Sanauer K Anzeiger
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AmMchrs Organ für Stobt- und Landkreis Lamm
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Nr. 243
Freitag den 15. Oktober
1920
Das Neueste.
— Die Frage der Zerstörung der Diesel- s motoren hat in Bayern eine tiefe Beunruhigung hervorgerufen; mehrere Proteste wurden im Reiche gefaßt.
— Die Arbeit im Berliner Zeitungsgewerbe .ist gestern wieder ausgenommen worden.
— Der Parteitag der sozialdemokratischen Partei sprach gestern dem Ernährung sminister Hermes mit 138 gegen 137 Stimmen ihr Mißtrauen aus.
— Ueber mehrere Gouvernements in Rußland, darunter Petersburg und Moskau, wurde der Ausnahmezustand verhängt.
— Nach einer Stefanimeldung aus Rom ist der italienische. Minister des Aeußern Graf Sfo rza zurückgetreten.
Um die Dieselmotoren.
Die Botschafierkonferenz hat, wie wir schon mitteilten, beschlossen, daß schnellaufende Dieselmotoren Kriegsmaterial seien, das zerstört werden müsse, wo immer es sich in Deutschland befinde, und daß die Anfertigung künftighin zu unterbleiben habe. Von welch weittragender Bedeutung dieser Beschluß ist — der wieder einmal den fanatischen Zerstörungswillen Frankreichs zeigt — haben wir gestern bereits angedeutet; indem wir schrieben, daß allein in der Augsburger Maschinenfabrik 2500 Arbeiter arbeitslos würden, wenn die Zerstörung der bezeichneten Motoren vorgenommen würde. Doch nicht genug damit. Nicht nur die Dieselmotocenfabriken sind mit Arbeitslosigkeit bedroht, sondern z. B- auch städtische Elektrizitätswe . c, ' Wasserwerke, Eisenbahn- ^^L^^turwerkstät^n, Gummi- und Porzellanfa- pdlen, Textilfabriken, und die Landwirrichasl. Me diese stehen vor erschütternden Tatsachen, wenn die Entente ihren Benutz durchführt. Wie uns von sachkundiger Seite mitgeteilt wird, ist der schnellaufende Dieselmotor schon vor dem Kriege in diesen Friedensbetrieben in Anwendung gewesen, neuerdings hat er unter dem Einfluß der Kohlenknappheit in verstärktem Maße Eingang gefunden Nae vcm diese Kohlenknappheit sich infolge der Beschlüsse von Spa noch verschärft hat, war und ist der Dieselmotor die einzige Rettung gegen Stillegung und Arbeiterent- lassungen. Die Entwicklung der Dieselmotors, die es ermöglichen, ohne Kohlen und bei verhältnismäßig geringer Bedienung die für Betriebe jeder Art notwendige Antriebskraft zu liefern, ist im Auslande, insbesondere in Amerika, Frankreich und England trotz der größten Anstrengung stets hinter der deutschen zurückgeblieben, was beson- detS auch im Kriege bei der Ausbildung der Ubootsmotoren zum Ausdruck kam. Hier bietet sich nun der Entente die Gelegenheit, einen Scheingrund zu finden, um die so sehr beneidete deutsche Dieselmotorenindustrie tödlich zu treffen und als Konkurrenz zu beseitigen. Der einzige Paragraph des Friedensvertrages, welcher auf diese Maschinen Bezug hätte, ist der § 189, der lautet:
„Alle Gegenstände, Maschinen und Materia- sten, die von dem Abbruch der deutschen Kriegs- schiffe jeder Art, Ueberwafferschiff« oder Unter- -eeboote herrühren, dürfen nur zu rein gewerb-j lichen oder reinen Handelszwecken Verwendung huben. An das Ausland dürfen sie weder verkauft aoch abgetreten werden."
. Aus diesem Wortlaut folgt lediglich die Einschränkung für die aus der Abrüstung bereits fertig gebauter oder im Bau befindlicher U-Boote gewonnenen Maschinen bezüglich ihrer Verwendung ausschließlich für FriedenSzwecke und nur nn Jnlande. Für diejenigen Maschinen gleicher Art, welche noch nicht in Kriegsfahrzeuge eingebaut waren, ist keinerlei Einschränkung verlangt, diese wurden daher, und weil sie ebenso gut auf dem Lande Verwendung finden können, bisher unbehelligt weitergebaut. Nachdem unsere U- Boote bis auf das letzte weggenommen, oder von Grund aus zerstört worden sind, nachdem durch die strenge Ueberwachung der Ententekommission, welche in allen deutschen Werften und Fabriken f freien Eintritt haben, jede Möglichkeit des Meoerbaues solcher Fahrzeuge, welche bckannt- '^) große Vorbereitungen bei langer Bauzeit er- sordert, vollständig ausgeschlossen ist, kann die Begründung dieser Maßregel mit der Furcht vor etwa möglichen Neubau von U-Booten nur j ein ganz lächerlicher Scheingrund bezeichnet werden, dazu bestimmt, vor allen Dingen die ^rverterschaft der eigenen Länder der Entente z tauschen und den Widerspruch der für einen eintretenden Parteien zu besei-
Zerstörungswut unserer Feinde l'Wt lerne Grenzen zu kennen. Wo sind die un
veräußerlichen Menschenrochte, die jede Kreatur am Leben hat? Die Rechte, die auch uns noch zustehen: zu leben, zu arbeiten und der Welt das zu geben, was wir als Wertvollstes, Bestes in uns tragen, nämlich das Denkvermögen unseres Gehirns, mit dem wir jahrhundertelang alle Völker befruchtet und bereichert haben? Frei- giebig haben wir an alle Völker von unserem wissenschaftlichen Geist ausgeteilt, was immer wir zu geben vermochten. Dank oder Anerkennung dafür haben wir nie erwartet, denn deutsch sein heißt, eine Sache um ihrer selbst willen tun. Wenn den deutschen Forscher- und Erfindergeist ein Wunsch beseelt hat, so war es der, der'Mensch- heit zu dienen. Zu intern Ruhme und zum Ruhme der Gottheit, die das Menschentum beseelt, haben wir alles das in den Dienst der Menschheit gestellt, was wir hervorgebracht haben. Wenn jetzt der Völkerwahnsinn so weit geht, die großen Werte und ewigen Errungenschaften des genialen deutschen Erfindergeistes, um die sie alle' uns hassen und beneiden, und die sie uns nicht nach- machen können, zu zerstören, so können wir nicht energisch genug dagegen protestieren. Unsere Feinde sollen bei ihrem diesmaligen Vorgehen ein entschlossenes Zusammenstehen aller produktiven Kreise: der Industrielle, der Handwerker, der Arbeiter und der Landwirte vorfinden. Kein Wanken darf es geben, kein Zurückweichen und wenn es um Haaresbreite wäre. Internationale Solidarität erster, zweiter oder dritter Obkervanz kann uns nicht helfen, nur nationale Solidarität,die unsere Regierung stärkt und stützt.
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Berlin, 14. Oktbr. Zur Auslieferung der Dieselmotoren an die Entente richtete der Reichsausschuß der deutschen Landwirtschaft an die Reichsregierung die dringende Aufforderung, , dieser unerhörten Forderung nachzugeben. Deutschland würoe durch die Abgabe der Dieselmotoren eines der wichtigsten Mittel zum Wiederaufbau seines Wirtschaftslebens verlieren. Gerade im landwirtschaftlichen Interesse müsse vor der Auslieferung der Dieselmotoren auf das dringendste gewarnt werden. Ihre Anwendung in der Landwirtschaft sei von Jahr zu Jahr gewachsen. Sie würden benutzt in Elektrizitätszentralen, in Trocknereien, bei Wasserversorgungen, bei Be- und Entwässerungsanlagen. Die Wegnahme dieser Dieselmotors würde die betreffenden Betriebe bis zur Beschaffung einer anderen Antriebskraft stillegen, zumal andere Betriebsstoffe wie Kohle, Benzol usw. nur in sehr beschränktem Maße zur Verfügung ständen und außerdem nur zu sehr hohen, vielfach unerschwinglichen Preisen zu bekommen seien. Die Fortschaffung der Dieselmotoren würde deshalb nicht nur die industrielle Produktion Deutschlands schädigen, sondern auch die landwirtschaftliche. Damit werde die schon ohnehin gespannte Lage in der Lebensmittelversorgung unseres Volkes bis zur Unerträglichkeit gesteigert.
Wie mehrere Blätter melden, ist beim Minister des Aeußern ein Telegramm des Reichsbundes deutscher Technik, Ortsgruppe Dresden, eingelaufen, in dem die ku turwidrige Absicht der Entente-Ueberwachungskommiffion, die in den Friedenswirtschaftsbetrieben Deutschlands befindlichen schnell laufenden Dieselmotoren zu zerstören, schärfster Protest erhüben wird.
München, 14. Ditbr. In dem Wirtschaftsausschuß des bayerischen Landtags wurde von den Rednern aller Fraktionen einschließlich der U. S. P. Protest erhoben. Handelsminister Hamm bemerkte, mit der Ausführung des Friedensvertrages habe die Sache nichts zu tun, das fei auch die Auffassung des Auswärtigen Amts. Die Reichsregierung werde mit allem Nachdruck auf den Ernst der Sache hingewiesen, ebenso die französische Vertretung in München. Wir müßten alles tun, damit sich unsere Auffassung im Auslande durchsetze.
Aus dem Reichskvhlenral.
Berlin, 14. Okt. In der Aussprache dcS Reich«- kohlcnrats über die ihm obliegende Aeußerung zur Lozialisicrungssrage erklärte (Geheimer Bergrat Wmg- tauS (Deutsche Bc> gbnuvertiussung) die Sozialisierung sei in verschiedener Richtung gefährlich. Dr. Brendle lVerbrauchervcrtrctcr) hielt die Sozialisierung angesichts des allgemeinen wirischaftbchen Tiefstandes für unangebracht und von Bredow (Verbraucher) für zweckwidrig. Es werde gar nicht zu vermeiben fein, daß ein Staatsbetrieb aus der Sache werde, und davor habe er große Furcht. Auch die Verteilung in der Hand des Staates gebe zu großen Bedenken Anlaß. Wicsinger (Handel) warnte entschieden vor solchen Experimenten. Löffier (Arbeitnehmer) und We ner iBetricbsbcamter) aus der SozialisierungSkoiiimissiou des ReichswirlschaftSrateS traten rür die Sozia isierung, e u. Pieper ivcibrauchendc Indus rie) erklärte, er
sönne sich nur um einen Umbau i < n? In. Redner beantragte die (Satzung einer Konmuchon. Bennoid ^vreumicüe Bcraverwaumm) hält das bcüebcnbe Sintern
für ansbikdunaSsäLig. Wagner ^Arbeitnehmer) steht auf dem Standpunkt der VvNsoüakifitnma. Scharnke (ClehthtubeD befürchtet den Ruin des Kleinhandels von ber Sozmlisieruna. Marx (Verbraucher) erklärt, er fei klagen jede Neuoraannation. verlange vielmehr den rbau des besehenden ShuemS. Sicarikt (Verbraucher) bem-rkt, bau der Gedanke der Sosiakisieriina nickit wieder verschwinden werde. Abgeordneter 3m« buüb erklärt sich für die Sovalisiernna. Für die Sei« behiltuna der Unternebmer-Fnitiativ« sei auch er, aber neben dieser Initiative würde sich die der Arbeiter geltend machen. Abgeordneter Sachse bedanert, daß von den Arbeitaebern hier kein Entgegenkommen ae« leint würde. Mellentbin ("Kaufmann und Anaestellter im Bergbau) ist für die Sozialisierung unter Zugrundelegung des fauhnännifchen Handels und Denkens. Dr. Silberberg (VraunfoMenunternehmer) spricht sich neuen b;e Sozialisierung aus. Eine Evolution sei nötia. nicht eine Revolution. Die Hauptsache bliebe die Erhaltung unserer Produktion, damit wir erbort« ^ähia bleiben. Streuer (Arbeitnehmer) befirrn ortet die Sozialisierung, ebenso Verneinn (Konsumaenossentchasts- V-rtreter). Schüler (HandwerkSPertreter) ist nicht für die Sozialisierung, an deren wirtschalllich« Möglichkeit er nicht glaubt Damit schließt die Erörterung. Der Vorsitzende stellt fest, daß der Gedanke, die Frage frei von Leidenschaft zn betrachten, allgemein burchae« bringen sei. Auf Antrag von Generaldirektor Koenaeter wird d»'c Bildnng einer Kommission von l5 Mitgliedern und 15 Stellvertretern beschlossen, welcher die G^h. Vergrase Hillaer und Kleine und andere Bergwerks- b''rettoren sowie Verbraucher und Arbeitnehmer anae- hören. Die Kommission wird ihre Arbeiten am 24. Oktober aufnebmeu.
Zur Sozialisierung des Kohlenbergbaues.
In einer „Zur Sozialisierung des Kohlenbergbaues" betitelten Schrift nimmt jetzt anch der Berg- ban-Verein in Essen zu dieser Frage Stellung, die nunmehr, wo die Vorlage eines einschlägigen Gesetzentwurfs vor der Tür steht, in den entscheidenden Abschnitt ihrer Entwicklung getreten ist. Anknüpfend an K,e,t^i4M -hcuiktoi,^krki|gUbC.eine.n am M. September in Berlin allaßte EntsÄlieäung gegen die Borschläge der SoziälicerKgSkommnflW gibt die Schrift zunächst einen kurzen Abriß über den Entwicklungsgang der Sossalisierungstrage seit der StaatS- umwälzung. Das Ergebnis der Arbeiten der Soziali- fteruugStommiifion wird als durchaus unfruchtbar benichnet und der Grund dafür darin gefunden, daß es der weit überwiegenden Mehrzahl ihrer Mitglieder daraus ankam, unter Außerachtlassung der davon zu erwartenden wirtschaftlichen Wirkungen der Idee oes Socialismus zum Siege zu verhelfen. Eine eingehende Behandlung findet die Frage der Rentabilität des Steigkohlenbergbaues, die von der Sozialisicriings- kommisfion vollständig vernachläisigt worden ist, obwohl die Forderung der Sozialisierung sich in erster Linie auf die vermeintlichen Riesengewinne der Kohlenberg- banes gegründet bat. Allerdings hat der Steinkohlenbergbau, ioweit er in Aktiengesellschaftsform betrieben wird, wie an Hand der Reichsstatistik nachgewiefen wird, in dem Jahrzehnt 1907—1917 mit 9,60 Proz. eine etwas höhere Rente gebracht als die Gesamtheit der deutschen Aktiengesellschaften (8,16 Proz.). Demgegenüber ist jedoch auch daS weit größere Risiko des Steinkohlenbergbaues und die außerordentlich lange anfängliche Ertraglosigkeit seiner lMernebmungen in Betracht zu ziehen. Häufig sind Jahre, sogar Jahrzehnte nach dem ersten Spatenstich vergangen, bis der Aktionär oder Gewerke die erste Dividende bezw. Ausbeute erhielt. Die Erhöhung des Verkaufspreises ab Zeche durch den Anteil des Kapitals am Ertrage ist neuerdings geradezu bedeutungslos geworden, sie betrug im letzten Jahr nur noch 2 Proz. und wird im laufenden voraussichtlich noch nicht 1 Prozent ausmachen. Roch geringer ist prozentual die Verteuerung für die weit ab von den GcwmnungSstätten wohnenden Verbraucher, die ja neben dem Zechenpreis auch noch die erheblichen Frachtkosten zu tragen haben.
Auf die Vorschläge der SozialisierungSkommission eingehend, weist der Bericht im einzelnen nach, daß sie zu einer E-atisi rung, Schematisierung und Büro- kratisierung führen müssen, nicht nur keine Steigerung, sondern eine Verminderung der Förderung und im Zusammenhang damit auch anstatt der erstrebten Ver- biUigung eine Verteuerung der Kohle herbeiführen müssen. Besonderes Interesse dürfen die Ansführungen über die Wirkung der Sozialisiernng auf die Lage des Bergarbeiters bcan pruchen, wonach dieser davon mit S cher.eit eine Verschlechterung zu erwarten haben wird. Der Bericht schließt: „Wir glauben nachge- wiesen zu haben, daß die Vorichläge der Sozialisic- rungskommiision weder der Allgemeinheit, noch den Acbeilern etwas nügen, wir halten bei ihrer Durch- lüUruiig die Schädigung der Allgemeinheit und damit auch der Arbeiter für unbedingt sicher. Wir glauben ferner durch unsere Ausführungen gezeigt zu haben, daß dieses Ergebnis der Arbeiten der Kommission juräckzuführen ist auf eine vollkommen falsche Problemstellung : Sie hat eine wirtschaftliche Frage aus poli» t,scheu Gesichtspunkten behandelt und ist deshalb den wirtschaftlichen Zusammeuhängen nicht sachlich gegen« übergetreten. WEtschafiliche Fragen müssen wirtschaftlich betrachtet werden; tut man dies, ,o ist im vorliegenden Falle einfach zu fragen, mit welchen Mitte n man die Förderung des stoblenbei gbaueS steigern und bannt seine Se bfhoften berabbrüden kann. Eine ziel« fühlende Arbeit muß deshalb nach den Wegen suchen, die produktiven Kräfte der Wirtschaft, in unterem Falle die des KonlenbergdaueS, zur höchsten SeiftungSfäbig« feit steigern. Als diese produktiven Kräfte sehen mir -aS Utite nehmertum alt, das, gestützt auf jahrzehntelange Ei folgt, seine Lcmunasfätnakst nicht mehr ru
beweisen braucht und daneben eine arbeitsfreubige Belegschaft und Beamtenschaft, ohne deren von Verständnis für die wr tschaftlichen Zusammenhänge getragene Mitarbeit an eine gesunde Eurwicklung nicht zu denken ist. Alle Wege, die zu diesem Ziele führen, wird der Bergbau gehen."
Etwas vom Sowjet-Militarismus.
Im russischen Kriegsgefangenenlager in Erlangen ist dieser Tage eine Kommission gewesen, die aus drei Verirctecn der Sowjetregierung, darunter einem gewissen Eiduck, russischer Minister in Moskau, früher Vorsitzender des Geheimen Tribunals, einem Vertreter der Reichszentreck für russische Kriegsgefangrnr und einem Mitglied des H. A. H. A., d- i. Heeresabwicklungs-Haupt- amtes, beide aus Berlin, bestand. Der Zweck des Besuches war der, mit dem Lagerdirektor, dem russischen Garnisonälteflen und den Internierten selbst über die Besserung ihrer wirtschaftlichen Lage und die Auftcchtcrhaltung von Ruhe und Ordnung im Lager Rücksprache zu pflegen. Von der Schärfe des von der Sowjetregierung wieder eingeführten Militarismus bekommt man ein« vielsagende Vorstellung, wenn man die Verfügungen hört, die von den russischen Vertretern bezüglich des Strafausmaßes getroffen wurden. Dagegen waren, was ausdrücklich hervorgehoben sei, unsere Militäracketze im kaiserlichen Deutschland auch nicht annähernd so strenge. So sollen Fluchtversuche mit nicht unter 30 Tagen Arrest, Keine Diebstähle in dc> selben Weise bestraft werden, was in Anbetracht der Notlage der Internierten der Lagerdirektion als verhältiusmäßlg zu hoch erscheint. Der Strafvollzug unterliegt der deutschen Laaerbehöcde. — Für die Besoldung der Offiziere und Mannschaften wird die Sowjetregierung sorgen, die zu diesem Zwecke die notwendigen Gelder übeciveisen wird. Als Gegenleistung für die Löhnung müssen die Internierten arbeiten. Weigern sie sich, so ist gegen sie mit der strengsten Bestrafung vorzugehen. Außerdem haben sie unter dem" Befehle ihrer Offiziere füglich militärische Uebungen ohne Waffe abzuhas- teu. — Die Kommission traf Anordnungen, die es verhindern werden, daß die Internierten p o l i - tischePropaganda treiben können. Insbesondere seien etwaige Versuche von feiten _ber deutschen Kommunistischen Partei, mit den Internierten in Verbindung zu treten, mit allen verfügbaren Mitteln, wenn nötig, auch mit Gewalt, zu unterdrücken.
PolWche Tagesberichle.
— Kommunisten und SandtagSWahltN« Nach einer Meldung der Kreuz,eituag baoen die Kommunisten beschlossen, in allen Wahlkreisen Preußens für die bevorstehenden Landtagswablen eigene Kandidaten aufzustellen und den MehrdeitSsoziallsten und den Unabhängigen jede Unterstützung zu verweigern.
— Ein Staatsstreich in China? Wie die United Preß aus Schanghai meldet, ist eS beut Führer der süschuresischeii Truppen gelungen, die republikanische Regierung in Peking zu stürzen und die Rionarchic auSzurufen. Der frühere Kronprinz soll zum Kaiser eingesetzt worden sein.
— Die international^ Donaukonferenz ha: am Mittwoch beschlossen, daß Die Kosten für den Hit« terhalt des Flusses im Prinzip von den Uferftaaten getragen werden sollen, dagegen werden im allgemeinen die Aufwendungen für Verbcffcrungiarbeiten durch die für bie Schiffahrt erhobenen Gebühren gedeckt.
— Italienische sozialistische Wandlungen. Nachdem der italienische Sozialismus im Dortigen Jahr in Bologna aus taktischen Gründen zum Bolschewismus übergegangen lvar und damit seine großen Siege bei den Nooemderwahlen und im MetaUorbetterstreik errungen hatte, kchrt er nach den trostlosen Erfahrungen, die feine nach Rußland entsandten Führer geniacht haben, und her außenpolitischen Unmöglichkeit einer kommunistischen Revolutton in Italien wieder allmäh- lia) zum demokratischen Sozialisinus zurück. Die gestern in Reggio (Emilia) eröffnete, hauptsächlich von den Führern der großen Gewerkschaften besucht« Tagung der gemäßigten, von Turati ge- führetn Richtung, tritt nach den bisher dort gehaltenen Reden für die Einheit der Partei und sogar für den Beitritt zur Dritten Internationale ein, aber unter Wahrung der nationalen Sclvst- Verwaltung und unter Ablehnung eines vorzeitigen kommunistischen Experiments. Sie ist ferner gegen die von Lenin geforderte radikale Reinigung und auch gegen die Don Serrati vor geschlagene Austreibung einiger Revisionisten wie Tu- ratis. Aufsehen erregte eine Rede Modiglianis, d«r die Uebernahme der Regierungsgeivalt unter Einführung der Republik forderte, da der Sa- zialismus kraft seiner GeoUt über bie Plassen besser als da» Bürgertum den im Frühjahr infolge der Lebensnütlet- und Rohstofsnoss drohenden revolutionären Gefahren begegnen könne. — Die in der Metallarbeiterbewegung errungenen Erfolge sichern die Aufteilung des in Sizilien von den Bauern bereits besetzten Grundbesches.
Meit« Polittfche Nachrichten Seite 4.) _