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Nr. 244
Samstag den 1S. Oktober
1920
LSWTÄM
Das Neueste.
— Laut „Vorwärts" wurde gestern abend auf dem «ehrheitssozialistischen Parteitag in Gaffel der bisherige Vorstand wiedergewählt.
— Insolge der Kohlennot mußten in Bochum gjpd weitere Hochöfen stillgelegt werden.
— Eine Bcrgkrbeiterverssmmluug in Dortmund verlangt bie Inangriffnahme bet Sozialisierung der Bergwerke bis Ende November.
— Die preußische Regierung hat weitere zehn Landräte des alten Regimes in ben einstweiligen Ruhestand versetzt.
— Die internationale Donau-Konferenz beschloß den KriegSschiffahrtSverkehr auf der Donau allen Ländern zu gestatten.
— Die englische Bergarbeiter-Konferenz beschloß den Bergarbeiter« die Weisung zu geben, in den Streik einzutreten.
— In Paris wurde gestern bie internationale Lerkehrskonkerenz eröffnet.
— Marschall Pilstidrki hat seine Demission als Präsident der Republik Polen eingereicht. Auf dringende» Ersuchen der Regierung zog er sein Gesuch nachträglich wieder zurück.
Das bolscheWisrischs Irrlicht.
Rußland ist für die deutschen Kommunisten ein Märchenland, das gelobte Land, aus dem die Freiheit deS Proletariats kommen soll. Diese verheißungsvolle Ansicht wird den deutschen Arbeitern tagtäglich gepredigt, sodaß sie in der Vorstellung, daß die Einrichtungen der von den Vol- schewiki beherrschten Republik Sowjet-Rußland die Erfüllung des sozialistischen Ideals bedeuten, dem mit allen Kräften nachzustreben sei und daß von dort aus das Heil der Menschheit kommt, immer mehr und mehr bestärkt werden. Und diese Bestärkung geht soweit, daß die Ar-
er, soweit sie kommunistisch beseelt "sind, nur üben, was chre Führer lagen «no ane» andere ihrer Ansicht nach Lug und Trug ist. Nicht einmal die rauhe Sprache der Tatsachen, die bitteren Erfahrungen der unglücklichen deutschen Arbeiter und Handwerker, die man zur Auswanderung nach Rußland verlockte und die so jäh aus ihren Träumen von Glück gerissen wurden, sind in der Loge, die Illusionen der deutschen kommunistischen Arbeiter zu zerstören. D. h. die Arbeiter wollen sich diese Illusionen, die niemals zu erfüllen sind, nicht zerstören, nicht rauben lassen, weil sie ihnen seit zwei Jahren so intensiv in die Köpfe eingehämmert wurden, daß man nicht mehr zurück kann. Rußland ist das Ideal, der Heilstaat derer, die die Freiheit erträumen.
Wie sieht diese Freiheit nun aus? Die bisherigen Enthüllungen über die heutigen Zustände in Rußland lassen über diese Frage keinen Zweifel mehr offen und wer sich noch nicht im Taren war, konnte sich am Donnerstag abend gelegentlich des Vortroges des Professors S ch l a r b aus Petersburg, dessen Objektivität selbst von einem hiesigen Kommunisten nicht abgeleugnet werden konnte, überzeugen. Das Urteil, das man sich aus den Ausführungen des genannten Professors bilden mußte, lautete: Der russische A r b e i- ter ist heute der unfreie ste Mann d e r W e 11! Er wird zur Arbeit kommandiert, muß 10—12 Stunden arbeiten und wehe ihm, wenn er etwa zum Streiftnittel greift oder sich eine Kritik dieser „höllischen" Zustände erlaubt "7 er wird ohne Verhör erschossen, was die offiziellen Bericht« des „revolutionären Tribunals" bestätigen. In den wichtigsten Betrieben hat man an die Stelle der Betriebsräte Wirtschaftsdiktatoren mit unbeschränkter Gewalt über Leben und ^-ob gestellt. — So sieht die vielgepriesen« Freiheit der Arbeiter, die in Rußland eingeführt worden ist, aus, die Diktatur des Proletariats, in Wirklichkeit die Diktatur einer Minderheit über
Proletariat. Aber nicht genug mit dieser sogenannte« Freiheit. Die Hungersnot ist so furchtbar, daß die Menschen hinsterben an Seuchen und Schwächen wie die Fliegen. „An ernst- liches und wissenschaftliches Arbeiten ist," um nochmals Professor Schlarb zu zitieren, „nicht zu denken. Man hat nur das eine Gefühl, den ■ Minden Hunger auf eine Zeitlang zu stillen. E Menschen auf der Straße sind nur noch schleichende Gestalten. Von 2 300 000 Einwoh- nern, die bei Ausbruch des Krieges registriert wurden am 1. September 1918 nur noch " 0 000 registriert, die sich in den nächsten Mo- naten «ach bis auf 600 000 verringert haben." ^rr Schleichhandel mit seinen wahnsinnig hohen Preisen, steht „in vollster Blüte. Die Mehrheit er Bevölkerung ist auf ihn angewiesen. So gab ? m Petersburg im Juni 64 Prozent der Ar-
arbeiter und ich ihre Kräfte einsetzen. Wir vertrauen, daß diese große und schwere Aufgabe ge-
. T^^v^n ^m v r Piozrul um. «cc-, löst nxrden wird, denn unerschütierlich lebt in vciter, die genötigt waren, ihren Bedarf durch ; uns die Ueberzeugung von der unverwüstlichen ven Schleichhandel zu decken. Lebenskraft des deutschen Volkes und seinem un-
,Das Vorhandensein dieser Hungersnot tmb beugsamen Willen zum Leben. Unser Volk, das Perelendung ist bekannt, sie wird bestätigt wie kein anderes gemeinsame Not getragen hat "urch Lenin, Trotzki usw. und trotzdem glaubt und trotz der schwersten Erschütterungen, die ihm ^kk noch Unmer in deutschen Kommuilistenkreiseu, der verlorene Lriea aebracht bat. die Ent-
l —' «ituviiyi iuuivii, l Schleichhandel zu decken.
daß in Rußland der richtige Weg eingeschlagen sei, der über eine kurze Periode der Entbehrungen hinweg zu einem außerordentlichen Wohlstand« der arbeitenden Bevölkerung führen werde. Wäre es angesichts dieser nicht mehr abzuleugnenden Tatsachen nicht besser, diese Illusionen beiseite zu lassen und unsere Existenz aus die Wirklichkeit zu gründest? Noch ist es nicht zu spät! Der Bolschewismus kann nicht helfen, er kann nicht freimachen, kann kein Volk erretten und erlösen. Ex= perto Credite! Soll heißen: Glaubt es dem, der es selbst erfuhr: Rußland! Deshalb legt ab die Illusionen und vermeidet das Experimentieren. Denn, wie sagte Professor Schlarb am Donnerstag: „Die heutigen Zustände in Rußland sind nicht allein von der jetzigen Regierung verschuldet, aber sie hat durch ihre Experimente, die fehlgeschlagen sind und fehlschlagen mußten, wesentlich dazu beigetragen."
Fast alle bisherigen Enthüllungen über Sowjet-Nußland stimmen in dem Urteil über das russische Vvlk dahin überein, daß das letztere hinter unseren Arbeitern noch um Jahrhunderte in der Kultur zurück sei. Und diese bedauernswerten Menschen will der Bolschewismus zu Kulturträgern, zu Vorbildern für die Welt machen! Es ist sicher und gewiß, daß jeder deutsche Arbeiter, der in die Reihen des Bolschewismus tritt, auf einen Schlag um Jahrhunderte in der Menschheitsentwickelung zurückgeworfen wird. DaS haben die 120 russischen Industriearbeiter, die nach Rußland wanderten, am eigenen Leibe ersahren. Es waren furchtbar« Entbehrungen, denen diese armen Menschen in dem gelobten Lande, in dem nach den Ticaden der deutschen Moskowiter Milch und Honig stießen sollte, ausgesetzt waren. In dem schon genannten Vorttags- abend am Donnerstag hatten wir Gelegenheit, dieser Enibchrnngen aus dem Munde eines solchen deutschen Arbeiters, eines ehemaligen überzeugten Kommunisten, zu hören. Er führte u. a aus: Bereits auf der Bahnfahrt drängten sich auf den Stationen die russischen Kinder an die Wagen und bettelten nach Brot. Schwangere Frauen mußten in den Fabriken die schweruisien Maschinenarbeiten ausführen und die Ernährung bestand für den russischen Arbeiter aus 400 Gramm Brot und einer Hirsensuppe ohne Fett und vielleicht einem Hering, wenn solche vorhanden waren. Der Monatsverdienst beträgt für die Arbeiter im Durchschnitt 8000 Rubel, doch wenn er sich ein Pfund Butter leisten will, so muß er hierfür 3500 Rubel bezahlen. Ich hab« keinen einzigen russischen Arbeiter gesehen, der Sttefel an den Füßen trug, die Bekleidung der letzteren bestand lediglich aus Tüchern und Lumpen. — So steht die Wahrheit über Rußland aus und diese furchtbare Wahrheit ist nicht mehr aus der Welt zu schaffen!
Der MerchskanZler über OLerfthlesien.
In der heute erscheinenden ersten Nummer der „Oberschlesischen Rundschau" in Ratibor finden sich die nachfolgenden beachtenswerten Be- tmchtungm des Reichskanzlers Fehrenbach über das Verhältnis Oberschlesiens zum Reich, die gerade in den jetzigen Tagen lebhafte Zustimmung aller deutschen Volkskreise finden werden: Deutschlands Lage ist ernst und schwer, aber nicht hoffnungslos. Hatt lastet auf uns die Faust der Sieger, die uns nicht glauben wollen, daß nur unsre wirtschaftliche Wiedergenesung auch ihnen die erwarteten Vorteile bringen kann. Sie hegen immer noch den Argwohn, daß Deutschland seine wiedergewonnenen Kräfte nicht im Dienst des Friedens, sondern zur Befriedigurig irgend einer Revanche ausüben würde. Der Glaube an den ehrlichen Willen des deutschen Volkes, den durch den Friedensverttag übernommenen Verpflichtungen nachzukommen und zu einem Teil an der Wiedererrichtung europäischer Kulturgemeinschaft beizutragen, muß Gemeingut deffStaaten und Völker werden. Nur so kann eine Atmosphäre internationalen Vertrauens geschaffen werden, in der die Heilung der tausendfachen Kriegsschäden eintreten kann, die besiegte und unbesiegte Völker erlitten haben. Den Glauben an Deutschlands ehrlichen Willen überall zu wecken und das deutsch« Volk in den Stand zu -setzen, die Leiden des Sttegs zu verwinden und am Neubau des Reichs freudig mitzuwirken, ist die vornehmste und größte Aufgabe, die der deutschen Regierung gestellt ist und zu deren Erfüllung alle meine Mit
schlossenheit zum Wiederaufstieg aus dem tiefen wirtschaftlichen und moralischen Elend bewahrt hat, trägt in sich die Bürgschaft eines neuen starken Lebens. Wir haben die Stürme, die seit ben Revolutionstagen über unser Vaterland dahinge- braust sind, bestanden, und ich trage die Zuversicht, daß wir auch über alle Schwierigkeiten und Gefahren, die uns noch bevorstehen, hinwegkommen werden. Wir sind gerettet, wenn wir in Treue zusammenhalten und uns bewußt bleiben, daß wir alle ein gemeinsames Schicksal tragen und durch unlösliche Schicksalsgemeinschaft miteinander verbunden sind.
Dieses Bewußtsein muß insbesondere auch im oberschlesischen Volke stark und lebendig sein, denn gerade vor unseren oberschlesischen Brüdern wird das offene Bekenntnis mit dem deutschen Volke und Vaterland gefordert. Ganz Deutschland blickt heute auf den Kampf, den das ober- schlesische Volk um seine Zukunft ausfechten muß. Die deutsche Regierung ist sich bewußt, daß der besonderen Eigenart des oberschlesischen Landes und Volkes weit mehr, als es in der Vergangenheit geschehen ist, Rechnung getragen werden muß und ist entschlossen, den Ansprüchen der Ober- schlesier, soweit es im Rahmen der Verfassung des deutschen Reichs möglich ist, nachzukommen. Oberschlesien wird über seine staatliche Zukunft selbst entscheiden. Fällt die Entscheidung zu Gunsten Deutschlands aus, mit dem es eine tausendjährig« Geschichte verbindet, dann darf es gewiß sein, daß ihm die Selbständigkeit gewährt wird, die es im Rahmen der Verfassung und im Staatsverbande des deutschen Reichs erhalten ■sann-
Sozkaldemokrattscher Parteitag.
Zu Beginn der gellrigen Sitzung begann Dr. Adolf Braun sein Referat über das Parteipr ogramm.
Das reue Deutschland babe auch neue Bedürsnisse.
Daraus folgere die 'Notwen-rgkrit eines »riWKMK. M;n4sstLm Programm? der deutschen Arbeiterklasse. Wir wollen -land weuö.
nicht, so sagte er, den heiligen Geist von Moskau über uns ergeben lassen, sonvern alles sufammenfaffen, was mit Kopf und Hand für Deutschland und die Welt
schafft. Bei der Aufstellung des ersten Programms im Jahre 1890 war die erst hont Sojialiftengeieh befreite Partei baS Objekt der Gesetzgebung, heute ist sie Subjekt geworden. Ein fester, gemeinsames Programm das sich frei hält von jeder Schulmeisterei, ist eine Notwendigkeit. Die Unabhängigen sind schuld daran, daß wir in absehbarer Zeit keine rein sozialistische Regierung haben. Bei der Aufstellung des neuen Programms müssen daher praktische Erwägungen obwalten. Allerdings bereiten die wirtschaftlichen Schwierigkeiten große Hindernisse. Man darf die Gewinne der Landwirte nicht überschätzen. Unsere Privatwirtschaft gebt heute vielfach dem Bankerott entgegen. Die deutsche leistungsfähige Arbeiterklasse läßt aber keine Verzweiflung aufkommen. Das heutige Deutschland mnß eine ganz andere Wirtschaftsform bekommen. Der Atutterboden der Partei muß erhalten werden. DaS Programm darf unter keinen Umständen den Interessen der Industriearbeiter znwiderlau'en. Wir sind die einzige sozialdemokratüche Partei, die nach Krieg und Revolution ein neues Programm schafft und Wertvolles leistet für die Jnternaüonale. Wir sind nicht so blind, wie die U. e. P., K. P. D. usw. die den Arbeitern unrSandindieAu gen st reuen Der wahre Völkerbund muß erstrebt werden. Alles was wirtschaftlich und nach der Stammesart zusammen- gehört, muß zusammengcmßt werden. Es barf keine religiöse Engberzigkeit im Programm liegen. Besonders müssen die Interessen der Frauen berücksichtigt werden, für die vielleicht ein eignen Programm geschaffen werden muß. Der Gedanke der Soziallsierung ist an die erste Stelle zu setzen. Der Redner fordert dann eine siebenköpfige Programmkonimission, die auch Sachverständige buizuzreht, und wünscht Bernstein zu ihrem Slitarbeiter.
Hierauf erstattete Georg Schmidt ein eingehendes Reftrat über d i c A g r a r - P v l i t i k. Es müsse alle» geschehen, um die landwirtschaftliche Erzeugung zu steigern, aber ohne Zwangsmaßnahmen. Durch da? droben mit der Enteignung lasse man sich nicht verblüffen. Der größte Teil der landwirtschaftlichen Arbeiter sei noch nicht reck dazu, um auf die BetiiebS- vcrdältnisse führend emzuwirken. Ä o u eine in Z e r- schlagen dc? Großgrundbesitzes könne, das betonte der Redner ranz besonder», auf keinen 'all die Rede fein. Für bie Sojialifierumi kamen nur ielche Schriebe in Betracht, die unsachgemäß und unwirtschaftlich arbeiteten. Die landwirtschaftliche Erzeugung müsse vom Reich, vom Staat und von den Gemeinden mit allen Mitteln und unter Ausnütznng aller technischen Möglichkeiten gerörsert werden. Der Redner fordert eine großzügige Erschließung der Oed- und Heidekünder zu Siedlungen. Es liegt ihm, so betenic er, fern, die Frage beS Wiedereintritts in bie Legierung zu erörtern, aber solche Forderungen müßte« bei einer neuen Koalit ousbildnug gestellt werden. -- Hierauf setzte die Aussprache ein. — Es folgten dann Abstimnmngctt über verschiedene Anträge. Der Antrag Braiin? auf Bildung einer Programm- jt o in ui t f f i o n wurde angenommen.
Abends fand bie Wabl des Parteivorstandes statt.
Parreilag der H. S. P.
.Onfir, 15. Okt. Nach der gestrigen fast fünf» ständigen Rede des Stuften SmowjewS auf dem Partei- iao der Unabhängigen traten hier Delegierte der Stechten
nim linken Flügel über. Heute antwortete H i l f e r- ding Sinowjew. Hilserding erklärte u. a., die Schmutz, konkurreuz des Radikalismus hindere jede Politik, und dieselbe ZersetzungStaktik, die gegen die Partei verfolgt werde, solle nun auch gegen die Amsterdamer Internationale einsetzen. M t erhobener Stimme nannte er er politische Falschmünzerei, »« sagen, baft diese Ge- werkichastsinternationale schlimmer als die Orgesch rnw die Weißgardisten sei. Diese Worte rieten einen großen Lärm hervor, der Hil'erding minutenlang am Weiter, svrechen hinderte. Hilrerdinq sagte weiterbin, er hätte gewünscht, daß Sinowjew sich über den Terror best« licher aussprecken würde.
In der Nachmittagssitzung sprach M a r t o w (Nutz» landl namens der sozialdemokratischen Arbeiterpartei
Rußlands. Es sei falsch, den sozialistischen Kampf in Rußland als einen Kampf zwischen dem revolmionäre« SozialiSmus und dem Reformismus hinzustellen. Die Arheftermassen Europas bedürften und erstrebten die internationale Vereinigung. Sie wollten sich der Zentrale anschließen, die auf dem Boden der Sozial- revohttion steht. Die Parteien der einzelnen Länder lehnten aber die Diktatur Moskau? entschieden ab. Viele Parteigenossen in Rußland seien den Moskauer Genossen zum Opfer gefallen. Nach drei Jahren blutiger Revolution sterbe da? russische Volk Hungers. Die illusionäre Politik deS Bolschewismus gcfäbrdcdie russische wie die internat Revolution. Glauben Sie nicht, daß die Bolschewiken, bii 650 meiner Parteigenossen an einem Tage hingemordet haben, sich davor scheuen werden, Deutschland in einen neuen Krieg mit der Entente hineinzuhetzen. Trotzlij selbst hat erklärt, der EutsteidungSkampf mit der Entente werde am Rhein geliefert werden. Bolschewistische Heerführer haben alldeutschen Kreisen ,u- gesichert, sie würden dafür sorgen, daß die Provinz Westpreußen dem Deutschen Reich« zurückgegeben werde. (Lebhaftes Hört! Hört!) Die Rede würde von der Rechten mit brausendem Beifall, von der Linken mit Pfeifen, Trampeln und Lärmen begleitet. L o s o w S k i (Rußland) behauptete, Martow hätte aus der russischen Arbeiterschaft ein williges Werkzeug der Entente gemacht. ES sei uner- hört, wenn eine Arbeiterorganisation sich an die ®e« rvMckMsirMrnationale um Schutz für daS eigene "" •* 2;„>e und abgewiewn werde. Linmann habe diele Haltung scharf kritisiert. Trotzdem wolle er diese Kolitis fortsetzen. Hierauf entstand langandauernder Sarin, woran sich auch die Tribünenbesucher beteiligten, währeiiddeüen auch die Vorsitzenden Braß und Dittmann in einen Wortwechsel gerieten. Die Sitzung wurde unterbrochen. Nach einer etwa Ififtünbigen Pause wurde der Parteitag auf Samstag vormittag vertagt, ohne daß man wegen der noch immer andauernden Erregung die Verhandlungen hätte wieder auf-
nehmen können.
PvMfche Tagesberichte.
— Die Wirkung des Spaabkommens. Dat W.«-Mro meldet aus Berlin: Wir erhalten aus Bo- Chitin folgendes, von den Herren Kirdorf, StinneS und Vogler unterzeichnetes Telegramm: Die Kotzlenftagr -zwingt uns, nackdcm bereits früher vier Hochöfen außer Betrieb gesetzt sind, heute zwei weitere Hochöfen sUllzulegen. Hierdurch sind neue Arbeiterentlassungen unvermeidlich. Dabei ist bekannt, daß in Frankreich großer Ueberfluß an KokS und Sohlen herrscht, sodah teilweise die B-hnhöke megen Ucbermllnng verstopft sind. Die Gasanstalt Paris hat 900 000 t Vorrat, daS heißt mehr als je zuvor. Wir bitten dringend Schritte zu tun, daß angesichts der Ueberflusses in Frankreich so viel Kohlen und KokS in Deutschland zurückgehalten werden, daß unsere Wirtschaft nicht voll- kommen zniammenbricht- — Das Telezraimn enthalt keine Angabe des Adressaten. Es ist offenbar an die Reichsregierung gerichtet.
— Landardcitcr.'treik in Pommern. Wie mehrere Blätter aus Stettin melden, ist im Kreis« Greuswald in Pommern auf mehreren Gütern ein Sanbarbeiterfrreif auszebrochen. Die Streikenden ver- langen die Abberufung eines Polizeikommandos zur Bekämpfung der Kartofftldiebstähle, von dem bereits ein Kartoffeldieb angcschoffen worden ist. Die Strei- kenden drohen mit dem Generalstreik, falls ihrer vor- derung nicht stattgegeben wird. .
— Um die Dieselmotoren. Beim Auswärtigen A t liefen folgende Telegramme aus Hamburg ein: Gegen die rechtswidrige Drohung der Entente, die jchnellaufenden Dieselmotoren Deutschlands zu zerstören, sowie deren Neubau zu verbieten, wodurch die Wiedereinstellung erwerbsloser deutscher Seeleute weiter ersagwert wird, bitten wir den schärfsten Protest einzu- legen. Zentralverein der Aoolsbrücke.
Die von der Entente ausgesprochene Drohung, Deutschland den Bau schnellaufender Dieselmotoren zu untersagen und die vorhandenen zv zerstören, soll offensichtlich den Wiederaufbau der deutschen Handelsflotte und damit bis Wiederbeschäftigung der stellenlos gewordenen Seeleute verhindern. Wir bitten daher, diesem klaren Rechtsbmch des Friedensverirages mit allen Mitteln zu begegnen. Der Seeausschug.
— Eine neue polnische Offensive. ^erhngSfe Tidende meldet aus Kowno: General ZeligowSki letzt seinen Vormarsch fort; er steht jetzt auf halbem Wege zwischen W.lna und Kowno. Eine neue pointiere Offensive wurde am Mittwoch eingeleitet. Den gaxzen Tag fanden heftige Kämpfe statt ; bic litauuche mont wurde durchbrochen. Die litauischen Truppen haben neue Stellungen eingenommen.
^Weiter« dolitische Nachrichten Seite 6^