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Montag den 4. Oktober
Rr. 238
Lokales.
Hanau, 4. Oktober.
Larrdgemernden-Weltkampf.
tz. Schon während der letzten Kriegsjahre, namentlich aber nach denselben hat sich in den die körperlichen Uebungen betreibenden Vereinen vor allem in den Turnvereinen ein erfreulicher Aufschwung vollzogen, der uns den Beweis liefert, daß in der körperlichen Ertüchtigung unseres deutschen Volles eines der hervorragendsten Mittel erblickt wird, unserem zerrütteten Vaterland« wieder aufzuhelfen und das mit Recht; denn nur ein körperlich gesundes und starkes Volk kann auch geistig das vollbringen, was zu seiner Gesundung erforderlich ist. Soll aber diese Arbeit recht gedeihen, so muß denen, die sie leisten, Gelegenheit gegeben werden, die neu errungenen Kräfte in öfter stattfindenden friedlichen Wett- kämpfen zu erproben und zu messen, sei es in Ein- zelkämpfen, wie sie die turnerischen Veranstaltungen der Gaue und Kreise sind, sei es in Mann- schaftskämpfen, die einzelne Vereine in freier Vereinigung unter sich austragen. Darum wird das Verlangen der Turner nach ernsten Wett- kämpfen immer lauter und eindringlicher. Wo sich rührige 23 erehiS betriebe befinden, da wird diesem Verlangen Rechnung getragen. Zu diesem Zwecke haben sich schon vor dem Kriege die Turnerschaf- ten von gleichwertigen Städten zur Abhaltung solcher Wettkämpfe zusammengeschloffen. Ihnen folgen in neuerer Zeit auch die Turnvereine der Landgemeinden, die sich zu gleichem Zwecke zu- sammenfinden, da sie sich hiervon eine bedeutende Förderung und Verbreitung des Turnens versprechen. Von der Richtigkeit dieser Folgerung durchdrungen, haben sich die Turnvereine der benachbarten Orte Bruchköbel, Mittelbuchen, Roß- dorf, Niederissigheim, Büdesheim und Marköbel zusammengeschlossen und am gestrigen Sonntag ihren ersten Landgemeinde-Wettkampf in Bruchköbel abgehalten. Leider konnten an dem Wettkampf nur fünf Vereine teilnehmen, da den Turnern des sechsten Vereins, Marköbel, auf ihrer Fahrt ein Unfall zustieß, wodurch zwei T: rner verletzt wurden, so daß sie nicht vollzählig antreten konnten. Während bei den meisten Wett- kän pfen dieser Art nur volkstümliche Uebungen berücksichtigt werden, waren für diesen Kampf auch erfreulicherweise Uebungen an Reck und Barren vorgeschrieben. Die Kampfrichter hierzu stellten in dankenswerter Weise Vereine von Hanau und Keffelsiadt. Es war ein Mannschaftskampf an Reck, Barren, an denen je eine Pflicht- und Trübung ausgeführt werden mußte, im Wert- seringen, Hochspringen, Kugelstoßen und Laufen über 100 Meter. Jeder Verein stellte zu den einzelnen Uebungsarten eine Riege von 6 Mann. Doch war es den Turnern unbenommen, sich für mehrere Gerfte bezw. Uebungen zu verpflichten. .Außerdem war damit noch ein Staffellauf über 400 Meter mit 4 Läufern verbunden, für den künftighin ein Wanderpreis beschafft werden soll. Um auch den Schülerabteilungen der Vereine Rechnung zu tragen, war für diese ein Stoffellauf über 600 Meter mit 6 Läufern angesetzt worden. Das Ergebnis ist folgendes:
a) Mannschaftskämpfer
1. Bruchköbel 605% Punkte, 2. Mittelbuchen 511% Punkt«, 3. Büdesheim 445 Punkte, 4- Roß- dorf 439 Punkte, 5. Niederissigheim 438% Punkte.
b) Stoffellauf.
1. Mit^lbuchen 52 Sekunden, 2. Bruchköbel 52% Sek-, 3. Roßdorf 55% Sek., Büdesheim 59 Sek., Niederissigheim aufgegeben.
c) Schüler st affe k.
1-—Bruchköbel 99 Sekunden, 2. Mittelbuchen 103 Sek., 3. Roßdorf und Niederissigheim je 108 Sekunden, 4. Roßdorf (2. Mannschaft) 110 Sek.
Roman von Ernst Georgy.
M. Fortsetzung.
(Nachdruck verboten.)
Darum vernahm sie sofort den festen, hallenden Mannesschritt, der ihr folgte; und als der Schatten eines hinter ihr rasch herankommenden Herrn neben dem ihren auftauchte, wandte sie unwillkürlich den Kopf und sah empor und blieb vor Schreck stehen. „Georg!" glitt es kaum ver- neymbar über die Lippen.
„Gertrud!" stieß er hervor. „Seit frühem Morgen warte ich auf dich! Mädel, Gertrud, geliebtes Weib, wie bist du doch schön! Wie jung siehst du noch aus, meine Märchenprinzessin! Und nicht einmal an mich reißen kann ich dich, nachdem ich dich zehntausend Jahre entbehren mußte!" Er sprach hastig, halblaut, durch- glüht von Leidenschaft. Seine heißen Hände hielten die ihren mit krampfhaftem, festem Druck. Seine Augen lohten sie an mit glitzerndem, verzehrendem Blick.
Ueberwältigt schaute sie in dies Antlitz, das ihr vorgeschwebt jahrelang, Tag und Nacht, nach dem sie sieh so oft, so oft gesehnt hatte in verzweifelter Stimmung, in immergleicher Treue. „Georg!" sagte sie wieder, aber vergehend in Qual und Schmerz. Sie fand in diesem ver- ^«ten Gesicht mit den roten, entstellenden Nar- ■:n nichts wieder von der betörend lachenden rmut, der bestrickenden Liebenswürdigkeit des ' Mgen Offiziers.
Obgleich er sich den Vollbart hatte abnehmen 7en und wie früher nur den kleinen, flotten Huurbart trug, war er kaum wieder zu erken- en. Seine weiche, helle Stimme klang grell, wie erbrochen. Und die Art, wie er zu ihr niederschaute, wie er sie ansah, wie er sprach, wirkte erkältend, ernüchternd. Ein eisiger Schauer überrieselte ihren Rücken. Langsam zog sie ihre Hände aus den leinen.
* Die Jubiläumsfeier, die zu Ehren des 25jährigen Dienstjubiläums des Herrn Bürodirel- tors R o e s e am Freitag abend in den festlich geschmückten Räumen des .Gasthauses zur Sonne stattfand, nahm bei einer Beteiligung von etwa 75 Personen einen äußerst schönen Verlauf, ein Beweis, welcher Wertschätzung sich der Jubilar erfreut. Während des Abends, den Musikstücke, Vorträge usw. ausfüllten, faßte Herr Lundcat Dr. V o i g t die Glückwünsche des Krcisausschusscs in folgender Ansprache an den Jubilar zusammen:
Während wir uns sonst immer nur zu ernster Arbeit zusammenzufinden pflegen, haben wir heute einen erfreulichen Anlaß, der uns zu so später Stunde noch hier vereinigt. Heute sind 25 Jahre vergangen seit dem Tage, an dem der älteste Beamte der Kreisverwal- tung, Herr Bürodirektor Roese, in den Dienst des Landkreises Hanau getreten ist. Nahezu ein Menschenalter hindurch hat er seitdem für den Kreis gewirkt und vor allen Dingen wie hat er in dieser Zeit für den Kreis gearbeitet! Nicht um eine gesicherte Lebensstellung zu haben und nicht um eine vorgeschriebene Arbeitszeit abzuleisten, sondern sein ganzes Wesen und seine Persönlichkeit ist in dieser Arbeit aufgeFangcn. @8 hat es als seinen Lebenszweck angesehen, für das Wohl des Kreises Hanau und seine Bevölkerung zu wirken. Der Erfolg dieses ernsten Strebens ist nicht ausgeblieben. Herr Bürodirektoc Roese ist stets der erste Berater der Kreisverwaltung gewesen und ich glaube im Sinne meiner sämtlichen Amtsvorgänger zu sprechen, die mit Herrn Roese zusammen gearbeitet haben, wenn ich ihm heute für den großen Pflichteifer, die Umsicht und die Energie danke, mit der er sie stets unterstützt hat. Aber mehr als alle Worte beweist der zahlreiche Besuch bes heutigen Festabends, welche Sympathie und welche Anerkennung sich Bürodirektor Roese überall erworben hat. Nicht nur der KretSausschuß und die Beamtenschaft der Kreisverwaltung, sondern auch die vielen mit der Kreisverwaltung zusammenhängenden Verwaltungsstellen sind heute hier vertreten und sehr viele Bürgermeister des Landkreises haben den weiten Weg und das schlechte Wetter nicht gescheut, um durch ihr Erscheinen am heutigen Tage ihre Sympathie und Verehrung für unseren Jubilar zum Ausdruck zu bringen. Der Kreisausschuß hat geglaubt, als bleibende Erinnerung an den heutigen Ehrentag unserm Jubilar eine Ehrengabe übereichen zu sollen. Er hat dafür eine künstlerische Reproduktion des Kreishauses gewählt. Möge es Ihnen, Herr Bürodirektor Roese, noch recht lange vergönnt sein, mit dem bisherigen Erfolge in diesem Hause weiter zu wirken für das Wohl des Kreises und möge Ihnen dieses Bild Zeit Ihres Lebens eine liebe Erinnerung sein an die zwar an Arbeit aber auch an äußeren Erfolgen und innerer Befriedigung reiche Zeit, die Sie im Dienste des Kreises Hanau ver- bmcht haben. Das sind die herzlichen Wünsche, mit denen ich Ihnen im Namen des Kreisaus- schuffes das Bild überreiche.
Nach dieser in einem Hoch auf den Jubilar ausklingenden Ansprache brachten noch für die Kreis- und landrätlichen Beamten Obersekretär B r i n g m a n n, für die Vereinigung der Bürgermeister deren Vorsitzender Bürgermeister Schlegel- Windecken und für die Beamten der Polizeidirektion Obersekretär C l a u ß dem Jubilar die Glückwünsche der Beamtenschaft dar.
* Festgenommrn wurden am Sonntag gegen 5 Uhr vormittags am hiesigen Ostbahnhof ein Eisendreher und ein Bäckerlehrling aus Offen- bach, weil sie aus einer Wirtschaft in Nieder- rodenbach, in der sie übernachteten, eine Bettdecke mit Bettbezug und ein Bettlaken mitgehen hießen.
Die Tasche war ihr entglitten und zu Boden gefallen.
Wiesener bückte sich und hob sie auf. „Komm bloß hier weg," meinte er nach zornigem Rundblick. „Wir erregen Aufsehen, man gafft uns an. Und das halte ich nicht aus. Allein will ich dich haben."
Sie dachte nach. „Ob das Gasthaus am Thumsee schon offen ist, weiß ich nicht; aber in Großginain sah ich eine hübsche saubere Wirtschaft mit herrlichem Rundblick!"
„Also gut--Großgmain. Mir ist alles gleich, — Kutscher!" Jetzt, wo er einen des Weges kommenden Wagen sehr laut anrief, hatte seine Stimme einen häßlichen, rohen Klang.
Das Gefährt hielt. — Sie stieg ein. Er folgte ihr, nachdem sie dem Rosselenker Bescheid gesagt hatte.
Und dann saßen sie nebeneinander und rollten durch die immer wärmer strahlende Maiensonne.
Wiesener ließ keinen Blick von ihr. Er hielt wieder ihre Hand, und allmählich wucHs das Glück des Wiedersehens in ihm zu einem wahren Rausch, der rote Nebel vor ihm wallen ließ. „Gertrud--Gertrud," murmelte er im Ueber- schwang.
Sie saß, gequält, vernichtet, denn in ihr fand sein aufloderndes Empfinden keinen Widerhall. Im Gegenteil, ganz langsam erstarb etwas in ihrem Innern, so daß ein dumpfer Schmerz sich emporrang, der Ueberraschung, Hoffnung, Sorge erstickte und überwucherte. —
„Warum sprichst du nicht? Sieh mich doch an! Sitz doch nicht da wie ein Oelgötz, Mädel! Wir haben uns doch über sieben Jahre nicht gesehen! — Freust du dich denn gar nicht? — Mensch, Mädel!"
„Sag doch nicht Mädel zu mir, Georg!" flehte sie gepeinigt, denn plötzlich dachte sie an all die Erzählungen, die sie in Buenos Aires vernom- men batte^
* 12 Pfund Kartoffeln. Wie ups das Lebens- mittelamt mitteilt, werden auf die Lebensmittel- marke 341 in den bekannt gegebenen Geschäften 12 Pfund Kartoffeln abgegeben.
* Brotmarkenausgabe im Landkreise. Zur Er- sparung von Druckkosten für Brotmarken wird der Landkreis vom 11. Oktober ds. Js. ab die Brot- markenauflage um die Hälfte verringern. Der Brot- und Mehlwert der einzelnen Marke verdoppelt sich hierdurch. Eine Aenderung der Rationen tritt also nicht ein. Die Verringerung der Brotmarkenauflage bedeutet für alle beteiligten Stellen eine wesentliche Erleichterung. Auch in den Haushaltungen wird die Beschränkung der Markenzahl sicher begrüßt werden.
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An unsere Leser!
Unsere Zeitungsträgerinnen beginnen mit dem Einkassieren der Bezugsgelder für den Mormt Oktober. Wir ersuchen unsere Leser, die QuiMngen gleich beim erstmaligen Vorzeigen einlössn zu wollen, um hierdurch die Arbeit etwas zu erleichtern und den Trägerinnen die vom Verlage zur Pflicht gemachte rasche und pünktliche Ablieferung der Beträge zu ermöglichen. Wir sind überzeugt, hierfür bei unseren Lesem volles Verständnis und Unterstützung zu finden.
Verlag des „Hanauer Anzeiger".
* Ausstellung zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. Am Samstag nachmittag wurde eine in der Turnhalle der Eberhardschule untergebrachte Ausstellung eröffnet, die den Zweck haben soll, unser deutsches Volkstum über die verheerenden Wirkungen der heimtückischm Blutkrankheit Syphilis aufzuklären und durch überzeugend wirtende Beispiele deren Folgen bei Vernachlässigung oder Außerachtlassung vor Augen zu führen. Zur Eröffnung der Ausstellung hatte sich ein kleiner Kreis von Interessenten und Förderern der Sache zusammengefunden. Der Leiter der Ausstellung begrüßte die anwesenden Gäste und sprach den städtischen Behörden und den Krankenkassen wärmsten Dank für die Unterstützung der wichtigen Sache aus. Herr Bürgermeister Dr. Müller dankte den Veranstaltem für ihre Bemühungen, auch in unserer Stadt dieses für die Allgemeinheit wichtige Material zur Schau zu stellen und gab dem Wunsch Ausdruck, daß das Gebotene Beachtung finden und auch hier zum Segen gereichen möge. Nachdem Herr Kreisarzt Dr. Wolf namens der Aerzteschaft auf die Wichtigkeit der Ausstellung hingewiesen und volle Unterstützung versprochen hatte, mürbe unter Führung des Herrn Sanitätsrats Dr. Schindler eine Führung durch die Ausstellung unternommen, deren Arrangement ein Unternehmen des deutschen Hygiene-Museums in Dresden und der deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten ist. Die dem Auge dargestellten Wachsnachbildungen, Wandtafeln, anatomischen Präparate usw. machten auf jeden Besucher eine sichtliche, zum Denken auffordernde Wirkung. Erschütternde Bilder treten da vor das menschliche Auge, die man gesehen haben muß, um einen Blick in das Elend zu bekommen, das sich aus einem kleinen Uebel entwickeln kann. Nach all den Erfahrungen in den Kriegsjahren ist die Aufklärung zur Wiedergesundung und Erhaltung des deutschen Volkes gerade in jetziger Zeit zu begrüßen, möge deshalb der Ausstellung zahlreicher Besuch beschieden sein und damit ihr Zweck erreicht werden! — Die Ausstellung ist täglich ununterbrochen von halb 10 bis 7 Uhr abends, Montags und nächsten Donnerstag nur für weibliche Besucher, alle ’ übrigen Tage für gemeinsamen Besuch geöffnet. :
Er stutzte, sah sie an und lachte rauh auf. „Ach so, ich vergaß. Wir leben hier in zivilisiertem Lande, und da darf man zu einer Ministerstochter nicht Mädel sagen. Soll ich dich gnädiges Fräulein anreden? Fräulein Gertrud Meinhard?"
„Ich bin die Jungfer der Baronin Graunitz," erklärte sie ernst.
„Dann benimm dich so, nimm mich um den Hals und küsse mich. Hier sieht uns keiner!" rief er. Und ehe Gertrud zur Besinnung kam, hatte er sie mit beiden Armen umschlungen, an sich gerissen und überflutete sie mit leidenschaftlichen, heischenden Küssen.
Einige Sekunden war sie fast ohnmächtig vor Entsetzen und Ueberraschung. Dann wuchs in ihr eine Empörung, in der sich Ekel und Abscheu vernichtend mischten.
Mit dem Aufgebot aller Kraft riß Gertrud sich los und drängte Georg, beide Fäuste geoen seine Brust pressend, zurück. „Was fällt dir ein?" schrie sie in zorniger Entrüstung.
Er taumelte in seine Ecke zurück. Ein langer Fluch entfuhr ihm. „Was bedeutet das?" fragte er jähzornig. „Bist du nicht meine Braut? Bald meine Frau? Habe ich etwa kein Recht, dich zu küssen?"
Sie gewann ihre Beherrschung wieder. „Vorläufig — nein!" entgegnete sie herb. „Wir haben uns so lange weder gesehen, noch gesprochen. Zuerst werden wir uns wieder kennen lernen müssen!"
„Bläst der Wind daher? Na, da hört die Weltgeschichte auf!" Wieseners Gesicht rötete sich, daß die Narben flammten. „Bestehst du auf Beichte oder ziehst du ein Verhör vor?"
Sie rückte etwas von ihm ab. „Selbstverständlich werden wir uns "jenseitig völlige Klarheit zu geben haben. Ich muß jedenfalls viel, sehr viel fragen."
„Was gibt dir eigentlich dazu das Recht, du kleine Schulmeisterin?"
* Einstellung von Arbeitskräften! 2 m amtlichen Teil der vorliegenden Nummer befindet sich eine Bekanntmachung über die Einstellung von Arbeitskräften, auf welche die interessierten Kreise eindringlich hingewiesen werden.
* Fortdauer der Papierkontingentierung im 4- Quartal. Durch Bekanntmachung vom 30. September hat der Reichswirtschastsminister die Kontingentierung des Papierbezugs der Zei- tungsverleger auch für das letzte Vierteljahr 1920 an geordnet, da, wie von den Politisch-parlamentarischen Nachrichten hinzugefügt wird, die überwiegende Mehrzahl der Zeitungsverleger und auch die übrigen im Beirat der WirtschaftSstelle vertretenen Kreise die Fortsetzung der Kontingentierung beantragt hätten. Die Reichsregierung habe sich bei dieser Regelung von der Erwägung leiten lassen, daß die besondren Maßnahmen, die von ihr bisher getroffen worden seien, um die Herstellung des für die deutsche Presse erforderlichen Papiers zu erträglichen Preisen zu sichern, bei der Ungellärtheit der künftigen Lage des Druckpapierinarktes zunächst noch weiter aufrechterhalten werden müßten. Damit die hieraus sich, ergebenden Vorteile allen Zeitungsverlegern und insbesondere der mittleren und kleineren Presse gleichzeitig zugute kämen, sei die Fortsetzung der Kontingentierung trotz aller in der Öffentlichkeit von allen Gruppen der ^eitungsverleger dagegen vorgebrachten Bedenken geboten gewesen.
* Der Handwerker- und Gewerbeverein beging am Samstag sein 29. Stiftungsfest, das einen derart starken Besuch aufzu- weisen hatte, daß der von Herrn Kunstgärtner Otto Niedermeyer äußerst sinn- und geschmackvoll dekorierte Saal die erschienenen Gäste kaum zu fassen vermochte. Der Vorsitzende des Vereins, Herr Murawski, begrüßte nach einigen von einem Teil ehemaliger Militärmusiker tadellos vorgetrage. nen Musikstücken die Festversammlung und stellte den Wert der Organisation für den Handwerker und Gewerbetreibenden ins rechte Licht. Anschließend überreichte er mit Be- glückwünschungsworten zwei Gründern des Vereins, Herrn Schlofsermstr. Bernh. Ocker und Drehermeister Konrad Scheerer, ein Ehrendiplom unter Glas und Rahmen. Der weitere Verlauf der Vortragsfolge brächte, von Herrn Fritz Herbst sauber vorgetragen, die Ballade „Tom der Reimer", Herr Bell stellte sich als Salonhumorist vor mit durchschlagendem Erfolg, Frl. Arnold bracht« gut empfunden einen Prolog zum Vortrag, die Geschwister Döberich präsentierten sich als „Anne und Hanne, zwei Mädels von
einer Schar kleiner Kinder einen Rosenreigen einstudiert, der nicht nur ihm zur Ehre gereichte, sondern auch von den Kleinen derart exakt ausgeführt wurde, daß er starken Beifall bei den Zuschauern auslöste. Ein Liederspiel „Im Riesengebirge" beschloß den Abend, an den, wenn auch etwäs reichlich spät und von der Jugend längst herbeigesehnt, der obligate Ball sich anschloß. So konnte alles zufriedengestellt den Heimweg antreten, und wer bei der von Mitgliedern gestifteten Verlosung einen der äußerst schönen Preise
noch errungen hatte, denen Sinnes.
war erst recht zufris-
* Gartenwerkzeuge l 7 '/ 7
Garten im Teichwege wurden Freitag Nacht mehrere Eartenwerkzeuge gestohlen. Die Gegenstände, Spaten, Schaufel rc. sind durch einbren
gestohlen. In einem
nen von I. I. an den Stielen gezeichnet.
„Die Treue, die ich dir bewahrte, trotz -* allem! Und die Qualen, die ich um deinetwillen aus gehalten habe, Georg!"
„Werde ich die immer aufs Brot geschmiert bekommen?"
„Sobald ich mit dir und mit mir im Klare» bin — nein!" antwortete sie unbeugsam.
Er lehnte sich in feine Ecke, kreuzte di« Arme und schaute hinaus. „Ihr deutschen Weiber könnt wahrhaftig ..." er vollendete den Gedankengang nicht. „Du und meine -Dtutter, ihr seid von gleichem Kaliber," sagte er dann, „am liebsten würdet ihr mich beide einem moralischen Reinigungsbade unterziehen, nicht wahr?"
„Ja," antwortete sie ruhig.
Er schwieg. Nach einer Weile sagte er bissig: „Du wirst mich wohl schon so verbrauchen müssen, wie ich bin, meine teure Gertrud!"
Sie seufzte und schaute hinaus in die immer großartiger und schöner werdende Bergwelt.
Der gestrige Tag fiel ihr ein und LindnerS anständige und ritterliche Haltung und Denkart. All die Männer, die ihr im Laufe ihres Daseins, kampfes begegnet, sogar Baron Stellfreth, zogen wie in einem Kaleidoskop an ihr vorüber. Ernst Hoernes geistvolles Antlitz, seine Gestalt, seine unendlich zarte Umgangsart mit seiner Mutter, mit ihr, tauchten ungerufen auf. Und dann kam plötzlich die Frage: „Warum mußte ich mir von allen Männern in der Welt gerade diesen aus- suchen?" Bedauern mit sich selbst, mit ihm erfaßte sie. „Armer Georg!" meinte sie leise.
Wiesener vernahm die Worte. Sein Zorn verrauchte. Er fing an zu weinen.
Gertrud erschrak. Sie wandte sich ihm zu und sah, wie zusammengesunken er dasaß, wie er das Gesicht in den Händen barg. Ein mütterliches Gefühl stieg in ihr auf. Leicht strich ihre Hand über feinen gesenkten Kopf. „Ich will gut zu dir sein, Georg, aber du mußt wahr sein. Es darf nichts zwischen uns stehen!"
(Forüetzuna foIaH