Linrückungsg ebü 6 r: Die8geiv.Kolonelzeileod. deren Raum 1 — Mk.. die 4gew. Zeile i. Reklame- teil 3.— Mk.. 25Teuerungszuschl. Offertgebübr MPfg. Bezusspreis: Vierteljährlich 12.90 Mk., monatl. 4.80 Mk.. für Postbezug vierteljährl. 12.90 MarL monatl. 4.30 Mk. Die Nummer 20 Hfg. Pokticheck-Konto Nr. 26659. Frankfurt a. M.
Nr. 251
GMWgl-MzÄgw AmMches Organ für Eladl- und Landkreis Saturn
Erscheint täglich mit Ausnahme der>2onn- und Feiertags
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Mmttag den 25. Oktober
_ Verlagsleituns: Ad. Indermübl«.
DerantworUlch: fürpolitilchen und allgemeinen TellRich.Hultsck: für lokalen und provinziellen Teil sowie Soort W. Moritz: für Anzeigen und ! Reklamen A. Brodt, alle in Sanou a. M.
Rotationsdruckd.Waikenhausbuchdruckerei Sanau „ Fernlvrechanschlusse Nr. 1237 mrd 1238
1920
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Das Neueste.
— In Berlin wurde gestern die neugegründete deutsche Hochschule für Politik eröffnet.
— Die Neukommunisten und Kommunisten in Berlin protestierten gestern gegen die Ausweisung der russischen Heilsapostel.
— Der 'alte Bergarbeiterverband in Bochum beschloß, zu verhindern daß während des englischen Bcriarbeitcrstreiks Ruhrkohlen nach England geliefert pcrden.
— In dem englischen Arbeiterkonflikt finden neue Verhandlungen zwischen der Regierung und den Berg- arbeiterführern statt.
— Die englische Regierung hat Frankreich eine neue Note in der Entschädigung-frage überweisen lassen.
— Nach Blättermeldungen ist festgestellt, daß die polnische Regierung die Truppen des General Zeli- gowski unterstützt.
— Die chinesische Regierung desavouiert die chinesisch-russischen Verhandlungen.
Der Scheinfriede im Osten.
Wenn sich in Riga die Vertreter Sowjetruß- lands dazu verstanden haben, den Friedensvertrag zu unterzeichnen, so geschah das sicherlich in dem Gefühl, daß mit diesem Vertrag das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Der Sowjetregierung tont es vielmehr darauf an, freie Hand gegen General Wrangel zu bekommen, der für die Sowjets ein gefährlicher Gegner geworden ist. Zielt doch seine Offensive auf die fruchtbarsten Gebiete Süd- rußlands und auf das für die russische Volkswirtschaft so ungemein wichtige Donerz-Kohlengebiet, eine Offensive, mit der er, was an dieser Stelle wiederholt schon gesagt wurde, die Sowjetregie-
Lianhen, wenn.nicht zu Fall bringen
Diesen Gegner muß Moskau niederringen, wenn es leben will. So stellte auch' vor einigen Tagen die Moskauer „Prawda" als positive Seite des Friedensschlusses ausdrücklich fest: „An der Westfront fließt nicht mehr Arbeiter- und Bauern- blut. Alle Vorräte und Munition und Kleidung, alle freien Reserven der Republik werden an der Wcangel-Front Verwendung finden." Lenin hat kürzlich auf dem Kongreß der Bauernsowjets in Moskau eine Rede gehalten, in der er ausführte: „Die ausländischen Diplomaten können es nicht verstehen, daß es kein Zeichen unsrer Schwäche ist, wenn wir Frieden anbieten. Wie es sich her- aus gestellt hat, hat. sich Rußland trotz der Blockade und trotzdem es von Feinden umringt ist, als Sieger erwiesen. Rußland ist nur ein Glied der allgemeinen internationalen Kette. Die wirtschaftlichen Verhältnisse in der ganzen Welt gestalten sich derart, daß unsre Feinde an Kräften verlieren, während wir stärker werden, darum siegt Rusiland über das Bündnis der mächtigeren Staaten. Jetzt ist allein Wrangel übriggeblieben. Um den endgültigen Frieden zu erlangen, müssen wir Wrangel in kürzester Zeit erledigen. Wenn wir es nicht tun, werden Frankreich und Polen bald einen neuen Krieg gegen uns entfesseln. Ihr müßt unter den Bauern für die Unterstützung der Roten Armee agitieren. Ich weiß, daß Die Bauern kein Papiergeld brauchen. Erklärt ihnen, daß wir erst die Industrie wiederherstellen müssen, und dann erst imstande sein werden, ihnen Waren zu liefern. Wir schaffen schon Heizmaterialien und Rohstoffe herbei. Ein ungeheures Feld produktiver Arbeit liegt vor uns. Wir werden dem Lande bald geben können, was es braucht. Das wird aber erst nach der Niederlage Wrangels geschehen können. Danach werden wir Rußland auf eine noch nie dagewesene Höhe heben." Das kennzeichnet die ganze Lage! Nach einer Züricher Meldung hat denn auch die Sowjetregierung den Friedensvorschlag des General Wrangel obge- lehnt. Der große Moskauer 8tat beschloß mit vierfünstel Mehrheit die Fortsetzung der Operation der Roten Armee gegen die ukrainischen und Wrangelschen Truppen. Bekanntlich hatte Wrangel erklärt, die Bolschewisten könnten sofort unter der Bedingung Frieden haben, daß sie innerhalb eines halben Jahres in Moskau eine Nationalversammlung der Vertreter des russischen Volkes zusammenberiefen. Unterdessen würde zwischen der Roten Armee und den Truppen des Generals Wrangel ein Waffenstillstand herrschen. Mit diesem Vorschlag hat sich natürlich Moskau nicht einverstanden 'erklärt und der Kampf dauert fort.
Nach den neueren Meldungen scheint aber auch Polen den Friedensschluß nicht ernst zu neh- 5^1; besonders den polnischen Nationalisten er- Icheint das in Riga Erreichte noch nicht zu genügen. Sie wünschen die Fortführung des Kample. Anscheinend spielen hierbei die russischen ^bolschewistischen Einflüsse erste gewisse Rolle. Vfsiziell leugnet zwar die polnische Regierung die Beteiligung an den kriegerischen Unternehmungen, die nach Friedensschluß fortgesetzt werden,
ab, aber man glaubt Beweise zu haben, daß Warschau mit den „meuternden" Truppen unter einer Decke steckt. Denn General Zelegowski, der bekanntlich Wilna einnahm und dort jetzt regiert, scheint sich General Balachowitsch Hinzuzugesellen, ebenfalls mit inoffizieller Unterstützung Polens. Nach dem zwischen Sowjetrußland und Polen abgeschlossenen Friedensvertrag ist bekanntlich das letztere verpflichtet, keinerlei antibolschewistische Streitkräfte auf seinem Territorium zu unterstützen. Man hätte daher^auch annehmen müssen, daß jetzt die russischen Streitkräfte, die sich auf polnischem Gebiet befinden, desarmiert werden würden. Es handelt sich in erster Linie um die Truppen des Generals Balachowitsch, der seinerzeit an dem Zug des Generals Judenitsch gegen Petersburg teilnahm, später sich jedoch mit Judenitsch überwarf. Balachowitsch, der selbst Weiß- russe ist, gilt für einen der schneidigsten Partisanenführer des russischen Bürgerkrieges- Aus die dringende Bitte Polens, das den General Bala- chowiss nach dem Friedensschluß offiziell nicht mehr unterstützen kann, und beeinflußt durch Sa- winkow, hat sich Balachowitsch bereit erklärt, den Krieg gegen Sowjetrußland auch nach dem Frieden weiter fortzu- führen und jetzt Minsk genommen. General Balachowitsch hat sich vollständig dem russischen politischen Komitee in Warschau unterstellt, dessen Führung in den Händen des Sozialrevolutionärs Sawinkow liegt. In russischen antibolschewisti- schen, ententefreundlichen Kreisen ist man äußerst zufrieden damit, daß es den Polen und Sawinkow gelungen ist, Balachowitsch zu einer Fortsetzung des Kampfes gegen Sowjetrußland zu bewegen. Die polnische Regierung wird, wie gemeldet wird, offiziell Balachowitsch nicht unter- stützen, inoffiziell aber ihm jegliche Hilfe ange- deihen lassen. Im allgemeinen geoemt Mtz polnische fftegterüng'Ä gegenüber M ähnlich zu verhalten, wie dem General Zeligowski gegenüber, der Wilna den Litauern geraubt hat, d. h. tatkräftige Unterstützung unter feierlicher Ableugnung derselben im Falle von Protesten. Sowjetrußland wird also aller Voraussicht nach neben General Wrangel noch General Balachowitsch als Gegner erhalten, sodaß der Vertrag von Riga für Rußland keinen Frieden, sondern neuen Kampf gebracht hat. Dieser Kampf wird von der Gegenseite umso heftiger geführt werden, da man weiß, daß die wirtschaftliche Lage im Innern Rußlands alles andere als rosig genannt werden kann und diese Lage werden auch alle Reden Lenins und Trotzkis oben erwähnter Art nicht zu bessern vermögen.
.Helfin-efors, 23. Okt. Nach den letzten Nachrichten aus Söwsstrnßlcmd sind drei Viertel der Truppen von Petersburg nach der Südfront entsandt worden. Die. Fübrer der Sowjetarmee sind äußerst nervös und geben bei der Auswahl der Offiziere für die Südarmee sehr behutsam vor. Viele höhere Kommandostellen sind mit Unteroffizieren und Soldaten besetzt worden, deren kommunistische Anschauungen außer Zweifel stellen. Die Unterhaltungskosten der Armee müssen von der Bevölkerung getragen werden, wodurch besonders in Arbeiterkreisen große Unzufriedenheit bervorgern^en wird.
Kowno, 23. Okt. Die „Ella" meldet: Es ist festgestellt, das; die polnische Regierung die Truppen des Generals Zelicwwsb, die die litani'che Hauptstadt besetzt battm, eifrig unterstützt. Am 20. d. Ats stellten litauische Flieger fest, daß zwei Züge in der Ricbtmw von Warschau nach W lua fuhren. Sicheren Nachrichten zufolge zählen die Truppen Zeligowikis zwei Divisionen. Ebenso komm n von Warschau Wasien- und Munitionstransporle. An der Fwutlinie wu>den vier Tanks und OänzerautoS festgestellt. Eine Basis für Flugzeuge wird eingerichtet. Die Konzentration Kölnischer Triwven an der litauischen Frontlini» laßt vermuten, daß Die Polen Silagen wieder angreifen wollen.
Moskau, 2N Okt. Operationsbericht der ru'ü- schen Sowjetrepublik vom 21 Okt.: An der K-rcfma und im Abschnitt von Minsk und Sln;k inerten unsere Truppen zwecks Besetzung der laut Friedensvertrag bestimmten Linie umgruppiert. Nordöstlich von Slu l unternahm der Feind am 19. Oktober, um 6 irrn nach: mittags, einen Ausfall gegen unsere Truppen und zwang sie zum Rückzüge. Südfront: Im Abschnitt er Eisenbahnstation Sinelnikowo führte der Fein^ nnitr Deckung von vier Pauzerzügen einen Angriff am die Station Sinelnikowo aus. Der Angriff wurde zurückgeschlagen und der' no zum Rückzug gezwungen.
Konstantinopel, : >. Okt. Nachrichten au; amerikanischer Quelle zufolge hat die Sowjetregierung der armenischen Reg erung einen Waffenstillstand und die Zurückziehung der Truppen von der armenischen Grenze vorgei -gen unter der Bedingung, daß Ar- menien mit Sowjetrußland in enge Beziehungen trete.
Der ReM-stags-räfr-enr über MeSage
Der Präsident des deutschen Reichstags, L ö b e, äußerte sich gegenüber stym Vertreter der Schweizerischen Depefcheuageniur über die innere Lage folgendermaßen:
Soweit sich heute die Lage übersehen läßt, ist vorläufig noch mit dem Fortbestand der bisheri
gen Regierungskoalition zu rechnen, die zwar keine absolute Mehrheit hinter sich hat, aber auf wohlwollende Duldung der Nachbarparteien rechnet. Eine Erweiterung nach rechts oder links erscheint auf absehbare Zeit ausgeschloffen. Der Eintritt der Deutschnationalen in die Regierung würde unser Land zu einem Kampsgebiet nutzen. Der Casseler Parteitag der Sozialdemokraten hat dahin votiert, daß die Zeit für den Eintritt der Sozialdemokraten in die Regierung.noch nicht gekommen ist. Die beiden kommunistischen Richtungen werden sich bald verschmelzen, und die beiden sozialistischen dürsten durch die Verhältnisse bald genötigt werden, gemeinsame Politik zu machen. Aber diese ruhige Entwicklung erscheint durch zwei wirtschaftliche Faktoren gefährdet: Gelingt es nicht, weiterer Arbeitslosigkeit und größerer Teuerung Einhalt zu gebieten, dann können die verzweifelten Massen die ruhige Entwickelung auf das schwerste bedrohen. Verliert Deutschland die Kohlenschätze Oberschlesiens, dann ist nicht nur der Lebensnerv unserer Wirtschaft petroffen, sondern auch die Erfüllung des Versailler Vertrags unmöglich, dann würde die Grundlage für den Wiederaufbau Deutschlands zusammenbrechen.
Der englische Arbetterkonflikl.
Neue Verhandlungen. .
Im englischen Arbeiterkonflikt ist insofern eine Wendung eingetreten, als sich die Regierung bereit erklärt hat in neue Verhandlungen einzntreten, die seit gestern stattfinden. Der Eisenbahnerstreik ist bis auf weiteres verschoben. Von den heute vorliegenden Meldungen seien folgende miebergegehen:
London, 23. Okt. Reuter. Die Vollzugsausfchüffe des Bergarbeiterbundes und der Eisenbabnerverbandes hielten heute eine Beratung ab. Der Vollzugsausschuß des Bergarbeiterbundes teilt mit, daß Lloyd George hm Voch ■; -mu-^ -im mi einer neuen Kopküreiiz ein» ”lWn habe. Die Einladung mürbe angenommen. Der Vollzugsausschuß der Bergarbeiter ersuchte daher die Eisenbahner, den Streik zu verschieben, um die neuen Verhandlungen nicht zu beeinträchtigen. Die Bergarbeiter werden morgen früh mit der Regierung in der Downingstrcct Zusammentreffen. Der Eisen- bafmerstreit ist für die Dauer der Verhandlungen zwischen Regierung und Bergarbeitern auf unbestimmte Zeit verschoben.
London, 24. Okt. Die vier Führer der Bergleute, die sich heute vormittag nach der Downingstreet begeben hatten, verließen um 1 Uhr nach zweistündiger Unterhandlung mit der Regierung das Regierungs- gebände. Aus Anfrage ertsärten sie nur, daß die Verhandlungen weiterdauern werden.
Die Slellnngnahme der deutschen Arbeiter.
.Bochum, 24. Okt. Nach einer heute im „Bochumer Hof" abgehaiteueti Rcvicrkonfe.rnz des Alten Berg- arbeitervcrbande? führte der Vrrbandssckretär Husc- mann aus, daß, Wenn von den englischen Bergarbeilern ein Sympathiestreik der deutschen Bergarbeiter verlangt würde, es noch zu überlegen sei, ob nicht andere Mittel und Wege zur Verfügung ständen. Die deutschen Bergarbeiter wurden aber mit allen Mitteln her» Linkern, daß deutsche Ruhrkoble, bie an die Entente abgeliefert werden muß, nach-England komme. Abe auch in diesem Falle würden sie sich zunächst au die Transportarbeiter wenden. Die Konferenz erhob erner schärfsten Widerspruch gegen die wäbnwitzige Forderung der Per nchtnng der Dieselmotoren, die auch im Bergbau Verwendung finden. In einer Ent- chließung wurde die Aanahmr des Schiedsspruchs, soweit bie Lohnerhöhung in Frage kommt, ausgesprochen. Der übrige Teil des Schieds^prnu>s,/der sich über eine anderweitige R gelang des Ucbcrschicqleuadromuwus überläßt, wurde dnrw die Konferenz abgeiehut. Ferner wurde die Volliozmlisicrung des Bergbaus i ach dem Vorschlag LedererS verlangt.
In dem rbciiiisch - westchluchen Koblengcbict traten in kommunistischen Streifen Bestrebungen hervor, die auf ErKäruna eines Solidaritätsstreiis mit dr» englischen Bergarbeitern abuclen. Wie d e Blätter erklären, scheinen solche Absichten bei den deutschen Bergarbeitern wenig Anklang zu finden.
Korderuttgen der französischen Bergleute.
Paris, 24. Ost. Der Nationalrat der französischen Bergarbeiter hat dem Arbrusmunter und dem Minister für öffentliche Arbeiten stine Forderungen unterbreitet. Er verlangt einen Tageslohn, der fünfmal^ höher ist als vor dem Striege. Der Rationalrat verlangt ein: Antwort bis 5um 30. d. Mts., um gegebenenfalls die Bm vandluugtu über die neue Gehaltsikata mit den Grnbenbesitzren am 2. November beginnen zu tön neu. Am 14. November müßten die Verhandlungen zu Ende geführt sein.
PoMMe TagesberichLs.
— Die Erhebung des Neichsnotopfers. Wie wir an zuständiger Stelle erfuhren, bereiste Unter» staalssekretür Moesle letzthin die Landessmanz- ämter, um die beschleunigte Veranlagung der Besitzsteuern, besonders des Reichsnokopsers in die Wege zu leiten. Da eine gründliche Veranlagung des letzteren Monate erfordern wurde, wird man sich zunächst mit einer vorläufigen Veranlagung begnügest. Ueber die beschleunigte Erhebung eines Teiles des Reichsnotopfers ist noch nicht- entschieden» .
— Der russische Lokomotivenauftrag. Zu dem angeblichen russischen Milliardenauftrag an deutsche Lokomotivfabriken schreibt die Deutsche Derg- werkszeitung: Wir sind in der Lage mitzuteilen, daß diese Meldung insofern den Tatsachen entspricht, daß Verhandlungen zwischen Deutschlant und Rußland wegen Lieferung von Lokomotiven stattgefunden haben. Leider ist nicht damit zu rechnen, daß ein Vertrag in dem obigen Sinne in absehbarer Zeit zum Abschluß kommen wird. Die Verhandlungen waren schon ziemlich wcik gediehen, sind aber dann wieder auf einem toten Punkt angelangt. Es haben sich Schwierigkeiten ergeben, deren Beseitigung nicht in der Macht Deutschlands liege, sodaß ein Zustandekommen des Vertrages für die nächste Zeit aussichtslos erscheinen muß Der Stein des Anstoßes ist hier wiederum der Versailler Friedensvertrag. Aus den in letzter Zeit bekannt gewordenen zahlreichen Bestellungen deuticher industrieller Erzeugnisse von feiten des Auslandes geht hervor, daß man die deutsche Arbeit in der Weltwirtschaft nicht entbehren kann. Die obige Meldung faßt übrigens die Summe der $eträge, die wir b’nn Rußland hätten erlangen können, viel zu hoch. 'Nach unseren zuverlässigen Jnsormativneu handelt es sich um einen Auftrag von 1,8 Milliarden Papiermark oder 180 Millionen Goldmark. Das wäre trotzdem ein gewaltiger Auftrag, der vielen deutschen Arbeitern Beschäftigung hätte geben können.
— .Hochschule für Politik. Die deuticke Hoch« schule für PoUtik in Berlin wu-de Souutaa vormittag in Gegenwart des Reichspräsidenten Eberr im großen Hörsaal der B auakademie feierlich eröffnet. Staatsminister a. T. Drews vom Vorstand der Hock- schule hielt die Eröffnungsrede. Die Kochschnle solle eine neue Schöpfung sein, aber nicht in chauvimfrischen Sinne. Vielmehr werde sie alles, was das Ausland an genietet Werten W bieten ?..'. im Meiste tontet Wissenschaft würdigen. Sie werde nicht eure,.Llia- stälte einfeftfaer 'parteipolitischer Anschauungen sein, sondern Vertreter aller politischer Narteirichtnnge-i fei-n berufen, an ihr zu lehren und zu lernen. Nach weiteren Reden der Reichsminister Simons, Koch und Scholz überbradhte Winiltcrialrat Richter in Vertretung des erkrankten Ministers für Volksbildung, Hä- nisch, namenS der preußi-chen linterrichtsverwästimg die wärmsten Wünsche für die neue Hochschule. Professor Ernst Zäckb, der ebenfalls dem Vorstand der Hochschule angehört, sprach im Schlußwort allen Förderern der neuen Anstalt den wärmsten Dank aus. — Die Vorlesirngcn in her deutschen Hochschule für Politik beginnen am 1. November.
— Streif in einem Berliner Krankenhause. Im Kaiserin Augnsta-Viktoria-Kinderkraukcnhause in Charlottenburg sind die durch Lohntarif angeftedt'n Hrizer, Dienstmädchen, Hausdiener u. L w. unerwartet in den Streik getreten. Wie die „Voss. Ztg." erfährt, war bereits eine Kommission au? Vertretern der Arbeitnehmer und Arbeitgeber zusammcugctrcteu, um über bie Lohnerhöhungen, zu denen die Mittel bereits zur Verfügung gestellt toareu, zu beraten. Ohne die Eut- schkidung abzuwarten, legten d e Angestellten die Arbeiten nieder und gefährderen dadurch das Leben n-cht nur zahlreicher Kranker, sondern beionbcrS aucn durch Ein stellen der Heizung dasjenige zahlreicher neugeborener Kinder.
— Sinowjew und Losowski ab gereift. Dos Mitglied des russischen Exekutivkomitees Sinowjew und der Vorsitzende der russischen Gewerk- schafrZkonmnssion Losowski sind am Sacks tag morgen mit etwa 20 Bolschewistensührern in Begleitung von Adolf Hoffmann vom Settiner Bahnhof über Sattin nach Reval abgereist. Auf dem Bahnhof war neben anderen Kommunisten auch Viador Kopp anwesend.
— Protest; gegen die Ausweisung drr ruffffchsn Delegierten. Die Neukommunisten und Kommunisten veranstalteten gestern vormittag in Berlin in der Neuen Welt und in den Ptzarus-Sälen Versammlungen, die nur schwach besucht waren. Es wurde gegen die Ausweisung der beiden Bolschewistensührer Sinowjew und Lesowe'i protestiert, wobei Säumig und Stecker von den Neukommunisten und Bayer und Walärer von den Kommunisten dem Bürgertum einschließlich der S. P. D. und II. S. P. D. den Kampf bis aufs Messer anfagten. Richard Müller forderte in der Neuen Welt zu tatkräftigem Handeln auf. Allem Anschein nach sei die Ausweisung der Russen auf eine Beeinflussung durch die Enirutevertreter zurückzu- sühren, die nach bem Anichtuß Deutschlands an die Internationale für den VWanv des Ka- pitalisinus fürchteten. Die Bourgeoisie hätte sich jetzt hinter den Gewerkschaften verschanzt. Darum gelte es auch den Kampf gegen die Gewerkschaften. Nachher kam es noch zu erregten Auseinandersetzungen zwischen dewKommunisten und Mitgliedern der K. A. P. D.
— Zu bnt rufsisth chiutsi dien D«rhauS- luugcn Nach einer Havmmciruug beSaoonierte bie äuncsijäw Rrguruug Geuera! Tuhaug und Konsul Tschu, bie in Moskau mit der Sowjeiregicrung ver- banbeln maßen. Beide seien angewiesen, auf dem schnellsten Wege nach China zurückzukehren.
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