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Nr. 249

Freitag den 22. Oktober

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hoben und der von der Staatsanwaltschaft gegen Gg. Möller beantragte Haftbefehl abgelehnt.

Die Wohnung Georg Möllers, die wie oben erwähnt, durch ihre Lage in den meisten Fällen M Schlupfwinkel für die Unterbringung des Diebesgutes bis zu dessen Verteilung diente, suchte sich auch ein ehemaliger Zellengenosse des Möller für die Ausführung eines Betrugsmanö- vers aus. Er wanderte im Juli nach Verbüßung seiner Strafe hinaus zu dem einsam dastehenden Häuschen, stellte sich der Frau des Möller als Abgesandter der Staatsanwaltschaft in Hanau yor und erbot sich, dessen Freilassung zu erwirken, Denn man ihm 3800 Mark auf den Tisch des Hauses lege. Frau Möller, erfreut ob solcher Bot­schaft, zahlte prompt die geforderte Summe, wo- cÄer der Fremde dankend quittierte und ihr noch einen verschlossenen Brief des Herrn Staatsan­walts in Hanau mit dem Bemerken daließ, daß sie ihren Mann gleich mitnehmen könnte, wenn sie. das Schreiben dem Adressaten vorlege. Er ent- semte sich dann schleunigst, während die ^Frau stohgemut nach Hanau fuhr. Hier mußte sie aber zu ihrem Leidwesen erfahren, daß sie das Opfer eines raffinierten Schwindlers geworden war, der ihr für die 3800 Mark lediglich einen mit Papier­schnitzeln gefüllten Brief zurückgelassen hatte.

* Die Heizung in den Eisenbahnzugen. Die Notwendigkeit, den Kohlenverbrauch auf das Aeußerste einzuschränken, gebietet wie in den Vorjahren auch während des kommenden Winters die Heizung der der Personenbeförderung dienen­den Züge weitgehend einzuschränken. Die Heiz- zeit wird, 'nach einer amtlichen Mitteilung der Karlsruher Zeitung" auf die Zeit vom 15. Okto­ber 1920 bis 31. März 1921 beschränkt. Die Züge werden erst geheizt, wenn die Außenwärme unter 8 Grad Celsius sinkt das in den Wogenabteilen früher anzustrebende Maß der Erwärmung von 15 Grad wird auf 1012 Grad Cessius herab- ;esetzt. Von der Heizung der Vorortszüge, Arbei- terzüg«, Triebwagenzüge und der Nebenbahn­züge, deren Fahrzeiten weniger als eine Stunde betragen, muß im allgemeinen vollständig abge- sehen werden. Es wird deshalb den Reisenden empfohlen, sich bei Eisenbahnreisen mit Winter- schutzkleidung, Decken u. dergl. zu versehen.

* Meisterkurs. Der durch eine Bekanntmachung der Handwerkskammer in unserer Zeitung aus­geschriebene Vorbereitungskurs auf die Meister­prüfung kommt für das Winterhalbjahr zustande. Er beginnt am Dienstag den 26. Oktober, nach­mittags 3 Uhr, im Gewerbeschulgebäude in Ha­nau. Bis zu diesem Zeitpunkt werden noch An­meldungen für den Kurs entgegengenommen.

* Die stöbt Kohlenverteilungsstelle macht da­rauf aufmerksam, daß mit dem 31. Oktober ds. Js. der letzte Termin für die Abholung der 5 Zentner städt- Holzes beendet ist. Die bis dahin nicht ab- sehoUen,H, $|ligier^|tto

* Hundrdiebstähle. In der letzten Zeit meh­ren sich die Anzeigen über abhanden gekommene Hunde. Die Täter sind aller Wahrscheinlichkeit nach Hundekenner, da sie sich nur auf bessere Rassen verlegen. So wurde neuerdings aus dem Hause Krämerstraße 16 ein Jagdhund mit schwar­zem Kopf im Alter von 1 Jahr gestohlen. Der Hund hat einen Wert von 1000 Mark.

* Türklinkendiebe. An den Häusern Spessart- straße 6 und Auheimerweg 33 find verschiedene Türklinken abgeschraubt worden. Da die eine Klinke aus Eisen, die andere aber aus Messing bestand, so wurde erstere nachträglich von den Spitzbuben wieder weggeworfen. Der Schaden beträgt 200 Mark.

* Stadttheatcr. Freitag, 22. Oktober, abends 7H Uhr, findet die Erstaufführung des mit großer Spannung erwarteten Trauerspiels in 5 Akten von BrachvogelNarciß" statt- Es ist sehr interessant, einiges über dieses Weck zur Einführung mitzuteilen.Narciß" wurde zu An­fang des Jahres 1855 vollendet und behandelt die ebenso fein erdachte wie ergreifend wirkende Episode aus detsi Leben der Marquise de Pom- padour. Dieses Trauerspiel war jedenfalls der größte Erfolg, den die Tragödie in der Mitte des vorigen Jahrhunderts erlebte, die berühmtesten Schauspieler jener Epoche feierten Triumphe über Triumphe in der Titelrolle. Der erste und er­folgreichste Interpret war der bekannte Ludwig Denoir. Seit dieser Zeit steht das Werk auf dem Spielplane sämtlicher deutscher Bühnen. Man hat Brachvogel oft den Vorwurf gemacht, er hätte sich nicht streng an geschichtliche Tatsachen gehal­ten. Das ist ja wenn es der Fall ist nicht Endzweck und auch nicht Aufgabe eines Dichters- Die Hauptsache ist, daß seine Gestalten leben, wahres überquellendes Menschenleben in sich tragen. Was die Geschichte auszuweisen hat, ist ja doch nur eine ewige Variation der Urideen vom Werden und Vergehen aller Dinge, aller Menschen- Diese an sich ewig unvergänglichen Wandlungen nun in Begebenheiten und Charak­teren abzuspiegeln, ist das höchste Ziel jedes Dich­ters. Und Brachvogel hat diese Aufgabe glän­zend gelöst. Am Samstag, 23. Oktober, nach­mittags 6 Uhr, SchülervorstellungSappho", Trauerspiel in 5 Akten von Franz Grillparzer, Dieser Vorstellung wird bereits das größte In­teresse entgegengebracht. Für Sonntag abend ist eine Wiederholung der Saftigen OperetteEine Ballnacht", Musik von Oskar Strauß, vorge­sehen. Auch diese Vorstellung beginnt um 7)4 Uhr-

Schlesierverein. Der Verein weist nochmals auf die am Samstag, 23- d. Mts- stattfindende Wohltätigkeitsveranstaltung in der Turnhalle, Jahnstraße, hin und macht darauf aufmerksam, daß man sich noch rechtzeitig mit Eintrittskarten versehen möchte, da ihr Abgang ein ungeahnter ist. Dieser Hinweis gilt für alle Freunde und Gönner der Schlestervereinigung, dessen Veran­staltungen so gerne besucht werden. Auch die Ver­anstaltung am Samstag verspricht dem Ernst und der Würde der Sache entsprechend einen erheben­den Verlauf und wird selbst den verwöhntesten Ansprüchen der Teilnehmer genügen. Im übri­gen verweisen wir auch auf das Inserat und das an der Kasse erhältliche Programm- Möge auch hier der altbewährte Opfersinn der Hanauer Bürgerschaft einer guten und gerechten Sache einen erfolgreichen Dienst leisten- Denn nicht allein der Schloss er, sondern auch alle Deutschen haben das größte Interesse daran, daß Ober- schlesten, ein deutsches Land, auch deutsch bleibt und es darf daher niemand ein Opfer scheuen, dieses Ziel zu erreichen. Diesen Zwecken dient

Verband der Geflügelzuchtvereine im Kreise Hanau a. M. Der Meldeschluß zur 4. Vecbands- ausstellung, die vom 6. bis 7. November im gol­denen Stern in Großauheim stattfindet, ist heute am 22. Oktober. Spätere Anmeldungen können keine Berücksichtigung mehr finden, da der Führer bis Sonntag zusammengestellt sein muß und die Ausstellungskäfige nach der Zahl der gemeldeten Nummern beschafft werden müssen. Von den Mit­gliedern des hiesigen Vereins für Geflügel- und Singvögelzucht sind allein ca. 100 Nummern rein­rassiges edles Geflügel gemeldet und verspricht die Schau sich den früheren Ausstellungen würdig anzugliedern. Den Ausstellern winken hohe und zahlreiche Ehrenpreise, da der die Ausstellung

leitende Geflügelzuchtverein von Großauheim von Interessenten und Liebhabern und von den dem Verband angehörenden 15 Vereinen reiche Unterstützung erhält.

* Welch ungeheueren Umfang die Steuer­flucht und die Steuerhinterziehung angenom­men hat, geht aus einer Aufstellung hervor, die die Dresdener Postüberwachungsstelle Heraus- gibt. Danach ist in der Zeit vom April bis September folgendes festgestellt und den zu­ständigen Finanzämtern zur steuerlichen Er­fassung mitgeteilt worden. An verschobenen Vermögen ins Ausland eine Milliarde Kronen, 200 Millionen Mark und 156162 verschiedene Aktien. Ferner an verschobenen Vermögen im Inland 8 Millionen Kronen, 39 Millionen Mark und 5711 verschiedene Aktien. Von all diesen Aktien und Vermögen war der Steuer bisher nicht das geringste bekannt. In derselben Zeit sind von der Dresdener Post und von der Dresdener Ueberwachungsstelle noch Meldungen über Kapital- und Steuerflucht in Höhe von 51 Millionen Kronen, 21 Millionen Mark und 5378 verschobene Aktien, sowie über 547 Waren- verschiebungen nach dem Auslande erstattet. In weiteren 48 Fällen sind dem Reichsfinanz­ministerium Besitzer von ausländischen Wert­papieren mitgeteilt worden. Das ist das Er­gebnis einer einzigen Ueberwachungsstelle wäh­rend eines halben Jahres.

* Konzertverbindung Hanau a. M. Unter» haltungsabend mit Ball. Wir machen hiermit nochmals darauf aufmerksam, daß der Ballabend am kommenden Sonntag, 24. Oktober, in der Centtalhalle pünktlich um 5 Uhr seinen Anfang nimmt. Der Vorstand hat einen kleinen Unter- Haltungstell zusammengestellt, sodaß nachher das Wort Ballabend in diesem Sinne richttg zur Gel­tung kommt. Der Eintrittspreis beträgt 3-25 Mk. inkl. Steuer. Vorverkaufsstellen: Derbindungs- lokalZur Eiche" (Rosenstraße 17), Zigarrea- geschäst Jean Paul (Krämerstraße) und Fahr­radhandlung Heinr. Klüppel (Bangertstr. 11).

* Auf freiem Fuß befindet sich der Metzger­meister W- von hier, nachdem er nur wenige Stun­den inhaftiert 'gewesen ist. Die in Frage kom­menden Vorgänge liegen übrigens mehrere Mo­nate zurück. Herr W. versichert uns, daß in sei­nem Betriebe von dem entwendeten Fleisch nichts verarbeitet worden ist.

* Eine abgefeimte Ladendicbin wurde in der Person der 20 Jahre alten Arbeiterin M. M., Lothringerstraße hier, ermittelt. Bei einem Aus­plündern einer Ladenkasse in der Glockenstraße wurde sie abgefaßt. Das gestohlene Geld in Höhe von 322.50 Mark trug sie auf der Brust. Sie ging bei ihren Straftaten raffiniert vor- Sie begab sich in irgend ein Geschafft machte dort Einkäufe, blieb als letzte stehen, und als der Ge­schäftsinhaber in der Meinung, es sei niemand mehr im Laden, in seine Stube sich begab, ging die Festgenommene an die Lademasst! -jup rxeM sie, worauf die M. in der Dunkelheit verschwand.

* Zwei Ungarn aufgegriffen. Auf dem hiesi­gen Ostbahnhof wurden gestern zwei Ungarn im Alter von 2022 Jahren aufgegriffen, die nur gebrochen Deutsch sprachen. Die beiden Leute waren bis 1918 in französischer Gefangenschaft, arbeiteten dann, nachdem sie entlassen waren, bei zwei Schlossermeistern in Paris. Als die jungen Leute in die Fremdenlegion eingereiht werden sollten, flüchteten sie und begaben sich auf die Heimreise, auf der sie hier aufgehalten wurden, im sie vollständig ohne Barmittel waren. Sie werden von hier aus nach Ungarn befördbrt werden.

* Festgenommen wurde der wohnungs-, ar- beits- und mittellose Arbeiter I. U- aus Plauen, welcher wegen Bettelnz vorbestraft ist, weil er als blinder Passagier die Eisenbechn von WächterS- bach nach Hanau benutzte.

* Central-Theater. Im neuen Spielplan ist einer unserer berühmtesten Schriftsteller Ludwig Ganghofer vertreten. Mit viel Mühe und großem Kostenaufwand ist es gelungen, eines seiner größ­ten WerkeDer Ochsenkrieg" zu verfilmen. Dtr Roman führt uns durch das Berchtesgadener Land und zeigt der Film neben prachtvoller Aus­stattung herrliche Gebirgsaufnahmen, Bauern- aufftände usw. Die Hauptrollen liegen bei Fritz Greiner und Thea Steinbrecher in guten Hän­den, ebenfalls Namen, die für die Güte deS Films sprechen. Weiter steht der große RomanDie Glücksfalle" von Fedor von Zobeltttz auf bem Svielplan Hier ist es gelungen, ein AuSstattungS- werk ersten Ranges fertigzustellen. Die Haupt­rolle haben Lotte Neurnann, sowie Fcl. E- Denver und Karl Beckersachs, beide von ihrer früheren Spielzeit am Hanauer Stadttheater bestens be­kannt, übernommen. Ein Besuch des Unterneh­mens ist empfehlenswert.

* Eine reu» Affenborde im Frankfurter Zoologischen Garten. Der erste, große, deut­sche Affeniniport nach dem Kriege ist kürzlich bei der Tierhandlung von L. Ruhe, Alfeld, ein« oetroffen, ein erfreuliches Zeichen von dem Wiedererwachen des deutschen Tierhandels, bes bis zum Kriegsbeainn bedeudensten der Welt. Die eingeführten Affen, sämtlich junge und des­halb für die Acclimatisation geeignete Exem­plare, gehören durchweg einer Att an und zwar dem in Vorderindien von Bombay und Gudscharet im Westen bis zum Godawari^ im Osten und Himalaja im Norden überall häufi­gen Rh esu s oder Vunder, der in (Europa als Dressur- und Schaustelleraffe am meisten be­kannt war, doch in den Kriegsjahren selten wurde. Nachdem ganz kürzlich in Frankfurt ein Vorläufer eintraf ist nun, nach dem Zustande- kommen eines Tauschgeschäftes mit der Firma Ruhe, am Mittwoch eine Horde von 9 Stück angekommen und hat, wie auch alle anderen Affen der Gartens, im Haus für kleine Säugetiere für bie Winterzeit Quartier be­zogen, da wegen Brennstoffersparnis das Affen­haus, dessen großen Freikäfig sie später beleben soll, zunächst noch nicht wieder geöffnet werden kann. Die muntere Schar der niedlichen Affen­kinder gewährt einen fesselnden Anblick.

* Moderne« Theater. Für die kommenden Tage stehtLepain" auf dem Svielplan?. Ein auf­regendes Abenteuer dieses gefürchteten VerbrechrrkömgS führt ux§ in einer Reihe spannender Szenen von Hamburg nach Amerika. Dieser Film verläßt die schon so viel gebrachte Detektiv-Novelle und bietet eine Reihe ganz neuer Sujet« auf diesem Gebiete. Der weitere Svielplan bringt einen nennenswerten Film Der Erbe vom Lilienbof". Packend und gut durch- inszeniert, bietet derselbe eine verhängnisvolle Erb- iäXU«gcidmW. Das Theiler ist vortrefflich durch gebeizt, sodaß das Programm und der Aufenthalt eine angenehme UnterhaltungSstätte bietet.

* CafS Corsa Corso-Künstlerfpiele. Im Cafe findet heute unter gesanglicher Mitwirkung der Hanauer Künstlerin Fränlein Wally Grämlich ein klassischer Abend statt. In der Diele täglich die Kabarett- Künülerspielc bei erstklassigen Programms.

* Bereinigung von Frauen und Töchtern aller Stände. Nächsten Sonntag Ausflug nach Hochstadt. Gemütliches Beisammensein bei Rauch. Bortrag. Zugebröt Mitnehmern Abfahrt 1.12 Uhr Westbahnbof mit Fahrkarte 4. Klasse. Wer Lust bat kann sich auch der Fußwanderung anschließen, die 1 Uhr 15 Min. ab Kinzigbrücke erfolgt.

* GesangvereinEintracht". Heute abend 111,9 Uhr Singstunde.

gerne »nmiin»Minmi

Die Goldlagerslälten Deutschlands

Portrag gehalten auf der 88. Jahresversammlung der Wetterauischen Gesellschaft von

Dr. R. Bernges.

(Fortsetzung.)

Bei Aldeuberg werden stlurische Schiefer von Porphyren, Diabasen und Olivinkersontiten durchsetzt. In Verbindung mit den Kersanttten stehen Gänge, die AcsenkieZ, Bleiglunz, Zink­blende und Fahlerz führen. Außerdem kennt man jüngere Gänge, die vorwiegend Kupfer ergehen unb auch Arsenkies enthalten. Der Goldgehalt be- Egt in 1 Tonne 16,5 Gramm und tritt gegenüber dem Silbergehalt, der 170,6 Gramm beträgt, sehr zurück, dieses zeigt, daß diese Gänge der jungen Gold- und Silbererzgangsgruppe angehören.

Am Jaucrsöerg bei Reichenstein findet sich das Gold in einer KonÄktlagcrstätte. Der Jauers- berggranit hat die ihn umgebenden Glimmerschie­fer unter starker Turmalinbildung verändert. Der Glimmerschiefer enthält Einlagerungen von Kalk und Serpentin, mit denen Erzlinsen verknüpft sind, die hauptsächlich Leukopyrtt, Löllingtt und Arsenkies enthalten, deren Goldgehalt zwischen 5,2 und 34,89 Gramm in 1 Tonne schwankt. Der Bergbau soll angeblich bis ins 7. Jahrhundert zu- rückgehen und ist sicher sehr alt, nachweisbar wird seit 1270 Gold gewonnen. Im Anfang des 16. Jahrhunderts, als die Fugger daran beteiligt waren, war die Hauptblüte des Unternehmens. 1550 sollen 145 Zechen im Stetrieb gewesen sein, deren Ertrag alsReichensisiner Dukaten" anZ- gemünzt wurde. Mit dem 1565 erfolgten Einsturz des Haupischachtes kam der Bergbau zum Still­stand. Im 18. Jahrhundert wurde er zum Zwecke der Arsengewinnung wieder aufgenom- "ren und seit 1883 werden die Kiesabbrände wei­ter auf Gold verarbeitet. Man gewinnt aus 7,5 Tonnen Roherz 1 Tonne Kiesabbrand, die 20 bis 30 Gramm Gold enthält; 1900 wurden so rund °4 Kilogramm und 1902 46 Kilogramm Gold ge­wonnen. Jährlich werden jetzt etwa 12 000 Tonnen Erz gefördert und auf etwa 10 Jahre ist -Bortat erschlossen.

3m Harz ist das Gold an die dort vorkom-

wenden Selen- und Schwefelverbindungen gebun­den, so z. B. findet sich bei Tilkerode das Gold in Dlättchen, dendritisch oder kristallisiert zusam­men mit Selenblei, Seleuquecksilberblei und Allo- palladium. Am Rammelsberg ist das sogenannte Braunerz", das aus Bleiglanz» Kupferkies, Eisenkies und Zinkblende besteht, goldhalttg. Bei der Verhüttung dieser Erze wird auch der geringe Goldgehalt gewonnen, der nur 0,00005 bis 0,0001 % Beträgt.

Im Thüringer Wald findet sich Gold sowohl in Seifen als auch auf primärer Lagerstätte und seit alter Zeit wurde es gewonnen. Auf primärer Lagerstätte findet es sich bei Steinheid im Quell­gebiet der Schwarza, bereits 1482 wurden dort Gerechtsame zur Goldgewinnung verliehen. Zeit­weise war der (Grubenbetrieb recht stark und man hat berechnet, daß von 15671580 etwa 35 Kilo- grannn Gold gewonnen wurden. Das Gold fin­det sich gediegen als Körnchen und Blättchen in Quarzgängen die kambrischen Tonschiefer Sud Phyllite durchsetzen und die Eisenkies, Arsenfies und Roteisenstein enthalten. Auch bei Reich- mannsdorf hat ebenfalls Bergbau stattgefunden, der ähnliche Quarzgänge au§brütete. Im Granit bei Gladbach fand sich Gold zusammen mit Eisen­glanz und Titaneisenerz und wurde zeitweise ge­wonnen. Nach Zeitungsnachrichten wurde Jim Anfang dieses Jahres in dem Freistaat Neust in einem Granitwerk am Silberberg bei Wuczbach eine Erzader angeschlagen, die hauptsächlich aus Arsenkies besteht und auf 1 Tonne Erz neben 32 Gramm Silber auch 29 Gramm Gold ent­halten soll. Der Bergbau auf Gold soll haupt­sächlich durch die Wirren des 30jährigen Krieges zum Erliegen gekommen sein.

Wichtiger und von größerer Bedeutung war die Gewinnung des Seifengoldes. Die vielen Bäche, die in den eben genannten Gebieten ent­springen, haben in dem Sand und Geröll das Gold des zerstörten Gebirges angesammelt, aus dem es seit dem Anfang des 16- Jahr­hunderts gewaschen wurde. Hauptsächlich im oberen Schwarzatal, in der Umgebuna von Gol- distal, wurde von 15301591 viel Gold ge­waschen, 1530 waren 20 Werke im Betrieb. Die größeren Goldklümpchen, die damals gefunden

wurden, finden sich noch in Form von I Schmuckstücken im Besitz der Schwarz- , burg-Rudolstädter Fürstenfamilie. Später ging | die Ausbeute so zurück, daß der Bettieb eingestellt wurde. Wiederholt wurden mit Staatsmitteln Versuche zur Mederbelebung gemacht, so im Jahre 1696, von 173038, wo aus dem ge­wonnenen Edelmetall die Schwarzburger Dukaten geschlagen wurden, dann von 177074, ferner 1829 und 1859 leider ohne dauernden Erfolg. Ge­legentlich wurde hin und wieder selbst in jüngster Zeit die Gewinnung betrieben, da bei Verlo­bungen der Schwarzburger Fürstensamilic die Trauringe aus einheimischem Gold gefertigt wur­den. Es würde zu weit führen, die vielen Gewässer aus deren Sand Gold gewaschen wurde, alle aufzuzählen, nur fei erwähnt, daß 1687 zwischen Kahla und Jena auch die Saale zur Goldge­winnung benutzt wurde. Ein größeres Stückchen findet sich im Besitz der Jenaer Stadtkirche, wo es an der silbernen Büchse, die zur Aufnahme des Abendmahlbrotes dient, angebracht ist. Die In­schrift:Durch Gottes Segen hat Johanna Strubin, geb. Berlichin, dies Gold aus der Saale waschen lassen" erinnert an seine Herkunft.

Es wird erzählt, daß die Bewohner des Schwarzagebietes nur ungern Federvieh lebend verkauften, da es mehrfach vorgekommen sein soll, daß Gänse, Enten und Hühner in ihrem Magen Goldkörner enthielten.

Von größerem Interesse für uns dürften die Goldvorkommen unserer engeren Heimat des ehe­maligen Kurhessen und des ihm benachbarten Waldeck sein. Es ist hauptsächlich das Gebiet der oberen Diemel und der Edder zwischen Korbach und Frankenberg, wo das gesuchte Metall vor- kommt. Ueber das Alter und den Reichtum dieser Goldlagerstätten gibt es viele Sagen, unter an­derem, daß man früher bei Goldhausen in Wal­deck dieses köstliche Metall in Platten und Blechen gefunden hatte und daß bie Frankenberger Gold- wäschereien bereits zur Zeit Karls des Großen eine erhebliche AuSdebnuna gehabt, ia selbst bie Ursache zur Gründung dieser im frühen Mittel­alter bedeutenden Stadt gewesen seien. Es echt aus diesen Erzählung? - hervor, daß wir es hier mit einer sehr alten Gewinnung zu tun haben.

Als primäre Lagerstätte des Eddergoldes gilt der Eisenberg südlich von Korboch. Er besteht aus grauwackenähnlichen Tonschiefern des Kulm, die Schwefelerze in feiner Verteilung enthalten. Seit dem Jahre 1308 ist der Goldbergbau dort bezeugt, doch ist er wahrscheinlich viel älter. Ueber die Ergiebigkeit sind wenig Angaben vorhanden, 1560 wurden aus dem Goldberg bei Korbach noch etwa 6,3 Kilogr. Gold gewonnen. Dem früher er­wähnten Mineralogen Agrikola war das Vor­kommen bei Korbach ebenfalls bekannt, denn er spricht in feiner 1546 erschienenen Schrift:De veteribus et novis metallis", vonGoldgängen" zu Korbach, eine Angabe, die leider ungenau ist, in der gleichen Schrift weist er noch auf den Gold­gehalt des Eddersandes hin. Bei Frankenberg zeigen sich ähnliche Tonschiefer wie bei Korbach. Größere Bedeutung als das Berggold hatte auch hier das Seifengold. Es würbe von Frankenberg iKginnenb bis nach Felsberg aus dem Eddersand gewaschen und wird der Edder auch durchs die Aar, einem von Norden herkommenden Zufluß, zugeführt. Das Gold bildet meist runde seltener längliche sehr dünne Flitter und Blättchen, die unter dem Mikroskop aus aneinanderhänarnden Kügelchen zu bestehen scheinen. Die hessischen Landgrafen ließen anscheinend erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts die Eddersande auf Gold waschen. Aus dem Jahre 1675 ist eine Urkunde erhalten, aus der wir den Gehalt sowie die Art der Gewinnung erfahren und die hier mitgeteilt sei.Dieses vön

Goldt undt Silber vermischte Korn, am Gewicht Ein und % Quent, ist von dem letztem in zweyen saßen, jedes einer Heringstonne groß, undt beyde zusammen im gemüht ohngefehr auf 6 Centner schwer angeschlagen, anhero gebrachten Eber Sand (welche vermittelst Quockstlbers in der Gekrotsmühle gemahlen) ausgebracht worden. Cassel, den 7. 8bris Aa 1675. Und nachdem sothanes Korn in Aouafort (Salpetersäurei ge­schieden, ist an Ducatengolde darvon verblieben, wie hierbei) gedruckt ä ThlZ- Item an feinem Silbers % Grs- Uhrkundt dieses Cassel am 8. 8bris 1675. Ich. Georg Bittner. Gold- und Silberkorn find beide mit Waebs neben den Gewichtsangaben angetittet. (Schluß fokgftj ;