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(EinrürfunosgebubrLDieSneip.RotoneUeileob. deren Raum t. Mk., die tgeiv. Zeile i. Reklame- teil 3. Mt.. 25cir Teucrungszuickl. Onerigevüvr 30 Pig. Bezuas vreis: Viertel iübrlick 12.9*> Mk., monatl. 4.30 Äck.. für Postbezug vierteliäbr!. 12.90 Mark, monatl. 4.30 Mt. Die Nummer 20 Pfg. Poktickeck-Konto Nr. 26659. Frankfurt a. M.

Berlagsleilung' Ad. Jndermühl«.

Derantwortlick. tür politischen und allgemeine« Teil Rick. Hul tick, für lokalen und ptooinsteUen Teil iproie Sport 'M Moritz, für Anzeigen und Reklamen A. Brodt. alle in &anau a. M.

Rotationsdruckd.Waiienbausbuckdruckerei Hana« Fernivreckanicklüsse Nr. 1237 und 1238

Sir. 247

MMwoch den 20. OMvSer

1920

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KBS

Das Neueste.

In der gestrigen Reichs^agssitzung wurde hie Verlängerung des Gesetzes über die Beschäf ngung Schwerbeschädigter in allen drei Lesungen angenommen.

Dem Reichstag ist eine Denkschrift über den oberschlesischen Aufstand zugegangen.

Der holländische Kommunist Gorter richtet eine heftige Anklage gegen ben' Bolschewismus, Rußland und sein Vorgehen.

- Nach einer Meldung aus Moskau haben die Sawjcttruppen einen großen Sieg über Wr -ct errungen.

In Bezug auf den englischen Bergarbeiter- streik ist man der Ansicht, daß er nicht lange dauern wird.

Aus Athen wird gemeldet, daß die Re­gierung beschlossen habe, im Falle des Ablebens von König Alera'ftec die Krone seinem Bruder Prinz Paul anzubieten.

Das gefesselte Italterr.

Die Süd'tirolerIndustrie- und Handelszei­tung" veröffentlicht einen Aufsatz aus der Feder Luigi Cattaneo in Rom, der über Lage und Stimmung in Italien interessante Aufschlüsse gibt. Cattaneo schreibt unter der Ueberschrift Das gefesselte Italien":

Es gibt in Italien Millionen Menschen, die sich von der geographischen Lage Südtirols und von den ethnographischen Verhältnissen in den neuen Provinzen überhaupt keinen Begriff machen können. Das große Fiasko der italienischen Re- gierungspolitik in den neuen Provinzen findet einen schlagenden Beweis in der Jnteresselosig- deutschen Bevölkerung an dem Schicksale

der deutschen Südtiroler an der wirtschaftlichen Zukunft des Staates, geschweige denn das pri­mitivste Zeichen von Sympathie der neuen Staatsbürger für das Königreich, dem sie nun­mehr angehören, registrieren. Man kann es den Südtirolern nicht verübeln, wenn sie sich unter dem neuen Regime nicht glücklich fühlen. Lassen wir bie ausschlaggebende nationale Frage ganz außer acht und denken wir nur an die wirtschaft­liche Seite der bevorstehenden Annexion. Selbst auf diesem Gebiete steht Italien mit leeren Hän­den da. Allerdings kann es seinen Bürgern als Morgengabe bieten: Einen Bausch Steuer- bogen und englisch - amerikanischen Schuldver­schreibungen; denn auch Südtirol lebt seit dem Waffenstillstände von der Gnade der zwei pluto- kralischen Nationen. Trotz allem erhoffen sich weite Streife des italienischen Volkes, denen der Krieg und seine Folgen die Augen geöffnet hat, gerade von den Deutschen *in Südtirol und ganz besonders von der deutschen Geschäftstvelt eine wertvolle Mitarbeit am Wiederaufbau des Staates und an der Befreiung aus ver wirtschaft­lichen und finanziellen Bedrängnis, in die Ita­lien durch den Krieg und nicht zuletzt durch die Skrupellosikeit seinerFreunde" geraten ist. Deutschsüdtirol bildet den Korridor zum großen deutschen Märkte, den Italien nicht missen kann, sei dem wie es wolle! Wie Polizisten geben die mit uns verbündeten Staaten acht darauf, daß unsere Beziehungen zu Deutschland nicht freund­licher und inniger werden als es der hohe Rat erlaubt. Und wir, verschuldet bis über die Ohren an unsere Kriegsgenossen, müssen dem Winke ge­horchen, sonst wird die Schlinge fester gezogen, die uns um den Hals gelegt wurde. Wer die italienische Handelsbilanz der Vorkriegszeit mit der heutigen vergleicht, sieht auf den ersten Blick die furchtbare Ausbeutung des Landes durch Eng­land und Amerika. Gegenüber dem Jahre 1913, wo unsere Handelsbilanz mit rund 1 Milliarde Mfib war. Hat sich die Lage während und nach dem Kriege um das Zwölffache verschlechtert und heute übersteigt die Einfuhr um rund 12 Milliar­de." jene Werte, die wir ausführen. Davon zahlen As- jährlich 10 Milliarden an England und Amerika, während uns diese Staaten nur um wenig mehr als 1 Milliarde Waren abkaufen. ^talccn hat sich redlich bemüht, seine Ausfuhr , den Ländern, von denen es so viel beziehen wuß. zu steigern, aber diese Bemühungen schei- iertcn an dem Widerstände der englischen und merikauischen Handelswelt, aber auch an den zegierungen, die die italienische Wareneinfuhr in einer Weise begünstigen. Italien wird von ,Freunden" nur als AuZbeutungsob-ckt -rächtet. So lange die Lira überhaupt noch nigen Ncrt hat, wird man uns großmütig das teure Getreide, Kohle und Rohstoffe liefern. a^Cr--l Das Traurig'!« an dem leider kei^-Zählten Lose Italiens ist die Unmöglich- sich aus der Zwangsjack« zu befreien, in die

es die Alliierten gesteckt haben. Italien hat seine Selbständigkeit und sein Selbstbestimmung-recht verloren! Es ist unstet geworden und tribut- und gefolgschaftspflichtig denjenigen, denen es die Blüte seiner Jugend geopfert hat.

Die Mißstimmung der öffentlichen Meinung in Italien gegen die Vergewaltigung des Deut­schen Reiches durch Frankreich und England ent- svriugt dem Gefühle der eigenen Schutz- und Wehrlosigkeit. Und dem Gefühle, daß das neu- erstchende Deutschland unsrem Lande die Festein löfen helfen wird, die uns die Bewegungsfreiheit rauben Es »haben nicht alle den Mut, das offen einzugestchen, aber alle glauben an ein wirtschaft- lich>'S Zusammenarbeiten mit dem Deutschen Reiche in naher Zukunft. Italiens Hoffnung ist der Crien* mit seinen unerschöpflichen Reich­tümern. Wir erwarten daher von dem neuen Deutschland eine Unterstützung unserer Orient- Politik, die nicht zum wenigsten im eigenen Jn- tereste Teutichlands liegt. Der RufLos vom Westen" erschallt in Italien immer lauter und eindringlicher und im gleichen Maße wächst der Wille zur Wiederherstellung des vorkriegszeitigen Freundschaftsverhältnisses mit Deutschland. Daß wir nunmehr einen kleinen Teil des deutschen Volkes innerhalb Italiens haben, könnte dem itaftenisch-deutschen Einvernehmen viel nutzen, wenn es unsere Regierung verstünde, sich das Vertrauen und die Sympathie der deutschen Be­völkerung von Südtirol zu erwerben, auf daß diese uns ein Helfer werde bei der Wiederver- söhnung der beiden großen Nationen."

Die Schriftleitung derIndustrie- und Han- HandelSzeitung" bemerkt dazu:Wir Südtiroler werden der deutsch-italienischen Freundschaft, von der allein wir unsere Freiheit erhoffen, kein Hindernis bereiten. Nicht nur das gefesselte Jta-

RuG ,Su via dall'Ovest!

stimmen wir gerne ein. Schade, daß er um fünf Jahre zu spät erschallt."

Zur SoZiKlrsrsruugsfrage.

Beachtenswerte Worte über die Sozialisierung.

Der Präsident des Reichswinschaflsrats und Vorsitzende des Sozialisterungsausschusses im ^tei^swirlschastsrat Urtterstaalssekretär a. D- Edler v- Braun sprach in Hamburg im Bund für Gewerbe, Handel und Industrie über Deutschlands wictschaftttche Zukunft. Er schil­derte die trostlose Finanzlage des Reichs und die beschleunigte Verschuldung an das Ausland, wo­bei er die Angabe der Regierung, unsere Han­delsbilanz sei adiü geworden, für unrichtig er­klärte, auch sei die Aufstellung der Regierung über Ein- und Ausfuhr anfechtbar. Er meinte, die gesamte deutsche Einfuhr würde wohl im nächsten Jahre einen Wert von 100 Milliarden Mark er­reichen, während die Ausfuhr über 20 Milliarden Atark nicht hinauskommen dürfte. In solcher Lage könnten die Sozialisierungsfor- derungen nur neue Enttäuschun­gen bereiten. Die Sozialisierung sei im Grunde nur eine verewigte Zwangswirtschaft, und die Sozialisierung des Kohlenbergbaues bedeute nur den ersten Schritt auf der schiefen Ebene. Für den Bergbau würde die Sozialisierung die Stol)= lenförderung nur vermindern. Sie sei geeignet, aus dem Bergbau dieselben Defizit- unternehmungen zu machen, wie es schon mit unseren Verkehrsanslalien geschehen sei. Beide Po. schlüge bei. Sozialisierungskommisston seien als volkswirtschaftliche Unmöglichkeiten abzu- lehnen. Der Rathenau'sche Plan, die Soziali­sierung erst in 30 Jahren voll durchzuführen, würde wie ein Damoklesschwert wirken, jede Un­ternehmungslust ersticken und das Kapital von einer Beteiligung am Bergbau avschrecken. Das Reich müßte gewaltige Zuschüsse leisten und würde sich dadurch selbst seinem finanziellen Ruin überantworten, wenn man bedente, .daß schon die andern großen Reichsbetriebe ungeheure Fehlbe­träge wegen ihrer unwirtschaftlichen Behandlung bringen. Der Redner meinte schließ!.ch, man sollte den Arbeitern goldene Brücken zur Umkehr ^auen, damit das Bock aus dem uns zerfleischen­den Doktrinarismus und Wirtschaftswahnsinn sich wieder herausfinde. Diegoldene Brücke" erblickt Herr v. Braun darin, daß die Arbei­ter irgendwre an den Vetriebser- g e b n i j f e n beteiligt würden. .Neben den Arbeitern sollte das Reich an den Betriebs ge­winnen beteiligt werden an Stelle der heutigen unhaltbaren Steuersysteme. In solchem Rahmen liege die segensreiche Form der GemetN- Wirtschaft Werde dann ras Genre nfchafls- - gefühl im gamen Volte wieder geweckt, dann wäre auch an einer bessern Zukunft Deutschlands i nicht mehr zu zweifeln. * *

Gegen die Sozialisierung des Bergbaues.

Der Verband oberer Bergbeamten (Mitglie­der sind in der Hauptsache die Betriebsführer und Fahrsteiger der Zechen), dessen Mitglieder durch langjährige Tätigkeit als Bergarbeiter und Beamte mit den Verhältnissen des Kohlenberg­baues aufs innigste vertraut sind, hat in Us Sozialisierungsfrage nach eingehender Beratung eine Entschließung angenommen, in der es u. a. heißt:

In den bisher bekannt gewordenen Vor­schlägen zur Sozialisierung erblicken wir keine Gewähr für die Möglichkeit der Hebung und <ktBilligung der Kohlenerzeugung. , Nach unse­rem sachverständigen Urteil sind wir vielmehr der Ueberzeugung, daß die Durchführung eines dieser Vorschläge unbedingt den Rückgang der Förde­rung und Erhöhung der Erzeugungskosten zur Folge hat. Die Sozialisierungskommisston er­kennt die Unterlegenheit des Staatsbergbaues gegenüber dem Privatbergbau an, durch ihre Vorschläge werden den bestehenden Nachteilen weitere hinzugefügt. Wir halten es für aus­geschlossen, daß bei Durchführung eines dieser Vorschläge die Initiative des Unternehmers und die Arbeitsfreudigkeit der leitenden Beamten mit in den sozialisierten Betrieb hinübcrgenommcn werden können; ebenso ist eine Steigerung der Arbeitslust der Arbeiter nach unseren Erfahrun­gen nicht zu eiwarten. Der zu erwartende Miß­erfolg der Sozialisierung wird bei der Masse eine größere Enttäuschung und Beunruhigung hervor­rufen als selbst ihre Ablehnung.

Von der Reichsregierung erwarten wir be­stimmt, daß in Zukunft bei der Beratung solch wichtiger Fragen, wie sie die Sozialisierung dor- stellt, Sachverständige aus unseren Kreisen hin- zuge'ogen werden, da wir als Oralster, welche

^zx^L-Ilrtternebnzern und Arbeiiern siehen,

iL^^Mlch>LL1-llLL^chlM . Unteryeh mern und Ar veitern stehen,

Odilanb. In ben in erster Linie zur Abgabe eines sachverständigen (Los vom Westen) Urteils berufen sind.

Urteils berufen sind.

Schiedsspruch im Ruhrbergbau.

Vom NcickSarbeiiSmmlstenum wird uns mitgeteilt

Jm NcickSarbeitsmimsterium tagte am gestrigen Diens­tag untT Leitung des Ministcrialrats Dr. Sitzler der mir Regelung von L o b n st r e i t i o k e i t e» im Rudrbcrgbau entgelte SchlichtungsanSschuß. Als Beisitzer nahmen der preußische Minister res Innern 2 e ü e r i u g und der Vorsitzende des Reichskohlen- verbandes Ge>-eralkirektor Si ö n g e t e r te L Der Lchlichtungsausschuß fällte nachstehenden Schiedsspruch, zu dem die Parteien bis zum 30. Oktober endgültig Ste Omg nehmen werden:

Die Löhne werden mit Wirkung vom 1. Oktober 1920 ab um 2 Mark für die Schickt für die untere üdi'ch Beschäftigten und um 25 Peumg für die Stunde für die Arbeiter über Tage erhöbt. Für die Arbeiter unter 20 Jahren betrügt die Erhöhung die Hälfte dieser Sätze. Verheiratete Arbeiter und alleinige Er­nährer ihrer Familien im Sinne des Paragravhen 8 Absatz 3 des Tarifvertrages erhalten vom 1. Oktober ab ein HausüandSgcld von je 3 Mark pro Schicht, caS nach den Grundsätzen des ütiubergelbcS behandelt wird. Das Kindergeld wird um eine Mark pro Schicht unb Kind eiböut. Die Einzelheiten der Durchführung sind in der Arbeitsgemeinschaft zu regeln.

Obgleich der SchlichtungsanSschuß davon überzeugt ist, daß der Bergbau an der Grenze seiner finanziellen Leistungsfähigkeit augelangt ist, hat er es trotzdem für notwendig gehalten, den Bergleuten noch einmal eine Lohnerhöhung zuzusvrechcn. Er ist sich der großen Tragweite b:e"er Erhöhung für das gesamte Wirt- ict)a;t§leben von bewußt, das bannt eine neue jchwcre Belastung zu tragen haben wird. Von ben Berg­leuten ermattet der Scklichtilngsaiissckuß, daß sie ihrer­seits an der Verringerung vieler Lasten nuthellen, in­dem sie in eine produktivere Geu^tung der Ueber« schichten einte.lugen. Die vorteilhafte e und für den Bergbau gemubheitlich zittrüglich.e Gestaltung der Ukbcn'chichteu erblickt Der SchUchumgSausfehuß darin, daß Die jetzt verfahrenen bei Den backen Ueberschicht in Der Woche durch Anhängmig an Die tägliche normale Arbeitszeit auf Die ganze Boche vertritt werden, oocr Dau unter Frei anung des SamSlagS von Der Ihtber« arbeit sich Die Ueikratbcu an Den anderen Tagen Der Wo.ae eiitjp'.cchcna verlängert. Der Schick).N!li,saus- lauig empiielllt Der Regierung, Die Bedenken der Berg­arbeiter gegen eine derartige Regelung durch Die gesetz­liche eyeitlegung einer ^ö^iiarDe.tsjeit zu beseitigen. Soweit nicht auf tattern Dvcr einem alckeren Wege eme Berrmgeiuirg der Sclb>.kosten des Bergbaues 4u er« ielen ist, wird eine ^ryouung des «oiiKnpieiie» bie nnvcriue.Dliüje Foi^e Der Lo.,ncrhöhuilg ;etii müssen.

Leuifcher Aerchsrag.

(Sitzung von D.enslag, 19. Oktober.)

Präsident L^b e eröffnet die Sitzung

3% ugr. Das Haus ist nur schwach besetzt, Tribüiien da^egeil sind ziemlich gesüut. Der Piä- fibent genenti vor Eintritt in die Tagesordnung der schweren Stunden, öck unsere Vottsgenossen

um die

in OverschIejien wägend der Pau.« _ der Re. .tag>.De.l-andiungcu durchma^en mußren, uno .n teilen ge schwer unter polnischer Willkür gelitten haben. Aber sie haben Treue zum deut­schen Laterlande gehalten. Das gibt uns die

Hoffnung, daß sie uns auch weiterhin die Treue halten werden. Gegen die polnischen Bestrebungen, die Volksmeinung in Oberschlesien durch Fälschung zu beeinflussen, hat die deutsche Reichsregierung bereits protestiert. Der Reichstag schließt sich die­sem Protest an. Ueber die Frage der Diese l'- Motoren wolle er heute nicht sprechen, da der Reichstag binnen kurzem Gelegenheit nehmen werde, diesen Anschlag auf ein arbeitendes Volk zurückzuweisen. Mit Genugtuung lenke er ben Blick auf Körnten, das soeben Zeugnis für ras deutsche Vollstum und für ein noch ärmere? Staatswesen als wir es sind abgelehnt hat. Alle diese Abstimmungen im Osten und Süden be- icikn doch nur den Tag vor, an dem endlich alle Hemmnisse beseitigt werden und dem ganzen Volk o,e Freiheitsstunde schlägt-

Zur Geschäftsordnung beantragt Abg. Lebe« b o u r (U. S-), einen heute eingereichten Llntvag Adechold noch heute mit auf die Tagesordnung zu setzen, in dem gegen dieAusweisunadcr Sowjetdelegierten Sinowjew und Lo- sowski Protest erhoben und die Regierung aufge- forbert wird, bie Ausweisungsverfügung sofort aufzuheben. Abg. Schulz-Bromberg (bnatL) erhebt dagegen Einspruch. Selbstverständlich sei sich die Mehrheit des Hauses darüber klar, daß diese Ausweisung so schnell wie möglich durchge­führt werden müsse, aber ck eilig, wie Ledebour die Sache darstelle, sei sie Ach nicht. Präsident 2 ö b e. erklärt, infolge dieses Widerspruchs könne der Antrag Aderhold heute nicht auf die Tages­ordnung kommen, werde dafür aber morgen zur Erörterung gelangen.

Das Haus tritt sodann in die Tagesordnung ein, nämlich dieErledigungvonAnfra» gen. Auf eine Anfrage des Abg. Kahl (Vpt.), ob die Regierung im Hinblick auf die Verordnung der Rheinlandkommission, die das fekkt. Lr^DLrV Fla^« ^pn eupe^lZ Stün­den vorher erstatteten Anzeige abhängig macht, bereit sei, für das Hissen der ftanzösischen Flagge die gleichen Vorbedingungen zu fordern, erwidert ein Regierungskommissar: Allerdings hat die Rheinlandkommission für das Wissen jeder Flagge eine vorherige Anmeldepflicht von 48 Stunden vorgeschrieben. Da die Regierung hierin einen Angriff auf ihr Bestimmungsrecht sehe, habe sie die Aufhebung dieser Verordnung beantragt. Auf eine Anfrage des Abg. Mumm (bnatl.) wegen des Auftretens der russischen S o w - jetpcopaganda in Deutschland, wäh­rend der Heimtransport unserer Kriegsgefange­nen in Rußland verweigert werde, entgegnet ein Regierungskommissar: Der Heimtransport unserer Kriegsgefangenen ist schon eingeleitet und wird hoffentlich noch vor Beginn des Winters durch­geführt sein. Auf eine weitere Anfrage des Abg. Mumm wegen Zulassung auslän, bischer Filmerzeugnisse, während eine Ausfuhr deutscher Filme vom Ausland durchweg nicht gestattet werde, entgegnet ein Regierungs- kommissar, daß auch deutsche Filme ins Ausland gehen und die Einfuhr ausländischer Filme nur 15 Prozent der Ausfuhr deutscher Fftme aus» mache. bestehe somit keine Veranlassung zur Erhöhung des Filmzolls. Auf eine Anftag« des Abg. M u m in wegen*er Zulassung des niert fachmännisch vorgebildeten Dr. Löwenftein zum Stadtschulrat von Berlin erwidert ein Re­gierungskommissar: Da die Bestätigung Dr. 25» wensteins durch den preußischen Oberpräsidenten noch nicht erfolgt ist, hat die Reichsregierung keine Veranlassung zu einer Stellungnahme.

Nach der Erledigung einer Reihe kleinerer Rechnungsetats schreitet das Haus zur Beratung der Vorlage über die Verlängerung des Gesetzes über die Beschäftigung der Schwer-» kr i e gs bc sch ä d i g te n. Abg. Mumm (dn.) bittet mit Rücksicht auf die Wichtigkeit der Vor­lage die 2. und 3. Lesung gleich heute zu erledigest. Das Haus stimmt dem zu und nimmt die Vor­lage in allen drei Lesungen an.

Ein Währungs- und SteuerauSschuß.

Berlin, 20- Oktbr. Die Mitglieder des Reichs» wirtschaftsrates Beckmann, Aemhard, Janjen, soffen Krüger und Fürstenberg stellten den Ein­trag mit Rücksicht auf bie fortschreitende Zer­rüttung der deutschen Währung durch die system­los» und preistrewenbe Papiergeld»utschaft des Re.chcs nun mit W ct . ; auf d e unbefriebigen« den Ergebnisse der Reichssteuergesetze sofort einen Währungs- und Steuerausschuß einzusetzen, dem folgende Aufgaben zufallen sollen: Vereinfachung des Stcücreckzuges und Reformen der Steuer­gesetzgebung. Sicherung der Kaufkraft des Geldes in: Jnlande, Maßnahmen vorzuschlagen, die ge- c gnet sind, die Währung des deutschen Geldes m Auslande zu bessern und zu stabilisieren.

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