellung. Anfang 7lt Uhr- Freitag den 3. DezemberDer Schöpfer" von Hans Müller, An­fang 7 Uhr, worauf wir besonders Hinweisen .Achten. Den Professor Schumacher spielt Herr Direktor Poetsch und für den erkrankten Herrn Schroth bot die Rolle desBaron Scheel" Herr Hans Heinz Herberg übernommen.

m,

Stenographisches. In der letzten Monats- Versammlung des Stenographenverein? Stolre- Schrey Hanau, die am Donnerstag den 25. d. M. battfand, würd« u. a. Näheres über das Ergebnis ws Prüfung?schreibens vor dem Stenogravhi- chen VrüfungSamt der vereinigten HandelSkam- mern Frankfurt a- M-Hanau bekannt gegeben. Von dieser Stelle aus wurden bereits am 30. Ok-

oder in den Tageszeitungen die Namen von 18 Samen und Herren, die die Prüfttng bestanden hatten, nritgetevlt. Im gangen hatten 78 Per- onen an dem Prüfung«schreiben teilgenommen. Obwohl gu-gegeben werden muß, daß die 9M- strngsbedinqungen sehr streng sind, beweist doch die- große Anzahl der Durchgelallenen, daß aus eine firPnbHAe Ausbildung und Durchbildung

on SSrZn^ ntiniffetium). Ihr Schwerpunkt liegt in den

^ewi^t ^«l«ot wirb nnd^ Sitzungen des GesamtminifteriumS. die im

«^ ReichLkanzlerhause unter dem Vorsitze des Reichs-

^trt a. M.-Hanau, wo das GabelSberger'sche System das am stärksten verbreitete ist und bahe-

auch ban größeren Teil der Prüfling« auf sich bereinigte, ist die Tatsache, daß trotzdem nur 9 PrüM.nge unter Anwendung dieses Systems >i« Prülung bestauben, während die übrigen 9 eb des Systems Stolze-Schreh bedienten. Unter liefen befand sich auch der einzige, der bie Prü­fung mit 200 Silben in der MnÄ« bestand, wäh­rend alle anderen in der Abteilung 150 Silben bestauben, wovon die Mehr-ahl her besten Ar­beiten ebenfalls Stolze-Schrev'sche waaen- (3 St -Schr. gut, 1 Gab. gut, alle übrigen ge­nügend.)

Aus Nah und Fern.

FUlda, 80. Nov. Ein tödlicher Unfall ereignete ch in der Nacht vom Samklag zum Sonntag bei Maberzell. Unterhalb der steilen Kehre der von Ober- nmbach kommenden Straße fand man am Sonntag rüh den 40jährigen Fulnknccht Hermann Heumüller us Fulda mit einer Stirnwunde tot unter den Trümmern feines mit etwa 85 Zentnern Raps be» tabenen Wagens seitlich an der Straßettböschung. Er war mit dem einer hiesigen Oelmüvle gehörenden Fuhrwerk nachmittags um 8 Uhr von Angersvach bei Lauterbach abgt'ahren» Ob er sofort tödlich vcrun- ;lüdte ober in der Nacht ersteren ist, lnß sich nicht rststcllen. Die Brem>e am Wagen war abgesprungen, die beiden Pferde haben nur Heinere Verletzungen auf« zuweisen.

:. Marburg, 29. Novbr. Am S-amsiog ereig­neten sich in zwei Dachherdörfern zwei Unglücks- Älle mit tätlichem Aus gang. In Roth wurde der 24 Jahre alte Zimmermann Konrad Runzhelmer aus Argenstein, ein verheirateter Mann, von dem Getriebe der Schneidmaschin« erfaßt und sofort getötet und im Walde bei Ebsdorf fiel dem 62- ahrigen Feldhüter Ludwig Deuberi beim Daum- Men ein Ast auf den Kopf. Auch dieser Staun Larb bald darauf.

r. Marburg, 28. Novbr. Trotz eifriger Nach- vrschungen ist eS bis jetzt noch nicht gelungen, eine Spur der SSter zu finben, die in der Nacht vom 3. zum 4- November bte Edelsteine und Per­len des Sarges der hl. Elisabeth in der Elisa­bethkirche raubten. Wie jetzt bet OberstaM«an- walt besannt macht, hat bet Regierungspräsident in Gaffel auf bie Ergreifung der Einb^eelier eine Belohnung von 5000 Mark auZgefchri-b«n.

Snorl-Nachrichlen.

Germania RüSlnae,» D f. Nasen'port ©lautfurt 3 r 0.

Rückinzcn konnte am vorigen Sonntag aus» Neue feine Spielstärke beweisen, unb bie Roienspieler nach überlegenem Spiele mit obigem Refuliat abseitigen. War man schon in allen Svortkreisen auf den Aa«. gang biete« Spieles gespannt, so konzentriert sich doch DaS Hauptinteresse aller Nordmainkreister auf den Ansgang des am nächsten Gonatag ea-ntallS in ALckmaeu üattiiudendc» Steffens zwischen E,ntracht

und ben Ein beimischen. Eintracht, welche schon heute in klarer Fübrung in der Tabelle liegt, dürfte bei einem eventuellen Siege die Meisterschaft wohl be» haninen können, und wird demzufolge auch in stärkster Anfsteünng in Rückingen antreten.

Bereinälurreen r>. Mar. JKnKl.-Kanaregation

Am Sonntag den 28. November fand da» erste VcremSturnen statt. Die erst vor kurzem gegründete ^urnabtrllung teigte, daß man bei gutem Willen in kurzer Zeit, ganz schöne» leisten kann. Gerade heute ist es Pflicht eines jeden Jugendvereins zur körperlichen und geistigen Ertüchtigung der Jugend beizutragen Was wäre da nicht besser geeignet all gerade das Turnen. Der Körper wird gestählt. Hat aber der Jüngling, der junge Mann erst einmal seinen Körper fest in der Gewalt, dann wird es ihm auch nicht schwer fallen, feinen Willen sich unterzuordnen. Zucht und Ordnung werden dem Turner zur Gewohnheit und gerade daran fehlt eS eben doch so sehr. Daß die JungenS mit Lust und Liebe bei der Sache waren, das zeigte die gestrige Veranstaltung. Pünktlich um halb 11 Uhr wurde angetreten. sTurnballe der Bez.» Schnle J.) Zahlreiche Gäste waren erschienen. Die Leistungen warm durchweg tadellos und bei einigen vortrefflichen Kührübuugen wurde vom Publikum mit Beifall nicht gekargt. Folgende Preise sonnten ver­teilt werden: Oberstufe Ist-Kamps, Höchstleistung 100 Punkte. 1. Pr. mit 93 P. Ed. Becker, 2. Pr. 92-/» P. Arrhnr Fabrenkops, 3. Pr. 89'« P. Josef Fahren- kopf, 4. Pr. 79-/, P. Hch. Adrian, 5. Pr. 76^, P. HanS Eisermann, 6. Pr. 75-/, P. Wilh. Kremer. 7. Pr. 75/« P. Rudi Eisermann, 8 Pr. 67-/, P. Rob. Trapp. Mittelstufe: 9-Kampf, Höchstleistung |90 P. 1. Pr. mit 82-. P. H. Klöffel, 2. Pr. 62»/. P. E. Nebelsick, 8. Pr. 60-/« P. A. Michel. Unterstufe: 8« Kampf, Höchstleistung 80 P. 1. Pr. 68". P. Adam wahren köpf, 2. Pr. 63-/. P. W. Adrian, 3. Pr. 54-/.

P. Hch. Dillniann, 4 Pr. 53»/« P. Hans Werner, 4. Pr. 58'/« P. Aug. Koch, 5. Pr. 53 P. W. Fecher, 6. Pr. 52- , P. HanS Varnickel, 6. Pr. 52'/- P. Ernst Trapp. Am abend wurden bei gemütlichem Bei­sammensein im ©artenfätebenZum golbneu Hecht" ben Siegern die Diplome überreicht. Denen, die dies­mal ohne Preis nach Hause gehen mußten, wird die Veranstaltung ein Ansporn gewesen sein, beim nächsten Wettkampf auch zu den Siegern zu zählen. P. R.

PoMische Nachrichten.

Wie wird Deukfchland regiert?

Wahrend im kaiserlichen Deutschland der Reichskanzler der einzigste verantwortliche Minister war, ist er heute primuS inter pareS, der Vorsitzende in der Gesamtregierung, dem nur eine Reihe von Vorrechten zustehen. Auf seinen Vor­schlag werden die Reichsminister vom Reichspräsi­denten ernannt und entlassen; er bestimmt die Richtlinien der Politik und trägt dafür dem Reichstag gegenüber die Verantwortung. Der Reichskanzler und die Reichsminister bilden in ihrer Gesamtheit die ReichSregierung (das ReichS-

lers führt die Bezeichnung dieReichskanzlei''. Neben dem Reichskanzler stehen heute 12 Reichs- minister. Das Reichsministerium des

Auswärtigen früherAuswärtiges Amt des Deutschen Reiches" bestand seit 1870 selbständig neben dem Reichskanzleramt, trat aber als solches nicht in Erscheinung, weil der Reichs­kanzler im kaiserlichen Deutschland immer auch Minister der Auswärtigen war. DasReichs­ministerium des Innern" führte bis 1919 den NamenReichSamt der Innern", von dem bereits 1917 dar Reichs Wirtschaftsamt ab ge­trennt wurde. Mit diesem wmden die Geschäfte der Kriegs-Rohstoffabteilung usw. bereinigt. Dem heutigenReichrwirtschaftSministe- r i u m" sind nachgeordnet: der vorläufige Reichs- wirtschaftsrat, das ReichSwirtschaftsgericht, das statistische Reichsamt, bte SozialisierungSkom- mission u. a. Aus dem Geschäftsbereich des ReichswirtschaftsrateS wurden 1918 alle die An­gelegenheit««, welche sich auf die Fürsorge für Arbeiter und Angestellte, auf bie Verhältnisse der Arbeitsmarktez, auf Wohlfahrtseinrichtungen und sonstige Fragen der Sozialpolitik beziehen, dem neuerrichteten ReichSarbeitsamt überwiesen, daS seit 1919ReichSarbeitSministerium" heißt, und dem u. a. das Reichsversicherungsamt und bte Versorgungsämter nachgeordnet sind. Das Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft" ist in feiner heu­tigen Gestaltung durch Erlaß des Reichspräsi­denten vom 30. März 1920 neu errichtet worden. Schon 1879 waren bie finanziellen Angelegenhei­ten der Reichskanzlei so angewachsen, daß es not­wendig erschien, eine Abteilung als oberste Fi-

nanzverwaltunzsbehörd« des Reiches abzutrennen das heutigeReichsfinanzministe- r t u m." Die Verwaltung reichseignen Besitzes, bte finanzielle Beaufsichtung der Kriegs- unb wirtschaftlichen FriedenSorganisatrouen, bte Be­schaffung von Einnahmen aus anderen Quellen als Zöüen, Steuern und Gebühren usw. wurden 1919 einem besonderen Ministerium, dem f,R e i ch s s ch a tz m i n i st « r i u m" übertragen.

Nach Gründung des Norddeutschen Bundes wurden das Post- und Telegraphenwesen des ganzen Bundesgebietes einheitlich eingerichtet und verwaltet. 1870 gingen diese Verkehrsanstal­ten auf das Reich über und wurden zunächst dem Reichskanzleramt, seit 1880 aber dem neuerrichte­ten Reichspostamt unterstellt, das nach der staat­lichen Umwälzung den NamenReichspost- m i n i st« r i u nr" erhielt. Die Verwaltung der übrigen VerkehrSanstalten ging erst nach der Re­volution auf das Reich über. Im Hinblick hierauf wurde vom Reichspräsidenten am 21. Juli 1919 dasR e i ch S v e r k e h r s m i n i st e r i u m" er­richtet, das heute in drei Abteilungen zerfällt, bie Eisenbahnabteil««!?, hie Abteilung für Wasserstraßen und die für Luft- unb Kraftfahr- wefen. Die AuSsühning der Deutschland im Fri«- densvertrag au'erlegten Verpflichtungen nwchten sehr bald die Errichtung einer Zentralstelle not-

«r. 28t

wendig. November 1919 wurde die Erricht^ eines neuen Ministeriums unter der Be-eickmuA ReichSmini st erium für W^ied«r? a u f b a u" beschlossen mrd ihm folgende Ana«. legenheiten übertragen: Die unmittelbare, wirt­schaftliche Wiedergutmachimo, bte Ausgleich,m- von Forderungen und Schulden gegenüber ^ bisher feindlichrn Staaten, die Entschädigung Ausländsdeutschen usw. Schließlich ist nn» dasReichswehrministerium" zu et- wahnen, das sich in Heeresleitung und Verweb tung sowie Admiralität gliedert.

Letzte Drahtnachrichle«,

Zur WitdersutmachungSfrase.

Ipu. Berlin, 30. November, I« der Frage b» Wiederg«tmack»ng nimmt nunmehr auch der politische Leiter bei PariserTempS", Jean Herbette in her Haager Post" in einem aufsehenerregenden Sfrtiltf Stellung. Seine Ausführungen, die im allgemeine!« den von uns gebrachten Informationen unsere! Ber­liner Korrespondenten entsprechen, werden in hiesig« eingeweihte« Kreisen als Fühler der französisch« Regierung durch die Feder eines ihrer bedeutendstn! Journalisten angesehen. Bian habe absichtlich zu dies« Ausführungen ein neutrales Organ benutzt. Verhütt schreibt in diesem Artikel vor, zu beschließen, daß man darauf verzichtet für die Jahre 1921/22 und 1923ba Betrag oder die Summe der Entschädigung festzusetz«. Die Entente müsse sich damit zufrieden geben, zu bo stimmen, daß für jedes der drei Jahre Deutschlant gewisse Leistungen auf sich nehme und zwar in M. turalien. Bevor diese ErholungSfrist von drei Jahr« verstreicht, sollen die jährlichen Zahlunge» in gleich« unveränderlichen Beträge» festgesetzt werden. Deutsch, land müsse sich freiwillig vo» vornherein verpflicht«, daß die Entente die Sicherheit habe, e» werde nach seiner Erholungsfrist keinerlei Schwierigkeiten mach«, Dagegen würde man feststen können, daß Deutsch, land gewisse Vorteile genießen soll für ben Fall, dah die Frist eingehalten wird, und daß el seine Lw pfltchtunge« getreu erfülle. Er sei notwendig, daß man Deutschland helfe, während dich Frist sich mit LebenSmittel oder Rohstoffe zu versehen.- DaSBerl. Tageblatt", das diese Meldung veröffent, licht, hofft, daß man sowohl in Deutschland als auch in Frankreich dazu gelangen werde, diesen Mann ernst­haft und mit mehr Sachlichkeit zu behandeln als biet kürzlich geschehen sei.

Sittttfeinerfurcht in London.

London, 30. Nov. Im Unterhaus wurde gestern mitgeteilt, daß die Polizei von London besondere Sicher- Heftsmaßnahmen getroffen habe. So werde ein mit Maschinengewehren bestücktes Motorbg»/ auf der Themse vor dem Parlamentsgebäude verankert. Im übrigen wurden am Eingang der Downingstrech wo sich verschiedene Regierung-gebäude befinden, Barri­kaden erbaut, als Vorsichtsmaßregeln gegen befürchtete Sinnfeiner-Attentate.

Amsterdam, 29. Nov.Daily News" schreibt bie Errichtung von Barrikaden nicht nur der Lage in Irland zu, sondern auch der Möglichkeit von Arbeiter unruhen, die infolge der ungünstigen Aussichten für diesen Winter befürchtet werden.

Die tschechische Toziürdemokratre für die L. Jritrrrtalisnale.

Prag, 80. Novbr. Von dem tschecho-ssowakischeb soziatdemokratischc» Kongreß wurde eine Reche von Entsckließunge» angenommen, darunter u. a. eine, in der der Anschluß an die zweite Internationale auf* gesprochen wird.

Httysman- gegen den Bolschetoi-mttt- Auf dem tschccho-llowakiscken Soriaiistenkongreß hielt Huysmans eine Rede, i« der er u. a. fade: M Unrecht sagen die Bol'ckewilten, die zweite Jnttt- nati onale sei bankerott. Der BolschewirmuS selbst ist bankerott gegangen und er steht vor der Eutscheiduns, ob er sich ändern oder ob er aufhären soll. In kurzer Zeit werben 2 Vertreter der zweiten Jnternationole, Gobling und Macdoualv eine Rundreise durch gant Europa machen, in den Ländern, die nicht mehr an W zweite Internationale angeschlossen sind,. um neue -rücken zu bauen. Sie werden auch in die Slowa " l mmex. Sie Tschechen sind berufen, in der slawis' « Welt bie Mittler zu fein. Sie müssen bie hiesig Arbeiterschaft aus der bolschewispsche» Hypnose erwecken Eines Tage» muß die Osscnsive gegen den Bolschewik' nttt 5 beginnen. Der Weg in die zwnte Internationale steht alten frei. Er schließt niemand aus, der Sopav demskrat geblieben ist. Wenn die Bolschewisten 8t* schlagen sind, werden wir noch aufrecht stehen.

Gegen die WiederguLmachungskommI' fian. LmTelsgraas" bespricht der durch ein kritisches Buch über den Friedensvertrag be­kanntgewordene englische Professor Ksynes dar von dem amerikanischen Finanzmann und Be­rater Wilsons in Versailles, Baruch, oerfaPs Buch über die Wiedergutmachung und Wüt- schaftsbestintmungen des Versailler Friedens- Vertrages, das er ein aufrechtes Buch nennt womit der Verfasser der Wahrheit einen erwiesen habe. Keynes schreibt unter Hinwet» auf die Hoffnung, die Baruch, wie so viele an­dere, die sich innerlich wegen des Vertrage» schämen, auf die Wiedergutntachungskommijswn setzte, seiner Ansicht nach sei auf diese Weise die Rettung unmöglich. Die Kommission habe seivll unter ihren eigenen Mitgliedern wenig Frean^ und Bewunderer. Da ihre Arbeit keine Erleiatz terung bringe, sei ihre Auflösung wenigstens«» ihrer gegenwärtigen Form und mit ihren äugen* blicklichen Vollmachten eine Hauptbevingung F den Fortschritt. Keynes schreibt:Es ist 01 ob mit dem Ausblassn von Deutschlands Atem der Fluch, der Deutschland vernichtete, butfv diejenigen eingeatmet wurde, die diesem Lanv gegenüberstanden. Der Geist, der den Einsa» in Belgien beherrschte, triumphierte in Parrs.