EinrLckungsgebübr:Die3geiv.KoloneIzeileoÄ. deren Raum 1.— Mk., die 4cieio. Zeile i. Reklame- teil 3.— Mk.. WO^Teuerungszuschl. Onertgevübr 3ttPsg.Bezuasvreis:Vierteliährlick 12.9(1 Mk.. monatl. 4.30 Mt.. für Postbezug viertelüibrl. 12.90 Mark, monatl. 4.30 Mk. Die Nummer 20 Pig.
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Rotationsdruckd.Waiiendausbuchdruckerei öanan Fernivrechanicklüsse Nr. 1237 und 1238
Nr. 246
Dienstag den 10. Oktoder
1926
«LÄQ
Das Neueste.
— In den österreichischen Wahlen zur National- »ersammlung hat sich eine Rechtsentwicklung bemerkbar gemacht.
— Die Linksparteien protestieren gegen die AuS- weisung Sinowjcws und Losowslys.
— Der engtiiche Bergarbeiterstreik lahmt Handel und Industrie.
— Bei einer ArbeitSlosendemonstration in London kam es zu blutigen Zusainmenpößcn.
Drei Feinde.
„Wenn Deutschlands Jugend untergeht, ist Deutschland geliefert!" Dieses Wort, gesprochen von Professor S ch l a r b in der Donnerstag- versammlung in der „Ceutralh^lle", sollte von allen, von den Erwachsenen, wie von der Jugend, gehört werden. Wir Deutschen sind immer ein lehrhaftes Volk gewesen, stark in der Theorie. Darum galt in der Welt das Wort: Germania lehrt! Auch der beispiellose Ausstieg unseres Volkes in wirtschaftlicher Hinsicht war am letzten Ende ein Werk des berühmten „Schulmeisters von Königgrätz". Unsere Jugend, unsere Zukunft! Wie oft ist dieses Wort in den Schulen, auf den Rednerpulten, auf den Kanzeln nicht lehr- und ernsthaft behandelt worden! Wie aber ist man mit unserer Jugend, die unsere Zukunft ausmacht, während der Revolution und später umgesprungen? Zunächst waren es vorwiegend Jugendliche, die man auf die heimkehrenden ergrauten Frontkämpfer hetzte, die ihnen die Achselklappen, die Kokarden und die Waffen entreißen mußten. Ein unendlich trauriger und beschämender Anblick? Dann führte man die Jugend,
sein soll, auf die Straße und auf MDarcikaden- Wer die Jugend kennt, der weiß, daß ihre leicht begeisterten Herzen immer dem radikalsten Redner zuftiegen, der die stärksten Worte findet. Die Männer der Straße, die Männer am Rednerpult wurden die Vorbilder unserer Jugend. Wissen, Können, Erfahrung und Tinsicht des Alters: alles das sollte aus dem Leben unseres Volles ausgeschaltet werden! Die Seele der Jugend wurde vergiftet, eine bitter- bofe Saat wurde gestreut, die zum Teil aufgegangen ist und ihre Blüten trägt. „Das Herz schmerzt einem, wenn man sehen muß, wie die Jugend in der Straßen- oder Eisenbahn aus der Schultasche Schundhefte statt Lehrbücher herausziehen und diese mit feurigen Augen liest", so sprach Pros. Schlarb und jeder von uns wird ihm beistimm^l, daß diese Art Jugend nicht in der Lage ist, unser Deutschland zu heben. Die Ereignisse auf der Straße haben die Jugend zum Lesen der schaurigen Geschichten angefeuert. Stadt und Land ist überschwemmt mit dieser Schundliteratur, die geradezu verheerende Wirkungen, die sich auf das ganze Seelenleben der jugendlichen Leser, erstreckt, die der Lektüre anheimgefallen sind, mit sich bringt. Die Schundliteratur wirkt wie ein schleichendes Gift im Volkskörper und vernichtet in den jungen Menschenherzen die Keime des Guten und Schönen. Die Phantasie überhitzt sich, die Jugend findet ihren Reiz im Abenteuerlichen und Abnormen, das den Maßstab für die nüchterne Wirklichkeit verloren hat, das nicht mehr den gesunden Sinn besitzt, zu unterscheiden zwischen Selstzucht, ernster Pflichterfüllung und gespreizter Groß- Mäuligkeit, zwischen Gut und Böse. Hier einzu- greifen ist unseres Volkes, das oer „Denker und Dichter", Aufgabe, denn geht „Deutschlands Jugend unter, ist Deutschland geliefert". Des- balb gewacht vor dem Jugendparadstes wie einst der Cherub mit flammendem Schwert vor dem Menschheitsparadies.
„Wucher ist der Stand genannt, der verschlinget Leut und Land", heißt ein altdeutsches Wahr- ^t in „Freidanks Bescheidenheit", und dieses Wort hat sich zum Teil erfüllt und scheint sich «uch weiter erfüllen zu wollen. Der Wucher war ^rtf der, schlimmsten Begleiterscheinungen des Sieges, die furchtbare Verheerungen in unserem olle au gerichtet hat und zwar wirtschaftlich und Moralisch. Man donnerte von allen Redneipul-
gegen ihn, das Volk ballte in verhaltenem,Jn- gcunm die Faust in der Tasche und rief nach Liaatshilfe — aber vergeblich! Dem Wucher, ver sich oi§ erster über die Staatsautorität hin- w-gsetzte, der bie Notlage unseres Volkes aus- isutzte, das Volk ausbeuteie, folgte das gemalt-, - -w Verbrechen. Wuchergewinn und Raub j Wdvn zu Verbündeten wider Recht und Gesetz,
Staat und Obrigkeit. Die Sitten te: wil- Wuen immer mehr und mehr, Treu und Glau- schwanden, unser Volk befand sich auf dem des sittlichen Niederganges, den es fortge- ichntten ist, bis zum heutigen Tage! Wucher-
und Schiebectum nagen an unserem Volke, und wenn diesem nagern nicht baldigst ein Ende bereitet wird, so ist es um uns geschehen. Wie sagte Professor Schlarb? „Laßt ab von dem Wucher- und Schleichhandelsgeist, er führt das deutsche Volk ins Verderben! Deutschland kann nur geholfen werden durch einen starken Opfer- willen und durch eine hingebende Liebe!" Folgen wir dieser Mahnung nicht, dann droht uns das gleiche Schicksal der Verelendung, das über Rußland hereingebrochen ist, denn Wucher- und Schiebertum ruft im Volke Unzufriedenheit und Haß hervor und diese.beiden Elemente bedeuten große Gefahren für uns. Nur wenn wir allesamt von dem einen Gedanken beseelt sind, der Not des Nächsten abzuhelfen, können wir diesen Gefahren, und letzten Endes der Verelendung aus dem Wege gehen. Jeder, aber auch jeder von uns muß hier mithelfen. Auch unsere Landwirtschaft!
Es ist tief bedauerlich, daß trotz Aufrufe und Ermahnungen . der landwirtschaftlichen Organisationen ein Teil der Landwirte immer noch nicht die nötige Einsicht und politische Klugheit besitzt alles Entbehrliche, was wir für die Aufrechterhaltung eines geordneten Wirtschaftslebens und damit zu gleicher Zeit auch für die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung nötig haben, zu wirklich angemessenen Preisen abzuliefern. Diesen Teil der Landwirtschaft — ähnlich liegt es natürlich auch bei anderen Teilen der Bevölkerung — ist immer noch nicht klar geworden, welche ungeheure Verantwortung sie durch Schleichhandel und Wucherei auf sich laden und welche Gefahren sie durch ihr Verhalten für die Bevölkerung und insbesondere für die Landwirte selbst heraufbeschwören. Hier muß Wandel geschaffen werden. Es gilt heute, wo sich schwarze Wolken am Horizont auftürmen, nicht für sich, bett zu leben?
Wie recht hatte der alte Bebel, als er den deutschen Arbeitern empfahl: „Seht euch eure Führer genau an!" Wählt die Führer nicht nach dom großen Mundwerk und erst recht nicht nach ihren utopistischen Plänen, sondern nach ihren Qualifikationen! Recht hat nicht, wer am meisten verspricht, sondern, wer die Politik als die Kunst des Möglichen ehrlich im Interesse des Gesamt- wohles des Volkes ohne Eigennutz führt! „Fragt jeden einzelnen eurer Führer: meinst du es ehrlich oder tritt bei dir der Egoismus vor das Wohl der Volksgesamtheit, der über die Zersplitterung des Volkes hinwegschreitet?" Wie sieht es mit dieser letzten Mahnung des Professors Schlarb aus? Leider stellt das nicht immer diese Frage an seine Führer. Der Einzelne ist von dem sogenannten Massenwillen, der aber ausgeübt wird von wenigen Personen, die sowohl auf die Gesetze, die das Volk sich gegeben hat,.als auch auf den Willen des Volkes pfeifen, umklammert und macht nur, was ihm geheißen wird. So sehen wir, daß dieses Herden- gefühl, das im deutschen Volke künstlich gezüchtet worden ist, keine andere Meinung hören will, daß die eigene Persönlichkeit von einem großen Teile unseres Volkes leichtherzig aufgegeben worden ist, zum Schaden unseres VolkstumS. Charakterlosigkeit hat unser Volk verseucht und damit den Nährboden geschaffen, auf dem der Terrorismus sich ausbreiten konnte. Was ist zu tun, um diesen Niedergang aufzuhalten? Das erste: Präge jedem Menschen den Satz ein, daß er das Recht hat, zu sein, wie er ist, daß er das Recht auf seine Per- sönkchkeit mit eigenem Denken und eigenem Empfinden besitzt, daß er sich eine eigene Ueberzeugung schassen und auch die Ueber- zeugung eines anderen achten muß. Das zweite: Jeder handele nach eigener Vernunft und eigenem, gesamten Urteil! Nach der französischen Revolution hat man die „Göttin der Vernunft" auf den Stuhl der Herrschaft gesetzt. Wir brauchen heute nichts so sehr als die gesunde Vernunft. Die kennt keine Massentheorie; jeder muß bei sich selbst anfangen. Du bist der Mann, der anfangen soll! Der einwlne Mensch ist die Keimzelle, aus der ein Volk hervorwächst. Wir dürfen nicht nur sein ein Volk von Vr'tc'mi^ gliedern, sondern ein Volk von Männern und wirklichen Menschen, ebne tierischen Instinkte. Sei Mann! Sei Me. s.h! Das ist es, was wir von jedem verlangen müssen! Das heißt- Vertritt mutig deine e’ger.e Anstcht und Ueber- »eugung, die Freizeit deiner Persönlich"'it. dere aber von deinen Führer auch die Ab- legung seines• „Gla"ben8b«*en'ftE2s". ^e^aF'- Gebt euch eure Führe- an" ~cTV auch d'e'e re^ nan an» und ^-' "t dang \ ob Q e? | mit c- ch meinen, ob sie sei • ' ' ' oedanken sind! • i
NansenhUfe für Sibirien.
Die bisher für die Kriegsgefangenen in Sowjet Rußland und Sibirien durch die Heimatstaaten unterhaltenen Fürsorgeorganisationea haben sich mit den in der ganzen Welt sich regenden privaten Hilfsbestrebungen zu der Zentral- organisation Nansenhilfe zusammengeschlossen. Die Nansenhilfe, die von der Sowjetregierung nunmehr als einzige Organisation zur Hilfeleistung für die Kriegs- und Zivilgefangenen in Rußland zugelassen ist, erstreckt ihre Fürsorge auf alle Kriegs- und Zivilgefangenen, gleichviel in welchen Ländern sie sich befinden. Professor Frid- jof Nansen, der im Auftrage des Völkerbundes für die Heifnbeförderung der Kriegsgefangenen sich durch Beschaffung des erforderlichen Schiffsraums unvergängliche Verdienste erworben hat, steht, unterstützt von dem Internationalen Roten Kreuz in Genf, an der Spitze dieser Zentralocga- nisation. Die erste Sendung der Nansenhilse läd am 18- der Dampfer „Capella" in Stettin. Sie besteht aus 11000 Paar Stiefeln, 10 000 Stück • Winterschutzmitteln, 3000 vollständigen Ausrüstungey sowie für 3 Millionen Mk. Arzneimittel der deutschen Regierung. Der Gesamt- toert dieser ersten Sendung in Höhe von mehr als 10 Millionen Mark wird von den Vertretern der Nansenhilfe und deren Moskauer Zentral- organifation den Gefangenen zugeleitet werden. Die Absendung des nächsten Transportes wird vorauSsiMlich am 2. November ab Stettin erfolgen. Entgegen den gerade in der letzten Zeit laut gewordenen Befürchtungen, daß noch ein großer Teil der in Sib'rien besindlichen Gefangenen auch diesen Winter über dort verbleiben muß, wird festaestellt, baß der Mtransport aus Sibirien in vollem Ganee ist. Die russische Regierung arbeitet mit aller Anstrengung an der
Aus dem Offen.
Moskau, 18. Oktbr. Am 17. Oktober ein- getroffene Funkiprüchs der polnischen Heeresleitung schlagen die Entsendung von Oftzieren vor, welche bevollmächtigt sind, die Einzelheiten des Präliminarvertrages festzusetzen, und zwar in zwei Gruppen, die erste für den Frontabschnitt nördlich von Newish, die zweite für den Frontabschnitt südlich von Newish. Die erste Abordnung soll in Baranowitschi, die zweite Gruppe in Berditichew zusammenkommen, und zwar am 18. Oktober.
Moskau, 18. Oktbr. (Durch Funkspruch.) Russischer Heeresbericht vom 17. Oktober. Im Abschnitt Polozk ziehen sich unsere Tritonen zur Landesgrenze zurück. Im Abschnitte Minsk setzen die Polen ihre Angriffe fort, werden aber von unseren Truppen zurückgeschlagen. Im Abschnitte Siuzk sind wir, den Vormarsch der Polen zurückschlagend, zum Gegenangriff übergegangen, wobei wir einige Ortschaften sieben Werst östlich von Skuzk besetzten. Im Abschnitte Luninez Kämpfe von lokaler Bedeutung. Im Abschnitte Sarny wiesen wir die feindlichen Angriffe am Tiborty zurück. Im Abschnitte Nowograd-Wolhynsk besetzten unsere Truppen einige Ortschaften acht bis zwanzig Werst östlich von Nowograd-Wolhynsk. Der Rest des Funkspruchs ist verstümmelt.
Warschau, 18. Oktbr. Im Generalstabsbericht vom 17. Oktober der volnischen Armee heißt es: Am nördlichen Flügel marschieren unsere Truppen weiter vor, um die im Waffenstillstand vorgesehene lettische Grenze zu erreichen. Der Feind, der infolge der bedeutenden Verluste der letzten Tage die Kampflust verloren hat, setzt uns keinen namhaften Widerstand entgegen. Im Bereiche von Minsk ziehen sich unsere Truppen auf die Waffenstillftandslinie zurück. Die Vortruppen des 54. Infanterieregiments, die unter dem Kommando des Obersten Parczkiewicz vorübergehend in die Stadt eindranzen, erbeuteten dort einige Maschinengewehre. In der Polesie besetzten wir Domanowitschi, Shitkowitschi und Piezow. — Bei Zwilchel wiesen unsere Truppen heftige Angriffe des Feindes ab, der in diesem Bereich bedeutende Kräfte angemmmelt hatte. Eine 'endliche Abteilung griff Ostropol an und besetzte es vorübergehend. Die Stadt ist völlständig vernichtet. Die jüdische Bevölkerung wurde von den Bols Hewi'ten ermordet.
Moskau, 18. Oft r. Durch Funkwruch. Die Zeitungen veröffentlichen eine Verfügung des „allruzischen Zentralvollzugskomitees" mit der küätMung des sibirischen Revolutionskomitees n Wlgendcm Befände: Vorsitzender: Sernow (?), . kitgUerer: Ko mnowich, C' otmann, Sokolow, .dchlmtz ftLt tz ke ircin, Pajkes, Schonn und .awrstim. Es wird eine gemeinsame Handels-, Hochsee- und Kriegsflotte errichtet. Die rote Fallne mit d-m aoldnen Buchstaben R S. F.
S. R. (russische sozialistische förderative Sowjet, Republik) und einem Löwen im oberen Feld« soll beibehalten werden. Für die Handelsflottr wird die rote Fahne mit großen weißen Buch, staben R. S. F. S. R. in der Mitte eingeführt. Für die Hochseeflotte gilt die rote Fahne mit Anker und rotem Stern in der Mitte des Ankers und den weißen Buchstaben R. S. F. S. R. im oberen Teil des Ankers.
Der Arbetterkonflikr in England.
Harfen, 18. Ott. (Funkspruch.) Es sind mächtige Einflüsse am Werk, um eine balaiqe Regelung im Berg« arbeiterftreit berbeizukühren. Th o ma*S, Clyn« s und andere hervorragende Arbeiterrübrer wenden alle ihre Energie an, um eine Lösung zu sinken. Der parlamentarische Gewerkscha trausichutz soll eine sofortige Aktion planen. Heute wird eine Konrererrz mit dem Vollzuosaukschus; der Arbeiterpartei abgehalten, desgleichen eine Sitzung des varlamentarüchen Aus» idiuffeS der Arbeiterpartei. Morgen findet im Unter» hause eine ausführliche Besprechung statt, an der, wu man erwartet, auch Lloyd George teilucbmcn wird, „Daily Ebroniele" schreibt, die allgemeine Anücht gebt da bin, daß die Eisenbahner und Transportarbeiter nicht in einen Sympatbiestreik mit den Bergarbeitern tretet werden. In den Bergwerksgebieten herrscht ooHfomniem Rübe.
London, 18. Okt. Wie gemeldet wird, glauben die Bergleute imüande zu fein, den Streik mindestens sechs Wochen durchznführen. Smillie befrünbete feine vor Abbruch der Verhandlungen eingenommene Hast tung in einer Erklärung, in der es beißt: Das Steifern der Einignngrvcrhandlnng.m wurde durch die ©armäii t« keit der Regierung vcrfchnldA, die btcb eigentlich bitte wissen müssen, daß noch weitergehende Forderungen begründet gewesen wären.
Paris, 18. Okt. Nach einer HavaSnietdung bei „Journal der DebatS" aus Le Havre, »erden infolge "es Beraarbeiterstreiks in England verschiedene in Le Havre liegende Schiffe ihre Reise nach England nicht
London. 19. Okt. Der Bergarbeiterstreik lahmt Handel und Industrie vollständig. 5m den gtoA m Industriezentren sind Tausende von Arbeitern ohn« Arbeit. Man bat die Hoffnung noch iffchr cmfgegcden, doch noch eine friedliche Lösung der Kohsistte» finden zu können.
PsUlrsche Tagesberichts.
— Die Wahlen in Oesterreich. Bon in?« gesamt 151 zu besetzenden Mandaten für die Nationalversammlung sind nach den vorliegenden offiziellen Berichten bisher gewählt 57 Sozialdemokrateu, 71 Christlich-Ssziale, 12 Großd-utsche, 2 Baueruparteiler und ein bürgerliche Arbeitspartei. Es fehlt noch das Ergebnis aus dem Wahlkreise SremS (8 Mandate). Zu dielen 151 Mandaten kommen noch neun Mnnüa« aus Körnten, die bis zur Durchführung der dortig u Wahlen von den bisherigen Abgeordneten (4 Socialdemokraten. 3 Ebristlich-Sozialen und 2 Großdeutichcn) vertreten bleiben, außerdem die noch aufgrund i^r Reststimmen zu verteilenden 18 Mandate. Nach den bisher festgestellten Ergebnissen verlieren die Sozial- bemofraten und die Grohdeutschen je sechs S^e, davon die Großdeutschen zwei Sitze an bie von ibr.cn abgefplitterte Bauernpartei., Die Jüdisch- -inricua. n Und die Tschechen verlieren je einen Sitz. Die Ch-.na» liduSozialen gewinnen zwölf Mandate. Von den gewählten Sozialdemokraten sind hcroorzubebrn Staats- kanzler Dr. Renner, Staatssekretär Hrnnusch und Friedrich Adler, von den Ebristlich-Sozialen Staats- ietretär Mayr, Präsident Häuser und Fink, von den Großdeutichen Präsident Dwggoser.
— Protest gegen Sie -stusweisung Sicrow» jews «rnd Ss'ow>kis. Mehreren Blättern zufolge, haben die beiden Sowjetvertreier Sinowjcw uno Losowski um AuseutbaltSverlängerungersucht. Ihr RechrSbeistano, merkwürdigeriveiie ihr politischer Gegner, der reebti* unabhängige Rechtsanwalt Dr Roseisteld, hatte gefteix uachmiltag mit dem Minister der Innern Soverinz uno beut Berliner Polizeipräsidenten Richter bereits verhandelt, hat aber eine Amentdaltsverlängerung bis jetzt nicht erzielen können. Die unabhängige Frakiion des Reichstags hat einen schleunigen Antrag ringe- bracht, in bem sie gegen die Ausweisung Sinowiew« und LoiomSlis protestiert und um die sofort gc Aast Hebung der AuswcWngSversügung ersucht.
— Linowjews 'Aufforderung zum KMffeu- kampf. Der Präsident des RerchsdürgerralS, Staat j< minister von Loebell, hat in einem Schreiben an es Reichspräsidenten auf den Aufruf des russischen SowietfübrcrS Sinowjcw zum Bürgerkrieg aur dem Parteitag in Halle hingennewn uno die Webe als c.ne offenkundige Aufforderung zum Klassenlampt bezeichn.!. Die-e Bordcreiluilg einer rerwristiichen Herrich st habe bei dem deutschen Bürgertum Die schwelgen Bevc.it n wegen be$ Schutzes, Den bie Rcrchsregteruug ihm a..^ gebe ben lassen könne, ausgelöst. Da« Schreiben binel um Boikchrikngen zur Vermeidung voll Wiederho:nngoZ 'olcher Vorgänge.
— Zur LpattUlig der U. L. P. Wie d e Bcr.ilicr Blärur melden, hat sich bie WeicyStagafialnon Der Unabhängigen aeipalten. Bei der zeuern angelegten raknonrsMug waren mir bie Atitglicter AS rediten Flügels in Stärke von 59 Abgeorönettii aa iJCfeiib. Die Liilke hat sich, 22 Abgeordnete Hart, e s unaühän ige iozialdemokrarische Fraktion, „2c>l.an Ei hhorn", lonftitmert.
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