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Linrückungsgebübr: Die8gesv.Kolonelzeileod. deren Raum 1.- Mk.. die sgeiv. Zeile i. Reklame- teil 3. ${?.. 25°IaTeuerungszuichl. Offertgebühr 80 Pfa.Bezuasvreis: Vierteljährlich 12.90 Mk.. monatl. 4.30 Mk., für Postbezug Vierteljahr!. 12.90 Mark, monatl. 4.30 Mk. Die Nummer 20 Pfg.

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Nr. 239

General-Anzeiger

Amtliches Organ Wr Stadt- und Landkreis Lamm

Erscheint täglich mit Ausnahme der>2onn- und Feiertags

Wvniag den 11. Oktober

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Verlagsleitung: Ad. Jndermübl«.

Verantwortlich: für volitischen und allgemeinen TeilRich. Hultsch: rür lokalen und vrovinziellen Teil sowie Sport W. Moritz: für Anzeigen und Reklamen A. Brodt. alle in ßanou a. M.

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1920

Das Neueste.

Der Parteitag der Sozialdemokratischen Partei wurde gestern nachmittag in Gaffel er­öffnet.

Die Polen haben am 9. Oktober trotz Waf- fenstillstand mit Litauen Wilna eingenommen.

Im Reich macht sich eine neue Streikwelle bemerkbar.

Dem Reichs finanzminister wurde ein Reichskommissar als Finanzdiktator beigeordnet.

i Sozialdemokralrscher Parleilag.

Der sozialdemokratische Parteitag trat gestern abend in Cassel unter Teilnahme von etwa 500 Dele­gierten zusammen. Oberbürgermeister Scheide- mann wies in seiner Begrüßungsansprache u. a. darauf hin, daß die sozialdemokratische Partei heute mehr denn je nicht nur gegen das deutsche, sondern gegen da» internationale Kapital im Kampfe stehe, von dessen Geist der Vertrag von Versailles durchdrungen sei. Wir müßten in diesem Kamps um die Sympathie und die Unterstützung der arbeitenden Bürger der ganzen Welt bitten. Weiter erklärte Scheidemann, daß da» Ziel der sozialdemokratischen Partei nicht das Verbleiben in der Opposition sei, sondern die Ge­rissenheit einer stärkeren Einflusses auf den Staat, als sie ihn in der vergangenen Regierungskoalition hätte ausüben können. Zu Vorsitzenden des Partei­tages wurden einstimmig die früheren Reichskanzler = Hermann Müller und Scheidemann gewählt. Müller, Eber sodann den Vorsitz übernahm, sagte, nur die sozia­listische Arbeiterklasse trage dazu bei, daß gemildert werde, was in dem Versailler Frieden unerfüllbar und unerträglich sei. Was in Feindesland gesündigt sei, müsse wieder gut gemacht werden, aber wir müßten auch die Möglichkeit dazu erhalten. Der Völkerbund müsse zum wahren Völkerbund gemacht werden. Er- I ? frenlich sei,' daß englische und belgische Sozialisten der ^^^osttNing Mödruck gegebendabcil, auf dem ^nächste» M Parteitag anwesend sein zu können. Für Holland k werde Troelstra erscheinen. Unter dem Beifall der Versammlung wies Müller auf die Verdienste Brau- I lwgS um den internationalen Sozialismus hin. Müller dankte insbesondere den dänischen Genossen für das LicbcSwerk, da» sie an deutschen Kindern getan i hätten. Er gebe eine große Zahl deutscher Kinder, die dänische socialistische Pflegeeltern hätten und die diesen Liebesdienst ihr ganzer Leben nicht vergessen würden. (Beifall.) Müller fuhr fort: Mit tiefem Schmerze müssen wir fest stellen, daß die urdeutschen Danziger nicht mehr zx Deutschland gehören. Hier sind Deutsche gegen ihren Willen von Deutschland loSgerissen. Hier gilt eS ziisayimenzuarbeiten für einen wahren Völker- bund. Wir weisen den Gedanken gewalttätiger Revanche weit von uns, wir wollen nur den Appell m das Recht. (Lebhafter Beifall.)

Auftrage der dänischen Sozialdemokraten nahm, von lebhaftem Beifall begrüßt, S t a u n i n g das Wort und wies darauf hin, daß e» den Kampf gegen I ^n Kapitalismus und Militarismus gelte. Die Ab­rüstung müsse das Ziel der Arbeiterklasse aller Länder sein. Er freue sich, daß das Grenzverhältnis zwischen Dancmark und Deutschland durch Volksentscheidung zeordnet sei- Die deutsche sozialdemokratische Partei habe den Dänen immer Gerechtigkeit widerfahren . ®änen würden umgekehrt dasselbe tun. Engbzerg, gleichfalls mit lebhaftem Beifall empfangen, übermittelte die Grüße der schwedischen Ge­noß ett,! die alles getan hätten und weiterhin tun wurden, um die internationalen Beziehungen zu H wegen. Die schwedische Arbeiterschaft habe reinen mit dem Bolschewismus gemacht und halte an den alten Grundsätzen der Sozialdemokratie fest. Im -camcn der Sozialdemokraten Danzigs und des Saar- erklärten zwei Vertreter, daß sie trotz ihrer ---re.ßuug von Deutschland, die nur eine vorüber­gehende sein dürfe, nicht aufhören würden, kerndeutsch in denken und zu fühlen.

Berlin, 10. Oft. Zur Eröffnung des sozial- demolratischen Parteitages sagt derVorwärts", die Vartci zähle wieder wie vor dem Kriege mehr als eine ^.iuion Vlitglieder. _ Sie sei die weitaus stärkste poli- uiche Organisation in Europa, mindestens doppelt so dar., wie die kommunistische Partei im riesigen Ruß- lano. Das nächste zu vollbringende Werk sei die " glallsierung desBergbaues. Die Frage M Teilnahme der Partei an der Regierung fei keine ^» Prinzips, sondern der Taktik. Ley BolscheiviS- I werde nichts hinterlassen als Trümmer, und die lopnlistische Bewegung in Rußland auf Jahrzehnte ichadigen.

Eine neue SZreikWslLe.

Berlin, 3. Oktbr. Einer Korrespondenzmel- dung zufolge wollen die Berliner Buchdrucker- organisationen den Ausstand im Buchdruckge- weroe mit Hilfe der Reichsorganisationen über Berlin ausdehnen, falls die Einigungs- ^chandlungan rein Ergebnis haben. Den Abendblättern zufolge besagt eine Korrespondenz- neldung: Auf Grund ihrer Sympathieerklärung für die Zeitungsverleger erklärten sich 150 Fir- mew bereit, die Herstellung von Zeitungen und En^gen Arbe.ien der Teifun gebe triebe zu übcr- .reh:nen Bei der Ablehnung der Ausführung ^^ser Jadeiten durch das Personal werden die ^ruccereifirment ebenfalls zu Entlassungen ihrer freiten. Von beteiligter Seite wird diese Meldung bestätigt.

Berlin, 9. Oktbr- Der amtliche preußische Pressedienst teilt mit: Auf den Wissener Eisen­hütten im Siegerland ist ein wilder Streik aus­gebrochen, der größeren Umfang anzunehmen droht. Anscheinend beabsichtigen die Streiken­den, auch die Notstandsarbeiten zu verhindern. Dadurch würden die zum Werke gehörenden vier großen Eisensteingruben mit 2000 Mann Beleg­schaft und 25 000 Tonnen Monatsförderung zum Erliegen kommen und 4000 Gruben- und Hütten­arbeiter auf viele Monate hinaus erwerbslos werden. Das Ueber greifen des Streiks auf an­dere Werke ist nicht ausgeschlossen. Der preußische Handelsminister nahm eine Vermittelungsaktton auf.

Mannheim, 9. Oktbr. Die Direktion der Badischen Anilin- und Sodafabrik teilt mit: Wiederholt wurde in den letzten Monaten in der Presse über wilde Streiks und sonstige Unruhen in der Badischen Anilin- und Sodafabrik in Lud­wigshafen a. Rh. berichtet, die weitgehendes Entgegenkommen der Werksleitung nicht zu ver­hindern vermochte und die vor einiger Zeit sogar zu Mißhandlungen von Mitgliedern der Direk­tion führten. Vor wenigen Tagen erst sah sich der Arbeiterrat selbst, durch das Verhalten der Arbeiterschaft veranlaßt, ihr seinen Rücktritt be­kanntzugeben und dabei auf die völlige Unhalt- backeit der eingerissenen Zustände eindringlich hinzuweisen. Gestern nachmittag legte eine Schicht der Belegschaft der Gasfabrik in Oppau die Arbeit nieder, weil ihren Lohnforderungen nicht binnen einer halben Stunde entsprochen wurde. Die Stillegung dieses wichtigen Teiles des Betriebes führte in kürzester Zeit zum Er­liegen des Gesamtbetriebes. Die Werksleitung wurde dadurch gezwungen, die beteiligten Arbei- Zex sofort zu entlassen. Die heute nachmittag er­folgte Abstimmung ergab, daß sich die große Mehrzahl der Belegschaften des Weckes mit den Entlassenen solidarisch erklärte, worauf der gan­zen Arbeiterschaft des Werkes in Oppau gekün­digt werden mußte, da unter diesen Umständen eine Fortführung des Betriebes unmöglich ist. Die Angestelltenschaft des Werkes stellte sich rest­los auf den von der Werksleitung in der Frage eingenommenen Standpunkt.

Chcmnitz, 9. Oktbr. Die städtische Arbeiter­schaft von ChAnnitz ist heute abend wegen Lohn­streitigkeiten in den Streik getreten. Infolge­dessen wurden das städtische Elektrizitätswerk und das städtische Gaswerk abends stillgelegt. Die Stadt liegt im Dunkeln.

Oberschlssisn.

Französische Irreführung. ^

In der polnischen Presse Oberschlesiens, ins­besondere im Organ Korfanttzs, derOberschles. Grenzzeitung", wurde seit einiger Zeit ein Feld­zug gegen die klaren Bestimmungen des Artikels 88 des Friedensvertrages und seiner Anlagen eingeleitet, mit dem Ziel, einer großen Anzahl AbstimMungsbeiechtigter das Abstimmungsrecht zu rauben. Neuerdings schloß sich auch ein Teil der französischen Presse dieser Polemik an. Nach einer Meldung desTemps" traf, wie mitgeteilt wird, jetzt sogar eine Abordnung des polnischen Verteidigungskomitees aus Oberschlesien in Paris ein. Es will versuchen, beim Völkerbund die Verweigerung des Stimmrechts für diejeni­gen Oberschlesier durchzusetzen, die außerhalb Oberschlesiens wohnen. Gegenüber diesen poln. Versuchen, die Abstimmung'durch den Ausschluß deutscher Abstimmungsberechtigter zu verfälschen, kann nur nochmals auf den klaren Wortlaut der angegebenen Bestimmungen des Friedensvertra- ges (Artikel 88, Anlage Paragraph 4) Hingewie­sen werden, demzufolge jede Person ohne Unter­schied des Geschlechts, die nachstehenden Bedin­gungen genügt, stimmberechtigt ist: e) Sie muß am 1- Januar des Jahres, in dem die Volksab­stimmung ftattfinbet, das 20. Lebensjahr vollen­det haben, b) Sie muß in der Zone, worin die Volksabstimmung ftattfinbet, geboren sein oder dort seit einem von dem Ausschuß festzusetzenden Zeitpunkt, der aber nicht nach dem 1. Januar 1919 liegen durft ihren Wohnsitz haben ober von den deutschen Behörden ohne Beibehaltung des Wohnsitzes in der Zone ausgewiesen sein. Den wegen politischer Straftaten Verurteilten muß die Ausübung des Stimmrechts ermöglicht wer­den. Zweifel über diesen Wortlaut sind ausge­schlossen. Das geschilderte polnische Vorgehen ist nur ein Versuch zur Verletzung des Versailler Vertrages. Die deutsche Regierung wird sich mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln da­gegen wehren, daß auch nur einem einzigen Ab­stimmungsberechtigten durch Verdrehung der völlig klaren Rechtslage das Stimm.echt geuom- rr.en wird. Mit welchen Mitteln die Polen in Paris Stimmung für ihre Pläne machen, geh! weiter aus einer .Temps"-Meldung hervor, wo­

nach auch ein Deutscher der Abordnung ange- höre. Er trete im Auftrage der oberschlesischen Volkspartei für dieEinigung Oberschlesiens mit Polen in autonomer Form" ein. Täes soll ganz offensichtlich die ftanzösische Öffentlichkeit irre­führen. Es muß deshalb hier ausdrücklich fest­gestellt werden, daß die oberschlesische Volkspar­tei mit ihrem deutschklingenden Namen rein pol­nische Tendenzen vertritt. Weiter wird behaup­tet, die deutsche Regierung bezahle die Trans­portkosten für die aus dem übrigen Deutschland zur Abstimmung reisenden Oberschlesier. Auch dies ist eine Irreführung. Die polnische Abord­nung weiß ganz genau, daß die Mittel für die Beförderung der Abstimmungsberechtigten durch eine Volkssammlung innerhalb ganz Deutsch­lands aufgebracht, von einer privaten Organi­sation verwaltet und verteilt werden. Endlich behauptet die polnische Abordnung, die deutsche Regierung erschwere die polnische Propaganda in Oberschlesien durch alle möglichen Mittel, wie Einschüchterung, Verhaftung und Zurückhaltung polnischer Propagandadokumente. Dieser Vor- wurf kann sich nur gegen die interalliierte Kom­mission, nicht aber gegen die deutsche Regierung richten, da sie zur Zeit in Oberschlesien keinerlei Hoheitsrechte ausübt. Uebrigens mutet es merk­würdig an, wenn die Polen nach den ungeheuer­lichen Vorgängen der letzten Wochen es wagen, von Einschüchterung zu reden. Der polnische Aufftand im August 1920 erbrachte den klaren Beweis, auf welcher Seite versucht wird, mit terroristischen Mitteln die rechtmäßige Abstim­mung zu hintertreiben.

Aus dem Osten.

Die Bedingungen des polnisch-russischen Waffen­stillstandes.

Paris, 9- Oktbr. Nach einer Meldung der Times" lauten die Waffenstillstandsbedingun­gen zwischen Polen und Rußland:

1. Die Feindseligkeiten werden 144 Stunhen nach Unterzeichnung der Friedenspräliminarien aufhören.

2. Beide Armeen sollen die Territorien räu­men, die außerhalb der Wasfenstillstandslinie liegen.

3. Die Räumung soll 24 Stunden nach Ab­schluß des Waffensttllstandes erfolgen.

4. Keinerlei militärische oder zivile Güter sollen weggettagen und keinerlei Geiseln ausge­hoben werden.

5. Diese Bedingungen sollen von der polni­schen und der russischen Armee in gleicher Weise beobachtet werden.

6 Eine neutrale Zone von 30 Kilometer wird östlich der Waffenstillstandslinie eingerichtet.

7. Die Durchführung der Waffenstillstandsbe­dingungen wird durch eine eigene militärische Mission geleitet.

8. Eine gemischte Militärkommission wird die Aufrechterhaltung des Waffenstillstandes über- tvachen.

9. Keinerlei Verbindung darf zwischen den beiden Armeen während des Waffenstillstandes stattfinden.

10. Jedermann, der diese Bedingungen ver­letzt, wird Kriegsgefangener.

11. Der Waffenstillstand wird 25 Tage dau­ern, kann aber von jeder der beiden Parteien 36 Stunden vorher ausgekündigt werden. Mit dem Ende der 25 Tage wird der Waffenstillstand automatisch fortgeführt, bis er von einer der bei­den Parteien zehn Tage vorher aufgekündigt wird.

*

Bruch des polnisch-litauischen Waffenstillstandes.

Wilna, 9. Oktbr. Die Litauische Telegrophen- Agentur meldet: Am 7. Oktober unterzeichneten die Polen in Gegenwart einer interalliierten Schiedsgerichtskommission einen Waffenstillaands- bertrag mit Litauen und erkannten die Demar­kationslinie als endgültig an. Noch am selben Abend griffen die Polen trotz der dringenden Warnung der interalliierten Kommission die litauischen Stellungen unerwartet an, durch­brachen die Demarkationslinie und setzten mit ungewöhnlich starken Kräften den Vormarsch gegen Wilna fort. Die interalliierte Kommission steht diesem neuen polnischen Waffenstillsiands- brud) machtlos gegenüber. Es entspannen sich erbitterte Kämpfe in der Gegend von Shosli. Auf beiden Seiten gab es große Verluste. Die litauische Heeresleitung traf Maßnahmen, um die litauische Hauptstadt Wilna bis zum letzten Mann zu verteidigen In Stadt und Land bil­deten sich Bürgerwehren. Die polnische Ueber« macht ist so groß, daß es ihnen gelang, bis 15 Kilometer südlich von Wilna vorzubrechem Da man damit rechnen muß, daß die Polen auch ihr Verbrechen. Wilna unberührt zu lassen, treulos

brechen, entschloß sich die litauische Regierung, die Mnisterien und Aemter nach Kowno zurück- zuverlegen. Die interalliierten Kommissionen er­klärten sich bereit, den Schutz der litauischen In­teressen in Wilna wahrzunehmen, falls es den Polen gelingen sollte, sich der Stadt zu bemäch­tigen. Sie unternahmen einen neuen Versuch, dem - polnischen Vormarsch Einhalt zu gebieten. Der unerhörte Bruch des Waffenistillstandes und aller bisherigen Versprechungen, schließlich auch die unerhörten Ausschreitungen der Polen gegen­über den litauischen Bürgern riefen in allen Volksschichten Erbitterung hervor, die die Ueber­zeugung an den Sieg der Gerechttgkett festigt. Litauen erwartet, daß alle zivilisierten Nationen der Erde sich auf seine Seite stellen. Litauen ist überzeugt, daß auch der Völkerbund Mttel und Wege findet, seinen Entschließungen Geltung zu verschaffen.

Kowno, 10. Oktbr. Ltt. Telegr.-Agenttre Die letzten Ministerien verlassen die Haupffiadt Wilna nach ordnungsgemäßer Räumung am 9- Oktober. Es waren am 9. Oktober erbitterte Kämpfe an der Front in Wilna hörbar. Die Be­völkerung ist erregt. Die Juden fliehen aus Angst vor Pogromen. Mtli? hält die Ordnung aufrecht Die Kontrollkommission des Völkerbun­des ist aus Suwalki nach Wilna gereift, um mit den litauischen Regierungsverttetern den Sach- verhalt zu untersuchen.

Nach hartem Kanrpf haben die Polen am 9. Oktober Wilna eingenommen. Die Litauer halten die Linie Olänki-Mtiroki-Dakakovienska- Raschkazy. Die angreifenben Truppen sind zu­sammengestellt aus vergolten Bewohnern Ost­litauens, die von General Soligowski geführt werden Soligowski hat in Wilna eine neue Re­gierung aus gerufen, deren Oberhaupt er selbst ist und an der ^Gutsbesitzer^ieilnebmen. Sie ter« sangen, daß die Litauer das ganze früher von Polen be'etzte Gebiet verlassen und daß eine Volksabstimmung stattfinde.

Die Zukunft Wrangsls.

Ipn. Paris, 10. Okt. Die französische Preise be­schäftigt sich sehr mit der Zukunft Wrangels. Es be­steht die Befürchtung, daß die Bolichewisten, nachdem sie im Norden durch den Frieden mit Polen freie Haus bekommen haben, ihre Heere nach Norden werfen und Wrangel in Gefahr bringen. MilitärischerieitS werden von Frankreich alle Gegeumaßrcgclu getroffen, um die Armee Wrangels widerstandsfähig zu machen. Doch zeigt sich ein merkwürdiger Widerspruch in der fran? zösischen Regierungspolitik. Während einerseits alles geschieht, um die Vorteile, welche Wrangel in Süd- rußland erhält für Frankreich, besonders für seine zu­künftigen Handelsbeziehungen mit Rußland und der südlichen Nachbarstaaten nutzbar zu machen, und fremd« Eindrmglmge fern zu halten. Hat die französische Re- gierung besondere Sorge über Wrangels politisch« Ziele. In dieser Beziehung >vird in Paris große» Mißtrauen geäußert und die starke Anteilnahme Frank­reichs an der Wrangelexpcditiou ist weniger daraus zurückzuführen, die Bolschewisten zn vernichten, als bic Tatsache, daß Frankreich sich eine bevorrechtigte stet- lung tu Südrnßlan» erobern will, von der aus eS da? übrige Rußland oder die demnächstige neue Regierung zu beeinflussen hofft. Aeußerungen aus amtlichen Krei­sen bestätigen diese Auffassung vollends. Man wird Wrangel nächster Tage eine ganze Anzahl französischer Offiziere man spricht vonPMhezu 1000 senden, die als geheime Kontrolleure über alle Handlungen Wrangel» wachen sollen. Sie werden über seine Armee verteilt, so daß sie alle Bewegungen verfolgen können. Außer­dem sind noch etliche hundett erfahrene Beamte aus den Ministerien und Handelssachverständige bestimmt worden, die sich ebenfalls nach der Krun begeben müssen und dort ihre Tätigkeit aulnehmen. Ein ftanzösische: Minister fyrach sich letzter Tage.cinem englischen Dip­lomaten über die Vorgänge dahin aus, dau man Wrangel immerhin als deutschen Politiker betrachten muß, der auch engeBcziehungcu zu früheren deutschen Staatsmännern unterhalte, die über Rußland genau . orientiert seien bester als die Entente. Bei Wrangel liege die Gefahr vor, daß er sich nach Gelingen seiner Operationen plötzlich als der politische Rivale ber Su» teilte erweise und das neue Rußland mit deutscher Hilfe und britischer Politik aufbaue, die man aus Dr i baltischen Provinzen, woher Wrangel stamme, noch genau feinte. Es sei auch anzunehmen, daß Den:>:>>- lan» dabei zwei Wege verfolge. Seine gewisse Smn» pathie mit dem russischen Bolschewismus einerseits um andererseits die militärischen Komiettionen mit Wran­gel seien zwei gewaltige Aftitel die Dcutschlunt« ocu Weg in Rußland frei machen. England wolle den Norden beherrschen, habe aber eine verfehlte Po.u k getrieben, indem es sich mit den Bolschewisten osnzicll entließ und dadurch die Sympatien im übrigen diug-- land verlor. Letztere hat Deutschland gewonnen, und sucht durch Wrangel auch die Ausiichtcn Frankraim» im Süden zu vernichten. An dem Tage, wo^2vran» gel eine neue russische Monarchie errichtet, sei Deuftch- sands politische Wiedergeburt besiegelt. Au- Dieie Dinge sei die Politik der sranzösischeu Regierung ge- richtet und man werde sich nicht täuschen, wenn oie Zukunft den Weg einschlägt den Deutschlano wünscht unD nicht, was die Entente zu erreichen hoffe.

Weitere Voliftsche Nachrichten auf Seite 51.