Einrückungsg ebü b r: Diekigeiv.Kolonelzeileod. deren 9taum I — Mk^ bie 4ßeip. Zeile i. 9leflame« teil 3.- Mk..2üft«Teu — — MMa-Beruasv '
loTeuerungszuschl. Offertgebübr _JPsg.Bezuaspreis:Vierteliährlick 12.90 Mi., monatl. 4.30 Mk.. für Postbezug vierteliahri. 12.90 Mark, monatl. 4.30 Mk. Die Nummer 20 Psg. Poltickeck-Konto Sir. 26659. Frankfurt a. M.
LWMches Organ für Sladk- nrS Landkreis Kanan
Erschein! läglich mit Ausnahme ba Sonn- und Feiertag»
Verlagsleitung: Ad. SnbtrmüMe.
Verantwortlich, für politischen und allgemeinen TeilRich. vultich: für lokalen und proottuießen -teil sowie Sport W. Morid: für Ängeiaen xeb Reklamen A. Brodt, alle in Hanau a. M.
Rotationsdruckd.Waisenoausbuchdruckrrei 6anet FernfprechanschluNe Nr. 1237 und 1238
MM5MAWVMVM1
Nr. 274
Monkag den 22. November
1920
Das Neueste.
— Nach einer Meldung des „Matin" sei sicher, daß für den Augenblick weder Deutschlands noch Nußlands Aufnahme in den Völkerbund in Frage komme.
— Der Reichstag erledigte die sorialdemokratische Interpellation über die Sozialisierungsfrage.
— Dem Reichstag ist ein Gesetzentwurf über verschärfte Strafen für Wucher und Schleichhandel rugegangen.
— Das griechische Kabinett hat die Volksabstimmung über die Frage der Rückkehr auf den 28. November angesetzt. Die Rechtsprechung erfolgt bereits im Namen Konstantins.
— Die polnische Offensive gegen Litauen ist gescheitert.
Das ^KaraLies^^ Polsn.
Der Erfolg, den Polen in der Danziger Frage mit ftanzösischer Hilfe davongetragen hat, ist an Polens äußerer und innerer Lage der einzig lichte Punkt. Denn nach der endgültigen Niederlage des Generals Wrangel zieht von Osten schwarzes Gewölk gegen Polen herauf. Schon hat die Sowjetregierung drohend auf die Unzulässig- keit der polniftyen Unterstützung Petljuras hinge- imesen und sie als einen Bruch des Vorfriedens von Riga bezeichnet; schon sprach Trotzki ganz offen aus, daß Rußland nach der Niederwerfung Wrangels mit Polen abrechnen werde und daß ein neuer Krieg gegen Polen bevorstehe; schon hört man von großen Rüstungen, die Polen aufs neue vornimmt und die, soweit sie nicht einem gegen Oberschlesien geplanten Handstreich dienen sollen, der russischen Gefahr zu begegnen bestimmt sind. Unter welchen i n n e r e n U m st ä n d e n aber Polen dieser Gefahr auSgesetzt ist, darüber Mbreiten polnische Eingeständnisse ■W Klarheit.
die in der Volksvertretung während der parlamentarischen Kämpfe um die Einrichtung eines Senates neben der Volkskammer in den wildesten Ausbrüchen der Leidenschaft hervortrat. AIs bei dieser Beratung ein sozialistischer Antrag aus Fortsetzung der Debatte mit knapper Mehrheit ab- gelehnt war, fiel auf der Linken ein scharfes Wort gegen den Präsidenten, der darauf die Linke zur Ordnung rief. Das entfesselte einen wüsten Obstruktionskampf gegen den Präsidenten und den Senat: Schlagen auf die Pulte, Trampeln, Pfeifen auf Sirenen, Schreien und Toben, Ausschließung von nicht weniger als 10 Abgeordneten tiefen die Erinnerung an den einstigen polnischen Reichstag wach. Klagend hat der „Dziennik Poznanski" am 10. No- brmber hierüber geschrieben: „Der polnische Parlamentarismus ist nach der Wiedcr- geburt Polens genauso, wieervorden Teilungen gewesen ist. Er ist eine krank- h a f t e K a r i k a 1 u r der gesetzgebenden Gewalt des Westens. Anderswo entscheidet die Mehrheit der Kammer nicht deshalb, weil sie es versteht, die Opposition zu überzeugen, sondern einzig und cllein deshalb, weil sie die Mehrheit ist. Das polnische Libcrum Veto war eine Verleugnung dieses Grundsatzes und dadurch eben ist unser Vaterland begraben worden. Wir sind aber aus der Knechtschaft ebenso hervorgegangen, wie wir ^wesen sind, als man uns in Ketten schlug."
’ Dasselbe Blatt entwirft auch von der Wirtschaftslage Polens ungeschmintte Bilder. „Wo - sy e n l a n g", berichtet der „Dziennik Poz." am November, „gibtes in Warschau und ° dz kein Brot. Fleisch gibt es wenig, Zucker gehört zu den Seltenheiten, und wenn suan 2 Eier bekommen will, muß man sich von ^hr früh bis 11% Uhr mittags anstellen; die Preise gehen zweimal täglich sprunghaft in die Höhe." Daß der Grad dieser Not auf gewinn- llch^iges Verstecken von Lebensmitteln zurückge- Wit wird, ändert nichts wesentliches an den Verhältnissen, belastet jedoch moralisch die betei- bzten Volkskreise um so mehr, je verächtlicher vuckte Selbstsucht gerade in einem wiedererstande- ven Staats Wesen erscheinen muß. Angesichts stner derartigen verwerflichen Gesinnung über» wuscht es kaum, daß das Gespenst des General- - treiks unaufhörlich über weiten Teilen Po- lens schwebt. Verschlimmert aber werden Not Und Elend durch schädliche Naturereignisse: Die frühen Fröste, die in Polen bis auf 10 , ®tab kamen, haben M i l l i o n e n v e r l u st e Mit sich gebracht. Nich/ unbeteiligt sind dabei allerdings grobe Nachlässigkeiten der Menschen. Spricht doch der „Dziennik Poz." von ungenügend zugedeckten Mieten, in denen Kar- Mfeln erfroren sind, und der „Dziennik Pyd- Wi* druckte am 7- November aus der „Gazeia ^vwfzechna"^ dem Organ der Vereiniauna der
landwirtschaftlichen Produzenten, folgende Anfrage ab: „Wer ist schuld daran, daß auf den Eisenbahnstationen Jarotschin, Ostrowo, Skal- mierzyze und anderen die Kartoffeln in den Waggons erfriereü, während Polen vom Hunger bedroht wird?" Diese polnische Wirtschaft ist indessen eine Kleinigkeit im Vergleich mit dem finanziellen Ruin, dem Polen verfallen scheint. Die Warschauer „Rzeczpospolita", das Organ Paderews- kis, meldete am 9. November im wirtschaftlichen Teile: „Die Einnahmen des polnischen. Staates betrogen, sofern die Steuern vollständig in die Staatskassen einlaufen werden, 10 Milliarden, die Ausgaben dagegen sind auf 65 Milliarden berechnet" — Ob hier schon die Ausgaben für einen neuen polnisch-russischen Krieg mitveranschlagt sind? Schwerlich! Die Ebbe in den Staatskassen wirkt natürlich auf die Zahlung der Beam-en- gehälter usw. zurück. Am schlechtesten fahren dabei die Beamten und Arbeiter in den abgetretenen Landesteilen, die von Warschau besonders zurückgesetzt werden. Dies ist laut dem „Dziennik Bhdgoski" vom 3. November in einer Bromberger Eisenbahnerversaminlung ausdrücklich für Pome- rellen^festgestellt worden. Die Arbeiter und die Beamten dort wie in Posen können sich aber mit der von der „Rzeczpospolita" im Anschluß an ihre oben wiedergegebene Meldung mitgeteilten Tatsache trösten, daß in Marsch auüber 50 Staats au tos fahren, deren'Unterhaltung jährlich eine halbe Milliarde kostet. Wer möchte in das „Paradies Polen" eingehen?
Drs SsMWemmMeKM »or D§m Reichstag.
Am Samstag wurde im Reichstag die socialdemokratische Interpellation über die Vollsoziali- sierung des Kohlenbergbaues besprochen.
Daß die Sozialdemokratisrhe Partei ihre Jnter-
ein taktischer Schächzug. Es sollte nach außen der Eindruck erweckt werden, als ob das Verlangen nach der Soziatisierung tatsächlich von der Masse der Bergarbeiter getragen werde. Was die Begründung der Interpellation nicht gebracht bat, das ist die schlüssige und klare Darstellung der Verhältnisse nach der Vollsozmlisierung. Redensarten über die Prosite des Kapitalismus bilden dafür um so weniger Ersatz, als unsere Wirtschaft Profite als Ansätze zu neuer Kavitalschöpfung unbedingt braucht, wenn sie nicht zu Grunde gehen soll. Was hat es nun mit der deutschen Kohlsugemeinschaft für eine Bewandtnis, jene Gemeinschaft, die nach der Absicht der Socialisten die Trägerin der Voll- sozialisierung sein soll. Sie ist ein Selbstverwak- tungstörper, dessen ausführende Organe hauptsächlich von bin Bergleuten und Angestellten gewählt wird. Wie die Dinge liegen, werden zu Leitern und Beamten der Kohlengemeinschaft dann nicht Fachleute, sondern sozialistische Parteischriftsteller und Redner gestellt werden. Wir haben das in Groß-Berlin gesehen, wir haben diese Erfahrung auch schon srüher bei den sozialen Versicherungsanstalten gemacht. 2st aber die Kohlengemeinschaft in vie Hände der Socialisten geraten, so hat sie damit auch tatsächlich die Herrschaft über die deutsaw Wirtschaft und die deutsche Politik erlangt. Sie tönnen jeder anderen Betriebsgruppe den Bezug der Kodlen sperren, wenn ihnen das aus politischen Gründen wünfcheuswett erscheint. Die Grenzen ihrer Macht und. ihres Einflusses sind damit noch nicht eckchöpft. Ohne die gleichzeitige Vollsoziali- fierung der Banken ist eine Vollsoziakisierung des Kohlenbergbaus deshalb nicht möglich, weil sich sonst das Betriebskapital nicht beschaffen läßt. Das Bankenkapital würde das Betriebsiepital ohne Sicherstellung kaum hergeben, wozu wieder die Pfandverstückung des Kohlenbergbaus und seiner Erträgnisse notwendig wäre. Auch die sozialisierten Banken würden sehr wahrichelnlich unter die Leitung der sozialistischen Parteien kommen, die dann nichr nur über die Kohle, sondern auch über die Kreditmittel der Wirtschaft verfügten.
Die Unabhängigen sagen denn auch offen, daß es sich bei der Valljozialisierung nicht um die Lösung sozialer Probleme, sondern um einen Kampf um bie Ma cht handelt. Es ist möglich, daß Teile der Bergarbeiterschast glauben, bie Soziaii- fietung fei wirtschaftlich und technisch ein Fortschritt. Allein wir müssen mit dem rechnen, was ist, nicht mit dem, was sich als dunkies und unklares Gefühl in den Massen regt. Die Masse, die sich von Schlaaworten einfangen läßt, berücksichtig nicht, daß sich kein Wirtsckaftszweig weniger für Soziali- fierung und Monopolisierung eignet, als die Kohlen- Wirtschaft. Hier ist alles noch Entwicklung. Neue technische Erfindungen können morgen die Umgestaltung der getarnten Organisation fordern. Bei der Schwerfälligkeit eines sozialistifch-bürokratischen Betriebes würde dasnicht möglich sein, weil immer erst von Parteiwegen geprüft würde, ob Bedenken bestünde» oder nicht. Was bei der Begründung oer Interpellation durch den sozia,.irischen Berg- arbeiterführer wen er vermißt worden ist. daß kein Wort über den Kohlenpreis nach der Bollmz ali- sierung gesagt wurde. Und daraus kommt es wejent- lich an. W e die Kotstenwir schaft starke und wagemutige UnlerneiM« braucht, um neues ai
erproben, so braucht sie auch die Möglichkeit, die Preisbemessung der Kohle so zu gestalten, daß sie keine unerschwingliche Last für den Verbraucher ist. Die Vollsozialisierung wird sie dazu machen, weil die Verzinsung für die Entschädigung und für das Betriebskapital den Kohlenpreis dauernd hoch halten. En lich aber ist die Bollsozialisierung des Kohlenbergbaues der Anfang die Nervenstränge der Wirtschaft lahm zu legen. Da kein Wettbewerb der Tüchtigen mehr möglich ist, braucht Niemand mehr feine Energien einzusetzen. Das öffentliche Reklame- und Anzeigenwesen stirbt ab, denn alles wird künftig von parteipolitischen zusammengesetzten Organisationen geleitet. Und > amit wird auch das politische Parteiwesen noch mehr entarten und zum Kampf um den Futtertrog werben. So ist die Sozialisiernng, wie sie die sozialistischen Parteien planen, nicht nur ein Sprung ins Dunkle, sondern auch ein Spiel mit dem Feuer.
Sitzungsberichl.
Der Gesetzentwurf, betreffend das Rekchsnotopfer wirb auf Antrag des Abgeordneten Rießer (D. Bp.) ohne Debatte einem Ausschuß Lbrrwiese«. — Abgeordneter Löffler (Sog) begründet die sozialistische Interpellation betreffend Vorlage eines Gesetzentwurfes über die 8 0 zi a! i s i eruu gdes K 0 h l en - bergbauc. und gibt einen geschichtlichen Überblick über die Entwicklung des Bergbaus und der bergbaulichen Gesetze, die nicht verhindern konnten, daß allmählich der Bergbau in die Hände kapitalistischer Gruppen überging und ein Monopol bildete. Solche Zustäu.de können nur durch eine Soz'alisierung abgestellt werden. Die Vorschläge, die im Reichswirtschaftsrat gemacht worden sind, können in keiner Weife genügen. Man will vom llrftoff, der Kohle, ausgehen und bis zur feinsten Verarbeitung in Ellen oder Stahl die ganze Industrie zufammenfchiießen: ein privatkapitalistischer Gedanke von größter Tragweite, der Deutschland in die Hände von einem Dutzend neuer Kohlen- Herzogtümer geben würde. Der Sozinlisierungsge- gebante soll durch die Kleinakrie getötet und das allgemeine Inreresss durch eine Beteuerung befriedigt werden. Schon die Sozialisierungskommission im -Am ^»etzqulg.s errzer .Gewiimdeteillüuug der
vielleicht noch mög gewesen. Heute verMten 950/0 der Arbeiterschaft darauf. Der grösste Teil der Arbeiter weiß ganz genau, daß de Sozialisierung nur die überprüf mg der Urschätze ist. Sollte daher die heutige Erklärung der Reichsregierung die Arbeiter enttäuschen oder ein Gesetzeulwurf noch auf sich warten lassen, bann ist die Wirkung auf die Arbeiterschaft noch nicht zu übersehen.
ReichswirtschaftSmini'^r SMolz: Zu der außerordentlich maßvollen und sachlich begründeten Interpellation habe ich namens der Reichsregierung Folgendes zu erklären: Die Reichsregierung wird gemäß den Ausführungen des Reichskanzlers vom 22. Oktober dieses Jahres einen Gesetzentwurf über die gemeinwirtschastliche Regelung des Kohlenbergbaues mit größtmöglichster Beschleunigung den gesetzgebenden Körperschaften vorlegen. Im gegenwärtigen Augenblicke sind die Beratungen der berufenen Sachverständigen des vorläufigen Reichswinschaftsrates und des Reich" ,len= rates über die Grundformen diese;
Ent- wie
wurfes noch nicht abgeschlossen. Vielmeft«- bekannt, in den letzten Tagen die urfpr 1 , nur aus Vereretern des Kohlenbergbaues $\ he Verständigungskommifsioi. durch weitet- , ^( > ständige der übrigen grK : Beiussgrunp ^ u , zt worden, um endgültig er gemeinsam- ^hpiu- ge für diese entscheide! * rage der * * ung unseres Wirtschastsleb^W.. 1 finden. D- a^^ .ston beabsichtigt, chre Verhandlungen am «über wieder aufzunehmen. Solange die ben. !3 In süch- verständigen Verkretungen noch in aussit-sivreichen Verhandlungen über einheitliche, aus gemeinsamer Verständigung hervorgegaugeuen Richtlinien beraten, denen' angesichts der Bedeutung der zu lösenden Ausgabe die größte Wichi iglect beige» messen werden muß, wäre es eine nicht genügende Beachtung des Gedankens fachmänn^ cher Mitarbeit der protuitioen Kräfte, wenn die Reichs- reaierung schon jetzt einen endgültigen Bescheid über den Inhalt des Gesetzes gäbe oder eine Mitteilung über dessen Richtlinien geben wollte. — Der Redner schließt mit einem Appell an das Haus, unter Zurückstellung aller parteipolitischen Momente nur an den Wwtscha tsstanapnnkt zu stellen und du Zusammenarbeit aller produktiven Kräfte unseres Bol-eS zu fördern. (Beifall. Wederwruch hntS. Zürnte: Die Bergarbeiter werden Euch bie Antwort
orten!)
’ Abg. Boltz (Str.) spricht der Regierung das Der- traucn aus und bittet, das Ergebnis der Komnussions- vervandlungcn ab,»warten, eye wir hier Beschlusse ^Mn. Leopold (D. Rat.) polemisiert gegen du So'iaü'ierun 'Skommiiüon bie nicht fachmännisch genug besetzt üi. Zudem lohne der Kohlenbergbau nicht allein für ein Exve mment heran-gegriffen werden. Wird der Arbeiterichast bewiesen. da; durch eine überhastete Sozialisierung sich nicht ihre Lage heuert, jon- dern daß öielmebr ?• hc allgemeine Ausvesseruug der Lebenslage nur durch Zusammenschluß a.lcr Kräfte der Volces möglich wird, so muß sie zur Vernunft kommen. Wir leben ein, daß die Arbeiterschaft in Zukunft eine andere Stellung ein nehmen muu und sind bereit, ihr entgegenzukommen. Hierzu soll bie Kle naü e mithelfen. Die chnunchru Bergarbeuer haben sich dieser Erkenntnis augejchlosse« und Heb bereu, auf diesem Wege mckjuaehca.
Abg. Dr. Curtius (D. Dvttt: Von einer Ver schlcvpiing kann keine Rede sein. ES ist nicht zu verkennen, daß ber Gedanke der Soziatisierung schon eine bestimmte Form anzunehmen beginnt. Der Rnckswirtt'chaftsrat wird einen Gesetzentwurf an?» arbeiten. DaS iü sein Reckt und feine Aufgabe. Hierin müssen wir ihm freie Hand lassen. Man müsse zur Soüaltftcmnggfrage in wirtschaftlichem wie in politischem Sinne Stellung nehmen. Die Arbeiter tun das leider nur in politischem Sinne. Eine Sozialcherung im Sinne der äußersten L uken muß unser Wirtschaftsleben zrnn St lleacn bringen.
Abg. Leicht (Bah. Vpttt: Wir erwarten, daß die Regierung ba-d einen befriedigenden Gesetzentwurf bor egt und treten in eine materielle Erörterung deswegen heute nicht ein.
Abr. Henke (U. S- P.): Die Dentick-Rationalen erstreben kapitalistischen Prosit durch volrtische Aisttel. Demgegenüber muß die Arbeiterschaft aufgellärt werden. Arbeitsgemeinschaft und Parität sind Schlagworte, mit denen die Arbeiter geködert werden sollen. Der Arbeiter aber ist genügend politisch geschult, um sich nicht durch Kleinaktien einfangen zu lasten. Nur die Vollsoualistcrung kann die wirtschaftliche Gesundung unfereS Voller bringen.. Von den Kohlenbaronen trennt uns eine Weltanschauung. Stellt sich bie Regierung auf den Boden, die Sozialisierung bis zum St. Nimmerleinstag zu btrfihieben, so bedeutet dar eine Katastrophe. Das Bürgertum fühlt sich jetzt stark genug, um es auf einen Kampf mit der Arbeiter» toast aukommen zu lassen. Tie Arbeckorswast ist bereit! Sie wird nicht ruhen, bis die soziale Revolution drrrchgeführt ist.
Jldg. Schiffer (Dem) gibt namenS seiner Partei die Erilänmg ab, daß sie eS für notwendig hält, der Arbeiterschaft einen größeren Anteil an den Erträgnissen zu sichern, ohne auf die kraftvolle Mitarbeit der Unternehmer zu verachten. Sie erwartet schleunigste Vorlage einer entsprechenden Entwurfes.
" Abg. Koehnen (U. S. links): Die MchrbertS- sözialdemokratie hatte zur Zeit ihrer Regierung bereit« Den Auftrag, die Sozialisierung durchzuführen. Statt dessen hat sie sich mit den Lüttwitzern verbündet, um die Unabhängigen aus der Regierung zu öerbringen und die Durchrüdrmlg be3 Socialismus zu verhindern. Jetzt bedangt sie von der bürgerlichen Regierung die Dulchrübrunn -ber Sozialisierung, ohne an biete zu akaukreN. Nur bieMätedtkcaiur-^«« ^.«igMpEglf- fierung bringen. Daß auch die Rechttsnnabhängrgen von der Rätediktatur nichts mehr wissen woüem vr» weist ihre Annäherung an die Mehrbeitssozialisten. Die Atehrbeitafopali' en wollen Fiskalismus nicht aber Sozialismus. Für die Sozialisierung brauchen wir den proletarischen Staat.
Abg. Ianschek (S03.): Die Arbeiter warten auf das Gesetz. Es muß bald erscheinen. Auch die christlichen Bergarbeiter wollen nicht mehr fortgesetzt Opfer zu Gunsten des Kapitalismus bringen. Die Hirsch - DunkersckD fordern sogar die Enteignung ohne Entschädigung. Bleiben die Erwartungen der Arbeiter unerfüllt, dann gibt es. einen unheilvollen Rückgang der Produktion.
PsUlische Tsgesber'lch!s.
— Ablehnung der Bramtenfordcrung. Dsk Reichsrat hat die Forderung der Beamten, soweit sie sich aus die Erhöhung der Teuerungszuschläge 3?on 50 auf 70 Prozent und die Erhöhung der Kinderzuschlüge um 100 Prozent erstrecken, grundsätzlich a^g- ;gnt. Im Kabinett beriet man dem , Zerr. .agebL" zufolge über Maßnahmen, d- sine rhöhung der Kinderzuschläne für ’>■• er vorsehen. Außerdem scheint es, da '' Prozent Erhöhung zu den bisherigen 50 , ozent Teuerungszuschläge gegeben werden können.
— Polcn—Litauen. (Lit. Tel.-Agontur). E n boluitoer Panzerzug gr ff im Abschnitt Klepacza au. Ein Wagcn entgleiste, oie übrigon Fiihre» in Richtung Landwasowo zurück. Gestern glichen bie Iitalischen Triivpeil den Durchbruch der litauischen Fr»l>r voll» bändig au«, eroberten Schi>sviuty, PosckKwa. Low- mianv uns Widien schky zurück, nahmen einen poutitoen Brigudestab unb einen Regimentsstab gefangen ir s erbeuteten über 500 Gefangene, 2 Geichill-e, 20 Maschinengewehre, 9 Minenwerfe:. 150 Pttrde. 7 Feldküchen, 40 Wagen, über 250 Gewehre uns l Auto. Bei dem Zniaium-nbruch her Offensive deS Generö s 3e!igoir$ü; entging dieser nur mit R -he der Ge- angenschaft. Der BcftlilShaber von G,o^no wur»« rötlich ve wnndct. Ein Panzerzug, ber in ber Geaeas von Kicpacza zum Gegenangriff ansctzte, entkam m4 schweren Bescküd gungen.
— Zwölf eriglisch« Ossiziere oefötet. W e aus London gemeieet wird, mürben gestern vormittar in Dublin (Irland) 12 englische Ofsiziere, bie außer» halb der Kaserne wohnten, getötet.
— Ei» «euer Zw sche»»fall mit Gn^lariP. Englische Matrosen bei Damp ers „Celtw" griffen du amerikanischen Zo'ibea nteu, welche an Bord c nt Untersuchung nach verborgenem Alkohol vo nehmen wollten an unb verprügelten mehrere Beamten Darauf' wurde die Polizei und Marine-Zumatcru« alarmiert, die einen Sturmangriff auf den Lamplcr machte, worauf die Alatrofen gerangen wurden. B" der Untersuchung des DampserS fand man gram Mengen Cognac und anbere Spuituofen. Die amerikanische Regierung hat den Vorfall dem enghtoe« Gesandten mitgeteilt und um strengere Koutroilma!!- navwcn in den endlichen Häfen ersucht baunt der Alkoholschmuggel ein Ende nehme.
Weiter« politische Nachrichlev Seit« 4.