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f Derlagsleituns: Ad. I Derantwortlich: für oolititoen TeilRich. öultfAijür lokalen Teil >owie Scott W. Moritz:
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Nr. 231
Frettag den 1. Oktober
1920
Das Neueste.
— Nach einem Mehrheitsbeschluß des Ael- testenrates der preußischen Landesversammlung sollen die Neuwahlen in Preußen erst drei Monate nach Verabschiedung des neuen Ver- fassungsgesetzes stattfinden.
— Die Eisenbahn-Verkehrslage im Ruhrgebiet hat fich in den letzten acht Tagen verschlechtert»
— Nach einer französischen Meldung soll die Abstimmung in Oberschlesien im November stattfinden.
— Die belgischen Lazarettzüge für Polen werden über Oesterreich geleitet.
— Der englische Bergarbeiterstreik dürfte um weitere acht Tage verschoben werden.
— Die Lage in Irland ist weiterhin als kritisch anzusehen.
—• In französischen Kreisen werden weitgehende Pläne besprochen bezüglich der weiteren Verstärkung welche General Wrangel erhalten soll.
Amerika zur See.
Hat England sein vornehmstes Kriegsziel erreicht: die Ausschaltung jeder Nebenbuhlerschaft für seine Vormachtstellung zur See? Soweit Deutschland in Frage kommt, gewiß; denn die stolze deutsche Kriegs- und Handelsflotte gehört der Vergangenheit an. Aber'statt dieses einen Nebenbuhlers sind ihm zwei andere und viel gefährlichere erwachsen: die Vereinigten Staaten und Japan. Jedenfalls ist die meerbeherrschende Stellung Britanniens nach den: siegreich geführten .Kriege viel bedrohter als vorher. An der Hand eines einwandfreien Zahlenmaterials weist Des der Professor an der Düsseldorfer Verkehrs"
.^.--ffkuLE^d Hennr^in einem soeben er- MrÄMM Buch „Der neue Wolwerrohr" nach. Hennig nennt das Auftreten Amerikas als eines Wettbewerbers um die Seeherrschaft „das bedeutendste verkehrspolitische Ereignis, das als Folge des Krieges überhaupt zu verzeichnen ist. „Zwei Tatsachen," sagt er, „beleuchten schlaglichtartig die Verschiebung der Verhältnisse zu Englands Ungunsten. Die Niederschlagung der deutschen Handelsmarine ist gelungen; aber am Schluß des Krieges stand eine andere, nicht-englische Flotte, die amerikanische, doppelt so stark, als es die deutsche in ihren besten Zeiten war, zum Handelskamps gerüstet, einer stark reduzierten englischen Kauffahrteiflotte gegenüber. Außerdem ist aber der englische Schiffbau, der seit Menschen- gederllen unerreichbar an der Spitze aller Nationen marschierte, vorn amerikanischen übertroffen »worden und schon 1918 hinter diesem fast um die Hälfte, 1919 um rund % zurückgeblieben, trotz lebhafter eigener Anstrengungen. Diese Umwandlungen sind so gewaltig, daß man sagen kann, nie zuvor habe sich das Bild des Handeswettbe- werbes auf den Meeren in so kurzer Zeit gleich stark gewandelt!" Diese Veränderung der Lage ergibt sich am deutlichsten, wenn man sich den prozentualen Anteil vor Augen hält, den die führenden Nationen in letzten Jahrzehnt an der Zusammensetzung der Welthandelsflotte gehabt haben. England verfügte 1910 über 45,4 Proz., Deutschland über 10,3 Prozent, die Vereinigten Staaten über 6,6 Prozent, Norwegen über 4,8 Prozent und an fünfter Stelle stand Frankreich mit 4,5 Prozent. 1919 hat sich diese Rechenfolge so verändert, daß Deutschland ausscheidet. England steht mit 32,1 Prozent noch immer an der Spitze; aber die Vereinigten Staaten sind ihm mit 23,5 Prozent bereits ziemlich nahegerückt; dann folgt Japan mit 5,3 Prozent, Norwegen mit 3,1 und Frankreich mit 2,9 Prozent. 3kt« ist aber die Handelsflotte Amerikas in einem beständigen, das Anwachsen Englands weit überflügelnden Zunehmen begriffen. Es kam ja den Briten vollkommen überraschend, als die Pankees im Sommer 1918 ganz urplötzlich fieberhafte An- strengungen unternahmen, England im Schiffbau zu schlagen und damit die eigene Handels- und Kriegsflotte der britischen überlegen zu machen. Eine unglaubliche Menge von neugegründeten Werften blühte empor. Die amerikanische Ozean- fiotte, die 1910 nur 800 000 Tonnen umfaßte, war am 30. Juni 1915 bereits auf 2794 Scha mit 1 871 543 Tonnen gestiegen. Ein Jahr später schwammen 2191715 Tonnen amerikanischer Fahrzeuge auf dem Ozean. Beim Eintritt in den Krieg im April 1917 verfügten die Vereinigten Staaten über 2 750 000 Tonnen an Schiffen über 1500 Tonnen. Am 1. Juli 1918 hatte das amerikanische Schiffahrtsamt 7 000 000 Tonnen,, am 1. September 9 500 000 Tonnen unter Kontrolle, und man konnte bis Ende 1920 mit 14 715 000 Tonnen Neubauten rechnen. In &äh sechs Jahren war die Flotte der Vereinigte Staaten um fast 300 Prozent gewachsen. Das gesamte
amerikanische Bauprogramm umfaßt 17 807 071 Tonnen. In absehbarer Zeit werden also 22 000 000 Tonnen Schiffsraum unter dem Sternenbanner fahren, d. h. etwa % des Weltschiffsraumes und mehr, als die britische Handelsflotte je besessen- „Wir werden nicht nur die größten Schiffbauer, sondern auch die größten Reeder der Welt sein," hat der amerikanische Schiffbaukontrolleur Edward Hurleh gesagt. Es ist begreiflich, daß diese Anstrengungen England mit tiefer Besorgnis erfüllen. Gegenwärtig liegen bereits die Verhältnisse so, daß Britannien, das vor dem Kriege eine Ueberlegenheit über alle wichtigen Konkurrenten um 4 000 000 Tonnen besaß, jetzt den anderen wichtigsten Handelsflotten zusammen um 3 700 000 Tonnen unterlegen ist. „Wenn sich das Bauprogramm Amerikas auch nur zum Teil verwirklicht," schrieb der „Statist", „mag die Todesglocke unserer Ozeanvormachtstellung erklingen." Aber auch Japan ist ein sehr gefährlicher Konkurrent Englands geworden, und im Ganzen zeigt sich, daß ganz Europa wirtschaftlich den Krieg verloren hat. Während der europäische Schiffbau den außereuropäischen bis zum Jahre 1914 über traf, ist er ihm jetzt bedeutend unterlegen. England, Deutschland und Frankreich bauten 1912 1 887 000 Tonnen und 1914 1 511 OOO Tonnen mehr als die Vereinigten Staaten und Japan; dagegen waren die beiden nichteuro- päischen Staaten im Jahre 1916 den drei europäischen um 117 000 Tonnen und 1918 um 2 190 000 Tonnen im Schiffbau überlegen. „Angesichts dieser Zahlen", schließt Hennig, „dämmert am Horizont die Möglichkeit auf, daß Europa die Stelle als kulturelle Vormacht der. Welt, die es 214 Jahrtausend unbestritten inne- hatte, infolge der furchtbaren Vorgänge der Jahre 1914/19 verloren hat, als ob die Führerrolle seit 1918 an Amerika übergegangen ist"
Die, FmMZkMMMZ BrüsieL.
BrÄffel, 30. Septbr. Der heutige Sitzungstag der Finanzkonferenz war der allgemeinen Besprechung der Frage der internationalen Handelsbeziehungen gewidmet. Hierbei hielt ein Vizepräsident, der belgische Handelsminister de WouterS, die einleitende Rede. Er stellte die wirtschaftlich starken Kontinente, wozu er Amerika und Asien zählt, dem wirtschaftlich geschwächten Kontinent Europa gegenüber. Die Wirkungen des Krieges und die noch anhaltenden tatsächlichen Eingriffe in da? Wirtschaftsleben geben dem internationalen Handel eine ganz neue Richtung. Es unterliege keinen Zweifel, daß der internationale Handel hierbei durch die industriell starken und damit" führenden Staaten beeinflußt würde. Als wichtigste Voraussetzung für die Wiederaufrichtung des internationalen Handels kennzeichnete er die Freiheit des wirtschaftlichen Lebens. Einschränkende Maßnahmen müßten abgebaut werden. Die anschließende Aussprache brächte keine wesentlichen neuen Gedanken zum Ausdruck. Ein Vertreter Italiens betonte das Recht aller Staaten auf Rohstoffe. Ein spanischer Delegierter sprach sich für die Erleichterung der Paß- und sonstiger Grenz- vorschriftcn aus. Bemerkenswert ist noch, daß der amerikanische Vertreter bemüht war, die von dem belgischen HandelSminister gekennzeichnete gstnflige Wirtschaftsverfassung seines Landes abzuschwächen. Auch für die Frage des internationalen Handels wurde eine besondere Kommission gebildet, welche über alle Einzelheiten noch zu beraten bat. Dieser gehört von deutscher Seite Bankdirektor Urbig an.
Das sranzöftsche Expofee.
Nach einer Havasmeldung aus Brüssel ist den Mitgliedern der Fmanzkonferenz gestern vormittag das französische Finanzexposee zugestellt worden. Das Exposee lenkt die Aufmerksamkeit der Konferenz auf die Wiederaufbaufragc. Dieses Werk, welches sich nach den in dem Friedensvertrag vorgesehenen Bedingungen vollziehen müsse, habe ein so beträchtliches Interesse für die wirtschaftliche Wiederaufrichtung der Welt, daß der Oberste Rat am 8. März erklärt babe, er erkenne die besondere Lage der verwüsteten Gebiete namentlich in Frankreich an und er stelle in Rechnung, daß weite Gebiete Frankreichs gelitten hätten und daß sich daraus eine Verminderung der sofortigen Hilfsquellen ergebe und Ausgaben gemacht werden müßten, um die zerstörten Gebiete wieder auszubauen. Dieser Wiederaufbau sei von grundlegender Bedeutung für die Wiederherstellung des wirtschaftlichen Gleichgewichts in Europa.
Die Dauer der Konferenz.
Nach einer Havasmeldung aus Brüssel sei es möglich, daß die Konferenz noch wenigstens 7 Tage brauchen werde, um ihre Arbeiten zu vollenden. Noch zwei wichtige Probleme seien zu prüfen: die Frage deS interrratioualcn Handels und des internationalen Kredits. Die Arbeiten der Kommissionen würden nicht vor Anfang kommender Woche beendet sein. Dann werde die Konferenz sich in öffentlicher Sitzung über die Resolutionen auszusprcchen haben, die vorgelegt würden.
Die fmnZWschL LloNsNhKMslerer
Soviel guten Willen Deutschland auch aufwenden mag, und wenn es unter dem Druck rücksichtsloser Bedrohung bis ans Aeußerste feiner
Lebensmöglichkeiten geht — die Franzosen wollen sich nicht zufriedenstellen lassen. Als nach dem unsre Volkswirtschaft aufs schwerste gefährdenden Abkommen von Spa es uns trotzdem gelang, die geforderte Monatsmenge restlos zu liefern, mußte das freilich zunächst sogar in Paris anerkannt werden. Aber es geschah mit Widerstreben und alsbald auch mit der bösartigen Nutzanwendung: aus dieser glatten Ablieferung sei zu erkennen, daß man es Deutschland immer noch zu leicht mache, und daß man mehr hätte fordern sollen! Da aber das Abkommen mit der Monatsmenge von zwei Millionen einmal besteht und auf einseitigen französischen Wunsch nicht zu ändern ist, will man uns nun auf andre Weise beikommen. „Deutschland schickt uns zuviel schlechte Kohle", heißt es jetzt. „Wir haben," so schreibt z. B- das „Journal", „auf den Uebersluß (abondance) des Abkommens deutscher Kohle in Paris hingewiesen. Man dürfte sich beglückwünschen zu dem guten Willen, den die Regierung jenseits des Rheins in der Erfüllung ihrer Verpflichtungen bekundet, wenn in ihren Lieferungen nicht ein übermäßiger Anteil von Stücken (boulets) enthalten wäre, die nur aus Kohlenstaub bestehen. Wir glauben zu wissen, daß bei der deutschen Regierung Schritte getan werden, um sie daran zu erinnern, daß die uns geschuldete Kohle anders gewürdigt würde, wenn sie in größerem Verhältnis Steinkohle dar- stellte." Ob solche Schritte in der Tat beabsichtigt sind und getan werden, müssen wir abwarten. Bis dahin wäre aber für die französische Presse wohl Zeit, sich einmal mit dem Dorwurf zu besassen, daß Frankreich Kohlen hamstert. Mit zahlenmäßigen Belegen ist das neulich (Kölnische Atg. Nr. 798) von dem Reichsschatzminister a. D. und Bergbausachverständigen Gothein dargetan worden, und neuerdings behauptet es auch der Berg- arbeiterführer Hue. In einem Vortrag, den er in Zürich gehalten, führte er aus^dste deutschen Bergarbeiter hätten den guten Willen, die Verpflichtungen von Versailles und Spa zu erfüllen; wenn aber einerseits die deutsche Industrie auf 48 v. H. ihres Bedarfs beschränkt worden fei, während anderseits Frankreich Kohlen Vorräte aufsiaple, dann dürfe man sich ": wundern, daß unter den Bergarbeitern Verstimmung um sich greife. Herr Hue hat schon in Spa die Staatsmänner darauf aufmerksam gemacht, wie sehr ihre Pläne und Rechnungen abhängig sind von der Zustimmung der Bergarbeiter- Die künstliche französische Unzuftieden- heit aber und die ewige Scharfmacherei gegen Deutschland können nur den Weg bereiten, der von der Zustimmung zur Verstimmung führt.
Die Wahlen für Preußen.
Berlin, 30. Septbr. Aus dem Entwurf des Gesetzes über die Wahlen in Preußen teilt baS „Berl. Tageblatt" nach Mitteilungen von parlamentarischer Seite n. a. mit:
Jeder Wahlkreis hat mindesten? drei, höchstens sechs Abgeordnete zu wählen, doch ist diese Einteit- lichkeit nicht überall gewährt. Die Einteilung der Wahlkreise ist so gedacht, daß Wahlbezirke gebildet werden, die möglichst mit Gemeinden zusammenfallen sollen. Große Gemeinden können in mehrere Wahlbezirke zerlegt werden, kleine Gemeinden mit benachbarten Gemeinden zu einem Wahlbezirk vereinigt werden.
§ 16 bestimmt, daß die Kreiswahlvorschläge und Verbandswahlvorschläge die Erklärung enthalten müssen, welchen Landeswahlvorschlägen ihre Reststiminen zuzu- rechnen sind. Auf je 44 OOO Reststimmen entfällt ein Abgeordneter, woher ein Rest von mehr als 22 OOO Summen vollen 44 OOO gleichgeachtet wird.
Auf Berlin allein entfallen 49- Ylbgeorbneie. Der Gesetzentwurf sieht für die oberschlesischen Streife folgende Abgeordnetenzahlen vor: Oppeln, Ratibor, Pleß und Ventilen je 5 Abgeordnete, Kattowitz 6 Abgeordnete.
Der „Lokalanzeiger" will zu den Preußenwahlen mitteilen sonnen, daß die Staatsregierung, die ursprünglich eine Stimmenziffer von 44 000 erwogen habe, in den nächsten Tagen im Verfassuugscmsschnß den Vorschlag machen werde, die Zahl auf 60 000 zu erhöben, um auf diese Weise eine nicht allznhohe Ziffer für das Parlament zu ermitteln.
Verkehkslage im Wuhrgebrsk.
Effrn, 30. Septbr. Die EisenLahnoerkehrs- lage hat sich in der vergangenen Woche dadurch verschlechtert, daß der Zulauf an Leer- material infolge des verstärkten Einsetzens der Herbsttransporte noch weiter zurückgegangen ist. Dazu kommt, daß die vertraglichen Ueber- schichten neuerdings von den meisten Schacht- anlagen des Reviers bei einer 75 prozentigen Beteiligung der produktiven und betriebstechnischen Personen verfahren wurden und deshalb die Förderung verhältnismäßig gut ist. Da alsbald mit einer verstärkten Inanspruchnahme des Wagenparks durch Kartoffel- und Rüben- transporte zu rechnen ist, wird eine weitere Verfchärfunü im Wagenausfall in der aller
nächsten Zeit nicht zu vermeiden seht. Trotz dieser Verhältnisse betrug die Wagengestellung in der vergangenen Woche noch 19787 Wagen werktäglich gegenüber 19705 Wagen in der voraufgegangenen Woche. Die Fehlziffern be- liefen sich durchschnittlich auf 125 Wagen. Die Lagerbestände erfuhren eine, wenn auch unbeträchtliche Steigerung, nämlich um 71042 Tonnen, gegenüber dem 25. September. Der Güterumschlag in den Duisburg. - Ruhrorter Häfen ging von 31378 Tonnen auf 30 970 Tonnen arbeitstäglich zurück. Trotz des schlechten Wafferstandes des Rheins vollzieht sich der Weitertransport noch verhältnismäßig glatt, da Kahnraum und Schleppkraft zur Zeit noch hinreichend vorhanden sind. Der Brennstoff- umschlag auf den Kanalzechen konnte erfreulicherweise von 26 289 Tonnen auf 28 894 Tonnen arbeitstäglich gesteigert werden. Der vor Wochen überaus starke Andrang an Lesr- raum hat in den letzten Tagen ganz erheblich nachgelaffen.
Politische Tagesberichte.
Reichspräsident und Siedelungsbestrebuuge«^ Reichspräsident Ebert richtete an die Leitung der mitteldeutschen Ausstellung für Siedelrmg, Sozialfürsorge und Arbeit in Magdeburg 1921 folgendes Schreiben: Die Bestrebungen der mittet« deutschen Ausstellung für Siedlung, Sozialfüc» sorge und Arbeit begrüße ich als ein erfreuliches Zeichen dafür, daß im deutschen Volke die Kräfte des Wiederaufbaues immer stärker und tätiger werden und die Erkenntnis und Notwendigkeit eines zielbewußten Schaffens zur Wiedevaufcich- tung Deutschlands sich in den weitesten Kreisen durchringt. Ich bin gerne bereit, dem Unternehmen jede mögliche Förderung zu gewähren, gez.: Ebert.
Die Abfiilnmung in Oderschlesien. „Homme Libre" glaubt zu missen, daß die Volksabstimmung in Oberschlesien für den November vorgesehen ist.
Deutsche Volkspartei. Die ReichstagSfraktion der Deutschen Volkspartei trat in Weimar zu einer zweitägigen Sitzung zusammen und^bcschäf- tigte sich am ersten Beratungstage ausschließlich mit der Frage der Sozialisierung.
Eupen — Malmedv. Nach einer in der „Neuen Zürcher Zeitung" veröffentlichten Zuschrift eines Holländers, der sich auf eine Unterredung mit einem Belgier und auf deffen Zeugnis beruft, ist die Abstimmung in den Kreisen Eupen und Malmedy absolut in belgischer Gewalt gewesen. Personen, die den Mut hatten, sich für Deutschland auszusprechen, seien einfach abgefaßt und ohne weitere Gründe und ohne vor Gericht gewesen zu sein, zu Arbeitshaus verurteilt worden.
Der englische Bergarbeiterstrcik. Nach einer „Temps"-Mcldung aus London ist in der City heute das Gerücht verbreitet gewesen, der So ginn des BergarbeiterstceikZ sei neuerdings um eine Woche hinausgeschoben werden. — Wie die Blätter melden, sind die Verhandlungen zwischen den englischen Grubenarbeitern und den Grubenbesitzern ohne Ergebnis geblieben. Ein Versuch Lloyd Georges, sie wieder in Gang zu bringen, ist an dem Widerstand der Arbeiter gescheitert.
Das englisch-russische Handelsabkommen. Die Pariser Blätter berichten, die „Daily Mail" veröffentliche Einzelheiten über das englisch-russische Handelsabkommen, das zwischen der englischen Regierung und Kamenew getroffen werden soll. Das Abkommen sei noch nicht unterzeichnet wor- den, aber man erwarte, daß in einigen Wochen Verhandlungen über einen endgültigen Friedensschluß mit Rußland beginnen könnten. Unter den Bedingungen werden genannt: die Sowjetregw- rung verpfüchtet sich, jede Propaganda gegen Großbritannien zu unterlassen. Sie werde auch grundsätzlich gewisse von der zaristischen Regelung kontrahierte Schulden anerkennen. Man. glaubt, daß es sich um die Schulden handelt, kis sich auf Warenlieferungen und auf gdetgem Dienste beziehen. Der Vertragsentwurf liegt augenblicklich dem Kabinett in London vor. Aehnliche Abkommen sollen nach der „Daily Mail" auch miTJapan und Italien getroffen werden. ~
Polnisch-litauische Streitfragen. Das Neu- tersche Büro meldet: Namens des Völkerbundes begibt sich eine Kommission nach Suivalki, um zu versuchen, die polnisch-litauischen Streitfragen zu lösen und weitere Feindseligkeiten zu verhindern. „ .
SP.il erand bei Dr. Mayer. Der Prapdent der Repuvlik MUlerand staffele heute nach, mittag dem deutschen Botschafter Dr. Mayer den nach dem Amtsantritt des Staatsoberhauptes üblichen Besuch ab. Präsident Millerand hat nach 10 Minuten das Botzchaftsgebauds wieder verlaffen.
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