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Amtliches Organ kör Stahl- und Landkreis Sattem
Erscheint täglich mit Ausnahme d« Sonn- und Feiertag«
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Mittwoch Den 3. November
1920
Das Neueste.
— Ein Erlaß des Ministers des i setzt die Polizeistunde für den Winter ! ilhr fest.
— Das Spa-Abkommen für den i Oktober ist erfüllt worden.
Jnnern auf 10
Monat
Bei der gestrigen Präsidentenwahl in
| Amerika wurde der Republikaner Harding i Präsident gewählt.
— Die Nachricht über die Herabsetzung s Milchkuh forderung durch Frankreich wird
als
der dc-
inentiert
— Oesterreich verpfändet an Holland Kunst- [ gegenstände für Brotgetreide.
— Der offene Brief Gardiners an Poincars ! findet in Oesterreich lebhafte Zustimmung.
। — Chaniberlain ist als Vizekönig für Indien Mecschea.
— Trotzki meldet, daß das Schicksal der l Hauptstreitkräfte entschieden sei.
Der Wahltag in Amerika.
^VS. Paris, 3. Nov. Havas meldet, daß der Senator Harding als Präsident der Bereinigten Staaten Amerikas gewählt worden ist.
In jedem Schaltjahr findet am Dienstag nach tem ersten Montag im November die Wahl des ' amerikanischen Präsidenten statt. In Tat und ! Wahrheit erscheint aber auf keinem der Wahl- : zettel der Name eines Anwärters auf das Weiße s Haus, sondern es werden nur Wahlmänner gewählt, die am zweiten Montag des folgenden । Jahres in ihrem Heimatstaat, in dem sie gewählt worden sind, zusammentreten, und in geschloffe- iier Versammlung für den Mann ihrer Wahl Das.Ergebnis, dieser eigentlichen Prä- WWenwahl wird dann in zwiefacher Ausferti- gung durch die Post und durch einen eigenen, Boten nach Washington befördert, wo sich am! In der Wochenschrift „L'Europe nouvelle" zweiten Mittwoch des folgenden Februars die veröffentlicht der mit dem Pseudonym Rene Da- beiden Häuser des Kongresses versammeln, um viel zeichnende Mitarbeiter, der unter den wirt- die Stimmen zu zählen und das Ergebnis zu ver- schaftlichen Sachverständigen des Quai d'Orsay künden. Eine Mtteilung an den Sieger ist indes f ^'^— ^ -k— ^M" ^^^m ^^
Licht vorgesehen und erfolgt auch nicht. Sollte er zufällig keine Zeitung lesen und auch sonst nicht auf die für ihn wichtige Tatsache aufmerksam ge-
mcht werden, so würde er am Ende die Mittagsstunde des vierten März verschlafen, die seine Anwesenheit auf dem Kapitolischen Hügel zur Eidesleistung und damit zur Uebernahme des Amtes nötig macht. Trotzdem also nach dem Wortlaut der Verfassung die Erkürung des Staatsoberhauptes erst im Januar erfolgt, ist die Wahl doch schon im November vollzogen, denn die Wahlmänner, die nach der Absicht der Väter eine freie Wahl treffen sollen, sind durch Brauch und Herkommen gehalten, sich für die Namen zu entscheiden, die im Sommer bei den sogenannten | Nationalkonventen von den Parteien bestimmt worden sind. Die Wahl ist in der Theorie i n - direkt, in der Praxis aber so d ir ekt wie nur möglich. Die Wahl der Wahlmänner erfolgt in den Einzelstaaten auf Grund eines Wahlver- sohrens, das in das Belieben dieses Staates ge- Mt ist; im Laufe der Zeit hat sich aber ein einheitliches Verfahren in allen Staaten heraus- 8ebildet. Ihre Zahl ist gleich der Zahl der Senatoren und Kongreßmitglieder; mindestens aber M jeder Staat drei Wahlmänner. Da es 435 Eiepräsentanten und 96 Senatoren gibt, so zählt die Wahlmännervecsammlung im ganzen 531 Mitglieder.
Bei der gestrigen Wahl standen in der Hauptsache w Bewerber zur Auslese: der Republikaner Har- g, der Demokrat gor, der Sozialdemokrat DebS der Kandidat der Farmer- und Arbeiterparte ”11 ristensen# Von diesen vier Bewerbern waren Ar> ings Aussichten von vornherein die besten und er D denn auch die meisten Stimmen auf sich vereinigt, a» bie^r Beziehung unterscheidet sich also die gestrige ^a!>l wesentlich von der im Jahre 191«, wo, wie er- i^erlich, die Alajorität des Demokraten W>l on gegen- Mr dem damaligen Republikaner Hughes so gering ^r, daß man eine Zeitlang den letzteren für gewählt Mub:e, bis sich herausstellte, daß Wilson doch ge- war.
Harding ist Senator von Ohio und dadurch Witter der großen Interessen der östlichen Judustrie- Mtren. Die Nachrichten über ihn sind widersprechend, w w aber wob! falsch, ihn zum liberalen Flügel der MolikaNische» Partei zu rechnen. Sehr viel ipricht mur, daß Harding als Republikaner alten Stils und ". Lroßtapitalfreuudlich angesehen werden muß. Sem urerordentlich scharfer, fast persönlicher Gegeniay zn M>on steht fest. Harding gilt aber nicht als Jm- ^naust in polnisch-militärischem Sinne. Harding ist M ^ohn eines Lorfarztes, seine Mutter gtp llänbisch- "^critanischer Abstaaimung. Or studierte in 3bin« wußte sich das Geld für sein Studium,selbst v'er= /W- 1891 verheiratete er sich mit Florence Kling, . c deutsch-mennonitischer Abstammung ist. Harding 1 Journalist von Beruf und hat sich als Zeilunas-
Herausgeber und Eigentümer des „Star" einen Namen gemacht. Das Blatt erschien in Ohio. Gegenwärtig arbeitet Harding als Bankdirektor. Außerdem betätigt er sich als AufsichtsratSmitglied einer Reihe von Fabriken. Er war Gouverneur von Ohio und wurde 1912 mit einer Mehrheit von 100 000 in den Senat zu Washington gewählt, wo er dem Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten angehörte. Er bat sich an keinerlei Programm gebunden, nahm aber jetzt natürlich das nunmehrige republikanische Parreiprogramm an. Harding fordert einen Hähern Zolltarif, der namentlich der amerikanischen Schiffahrt im Pangma- kanal eine Vorzugsstellung gewährt. . Er betrachtet Irland als eine englische Angelegenheit und ist im Gegensatz zu Cox ein entschiedener Gegner des Völkerbundes undwill die amerikanischen Truvven aus dem besessen Gebiet zurückziehen, dabei gleichzeitig den Kriegszustand mit Deutschland für beendet erklären. Es scheint also nunmehr so gut wie sicher, daß die Vereinigten Staaten dem Völkerbund nicht beitreten. Er ist ein Anbänger des nach dem Senator Jones genannten SchiffabrtSgesetzes, das bie Einfuhr von Waren in nichtamerikanischen Schiffen mit einem Son- derzoll belegen will und dazu die Kündigung von etwa dreißig Handelsverträgen nötig macht. Von gutnnter- richteter Seite wird uns nun mitgeteilt, daß auch die Wahl Hardings vorläufig an den Zuständen in ?(me= rite nichts ändern wird, wenigstens was die Haltung Amerika? Deutschland gegenüber anbetrifft. Auch dem republikanischen Präsidenten Harding wird nichts anderes übrig bleiben, als in erster Linie amerikanische Politik zu treiben, das heißt an die Interessen Am--- rikas zu denken und weniger au eine amerikanischdeutsche Freundschaft, die wir erhoffen. . Auch ist da? jeweilige amerikanische Staatsoberhaupt in der Außenpolitik vom amerikanischen SMat abhängig, dessen Zusammensetzung durchaus nicht derartig ist, als daß man in Deutschland sich großen Hoffnungen bmgeben könnte, abgesehen davon, daß man von den wirklichen Absichten Hardings verhältnismäßig wenig weiß. Alles mallem muß unbedingt davor gewarnt werden, an die Wahl Hardings allzugroße Hoffnungen zu knüpfen, so sehr es auch erfreulich ist, daß die Wilson-Aera ihr Ende erreicht hat.
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zu suchen ist oder ihnen jedenfalls nahesteht, einen Artikel über die Frage, wie Deutschland zahlen
kanu. Er führt aus: Die Verbündeten hätten keinen Nutzen davon, daß das deutsche Volk durch eine ungeheure Steuerlast erdrückt werde, wenn das Ergenis nur ein Haufen Papier ohne Wert sein würde. Andererseits könne die Tatsache, daß die innere Schuld des Reiches sich auf 240 Milliarden beziffere, die Verbündeten nicht bestimmen, ihre Forderungen auch nur um einen Centime herabzusetzen. Nur eine deutsche Abgabeart könne die Deutschen interessieren, nämlich die Zolleinnahmen, deren eventuelle Beschlagnahme in Hythe und Boulogne bereits vorgesehen worden sei.
Der Verfasser des Artikels untersucht dann die Frage, ob Deutschland den Verbündeten Werte liefern könne, deren Veräußerung auf dem Weltnrarkt möglich wäre, und kommt zu dem Schluß, daß Deutschland seinen Eigenbedarf und seine Schuld nur durch seine Arbeit zu begleichen vermöge. Nach seiner Ansicht müßten die Verbündeten, wenn sie den Deutschen die Höhe der geforderten Leistungen mitteilen, gleichzeitig angeben, auf welche Weise Deutschland seine Schuld abtragen soll und welchen Strafmaßnahmen es sichern Falle der Nichterfüllung aussetzt.
Die Verbündeten müssen dabei gemeinsam die wirtschaftlichen Zukunftsmöglichkeiten ins Auge fassen. Sie dürfen aber vor allem die wahre Lage nicht verkennen Eine Lösung die für Jahrzehnte die eventuelle Notwendigkeit von Zwangsmaßnahmen bestehen ließe, würde Frankreichs Ruin herbeiführen können. Wenn man das in Erwägung zieht, gelangt man mit Notwendigekit zu der Erkenntnis, daß Frankreich bester täte, seine Forderungen zu mäßigen, um sicher und in kürzerer Frist wenigstens etwas zu erhalten, statt mehr von einer ungewissen Zukunft zu erhoffen.
Der Artikel klingt aus in dem Wunsch, daß die französische Regierung sich freiwillig zu dieser Methode bekennen möge, ehe sie sich zu ihrer Abnahme gezwungen sieht. Es sei noch nicht zu spät, sich mit einer solchen Mäßigung Sympathien beim Feind wie bei den Verbündeten zu sichern.
Eine gule Anlworl.
Die jugoslawische Gesandtschaft in Berlin hat sich darüber beschwert, daß die von der jugoslawischen Regierung an die Universitäten des Deutschen Reiches gesandten Aerzte keine genügende Berücksichtigung finden. Es würden ihnen Schwierigkeiten gemacht und wenig Entgegenkommen werde ihnen gezeigt. Die Beschwerde ist an die bayerischen Universitäten weitergegeben worden. München hat darauf folgende Antwort erteilt:
Kraft zum Leiden au» der Befriedigung des elemen taren Gerechtigkeits-Empfindens erhalten. Der Zeug Dittmann ist in diesem Falle doch mehr wert als die Zeugin Zetkin, denn sein Bericht enthält da», was in ■ de r der Frau Zetkin überhaupt nicht zu finden ist, nämlich Tatsachen, nackte, grausame Tatsachen über die furchtbare Not, in der sich Sowjetrußland befindet.
PoUtische TaFSsberichke.
— Das Tpa-Abkoinmen erfüllt. Wie die Blätter Perncymen. ist daS Epa« Abkommen ^ür den Monat Oktober voll erfüllt worden. Wie die „Teutsche Allgemeine Zeitung" dazu bemerkt, könnten wir einerseits darauf stolz feut, aude erseiks müßte eS unS aber mit Schmerz und Sorge erfüllen, daß, wie wir jetzt klar crkcuuteu und zu beweisen vermöge«, dirs. Grsüllnna des Slbkommens auf Kosten der C-riftenzmöglichkeit unseres Landes geschehen sei.
— Verschärfung der Postüberwachung. Wie wir von gut unterrichteter Seite hören, hat sich der Hauptausschuß des Reichstages nicht nur für die Aufrechterhaltung, sondern für eine Verschärfung der Posküberwachung zum Zwecke der Vermögensflucht ausgesprochen.
— Zur Autonomiefrage Oberschlesiens.
Wie das „Berl. Tagebl." mitteilt, befaßte sich das preußische Kabinett in seiner gestrigen Sitzung u. a. mit der Frage der oberschlesischen Autonomie. Es sei ein Beschluß gefaßt worden, der sich mit der Entscheidung der Reichsregierung, Oberschlesien durch Reichsgesetz die Stellung stines selbständigen Staates zu gewähren, deckt.
— Streik im Berliner Textilgroßtzandel.
Zum Streik im Textilgroßhandel teilen die Blätter mit, daß die Verhandlungen der Angestelltenvertreter mit den Arbeitgebern zu keiner Verständigung führten. Die massenhaft besuchte Versammlung der Angestellten, die gestern abend stattfand, beschloß einstimmig, sofort in den Streik zu treten, der sich auf den gesamten Textilgroßhandel erstreckt. Die Zentralstreik- leitung teilt mit, daß der Streik heute ftiih mit voller Kraft eingesetzt habe. Zunächst legte die Zentralstreikleitung 50 Großbetriebe still. Weitere Betriebe werden in den Streik eintreten, sobald die erfolgreiche Durchführung des Kampfes es erforderlich macht.
— Keine erabsetzung der Milchkühe« Forderung. Die Nachsicht Berliner Blätter, die Entente habe ihre Forderung auf Rückerstattung von Milckkühen auf die Hälfte, also um 400 000 Stück reduziert, wird vom Journal des Döbals als faljck bezeichnet. Es sei in Berlin keinerlei Mitteilung dieser Art gemacht worden. Die verlangte Zahl von Pli.ch- kühen sei nicht herabgesetzt worden.
— Sitzung der zw.iten Internationale. Am 4. November findet in London eine Sitzung des VollzugsratkS der zwecken Internationale stack, in der wichtige internationale Arbeiterfragen zur Behandlung kommen. Darunter befinden sich die Bergarbci'.ervcr- bättniHe in den einzelnen Ländern, sowie Stellungnahme zu den letzten Konferenzen der Alliierten und des Völllrvundes.
— Eine u,'.abhängige ^nteruationale. eue englische uuaw ängige Arbeiterpartei hat die Initiative genommen, um eine Internationale derjenigen Arbeiterorganisationen zu errichten, welche sich weder bei Moskau, noch bei Genf «»geschlossen haben. ^nncr- Halb dieser Internationale soll größere Freiheit in der Politik bestehen. , _
— Der offene Brief an Porncars. Das an Poincars gerichtete offene Schreiben Gar- diners, in dem er Frankreich vor der Fortsetzung der gegen Deutschland verfolgten Vernlchtungs- politik wamt, findet in den österreichischen Blättern lebhafte Zustimmung.' 3n der «Neuen Freien Presse" heißt es: Frankreich wünscht Die Zerstörung Deutschlands herbeizuführen, um diesen Staat seiner wirtschaftlichen Kraft zu berauben. Es will auch die Wiedergutmachung seinem Diktat unterwerfen und begünstigt die Zerstückelung des Deutschen Reiches, für die jetzt in Oberschlesien eine wachsende Propaganda entfaltet wird. Die beioen großen pcachbnr- nationen sind aber wirtschaftlich auf einander angewiesen, und daß eine Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland von größter Wichtigkeit wäre, hat auch Minister Simons in seiner letzten Rede bargetan, grantrcia} würde sich selbst schaden, wenn es an dem Ger,:e des Dikrates mit Unerbittlichreit ftraten wollte. Das „Neue Wiener Abendblatt" pyrerot im gleichen Sinne und hebt hervor, wie unbegründet Frankreichs Furcht fei, daß Deutschland eine Kriegsgefahr bilde. Folge Frankreich den sich häufenden Warnungen, dann könnte endlich der Gesundungsprozetz Europas beginnen.
— Zrlano. 120 Zivilisten übersielen in der Nähe von Noughal 11 Soldaten, töteten einen davon, verwundeten zwei und entwaffneten d»e übrigen. Die Leichen der in Tralee vermißten Polizisten wurden von Kugeln durchbohrt auf* gefunden.
(Weitere politische Nachrichten Seite 6.)
Die übermittelte Beschwerde gibt uns den willkommenen Anlaß, uns zu der darin berührten Frage zu äußern. Es ist selbstverständlich, daß die gemütlichen Beziehungen jedes Deutschen, der ein Gefühl für die Ehre und Würde seines Vaterlandes hat, zu den Angehörigen anderer Staaten durch die Ereignisse der letzten Jahre tiefgreifend beeinflußt werden. Angesichts des verräterischen Verhaltens der Tschechen im Weltkriege, der Unterwerfung von Millionen deutscher Volksgenossen unter fremdes Joch und der fortgesetzten brutalen Vergewaltigung Deutschlands durch die Entente und ihre Gefolgschaft kann — unter Berücksichtigung des Versailler Vertrages — niemand von uns mehr als höfliche Schicklichkeit im Verkehr mit unseren Gegnern erwarten. Die Aufnahme des wissenschaftlichen Verkehrs, des geistigen Austausches, setzt aber naturgemäß sehr viel mehr voraus: das durchaus persönliche, wohlwollende Eingehen auf die Bedürfnisse des einzelnen, wie wir es vor dem Weltkriege allen Ausländern in sehr reichem Maße, nicht immer zu unserem Besten, erwiesen haben. Daß für ein derartiges Verhältnis alle Voraussetzungen fehlen, solange nicht der Geist wahrer Versöhnlichkeit die Beziehungen der Völker zueinander beherrscht, bedarf keiner weiteren Darlegung. Dazu kommt aber, daß alle diejenigen, die nicht durch ihre Stellung gebunden sind, dem Ausdrücke ihrer Gesinnung keinen Zwang auferlegen werden von kühler Zurückhaltung zu eisiger Abwertung und offener Feindseligkeit. Es mag sein, daß der einzelne durch sein Verhalten die nun einmal vorhandenen Gegensätze zu überwinden vermag. Eine naive Enttäuschung der jugoslawischen Regierung ist indessen, wenn sie glaubt, daß verständnisvolles und williges Zusammenarbeiten durch amtliche Beschwerden oder dienstliche Anweisungen erzwungen werden konnte.
Aus Sem Osten.
Zermalmitng der Wrangelfckc« Armee?
London, 2. Nov. Einer drahtlosen Meldung aus Moskau zufolge, gab TrotzU besannt, daß fünf Armeen das Heer Wrangels von allen Seiten zermalmen und daß das Schicksal der Hauptstreitkräste Wrangels entschieden sei.
Kop nhagen, 2. Nov. BerlinSke Tidende meldet aus HelsingforS: Der Stab der sinnlichen Küsten- Verteldigung legte ein Flottenbauvrogramm vor, das aus finanziellen Gründen von der Anschaffung von Schlachtschiffen ganz absieht und ausschließlich den Bau von Fahrzeugen zur Verteidigung der finnischen Küste vor- schlägt. Der Vorschlag enthält u. a.: 4 Torpedojäger, 8 Torpedoboote, 30 Torpedoinotorboote, 4 Unterseeboote und 6 Monitore, die ihre Stationen auf großen Seen haben.
Warschau, 2. Nov. Die Polen nahmen den Vorschlag des Völkerbundes an, im Gebiet von Wilna eine Volksabstimmung stattsinden zu lassen.
Clara Zekkins RuhlanSrekse.
Die Fülircrin der deutschen Stommunisen, die Vertreterin der K. P. D im Reichstag, hat nun das Land ihrer Sehnsucht, Sowjetrußland, mit eigenen Augen sehen dürren und sie ist aller Begeisterung voll nach Deutschland zurückgekehrt und beleuchtet nun ebenso begeistcrungsfrcndig in der „Roten Fahne" was sie in Rußland sah. Sie spricht von dem „revolutionären Willen, der in den Rhythmen der Internationale braust", und sie schimpft auf Dittmann und Criipien, die bloß mit den Augen und Obren in Rußland ge* sehen und gehört haben, denen aber das „Organ der Seele" für die Wahrnehmung nnd Wertung des Lebens im neuen Rußland gefehlt bat. Nun, zu Zeiten ist es besser, mit rein menschlichen Augen zu .eben und nicht alles durch die Parteibrille der Kommunisten zu erblicken, wie es Clara Zetkin getan hat, denn der revolutionäre Wille allein macht auch tu Sowjetrußland nicht satt. Selbst Clara Zetkin kann es nicht verschweigen, daß die Massen der russischen Arbeiter leiden, und daß auch das Notwendigste und Unentbehrlichste knapp und zeitweilig kaum erhältlich ist. Frau Zetkin kann um diese Feststellung nicht herum lammen, denn soeben bat ja einer der Sowjet- gewaltigen in Moskau selbst erklärt, daß das Land zurzeit die schwerste Lebcnsmittelkriie, die übcrhai'bt je bestanden hat, durchwachen muß. Doch das wissen ja alle deutsche Kommunisten und die Fübrer glauben, daß auch die deutschen Arbeiter bereit sind, jahrelang diesen Hunger und biete« Elend durchzumacben. Ob das wohl der Wille der deutschen Arbeiter ist? Wenn aber die Vertreterin der Kommunisten behauptet, daß der Durchichnitt der ruiflicheu Proletarier nicht schlechter lebt als der Durchschnitt der deutschen Arbeiter, so ist das eine glatte Fälschung, selbst wenn man berücksichtigt, daß die Lebeusverhältnisse des ru'siichen Arbeiters stets schlechter waren als die der deutschen. Entiveder hat die Bannerträgerin der St P. D. nick! ge eben, wie eilt etzlich das Elend ist ober sie hat es nur gesehen mit ihrem „Organ der Seele", nicht^abcr Mit den Augen und Ohren, die sie in diesem Halle , weit besser beraten hätten. Das gilt besonders von - der „ein.ig dastcheuden" Füriorgecinricktung für die Kinder, die in sowjetrußland bestehen soll. Wie teile : Fürjorge aussieht, das hätte Frau Zetkin am, besten zeigen sollen, indem sie gleichzeitig die Statistik der , SäutlmgSi.erbuchkeit veröffentlichte. Der Trost ist doch recht mager, daß die Proletarier in Rußland