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AmMches Organ für Skail- und Landkreis La»m

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Nr. 235 - Mittwoch den 8. Oktober 182«

Das Neueste.

Der erste Kongreß der Betriebsräte Deutschlands hat gestern in Berlin seinen Anfang genommen.

Nach einer Havas-Meldung haben die Mitglieder der Finanzkonferenz ein lebhaftes In­teresse an einer eventuellen wirtschaftlichen An­näherung zwischen Frankreich und Deutschland.

Die Moabiter Elektrizitätswecksarbeiter sind in den Streik getreten.

Die Botschafterkonferenz hat den öster­reichischen Antrag auf Besetzung der Kärntner Abstimmungszone mit interalliierten Truppen ab- gelehnt.

Der Bergarbeiterstreik in Südwales ist nach einer Matin-Meldung aus London beendet.

BeMebsröle-Fiongretz.

Durch den gegenwärtig in Berlin tagenden Betriebsräte-Kongceß wird die Aufmerksamkeit auf eine Frage gelenkt, die seit längerer Zeit innerhalb der Arbeiterschaft sehr eingehend er­örtert worden ist. Es ist erklärlich, daß das Entstehen der Betriebsräte nach der November­revolution 1918 den Gewerkschaften als eine wenig erfreuliche Konkurrenz erschien. Der Räte- zedanke faßte mehr und mehr Fuß, er wurde be­kanntlich in der Verfassungverankert" und das heißumstrittene Betriebsrätegesetz übertrug den Betriebsräten überaus bedeutungsvolle sozialpoli­tische und wirtschaftliche Funktionen. So ent­brannte ein heißer Kampf, der unter dem Feld­geschrei:Hie Röte!",Hie Gewerkschaften!" ausgefochten wurde. Gar bald aber gaben die Gewerkschaften ihren Widerspruch gegen den Wteaehanken auf, denn sie erkannten, welch en Machhuwachs ihnen die Rätebewegung bei rich­tiger Einstellung bringen könnte. So veröffent­lichten denn schon im Mai dieses Jahres der Vor­stand des Allgemeinen deutschen Gewerkschafts­bundes, dessen Vorsitzender der Mehrheitssozia­list Legten ist, und die Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltenverbände, in der den Vorsitz der Un­abhängige Aufhäuser führt, Richtlinien für das Zusammenarbeiten zwischen den Gewerkschaften und den Betriebsräten. Nach diesen Richtlinien werden die Betriebsrätezur Verwirklichung ihrer wirtschaftlichen und sozialer: Aufgaben" in Gemeinschaft mit dem Ortsausschuß des erwähn­ten Gewerkschaftsbundes und dem Ortskartell der Angestelltenverbände in einer fteigeweckschaft- lichen Betriebszentrale der Arbeiter und Ange­stellten zusammengefaßt. Als Ziel der Bewegung bezeichnet eine auf einer Konferenz der Berliner fteigewerkschastlichen Ortsausschüsse angenom­mene Entschließungdie Erringung des vollen Mitbestimmungsrechts und der Vergesellschaftung der Produktion". Als Mittel zur Erreichung die­ses Zweckes werden u. a- die Einarbeitung der Betriebsräte in die Warenerzeugung und die Warenverteilung, Ausgestaltung der Geschäfts­führung nach einheitlichen Gesichtspunkten, Un- terrichtskurfe in Wirtschaftsfragen usw. bezeichnet.

Der Kongreß dürfte also vor allem bestimmt sein, den Streit über die Grundfrage, ob sich die Betriebsräte der Wirtschaftsinstitution an- zliedem oder eine Rätezentrale bilden sollen, auszutragen. Soweit sich bisher übersehen läßt, verfügt der Gewerkschaftsbund, der die erstere Auffassung vertritt, etwa über zwei Drittel der Stimmen. Ein Drittel etwa repräsentiert die Opposition. Diese Gruppen werden von den Verfechtern des absoluten Rätegedankens, wie Däumig und Richard Müller, vertreten und es läßt sich schon jetzt voraus­sagen, daß es auf dem Kongreß zu scharfen Auseinandersetzungen kommen wird. Zumal zweifellos auch die Zersetzungserscheinungen der ll. S. P. sich bemerkbar machen werden. Der erste Tag des Kongresses brächte bereits Opposition gegen die Gewerkschaften es wurde verlangt, daß die Gewerkschaften aus der Kongreßleitung ausgeschaltet und diese ganz aus Betriebsrats mitgliedern gebildet werden sollte. Dieser und noch andere Anträge wurden aber mit Stimmenmehrheit abgelehnt.

Bebenden Verlauf des ersten Kongreßtages Hegt folgender Bericht vor:

Berlin, 5. Oktbr. Heute trat in derNeuen Welt" in der Hasenheide der erste Kongreß der Betriebsräte Deutschlands zusammen. Die Reichs- und Staatsbehörden hatten Vertreter ent­sandt. Die schwedische und norwegische Regierung waren, durch die Sozialattachees Janson und Bonewig, die georgische Republik durch zwei Ab­gesandte vertreten. Ferner hatten der schweize- usche Metallarbeiterverband und der österreichische Metallarbeiterverband Vertreter entsandt. Auch nnc größere Reihe von Parlamentsmitgliedern war erschienen. Der zweite Vorsitzende des allge­

meinen deutschen Gewerkschaftsbundes, G r a ß - m a n n, eröffnete die Versammlung. Der Kongreß beschloß einstimmig, die zurzeit in Berlin wei­lende Delegation der russischen Ge­werkschaft zur Teilnahme an dem Kvngreß einzuladen. Graßmann erregte den größten Unwillen der Opposition, als er sagte, daß die Einladung nicht ein Versäumnis sei, daß aber wiederholt die russischen Gewerkschaftsvertreter hier im Lande sich wenig um die Genossen küm­merten und daß die deutschen Arbeiter es sich ab­gewöhnen müßten, den Brüdern im Auslande nachzulaufen. Darauf berichtete Rudolf Wissel über

die wirtschaftliche Lage Deutschlands.

Er schilderte eindringlich die Not, die Krieg, Niederlage und Friedensbedingungen über uns gebracht haben und kommt natürlich, wenn auch etwas zurückhaltender als sonst, zu seinem ceterum censeo der Planwirtschaft:Die sich selbst über­lassene Wirtschaft ist zum Spiel- und Tummel­platz eines rücksichtslosen Spekulantentums ^ge­worden. Sie ist unfähig, die Probleme zu lösen, die der verlorene Krieg uns aufgegeben hat. Das Wesen der gegenwärtigen Krise ist die Unterpro­duktion. Heute aber wird ein Betrieb nach dem anderen geschlossen oder auf verkürzte Arbeitszeit gesetzt. Eine planmäßige geregelte Wirtschaft tut not mit Kontrolle der Stillegungen, mit ratio­neller Wännewirtschaft, rationeller Produktions- mittelausnützung, planmäßiger Fachausbildung zur Erziehung der Menschen zur Produktton."

Inzwischen waren Vertreter der russischen Gewerkschaften erschienen. Als ihr erster Sprecher erhielt L o s o w s k y das Wort, der eine Pro­pagandarede für Sowjet-Rußland hielt: Er führte u. a. aus:Der Kapitalismus -i#. in LMMrm teiffen,. bet Sozialismus ist zu einer Frage der praktischen Politik der Ar­beiterklasse geworden. Europa wird sozialistisch werden oder es wird ganz zu Grunde gehen. Der Sozialismus aber ist nur im Kampf zu erobern. Wenn die vielen Gelehrten bei Euch in Deutsch­land nach dem Stein der Weisen suchen, um den Sozialismus in Verständigung mit den Unter­nehmern zu machen, so glauben wir in Rußland nicht daran. Mit glühenden Eisen müssen wir aus den Köpfen der Arbeiter den Opportunismus aMÜrennen. besten Hauptstützen die Gewerkschaf­ten sind." Gegen sie polemisiert der russische Red­ner mit großer Heftigkeit. Er fand, aber nur mäßigen Beifall und der größere Teil applau­dierte dem Vorsitzenden Aushäuser, der die Angriffe gegen die Gewerkschaften, sowohl die deutschen Organisationen wie die internationale Organisation in Anrsterdam entschieden zurück- wies.

Sodann sprach der Hauptschristleiter der Berliner Freiheit" Dr. Hilfferding über das Thema: Die politischen und öksn » in isch e n Machtv crhältnisse und die Kozialisie - cung". Er führte u. a. aus: Die Revolution fand die deutsche Arbeiterklasse geistig unvorbereitet, vor allem, weil sie unter der Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse vor dem Krieg das eigentliche revolutio­näre Ziel in den Hintergrund hätte treten lassen. Des­halb hat sie die politische Macht nicht festhalten und nicht zur Erringuna der ökonomischen Macht «usnueen können. Und so ist heute das Proletariat von der politischen Herrschaft ausgeschlossen, und wirtschaftlich ist die Lage der arbeitenden Klassen, nachdem die ersten Monate der Revolution eine reale Besserung gebracht hatten, jetzt erst recht schlimm, weil unsere Steuenniß- Wirtschaft und die daraus folgende ungeheure Noten- vermehrung die Preise in ganz anderem Verhältnis all die Löhne in die Höbe geben liess. Heilung könne nur eine vollständige Systemänderung der Wirtschaft bringen. Die sozialistische Wirtschaft, die man an* streben müsse, sei nur eine von der großen Masse der Kopf- und Handarbeiter «nrgcüStc, im Interesse der ganzen Wirtschaft geführte Produktion unter Ausschaltung der Kapitalisten, also Boll- sozialisierung. Dcr Uebergang zu einem solchen Shstem in einem agrarischen Land sei vielleicht verhälknirmäßkg leichter zu erreichen. Für Deutschland und ganz Mittel- enropa aber sei die Grundbedingung dafür, daß der Fortgang der Produktion gesickert sein müsse, weil Deutschland Waren fabrizieren müsse, um Lebensmittel und Rohstoffe aus rein Auslande zu kaufen, weil der deutsche Bauer nicht wie der russische durch Hingabe wertlosen Papiergeldes zur Ablieferung unb zur Fort­führung der Produktion gebracht werden könne, weil auch die Arbeiter, wenn sie trotz Erringung der poli­tischen Macht die schwere Handarbeit fortsetzen sollen, wenigstens besser und nicht schlechter ernährt werben müßten. Hilfferding kam aus diesen Erwägungen nicht zur sofortigen allgemeinen Vollsozialisierung, sondern zu einem allmählichen Fortschreiten, ^a? mit der Kohle, der Elektrizität und einigen anderen Schlüsselindustrien, sowie mit dem Großgrundbesitz, der nicht auf geteilt werden dürfe, und einigen Spezialzweigen beginnt. Er erörterte dann insbesondere das Problem der Sozialis ierung der Kohle, indem t den Vorschlag II der Soziali- sicrungskommission, bet das Privatkapital allmählich in einem 80jährigenKriege um die Kohlensozialisierung" ausschalten wolle, mit grosser Energie verwarf. Um diese Volliozialisicruna der Kohle werde in ben nächsten

Wochen der erbitterte Kampf zu führen sein. Hier müsse das ganze Proletariat geeinigt sein, müßten auch Gewerkschaften und Betriebräte in gleicher Front kämpfen.

Finanzkonferenz Brüffel.

Paris, 5. Oktbr.Havas" verbreitet aus Brüssel heute die Nachricht, die Mitglieder der Finanzkonferenz in Brüssel hätten lebhaftes In­teresse für die aus Berlin und Paris kommen­den Nachrichten über eine eventuelle wirt­schaftliche Annäherug zwischen Frank­reich und Deutschland. Man sehe in diesen Meldungen eine Rechtfettigung der An­strengungen, die die Konferenz gemacht hat, um die Wiederherstellung normaler wirtschaftlicher und politischer Beziehungen in Europa und der ganzen Welt zu erleichtern. Diese Nachrichten hätten in Brüssel tiefen Eindruck gemacht. Es sei nicht erstaunlich, daß in dieser Atmosphäre gewisse Gerüchte besonders bei den Neutralen günstig ausgenommen würden, wie das, die Zu­lassung Deutschlands zum Völkerbünde in der nächsten Zukunft könne eine der Folgen der Brüsseler Konferenz sein.

Jpu. Paris, 5. Ott.Petit Journal" bringt eine Unterredung ihres Korresvondenten mit dem deutschen Abgeordneten Urbig der Finanz- Konferenz in Brüssel. Urbig erklärte, den Ein­druck gewonnen zu haben, daß der deutsche finanzielle Bericht in Frankreich falsch aufgefaßt worden ist. Die Franzosen glauben daraus entnehmen zu können, daß Deutschland sich sei­nen Verpflichtungen entziehen will und in dieser Beziehung Sabotage treibe sowie ferner einen Druck auf die Konferenz auszuüben sucht, damit die Vertreter der fremden Staaten den deut­schen Standpunkt verstehen. Urbig widersprach diesen Argumenten und gab die Versicherung, daß Deutschland unter der Garantie, daß sein Wiederaufbau unterstützt wird, alle Verpflichtun­gen treu erfüllen werde. Deutschland verlange dagegen einen gewissen Anteil Schiffstonnage zu seiner Verfügung und hoffe aus die Besse­rung des Wechselkurses. Die Exportpreise für deutsche Waren besonders auch Kohlen müßten in Zukunft nach dem Weltpreis festgesetzt wer­den und nicht mehr nach dem Inlandspreise. Ferner verlangt Deutschland die Freigabe des beschlagnahmten deutschen Eigentums, besonders in England und den Vereinigten Staaten und erwartet dafür Kredite in Sterling und Dollars dem Werts der beschlagnahmten Güter ent­sprechend.

Ipu. Brüssel, 6. Oktbr. Unter ben Delegierten beginnt Uebereinstimmung Platz zu greifen inbezugauf die internationale Wirtschaftslage, da die Berichte der einzelnen Länder jetzt soweit Klarheit gebrockt haben, um die internationale Lage genauer zu betrachten. Das Dunkel, dar über der Weltwirtschaft während der letzten Jahre lag, hat sich gelichtet und nun strebt man nach Mitteln, einen Ausgleich zu finden. Erfreulicher­weise vollzieht sich eine Uebereinstimmung zwischen den­jenigen Staaten, wo deren Hilfe zu erwarten ist. Pariser Blätter, die noch immer pessimistisch sind, er­kennen diese Wendung ebenfalls an. Nach ihrer Auf­fassung wird nach Beendigung der Konferenz alles klar vor Augen liegen wo mit den Hilfsmitteln angefangen werden muß. Ob unb wie sie angewandt werden, hänge bon ben StaatSregierungen ab. Kleine Er­wartungen in dieser Beziehung dürften in Erfüllung gehen und dadurch auch die aufängliche Meinung von Ador bestätigt werden.

Der Strieg im Osten.

Moskau, 5. Okt. Operation»bericht der russischen Sowjetrepublik vom 4. Okt. (Durch Funkspruch.) Westfront: In der Richtung von Nowogrodek östlich des Njemen, setzen unsere Truppen ihren plan­mäßigen Rückzug fort. Nördlich von Nredweih kämpfen wir mit feindlichen Abteilungen. Im Ab­schnitt der Station von Luuiniez sind hartnäckige Kämpfe im Gange. Unsere Abteilungen unternehmen Angriffe auf Nowograd und 2!>olhanff. Die Kämpfe um den Besitz der Stadt Letitschew werden fortgesetzt. Südfront: Im Abschnitt von IckaterinoSlaw kämpfen unsere Abteilungen an der Bahnstrecke JekateriuoSlaw Sinelnikowo. Im Abschnitt Iulowka erlitt der »etnb sehr schwere Verluste. Unsere Abteilungen erreichten die Linie nordwestlich der Station Tolja.

Warschau, 5. Okt. Generalstabsberickt der pol­nischen Armee vom 4. Okt.: Eine VcrfolgiingSpatrouille der nördlichen Gruppe, die längt der Chaussee Lida Nowogrudok vorrückte, überschritt am 3. Okt. zwischen bet Sula und dein Orte Stolven den Njemen. Nach Beendigung der Umgruppierung im Bereiche von Logi- schien und Pinsk drang eine polnische Grupv- trotz überaus schwerer Geläicdevcrhältnisse in weniger alt zwei Tagen bis Wollowes, Luuivez und Datogrodek vor. Auf diese Weise wurde die Eisenbahnlinie Lida BarauowitsckiLuninezNowno von unt gänzlich besetzt. Bei Oranp eroberten wir einen litauischen Panzerzug, bet vorgestern angegriffen hatte. Auf dem südlichen Abschnitt ist die Lage unverändert.

Kope»»hag«tt, 5. Okt. Nationciltidende meldet aut Warschau, dan das sozialdemokratische Warschauer Blatt Nobotnik erfährt, daß der Friede nahe bevor- stehe. Die polnischen Abgeordneten arbeiteten bereit» die Einzelheiten zum FriedeuSvertraa aul und e««

möglich, daß der Präliminarftiede noch in dieser Woch' abgeschlossen werde. Gestern kam ein Kurier mit wich- tigen Meldungen von Dombfli hier an.

Helstngfors, 5. Okt. Aus Dorpat wird unter dem 4. Okt. gemeldet: In der heutigen Plenarversamm» lurtg gingen die Russen auf die finnischen For­derung en ein. Hochland wird erst neutralisiert, nachdem die internationalen Garantien dafür geschaffen sind. Die Grenzen bei Petschenga sind derart gezogen/ daß Finnland den nördlichen Teil östlich der Daidagerba- bncht (?) erhält. Die Unterzeichnung bei Frieden? wird wahrscheinlich anfangs nächster Woche erfolgen.

Politische Tagesberichte.

Der Entwurf deS preußischen Wähle aesetzeS, welcher der LandeSversemmlnng zur Beschluß, fafiung zuging, sieht wie daS Reichswahlgesetz da» Ver­hältnis w ahlverlahren vor. AlsWahldiviior wird eine Stimmenzahl von 50 000 statt 60 000 im Reiche vorgeschlagen. Bei Unterstellung einer Wahl­beteiligung von 81,6 % würde sich eine Abgeordneten- zahl von 360 ergeben. Da» alte preußische Abgeordneten, hau? zählt seit 1906 433 Mitglieder. Wie im Reich soll für die Soldaten während der Zugehöngkeit zur Wehrmacht die Autsibiing bei Wahlrecht» ruhen. I» Reiche bestimmt der Reichspräsident den Tag der Hauvt- Wahl. Nach bem preußischen Entwurf wird der Wahl­tag vom Staatsministerium im Einverständnis mit dem Slelteftenrat der Landerversammlung festgesetzt. Mit Rücksicht auf die noch außenstehenden Abstimmungen m einigen Landerteilen kann bal Staatsministerium für diese einen besonderen Wahltag bestimmen.

Uüe und witzer «»Skau. Die Urwaßfen der Unabhängigen zum Reichsparteitag fielen in Draun» schweig zu Gunsten der Gegner der Anschlnsser ar Moskau aus. Für die Kandidaten bei Anschlüsse? find nur 721 unb für die Gegner des Anschlusses 1125 Stimmen abgegeben worden.

Lettaw BsrSeck «»«eftiert. Einer Ee- ricktskorrefvondenz zufolge ist das Verfahren gegen den General von Lettow-Vorbeck wegen Beteiligung am Kapputick auf Antrag des Rechtsanwclfts Alsberg vom Reichsgericht eingestellt worden. Dieses schloß sich den Ausführungen des Vertei­digers an, daß, weil Lettow-Vorbeck nur an der Leitung eines vrovinziellen Unternehmen« be­teiligt war, der Amnestieerlaß auf ihn Anwen­dung sind«.

Streik im Moabiter ElelttizitätSwerk. Dur Kosselheiä-er im städtischen ElekttizitätSwerk Mso, bit traten wegen Streitigkeiten über die Arbeits­zeit gestern in den Ausstand. Der Dettirb b*; Berliner Straßenbahn ist dadurch lahmgrlegt- - Durch den Streik hörte im Hansaviertel auch b'. t elektrische Beleuchtung auf, fadaß ganze Straßtr-r» züge im Dunkel sind. In der Tekepvcmzcnttuü! des Amtes Zentrum arbeiten die Telefonisten bei Talglid)tern, da auch hier der Strom abge­schnitten ist. Wie wir weiter erfahren, kam es an einigen Stellen der Stadt zwischen^allem Anschein nach streikenden Arbeitern und Straßenbahnern zu Auseinandersetzungen. Die ersteren forderten die Straßenbahnfahrer z. D- an der Ecke der Bellcalliance- unb Gneisenaustraße auf, in den Streik einzutreten. Die Fahrgäste mürben zum Verlassen her Wagen genötigt. In allen Fallen griff die Sicherheitspolizei ein, sodaß die Ruhe wiederhergestellt wurde.

Aus dem Kärntner Gebiet. Mehrec« Blätter beridjlen au? Klagenfurth, daß sich dir gewaltsamen Unternehmungen der Südslawen gegen Körnten für den Ahstinrmungstag durch militärische Vorbereitungen ankündigen. _ In Unterbtauburg nahe her Ostgrenze des Abstim­mungsgebietes feien vier Militärzüge «»gekom­men und hätten u. a. 1000 Handgranaten aus ge­laden. An der Südgrenze stünden zwei süd'la- wische Brigaden mit Feldbatterien cinmarschbe- reiit. Im Nordkreis würde für den Sokoleinmarsch nach Körnten erfolgreich geworben. Der Bischof von Laibach drohte in einem Hirtenbriefe jeden, der deutsch-österreichischen Wähler schwere Stra­fen in der Ewigkeit an. Wie die Wiener Po­litische Korrespondenz erfährt, bat die Botschaft terkonfcrenz den österreichischen Antrag auf Be­setzung der Kärntner Abstimmungszone mit inter­alliierten Truppen abgelehnt. In der Frage wegen der Besetzung durch neutrale Truppen ch noch keine Entscheidung getroffen. Das Staats» amt des Aeußern hat heute den efierr*i<bij-'"t Gesandten in Paris beauftragt, bei der Botickaft terkonferenz dringend unb unter genauer Dar­stellung der Lage in Körnten das Ersuchen uni Entsendung interalliierter ober neutraler Truppen zu erneuern. Wie aus Kreisen, die der PlebiZ« zitkommission nabestehen, verlautet, werden denv nächst 45 Entente-Offiziere in Klagenfurtb ein« treffen. Die Offiziere sind als StontroKorgane aoi den Akten der Volksabstimmung gedacht und wer­den sich sofort nach ihrer Ankunft in die für sie bestimmten Orte begeben. Nach demJounun" soll die für den 13. Oktober festgesetzte Absttm. mang eventuell noch verschoben werden.

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