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1920

Donnerstag den 7. Oktober

Nr. 236

Erscheint läglich mit Ausnahme der Sonn- md Feiertags v. ^»*M«aBasa!«g^^ in !! im l^rlBaa

Einrückungsgebübr: Die8geiv.Kolonelzeileod. deren Raum 1.Mk., die 4ge>o. Zeile i. Reklame­teil 3. Mk.. 25°loTeuerungszuschl. Offertgebühr 30 Ma. Bezugspreis: Vierteljährlich 12.90 Mk.. morratl. 4.30 Mk.. für Postbezug vierteliährl. 12.90 Mark, monatl. 4.30 Mk. Die Nummer 20 Pfg.

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Generm-Anzelger

AmMches Organ für Stark- und Landkreis Sanau

Verlagsleitung: Ad. Indermüble. Verantwortlich: für politischen und allgemeinen Teil Rich. H u l t s ch Mür lokalen und vrovinziellen Teil sowie Sport W. Moritz: für Anzeigen und Reklamen A. Brodt, alle in Hanau a. M. Rotationsdruck d. Waisenhausbuchdruckerei öana« Fernivrechanschlüffe Nr. 1237 und 1238

Das Neueste.

-v- Der Betriebsrätekongreß fordert in einer Entschließung nicht nur die Sozialistcrung des Kohlenbergbaues, sondern des gesamten Berg­baues.

Die Berliner Zeitungen haben infolge Streiks des Personals chr Erscheinen eingestellt.

Eine italienische Acbeiterdelegation, die Rußland bereiste, berichtet pessimistisch über die russischen Verhältnisse.

Nach einem Moskauer Funkspruch ist der russisch-polnische Waffenstillstand unterzeichnet worden.

Der Waffenstillstand mit Litauen zwischen Rußland, Polen und der Ukraine soll nicht später als am 8. Oktober unterzeichnet werden.

Die Last der Besatzung.

Monatlich 2,3 Milliarden Besatzungskosten.

Der Reichs rat hatte für gestern zur Erstattung des Berichtes des Ausschusses über den Haus­haltplan des Reichs schätz ministeriums eine Voll­sitzung anberaumt, in der der Berichterstatter sich außer Stande erklärte, das Referat zu erstatten, weil in der Zwischenzeit bekannt geworden sei, daß riesige Erhöhungen der Aufwendungen für die Besatzungstruppen erforder­lich sei. Der Berichterstatter stellte infolgedessen die Anfrage an den Minister, welche Bewandtnis es mit dieser Erhöhung habe und wie hoch sich nach Ansicht des Ministers der Gesamtaufwand stellen würde. Der vom Reichsschatzminister ge­gebenen Begründung ist folgendes zu entnehmen: Bei der Aufstellung des Etats im Februar 1920 HM? jede, sichere Unterlage. Eine Anfrage bei

der Rhein'lättdkomrnisston über die Stärke der

Besatzung, über ihre Gebührnisse an Geld, Ver- , ..... .

Pflegung, Wohnung, Verbrauchsgegenstände usw. aufgrund der Ergebnisse der Studienreise der blieb bis heute unbeantwortet. Marschall Foch hatte im Oktober 1919 auf eine Anfrage der deut-

schen Waffenstillstondskommitsion geantwortet, die Nischen Abordnung durch die amtlichen russischen Kreise deutsche Regierung habe lerne Kontrolle zu üben das russische Volk selbst sich keineswegs beteiligte, da über die Verwendung der angeforderten Mark- " " - ' " "

Vorschüsse, die ihr auf die Besetzungskosten

(frais d'occupation) gutgeschrieben würden. Der Physische Lage der Massen ist in den Städten sehr ge- einzige Anhalt für die Aufstellung des Etats für 1920 ergab sich für das Reichsschatzministerium aus der Erklärung des Vorsitzenden der inter­alliierten Kommission, Loucheur, bei dm Ver­handlungen in Versailles im August 1919. Lou-

cheur erwiderte damals auf die Feststellung des Staatssekretärs Lewald, daß im besetzten Gebiet Kasernements für 70 000 Mann vorhanden seien, und auf seine Forderung, daß die Besetzungs- truppen diese Zahl nicht überschreiten sollten, die Zahl würde wohl uns etwas (legerement) höher sein. Das Reichsschatzministerium mußte dem­gemäß annehmen, daß nur mit einer mäßigen Usberschreitung dieser Ziffer zu rechnen fein würde. Er veranschlagte die Gesamtbesatzungs- stärke auf 80 000 Mann unter Zugrundelegung der für die deutschen Reichswehrsoldaten er­wachsenden Kosten, die Kosten für den normalen Unterhalt der Besatzung auf 1,92 Milliarden Mark. Unter Zurechnung der Ausgaben für Requisitionen kam das Reichsschatzministerium aufgrund roher Schätzung auf den im Etat ein= "gestellten Betrag von 3 Milliarden Mark. Aus den stets wachsenden Anforderungen an Geld und Sachleistungen mußte bereits in den folgen­den Monaten der Schluß gezogen werden, daß dieser Voranschlag hinter den tatsächlichen Kosten zurückblieb. Die nur indirekt möglichen Fest-- stellungcn über die Besatzungsstärke ergaben eine Ziffer von etwa 130 000 Mann. Die von den Be- satzungsmächten geforderten Barzahlungen für den Unterhalt der Besatzungstruppen, die soge­nannten Martborschüsse, erreichten vom Ende Dezember 1918 bis Ende August 1920 die Summe von 2 313 097 603 Mark; für die Lieferung von Verpflegung und Futtermitteln bis zum gleichen Zsilpunkt wurden etwa 110 000 000 Mark ver­ausgabt. Außerdem ergab sich aufgrund der im September abgeschlossenen Erhebungen, daß die bis Ende März 1920 ausgelaufenen Quaruer- und Requisit!onSelltschädigungen auf den Gesamt­betrag von'über 5 Mifiarden Mark veranschlagt werden mußten, der zum überwiegenden Teil erst im Rechnungsjahr 1920 zur Auszahlung kommt. Diese Betrüge stellen aber nur einen Teil der tatsächlichen Kosten bar. Es steht noch der über- , wiegende Teil der von den Besatzungsmächten 'verauslagten Beträge für Besoldung und Unter­halt der Truppen für von ihnen unmittelbar be- 'äjH-e Requisitionen aus. Für die Schätzung der Höhe dieser Zahlungen ist das Reichsschatzminisie- rium, da es bisher keinerlei offizielle Erklärung erhalten konnte, ausschließlich auf die Zeitungs­nachrichten angewiesen, für deren Zuverlässigkeit ^M ßdemähr aearüitn werden sann. Der Bericht

des ftanzösischen Abgeordneten Loucheur, den er namens der französischen Budgetkommission der französischen Kammer am 14. Juni 1920 erstattete und dessen authentischer Wortlaut uns erst vor kurzem zuging, schätzt die Kosten der Besatzungs- armee bis 1. Mai 1920 auf 4 Milliarden Gold- mark, was einem Betrage von 40 Milliarden Papiermark entspricht. Es ist nicht ersicht­lich, ob Loucheur hierbei lediglich die Kosten der ftanzösischen Besatzungsarmee oder die Gesamt­kosten der Besatzung im Auge hatte. Geht man von letzterer Auffassung aus, so ergibt sich eine monatliche Ausgabe von 2,3 Mil­liarden, d. h. eine Jahresausgabe von 27,6 Milliarden Papiermark. Wenn wir demnach nur 15 Milliarden in den Etat einsetzten, geschieht dies in der Erwartung, daß die ganze Besatzungs- srage einer' radikalen Aenderung unterzogen wird. Der Reichsrat verlangte hierauf über alle Einzel­heiten der Ursachen der hohen Besatzungskosten eingehenden Aufschluß und verwies den Etat des Reichsschatzministeriums an den Ausschuß zurück.

Es wäre fraglos auch für die Oeffentlichkeit von großem Interesse, etwas näheres über die Ursachen dieser hohen Besatzungskosten zu er­fahren. Auch wir sind der Ansicht, daß angesichts der finanziellen Lage Deutschlands eine radikale Aenderung des Besatzungsfrage vorgenommen wird. Interessant wäre eine Beantwortung der Frage, ob diese gewaltigen militärischen Aufwen­dungen wirklich nur für Zwecke der Friedensbe­setzung, wie sie der Versailler Vertrag, das Do­kument, auf das sich sonst die Entente bei jeder Kleinigkeit beruft, Vorsicht, erforderlich sind.

Die ilKl. Arbeiter über Rußland.

In der italienischen Presse wird ein ausführlicher Bericht veröffentlicht, den der allgemeine Arbeiterrat

italienischen Sozialisten nach Rußland über die rus­

sischen Verhältnisse erstattet. Der Bericht

hebt hervor, daß an der warmen Aufnahme der italie-

die Wechselfälle der politischen Schicksale Rußlands sich völlig abseits der russischen Volksseele vollzieht. Die

drückt, was wahrscheinlich von der u n genügen-

den Ernährung herrührt. Das wirtschaftliche Leben wird durch materielles und moralisches Elend gekennzeichnet. Der Bericht bespricht das Versorgungs­system und die Entwertung des Rubels und ihre Fol­gen. Den Versuch, die wirtschaftliche Ver­waltung in die Hände der Arbeiterschaft selbst zu legen, bezeichnet er als unheilvoll. In den Hän­den der Arbeiter wurden der Gesellschaftskörper und die Produktion fast ganz untätig. Mit geringen Aus­nahmen sei es dem Lande noch nicht gelungen, sich von dieser Lähmung zu erholen. Der Krieg nahm die Kräfte der bolschewistischen Regierung größtenteils in Anspruch. Prüfe man aber das Wenige, das sie zur wirtschaftlichen Wiederaufrichtnug zu tun versuchte, müsse man stark zweifeln, ob Rußland in seiner jetzigen verlassenen Lage aus sich s e l b st h e r- a u S zu erträglichen Bedingungen der bürgerlichen Lebens kommen könne.

Die in den kommunistischen Programmen vorge­schriebene soziale Gleichheit sei einfach zu einer Gleichstellung aller K l a s s e n in einem einzigen großen Elend geworden. Die Massen paßten sich durch außerordentliche Nachgiebig­keit den Ereignissen an, aber eine solche Lage würde ohne die not irlichen Quellen nicht andauern können, welche die alte Regierung der neuen hinterlassen habe. Man dürfe sich keiner Täuschung über den russischen Export hiugcben. Die Transportmittel seien völlig ruiniert. Die inneren Bedürfnisse des Lan­des konnten über den internationalen Verpflichtungen die Oberhand gewinnen. 32 003 Zentner Getreide hätten in Cherson für den Transport durch Italien bereit gelegen, seien aber von her russischen , Regierung zur Verpflegung der Truppen zurückzezogen worden. Die auswärtige Hilfe werde für Rußland immer dringender. D i c gegen­wärtige russische Regierung sei ihrer Auflösung nahe. Trotz der Schwierigkeiten der wirtschaftlichen Lage hätten sich einiges r r u n g c n* scharten der Revolution durchgesetzr. So sei der Widerstand der Bauern gegen jeden reaktionären Vorstoß zu erklären. Die Revolution hätte auf dem flachen Lande die Wirkung gehabt, praktisch den Klem- besitz zu begründen, der vom Vater auf den Sohn vererbe. Die Verwirklichung des Kommunismus auf dem Lande sei nichts als eine bolschewinische Phantasie. Unter den Bauern seien die Einflußreichsten die sozi«! revolutionären, welche den Kleingrundbesitz 'znlußen Die Verfassung bewillige einen Abgeordneten- auf 2500 Arbeiter und einen auf 125 000 Bauern; andere Parteien würden kaum geduldet. Ihnen sei die Be­nutzung jeder Propaganda und der Presse untersagt. Die Syndikate feien nicht obligatorisch, aber allmäh­lich gebe die Organisation der Produktion und ihre Verteilung vom Staat auf die Syndikate über. Die b o l s ch e w i st > i ch e Revolution neige zum praftrehen Syndikalismus, aber vor einem idealen Pro­gramm stehe eine davon sehr verschiedene Wirklichkeit Mit der Erwartnu* einer vollständigen Verwirklichung des Syndikalismus verfalle Rußland den fommunifti» scheu Experimenten, dessen Theorien aawi und aar

nicht den praktischen Resultaten entsprächen. Das kapitalistische Regimc sei zerstört, aber die Revolution hätte es durch nichts ersetzt, was auch nur den elemen­tarsten Bedürfnissen eines zivilisierten Volkes ent­spräche. Die Absicht, die kommupistischen Grundsätze ohne Vorberellung und Abstufung zu verwirklichen, hätte sich nicht erfüllt. Man dürfe das russische Volk nicht daran hindern, seine Experimente zu vollenden, wenn das sein Wille fei, abev int Namen der Zivili­sation müsse man ihm helfen, aus der elenden Lage beraurzukommen und seine Irrtümer zu er- kennen.

Triest, 6.Okt. (Stefanie.) In der Versammlung der sozialdemokratischen Fraktion erstattete der Abge­ordnete B o m b a c c i in Anwesenheit von 55 Abge­ordneten, Mitgliedern der Parteileitung und Vertretern der E. G. T. Bericht über die Lage in Rußland, wo­bei er zu dem Schlüsse kam, daß, wenn die Revolution sich nicht auf die anderen Länder ausdehne, es unver­meidlich sein würde, auch in Rußland eine sozialistische Regierung zu bilden. Ein weiterer Redner beschäf­tigte sich mit der Frage, ob die Bolschewisten imstande sein werden, ihren Weg weiter zu verfolgen, das Land einer Besserung seiner Lage entgegenzuführen. Die russische Revolution fei noch nicht abgeschlossen. Lenin selber sage, hierzu seien mindestens noch 50 Jahre er­forderlich. Wie weiter bemerkt wurde, seien mehrere Jahrzehnte nötig, um die Produktion und die Ver­teilung derselben in Rußland zu organisieren.

Der Krieg im Osten.

Waffenstillstand?

Seit einiger Zeit sickern Nachrichten aus Ruß­land durch, die auf eine recht kritische Lage der bolschewistischen Regierung schließen lassen. Auch aus den Berichten der italienischen Arbeitecdele- gation, die Rußland bereist hat (siehe an anderer Stelle), geht dies klar und deutlich hervor. Die Entwicklung der Kämpfe an der polnischen Front verläuft für die Russen immer ungünstiger. Auch im Süden haben Wrangel und die anderen mit ihm zusammenoperierenden Generäle neue Heere gesammelt und erhalten, wie wir schon dieser Tag meldeten, kräftige Unterstützung von Frank­reich und England. Wrangels Ziel besteht be­kanntlich in der Beseitigung der bolschewistischen Regierung. Die militärischen Erfolge, die er bis jetzt erzielt hat, sind bedeutend. Trotzdem tut man gut, vor der Auffassung zu warnen, daß schon jetzt das Ende des Bocichewismus gekommen sei.

Die Verhandlungen in Riga haben in den letzten Tagen einen wesentlichen Fortschritt ge­macht. Der Friede scheint nahe bevorzuftehen. Wie aus einem Moskauer Funkspru^ hervorgeht, soll die Unterzeichnung des Waffenistillstandes be­reits erfolgt sein.

Warschau, 6. Oktbr. Im Generalstabsbericht der polnischen Armee vom 5. Oktober heißt es: Auf unserem nördlichen Flügel griffen die Litauer auch wieder,an. Am 4. Oktober ge= lang es den Litauern nach mehrfachen Angriffen, denen starkes Artilleriefeuer voranging, die Fluß­linie der Mereczanka zu erreichen. Unser Gegenangriff ist im Gange. Harte Kämpfe fanden auch bei O r a n Y statt, wo die Mitwirkung bol­schewistischer Abteilungen festgestellt wurde. Feindliche Flugzeuge bombardierten die Eisen­bahnstation Orany; eines der Flugzeuge wurde von uns heruntergeschossen. Außerdem c.veutcien wir in einem Gegenangriff 3 Maschinengewehre. Es scheint, daß stärkere litauisch-bolschewistische Abteilungen sich zum Flankenangriff auf unser Verkehrswesen vom Norden hervorbereiten.

Königsberg, 6- Oktbr. An der Südfront gingen die Bolschewiken nach Festigung ihres Wider­standes östlich Proskiirow und nördlich davon zum Angriff über, der zu örtlichen Erfolgen namentlich bei DeraZhuje und Letitschow führte. An der ZentrumSfront ist die Lage unverändert. An der Nordfront erreichte der rechte polnische Flügel nach der UeLerschreitung des Njemen in oer Richtung auf Minsk Stankow und Koidanow. Die Bolschewisten zogen sich hier auf den Ussafluß zurück.

London, 6. Oktbr. (HavaS.) Ein Moskauer Funkspruch bestätigt die gestern abend in Riga erfolgte Unterzeichnung des russisch-polnischen Waffenstillstandes.

Wilna, 6. Okibr. Der Sonderberichterstatter der Litauischen Leleg.aphenagentur in Siba meldet, daß auf der gestrigen Sitzung der Ver­treter beider Delegationen eingehend alle strittigen Fragen besprochen unb @imniiiig.eit erzielt wor­den sei. Man habe sich dahin geeinigt, den Waffen­stillstand zwischen Rußland, Polen und der Ukraine nicht spät« als am 8. Oktober ;u unter- ' :eignen. Das PMoroll über den AuZlani» acr , RalifikationSurkunden des Friehensve., zwischen Rußland und Lettland wurde am | .Möller in Moskau unterzeichnet. Dir Lila - Telcgraphrnagen.rr leUchtet über die lita '"> polnischen Verhandlungen in Suwalkt, daß polnische Delcoation nach einer Besprechung in i Bialystok mit dem polnischen MlUrärbefehlsHaber Piksudski sich bereit erklärte, den litauischen Vor­

schlag betreffend die Festsetzung der Demarkations­linie anzunehmen.

Paris, 6. Oktbr. Havas berichtet aus Konstarr- tinovel: Nach dem letzten amtlichen Kommunique des Generalstabs der ArmeeWrangelhaben die Truppen der sudrüssischen Regierung Mariu- pol und Mousowka, das Zentrum des Beckens des Donezgebietes genommen und mehr '10 0 0 0 Gefangene gemacht.

Finanzkonferenz Brüssel.

Die deutsche Reichsschuld.

Brüssel, 6. Oktbr. Auf Beschluß der Finanz« konferenz führten seit Montag die vier ein­gesetzten Kommissionen Untersuchungen über die Staatsfinanzen, Währungs- und Geldfragen, sowie über die internationalen Handels- und Kreditbeziehungen aus. In zahlreichen Sitzungen stellten die Arbeitskomitees die allgemeinen giltigen Grundsätze auf. Sie werden nunmehr nach der Geschäftsordnung der Vollsitzung zur Beratung und Beschlußfassung vorgelegt. Nach der heute vorgesehenen Tagesordnung wird am Donnerstag vormittag die Vollsitzung sich mit dieser Aufgabe zu befassen haben.

Genf, 6. Oktbr. DerTemps" meldet aus Brüssel: Die deutschen Mitglieder des Finanz­ausschusses gaben weitere Erklärungen ab, wonach in Deutschland bis Ende März 1921 mit einer Reichsschuldenlast von 300 Milliarden

zu

rechnen sei.

Politische Tagesberichte

Umbildung der Sicherheitspolizei. Dez preußische Minister des Innern Severing hat nunmehr den Erlaß nebst Ausführungsbestim­mungen wegen der Auflösung der Sicherheits­polizei und der Umbildung der Polizei in Preußen herausgegeben. Danach wird mit dem 6- Oktober die Sicherheitspolizei einschließ­lich her Stäbe aufgelöst. Die der Auftechterhal» jung der Ruhe, Sicherheit und Ordnung dienende Polizei ist eine rein örtliche. Ihre Zuständigkeit beschränkt sich auf den Ortspolizeibezirk. Sie untersteht mit sämtlichen Beamten in Orten mit staatlicher Polizeiverwaltung dem Polizeipräsi- . denten bezw. Polizeidirektor, an allen anderen Stellen den kommunalen Ortspolizeibehörden. Die Verwendung von Polizeikräften außerhalb ihres Bezirkes rann nur auf besondere Anord­nung der Landespolizeibehörde stattfinden. Dies« hat dann gleichzeitig die Befehlsverhältnisse zu regeln. Die Verordnung über die Dienstkleidung der Polizei erfolgt demnächst. Bis dahin wird die bisherige Dienstkleidung weitergetragen. An Be­waffnung stehen der Polizei für jeden Beamten blanke Waffe, Pistole und Handgranate, für je drei Beamte ein Gewehr oder Karabiner, für je 20 Beamte eine Maschinenpistole, für je 1000 Beamte ein Panzerwagen mit zwei schwere» Maschinengewehren zu.

Das Ergebnis der Waffenablieferung. In der gestrigen Sitzung des parlamentarischen Bei­rats gab der Reichskommissar für die Entwaff­nung, PelerZ, Auskunft über das bisherige Er­gebnis der freiwilligen Waffenablieferung. An den 10 ersten Ablieferungstagen wurden abge­geben: 122 000 Gewehre und Karabiner, 913 Maschinengewehre, 239 Maschinenpistolen, 17 Ge­schütze, 11 Minenwerfer, 13 Flammenwerfer, 3 660 000 Schuß Handwaffenmumtion, 14 931' Hand- und Gewehrgranaten, 111 000 Handgra- natenzünder und Sprengkapseln, sowie eine sehr große Anzahl von Waffenteilen, darunter 8 Ge­schützrohre, 76 Geschützverschlüsse, 151 Richtvor-. richtungen, 3590 Maschinengewehrläufe, 4859 Maschinengewehrschlösser, 19 900 Gewehr- und Karabinerlause und 19 300 Schlösser.

Der Moabiter Streik beendet. Der Streit der Kshlenheizer im Werk Msabit der städtisch^ Elektrizität^werke ist beendet. Die Arbeit wuroe bereits wieder ausgenommen. Die Abgabe von Strom aus dem Moabiter Werk erfolgt noch im Laufe des gestrigen Abends. Die Arbeitszeit des im Kesselhaus 1 in Moabit beschäftigten Perso­nals wird, soiveit eS unter den Uebelständen ter Braunkohlen- und Brikettverfeuerung zu leide« hat, z. B. Heizer, Schlackenzieher und Kohl««- bahnwärter, auf sechs Stunden täglich herabge­setzt, solange die durch die Brikettverfeleerung «er« Ltsachten Uebclstände nicht behoben sind. Mit dem .xsriibau einer Entstaubungsanlage im Kesselhaus ^-L Moabiter Werkes wird unverzüglich begonnen. 1 i>ef Magistrat bewilligte hierfür bereits die er- ' - .-cvlie^en Mittel.

Eisenbahnergeneralstreik in Portn-al. Nach, '-'..er Meldung desTempS" aus Lissabon sind

Eisenbahner in Portugal in den Generalstreir Treten.

(Weitere Politische Nachrichten auf Seite 5^