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Gmeral-Anzeiger

AmMches Organ für SkaLl- und Landkreis Saturn

Erscheint täglich mit Ausnahme bei Sonn» und Feiertags

9 Verlassleitung: Ad. Indermühle.

I Verantwortliche für politischen und allgemeinen k Teil Rick. Hultick^für lokalen und orovinrieüen ' Teil sowie Sport W. Moritz: für Anzeigen und l Reklamen A. Brodt, alle tn hanau a. M.

; Rotationsdruckd.Waisenhausbuchdruckerei Sonett 1 Fernivreckanickluste Nr. 1237 und 1238

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ßr. 267 F eilag den 12. November 1929

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Das Neueste.

Der Berliner Streik ist gestern beendet worden.

-r Der Berliner Oberbürgermeister trägt sich mit JjKrittSgcdankcn.

Die Regierungspräsidenten der Provinz Sachsen entbot beauftragt, in schärfster Weise gegen alle §ilbstschntzverbände vorzugehen.

Der Bergarbeiter-Verband bekämpft die StinneS- fötn Sozialisierungsvorschläge.

Der japanische Ministerrat hat beschlossett, die Srziehungen zwischen Japan und China zu ver- besiern.

Die Bilanz des Berliner Streiks.

W. Berlin, 11. Novbr. Die Ar­beiter der städtischen Elektricitätswerke haben die Arbeit in allen Betrieben wieder ausgenommen.

Wenn man schadenfroh wäre, oder überhaupt an die Möglichkeit glaubte, in revolutionären Zeitläuften von Fiebern geschüttelte Massen durch Tatsachenbeweise zu überzeugen, könnte man über ben Berliner Streik, der gestern sein Ende gefun­den hat, den die ohnehin reichlich unsicher« Rie­senstadt in Dunkel tauchte, und Handel und Wan­del lahmlegte, einige Genugtuung empfinden. Die letzten Hintergründe sind ja noch nicht ganz auf- gehellt. Gewiß wird auch hier der russische Rubel zeslattert sein und zum mindesten im Unterbe­wußtsein wird die Vorstellung vorgeschwebt haben, den Jahrestag des russischen Terrors durch eine komplementäreAktion" zu feiern. Aber ganz, wie gesagt, läßt sich diese Seite noch nicht übersehen, vielleicht wird sie noch geklärt. Nur uns ist mit Händen zu greifen: Das Fiasko der soMWerung. Auch die sozialistische Kommune W noch kein Allheilmittel gegen Lohnvewegunpcn und Ausstände, und genau so, als ob es sich um einen Kampf gegen chie sogenannte kapitalistische Ausbeutung handele, wurden ultimative Forde- rrmgen gestellt,^und da man sie nicht bewilligte, bmch man den Stteik vom Zaun. Die Folgen die­ses Streiks sind bekannt, sie können der Bevölke­rung aber nicht oft genug vor Augen geführt werden. Besonders klagten die kleinen und mitt­leren Geschäftsleute im Innern der Stadt, die Kunden blieben ihnen aus, da keine Verkehrs­mittel gingen. Es kamen wenig Reisende; der Provinzverkehr hielt sich zurück. Schon wurden auch in einigen Lebensmittelgeschäften die Preise hmaufgesetzt, wie das immer in Streiktagen ge- ichreht. Die anrommenden Reisenden empfingen den unangenehmsten Eindruck von der Weltstadt «erlin. Sie saßen mit ihren Gepäckstücken in den st-attesälen und konnten, falls sie nicht die phan- Utilchen Autopreise zahlen wollten, nicht ins gnncre der Stadt, da keine Straßenbahnen fuh- un. Die Hälfte der Theater hatte kein Licht und taten nicht spielen, ebenso viele Sinns und Uane'eeS; Das sind Millionen und Millionen «rluste in einer Zeit, in der unaufhörlich von ^aren und Produzieren geredet wird. In einer ^tadt wie Berlin zählt jeder Arbeitstag, man ta sagen: jede Arbeitsstunde. Die Verödung w Verschmutzung der Stadt nahm auch, wie schon aus früheren Erfahrungen weiß, mit Wem Streittage zu. Doch nicht genug, daß das ftsentliche Leben einer Viermillionenstadt den »rotzten Unzuträglichkeiten ausgesetzt, daß der ta lahmgelegt, daß die Arbeitsmöglichkeit Mit Tausenden unterbunden, dass die Stadt in stUastl gesetzt und der großstädtische Janhagel Gesindel zu seinem lichtscheuen Treiben ^adezu herausgesordert wurde, wurden auch die «ranken rücksichtslos ihrem Schicksal überlassen nd wurde schließlich das ganze Reich zu all s«i- Hammer in neues Leid und neue Milliarden- "ttluste gestürzt. Denn die furchtbaren Rück- OMe, die unsere Valuta in diesen Tagen erlitt, restlos auf das Konto dieses Berliner Streife Erbrechens zu setzen. Und das Reich mußte zu- wie ein paar Gesinnungslumpen eine ganze einfach auf den Kopf stellten. Dieser Streik für jeden Deutschen eine Lehre "sein, denn *M derartige Streiche können wir tatsächilch mehr vertragen.

. Der Berliner Streik hätte sicherlich nicht die- HUmfang angenommen, oder er hätte zum min= elten nicht die Schädigungen mit sich gebracht, rnn die technische Nothilse frühzeitig eingesetzt wäre. Doch die Aufgaben und Befugnisse Z Nothilfe sind noch nicht gesetzlich festgesetzt, man sich vermutlich im preußischen, wie im «kchskabinett sagte, daß die Früchte einer so- , "gen Nothilfe in erster Linie den unabhängi- Beherrschern Berlins in den Schoß fallen Mßten. 6'erade wir in Hanau kennen.ja das ^agogische Lamento, daß die bourgeoise Streik- Aecherorganisation den Arbeitern in den Rücken ^ rur Genüg« au» unseren Streittagen her.

So wäre es jedenfalls auch in Berlin geworden. Deshalb ist die neue Verordnung des Reichsprä­sidenten zu begrüßen, die die Möglichkeit bietet, daß die Reichsregierung durch das Reichsministe­rium des Innern alle Verwaltungsmaßnahmen trifft und selbst Notstandsarbeiten und Notstands­versorgung sichert, wenn Staat und Stadt lässig sind. Die Ausführung von Notstandsarbeiten und das Einsetzen der technischen Notbilfe ist also nicht mehr an die Zustimmung einer sozialistischen oder kommunistischen Stadtverwaltung gebunden. Was das bedeutet, kann man ermessen, wenn man erfährt, daß man mit allmonatiger Wieder­kehr des Streits und der damit zusammenhängen­den Zustände wie mit etwas Selbstverständlichem oder ettvas Unabwendbarem rechnet. Dem ist jetzt ein Riegel vorgeschoben. Hoffentlich bleibt die Reichsregierung und vor allen Dingen auch die preußische Regierung nun auch stark und fest und führen den Kampf auf Biegen und Brechen durch. Geschieht dies, dann hat der Berliner Streik das Verantwortungsgefühl der Regierung gestärtt und doch etwas gebracht, was der Gegen­wart zugute kommt, und was auch in die Ferne und in die- Zukunft wirkt. Wir erwarten, daß nun auch der Reichstag durch eine beschleunigte gesetzliche Regelung des Schiedswesens generell die Streikanarchie durch ein geordnetes Schieds­gerichtsverfahren ein für allemal aus der Welt schafft, durch das der soziale und Wirtschaftsfrie­den, wenigstens in gewissem Ausmaß, verankert und der Reichsregienmg die Möglichkeit gesichert wird, in Fällen frivoler Gefährdung des Allge­meinwohles zum Schutze der Allgemeinheit die staatlichen Machtmittel einzusetzen.

Berlin, 11. Novbr- Nachmittags 5 Uhr wurde in den durch den Streik stillgelegten Werken in

Umfänge wieder ausgenomwem'Jn dem gleichfalls im Streik befindlichen Gaswerk in Charlotten- burg wird morgen vormittag die Arbeit wieder ausgenommen. Im Gaswerk Tegel wird die Ab­stimmung über die Wiederaufnahme der Arbeit morgen früh 10 Uhr stattfinden. Nachdem vor­aussichtlich heute nacht der Colpastrom wieder an­geschlossen wird, wird es möglich sein, morgen früh den elektrischen Strom in vollem Umfange abzugeben.

Berlin, 11. Novbr. Nach dreistündigen Ver­handlungen zwischen der Direktton der Großen Berliner Straßenbahn und den Vertrauensleuten der Straßenbahner erklärten sich nach 10 Uhr abends die Straßenbahner bereit, ab Freitag wieder zu fahren Da die Reinigung der Schie­nen und Weichen eine mehrstündige Tätigkeit er­fordert, kann der Straßenbahnverkehr nur all­mählich wieder ausgenommen werden.

' Für 1% Millionen Mark Waren gestohlen.

Wie die Blätter mitteilen, sind während der fünf Tage Dunkelheit, die infolge des Streiks der Elektrizitätsarbeiter in den Straßen von Ber­lin herrschte, für rund 1% Millionen Mark Waren der verschiedensten Art aus Wohnungen und Ge­schäftsräumen aller Stadtviertel gestohlen worden.

Vorläufig keine neuen Lohnforderungen.

Die streikenden Hilfskräfte, die dem Magistrat ein Ultimatum gestellt hatten, haben beschlossen, um die Finanzen der Stadt nicht unnötig zu be­schweren, bis zur Regelung des neuen Etats von weiteren Lohnforderungen absehen zu wollen.

Prcffesiimme».

In den Kommentaren der Blätter über die Be­endigung des Streiks der Elektrizitätsarbeiter klingt es wie ein Aufatmen über die endliche Be­seitigung des Albs, der auf dem Berliner Wirl- schaftsleben lastete.

DieTägliche Rundschau" zollt der Reichs­regierung Dank Tür ihr Einschreiten durch den Er­last der Verordnung des Reichspräsidenten gegen die wilden Streiks, Wenn der Regierung vorge­worfen werde, daß sie nicht früher zum Rechten gesehen habe/ so verkenne man die Schwierigkeiten der verfassungsrechtlichen Lage. Sie habe die Rechte Preußens und der Selbstverwaltung respek- rieren müssen. /

Auch.dasBerlinerTageblatt" spricht dem Reichspräsidenten und dem Kabinett seinen Dank aus, daß sie den Terror einer kleinen Schicht von rbeitern mit gesetzlich zulässigen Mitteln gebrochen haben.

DerVorwärts" nimmt den Oberbürgermeister Wennuth gegen die viewn Angriffe auf ihn in Schutz und sagt, er habe durchaus richtig gehandelt, wenn er den Gewaltakt der Sylt und Genossen nicht mit g.eicher Mime beantwortete, solange noch eine Aussicht auf friedliche Beilegung bestand.

DieFreiheit" bezeichnet das Ende des Streiks als einen Mißerfolg der Arbeiter. Für die beteiligten Arbeue.kategorien sei nichts erreicht worden; was nicht auch ohne diesen Streit hätte erreicht werden können. Das Blatt Demi teilt aas isolierte Vorgehen der Eleltrizilätsardeiter, da ihre Arbeitsniederlegung das Lebensintereffe eine»

großen Wirtschaftsbezirks mit einer Millionen- bevölkerung getroffen habe, die vorwiegend den arbeitenden Schichten angehören. Die Beleg­schaften lebenswichtiger Betriebe hätten sich ihrer Verantwortlichkeit gegenüber der Arbeiterklasse bewußt bleiben müssen.

Kein Generalstreik in Oberschlesien.

Berlin, 11. Novbr. (Privattelegramm.) Im oberschlesischen Streit haben, wie die Blätter mel­den, gestern Verhandlungen der Betriebsräte mit den Gewerkschaften in Kattowitz stattgefunden. Es wurde einstimmig beschlossen, mit Rücksicht auf die schwierige Lage Oberschlesiens von dem Gene­ralstreik abzusehen. Den Gewerkschaften wurde aufgeoeben- über die Lohnregelung weiter zu ver­handeln.

Deutschse Außenhandelslag.

In Berlin findet gegenwärtig eine Tagung des Verbandes zur Förderung des deutschen Außen­handels (Handelsvertragsverein) statt. Nach einigen einleitenden Worten durch den Vorsitzenden, den Abg. Eothein, sprach der Geschäftsführers des Vereins Dr. Borgius, über die künftigen'Auf­gaben des deutschen Außenhandelsver­bandes. Er führte aus, daß die deutsche Außen- handelspoliiik vorläufig gebunden sei durch die amtliche Regelung des Außenhandels, mit der man sich für die nächstabsehbare Zeit noch abfinden müsse. Wichtig sei aber die ständige Nachprüfung sowohl ihrer Notwendigkeit wie die Art ihrer praktischen Durchführung. "In der Zollpolitik komme eine Disku sion über neue Zollsätze vorläufig nicht in Betracht. Das Zolltarifschema bedürfe wohl einer Erneuerung, aber auch dazu sei es noch zu früh. Systematischer Bearbeitung durch eine Zentralstelle bedürfe das internationale Verkehrswesen, insbe­sondere das Reise- und Paßwesen. Sehr entwickelt habe sich seit Ende des Krieges der kaufmännische Hilfsdienst, d. h. der Beihilfe verschiedenster Att, die es dem deutschen Kaufmann erleichtert, im Aus- land wieder ins Geschäft zu kommen und die sich äiis internationalen Geschaftsoerblndungen ergebenden Schwierigkeiten und Komputationen zu erledigen. Der Handelsvertragsverein beteilige sich auch an einer Aktion zur Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Beziehungen mit Rußland, die, wenn sie gelingt, eine wirksame Stütze für iden Wiederaufbau Deutschlands werden könne. Fach­leute versicherten nämlich, daß die russischen Bauern schon seit 1914 große Vorräte von Rohstoffen, wie Flachs, Felle, Häute, Oelkuchen usw. versteckt hätten, die sie nur gegen Waren auszuliefern geneigt sind. Diesen Warenaustausch wolle man nun mit Hilfe der großen russischen Konsumgesellschaften durchzu- führen versuchen, wobei allerdings die Mithilfe der Sowjetregierung erforderlich wäre.

Der Reichskommissar für Aus- und Einfuhrbe­willigung Eeheimrat Dr. Trendelburg sprach so­dann:Zur Frage der Aussuhrhandels- kontrolle". Er führte u. a. aus, daß die Lage Deutschlands in höchstem Maße gefahrdrohend sei. Natürlicherweise gehen deshalb die deutschen Be­schränkungen des Außenhandels über das bei anderen europäischen Ländern übliche Maß hinaus. In seiner Zollpolitik durch den Frieden gehemmt, sei Deutschland stärker auf die Kontrolle der Ein- und Ausfuhr angewiesen. Es muß ansländische Luxus­waren fernhalten. Dazu zähle alles, was aus­reichend und zu angemessenem Preise im Inland hergestellt werden kann. Die Ausfuhrmengenkont- rolle bezwecke, den Abschluß solcher Waren zu ver­hindern, die zur Deckung des Eigenbedarfs benötigt werden. In dem Streit um die Autzenhandels- tontrolle besteht bekanntlich ein Gegensatz zwischen der Exportindustrie und dem Exporthandel. Die Außenhandelsstelle für den Exporthandel, welche schon jetzt die großen Sammelge^chäfte der bedeuten­den deutschen" Exporteursirmen bearbeitet, werde einen Ausgleich schaffen müssen. Jetzt noch vor­kommende Verzögerungen bei Außenhandelsstellen haben ihren Grund darin, daß bei einzelnen Stellen iufo.ge fachlicher und räumlicher Gliederung der Verbände eine starke Abzweigung in Preisprüfungs- stellen stattfinde. Die Ausfuhrkontrolle lehne es ab, sich in die rechtlichen Beziehungen zwischen Lieferer und Abnehmer einzumengen. Ob und in= w eweit ein Lieferer berechtigt sei, nachträglich Preis­erhöhung zu erlangen, müsse der Entscheidung durch die ordentlichen Gerichte überlassen bleiben. Der tiefere Grund für die im internationalen Verkehr eingetretene Verwilderung der Geschäftssitten liege darin, daß es an einem Schwankungen nicht unter­worfenen gemeinsamen Wertmaßstab fehlt. Es mi sse deshalb dahingestredt werden, daß schon bei Abschluß von Lieferungsverträgen klargestellt wird, wer das Währungsrisiko zu tragen hat. Wird in deutscher Währung abaes.Dlossen, so sollte da­mit klargestellt sein, daß Risiko und Chancen der Valutaänderung bei dem ausländischen Abnehmer liegt. Wird umgekehrt in Ausländswährung ab­geschlossen, so sollte damit Risiko und Etzance als vom deutschen Verkäufer übernon n:en Werden. Für die deutsche Preispolitik würde es nützlich sein, wenn die deutschen Lieferer sich im allgemeinen bereit finden würden, Risiko und Chance der Mark- va'ura selbst zu übernehmen. Tas werde aber nur dann der Fall sein, wenn die Niöglichkett bestehe, sich durch Diskontierung der Auslandsforderung ge en das Riü.o eiazudecken. Von ähnlicher Be- deürung ' fei die Frage der Einhaltung der Liefer­zeit und die Fragender Qualität.

Dernunftstimmen aus London.

Revidierung des FritdcnSvertr«zs gefordeet.

Amsterdam, 11. Nov. DieWeftminster Gazette" meldet, daß heute in Kingsway Hall in London eine Demonstration stattfand, bei bet Revidierung der Friedensverträge gefordert wurde. Unter den Sprechern befanden sich die Parlaments­mitglieder Major Barnes und Commanbeur Konw orihv, sowie General Gough. General Gough erklärte, der Friedensverttag sei sowohl vom moralischen als vom Zweckmätzigkeitsstand- punkte aus, durch und durch schlecht und förderte kein einziges gutes Ergebnis zutage, wie es alle, die im Kriege waren, gehofft und erwartet haben. Gough fuhr dann fort: Wir haben gehofft, Gerech­tigkeit und Billigkeit zwischen den Nationen zu er­reichen und das ehrliche Halten von Versprechen. Wir gedachten, einen guten und dauernden Frieden zu erreichen, der notwendigerweise auf ein guten Willen gebaut werden müßte. Der Friedensvertrag hat nichts dergleichen geschaffen. Wenn er nicht so abgeändert wird, daß irgendein wittschastlicher Neubau Europas stattfinden kann und irgendein Gefühl der Wohlanständigkeit geschaffen wird, um die zwischenvölkische Zusammenarbeit zu ermutigen und zustandezubringen, wird Europa vor Ablauf eines Jahrhunderts zu Grunde gehen. England wird dann in den Zusammenbruch hineingezogen.

Politische Tagesberichte.

Kein RechtSputsch. DasPräger Tag­blatt" meldet aus Berlin, daß fein Berliner Korre­spondent am Diittwoch Gclegenbcit hatte, dem deutschen Reichskanzler Fehrenbach auf die Mitteilungen auf­merksam zu machen, die tags zuvor der tichecho-slowa- kische Außenminister Dr. Benesch im Auswärtigen Aus­schuß des tschechischen Senats gemacht hatte, daß in Deutschland ein RechtSputtch unmittelbar beborftebe, der in Bayern seinen Anfang nehmen solle. Der Reichskanzler war durch die Nachricht überrascht und erklärte, er habe gar keinen AnhaltSvunkt dafür, daß dieser Nachricht irgend eine positive Tatsache rngrnnve liegen könne. Dar gleiche könne er auch von seinen IÄWin7«t,J^hmte^ da die ReichSregierung im Sanft des Tages wiederholt zu Beratungen zusammen, getreten ist und nicht ein einziger feiner Kollegen auch nur die geringste Erwähnung von Tatsachen getan bat, die auf Befürchtungen wegen eines RechtSputscheS bin« zielten. Er könne sich gar nicht erklären, wieso der tschecho-ffowaki-che Außemninister derartige Aeuße­rungen tun konnte. Er könne seinerseits aber nur auf das bestimmteste wiederholen, daß der ReickS- tcgierung nichts von einem drohenden Rechtsputsch be­kannt fei. Er müsse noch tagen, daß er absolut nicht an einen solchen glaube, da nach allen der Rcgicrunz angegangenen Rackrickten auch nicht im entferntesten von einem solchen Rechtsputsch die Rede sein könne.

Kampf gegen die Telbstschtttzverbände. Wie mehrere Blätter aus Magdeburg melden, hat der Oberpräsident Hörsing die Regierungspräsidenten der Provinz Sachsen beauftragt, in schärfster Weise gegen alle Selbstsckutzverbände nach dem Muster der Organisation Escherisch vorzugehen und ihm über das Ergebnis innerhalb von 14 Zagen zu be­richten. (Merkwürdig, daß nur gegen die Escherisch- Organisation vorgegangen wird, während man die Kampforganisationen der Sintsrabitalen ungehin­dert weiter ausbauen läßt. Die Schuld, die sich damit die Regierung aufläb, dürfte riesengroß werden.)

Born oftprentz'fchett Reichswafferschuh. Einer Meldung derDossischen Zerrung" aus Königs- berg zufolge sind von dem ostpreußischen Reichs- wasserschuk; innerhalb dreier Mon te Waren im Gesamtwerte von 1654 000 Mark dem Schieber- unb Wuchertum entzogen und beschlagnahmt worden.

DicEntwaffnungsfrage im Böltcrbun».

Laut Meldungen aus Stockholm sollen die skandi­navischen Staaten in der Völkerbundsversammlung in Genf eine Aktion zur allgemeinen Ab- r ii ft u n g einleiten wollen, wozu sich auch einige ankere Staatei zur Unterstützung bereit erklärt haben sollen. Wie aus französischen Regierungs- kreisen verlaufe»-, werden sich Frankreich und Enq- lano diesem Plan widersetzen und ihn vorläufig für undurchführbar bezeichnen. Es soll versucht werden, ihn auf der Konferenz gänzlich auszuschalten. Die Befürworter des Planes haben dagegen erklärt, sie würden auf eine Unterstützung größerer Staaten rechnen können, die ihre Mitgliedschaft zum.k-r- bund davon abhängig machen wollen, wenn der Frage nicht näher getreten werde.

Gedächlnisfcirr in England. Im ge­samten britischen 9!ei4ie fand gestern, am zweite» Jahrestage deS WaffttlstillstaudeS, eine Gedockte iSscier für die im Weltkriege gefallenen britischen Soldaten statt. Um 11 Uhr vormittags ruhte für zwei Minnen jede Bewegung und verstummte jeder Laut. In London fand unter Beteiligung des Königs, der Prinzen, der Minister, Admiräle um Generäle die feierliche Ent- h.Ölung des KenotaphionS und die Beffetznng desun­bekannten KriegerS" in der Wtminfter - Abtei statt. Der König sandte an den Präsidenten der sranzömckcn Republik ein Telegramm, in dem er dem französischen Volke die itmx'iäMerlidje Zuneigung und Bewunderung des gesamten britischen Volkes ausdriiekie und erklärt, das im Kriege zwisckni den beiden Völkern gefniinae Band werde auch im Frieden alle Proben bestehen. Der König drückt die Hoffnung aus, daß die Schwierig« leiten, die sich in Zukunft ergeben tönnten, über« wunden und die gemeinsamen Ziele heiver Rationen verivirklicht werben. Lloyd George sandte ein yutbu gungstelegramm an Marschäll Foch.

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