Einrückunssgebübr:Die8geiv.KoIonelzeNeod. deren Raum L— Mt.. die 4geiv. Zeile i. Reklameteil 3.— Mk.. L5°InTeuerungszu>ckl. Offertgebühr 30 Psg. Bezuaspre is: Vierteljährlich 12.90 Mk., monatl. 4.80 mL für Postbezug vierteljährl. 12.90 Mark, monatl. 4.30 Mk. Die Nummer 20JBfg.
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General-Anzeiger
AmMches Organ für Skaöl- und Landkreis Sanan
Erscheint täglich mit Ausnahme d« -Sonn» und Feiertage
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Rotationsdruckd.Waisenbausbuchdruckerei Han«
Fernkvrechanfchlülle Nr. 1237 und 1238
Ar. 245
Montag den 18. Oktober
1920
Das Neueste.
— Die Straßburger Konferenz der Radikalen fordert die Durchführung des Vertrages von Versailles unb die Aufrechterhaltung der Bündnisse der Alliierten.
— Nach einer Hava» Meldung sind die Entente- regierungen einmütig der Meinung, daß e5 wünschenswert sei, in Genf eine Konferenz abzuhalten.
- Auf Ersuchen der Neichsregierung verfügte der preußische Minister des Innern die Ausweisung von LosowSki und Sinowjew.
— Der Streik der polnischen Eisenbahner ist am Samstag beendet worden.
— Der Streik der städtischen Gas- und Elektrizi- tätsarbeiter in Dresden, Leipzig und Chemnitz ist bei« gelegt.
— Die Regierung in Peking dementiert die Gerüchte von einer monarchistischen Bewegung in China.
— Nach Nachrichten aus Wilna beabsichtigt General Zeligowski eine Regierung von Mittel-Litauen zu bilden.
— Die Spaltung der U. S. P. hat sich am Samstag vollzogen.
Slifli für die Abänderung der Friedensveriräge.
In seinem zweiten unter dem Titel „Die Schwierigkeiten des europäischen Friedens" in der United Preß erschienenen Artikel tritt der frühere italienische Ministerpräsident Nitti für die Abänderung der Verträge ein. Er führt aus:
Es gab zwei Arten, den Frieden abzuschließen. Die erste: man konnte den Besiegten vernichten oder ihn wenigstens so unterwerfen, daß er sich auf lange Zeit nicht wieder erheben kann. Die zweite: man konnte dem Besiegten ein erträgliche Lage verschaffen, so daß er, wenn nicht als Freund des Siegers, doch wenigstens resigniert au der Entwicklung der zukünftigen Beziehungen ■gätetEsÜen konnte. Einen solchen Frieden hat ?W,Disnmrck mit Oesterreich abgeschlossen. M0 besiegte er Frankreich, und er wollte einen Siegfrieden machen, aber ohne das Uebermaß von Gewalttätigkeit, das den gegenwärtigen Frieden kennzeichnet.
Der unheilbare Kontrast, der Europa zerfleischt, ist der, daß wir einen Frieden der Gewalt im Namen des Rechts gemacht haben. Eine reine Lösung wäre vorzuziehen gewesen. Man konnte am Tag nach dem Siege im Namen der Rechte des Siegers den Besiegten sehen und auch den schmählichsten Frieden, aber ohne sich in rechtlichen Formeln zu verlieren, auferlegen. Vielleicht hätten sich die Besiegten dann leichter in die Sklaverei und in das Elend ergeben. Oder man konnte einen Frieden der Gerechtigkeit abschließen, indem die Sieger damit anfingen, selber einige Grundsätze zu achten, die für alle die Vorbedingung für ein ziviles Zusammenleben sind. Statt dessen wurden dem Besiegten die härtesten Bedingungen auferlegt: Bedingungen, die in der modernen Geschichte ohnegleichen sind. Und alles dieses wurde im Namen des Rechts ausgeführt. Eine nicht- geringe Verantwortung fällt Wilson zu, der, indem er glaubte, die Hauptlinien seines Programms aufrechtzuerhalten, einer Reihe von Handlungen zustimmte, die gerade die Idee des Friedens zwischen den Nationen tötete.
Alle Verträge, auch diejengen, die die unmöglichsten Bestimmungen enthalten, sind im Namen des edelsten Rechtes gemacht. In der Tat beginnen alle, indem sie auf der ersten Seite die Satzung des Völkerbundes enthalten. Der Buchstabe der Bestimmungen ist untadelig, ihr Geist aber ist zersetzend.
Nitti sagt dann weiter, er habe niemals die Vorliebe der Amerikaner für Wilhelm II. und „groben Größenwahn" begriffen, für den Deutschland heute zu büßen habe. Aber es handle letzt nicht mehr um die Hohenzollern, sondern Europa, und es handle sich darum, zu wissen, ab Europa ohne Deutschland leben könne. Frankreich wäre verloren gewesen ohne die Hilfe an- ? ^"der. Nitti fährt dann wörtlich weiter • ^^er heute, zwei Jahre nach dem Siege, onnen wir uns ehrlich fragen, was uns Schlim- meres hätte widerfahren können als das, was ii Deutschland auferlegt haben. Während des «rtegeg rügten wir, daß der Verband alle Gründe """-rite und der Zivilisation ^"" nun 'u!‘ Deutschland, das zwei- s oz den Militarismus darstellte, wenn es sieg- gewesen wäre, von uns mehr fordern können , was wir von Deutschland gefordert oos^' ^ir haben Deutschland die Abrüstung ^ Wasser und zu Lande, und wir haben t. AE ^nzc Kriegsflotte genommen. Bis hier- ba™ LM0,0"5. richtig. Aber "wir haben ihm „ Wanten, beinahe die ganze Handels- L Ein Vermögen im Ausland, alle seine genommen Es soll eine «ek^ >"V"^ung zahlen, die wir bei ihrer Un- o uerirchkeit noch nicht einmal festzusetzen per« Und gleichzeitig beanspruchen wir, daß
es unter unserer Kontrolle lebe und jährlich eine gewaltige Masse von Kohlen und Waren als Entschädigung liefere. Oesterreich ist bis zu einem Punkt heruntergebracht, daß es nicht mehr zu leben weiß. Es kann wohl wie Andromache sagen: „Möge es den Göttern gefallen, daß es noch etwas gäbe, was ich zu fürchten hätte . . ." Und gleichzeitig sind die Sieger zur Sicherung ihrer Forderungen gezwungen, Gebiete der Besiegten zu besetzen und bei jeder Gelegenheit neue Besetzungen anzudrohen Wir haben heute mehr Soldaten auf den Beinen als vor dem Kriege.
Was hätte Schlimmeres eintreten können, wenn die. Mittelmächte gesiegt hätten? Vielleicht hätten sie die Satzung des Völkerbundes nicht gemacht, und dies ist der einzige Unterschied! Hätten sie England, Frankreich und Italien die Kriegs- und Handelsflotte genommen, hätten sie sich Gebietsteile angeeignet, hätten sie die Abrüstung und Besetzung einiger Provinzen gefordert, um die Abrüstung zu bekämpfen, hätten sie die Guthaben der Besiegten in andern Ländern beschlagnahmt und die Kolonien einverleibt? Und schließlich: hätten sie eine ungeheuerliche Kriegselltschädigung verlangt, die in einer langen Reihe von Jahren in Waren zu zahlen gewesen wäre?
Statt Frieden schließe man Bündnisse wie Frankreich mit Belgien, natürlich um des Friedens willen, aber die Bündnisse hätten in ihrem Ursprung immer Verteidigungsziele gehabt. Nitti schließt mit den Worten: „Die Verträge sind übertrieben. Von allen Seiten müßte eine gemeinsame Anstrengung gemacht werden, sie erträglich und durchführbar zu machen, sie mit der größten Weitherzigkeit auszulegen und die Besiegten instandzusetzen, die von den Siegern auferlegien harten Bedingungen zu erfüllen. Statt dessen hat
Verträge ein übertrieben feindliches Verhalten gezeigt, Wo ist da eine Politik des Friedens? Die Vereinigung des Völkerbundes hat kein Interesse erweckt, und die Ironie der Dinge hat es gewollt, daß sie gerade mit der Zeit größter Unruhe Europas zu- sammenfiel. Jetzt müssen andere Kräfte für den wahren Frieden wirken, und sie können nur aus einer Bewegung kommen, die sich in allen Ländern, siegreichen und besiegten, geltend macht und an der die Vereinigten Staaten den größten Teil haben. Nichts ist wünschenswerter, als daß dieses Problem dem amerikanischen Volk bei den nächsten Wahlen klar vor Augen geführt werde! Die SpaUung der A. S. P. Vollzogen.
Auf dem Parteitag der Unabhängigen Sozial- demokratischen Partei Deutschlands wurde der Antrag Däumig-Stöcker, wonach der Parteitag die Bedingungen für den Eintritt in die. dritte Internationale anerkennt, mit 237 gegen 156 Stimmen angenommen. Zwei Delegierte nahmen an der Abstimmung nicht teil. C r i s p i e n vom rechten Flügel, erklärte, daß derjenige Teil des Parteitages, der die 21 von der dritten koininu- nistischen Internationale vorgeschlagenen Bedingungen angenommen habe, verpfliastet sei, P Kommunistische Partei, Sektion Deutschland der dritten Internationale, zu nennen. Das bedeute den Eintritt in eine andere Partei, der nach dem Beschluß des Zentralvorstandes nicht zulässig sei. Demgegenüber erklärte D ä u in i g, daß ein solcher Beschluß des Zentralvorstandes nicht bor= liege und daß der Parteitag der U. S. P. D. nach wie vor zu Recht bestehe. Däumig verlas sodann eine Erklärung Sinowjews, worin dieser als Vertreter und Vorsitzender der Exekutive der kommunistischen Internationale zum Ausdruck bringt, daß die 'Exekutive keineswegs den Ucbericitt zur K- P. D. fSpartakusbund) fordere. Die Erc- kutive gebe der Hoffnung Ausdruck, daß sich jetzt eine einige Partei aus der U. S. P. D., der K. P. D. und allen wahrhaft revolutionären Ele- menten des deutschen Proletariats bilde. Hierauf hieß Sinowjew die Versammlung namens der dritten Internationale willkommen. Er schlug vor, Vertreter in die dritte Internationale zu entsenden, damit man zur gemeinsamen Arbeit schreiten könne.
Daraufhin verließ auf die Aufforderung Cri- spiens hin der rechte Flügel den Saal, während der linke Flügel, also die neuen Kommunisten, weiter tagten. Letztere wählten zu Parteivor sitzenden mit gleichen Rechten Däumig und Adolf Hoffmann.
Die U. S. P. ist gesprengt unb zwar hat sich der größere Teil »er Abgeordneten für die Unterwermn unter die russische Knute entschiede»». Sannt vt noch uicl t ohne weiteres gesagt, daß die Atehrhest d r Partei- anhäuger ohne weiteres so'. en wiro. Bekanmlich hohen die Wahlen nun Parteuag nur ein.- minimale Schar von organisierten Parteigenossen zur Stimmabgabe veranlaßt — vielfach noch nicht ein Zehntel. Das spricht nicht balir, daß liniier dem Gedanken des Anschlusses an Moskau wirklich irgendwelche Massen-
stimmung stände, zumal wenn man berücksichtigt, daß bei solchen Gelegenheiten die Extremen es immer leichter haben, ihre Anhänger zur Wahlurne zu bringen, als die Gemäßigteren.
Der rechte Flügel der tl. S. P.
Lalle, 17. Okt. In der heutigen Schlußsitzung des Parteitages der U. S. V D. (rechter Flügel) wnrde eine Kundgebung beschlossen, worin ihre Haltung begründet wird. Sie werde gegen den Oppor- tunism s von rechts und den Kommunismus von links kämpken. In der Erörterung sprachen mehrere Redner scharf gegen Sinowjew. Le.deb»ur nannte ihn einen Demagogen. Breitscheid meinte, über Deutschland werde eine bolschewistische WeUe hingehen. Er verlangt die Anknüpfnn- von Beüehun<en zu den ausländischen Sozialisten, die zur dritten Jntergationale dieselbe Stellung eingenommen haben wie die IL S. P. D. Zu Vorsitzenden wurden Crispien und Ledebour gewählt.
Pressestimmen.
Das Organ der bisherigen II. S. P., die „F r e i h e i t“, findet, daß der Bolschewismus gestern in Halle einen schwarzen Tag erlebt habe. Es zeigte sich, daß seine Vorstellungs- welt unterliegen müsse, wenn sie mit den großen Gedanken des Sozialismus zusammentreffen.
Der „Vorwärts" nennt die Spaltung der U. S. P. ein politisches Ereignis von allergrößter Tragweite. Für die Arbeiterbewegung als Ganzes erhofft das Blatt aus dem Verfall der II. S. P. den Beginn des Eesundungspw- zssses.
Die „Berliner Volkszeitung" sagt: Die bolschewistischen Usurpatoren haben es eilig; wer weiß, ob sie den Winter überleben werden. Eine traurigere Rolle hatten in der deutschen Arbeiterbewegung noch niemals Führer gespielt als Hoffmann und Däumig.
Das „Berliner Tageblatt" schreibt: Die Mitglieder dieser Partei der Internationa« len wltfwxto^ L^MLMM. cüL Räuber und Mörder. Ihre Partei zerschellte an der Internationalen mit ausgeprägt slawischem Nationalls nus.
Die „V o s s i s ch e Zeitung" nennt die Vorgänge in Halle erst den Anfang. Jetzt komme die Hauptsache, der Streit um die Mitgliederlisten, um die Kassenbestände, vielleicht sogar um die Firma.
Der „Börsenkourier" nennt den 16. Oktober einen für die deutsche Gesamtheit geschichtlichen Tag. An ihm vollzog sich für alle absehbare Zeit die Scheidung zwischen der deutschen Entwicklungspartei und der Internationa1 len Kampfpartei des Sozialismus.
Die „P o st" wendet sich in einem Leitartikel „Das Geschwür von Halle" insbesondere gegen Sinowjew und greift die Reichsregierung an, die nicht einen Finger rühre, um dieses Verbrechertum von Deutschland fernzuhalten.
Sluswrisung Dinswjews und Losowskis.
Auf Scranlaffung der ReichSregiernng hat der preußische Minister des Innern ©entring den Vorsitzenden des Exekutivkomitees der Dritten Internationale S i n o iv j e >v und den Präsidenten der all» russischen Gewerkichastsverbändr Losowski aus« gewiesen. Wie es heißt, sind für die Ausweisung keine besonderen Gründe angegeben worden. Beamte der Berliner Polizei überbrachten LosowSki gestern morgen, als er im Begriff war, nach Dresden zu fahren, den AnSweisungSbeiehl. Gemäß der Ver- fügung deS Polizeipräsidenten wurde über Lo'owsk, Hausarrest verhängt und ihm verboten, das Telephon zu benutzen, dagegen gestattet, Besuche, die bereits vorher angemelbet waren, zu empfangen. Polizeibeamte blieben im Hotel, um die Reisevorbereitungen des Russen zu überwachen.
Lofowski wollte sich von DreSden nach Stuttgart begeben, um von Süod>u:tichland aus mit den italienischen Bolichewisten Fühlung zu nehmen, da timt vorläufig inoffiziell mitgeteilt worden ist, daß die italienische Regiernng ihm die angeftrebte Eiiireisedrkauvil>S ocrcu ; LosowSki will nun nach Hamburg | n nct kehren, um von dort anS auf fernem in Hamburg liegenden Dampfer Deutschland zu verlassen. Sinowjew, der sich in der Versammlung i in der Neuen Welt vor den do t Erschienenen mit Heiserkeit rntichulrigte, wird a ler Wahrscheinlichkeit nach Berlin in den nächsten 24 Stiin e i noch nicht verlassen, da er sich krank fühlt und starkes Fieber bat. Auch er wird überwacht. Im übrigen sind die beiden AuSweisnngSbcfehle gegen die Russin insofern be*riftet, alS ausdrücklich gesagt ist, daß Lo'ow«kl und Siaowiew mit nächster Gelegen- neit Berlin und daS Deutsche Reich zu verlassen haben. Die Ankanöigung, dau Sinowjew sprechen werde, hatte . ic Kommunisten in großer Zabl nach dem Ver a am- lnngslo.al der Neiien Welt gezogen. Sie Envartung i.u e a er getäuscht. Er er eilten zw i a langem _ n t ^u, v n brandendem B »fall empfangen, »eß abei er au rat, vag er nicht sprechen tönn', uno entfernte sich da o baraur. Die Versammlung jelbg nahm dann o„nc ihn ihren Verlauf.
Nochmals: Die Wahrheit über Autzlanö.
Daß den linkssozialistischen Arbeitern abu sichtlich die Wahrheit über die russischen Zu-stände vorenthalten wurde, bestätigt der unabhängige
«Socialist Dr. Brettscheid auf dem Bezirkspatteitag der Unabhängigen Sozialdeinottatische» Partei in Düsseldorf am 10- Oktober. Nach dem „Ruhr-Echo" führte Brettscheid aus:
„Die Dittmannschen Veröffentlichungen in der „Freihert" halte ich taktisch für einen Fehler. Zwei Jahre lang haben wir in unseren Zeitungen das Entgegengesetzte getan und in Rußland nur alles gut und schön angesehen. Dazu waren wir in einem gewissen Grade verpflichtet, weil wir Stellung nehmen mußten gegen die verhetzenden Lügen der antibolschewifttschen Liga in den bürgerlichen Parteien und bis in die Reihen der Rechtssozialiften hinein. Trotzdem erttäre ich, daß es ein Fehler war, nicht rechtzeittg da zu kritisieren, wo nach unserer Ueberzeugung Ktttt! verdient war. Aber wir müssen diese Kritik auch jetzt noch üben, um zu verhüten, daß gewisse Vor- stellungen des sehnsüchtig nach Moskau Hinüberschauenden und in seinem eigenen Elend verzweifelnden Proletariats in Deutschland allzu fest in seinem Herzen wurzeln. Wir müssen feststellen, daß die tatsächliche wirtschaftliche Lage in Rußland außerordentlich ungünstig und schwarz ist, daß die Lage der Arbeiterklasse in Rußland außerordentlich ungünstig ist. . . . Die wirtschaftliche Lage Rußlands ist, wie Viktor K o p p, der russische Vertreter, in einer Berliner Versammlung von Großindustriellen ausführt«, derart, daß oorAblaufvonfünf ruhigen Friedensjahren an einen Export von L e b ens m i t teln unb sonstigen Produkten und Rohstoffen nach Deutschland n i ch t z u d e n k e n i st. . . Haben wir nun in Rußland den S o z ia l i s ni u s? Nein! . . . Das revoluttonäre Ziel der Bauern in Rußland, die die Hauptsivtze der Bolsche- aOMi rjMLD-MM^L iMng des .M- zialiSMus; ihr revolutionärer Gefft gipfelt in dem Schrei: „Land! Land! für unsere private Bewirtschaftung!" Weil die Bolfchewiki die Bauern notwendig brauchen, handeln sie bett Grundsätzen des Sozialismus schnurstracks zuwider. Herben die Russen das R § t e s y st e m? Radek sagt hierzu, daß sich d'c kollegiale Verwaltung der Fabrikbettiede und Industrien als unmöglich erwiesen hat. Die politischen Arbei- terräte flehen eigentlich nur noch auf dem Papier. Wissen Sie nicht, daß alle Arbeiterräte in öffentlicher Wahl gewühlt werden, unter schärfstem Druck der kommunistischen Partei? Ist das noch Wassenwille der Arbeiter? In Rußland herrscht Diktatur. Aber nicht die Diktatur des Proletariats, sondern die Diktatur einiger weniger Führer. Die Erklärung hierfür liegt darin, daß die russischen Arbeiter nach dem jahrhundertelangen Druck unter dem Zarismus und infolge ihrer Unbildring gar nicht in der Lage sind, ihr Geschick in die eigene Hand zu nehmen. In Rußland herrscht die Diktatur über die ./lassen der Industriearbeiter, während der Bauer abseits sieht und davon überhaupt nicht berührt loirb. Er genießt Steuer- und Abgabe- freiheit, damit er nicht aus der Reihe tanzt."
Arbeiter, geht euch auch bei diesen Ausführungen nci, immer fein Licht auf, fällt es euch noch nicht wie Schuppen von den Augen?
Po!Mfche Tagesdsrichte.
— Das Urteil im€fötbmer Kommunisten* prozetz. In dem Eöt.,k»cr Pulfcb-Prozeß wurde am Samstag vormittag das Urteil gefällt. Er erhielten bie Hauptangeklagicn .Dr." Berg und Bormannste 1 Jahr 6 Monate Gefängnis, der Angeklagte Ritter 1 Jahr 3 Monate, die Angeklagten Laute, Schröder und Röiuckc je 1 Jahr Gefängnis. Die übrigen 8lngetlag» ten erhielten GemngmSstrafen bis herab zu 4 Monate»«. In der UrteilLvegründuirg he'ßr e-: Das Gericht bat d n militärischen Charakter des Cötbener Nute,nehmen» atjalit. Es bestand auch eine Verbindung nach außen. Er hat sich also tarmeglich um eine große Organisation g handelt. I> umstehen, wie weit diele sich er» fteeefte, ,äg anßerim.b »es Ergebnisses der Beruant. lung. E» fei een Angeklagten im allgemeinen 'elbit auch bewußt gewesen, daß e# sich um du Errichtung der Räterepublik gebauöelt gäbe. War den 3lng*?lag» teil Werg betreffe, so hat da» Gericht e« al« nicht er« imcieii ciactjtet, daß er ein Sp.tzet gewesen sei.
— Japaner appellieren an Wilson. Aus LoS Angeles (Kalifornien) wird gemeldet: Ein uou 1400 Japanern ernanntes Komitee hat ein Tele- gramm an Präsident Wilson gerichtet mit dem Ersuchen, den Japanern in Kalifornien im Zusammenhang mit dem im November in Kalifornien stattfindemden Referendum über die Maß- nahrn«, durch »velche Japnern der Besitz von Grundeigentuin in dem Staate verboten iverden soll, Gerechtigkeit zu lassen. In dein Telegramm wird d'.« Diaßnahme als „ungerecht und unmenschlich und eine Gefahr für'die Existenz Der Japaner" bezeichnet.
(Weitere politifche Mrchrichte» Seite Sj