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General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanau

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Nr. 265

Mittwoch den 18. November

1920

Das Neueste.

Dom Reichspräsidenten wird heute der Er- H einer Verordnung gegen die wilden Streiks erwartet.

Der Berliner Streik dauert fort.

Die Revolutionsfeiern am gestrigen 9. No­vember sind ruhig verlaufen.

Reichsernährungsminister Dr. Hermes sprach gestern im Hauptausschuß des Reichstages über seine Ernährungspolitik.

Lloyd Georg« sprach gestern auf einem Bankett über die Entwaffnung Deutschlands und die Wiedevgutmachungsfrage.

Wilson lehnte die Begnadigung des sozia­listischen Präsidentschaftskandidaten Debs ab.

Amerika spricht sich gegen eine Blockade Sowjet-Rußlands aus.

Unsere ErnährrmgspoWik.

Im Hauptausschuß des Reichs­tages erstattete Reichsernährungsminister Dr. Hermes Bericht über die deutsche Ernährungs- politik. Ueber den Stand der Reichsgetreidever­sorgung gab er folgenden Bericht:

An inländischem Getreide waren bis zum 8. November abgeliefert: im Jahre 1918: 1908 000 Tonnen, 1919: 1022 645 Tonnen, 1920 : 622 073 Tonnen; dabei ist zu beachten, daß in den Ab­lieferungszahlen für 1918 Bayern und die besetz­ten Gebiete eingeschloffen sind. Wieviel Getreide die selbstwirtschaftenden Kommunalverbände be­schlagnahmt haben, kann nur geschätzt werden; es werden etwa 1,2 Millionen Tonnen sein. Die Ablieferung ist in den letzten Wochen stark zurück- regangen. Die inländische Landwirtschaft muß ihrer Ablieferungspflicht stärker nachkommen. Wir werden kein Mittel unversucht lassen, um das zu MMM! Die Lairb«Äeareru»«tzn iMÄEtzi^M r«n worden, für eine

treten. In Preußen sollen die Leiter der Kom- munalverbäude dafür verantwortlich sein. In einer Neufassung der Reichsgetreideverordnung sollen auch härtere Strafen eingeführt werden für Schwarzmahlen, vor allem aber für Verschiebun­gen ins Ausland. Von dem Einfuhrprogramm von 2,5 Millionen Tonnen Auslandsgetreide ein­schließlich Streckungsmais sind heute bereits ge­kauft 902 000 Tonnen, sodaß noch 1,6 Millionen Tonnen zu kaufen sind. Der Gesamtbestand der Reichsgetreidestelle bezifferte sich nach der Bc- sianüsaufnahmc vom 30. Oktober auf 363 000 Tonnen. Die Kommunalverbände sind bis zum 15. November versorgt. Für die Zeit vom 16. November bis 15. Dezember sind bereits 100 ÖOO Tonnen angewiesen. Unter Zugrundelegung eines inländischen Tageseinganges von 2000 Tonnen und eines Tageseinganges an Aus- londsgetreide von 10 000 Tonnen würde sich am 31. Dezember ein Bestand von 950 000 Tonnen ergeben; die reine Brotversorgung wäre dadurch bis Mitte März gewährleistet. An Auslandsein- suhr nach dem 31. Dezember stehen dann noch zur Verfügung 1,6 Millionen Tonnen, sodaß nach Teckung des Bedarfs für die reine Brotversor- : Sung noch 350 000 Tonnen verfügbar wären, wo­zu dann die Jnlandseingänge für die Zeit nach

s 31. Januar kommen; rechnet man für diese Eingänge nach dem 31. Dezember 500 000 Ton- so würden insgesamt 850 000 Tonnen Ge- neibc zur Verfügung stehen, die für Bedürfnisse Heeres, der Nührmittelbetriebe, für Kochmehl | Ulfe. Verwendung finden würden. Der volle Ste= .wf für diese Gebiete wird dadurch nicht gedeckt, ioncern muß durch weitere Ankäufe sichergestellt perlen. Der Minister kündigte dann die Ein- bringung der Forderung für die Bereitstellung Mittel an und gab der Ueberzeugung Aus­druck, daß die Verbilligungsaktion für Brot einst- fortdauern müsse. Für die Teigwaren- wbuffrie müsse Auslandsgetreide zur Verfügung Wellt werden, aber zum Einstandspreis. Bezüg- «A der Maiseinfuhr wurde mitgeteilt, daß seit »er Freigabe im September und Oktober 30 000 Zinnen eingeführt worden seien. Im Sommer P der Versuch genracht worden, den der Maisein- der Bezugsvereinigung der deutschen Land- I zugrunde liegenden Plan der vertraglichen I ^winemaft zu verwirklichen. Es ergaben sich dabei auf beiden Seiten Schwierigkeiten.

I hohen Preise machen ein umfassendes System I S Schweinezucht unmöglich. Es soll nun eine I 5Mb« von verbilligtem Mais erfolgen, wofür I billigere Schweine abgeliefert werden müß- I , Es wird gehofft, daß dadurch auch ein Druck I die Preise ausgeübt wird.

I .Sodann ging der Berichterstatter auf die Ent- I ^ung der Oel- und Margarinebewirtschaftung In: Ueber die Frage der Düngemittel I er sich, daß es ein unerträglicher Zustand I daß wir große Lager hätten, daß aber die

Aecker leer seien. Eine einfache Verbilligung sei nicht möglich, weil keine Gegenleistung vorhanden sei. Man müsse beim ., .'ickstoff einen ähnlichen Weg in Aussicht nehmen wie beim Kali, um die Gewinne der Ausfuhr für eine Verbilligung im Innern zu benutzen. Man müsse auch die Mög­lichkeit eines anderen Verteilungsmodus und eventuell eine stärkere Heranziehung des Handels ins Auge fassen.

Ueber die Devisenbeschaffungs­stelle erklärte Dr. Hermes: Es sei nicht richtig, daß diese Stelle bei den Geschäften des Ernäh­rungsministeriums umgangen oder ausgeschaltet worden sei. Alle laufenden Angelegenheiten der Reichsstelle würden mit der Devisenbe- schaffungsstell« besprochen. Außerdem sei die Einrichtung getroffen, daß die einzelnen Reichs­stellen allwöchentlich in einer im Reichsccnäh- rungsminifterium stattfindenden Sitzung, an der regelmäßig mehrere-Vertreter der Devisenbeschaf­fungsstelle teilnähmen, ihre Anforderungen an- gäben. Die Devisenbeschaffungsstelle sei deshalb auf das genaueste über den Devisenbedarf für Er- nährungszwccke unterrichtet. Das Reichsernäh­rungsministerium selbst nehme regelmäßig an den Sitzungen des Devisenbeirais teil.

Es folgte dann eine längere Aussprache, die heute fortgesetzt werden soll.

Sireik und NevOkMonsfeiern.

Fortdauer des Streiks.

Der Streik der Berliner Elektrizitätsarbeiter, der sich nicht gegen die dividendenhungrigen Ka­pitalisten, sondern gegen die Stadtgemeinde Groß- Berlin als sozialistischen Arbeitgeber und gegen die Berliner Bevölkerung richtet, dauert fort Glaubte man nach den gestrigen Meldungen an­nehmen zu können, daß gestern abend noch oder heute morgen die Arbeit wieder ausgenommen wvroen wMve, \t>^u^-^

riachruMn wiver Egenrerl überzeugen lassen. Der Streik ist wieder ein neuer Beweis dafür, daß es so, wie bisher, nicht weitergehen kann und daß sich die maßgebenden Instanzen des Reiches allmählich werden mit dem Gedanken be­freunden müssen, wie eventuell gesetzgeberische Maßnahmen zur Eindämmung der Streikwut, namentlich der in den lebenswichtigen Betrieben beschäftigten Arbeiter, getroffen werden können. Es ist ein unmöglicher Zustand, daß eine ganz kleine Gruppe innerhalb der Arbeiterschaft, die von irgendeinem kommunistischen Hetzer in Berlin ist es Sylt aufgehetzt ist, eine Stadtge­meinde im wirtschaftlichen Leben vollkommen lahmlegen kann. Einem Streik folgt der andere, bis der Generalstreik proklamiert ist. Auch in Berlin wurden am Sonntag zahlreiche Plakate angeschlagen, in denen die politischen Arbeiter­räte der U. S. P. D., der K- P. D. und K. A- P- D- zum Generalstreik aufforderten. Man begründete dieses Verlangen damit, daß die Schließung des Borsigstchen Betriebes nur der Beginn einer großzügigen Aktion der Unterneh­mer sei, die durch Einstellung der Produttion das Heer der Arbeitslosen vergrößern und so schließ­lich die Löhne herabsetzen wollen. Fernerhin solle der Generalstreik die streikenden Berliner Elektri- zitätsarbeiter unterstützen.

Daß es. noch zum Generalstreik kommen wird, glauben wir nicht, denn es gibt gottseidank auch noch vernünftige Teile der Arbeiterschaft, Ar­beiter, die noch zu denken vermögen.

Berlin, 9- Novbr. Die Verhandlungen zwi­schen der Direktion der städtischen Elettrizitäts- tverle und der Ausstandsleitung sowie den Orga- nisationsleiteru wurden abends abgebrochen und sollen morgen vormittag fortgesetzt werden. Die Lage ist demnach unverändert. Wann die Arbeit ausgenommen wird, steht noch dahin.

Die Feier des 9. November.

Zur Feier des 9. November veranstalteten in Berlin die S- P. D. und die U. S. P. D. ge­trennt etwa 30 Versammlungen, die aber, wie uns gemeldet wird, nur mäßig besucht waren, da in vielen Betrieben voll gearbeitet wurde, in an­deren mehr oder minder große Teile der Arbeiter­schaft erschienen waren. Die Veranstaltungen wurden meist durch Vorträge des Arbeiter-Sän­gerbundes eröffnet. Nach den Ansprachen der be­kannten Führer der Linksparteien gingen die Teilnehmer ruhig auseinander, sodaß das Sttaßenbild bald wieder sein gewöhnliches Ge­präge trug. In der Neuen Welt sprach Crrspien u. o. über die Diktatur des Bürgertums.über das Proletariat. Die Rede fand nur schwache Auf­nahme sind wurde hin und wieder durch verein­zelte Zurufe anwesender Kommunisten unter­brochen. Auf dem Hofe des Fabrikgebäudes der A. E. G. in der Vrunnen-Voltastraße sammelten sich vormittags einige hundert Arbeitslose an, welche die in den Werkstätten Arbeitenden her-

aMholen und zur Mitfeier zwingen wollten, wurden aber hinausgedrängt und zogen unter der Drohung ab, Verstärkungen aus der Hermann­straße vom Arbeitsnachweis holen zu wollen. Da sie keinen Zuzug erhielten, kehrten sie auch nicht wieder. In den Büros der staatlichen und städti­schen Behörden herrschte überall voller Dienstbc- trieb. Die Arbeiter des Gaswerks Charlotten- burg beschlossen, weiter zu streiken und nur Not­stand-arbeiten auszuführen. Eine besondere Ver­anstaltung fand auf der Spielwiese im Friedrichs­hain statt, die von etwa 12 000 Personen besucht war und ebenfalls einen ruhigen Verlauf nahm.

Braunschweig, 9. Novbr. Dem Aufruf der sozialistischen Parteien und des Geweckschaftskar- tells an die revolutionäre Arbeiterschaft zur Ar­beitsruhe am heutigen Revolutionsjahrestage wurde mit einigen. Ausnahmen von der Arbeiter­schaft nicht entsprochen. In fast allen Betrieben ist in vollem Umfange gearbeitet worden; Eisen­bahn, Post und Straßenbahn hielten den Ver­kehr wie gewöhnlich aufrecht; mit Ausnahme der sozialdemokratischen erschienen alle Blätter. Nur die staatlichen Behörden und Betriebe mußten auf Anordnung der sozialistischen Regierung feiern.

Energische Maßnahmen der Regierung

Kurz vor Redaktionsschluß geht uns folgende Drahtmeldung zu:

Jpu. Berlin, 10. Novbr. Infolge des Neber- handnehmcns der wilden Streiks, die zu schweren Schädigungen des Wirtschaftslebens führen, wird heute der Reichspräsident auf Grund des Art. 48 der Verfassung eine Verordnung erlassen, die bei Strafen verbietet, in Betrieben, die die Bevölke- mng mit Master, Gas oder Elektrizität versorgen, oder für die Bevölkerung und das Wirtt'<*asts- leben von lebenswichtigem Interesse sind, in einen Streik ein* rtreten, ohne dass ein Schiedsver- DWWVWMÄAWWM

Per des Innern durch diese Berordnuug das Reckt, bei solchen Betriebsüreiks die davon be­troffenen Betriebe weiterstiltreu zu lallen und durch Eingreifen von Militär und Srchrrheits- Wehr für deren Schutz zu sorgen.

Diese Maßnahme der Reg'>-ung bedeutet ein energisches und entschlossenes Eingreifen in die Stteikbewegung.

Ein Derichi Wrangels.

Jassy, 9. Nov. Ein miammensaffender Bericht der Armee Wraneels besagt: Nachdem die Bottche- Wisten mit den Polen Frieden aesstlollen hatten und

ihre Kralle, welche bis jetzt die polnische Front hielten, frei verlogen konnten, stellten sie drei Armeen aeaen Uns auf und verteilten sie in drei Gruvven: ^achomska, Nikopol und Poloa'. Zu Beainn ihrer Offensive betrug ihre Stärke 100 000 Mann, davon ein Viertel Kavallerie. Die BeweonnaSllechxit nn« lerer Armee im No-den und Nordwesien wurde behin­dert. Das rote Oberkommando beschloß, unseren sinken Flügel anznareifen und warf Kavallerie gegen Kachowka in Nichtuna Kronowka und Salkowo, um diesen Flügel gegen das Niowsche Meer au drücken und sich dadurch freien Wca nach der Krim zu bahnen. Angesichts der gegenwärtigen Lage zog die russische Armee ihre Kralle wieder zusammen. Die erste rote Armee mit Letten und anderen In'anterieabtci imgeu mit u ehe als 1000 Säbeln und 10 000 Gewehren wurde in südöstlicher Richtung ge^en Kachowska, etwa 0000 Säbel gegen Sattomo geworren. Wir konzen­trierten Angriffstruppen und warfen die rote Kavallerie zurück, welche unsere Front bei Siwasch durchbrochen hatte. Die tapferen Truppen des Generals Kutovow vernichteten zwei N>wimenter der lettischen Divisionen und erbeuteten 15 Geschütze und tablreiche Maschinen­gewehre Die Donkosaken nahmen vier Negunenter gefangen und erbeuteten 5 Geschütze, zablreccbe s aschinengewcbre und sonstiges Material. Die Kralle des Feindes waren jedoch gröüer als unsere, besonders die Kavallerie, die 25 000 Man» zählte. Im Verlaufe schwerer Kämvle gr.ff uns der Feind von drei Seiten an. Das Oberkommando besbloß. unsere Truppen auf die befestigte Linie Siwach-Merecov zurückzuzieben. Die>e Linie bietet alle Vor'üge der Verteidigung. Die Schläge, die unsere Armeen dem Feinde unaufhörlich verletzten und wo noch ein grosser Teil der B idjenny- Oabaüerieüernicbtet wurdeennSgüchtenunseren Truppen en Rückzua fast ohne Verluste.

MoSknu, 9. Nov. Heeresbericht vom 6. Nov. An der Snolront gegenseitige Beschießung. Verstärkte Tätigkeit unserer Knndschafter.

PsliSische Tagssbsrich'te.

Keine Ueberschickten im säcksiscken Berg­bau. Die geheime Abstimmung unter den Berg­arbeitern des Zwickauer Steinkohlenreviers ergab, demLeipz. Tagebl." zufolge, eine Zweidri^el- mehrheit gegen das Verfahren einer achten Stunde. Auch im Lugau-Oelsnitzer Revier ergab sich eine bedeutende Mehrheit für die Ablehnung von Ueberschichten.

N n das Rubraeblet. Na h derBataille" teilte Ionbaux in der Sitzung des Rat onalratcS der C. G. T. über die Ergebiiiffe der im Ruhrgebiet von Vertretern der Gewerkschasttinternationale verangalte-

ten Enoutzte mit, daß die ErnährungSverhältniffe der arb iteudrn Bevölkerung deS Ruhrgebiete» beflaaeuS« wert seien. Er habe sich von dem elenden Zustand der Kinder überzeugt: Die gesamte jüngere Generation >'ei unterernährt; eS fehle ihr an den notwendigsten Gegenständen, namentlich aber an Milch. Ionbaux sagte, es sei Pflicht der internationalen Gewerkschalten, aus Sicherstellung ausreichender Ernährung der Ge­nossen im Rubrgebict au bringen. Der Nationalrat schlug schließlich eine Relolution vor, die flogen eine eventuelle Besetzung des Rubrgebiets protestiert und die elende Laae der Bevölkerung, namentlich aber die unter den Jugendlichen herrschenden Krankheiten schil­dert. Heute soll über die Entschließung abgeftimmt werden.

Verhandlungen über unsere Biehliefr« rungen an die Entente. Der Wiederguv machungsausschutz sortierte die deutsche Regie, rung auf, in der am 15. November in Paris stattfindenden Sitzung stch darüber zu äußern, in welchem Umfänge Deutschland in der Lage ist, den von Frankreich, Belgien, Italien und Serbien auf Grund der Paragraph 2, Anhang 4, zu Teil 8, Abschnitt 1 des Friedensvertrages angemeldeten Ansprüchen auf Rindvieh, Pfer­den und Schafen zu entsprechen. Die deutsche Regierung wird eine Kommission von Sachver­ständigen zu dieser Sitzung entsenden.

Ein ncner Völkttband ? Durch die Wahl Hardings haben sich die Gegner des Pariser Völker­bundes bereits zu einer Besprechung veranlaßt gesehen, und beschlossen, eine internationale Kampagne unter amerikanischer Führung einzuleiten, um einen neuen Völkerbund zu gründen, der ein Programm führen soll, dem sich alle nicht imperialistischen und militä» rischen Staaten anschließen können. ES soll ein Stampf gegen den Krieg in diesem Bunde geführt wer­den, wobei man weiter beabsichtigt, zur Unterdrückung eines KriegeS die schärfsten Gegenmaßreoeln in das Programm des SBitnbeS- auszunebmen. In den Be- sprechuiigkn, au denen namhafte Autoritäten der republikanischen Partei teilnahmen, kam deutlich zum lkerbund, wie er von den LüeitttepiiieiT. bezeichn« w iroe, in den ersten Streit­fragen die sich in Eiiröpa vortaten, bereits versagt habe. Nicht einmal Streitfragen zwischen kleinen Völ­kern habe der Bund schlichten können, ehe daraus neu» Verwicklungen erwuchsen. Er heißt, daß Harding den Plan günstig gesinnt sei, da er ein Bestandteil feinet Wahlprogramms barstelle.

Oesterreich und der Völkerbund. Die Not« Oesterreichs um Aufnahme in den Völkerbund wurde gestern an den Generalsekretär des 93Örter bundes in Genf abgesandt, nachdem der Haupt­ausschuß der Nationalversammlung sie genehmig! hatte.

Poincare Botschafter in London? Du Chicago Tribune" verbreitet die Meldung, der Pariser Korrespondent derPall Mall Gazette" wolle aus guter Quelle erfahren habe, Poincare werde zum Nachfolger Jules Tambour, also zum französischen Botschafter in London ernannt werden.

Die Militärdienstzeit in Frankreich. Nach dem »Jntranstgeant" soll die Frage der Militär­dienstzeit d-ahin geregelt lverden, daß der Grund­satz der 18monatlichen Dienstzeit gesetzlich festge­legt wird. Meinungsverschiedenheiten bestehen nur noch darüber, von welchem Zeitpunkte an die verminderte Dienstzeit in Kraft treten soll. Kriegsminister Andre Lefebce vertritt den Stand­punkt, daß die Jahresklassen 1920 und 1921 noch 30 Monate dienen sollen.

Zur Abschaffung des Geldverkehrs in Ruß­land. Aus Moskau wird gemeldet: Ein Dekret des Rates der Volkskommissare schafft sämtliche Zahlungen für wirtschaftliche Leistungen des Staates ab. Hierunter fallen auch die Abgaben für Gas, Elektrizität, Wasser, Televhon und die Kosten für öffentliche Bauten. Spätestens ant 1. Januar werden die Zahlungen für den Passa­gier- und E'üterverkehr abgefchafsl.

Jrlrnd. In Dublin haben Polizisten mit Unterstützung von Panzerautos in der Sack- ville'ireet, der Hauptstraße von Dublin, eine Razzia angeführt und dabei den Verkehr drei Stunden lang vollkommen unterbunden. In ?ondonverry kam es gestern abend zu schweren Inruhen. Mehrere Eisenbahnen von lokaler Bedeutung haben in Irland den Verkehr ein* gestellt. Auch der Verkehr auf den großen Linien wird eine bedeutende Einschränkung er­fahren. Man rechnet damit, daß gegen Ende -der Woche alle Eisenbahngesellschaften den Be­trieb einstellen werden. Im Unterhaus kam es wieder zu einer erregten Debatte über die Repressalien in Irland. Lloyd George erklärte, daß nach seiner Ansicht das Land bestimmt mit der Vernichtung der Mordbanden durch die Re­gierung rechne." Das Haus erörterte dann ein­gehend den Reaierungsvorschlag, der den iri­schen Rat veranlassen soll, eimProjekt über die Schaffung von zwei Oberhäusern, eines für Nord- und eines für Süd-Irland auszuarbeiten.

Weitere volittsche Nachrichten Seite 4.