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th. Klcin-Ut inheim, 12. Novbr. In d r ant Mittwoch abend ftattgefunbeueu öffentlichen Gemeinde- catsfitzung gab KreiSsiraßenmeister Rciv einige 6r« läi^erungen über die AliSbeffcriing bedürftiger «trotzen m hiesiger Gemeinde. Der Kosienpunkt ist ein sehr hoher, weshalb von 6ärgert Seite beaniragt wurde, aur die Fried-oi»straße zu walzen, die übrigen etivas «nSzubefferu: dem wurde zugestimmt. Die Erwerbslosen, die bei diesen Arbeiten beschäftigt werden, sollen «ack einer ausgearbeiteten Lobnikala besohlt werden — Ein Voranschlag zur Täfelung der Abortrückwände im SchulVaus erfordert 2000 Mk. Hierzu bemerkt Architekt Winter, daß für bie notwendigen Arbeiten zur vollständigen Herstellung der Abortanlage» nochmals ca. 8000 Mk. erforderlich sind. Straßenmeister Reitz gab hierz« eine Erklärung ab, wonach auch ihm die Ausarbeitung eines Soranfcblagel der Abortanlagen übertragen wurde und forderte, daß sein Lorauschlag honoriert werden müsse, ganz gleich, ob er ben Auf- trag erhalte ober nicht. Bon sozialdem. Seite wurde hierzu beantragt, für die durch diesen Voranschlag ent- stehenden Kosten Bürgermeister Adam verantwortlich nt machen, da kein Beschluß des ©emeinberats zu dieser Auftragserteilung vorliegt. Mit 8 gegen 7 Stimmen wurde dieser Anttag angenommen. Da Bürgermeister Adam nicht anwesend war, wurde von bürgerL Seite beantragt und auch beschlossen, diese Angelegenhc»t nochmals i« einer ber nächsten Sitzungen im Beisein von Bürgermeister Adam, Arcbilekt Winter und streit straßenmeister Reitz zu verhandeln. — Ueber die Vergebung der Weitzbinder- und Schloff erarbeiten am ehemaligen Ratbau» soll nochmals verhandelt werden. — Ein Voranscblaq zur Herstellung der Kinderkloiett- enlage im Schwesternhaus erfordert 2496 Mk.: dem vurde zugestimmt. Von bürgerl cher sowie von soziald. Seite wurde scharf gerügt, daß die bereits vor einem Jahre beschlossene Herrichtung der Schulbänke in her Kleinkinderschule beS Schwesternhauses noch nicht zur AuSfübrnng gekommen ist. Durch diese Verzögerung erwachsen der Gemeinde bedeutende Mehrkosten, da bie Materialien im Preise bedeutend gestiegen sind. — Die restlichen Sauarbeiten für die Gemeinde-Reiden- bäuser wurden wie folgt vergeben: Echlosserarbeiten Schlosiermeister ©esset mit 20 200 M., ©robfchmiebe* arbeiten Kaspar Mieth mit 306 Mk., Spenglerarbeiten Kmrbein mit 7118 Mk„ Glaserarbeiten (geteilt) Seife» Seligenstadt mit 18600 Mk, und Fr. E. Schönhals- Groß-Steinheim mit 14 400 Mk. Es entspann sich hierüber eine längere Debatte, wobei scharf gerügt wurde, daß die Arbeiten bereits schon in Ausführung sind, ohne die Zustimmung der GemeindcratS abzu- . warten. Der Bauleiter Architekt Opper soll aufte- sordert werden, sich in der nächsten Sitzung dazu zu äußern. — Mich. Henkel und Alois Hcnnmger wurden als Nachtwächter gewählt. Dem 8. Nachtwächter wurden ebenfalls 2500 Mk. Jahresgebalt bewilligt.
* Grotz-Lteinheim, 12. Nov. Heute abend 8 Uhr findet im S>sungs>aa!e des Rathaufes öffentliche Gemeinderatssipung statt.
me. Frankfurt a. M., 11. Nov. Die Strafkammer verbände te heute unter averstrengstem Ausschluß ber Oeffentlichkeit gegen den Kaufmann Schaffner wegen Landesverrat. Als Sachverständige waren geladen Dr. Akeckel-Tassel, Dr. Popp-Frankfurt c Al., Prof. Dr. Krause-Caffel und Kriminalkommissär Silberstorff-Frankfurt a. M. Die Verhandlung dauerte mehrere Sttruden. Der Angeklagte wurde zu 5 Jah- rm ©eränsnil und Stellung unter Polizei-Aussicht her urteilt. Die Urteilsbegründung fand ebenfalls un« ter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Allen Beteiligten wurde strengste Schweigepflicht auferlegt.
Ba» Orb, 12. Nov. Am vergangenen Montag explodierte dem Heizer Philipp Eck pou hier beim Raucht» die Tabakspfeife, wodurch er mehrere Brand- wlitide« im Gesicht, unweit des Auge«, davontrug. ^ Lci näherer Untersuchung ber Explosiontursache fand sich in dem noch unversehrten Ende der Pfelfeukopies die Kugel einer 6 mm Gewehrpatrone vor, welche bie Explosion verursacht hatte. Jedenfalls war bte Patrone in fahrlässiger Weise in die Packung des Tabaks hiiiemgekommen.
nie. Schotten, 11. Nov. Die wilden Liehaus- läufer bereifen nach wie vor in beängstigender Zahl »cn Vogelsberg und kaufen alles Vieh dessen sie hab. zast werde« tönntu. Leider läßt sich ein großer Teu )er Landwirte durch die augenblicklich hohen Prene bestechen, ganz junges Vieh zum Seil abzugebe», ohne zu bebenfen, welch großer Schgoeu durch bieie wilden Verkäufe der deutschen Volkswirtschaft zugefügt wird.
r. Marburg, 10. Nov. Die kmhesstsche Bauernschaft hat acht groß« Versammlungen in Kmhefle» angelünbigt, von denen di« erste heute hier in d«n Stadtsälen unter ganz gewaltigem An^range von Landwirten aus der ganzen Gegend, sowie in Anwesenheit einer großen Anzahl korporierter und nichtkorporierier Studenten statt fand. Bei Beginn teilte der Hauptgeschäftsführer Fürst mit, daß soeben ein Telegramm der Regierung in Stoffel ben u- a. angekündigten Vortrag des Hochmeisters des Jungdeutschen Ordens, -Herrn Mahraun aus Gaffel, der über den ^Jungdeutsche» Gedanken" als Brücke zwischen Stadt und Land sprühen wollte, verboten sei, Hiergegen wurde von der Versammlung Einspruch erhoben und auch eine , diesbezügliche Entschließung abgesaßt. Es sprach dann der zweite Vorsitzende des Brandenburger Landbundes, Herr Hillger-Spiegelberg, über „Den Landbund als Retter der Landwirtschaft und des deutschen Wirtschaftslebens." Er schilderte den Zusammenbruch als Folge der Revolution, die ille enttäuscht hätte, sogar die Arbeiter, und trat für den Zusammenschluß aller deutschen landwirtschaftlichen Organisationen ein. Den Marburger Studenten sei der Dank der Thüringer Landwirte für ihre Hilfe in großer Not für immer gewiß. Hauptgeschäftsführer Fürst hielt dann einen weiteren Vortrag über die „kurhessische Bauernorganisation am Scheidewege" und betonte, daß in Kurhessen für den Gedanken des baldigen Zusammenschlusses der gesamten deutschen landwirt- sch-aftlichen Organisationen bahnbrechend gewirkt worden sei. Nachdem noch der Provinzialvor- fihenbe des Bundes der Landwirte in Kurhessen seine Sympathie für diesen Zusammenschluß dar- gebracht hatte, sprach Herr Mahraun aus Dass«! über das Verbot, die heutigen Verhältnisse usw. Der- überwachende Polizeikommissar mußte ihn mehrfach ermähnen, worüber es zu Lärmszenen kam. Mit dem Gesänge des Liedes „Ich hab mich ergeben* endete die mehrstündice Versammlung.
r. Marburg, 10 Novbr. Morgen Samstag habilitier: sich an der hiesigen Universität Graf von Degenfeld-Schomburg mit einer Antrittsvorlesung „Ueber die Arbeitsgemeinschaft in der j^lti'Afn PS rthiiftr.ii»",. .
Mainz, 10. Novbr. Ein Verfall, den man sich merken sollte, trug sich kürzlich hier zu. Ein Kauf, mann rief «inen Fuhrunternehmer telephonisch an, um ihm zu sagen, daß zwei Kisten mit Waren zum Abholen bereit ständen. Kurz darauf erschien auch schon ein Mann mit ein ein Karren, um die Kisten zu holen. Später aber kam erst der richtig« Fuhrmann, und es stellte sich heraus, daß der erste wohl das Telephongespräch mitangehört und sofort die S^che „praktisch ausgenützt", d. h. die Kisten erschwindelt und gestohlen hatte. Der Inhalt hatte einen Wert von rmhezu 20 000 Mark.
Nürnberg, 11. Novbr. Eine tschechische Dame machte auf der Durchreise dem Tiergarten einen Besuch und reizte im Affenhause einen großen SchweinSaffen mit ihrer Brieftasche. Ein flinker Griff brächte die Tasche in den Besitz des Affen, der sich sofort mit dem Inhalte beschäftigte, der aus 10000 Kronen in Papier, Reiseaus weisen, Pässen und sonstigen Papieren bestand. Ein be» sonderes Vergnüge» macht« «S dem Affen, die schönen Tausendkronenscheine zu zerreißen. Als auf das Geschrei der überraschtest Dame der Wärter zu Hilfe kam, war das Zerstörungswerk fast vollbracht. Die $af$paniere konnten noch gerettet, die zerrissenen Tausendkronennoten zumteil zusammengelesen und wieder zusammengesetzt werden. Immerhin muß die Dame ihren Affenspaß mit einem Verluste von etwa 2000 Kronen büßen.
Sevlirrge» (EichSfeld), 10. Novbr. Der 22- i ästige landwirtschaftliche Winterschüler N- versetzte dem Sohn des Baders Ruft von hier, der ihm nach einer Tanzmusik in der Begleitung eines jungen Mädchens zuvorkam, mit einem Backstein einen heftigen Schlag auf den Kovk sodass er sofort zusammenbrach. N- ging mit dem Mädchen nach Duderstadt weiter, ohne sich um den Verletzten zu kümmern und kehrte bald darauf zurück. R. wurde von einem andern noch .^ause gebracht, wo ift vermied, ohne die Besinnung wieder erlangt «u haben.
Helle. 10. Novbr. In Reesdorf fing bei einer HochzeitSfeier das Kleid der 25jöhrigen Ebeftau Tölke plötzlich Feuer. Die junge Frau erlitt so schwere Brandwunden, daß sie nach einigen Stunden starb. Die Untersuchung ergab, daß das Kleid aus Kortulchseide, diesem von gewissenlosen Händlern an gebotenen feuergefährlichen Stoff, hergestellt war.
W^»r>mS. 1t. Nov. Ein in den vierziger Labten lebender Arbeiter bat sich, als er festgenommen werden sollte, um eine GefängniGsira^e von zwei Jabren ut verbüßen, erschossen. Die Strafe hatte er vom franiöfifden Kriegsgericht erkalten, weil er einen französischen Sergeanten, mit dem er aneinandergeraten war, durch einen Messerstich verletzt hatte.
Unerhörte zwangsweise Entführung junger Deutscher Männer in die französische
Fremdenlegion!
Aschaffenbur«, 12. Nov. Die „Aschaffb. Ztg." schreibt: Wir sind in der Lage, einen neuen unerhörten Fall französischer Willkür und Gewaltsamkeit der Oeffentlichkeit zur Kenntnis m bringen, der wie so vieles, waS sranzösischerleiks in letzter Zeit unternommen worden ist, allen Gesetzen der Kultur, der Menschlichkeit und bei Völkerrechts inS Gesicht schlägt. Am hörigen Donnerstag gingen her 21jährige Hans S. a»8 Gießen und der tyjäkrige ®rnü P. aus Wolfen» büttel in Mainz die Schillerstraße hinab, um Arbeit zu suchen, als sich ihnen ein besser gekleideter, perfekt deutsch sprechender und auch als Deutscher wirkender Herr näherte und ein Gespräch mit ihnen ansing. Nachdem er sie gefragt hatte, ob sie arbeitslos seien, ^wo« bejaht wurde, bot er ihnen ein Mittagessen an, das sie in einer Seitensiraße der Schillersiraße gelegenen Wirtschaft cinnabmeu. Nach dem Genuß von 2—3 Glas Bier und einigen französischen Zigaretten fühlten sie stark Erschlaffung und Ermüdung. Noch kurzer Zeit verloren sie die Besinnung und erwachten erst »acht» in der Prinz Karl-Kaierne in einem sehr schmutzigen Mannschastszimmcrr Uhr im Arniband, Ring usw. fehlten. Von Zeit zu Zeit schauten Franzosen und Marokkaner nach ihnen, M sie morgens pon einem Zivilisten aufgeforbert wurden, -mitzugehen. Unter der Bedeckung zweier Marokkaner mit aufgepslanztem Seitengewehr führte sie der Zivilist, nach feiner eigenen Angabe feiner Nationalität nach Tscheche, an"ben Bahnhof und >udx mit ihnen nach Griesbeim. Hier bekamen die beiden Leute Aufenthalt in dem dortigen Sammellager. Am SamStag ging ein größerer Transport nach Metz in eine ber dortigen Kasernen. Verpflegung und Behandlung waren gut. S. wurde nun der Rock abgenommen und durch einen französischen ersetzt, in dessen Ta che sich ein unserer Redaktion übergebener Ver- pkegungsauSweir der französischen Volk fliehe in Ludwigshaien, lautend auf ben Namen Jean Kopelent, hör« land. Dadurch, daß S. feine Srieftaiche mit Papieren in die hintere Hosentasche gesteckt hatte, entging er glücklicherweise ihrem Verlust. Da den jungen Leuten, die —darauf besonders Gewicht zu legen - behaupteten, nie die Absicht eines EmtrUts in die Fremdenlegion ge abt ober geäußert zu haben, gesagt worden war, vag sie am nächuen Tage nach Oran iranSvortiert werde« sollten, entschlossen sich zu einem Fluchtversuch Nachdem sie Abendessen gefaßt hatten, spülten sie ihr Eßgeschirr am Brunnen des Kasernenhofs und setzten, untersiLtzt durch einen ungefähr in der Mitte der vßbe der Mauer angebrachten Stacheldra--t, mit eine u kühnen Schwung über die Kaserne- mauer, von einem ani Kasernenlor Patron.Nertodell Po sen nicht beinerkt. Aui möglichst dunklen Straßen gelangten sie in den Sahn^ Hof und schlichen sich in den T-Zug Mctz-Mainz, sich im Abort verborgen haltend. In Ma nz fliegen sie aus blieben aber innerhalb der Sperie und fuhren nach Frankfurt, von da nach Darmstast, immer als blinde iJaffagtfre. Sie überftiegen außerhalb des Bahnhofs bte Sperre und gingen zu Fuß nach Sabenbauien, von da fuhren sie nach Aichaffeudurg, wo sie sich zur Zeit aufl-.alteiL
Unsre „ SrrastzefLngeuen" In Fran kreich
Unter den für Deutschland so schweren Bedingungen des Aersaill«r Friedens Vertrages ist der Artikel 219, der Frankreich das Recht gibt, dir bestraften Kriegsgefangenen bis zur Ver- büßung ihrer Strafe in Frankreich zurückzubehalten, von ganz besonderer Härte. Durch diesen Artikel sind die von ihm Betroffenen zu Straf- gefangenen gestempelt worden mit dem Anschein, als ob sie dort „verdientermaßen" für ihre Misse-
Kreitag den 1S. Novembet
toten zu büßen hätten. Selbst in Deutschland spricht man wenig von diesen Unglücklichen, da man vielfach glaubt, daß es sich nur um Leute handelt, die sich „etwas zuschulden kommen ließen." Abgesehen von einigen wirklichen Schwer- Verbrechern handelt es sich dort aber um Gefangene, die nicht besser oder schlechter sind, wie die heimgekehrten Kriegsgefangenen auch. In ihrer großen Mehrheit sind es lediglich Unglückliche, Die das Pech hatten, erwischt zu werden, um in die Räder jener entsetzlichen Maschine zu geraten, di« man Militärgerichtsbarkeit nennt Sie wurden verurteilt wegen Diebstahls, Widersetzlichkeit, Beleidigung und anderer Vergehen, für die sie mehrere Jahre Gefängnis erhielten. Für ben Diebstahl von 1 Kilo Kartoffeln erhielt einer zwei Jahre Gefängnis. Manche sind verurteilt wegen Meuterei, weil sie den Mut hatten, Miß- stände zur Sprache zu bringen und für die Sache ihrer Kameraden einzutreten. Jetzt müssen sie für ihren Mannesmut büßen. Die meisten Straftaten wurden begangen aus Not und Verzweiflung, denn Kriegsgefangenschaft ist oft eine furchtbare Zwangslage. Die Kriegsgefangenen aller Länder haben sich solcher Straftaten schuldig gemacht. Siele von unseren Kameraden büßen nun schon im sechsten Jahre für etwas, das letzten Endes der Krieg auf bem Gewissen hat.
Unsere „Strafgefangenen" dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Die Oeffentlichkeit muß wissen, daß sie diesen Namen nicht verdienen. Können wir ihnen auch nicht direkt helfen, so ist es doch unsere Schuldigkeit, ihre Ehre hochzuhalten. Auch kann ihr Schicksal erleichtert werden durch Ueberweisung von Liebesgaben. Geldsendungen und Lebensmittel, Kaffee, Kakao. Tee, Tabak, Zigarren und Zigaretten sowie Südtor und Zeitschriften sind ihnen stets willkommen. Wir hoffen, daß recht viele Deutsche, die dazu in der Lage sind, dieser Gefangenen durch die Tat gedenke» werden. Wer etwas senden will, der bestimme die Sendung ausdrücklich zur Verteilung für alle, da es noch zahlreiche Gefangene gibt, die keine Angehörigen haben. Die Endungen sollen, soweit möglich, über Freiburg gehen und adressiert sein an den Hilfsausschuß des „Depot spezial des Prisonniers de Guerre" in Avignon, Frankreich.
Mannheim, 10. Novbr. Am Montag kamen wieder sechs Unglückliche aus dem Lager Avignon hier an. Auf die Frage nach der Ursache ihrer späten Heimkehr erklärten sie, daß sie noch „Strafen" abzusitzen hatten, und auf die Frage nach den Vergehen hörte man: Ich habe aus Hunger 5 Fleischkonservenbüchsen weggenommen. Urteil:
2 Jahre Gefängnis. — Ich nahm eine Büchse. Urteil: 1 Jahr Gefängnis. Wegen angeblicher Gehorsamsverweigerung erhielten zwei Gefang- gene je 2 Jahre Gefängnis, Dabei hatte der „Vorgesetzte" den Leuten Sachen zugemutet, die verboten waren, und trotzdem die höhsn Strafen!
Berlj», 11. Novbr. Der Nobelpreis für Literatur, der im vorigen Jahre nicht verteilt wurde, ist von der schwedischen Akademie dem schweizerischem Dichter Karl Spitteler zugeteilt worden. Den Preis dieses Jahres erhielt der norwegische Schriftsteller Knut Hamsun.
Stockholm, 11. Novbr. Die Akademie der Wissenschaften beschloß, den diesjährigen.Nobel- vreis für Physik dem Direktor des internationalen Büros für Maße und Gewichte in Breteuil, Charles Edouard Guillaum«, in Anerkennung der Verdienste zu erteilen, die er sich durch Entdeckung der Anomalien der Nickellegierungen erworben hat.
Politische Nachrichten.
Wie englische Arbeiter über beulsche
Dinge unierrichlel werde«.
Der „Daily Herold", das Blatt der englischen Unabhängigen, mit einer Auslage von 350 000, hat einen Herrn M- Philips Price als seinen Berichterstatter nach Berlin gesandt. Was dieser Herr nach London telegraphiert, ist zumeist so grotesk-dumm, daß jeder Kenner deutscher Ver- hältniffe nur darüber lachen wird. Die englischen Leser des genannten Blattes sind aber nicht kritisch genug, um auch nur feststellen zu können, daß in Prices Meldungen in der Regel nicht einmal ein richtiger Kern steckt. Zwei Beispiele dafür aus der ersten Oktoberwoche:
„Daily Herold" vom 1- Oktober. Ueberschrift: Weiße Sklaven für Stinnes- Pläne für Zwangsarbeit in Deutschland.' Billig« Bergarbeiter. Text: „Vermutlich infolge einer Indiskretion hat die Presse Nachrichten gebracht über einen Plan des deutschen Arbeitsministeriums zur Einführung eines zivangsweisen Arbeitsdienstes. Es wird beabsichtigt, die Bevölkerung nach Alters- tlaffen einzuteilen und nach Bedürfnis zum Dienst aufzurufen. Es ist nicht schwer zu merken, daß dahinter der Wunsch steckt, billige Bergarbeiter für gewisse Industrien, hauptsächlich für die Kohlengruben zu beschaffen." So geht es dann noch 50 Zeilen weiter.
Dieser junge Engländer macht also aus der ernsten, sozialpolitisch doch auch von dem Gegner ernst genommenen Frage des wirtschaftlichen Dienstjahres eine agitatorische Sensation und eine Enthüllung dunkler Machenschaften, obwohl die Angelegenheit seit Monaten in der deutschen Presse der verschiedensten Richtungen in breitester Öffentlichkeit erörtert worden ist.
„Daily Herold" vom 4. Oktober. Ueberschrift: Europa soll ausgeplündert werde». Franzosisch- deutsch-amerikanischer Geldtrust. Lombard-Street
beiseite geschoben. Text: „Ich erfahre von einem
interessanten Projekt zur gemeinsamen Mobil:- E der Mandschurei zuruckziehen. Eine ^ sierung französischen und deutschen Kapitals unter konvention gab bisher Japan eine gewiffeKorG^ Teilnahme von Wall-Street- Das Ziel ist die I über das chinesische Heer.
Monopolisierung von Rohstoffen, um den sozio, Mischen Industriezentren Europas die Kehl« ^ zuschnüren. Es heißt, die deutschen Kohlenbaron, Stinnes und Thyssen hätten soeben mit der fra^ zösischen Creusot-Schn«lder-Gruppe ein Abkommen geschlossen und auch die amerikanisch« Stahl korporation mit hineingenommen. Es ist b«z«sth, nend, daß der amerikanische Stablmagnat sich zur Zeit gerade in Europa befindet." Und dann dreißig Zeilen bis zu dem Schlußsatz«: „$n dem Kampfe zwischen englischem und amerikanischem Kapital zur Beherrschung der Weltrohstoff, hat anscheinend Wall-Street die erste Runde gewonnen." —
Der Washingtoner Berichterstatter des „Daily Herald", ein Herr Hanna, hat aus Amerika andauernd in ähnlicher Weise Blödsinn nach London gekabelt. Staatssekretär Erlby hat ihm da rauf kurzerhand den Zutritt zu seinem Amt« ge, sperrt. Wir empfehlen gegenüber dem jungen Herrn Price keineswegs das gleiche Verfahren, aber wir meinen, unsere Sozialdemokrati« müßte doch ein Interesse daran haben, daß die englischen Arbeiter über Vorgänge und Zustände in Deutschland sachlich, nüchtern und wahrheitsgemäß unterrichtet werden Es ist bie Pflicht der Herren Bernstein, Adolf Braun, Kautsky nf^ die englischen Gesinnungsgenossen auf den fortwährend von Herrn Price verübten Berichtn- ftottungSunfng hinzuweisen. Wenn, wie $ ermann Müller aus dem sozialdemokratischen Parteitage auSführt«, sich nur mit Hilfe ber international« Arbeiterschaft Erleschterunaen herbei führen lassen, so ist dabei doch die erste Voraussetzemg. daß ein wichtiger und wesentlicher Bestandteil davon, bte englischen Arbeiter, objektiv und sachgemäß über unsere Zustände unterrichtet werben.
Girre DsrfchWsrung im RuhrgeSiel/
Die „Münch.-Augsb. Abendztg." meldet: Die ün Ruhrgebiet ansässigen Polen, die im streife Bochim in den Bergarbeikerkolonien sogar geschlossene Gemeinden bilden, sieben seit lancier Zeit in engster Verbmdnyz mit der Entente. Wie wir von eingeweibter amtlich Stelle erfahren, sind dort Spuren einer polnisch- französisch-belgischen Verschwörung auftedeckt Word«, die eine Abtrennung des Ruhrgebiets von Deutschland bezweckt. Schon vor Monaten ist in einer Sitzung, an der Führer der Polen, der unabhängigen Sozia, liffen sowie einige französische und belgische General, stabsoffiziere teilnabmen, der AktionSplan festgelezt worden. Erster Akt: Revolutionäre Arbeiterunrude», zweiter Akt: Sprengung der Brücken und Zerstörung der Eisenbahn in den Grenzbcprken des Ruhrgebiet« nach Deutschland bin, damit keine Reichswehr berein- kommen kann; dritter Akt: Einmarsch der Entente Auf unsere Frage, ob die Verschwörer nun sofort den haltet und wegen Landesverrat vor das KriegSgerch gestellt werden, konnte oder wollte man uns an amtlicher Stelle keine AnSkunit geben.
Ipu. Berlin, 12. Novbr Die Meldung eine» Baseler Blattes, wonach angeblich von höchster dipla matischer Stelle eine baldige Besetzung deS Rutuß» bietes durch die Entente befürchtet wird, wird M amtlicher Seite dementiert. An maßgebender stellt wird erklärt, daß bis jetzt trotz aller Alarmnachrirbt!» keine Anzeichen auf eine Absicht b& Entente zur B» seyung des Ruhrgebiets vorliegt. Es liegen im <$eg:c feil Anzeichen bafür vor, daß in den streifen da Entente, vornehmlich in England und Italien, ab« in letzter Zeit auch in Frankreich, ein deutlicher U» schwung zur Mäßigung in der Gewaltpolitik gegenübn Deutschland sich bemerkbar mache. Dies beweise wA nur die letzte Rede Lloyd Georges unddas Nackzebir Frankreichs in der Dieselmotorenfrage, sondern aiti dar gute Einvernehmen zwischen den Berliner militärischen und wirtschaftlichen Delegationen der Entent! und der deutschen Regierung. Es sei nicht auW schlössen, daß die Entente nach dem Scheitern d« Genfer Konferenz mit neuen Repressalien drohen werk doch bestehe diese Gefahr schon seit Abschluß der W denS und werde solange dauern, als Deutschland da Schuldner der Entente ist Lou einer betonteren ®t' fahr der Besetzung der Ruhrgebiets kann aber keines wegS gesprochen werben.
PoMsche Tagesberichte.
— Der dentfche Vergarbriterverband s«ge« die Gtinnesschen Borschläge. Der Vorstand d» Verbandes der Bergarbeiter Deutschlands erffiW zweifellos in Uebereinstimmung mit dem Gefauib Vorstand:
Sie Beschlüsse unserer maßgebenden Organ" sationsvertretunge» und der einstimmige Beichm deS internationalen Bergarheiterko» g reifes in Genf fordern die S o z i alisi eru"l des Bergbaues. Dex Vorschlag der Untertommiffi« der Reichswirtschaftrrates, Kleinaktien auSzugebe», s eine plumpe Täuschung der s,.>alistischen (BtbaxM' und läuft auf eine Verstärkung bei PrioatkapstcM mus hinaus. Der VerbandSvorstand verlangt daher v»« allen Verbandsmitgliedern, daß sie die Trinnes-Vis»«' bergschen Vorschläge betreffeub Kleinaktien oder eiw1 ähnlichen Plan bekämpfen. Andernfalls würden w betreffenden Kameraden gegen die Beschlüsse W Organisation handeln und müßte daraus bie eW richtige Folgerung gezogen werden."
— Rücktrittsabstchlten des Be«lM«P C^ büracxmeisters. Das „B. T." will wissen, °^ der Oberbürgermeister Wermuth schon vor einig“ Zeit in vertrautem Kreise Rücktrittsabsichten b« sannt gab. Er wolle die Uebergangsgefchüste M leiten, dann aber von seinem Posten abtreten.
— Das erste »rutsche Schiff in ^'^ct In Europa verbreitete Meldungen über angebltw' Belästigungen derMannschaftdes deutschen DamM „Sophie Rickiners" der als erstes deutsches §W i» Rewyork eintraf, werden von amtlicher 6CU Dementiert Es scheint sich um Auslassungen cstb' lisch er Btätter zu Handel,r. In Brooklyn ist N Versuch gemacht worden, die deutsche Flagge E Dampfer herunterzuholen. Ein einziges engm^ freundliches Blatt in Rewyork fand es unpaßM daß bie deutschen Schiffsoffiziere das Eiserne
tragen.
— Verbesserung »ev Beziehungen )^^W" Japan Und China. Dem „Ricuwe Rotterdams. Courant" wird drahtlos aus Tokio gemeldet, der japanische Ministerrat beschlossen habe, ”,. zwischen Japan und China bestehende Abkomm aufzuheben und die Beziehungen zwischen den dem Ländern zu verbessern. Japan will seine 2tW’f aus der Mandschurei zuruckziehen. Ein« Mium