Linrücknngsgebü briDieSgeiv.Kolonelzeileod. deren Raum 1.- Mk^ die 4gesp. Zeile i. Reklameteil 8.— Rik.. 25 °I« Teueru ngszuschl. Offertgebühr 30 Pfg. Bezugs preis: Vierteljährlich 12.9>rMk.. monatl. 4.N Mk.. für Postbezug Vierteljahrs. 12.M Mark. monatl. 4.30 Mk. Die Nummer 20Lfg. Postscheck-Konto Nr. 26659. Frankkurt a. M.
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Nr. 253
Millwoch den 27. Oktober
1920
Das Neueste.
— Der Reichskanzler wird voraussichtlich in der heutigen ReichstagSfitzung über die innere Lage sprechen [ — In einer Botschaft an das griechische Volk wird mitgeteilt, daß Prinz Paul zur Thronbesteigung aufgefordert worden sei.
— In Belfast kam es anläßlich des Todes des Bürgermeisters von Cork zu Unruhen.
— Im englischen Bergarbeiter-Konflikt dauern die Verhandlungen mit der Regierung fort.
— Polnische Truppen unternahmen einen neuen Angriff auf litauische Stellungen.
— Die polnische Regierung genehmigte ,bie Notifizierung des PräliminarfriedenS mit Sowjetnißla w.
— GeneralWrangcl erhielt von Frankreich Artillerie.
Die wirtschaftliche Lage Polens.
Polen macht eine.sehr schwere finanzielle und wirtschaftliche Krise durch. Die Kriegskosten steigen ins Ungeheure und betragen gegenwärtig bereits 1,5 Milliarden Mark monatlich. Die Staatskasse leidet an chronischer Leere, trotzdem sämtliche zugänglichen Mittel mobil gemacht wurden, um dic^Ausgaben zu decken: Erhöhung der bisherigen Steuern und Einführung neuer, Aufnahmen verschiedener Typen von Anleihen un fortwährende Emission neuer Banknoten. Die innere sogenannte Regenerationsanleihe, deren Propaganda mit allen nur erdenklichen Methoden betrieben wurde, war vom Finanzministerium in der Höhe von 8 Milliarden präliminiert, ergab aber bis jetzt nur 6 Milliarden, so daß ihre Frist auf neue verlängert werden mußte. Im Laufe ins verflossenen Jahres sind zirka 30 Milliarden neues Papiergeld herausgegeben worden, ohne für die Valuta überhaupt irgendeine Metallunterlage zu haben. Am 21. Juli ds. Js. zeigte die Landes- Darlehnskasse eine Staatsschuld von 38 Milliar- Milliarden, aml- April 14,7 Milliarden- Sie Hai sich also ini^Laufe von vier Monaten beinahe verdreifacht. Jetzt ist eine neue Zwangsanleihe beschlossen worden, die schon ein Einkommen von 30 000 Mark jährlich heranzieht, während das Existenzminimum einer Arbeiterfamilie in War- ^chau z. $8. 6000 Mark monatlich beträgt.
Die Industrie liegt am Boden. Die Produktion beträgt im ganzen etwa 20 Prozent der Vorkriegszeit (in der Textilindustrie 17 Proz., N der chemischen 25 Proz., in der Zement- und Steinbuftrie je 20 Proz., in der mechanischen 14 Proz., in der keramischen 10 Proz.). Es herrscht kolossaler Mangel an Transportmitteln, sowie an Rohstoffen und Kohlen, wodurch besonders schwer die Textilindustrie, dieser entwickeltste Ziveig der polnischen Produktion, betroffen wird. Sie ist nichr einmal imstande, den Lieferungsaufträgen fürs Heer ganz nachzukommen, mit denen ie noch ihre letzten Aremzüge unterhält. In den letzten drei Monaten haben z. B- die Fabrikanten von Lodz, das vor dem Kriege als polnisches Manchester galt, 72 000 Tonnen Kohle bestellt, erhielten aber nur 29 233 Tonnen von der Re- gittung zugewiesen. Die Gesamtproduktion Po- wns an Kohles im Dombrowaer und Krakauer Rayon), die im Jahre 1913 9 Millionen Tonnen betrug, belief fiel) im Jahre 1919 auf 6 Millio- ”fn- In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres zeigt sich eine beträchtliche Verminderung, sodaß sie nur 72 Prozent der Produktion des ttsten Vierteljahres 1913 aus macht. Durch den Fabrikanten gewährte langfristige Jnvestierungs- uedite suchte die Regierung die Industrie ein wenig zu beleben und gab für diesen Zweck bis istzt 15 Millionen Mark aus. Die gegenwärtige -«ge erlaubt es aber dem Fiskus nicht mehr, der- «rtige Ausgaben fortzusetzen.
Auch int Handel auf dein inneren Markt herrscht seit einer Reihe von Wochen eine voll- Hanbige Depression. Der Wechselkurs ist im Öligen Sinken begriffen. Der direkte Waren- iwiport aus dem Auslande hat gänzlich ausge- y^t Eine Ausnahme bilden nur Waffen, Mu- vition und tschechische Bonbons: — charakte- Wisch genug für einen Staat, dessen Volk vor ^‘ib, Hunger und Erschöpfung in Massen da- h'-nstirbt!
. Wie neulich der Verpflegungsminister Sli- ^uiiki Journalisten gegenüber äußerte, sind die stuc-sichten für die nächste Verpflegungspeciode ^ trübe Durch die letzten Kriegsoperationen '>J eine Hälfte der Felder Kongreßpolens zer- ' und zwar derart, daß in einer ganzen Reihe i Ortschaften nicht einmal Saatgetreive geblic- '^ ist. Dazu ist die diesjährige Ernte, besonders
Roggen, also dem für die breiten Volksnmssen / > diMen Nahrungsmittel, im ganzen Lande, Provinz Posen und Pommerellen nicht aus-
^^'-vinmen, ungemein schlecht ausgefallen- Aus
Auslande Roggen zu beziehen, wird ganz
"uiröglich sein. Dabei werden jetzt in Polen un- . ...
heitre Mengen Getteide von der Armee und vonaufwendet und allein in dieser
der Bevölkerung aus jenen Gegenden verschlungen. die eben durch den Krieg ruiniert sind. Zwar hat die Regierung, bezw- der Sejm, die Landproduzenten geselltet) verpflichtet, ein gewisses Quantum Getreide abzuliefern. Aber fast uie- mand von ihnen denkt daran, dies zu tun, trotzdem die Frist dafür bereits abgelaufen ist. Nur vereinzelte Grundbesitzer sind ihrer Pflicht nachgekommen, die übrigen verschieben lieber ihren Roggen und Weizen den Schmugglern und Spekulanten bic ihnen einen doppelt so hohen Preis wie die Regierung zahlen. Nun ist aber schon der Preis, den die Regierung zahlt, nämlich 700 Mark für einen Doppelzentner, ein ivahrer Wucherpreis, denn, wie neulich ein Gutsbesitzer indiskret in der Presse dargetan, ist für die Produzenten ein etwa um die Hälfte kleinerer Preis ein reichlich angemessener. Die Regierung würde also ihrerseits, wenn es ihr gelingen sollte, das Kontingent zu bekommen, den Agrariern und Großbauern zuliebe direkt dazu beitragen, das Volk auszupowern.
Noch viel schlimmer ist es um die Fett- und Fleischversorgung bestellt, ' da der Viehbestand jum großen Teile ebenfalls durch den Krieg vernichtet ist und obendrein noch massenhaft vom Heere aufgezehrt wird.
Die Folge von alledem wird eine noch größere Teuerung der Lebensmittel undchamit aller sonstigen Gebrauchsgegenstände sein, die ja ohnedies schon eine geradezu fabelhafte Höhe erreicht hat, sodaß Polen gewiß heute das teuerste Land im Westen ist und auch inbezug aus die Rapidität der Preissteigerung einzig dasteht. So ist nach den Feststellungen einer speziell ■ zur Untersuchung dieser Sache eingesetzten Kommission des Statistischen Hauptamtes der Kostenaufwand einer Arbeiterfamilie nur für Nahrung, Heizung und Beleuchtung seit Juni bis August d. J. wiederum WWMWUlI____"
Und zu dieser Teuerung des nackten persönlichen Daseins kommen noch verschiedene Ausgaben für die Existenr der ,.edlen" Repnblik, die seit ihrer Geburt nichts anderes tut, als Krieg führt, was bekanntlich ein sehr kostspieliges Vertrügen ist, und die überhaupt- breitspurig, wie sie auftritt und hohe Politik spielend, auch auf ganz hohem Fuße lebt. Es genügt darauf hinzuweisen. daß z. B. ben Staat seine Beamten 12/4 Milliarden kosten. Und da Polen 23 Millionen Einwohner zählt, so belastet ihr Unterhalt jeden Bewohner mit mehr als 500 Mark jährlich.
Eme Vesprechung über OflAreutzen.
Berlin, 26. Okt. Auf Anregung der Reichspräsidenten bat heute im Re'cüskansscrbaus unter dem Vorsitz des Reichskanzlers eine Besprechung über wirtschaftliche Fragen Ostpreußens ftattgefunben. Sieben den ressortmäßig beteiligten Ministern des Reichs und von Preußen nahmen unter Führung des Oberpräsi- dentcn von Ostpreußen, Sichr, Vertreter der Städte, ber Landwirtschaft, des Handels und der Konsumenten- freife Ostvrenßens an der Besprechung teil. Der Reichskanzler erklärte namens der Reichsregteriing im Einverständnis mit der preußischen Staatsregierung, daß die durch die geographische Dennung vom Reich geschaffene besondere Lage Ostpreußens viclwch eine besondere Behandlung und Unterstützung in wirtichast- lichen Fragen erfordere. Den Notwendigkeiten dieser Souderlage dürften rd) die Regierungen des Reichs und von Preußen nicht verschließ n. Im Anschluß an Ne e grundsätzliche Frage wurde seitens der ostprenßi- schen Vertreter eine Reihe von Emzelwünschen zur Sprache gebracht. Solveit die Regierungsvertretex in dieser informatorischen Besprechung bereits Stellung nehmen konnten, wurde die Erfüllung dieser Wünsche zugesagt, so msbesondere in der Frage einer größeren Selbständigkeit des ostpreUßischen Kommissars für die Ein- uub Ausfuhr. Die außerordentliche Härte, die in ber jetzigen teuren Belieferung Ostpreußens mit stöhlen, Dünzcmittclli, Benzin imb Benzol liegt, wurde von den beteiligten Ressorte anerkannt.
Das WilliardeNöefiztt der Post.
Ayf einer Tagung des Reichsbundes deutscher Technik in Leipzig sprach der Ministerialdirektor Dr. Bredow über die ernste Lage des Post- und Telegraphenbetriebes, die durch das Defizit von -2 Milliarden im Rechnungsjahr 1920 gekennzeichnet wird. Von den Ziffern, die er zum Beweise der ungeheuren Steigerung der Betriebs- toften gab. sind folgende hervorzuheben: Die Anlagekosten eines Fernsprechanschlusses einschließlich der Verwaltungskosten betrugen 1914 in einem Netze von der Ausdehnung Berlin etwa 800 Mark und sind jetzt auf 11 000 Mark gestiegen. Die Aufwendung für die Unterhaltung und den Betrieb eines derartigen Anschlusses haben sich gegenüber der Vorkriegszeit verzehnfacht. Demgegenüber sind die Gebühren im allgemeinen nur um das Vierfache erhöht worden. In Berlin beträgt z. B- die Pauschalgebübr 800 Mark, während die Verwaltung das Mehrfache an Unkosten
lädt etwa 100
Millionen bei Pauschalgebühren-Anschlüssen zuletzt.
In Aussicht genommen ist die Erhebung einer Anschlußgebühr und außerdem einer Gespräch- gebühr, die in größeren Stufen nach der Zahl der vermittelten Gespräche gestaffelt wird. Die Viel- sprccher werden mehr zu zahlen haben als die Wenigsprechcr, was bei der jetzigen Pauschalge- bühc zum Schaden des Betriebes und der Allgemeinheit nicht der Fall ist. Durch den einmaligen Fernsprechbetrag von 1000 Mark für den Hauptanschluß und 200 Mark für den Nebenanschluß, der am 1 Oktober erhoben worden ist, fließt der Verwaltung ein Betrog von 1,2 Milliarden zu, den sie mit 4 Prozent verzinsen muß. Er reicht vielleicht gerade hin, um den Betrieb notdürftig in Ordnung zu bringen. Für die dringend notwendigen Erweiterungen sind weitere Mittel nötig. In Frankreich und England haben die Verwaltungen für die Wiederherstellung ähnlich hohe Summen erhalten, wie sie die Reichstelegraphenverwaltung benötigt. Die seit der letzten Gebührencrhöbung erfolgten Kündigungen betragen etwa 6-7 Prozent aller Anschlüsse (123 000) an Neuanmeldungen liegen insgesamt 111 000 ^or. Die Wiederherstellung der Telegraphen- und Fernip'-echbetriebe ist in vollem Gange. Schon ietzt spürt man hier und da eine kleine Besserung. Die größeren Arbeiten, wie Herstellung neuer Linienämter und dergleiäben, gehen iedoch unter den heutigen Verhältnissen so langsam vor sich, daß es noch Jahre dauern wird, bis die deutsche Fernsprecherei wieder ihre alte Höhe erreicht hat.
PoMiche TaqesSsrichte.
— Die Folgen des Kohlenmangels. Nach einer Mitteilung des sächsischen Landeskohlen- kommissars kann die sächsische Industrie die vorliegenden großen Auslandsaufträge wegen enmangels nicht erledigen. Eine Besserung änfostKedesssn nicht eintreten. ngesichts der Lage int Reich müsse Sachsen sich selbst belfen. Nur durch eine achtstündige Arbgjtszeit könne die Kohlenförderung erhöht werden. Der Landeskohlenkom- missar begibt sich daher in den nächsten Tagen in das sächsische Kohlenrevier, um trotz der für die sächsischen Bergarbeiter schwierigen Eruben- und Abbauverhältnisse auf eine Verlängerung der Arbeitsdauer hinzuwirken.
— Errichtung von Veamtenkammern. Nach dem „B. T." wurde auf der Tagung der bayerischen Beamtenkammern mitgeteilt, daß für das ganze Reich die Erttchtung von Beamtenkammern bevorstehe. Die bayerische Regierung, die die Anregung hierzu gegeben habe, sei mit der Ausarbeitung eines Gesetzentwurfs beauftragt, der dem Reichstag und dem Reichsrat vorgelegt werden würde.
Waffenfunde in Oberschlcsten Im Schlaf» bautz zu Schoppinitz haben in der letzten Zeit wiederholt Schießereien stattgesunden. Gute plötzliche Revision förderte Waffen mit reichlicher Munition zutage. 5 Insassen wurden verhaftet und zwei von ihnen als berüchtigte Banditen aus dem Kreise Pleß scstge- fteßt. — Der »Bert. Lokal-Anzeiger" meldet aus Gleiwitz: Bei einem Mühlenbesiser in der Nähe von Ptmkrerschan wurden kürzlich 80 Gewehre, 4 schwere Maschinengewehre und 10 Leuchtpistolen gefunden. Der Besitzer ist ein Pole und spielt in der polnischen Sokolbcw^gung eine große Rolle.
— Neue Lohnforderungen der Berliner städtischen Arbeiter. Für den demnächst ablaufen- ben Lohntarif der Berliner städtischen Arbeiter hat der Verband bet Gemeinde- und Staatsarbei- ter neue Erhöhungen der Löhne gefüttert, die eine in neue Millionen gehende Mehrbelastung des Etats mit sich bringen würden. Aus diese Focderullgen der Arbeiterschaft hat der kommissarische Magistrat der Arbeitervertretung mitgeteilt, daß man die Forderungen um einen Monat bis zur Konstituierung des neuen Magistrats zurückstellen möchte, da der kommissarische Alagsstrat die Verantwortung für eine so große Mehrbelastung die sie voraussichtlich zur Folge haben würde, nicht übernehmen könne. In der Generattwrsammluyg der Ortsgruppe Berlin des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter wurde über den bisherigen Verlauf der Angelegenheit Berichß er- smltet. Die Versammlung stellte sich auf den Standpunkt, daß für sie kein Grund vorliege, die Forderungen auf einen späteren Termin binaus- zuschieben und daß man deshalb die Verhandlungen erzwingen werde Als letzter Termin wurde Montag, 1- November, gestellt. Wenn bis dahin die Verhandlungen nicht elngeleitet sein sollten, würden die städtischen Arbeiter eine neue Aktion cinicitcn.
— eine Rr chSkanz'errcdc in Sicht. Von unterrichteter Seite wird mitgeteilt, daß in der heutigen ReichktagSsitzmig zunächst ber ReichSkguzler selbst das Wort ergreifen wird, um zu den Fragen der inneren Politik Stellung zu nehmen. Daß dir ober- schlesische Autonomie besonder» eingehend besinn seit wird, ist zu erwarten. Rock Heberetntunft mit der
preußischen Regienmg wird der Kanzler eine fest for« mutierte Erklärung abgeben. Anschließend an Herrn Fehrenback spricht der Minister des Aeußercu Dr. Simons über bie, außenpolitische Lage.
Man hofft bis Ende der Woche die politische Aussprache, die die HaiiShaltSderatiNigen einleitet, abschlie- ßcn zu sönnen. Es ist fernerhin in Aussicht genommen, die Sprecher aus dem Hause erst ant Donnerstag zu Worte kommen zu lassen, so daß unter Umständen heute nur mit einer verhältnismäßig kurzen, aber um so bedeutsameren Sitzung gerechnet werden kann.
— Gegen Wucher und Schleichhandel. Der bayerische Ministerrat hat gestern eine neue Verordnung gegen den Wucher und Schleichhandel mit verschärften Strafbestimmungen beschlossen.
— Krasfin Sowictvertretcr in Berlin. Der „Manchester Gurr uan" meldet, daß Krassin in London abberufen worden sei und zum Vertreter der sowjet- regierung in Berlin ernannt werde.
— Der Parteitag der Scutschen Kommunisten. Die Vereinigung dcS linken Flügels der Eichhorn-Fraktion mit den Kommunisten ist nunmehr trotz des scheinbaren anfänglichen WiderllrebenS praktisch erfolgt. Die „Rote Fahne" veröffentlicht heute eine Kundgebung, die vom Zentralkomitee be-3 linsen Flügels und von der Zentrale der tt. P. D. unterzeichnet ist und in der die nengeschlossene Partei ber deutschen Kommunisten proklamiert wird. Das AktionS- programni wird dahin präzisiert, daß mit parlnmcn« tarcichen Mitteln nichts zu erreichen sei. Die Diktatur her Bourgeoisie sei nur durch die eiserne Faust deS Proletariat- und bie Diktatur des Proletariats zu zertrümmern.
— Für den Aufbau Oesterreichs. Die Wiener Zeitungen veröffentlichen ba8 Programm der Präsidenten der österreichischen Settion der Re- parationskominission, Sir Kiltan Good. das dieser in den letzten Tagen einer Reihe von politischen Persönlichkeiten entwickelt hat. 'Es handelt sich um den wirtschaftlichen Ausbau Oesterreichs, zu welchem er folgende Vorschläge macht: .1, Oesterreich erhük bis zur., endgültigen Regelung des Äoeditproblems eine Juterimsanleibe von 60 000 000 Donar«- 2. wird eine Notenbank errichtet, die auf Privatkapital fundiert wird; 3. Durchführung größter Sparsamkeit im öffent- . lichen Haushalt und Herabsetzung der Ausgaben für das Heer; 4. Beistellung von Scratkartoffelu; 5. sofortige Inangriffnahme des Ausbaues der Wasserkräfte; 6. kein Verkauf der siaattichen Monopole und «Staatsbetriebe, sondern deren Umwandlung in gemischtwirtschaftliche Betriebe.
— Der englische Bcrgarbeit.r'treik. Da» Exekutivkomitee der Bergarbeiter bat heute vormittag beschlossen, mit der Regierung offiziell in Verbandsungen zu treten. — Die Verhandlungen zwischen der Regierung und den Vrriretenl der Bergleute dauetten mehrere Stunden. — Eine spätere Mcl-unß besagt, daß nach weiteren kurzen Besprechungen die Verhandlungen auf Mittlvocb vertagt wurden. — Geddek hat im Unterhaus erklärt, der Kohlenstreik ko-mr den Steuernpahlern 'wöchentlich zwei bis drei Millionen Pfund Sterling.
— Irland. Der Tod des Bürgermeisters von Cork hat unter den Iren in New-Pork grobe Erregung hervorgerufen. Verschiedene irische Gesellschaften erließen heftige Proteste; es werden Riesenversammlungen angeründigt. Der Bürger- theiltet von New-Vork. Hylan, der ein geborener Jriänder ist, ließ zur Ehrung „eines der edelsten Märtyrer, die jemals für die Freiheit gestorben sind", die amerikanische Flagge auf dem Stadthaus ausziehen.
— In London trafen 33 städtische Beamte aus Cork ein, um der Äusbabrung und lleberfübrung der Leiche des Bürgermeisters von Cork beizu- wohnen. 8 irische, republikanische Freiwillige, bie die Beamten begleiteten, wurden in Holyheau verhaftet, weil sie republikanische Uniformen trugen.
— Der Nieme Notterdamichc Courant melbet aus London: In Belfast tam es anläßlich bes Todes des Bürgermeisters von Cork zu Unruhe». Die Gegner der Sinnieiner verhinderten das Hisse» der Trauerflagge. Bei der Schießerei wurde ein Bürger getötet.
— Die Stellung Englands zu Rußland. In Erwiderung einer Anfrage über die Wiederaufnahme ber H^de^hezitäullgm zwnchrn England uu» Rußland erkläre Bonac Law im Unter^aitie, daß bie Freilassung aller br tufhen Smatsanzelwn-cn ir Rußland, welche znrückzukcln'tn wüuschrcn, Die Varbedvigunz für die Wieoerausuabiu: der V-ruandlungen über bie Handelsbeziehungen sei. Bauar Lam rügte hinzu, bie Sieg eruug habe nelL bic Wmfteeun,nähme ber Ha>ive!4» deziehuligen mit Rußland für äußerst wünschenswert * erachtet uns sieht heute mehr als je auf diesem Stau»« Punkte. Man müsse ben Umfang der Ardemlonzkeil uub die Tatsache berücksichtigen, daß der Handel mit tknßland von anberen Ländern wieder auigeuomwen worden sei. England müsse sein bestes tun, um leinen Anteil daran zu erhalten.
— Das Defizit der Rätcreglerung. 2>?m „Echo de Paris" ivirb aus Stociyolm gemelbet, i-ie bolschewittschen Blätter zeigten an, iwf dieses Jahr der Fehlbetrag der Finanzen der Räte- regkrung die unglaubliche Ziffer von tausend Milliarden erreicht has»e.
(Weitere politische Nachrichten Seite 5.)