Einrückungsg eb ü b r: DreSgeip.Kolonelzeileod. deren Raum 1.— Mk.. die 4geiv. Zeile i. Reklame- teil 3.— SOiL 25Gloleuerungsaukbl. Offertgedühr 30 Pfg. Bezugsvreis: Vierteljährlich 12.90 Mk., monatl. 4.30 Mk.. für Postdemg merteljährl. 12.90 Mark, monatl. 4.30 Mk. Die Nummer 20JPfg.
V
Mark, monatl. 4.30 Mk. Die Nummer 20 Pst Postickeü-Konto Nr. 26659. Frankfurt a. M
General-Anzeiger
AmMches Organ für Stadt- und Landkreis Sana»
Erfchein! täglich mit Ausnahme bei Sonn= und Feiertage
Verlagsleitung Ad. Indermühle.
Verantwortlich: für Dolitiicbcn und allgemeinen ^eilRich. E»ult > ch , für lokalen und orovinziellen Teil iowie Sport W. Mori«. für Anzeigen und i Reklamen A. Brodt. alle in Sanau a. Al. LRotationsdruckd.Wailendausbuchdruckerei Hancm Fernsorechanlcklülle Nr. 1237 und 1238
Ar. 242
SnBÖräiürä
Donnsrskag den 14. Skkvber
1926
Das Neueste.
— Bei der Abstimmung in Kärnten stimmten 59,14 Prozent der Stimmberechtigten für Oesterreich. ,
— Die städtischen Arbeiter der Berliner Elektrizitäts- und Gaswerke sind heute morgen in den Ausstand getreten.
— Im Streik des Berliner Zeitungsgewerbes wird heute eine Einigung erwartet.
— Die Ententeforderung auf Herausgabe der Dieselmotoren stößt auf harten Widerstand.
— Nach einer Meldung der „Chicago Tribune" soll der Plan bestehen, König Konstantin auf den Thron von Griechenland zurückzuführen.
ten. In Breslau, auf deutsche Gebiet, drang die empörte deutle Bevölkerung, erregt durch die Erzählungen der Flüchtlinge und, wie es heißt, auch aufgehetzt buwh Volen, in das französische und polnische Konsulat ein und zerstörte dieses- Polen hat in den Gebieten, die ihm Wilson im Namen des Völkerbundes zugesprochen hat, so viel Deutsche getötet und gemordet, daß es nicht daran dachte, Genugtuung zu fordern. Ein bezeichnendes Schweigen. Frankreich dagegen spielte den guten Mann und begnügte sich, wie gewöhnlich, mit einem Sühneverlangen und 100 000 Franken. Es war nicht das Breslauer Konsulat, auf das es ihm ankam, sondern der Streik der schlesischen Bergarbeiter. Zehn Tage Streik mußten gar wohl die Lieferung der 2 Millionen Tonnen beeinflussen, und Fach hatte die Divisionen zum Marsch nach der Puhr bereit. Diesmal schien die Ruhr verloren. Nun verbot Lerond die Ausfuhr schlesischer Kohlen nach Deutschland. Zuerst mußten die im Rückstand gebliebenen Mengen an Polen geliefert werden. Deutschland erlitt in diesen Tagen einen Ausfall von fast einer Million Tonnen Kohlen, aber am 1. September mußte der Verband, d. h. Frankreich, zugeben, daß die 2 Millionen Tonnen trotzdem geliefert waren.
Jetzt griff P o i n c a r e zur Feder und rief sämtliche Blitze des französischen Himmels aus Deutschland herab, das mit solcher Hartnäckigkeit jeden Vorwand für den Einmarsch ins Ruhr gebiet wegnahm. Frankreich, schrieb der frühere Präsident der Republik, hat errannt, was nötig war. Nichts von einer Konferenz in Genf. Der Wiedergutmachungsausschuß wird bestimmen, was Deutschland auferlegt werden muß. Mit Deutschland kann und darf man nicht verhandeln. Habt ihr nicht ?lt: ^-fleuJjaa tj^ ^
fanty war infolge der Veröffentlichung seiner Dokumente, worin er u. a. am 9. Septem- b er dem polnischen Kommandanten von Offowice versicherte, daß er seine Banden reorganisiert habe und zum Wiederlosschlagen bereit sei, ab - g e t a n. Anständigerweise konnte doch Frankreich dasselbe Spiel nicht wiederholen, noch auch eine nochmalige gewaltsame polnische Besetzung öes. Abstimmungsgebiets zügeben. Es würde das Ansehen seines Heeres aufs Spiel gesetzt haben; dann waren auch die verehrten Engländer so shocking und jene guten Menschen von Italienern, die nur an das Rocht, die Unparteilichkeit und die Gerechtigkeit dachten. Man wird etwas anderes finden müssen. Eine Abstirpmung mit Beeinflussung. Wir werden sehen. Für Frankreich ist die Tatsache, daß die 2 Millionen Tonnen Kohlen geliefert wurden, höchst unerwünscht, da man bestimmt auf die Besetzung des Ruhrgebiets rechnete. In Frankreich standen seit langem Kohlenreserven bereit, mit denen man dem Streik begegnen wollte, den die Ruhrberg- leute ins Werk setzen könnten. Schon vor Spa hatte Frankreich so viel Kohlen, daß es imstande war. Reserven zu schaffen. Seiner Industrie fehlte es nie an Kohlen, wohl aber an menschlicher Arbeitskraft. . . . Deutschland hat sich einmal gerettet, aber die Abstimmung in Oberschlesien ist noch nicht vorbei. Es könnte der Fall ein- treten, daß Frankreich sie macht,, und in der Weise, daß Oberschlesien schließlich in der Hand Polens bleibt. Hat Deutschland dieses <Äbiet verloren, dann wird ihm die Lieferung der in Spa festgesetzten 2 Millionen Tonnen unmöglich. Dann wird das Ruhrgebiet eine reife Frucht sein, und Foch wird es erobern, während französische Banken und Ingenieure Don den polnischen Gruben Oberschlesiens Besitz ergreifen. Dann mich Frankreich über die Kohle herrschen, und Italien wird zahlen. Aber es wird ihm zusammen mit England der unaussprechliche Trost bleiben, die Hand geboten zu haben zu dem Plan, sagen wir besser zu dem Stteich, den Frankreich in
Deutschland — ich möchte sagen: seinen Verbündeten — gespielt hat.
Auch in diesen Auslassungen ist von der amtlich verkündeten Befriedigung über die Zusammenkunft von Millerand und Giplitti in Aix-les- Bains wenig zu merken.
Eine Kritik Nittis.
Jpu. Berlin, 14. Oktbr. Die Erklärungen des früheren italienischen Ministerpräsidenten Nitti in verschiedenen italienischen Blättern, in denen er für eine Revision des Vertrages von Versailles eintritt, hat in hiesigen Kreisen großes Aufsehen erregt. Man ist erstaunt und erfreut über die veränderte Haltung des italienischen Staatsmannes, der, nachdem er selbst den Frieden von Versailles mitunterzeichnet hatte, nunmehr sein eigenes Werk als undurchführbar hält. Man ist der Ansicht, daß diesem ersten Meinungsum- schwung bald weitere Ententestaatsmänner folgen
werden. In hiesigen amtlichen Kreisen hat man Grund zur Annahme, daß auch in englischen Regierungskreisen und insbesondere in den Kreisen der englischen Lordschaft sich eine Bestrebung für die Aenderung des Friedensvertrages von Versailles geltend macht. Auch Lloyd George wird dieser Bestrebung nicht mehr lange widerstehen können, zumal sämtliche englischen hohen Militärs im besetzten Rheinland heute schon offen für eine Annäherung an Deutschland eintreten.
(In einem solchen Artikel hatte Nitti u. a. geschrieben: Nach dem Fall der Mittelmächte haben die Verbündeten gegen die Mittelmächte sehr oft eine Sprache geführt, wie sie sie ihren Feinden stets verübelt haben, und trotzdem sprechen sie noch weiter von Menschlichkeit. Es gibt nicht einen anständigen Menschen, der die Verträge verteidigen kann, die sie den Besiegten auferlegt haben. Wenn Deutschland gesiegt hätte, hätte es nicht mehr verlangen können. Niemand zweifelt daran, daß die Besiegten eine Entschädigung bemahlen müssen, aber können sie die Entschädigung bezahlen, die man ihnen auferlegen will? Ohne Zweifel waren wohl gewisse territoriale Veränderungen nötig, aber waren wirklich alle Veränderungen, die wir den Unterlegenen aufgezwungen haben, notwendig?)
Rücktritt Giolittis?
Mailand, 13. Oktbr. Der „Secolo" spricht von der Möglichkeit eines baldigen Austrittes Giolittis aus der Regierung. Giolitti wird dann wahrscheinlich durch den gegenwärtigen Kammer- Präsidenten de Nicola ersetzt werden, einem besonders tüchtigen Parlamentarier, den Giolitti an die Spitze des Parlaments wünschte.
Der Sieg in Kärnien.
Klagenfurt, 13.2«. (*.30 Uhr nachm.) ^Mü$n ertöten v«M Lördtdausturm 16 Böllerschüsse, welche der in der größten Erwartung befindlichen Bevölkerung verkünden, daß in einer Stunde das Ergebnis der Volksabstimmung vom Rathaus bekanntgegeben wird. Das Ergebnis ist folgendes:
Nssegg für Deutsch-Oesterreich 1980, für Iugo-Slawien 2331, Distrikt Fortach für Oesterreich 6428, für Iugo-Slawien 4984, Distrikt Bleiburg für Oesterreich 5140, für Iugo-Slawien 2442, zusammen für Oesterreich 213 5 2, für Iugo-Slawien 15 096 Stimmen; 59,14 Prozent der Stimmberechtigten stimmten also für Oesterreich. In den Straßen der Stadt herrscht ein außergewöhnlich reges Leben. Alle Häuser find beflaggt. Alles strömt zum „Neuen Platz", der von einer vieltausendköpfigen Menschenmenge besetzt ist. Von den umliegenden Höhen dröhnen Böllerschüsse) alle Glocken läuten.
_ Dieser Sieg in Kärnten, dem deutschen „Horchposten" an der Dreirassengrenze in Südosteuropa, ist ein stolzes Bekenntnis der Oester- reicher zum Deutschtum. Vergegenwärtigt man sich die drakonischen Bedingungen, die den Kärntnern auferlegt worden waren, denkt man weiter daran, daß die Besatzungstruppen und die südslawischen Prügelbanden den Bewohnern ihre deutsche Gesinnung mit Bajonett, Peitsche und Kerker auszutreiben „redlich" bemüht gewesen sind, so haben wir alle Ursache, mit diesem Abstimmungsergebnis zufrieden zu sein. Das Volk, das sich 1919 erst nach schweren Kämpfen das Zugeständnis der Abstimmung errang, hat der Entente deutlich zu verstehen gegeben, daß es nichts wissen will von irgendwelchen Balkani- sierungsplänen, sondern daß es bleiben will, was es war: Deutsch jetzt und in alle Zukunft! — Hoffentlich trägt dies Abstimmungsergebnis dazu bei daß auch bei uns Deutschen das Interesse für die Alpendeutschen, die sich sicherlich auch weiterhin gegen die slawische Flut verteidigen müssen, wächst und wir sie in diesem Kamv^e unterstützen.
Wien, 13. Oktbr. Der Vorübende des Kabi- nettsrateS, Staatssekretär Dr. Mayr, richtete an den LandeSverweser von Kärnten ein- Devesckie, in der die Staatsregierung dem standhaften Kärntner Volke, das in bewährter Heimattreue den Sieg des höchsten Rechte?, des Rechtes auf Selbstbestimmung, errungen hat, wärmsten Dank und Gruß sendet.
Wie Sie Tschechen gelogen haben.
Die Präger „Bohemia" bringt soeben den Nachweis, wie die Tschechen die Pariser Frie- denskonftrenz getäuscht haben, um die Zustimmung zur Einverleibung der reindeutschen Gebiete Böhmens, Mährens und Schlesiens zu erlangen. Es handelte sich um eine der Konferenz via gelegte Denkschrift, in der nach dem genannten beuvfcn Blatte folgendes- gesagt wird:
Die Tschechoslowakische Republik ist nicht nur bereit, das gesamte, durch die Friedenskonferenz
Freundschaftliches Einvernehmen?
Erst kürzlich gaben wir eine Serie von der mißvergnügten Stimmung wieder, die in der «Dan'Hirschen Presse gegenüber Italien zum Ausdruck kommt Wie sehr diese Stimmung aber gegenseitig ist, zeigt ein Artikel des römischen Blattes „Jdea Nazionale", der sich über geheime Machenschaften Frankreichs, um die Besetzung des Ruhrgebietes zu ermöglichen ausläßt. Der Artikel geht von dem in Spa geschlossenen Kohlenabkommen aus und fährt fort:
Nach diesem Zusatz kann Deutschland, um die monatlichen 2 Millionen Tonnen liefern zu können, eine größere Menge Kohlen aus O b e c- schlesien ausführen, obgleich dieses Gebiet augenblicklich unter der Kontrolle eines Verbandsausschusses steht, in dem Frankreich den Vorsitz führt, und das deshalb faktisch dem Macht- bereich Deutschlands entzogen ist. Auf der einen MM- u*^./^.^ /Besetzung des Ruhr- gebiets), auf der andern ein Zugeständnis, das jedoch abhängt von dem guten W i l l e n F ran k- r e i ch s. Wir es um den guten Willen Frankreichs, Deutschland die Erfüllung des Vertrags zu erleichtern, bestellt ist, haben die letzten Wochen gezeigt. Sobald Frankreich sah, daß Deutschland, wenn auch auf die Gefahr hin, drei Viertel seiner Industrie lahmzulegen, und die bestehende Arbeitslosigkeit besorgniserregend zu vergrößern, seiner Verpflichtungen n a ch k a m, fing es an, in allen seinen Zeitungen bekanntzugeben, man habe M in Spa täuschen lasten und Deutschland Bedingungen aufekllegt, die es jetzt viel zu leicht erfüllen könne. Daß aber den Deutschen die Lieferung der 2 Millionen Tonnen recht schwer werde, dafür sorgten inzwischen der General Lerond, Vorsitzender des Verbandsausschusses für die Volksabstimmung in Oberschlesien, und seine polnischen Freunde. Man begann dem Kohlentra nsport Schwierigkeiten zu bereiten. Polen, das auf Grund des Versailler Vertrags das Recht auf eine ge- wiffe Menge schlesischer Kohle hat, erhielt einen deutschen Kohlenzug um den andern, und statt diese leer nach Deutschland zurückgehen zu lassen, benutzte eS sie und benutzt sie noch zu seinen 'Kriegstransporten. Zwei Fliegen mit einem Schlag. Polen hat bis jetzt 2000 Lokomotiven unb 90 000 Waggons angeeignet. Aber dies genügte nicht. Unangenehmer-, aber unbestreitbarer- rveise wurden die 2 Millionen Tonnen Kohlen pünktlich übergeben. Frankreich sah täglich die festgesetzte Menge Kohlen an seinen Grenzen an- kommen. Nun ließ es Lerond geschehen, daß Koc- berüchtigte polnische Führer, den, wie ich y*m<ten durch zahlreiche authentische Dokumente nachgewiesen habe, vorher geplanten Einfall ausführte. Eine einfache Versammlung, ver- anstaltet von Arbeitern von Kattowitz zum Protest gegen die fortwährenden Transporte franzö- tLruppen und Munition, die durch die ^Ichechoslowakei nach Oberschlesien kamen und dann nach Polen weitergingen, im Widerspruch der erklärten Neutralität Deutschlands im polndsch-russischen Konflikt, bot den Franzosen Gelegenheit, ihre Macht zu zeigen, den polnischen ^anoen, Bomben gegen die Menge zu werfen. Er Rest ist bekannt. Unmittelbare und geheim- Uisoolle Erklärung des Generalstreiks im Berg- werksgebiet, der aber von den deutschen Arbeiter- ^einrgungen abgelehnt wurde. Von wem also war der Streik ausgegangen? Von den Polen, . 4 Minderheit bildeten, aber geleitet nach eutseyem Muster, um den Anschein zu erwecken, » ct don den beutfrh.n Bergarbeitern aus. Es folgten Szenen tierischer Wildheit durch !« bewaffneten polnischen Banden des Kor- wntb, . Plünderungen, Brandstiftungen, Zer- orungen, Morde. Mehr als 300 Deutsche mitten H i n g e metzelt, D'e li^^.r-^ ^a-erten (Wer ap? ?^n Tave. Al^ die deutschen Berg- ^vener in die Gruben einfahren wollten, wur- *n bedroht, geschlagen, gelyncht in Gegen- wart der untätig zusehenden französischen Solda
zugu lsten der Minderheiten eingeführte internationale Recht anzunehmen, sondern sie ist auch noch bereit, über ein solches Recht Hinauszugehen, und den Teutschen alle Rechte zu geben, die ihnen zukomnreri Alle' Wahlen werden nach dem allgemeinen gleichen und direkten Wahlrecht vor sich gehen; alle Remter werden allen Staatsbürgern zugänglich lern; die Sprache der Minderheiten wird überall zugelassen sein; das Recht, ihre eigenen Schulen, ihre Richter und ihre Gerichtshöfe zu haben, wird niemals irgend einer Minderheit bsstritten 'verdcn. Hinzugefügt muß noch wer. den, daß die Tschechen keineswegs daran denken, der deutschen Bevölkermrg beispielsweise ihre Schulen, ihre ^Universitäten, ihre technischen Schulen zu unterdrücken. Die Deutschen würden in Böhmen dieselben Rechte haben wie die Tschechosloivaken. Äe deutsche Sprache würde die zweite Landessprache werden, und man würde sich niemals irgendeiner vexatorischen Maßnahme gegen d n cem scheu Bevölkerungsteil bedienen. Das Regime würde ähnlich sein wie in der Schweiz.
So lauteten die Versprechungen, die Wirklichkeit aber straft sie in der unerhörtesten Weise Lügen, denn in Wirklichkeit haben die Deutschen die unerhörteste Unterdrückung zu erdulden.
Einigung im Berliner Zeilungs« gerverbe.
Dom ReichSarbeitsmipistcrium wird mitgeteilt: Im ReichSarbeitsministtrium tauben gestern unter bei Leitung des l'imiftmairat* Dr. Siyler und in Anwesenheit des Staatssekretärs Dr. Hirsch vom Reichs» wirtschaftsministcrium zwischen den Vertretern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer des Groß - Berliner ZertuiiKSgewerbes Verhandlungen statt. Die Verhandlungen führten nach langem, außerordentlich schwierrgcm Verlauf und durch weitgehendstes beiderseitiges Gut. gegenfommtn zu einer völligen Einigung. Die ge- troffenen Vereinbarungen unterliegen noch der Zu» fhmnmng der belangten Verbände und iÄewerljchü^ru, die heute vormittag erfolgen dürfte. Hö ist zu erwarten, daß in den vom Streik betroffenen Betrieben die Arbeit noch heute ausgenommen werden wird.
*
Der Streik im Berliner Zeitungsgewerbe hat dazu geführt, daß von den Buchdruckern, die bekanntlich für die Angestellten ist den Sympathiestreik getrekGl waren, ein neuer Begriff in das deutsche Wirtschaftsleben geworfen wurde. Die Groß-Berliner Buchdrucker hatten nämlich, um ihre Weigerung, Inserate zu drucken, zu begründen, erklärt, daß darin eine indirekte Streikarbeit zu sehen wäre. Auf der Seite der Verleger wurde daraufhin eine Einheitsfront der Abwehr gebildet, da man erklärte, daß durch diese neue Formel eigentlich der Wirtschaftsprozeß im Einzelnen wie im Ganzen lahmgelegt werde. Als indirekte Streikarbeit könne einfach jeder Versuch bezeichnet werden, der darauf hinauslaufen wolle, die unumgänglichsten Notstandsarbeiten zur Erhaltung eines durch den Streit stillgeletzten Betriebes veranlaßt werden sollen. Der Begriff „indirekte Streikarbeit" wür^r bei einem Ausstand irgend einer Arbeiter- oder Angestelltenkategixie jeder beliebigen anderen die Handhabe bieten, auch ihrerseits die Arbeit niederzulegen. Diese Gefahren, die im vorliegenden Fall zunächst an Hand der Verhällnisse im Leitungsgewerbe beleuchtet wurden, würden für die ganze Industrie geschehen und es wurde daher gefordert, die neue Formel noch vor Beilegung des jetzigen Konfliktes wieder aus dem Wirtschaftsleden auszuschal- ten. Hier lag dabei der Punkt des stärksten Widerstandes der ZeitungsVerleger, während auf der andern Seite das Moment der Lusvitzung in dem Hinweis der Verleger gesehen wurde, daß in Anbetracht der statistischen Feldstellungen anstatt einer weiteren Erhöhung der Löhne deren Abbau vorgesehen werben müsse. Aus diesen beiden Tatsachen ersieht man, daß der Konflikt im Berliner Zeitungsgewerbe entgegen der erster. Voraussetzung größere Bedeutung gewonnen hatte. Auch im Auslande müssen nfest Vorgänge unerwünschteste Folgen haben Tort nur man schon darüber erstaunt, haß lO ober 30 Heizer in Msabit dar gesamte Wirtschaftsleben der Millionenstadt vollkommen hhnUeocu konnten. Die Tat lache-, baß die ganze Berliner Presse am Erscheinen verhindert wurde, vermerkte van aber noch viel peinlicher Diese beiden Beispiele zeigen denn auch mit äußerster Deutlichkeit, haß de Begr'ss des Streikrechts nicht, wie es jetzt geschah, erweitert, sondern im Gegenteil gesetzlich fester Umrissen werden müßte.
— Landarbeiterstreik. Den Leipziger Abendblättern zufolge streiken in 93 Orten des Mans» selber Kreises die Landarbeiter. In einzelnen Orten werden selbst die Notstandsarbeiten, wie die Viehsütterung und bergt, verhindert.
(Wettere politische Nachrichten Seite 6.)