Einrückunasgebühr:Die8aesv.KoIonelzeileod. • beten Raum 1.— Mk., die 4geiv. Zeile i. Reklameteil 3." Mk.. 25°IoTeuerungszuichl. Offertgebühr S0Psg-Bezuasvreis:Vierteljährlich 12.90 Mk., monatl. 4.30 Mk.. Hit Postbezug Vierteljahr!. 12.90 Mark, monatl. 4.30 Mk. Die Nummer 20Jßfa.
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tlmwches Organ für SiM- und Landkreis Sanan
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’ Nr. 241
Erschein! täglich mit Ausnahme bei Sonn- und Feiertage
Mittwoch den 13. Oktober 1920
Das Neueste.
— Der Parteitag der U. S. P. hat gestern in Halle seinen Anfang genommen.
— Die Ausstände der Gemeindearbeiter in verschiedenen Städten Sachsen? dauern fort
— Im Streik der Berliner ZeitungsgewerbeS finden heyte EinigungSverhandlungen im ReichSarbeitSministe- riüm statt.
— Die polnischen Eisenbahner sind aus wirtschaftlichen Gründen in den Ausstand getreten.
— Die Unterzeichnung des FriedenSvertrageS zwischen Eowjetruhland und Finnland steht unmittelbar bevor.
— In Wilna wurde eine neue Regierung gebildet.
— Die polnische Regierung verurteilt die Einnahme WilnaS durch polnische Truppen.
Das Programm des Reichsfinanz- Kommifsars.
Der neue Reichsfinanzkommissar Dr: Carl er- klärte einem Vertreter der „Weser-Zeitung" über sein Programm u. a. folgendes:
Der Grundgedanke der Aktion zur Wiederge- sundung des deutschen Finanzwesens, 'zu deren Durchführung ich dem Reichsfinanzminister als Reichsfinanzkommissar beigeordnet wurde, ist, daß die Reichsverwaltung allmählich eine Ausdehnung angenommen hat, die mit dem Stand der Reichsfinanzen wie mit den Wirtschaftsbe- dürfnissen unverträglich ist. In Mandel und Industrie wie auch in weiten Shteisen der Bevölkerung hat sich die Erkenntnis festgesetzt, daß eine Ueberorganisation der gesamten Reichsverwaltung vorliegt, und daß dabei nicht die Ordnung und Klarheit in der Erledigung der Regierungsgeschäfte herrscht, die man vor dem Kriege in der deutschen Beamtenschaft, namentlich in der Reiehsverwatruna.
lich angesehen hat. Zu prüfen, wo hier unter finanziellen Gesichtspunkten Abstriche gemacht werden können, ist zunächst die Hauptaufgabe. Richtschnur dabei ist, daß die Reichsverwaltung sich auf die unbedingt notwendigen Aufgaben, die dem Staat obliegen, beschränken muß. Alle Wo^n. die nicht zu den Lebensnotwendigkeiten gehören, müssen zunächst fallen. Schlimmes kann uns dabei auch auf sozialem Gebiet nicht passieren, denn wir sind den übrigen Ländern auf diesem Gebiet so weit voraus, daß wir auf ihm setzt die andern ein wenig vorgehen lassen können. Die dann noch übrigbleibenden Aufgaben müssen auf dem zweck- mäßigsten und billigsten Wege gelöst werden. Nur unter den Gesichtspunkten rein verwaltungstech- nischer Natur undohneRücksichtauf ir = gend welche Seite müssen die Verwaltungen prüfen, ob eine Ausgabe auf Staatsrechnung genmcht werden darf oder nicht. Es wird dabei Anstoß erregt werden an allen Ecken und Enden. Das ist selbstverständlich. Aber es wird die Ueberzeugung setzt überall vorhanden sein, daß es wicht mehr geht ohne die aller- ftärlften Eingriffe in das, was der einzelne gern unberührt sehen möchte. Jeder wird sich die Eingriffe, unter denen er leidet, gefallen lassen müssen im Interesse des Ganzen" Nur wenn man den Glauben haben kann, daß diese Ueberzeugung weit verbreitet ist, daß sie allmählich dem deutschen Volk in Fleisch und Blut übergeht, nur dann kann man den Mut haben, an die Lösung einer Aufgabe hora^-uoehen, welche b:e Uebernahme des Postens des sogenannten Reichskommissars für Vereinfachung und Vereinheitlichung der Reichsverwaltung fordert. Jede der jetzt zu treffenden finanziellen Maßnahmen wird auf Parteien stoßen, .die sich dagegen wehren. und sie ist nicht zu Ende zu führen, wenn unsere Maßnahmen zur Mederaesunduna der deutschen Finanzen nW getragen werden durch die Unterstützung der öffentlichen Meinung. '
Die WiedergMmachAngsfrKge.
London, 12. Oktbr. Das Neutersche Büro erfahrt, daß die Antwort Frankreichs auf die britischen Vorschläge betreffend die Wiedergutmachung heute eingetrosten sind. Sie trägt vollkommen persönlicher! Charakter. Die Verhandlungen werden fortgesetzt. Die britische Mitteilung hatte angelegt» daß vor der Tagung der in Aussicht genommenen Genfer Konferenz der Weg erst freigemacht werden sollte durch
der Finanzsachverständigen der liniierten, die aus der Wiedergutmachungs- kommisiion gewählt werden könnten, um mit den deutschen Sachverständigen die damit verbundenen technischen Fragen zu erörtern. Es wurde vorgeschlagen, daß die Genfer Konferenz danach stattfinden sollte und angeregt, daß da-- Zusammentreffen der Sachverständigen in Köln rtattfinbe.
London, 12. Oktbr. Die „Times" schreibt: Zn amtlichen Kreisen wird die französische lliote
mit Hilfe von England zu einem billigen Frieden zu kommen oder wenigstens zu einer Milderung der Bedingungen. Dann tritt er für eine Verständigung" mit Frankreich ein. Wenn wir dies wollten, müßten wir auch Herstehen, daß die Franzosen in bitterer Not seien und uns von dem Gedanken befreien, Geschenke von England auf Kosten Englands zu erwarten. Wenn wir keine direkte Verständigung mit Frankreich suchten, werde der Krieg in Europa nie zu Ende gehen. Der Redner findet in Eduard Bernstein einen scharfen Gegner. Dieser ist der Ansicht, daß die französische Sozialdenwkratie sich auf dem Wege nach Moskau befände, ob sie allerdings hin- komme, mürc man dahino^ellt sein lassen. Der Einfluß der ftanzöstschen Arbeiterschaft in der auswärtigen Politik sei gleich Null, weil sie sich zu sehr auf radikalem Wege befänden. Das Leipziger Programm der U. S. P. komme den Moskauer Bedingungen allerdings sehr nahe, auf die paar letzten Bedingungen Lenins komme es nun auch nicht mehr an. Bernstein weist alsdann auf das Elend in Rußland hin, das durch den Bolschewismus hervorgerufen worden sei und fragst ob wir dieses Elend nachahmen sollten. Ein Nein aus der Versammlung ist die Antwort. Man dürfe keine Pylitik mitmachen, die nur aus der Asche ein künftiges Glück erwarte. Die Krisis in d er II. S. P. müsse sich aus wirken und schließlich gehörten alle zu einer großen Familie. Frau B e h m-Schuch hält die Wirtschaftspolitik- für das bindende Element zwischen den einzelnen Ländern und verlangt eine stärkere Aufklärung der Frauen. F e l li s ch-Chemnitz' will wissen, wie lange man es noch verantworten könne, daß die jetzige Reichsregierung in der Schädigung des Arbeitervolles fortfahren dürfe. Er fordert baldige Neuwahlen, bei denen die uten müsse:, Forst mit der Regierung.
Dem Parteiporstand wirft er ein Versagen in Bezug auf den Steuerabzug vor. H e i lma n n- Berlin meint, die Regierung dürfe nicht eher gestürzt werden, bis das Volk einstimmig danach bertange^ Er geht dann scharf gegen Cohen-Reuß vor. Er kann sich nicht gut denken, daß der Pom- mersche Landsturmmann auf eine Stufe mit der schwarzen Schmach zu stellen sei. Gerade dort, wo 'die Franzosen im besetzten Gebiete sind, sind die Klagen der Bewohner am stärksten. Von der englischen Arbeiterpartei dürfe man in erster Linie eine Revision des Friedensvertrages erwarten. Adolf Brau n-Berlin spricht ebenfalls ein ernstes Wortchen mit Cohen. unter dem Beifall der Mehrheit der Versammlung. Wer einmal im besetzten Gebiet gewesen sei, könne nicht so reden, wie er es getan Ob Cohen denn noch nie etwas von einem Dorten gehört habe. Der Pac- teivorstand möge doch Cohen ein Stipendium zu einer Reise nach dem besetzten Gebiete (Zuruf: Oberschlesien) gewähren, damit er die Verhältnisse aus der Nähe kennen lerne. Eisenhardt- Hamburg fordert ebenfalls eine Revision des Friedensvertages, aber mit anderen Mitteln als die Römer es mit Kartago gemacht hatten. Auch er hegt auf die englischen Arbeiter große Hoffnungen- Es sei eine* Nichtswürdigkeit, wenn Cohen von den deutschen Arbeitern verlange, daß sie mit orientalischem Fatalismus das Unrecht hinnehmen sollten, was ihnen getan worden sei. Er fragt dann, wo die Strafe für die Schuldigen am Kapp-Putsch bleibe. Dr. S ü ß h e i m-Nürn- berg geht auf die bayrischen Verhältnisse ein und erklärt, daß die Reaktion in Bayern eine deutsche 6 rage sei, an Der die gesamte deutsche Arbeiterschaft nicht achtlos vorüber gehen dürfe.
Schließlich werden die Mandate der Vertreter für gültig erklärt. Dann nimmt Scheidemann, der den Vorsitz führt, das Wort und erklärt, Cohen-Reuß fei jasschon von den Vorrednern das gesagt worden, was gesagt hätte werden müssen. Es gebe wohl kaum einen zweiten Genossen in Deutschland, der sich so wie er hätte ausdrücken können. Den Delegierten aus dem be= setzten Gebiet, die sich aus begreiflichen Gründen nicht zum Worte melden könnten, sei dadurch wohl Genüge geschehen. — Damit schließt die Sitzung.
Am Dienstag vormittag wurde die Aussprache über den Bericht des Parteivorstandes fortgesetzt. Hermann Müller hat den Vorsitz. Die Aufmerksamkeit der Delegierten ist im allgemeinen nicht sehr groß. Eggerstadt-Kiel meint, die Partei dürfe auf keinen Fall sich mit einer monarchischen Partei an der Regierungsbildung betei- ligen. Ein Vertreter aus Jena ist der Meinung, das ‘neue Groß-Thüringen werde infolge der Haltung der.11. S. P. bald auseinandersallen. Der Hamburger S ch ö n f e l d e r glaubt, man dürfe zu den Acbeitern der übrigen Länder volles Vertrauen haben. Er tritt auch für Beibehaltung der Kampfgemeinschaft der Kapptage ein. Auf diesem Bollwerk lasse ücb die Republik aus*
über die Entschädigungsfrage als im großen großen und ganzen befriedigend angesehen. Es verlautet, daß die englische Regierung vermutlich der Vorbesprechung der Sachverständigen zustimmen werde, an die sich dann die Vollversammlung nach Art der Konferenz von Spa anschließen werde. Die Vorbesprechung, aus der sich keine bindenden Verpflichtungen ergeben sollen, wird von jedem Lande einschließlich Deutschlands mit zwei Sachverständigen beschickt werden. Es wird erklärt, daß die englische Regierung noch immer der Ansicht ist, daß die Deutschen als vollberechtigte Teilnehmer an der Vollversammlung teilnehmen sollen. England sieht das Uebereinkommen von Spa nicht als hinfällig an.
London, 12. Oktbr. „Daily Ehronicle* schreibt über die Wiedergntmachunqsfrage: Durch die Methode, die Frankreich Vorschläge, werde es für eine Generation ein Damoklesschwert über dar Haupt Deutschlands aufhängen, während England die Frage gleich regeln wolle, um nicht nur den Frieden dem Namen nach, sondern einen wirklichen Frieden in Europa herzustellen.
Paris, 12. Oktbr. Der „Petit Puristen" betont, daß der Besuch Delacroix' in London In Wirklichkeit dem Zweck gelte, mit Lloyd George endgültig die WiedergutmachungSfrage anszunchmen. Der „Petit Parisien" will aus bester Quelle wissen, daß es sich ausschließlich dabei um die Wiederzutmachungsfrage handele und um die Mittel, einen Ausgleich zu finden zwischen dem englischen Gesichtspunkt und dem französischen, der von den Belgiern geteilt werde. Der „Matin" erklärt, im Laufe seiner gestrigen Unterredung mit Lloyd George, der auch Stuften Chamberlain bci- gewohnt habe, habe Delacroix in genauester Weise seine eigenen Anregungen vorgctrag?n, die nur wenig van den französischen .abweichen. Diese Vorschläge betrafen die Berufung einer Sachverständigenkonferenz nicht nach Köln, sondern nach Brüssel. Die Delegierten der Wiedergutmachungskommission würden so gewisser- maßen zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen« kommen, und auch die tntereiticrien ve»MhM,<EMD minister würden- berufen werden. Die Konferenz werde zweifellos im lanfcnvenMonat stattfinden. Der „Matin" fügt hinzu, Delacroix scheine überzeugt zu fein, daß seine Anregungen die Zustimmung Englands und Frankreichs finden würden.
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In einer Besprechung des englisch-französischen Gedankenaustausches über das Verfahren zur Festsetzung der von Deutschland geschuldeten Entschädigung,, führt die Deutsche Allgemeine Zeitung aus, dass Deutschland gern bereit sei, mit jeder der alliierten Mächte oder mit mehreren zusammen den Boden für die Genfer Konferenz in einer kurzen Besprechung von Sachverständigen vorzubereiten, aber ei müsse Klarheit darüber herrschen, daß Deutschland an der Idee von Genf festhält. Es sei deutscherseits nichts dagegen einzuwenden, daß diese Voreröterung in Köln stattfände, nur müsse Vorsorge dafür getroffen werden, daß nicht etwa die Köhrer Zusammenkunft als ein Ersatz für die Genfer Konferenz angesehen werden. In Köln könne es sich lediglich um unverbindliche Vorbesprechungen handeln. Die Idee von Genf ist, so schließt das Blatt, durch Zusicherung' festgelegt worden es ist selbstverständlich, daß diese Zusagen gehalten werden müssen. Ueber die Art und Weise, wie sie ausgeführt werden, kann gesprochen werden, es ist aber nicht möglich, daß die Natur dieser Besprechungen selbst in ihr Gegenteil verkehrt werden, indem anstatt internationaler Verhandlungen auf paritätischer Grundlage zu dem System der Ultimaten und Diktaten wie in Spa geschritten werde.
Jtttcrnationale Wirtschaftstoufereuz.
London, 12. Okt. Dcr Vorsitzende der mtcr- natimalen Wirtschasislonferenz in London, Sir Gcoige P a l f h, erklärte, daß, falls den Ländern, die burd) den Krug am meisten gelitten haben, nicht gehoben werde, Großbritanicn in kurzer Zeit vor großen Schwierigkeiten stehen werde. Er trat für eine DLöi« sion des FriedenSvertrageS ein. Herr S i m o n, der irügere holländische Finan,minister ich.ug vor, Dcutsch- ianb einen Shebit zu gewahren zum Hintan* von Rohstoffen. Holland wäre zur Gewährung von Streb den bereit, aber das Volk, beut gehoben werden lollc, mühe sich dessen würo.g erweisen. Der deutsche Journalist Stab« regte zur Beseitigung des Wechselkursus sie Bildung eines internationalen Syndikats an.
SoziaröemokrLiifcher Parwilag.
In d«r Montagssitzung des in Gaffel tagenden Parteitages dec Soziatdemolcatischen Partei wird zunächst der Bericht des ParleworLandes erstattet, der gedruckt vort.egt. In der Nachmittag- sitzung beginnt die Aussprache. Schnabrich- Hersfoid veklagt es, daß die Partei zu sehr die Politik der Straße mitmache, wie d.e U. S. P. sie beliebe. Hatte nur ein kleiner Teil der Sozialisten die Courage eines Noske besessen, so stünde es besser um die Parier. I ch c n-Keuß-Ber- lin, der eine scharfe Sprache redet, zieht einen größeren Kreis um die Rednerpulte. Der Hauptfehler sei vor dem Meg-e gewesen, die sogenannte englische Einltelluna. Äöan habe immer gehofft.
bauen. Das Sozialifierung dürfe nicht ferner ein bloßes Schlagwort bleiben. Dazu gehöre aber Vertrauen zur demokratischen Energie und Auslüftung der Amtsstuben sowie Demokratt- sterung der Verwaltung. Aus diesem Grunde dürfe der gegenwärtigen Regierung keine lange Amtsdauer gelassen werden. Ueber Jugendbil- dung und Kulturprobleme verbreitet sich Heinrich Schulz- Berlin. Er findet größere Aufmerksamkeit der Delegierten. Mit den Verhältnissen im besetzten Gebiet beschäftigt sich auch Brett, h o r st - Leipzig. Die Genossen im besetzten Gebiet müssen auch mit dem Mittel der Demonstration unterstützt werden. Aber vor einer Verbindung mit den Gegnern sei zu warnen, vor allem mit den Deutschnationalen. Das gelte not. allem für Demonstrationen gegen das Unrecht, gegen den Terror in Oberschlefien. Ein.Antrag auf Schluß der Debatte fand Widerspruch, weil die Stimmung draußen in der Partei weniger friedlich sei, als hier auf dem Parteitag. Siebzehn Redner hätten gesprochen, fünfundzwanzig waren noch auf der Rednerliste. Die Abstimmung entschied für Schluß der Debatte. Wels^, der das Schlußwort hatte, stellte dann fest, daß die Krittk am Parteivorstand sich in gemäßigtem Rahmen vollzogen habe. Er macht dann darauf asfmerksam, daß Cohen-Reuß eine Zähigkeit entwickele. die einer besseren Sache würdig sei und daß sein „Hohes Lied auf die französische Politik^ von den Slnfidltcn der Partei abweicht. Wels protestierte gegen hoch fahrende Schulmeisterei, mit der Cohen-Reuß die deutsche und französische Sozialdemokratie behandelt hat. Die Berliner Genossen würden sich noch mit ihrer Vertretung auf dem Parteitag zu befassen haben. Jedenfalls habe die Debatte dem Parte-vorstand ein glänzendes Vertrauensvotum erteilt. Was den Steuerabzug betrifft, so gibt Ü ^Jaaalulü&ä^ als^en Ap-'m vom Lohn, der durch Lohnerhöhungen toieier wettgemacht wörden könne. Bei der Kartoffel- unb Fleisch Verteuerung bat der Vorstand nur das Ziel, auf Verbilligung hinzuwirken und bedarf dabei allseitiger Unterstützung. Eine geforderte 25proz. Erhöhung der Vermögensabgabe gehl dem Parteiborstand nicht weit genug. Den Bestrebungen auf Einigung der deutschen Arbeiterklasse hat der Vorstand von jeher sein Augenrnecl zugewandt, unmöglich ist aber die Zustimmung zu einem Antrag, diese Einigung über die Köpfe der Führer hinweg anzubahnen. Der Antrag, daß nur Republikaner den diplomatischen Dienst im Ausland versehen sollten, sei selbstverständlich. Die Abstimmungen ergaben u. a. Uebertreifung an den Parteivorstand für einen Antrag, der die Errungenschaften der Revolution gesichert wissen will. Dem Parteivorstand wurde Entlastung erteilt. Die Anträge betr. den Eintritt in die Regierung wurden angenommen. Die Haltung der Partei ist dadurch mit großer Mehrheit gebilligt worden.
Im Anschluß an die Abstimmung erstattet« Reichstagsabgeordneter Hildebrand - Berlin den Bericht der Reichstagsfraktion. Dabei erhob er Protest gegen die weiter über die Bestimmungen des Friedensverttages hinausgehenden Kosten für die Anlagen ■ von Truppenübunaz- E"ätzen und andere militärische Vorkehrungen der itente im besetzten Gebiete und bezeichnete sie als größenwahnsinnige Ausflüsse der französischen Militärkaste. Er fügte folgenden Aufruf an die Arbeiterklasse der Ententevölker, besonders der in Frankreich an: Der deutsche Militarismus ist zerschmettert. Habt acht, daß der Enteutemilitarismus nicht noch größeres Unheil über die ganze Welt bringt.
Eine Entschließung über die Dieselmotoren.
Eassel. 12. Oktbr. Der Parteitag der M-stv- Heitssozialisten nahm unter starkem Beifall eine Entschließung gege n das kultur^ändensche Treiben der Enten!« an, die die Dieselmotoren vernichtet wissen will. Der Vorsitzende Müller sprach die Hoffnung aus, daß dieser Be'ckilnß bei der Arbeiterklasse der Ententelander ein Echo finden werde.
Parke!i«N der 21. S. P.
Satte a. S., 12. Oll. Der Parteitag der int* bängigcn sozmidemokratllcheu Partei Deutschlauds würd« heute in Anwcscnbcit von meid als 500 Teikbehmern, darunter glich ausländischen Parteigenossen, voir dem Barteivorii^tiiben ©rüpieu eröffnet. Dieser erklärte in einer 9l;be u. a., um eil e mirtfente Altion zu ermög< lüden,-sei volle Klarheit über den Charakter, die Grundsätze, AdsicMcu und Ziele der unabhängigen sozialistischen Partei notwendig. Klarheit sei nur möglich durch klares Slnneömen oder Adlclwcn der Moskauer Auf- nahmebediniiungen uns gegebenenfalls die eheliche Bezeichnung der Partei als kommuuistische Partei Deutsch« urnb«, Sektion der dritten kommunistischen Internationale. Zu Vorsitzenden wurden D-ttmann und Braj gewählt.
(Weitere volitiiLe Nachrichten Seite 6^,