Stnrückung»gebübr:Di«8gesp,Kolonelzeileod. deren RauM 1.— Mk., die 4gefp. Zeile i. Meflame» teil 5.—Äik.. 2S°I»Teuerungszu!ck)l. Offertgebühr gOPfg.Be»uilsv reis: Vierteljährlich 12.9!) Mk., inonatl. 4.30 Mk.. für Postbezug vierteljährl. 12.95 Mark. monatl. 4.30 Mst Die Nummer 20 Pfm Posticheck-Konto Nr. 26859. Frankfurt akM.
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LmMchrs Organ für SlaR- m» Landkreis Saturn
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Kr. 270 Dienstag -e« 16. November 1920
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Das Neueste.
•- Die Auflösung der Hanauer Stadt- > »rrordnetenvecsammlung steht un- | Mtelbar bevor.
— Reichskanzler Fehrenbach erklärte gestern : je Köln, daß weder die deutsche Regierirng, noch f M BvÜ, noch der Kaiser den Krieg gewollt hätten.
h — Auf einem in Berlin stattgehabten Ver- bandstag der preußischen Haus- u. Grundbesitzer- ! «reine wurde gegen die geplante Einführung der Landesgrundsteuec Stellung genommen.
— Die Landtags Wahlen in Sachsyt haben einen Ruck nach rechts ergeben.
Die VSlkeröunösVersammlung.
In dem für die Eröffnung des Völkerbundes bestimmten ResormaticmZsaal erschieneN gestern von ^11 Uhr ab die einzelnen Delegierten und nahmen ihre Plätze ein. H y m a n s eröffnete die Sitzung, indem er daran erinnerte, daß aufgrund des Artikels 5 des Völkerbundvertages Präsident Wilson die erste VölkerLundoersammluug nach Genf einberufen habe. Hymans erklärte die erste Session für eröffnet und erteilte das Wbrt dem Bundespräsidenten Motta. Nachdem er die Ver- srur nlung namens des Schweizer Volkes und der Schweizer Regierung willkommen geheißen hat sprach er der Friedenskonferenz den Dank der Schweizer Regierung dafür aus, daß diese Genf als Sitz des Völkerbundes gewählt habe. Er gedachte der Verteidigung Belgiens, dessen Ehre im Gedächtnis der Menschheit so lange fortdauern werde, wie die Bestimmungen des Rechtes und der Gerechtigkeit hochgehalten würden. Er dankte dem Rote des Völlerbundes für die Anerkennung der immerwährenden militärischen Neutralität MMiLiMoeiz auch jm Völkerbund, die der Schweiz
habe. Endlich richtete Motta eine DänWLvWD an den Präsidenten Wilson für die Einberufung der ersten Völkerbundsversa umlung nach Genf und gab dem heißen Wunsche Ausdruck, daß die Vereinigten Staaten nicht mehr lange zögern möchten, den ihnen im Völkerbund gebührenden Platz einzunehnien- Motta schilderte sodann die Folgen des Krieges, die für die Sieger wie auch für die Besiegten das schlimmste aller Uebel seien, von denen die Menschheit überhaupt betroffen werden könnte. Aus dieser Erkenntnis heraus sei auch der Gedanke des Völkerbundes entstanden, dessen Wirken dauernd die Entwicklung der Staaten beeinflussen werde. Der Völkerbund sei nunmehr eine unbedingt notwendige Einrichtung geworden, ttotz aller Mängel, die ihm gegenwärtig noch entlasteten. Selbst wenn das gegenwärtige von so vieler; Staaten errichtete Gebäude Zusammenstürzen sollte, würden feine Fundamente noch fortbestehen. Ohne den Völkerbund feien Verjage, die dem Frieden dienen sollten, nicht mehr möglich Die erste Völkerbundsöersammlung dürfe ni^t auseinandergehen, ohne einen ständigen in= ternatinoalen Gerichtshof geschaffen zu haben, der der ftiedlichen Lösung von Streitigkeiten zwischen den Staaten dienen solle. Der Völkerbund würde in seiner Autorität und seiner versöhnlichen Wir- lwig sicherer sein, wenn die Sieger nicht mehr auf die Mitarbeit der Besiegten verzichten würden. Die Völker müßten verzeihen können und sie seien nur dann groß, wenn sie dies täten. Der Tag werde Kommen, an dem ein am Zaum gehaltenes und vom Elend verfolgtes Rußland beim Völkerkunde Ordnung, Sicherheit und wechselseitige Hilfe suchen werde.
Nach der wiederholt von Beifall unterbrochenen Rede Mottas ergriff Hymans das Wort zu eurer zweiten Eröffnungsrede, in der er der schweizerischen Regierung den Gruß des Völlec- buudeI übermittelte. Hymans erklärte, wenn es vfn Genfer Verhandlungen gelinge, auf eine Annäherung ber. Voller unter einanber hinzuwirken, würde dies ein großer Erfolg sein. Es sei dann der Weg geebnet zu einer besseren Zukunft. Der Völkerbund habe den Ehrgeiz, nach und nach ein ^uieinsames Band um alle Nationen zu schlingen, das auf der Loyalität der Nationen begründet sei.
müsse ein Geist unter den Völkern geschaffen d>erd«n, der geeignet sei, die Leiden der Völker erleichtern. Die Rede Hymans wurde mit ®<isaH ausgenommen.
Die Versammlung schritt sodann zur Wahl des Präsidenten. Als Präsident wurde in Spültet Abstimmung gewählt der belgische Dele- Sierft Hymans mit 35 von 41 Stimmen.
In der Nachmiidagssitzung wurde auf Vorschlag der englischen Delegation beschlossen, dem Präsidenten Wilson, dem hervoragenden (?) gei= suchen Urheber des Völkerbundes, ein Telegramm in senden mit dem Wunsche, um baldig« Genesung, ^ach längerer Geschüftsordnungsdebalte wurde das pcovijorilche Reglement eu bloc angenomureu.
Nach längerer Debatte wurde der Antrag des Präsidenten angenommen, die auf der Tagesordnung vorgesehenen Geschäfte an sechs Kommissionen zur Verarbeitung zu überweisen. Die Versammlung hat darüber zu entscheiden, ob die Aufnahmegesuche von vier Staaten, die ih.e Anmeldungen nicht innerhalb der im Völkerbundakt vorgeschriebenen vier Wochen vor Beginn der Versammlung eingereicht haben, auf die Tagesordnung gesetzt werden sollen. Lord Robert C c c i l (Südafrika) erklärte sich unbedingt dafür. Die Aufnahme neuer Staaten gehe allen anderen Fragen vor. Bourgeois sagte, es müsse darüber eine Abstimmung stattfinden, die aber keine Präjudiz für die Zulassung der betreffenden Staaten bedeuten dürfte. T i t t o n i unterstützte Lord Robert Cecil. Hierauf wurde beschlossich^ die Anmeldung der vier Staaten einer Commission zu überweisen. Um 6 Uhr wurde die Sitzung aufgehoben.
Veschwerdeschrift der Deutschen in Polen.
Wie die „Tägliche Rundschau" mitteilt, liegt dem in Genf tagenden Rat des Völkerbundes auch eine Beschwerdeschrift der Vereinigung des deutschen Volkstums in Polen vor, in der durch zahlreiches Material die Grausamkeit der polnischen Ausrottungspolitik gegenüber den Deutsche« dargelegt und um Abhilfe gebeten wird.
Preffestimnren.
In der Berliner Presse kommt die Ueberzeugung zum Ausdruck, daß innerhalb der Entente in den letzten Wochen eine für die allgemeine Lage verständnisvollere Richtung auf Drängen England die Oberhand gewonnen hat, da insbesondere England eingesehen hat, daß Deutschlands Sturz in das Chaos weder für seine eignen noch für die europäischen Interessen nützlich erscheint. Dieser Umschwung werde sich auch schon
^eM-^VölkerLundst<i§uug zeigen. Wäh- I linksradikalen Blätter bi«W „Bour-; Feoistegebilde" überhaupt mit Verachtung"strafen,
knüpft die bürgerliche Presse an dieses erste Völ- kerbundsparlament die Erwartung, daß dieser schwache Versuch eine Gesellschaft der Nationen zu gründen, bald ein wirkliches folgen werde, das den Namen Völkerbund habe ein Recht zu führen. Im „Berl. Tageblatt" sagt der ehemalige Kolonialminister Dernburg für Deutschland sei von dieser Tagung nur die Feststellung der Man- daisbedingungen für die ehemaligen deutschen Kolonien wichtig, die nichts anderes bedeuten würden, als die Uebernahme dieser Gebiete durch die Entente. In dieser Frage seien sowohl Deutschland als auch Amerika in Paris hinein- gelegt worden. Im „L o k a l a n z e i g e r" fordert der ehemalige Chef der deutschen Friedens- delcgation Freiherr von Lersner eine gemeinsame Front aller Parteien, um gegen den Versailler Vertrag anzukämpfen. Die „Berliner Marge n p o st" hält diese Tagung trotz des Mum- Pitzes, mit dem in der Stadt Calvins den Leuten wieder einmal etwas vorgemacht wird und trotz aller Utopieen für einen wirklichen Gedanken, der mit allen menschlichen Kräften zum Leben verwirklicht werden soll.
Die Reichsregierung in LMrr.
Bemerkenswerte Warte Fehrenbachs.
Die Reichsregirrimg, die, wie wir gestern bereits meldeten, gegenwärtig im Rheinland weilt, traf gestern in Köln ein. Beim Empfang der Minister im Muschelsaale des Rathauses hielt Oberbürgermeister Dr. Adenauer einen Vertrag über die wirtschaftlichen Aufgaben her Stadt Köln. Er ging auf die Baupläne im inneren und äußeren Naysngcläude, sowie im Industriegelände ein und betsnte, daß die Stadt Köln sich dieser großen finanziellen Ausgaben nicht wegen rein örtlicher Interessen, sondern im Interesse beS Rheins und der Allgemeinheit unterziehen wolle. Reichskanzler Fedrenbach dankte für die herzliche Begrüßung und den anfklärenden Vertrag des Oberbürgermeisters und gab feiner Meinung baNn Ausdruck, er fei überzeugt, daß die Stadt Köln die Hafenbantc» und ihre sonstigen großen Baupläne in hohem Grade im Interesse des Reiches vornehmen wolle. Er glaube, namens des ganzen Reichrkabinetts versickern zu dürfen, d-ß es die Stadt Köln in dieser Hinsicht nach den besten Kräften fördern würde.
Isis. Berlin. 16. Nov. Wie der „Berl. Lskal- m^ciger“ aus Kölu meldet, erklärte der Reichskanzler F c h r e u b a ch unter tosendem Beifall einer nach mehreren Tausenden zählenden Zuhörerschaft, daß Deutschland den Friedensverirag nicht als einen Vertrag anerkenne, der Deutschland als den alleinigen Schuldner stemple. Den Krieg habe weder die Regierung, noch das Volk, noch der Kaiser gewollt. Die deutsche Regierung hoffe, daß auch die Gegner einen Teil der Schuld, bie amt sie treffe, auf sich nehmen. Deutschland erstrebe die Erfüllung des Vertrages soweit es möglich sei, hoffe aber,. bau sich eine Revision dieses unmöglichen Vertrages durchsetzen lassen werde.
In Berliner politischen Streifen legt man dieser Aeußerung Fedrenbach? großen Wert bei, da sie einer« seit» den festen Willen der deutschen Regierung den FriedenZvcrtraa im Mahnten der Möglichkeit au er. ।
füllen, erneut betont und gleichzeitig die feste Hoffnung der deutschen Regierung auf eine Revision des für Deutschland auf die Dauer unerfüllbaren Friedens- vertrageS ausdrückt.
Die sächsischen Landtagswahlen.
Die Wahlen zum sächsischen Landtag, die am Sonntag stattfanden, haben, wie nicht anders zu erwarten war, ein vollkommen verändertes Bild der am 2. Februar 1919 gewühlten Volkskammer ergeben. Es hat ein ganz wefentlicher Zug nach rechts stattgesunden. In zahlreichen Städten sind erfreulicherweise erhebliche bürgerliche Mehrheiten erzielt worden, so u. a. in Dresden, Leipzig, Plauen und ganz besonders in Markneukirchen und Falken- ftein (durch die Schreckensherrschaft des Kommunisten Hölz bekannt). Leider hat auch diesmal die allgemeine Wahlmüdigkeit eine kleine sozialistische Mehrheit aufkommen lassen, sodaß der neue sächsische Landtag folgendes Bild zeigen wird: 47 bürgerliche und 49 sozialistische Abgeordnete, während die Volkskammer 39 bürgerliche und 57 sozialistische Abgeordnete zählte. 3m Einzelnen setzen sich die neuen Parteien zusammen: 21 Deutsch- uationals., 18 Deutsche Volkspartei, 7 Demokraten, 17 Zentrum, 27 Mehrheitssozialisten, 13 Rechts- unabhängige, 3 Linksunabhängige, 6 Kommunisten. Die Wahlbeteiligung betrug 67 Prozent.
Die Einzelergebrusse sind folgende:
Im Wahlkreis Dresden erhielten: Demokraten 46 280, Deutschnationale 164 602, Zentrum 15 643, Deutsche Volkspartei 128554, Mehrheitssozialisten 216 414, Nechtsunabhängige 61234, Linksunabhängige 13 446, Kommunisten 12 228, Wirtschaftliche Vereinigung 13794 Stimmen. (Bei der vorigen Land- iagswahl wurden gezählt: Demokraten 159136, Deutschnationale 119 468, Deutsche Volkspartei 84 615, Sozialdemokraten 380 738, Unabhängige 57930.)
3m Wahlkreis Leipzig wurden gezählt: Zentrum 2716, Deutschnationale 118983, Deutsche Volkspartei 110 969, Demokraten 55 595, Mehrheitssozialisten 68 724, Nechtsunabhängige 148 722, Linksunabhängige 43161, Kommunisten 24004. (Die Ab- stiinmungszissern bei der Wahl von 1919 waren: 4)emotraten mit LeuHchM ■ -PpHtzpMei. .159 233- Deutichnationale 73 969, Sozialdemokraten 95 582, Unabhängige 216002).
Im Wahlkreis Ehemnist erhielten: Demokraten 46 743, Dsutfchnationale 138 314, Deutsche Volkspartei 133 552, Zentrum 2496, Mehrheitssozialisten 266622, Kommunisten 78321, Unabhängige 65896, zusammen 731916 Stimmen. (Sei der Wahl 1919 betrug das Abstimmungsergebnis: Demokraten mit Deutscher Volkspartei 173547, Deutschnationale 112 935, Zentrum 2694, Mehrheitssozialisten 417 535, Unabhängige 352 550.)
Pressestimme«.
' Zu den sächsischen Wahlen sagt die „Dosfische Zeitung": Ein Urteil läßt sich noch nicht abgeden Ein Vergleich mit den Wahlen des Vorjahres i infolge der Kreisveränderungen fast unmöglick Die Wahlbeteiligung war im allgemeinen schwächer. Ob sich in der Volksvertretung des früheren roten Königreichs eine nichtsozialdemokratische Mehrheit ergeben wird, muß abgewartet werden. Der „Berl. Lokal-Anzeiger" hält eine Teilnahme der Mehr- Heitssozialisten an der Regierung gemeinsam mit der Volkspartei für ausgeschlossen.
Das .Berliner Tageblatt" hebt den Wahl- erfolg der Deutschnationalen hervor und bezeichnet die Wahlniederlage der Unabhängige« als schwer. Die Wahlen bedeuteten im ganzen eine weitere Verschiebung nach rechts. Die Sozialdemokratie bleibe die stärkste Partei, die Deutschnationalen rücken an die zweite Stelle. Sämtliche sozialistischen Parteien würden zahlenmäßig eine schwache Mehrheit ergeben. Politische Bedeutung habe diese statistische Berechnung nicht. Auch eine Rechtsregie- runa sei nach den Wahlzahlen nicht möglich. Es bleibe also nur eine Regierung der Mitte.
Der „Vorwärts" faßt das Ergebnis dahin zusammen, daß das Ergebnis für die Unabhängigen und'Kommunisten stellenweise geradezu erschreckend sei. Auch mit der sozialistischen Mehrheit sei nichts anzufangen, da die Reukoinmunislen und Kommunisten jede Beteiligung an der Regierung ablehnten.
Gardiners Antwort.
London, 15. Nov. Cardinsr erwidert in der „Daily News" auf Poincares Antwort im „Tekwps" auf feinen offenen Brief, worin ihm der ehemalige Präsident von Frankreich Handelsgeist und Ideologie zum Vorwurf macht. Hie Leute in England, die unter dem Vorwand, die Einfuhr deutscher Waren nach England müsse verhindert werden, einen Prohibitivtarif gegen die ausländische Seide verlangten und dabei von Patriotismus und Freundschaft mit Frankreich redeten, wüßten genau, daß die Konkurrenz, die sie. mit ihrem Tarif vernichten wollten, die französische Konkurrenz sei. Wenn Poincarö seine Hoffnung auf Unterstützung der englischen Protektionisten baue, die jede Extravaganz der französischen Politik unterstützten und erklärten, daß sie nie wieder mit Deutschland Handel treiben wollten, baue er auf schwachen Grund. An dem Tage an dem Frankreich das Vertrauen und die Sympathie der liberalen und Frei- Handelskreise in England verliere, gehe es des eimiaea lohnenswerten malifchen politijchen
Guthabens verlustig. Zu der Erklärung Fachs, daß das französische Volk nie verstehen werde, daß der Sieger im Kriege bankerott sein solle, schreibt Eardiner, ganz Europa sei bankerott. Keine einzige kriegführende Nation könne heute ihren Verpflichtungen nachkommen. Eardiner fährt dann fort: Die ftanzösische Politik fei offen militaristisch und reaktionär und strebe nicht nach Versöhnung, sondern nach Beherrschung Europas durch ein Militärbündnis. Eardiner wiederholt dann den Vorwurf gegen die fran. zöfifche Politik, daß sie Deutschland entwaffnen und zu dauernder wirtschaftlicher Versklavung verurteilen wolle. Die Entschädigungssumme sei nicht festgesetzt worden, weil die Staatsmänner Frankreichs und Englands es nicht wagten, ihren Völkern die Wahrheit zu sagen. Sie hätten Erwartungen erzeugt, deren UnerfiiC6adeit sie kannten. Den Fehlschlag des Völkerbundes schreibt Eardiner dem Umstand zu, daß die Gegner Wilsons keinen Glauben daran hätten. Der Völkerbund werde solange ein Hohn sein, als die französiche Polittk das Feld behaupte. Eardiner tritt schließlich dafür ein, daß Genf den Schaden wieder gutmache, den Patts anrichtete.
Zu Wrangels Niederlage.
Paris, 15. Nov. Aus russischer Quelle liegen hier nur wenige Einzelheiten über die Ereignisse vor, die sich augenblicklich auf der Krim abspielen. Man hat indessen folgende Darstellung über die Durchbrechung der 8lrm.ee Wrangel erhalten: Die rohen Truppen, die an dem Angriff gegen Perekov teilnad- men, bestanden aus mindesten? 27 Divisionen und gewaltiger Artillerie, während die Armee Wrangel nur 3 Divisionen stark war. Letztere schlugen sich heldenhaft und wiesen 22 aufeinander folgend« Sturmangriffe ab. Erst als sie gewaltige Verluste erlitten und den größten Teil ihrer Einheiten verloren hatten, zogen sich die Trrippen Wrangels zurück. Die rote Armee scheint ebenfalls schwere Verlust« erlitten zu haben. Man glaubt, daß ihr bemerkenswerter straft. Widm Erü^ dem Eingreurri einer auSländischdn Bcfehsrbsberr zu verdanken ist. (? Rd.) Die Räumung, die am 11. begann, geht unter schwierigen Verhältnissen weiter. Sie wird außer von den Panzerkreuzern „Waldeck-Rousseau" und „be Erevence" (?) noch durch „Zegidin" (?) und russische Einheiten gesichert. Man versichett hier, daß materielle Schwierigkeiten bestanden, bie Flüchtlinge von der Halbinsel Krim auizunehmeu, da Konstantinopel schwer über- Völkert sei.
Moskau, 15. Nov. lOperationSbericht der russischen Sowjetrepublik). Im Abschnitt Moshr schlugen unsere Truppen die Angriffe des Gegners erfolgreich znrück. Im Abschnitt Litin wurden die Angriffe von Petliura-Abteilunzeu zurückgtschlagen. Zu der Richtung auf Proskurow dauert unser Vormarsch erfolg, reich an. In Richtung Rowo-Uschiz« und im Dnjestr- abschnitt überwanden unsere Truppen den Widerstand der Feinde» und nahmen am 11. Nov. Mohilow Podslsk. — Südfront: Unsere Abteilungen verfolgen energisch den geschlagenen Feind. In den letzten Kämpfen erbeutete eine unserer Divisionen allein 40 Ge- schütze und viele Maschinengewehre und anderes SriegS« Material. Die Zäbüing der Gefangenen ist tm Gange. Im Abschnitt Dshaukoj nahmen unsere Kavallerieabteilungen, nachdem sie von Westen her durchgebrochen waren, die Station Drhankoj ein, wo wir eine ungeheure Beute machten.
Paris, 15. Nov. Nach einer HavaS-Meldung
au$ Koustantinopcl wird sich General Wrangel aus einem russischen Kreuzer einschiffen.
Paris, 16. No». Nach einer Timer-Meldung aus Konstantinopel sind gestern bereits an Bord von sieben Dampfern 13 000 Flüchtlinge aus der Krim eingetroffen. Er ist jedoch unmöglich, für sie eine Unterkunft zu finden, da auch Konstantinopel mit einer Wohnungsnot zu rechnen habe. 80 000 weitere Flüchtlinge warten in der Krim auf Abtransport, aber es sei nur möglich die verwundeten Kricgcr, sowie Frauen und Kinder unterzubringcn.
Tschitscherin an China.
Moskau, 14. Nov. Der Bo kklommissar für auSiuärbge Angelegenheiten, Tschitscherin, richtete an das chinesische Ministerium für auswärtige Angelegenheiten eine Note, worin erklärt wird, die Sowjetregie- ruug sei der Ansicht, daß die gemeinsamen Interessen eine baldige Vernichtung der Weißgardisten, dir nach der Niederlage «emenows sich auf chinesisches Gebiet znrückzogen, forderten. Er sei deshalb bereit, beu chinesischen Truppen Beistand zu leisten. Die Sowjet- regierung betont, daß ihre Truppen nach Erfüllung ihrer Aufgabe sofort baS chinesische Gebiet räumen würden.
Politische Tagesberichte.
— Gewerkschaften und Betriebsräte. Laut .Vorwärts" hat die Berliner Eewerkfchafts- ommission in einer Vollversammlung einen Intrag angenommen, wonach entsprechend den Beschlüssen des Betriebsrätekongresses die Organisierung der Betriebsräte im Rahmen des All- gemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes statt* finden soll. Wie ver^Vorsitzende der Versarnnl- lang feststellte, bedeutet die Annahme dieses Antrags die Lösung sämtlicher Beziehungen zur Betriebsräteorganijation.
Weitere holiüjche Wachrichte« Seite 4.