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General-Mzeiger AmMches Organ fit SkaSl- und Landkrels Sana« Erschein! laglich mi! Ausnahme der Sonn- und Feiertags

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Kr. 230 Donnerstag den 30. September 1920

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Das Neueste.

Gestern vormittag fand in Anwesenheit deS Reichs- stäsidenten und zahlreicher auswärtiger Vertreter die Einweihung der Großfunkstation Nauen statt.

In der gestrigen Sitzung der Preußenversam«lung «urde die Abstimmung über den Gesetzentwurf bett, den Auetritt aus den. Religionsgesellschaften sffent- Ü$en Rechts durch die Linke abermals vereitelt.

Der deutsche Botschafter Dr. Mayer in Paris mürbe gestern von Millerand empfangen, dem er sein KeglaubigungSschreiben überreichte.

In Beuthen wurden zwei deutsch gesinnte Arbeiter verschleppt: Einer davon wurde bereits erschlagen aufgefunden, f

In Brüssel wurde gestern das Problem der Geld- «uilaufr und der Wechselkurse behandelt.

Der polnische Heeresbericht meldet ein weiteres Seiche» der russischen Truppen bei Grodno.

Wrangel ist er gelungen, die russische Südfront zu »urchbrecheu. *

Rußland will alle Bedingungen PolenS «»nehmen, mßer Entwaffnung der Roten Armee

Tschitscherin beschwert sich über den Abbruch der englisch-russischen Verhandlungen. r -i

Die Finanzkonserenz Brüssel.

Geld- und Wechselkursfragen.

Meldung unseres besonderen Bericht- e r st a t t e r S.)

Brüffel, 29. Septbr.

^eufiftt Konferenz diente der allgemeinen Be- wrcqung der Geld- und WechicUur», ragen. ^i Grundlage für diese Besprechung war ein Vortrag des Präsidenten der Niederländischen Bank Dr. Bisse- ring, aus dem folgendes hervorzuheben ist. Das GeldMem der hauptsächlichsten Staaten beruht auf dem Werte des GoldeS. Das Verbot der GoldauSfuhr hebt das Gleichgewicht zwischen dem Werte des GoldeS und dem des Papiergeldes auf. Zur Frage der Ver­minderung der Kaufkraft des Geldes hält Viffering es für erforderlich, daß die Produktion von Maschinen vermehrt und der Verbrauch nicht wichtiger Erzeugnisse vermindert werde. Zur Verminderung des Papier­geldumlaufes sei eS nötig, einen festen Wertmesser zu schaffen. Eine zu rasche Verminderung des Notenum­laufes sei ebenso gefährlich wie die Inflation. Bei der Besprechung der Lage der Vereinigten Staaten stellte Viffering fest, daß, falls die Vereinigten Staaten auch weiterhin auf Zahlungen von Seitens Europas be- Ihmben, der Dollar andauernd steigen werde, weil Europa weit davon entfernt sei, seine Produktion und Aukfuhr soweit zu steigern, daß es hierin den Ver­einigten Staaten gleichkommen könne. Viffering wünschte schließlich, daß die Diskussion sich auf folgende vier Punkte beschränke: 1. Die Möglichkeit und Er- wünschtheit der Verminderung der Inflation und die hierzu erforderlichen Mittel, 2. Die Frage, ob eine Rückkehr zum Golde als festen Wertmesser erwünscht und möglich sei, 3. Bezüglich der Bankpolitik die Frage, vb er möglich sei, auf jeden Fall allgemeine Maß­nahmen zu treffen, um feste Bank- und Diskontraten für die Emissionsbank festzusetzen, 4. Die Frage, in­wieweit internationale Maßnahmen erforderlich und erwünscht sind, um die Schwankungen des Wechsel- lurses zu begrenzen und ob es natürlich sei, eine mtcrnationale Münze- oder RechunngScinheit zu schaffen. Solange man nicht ein Zusammenarbeiten der einzel­nen Regierungen erreichen könne, würden alle Projekte frhlschlagen.

2» der anschließenden Besprechung hob der ehe- walige Gouverneur der Bank von England, Lord Dullen, hervor, daß die Inflation nicht nur durch me Banknoten, sondern auch durch Schecks auf Bank- Mositen hervorgerufen werde. Dullen will zur Be­kämpfung der Inflation den überschüssigen Notenumlauf *Uzichen. Im Ucbrigen bezeichnete er als Grundlage für die Genesung auf dem Währungsgebiet eine gc« "imete Finanzwirtschaft.

In der Nachmittagssitzung wurde die allgemeine Diskussion über bie Visseringschen Gcdankcngänge fortgesetzt. Es sprachen Vertreter der italienischen, ivvafrikanischen, spanischen und schweizerischen Delc- irtion. Hervorzuheben ist, daß der Schweizer Ver­treter ein Gegner hoher Bankraten ist. Sie würden 0en Zinsfuß wesentlich erhöhen in einer Zeit, da den Maaten kein anderes Mittel zur Abwickelung ihrer chlvebenden Verpflichtungen jur Verfügung stände, als kfte Anleihen. Der englische Vertreter L o r b Gallon hob hervor: An der in England bestehenden Neuerung sei nicht die allerdings bestehende SuSebon $ulb. Zur Herbeiführung einer normalen Lage und kur Verminderung des Notenumlaufes mnne man Daten fcstsetzcn. die den augenblicklichen Verhältnissen wtsvrächkn. Man müsse Zuschüsse für die Einfuhr tebeiiswichtiger Waren geben und die Einfuhr von Waren, die nicht unbedingt erforderlich seien, verhindern. Aar einzige Mittel, den Wert bei Goldes zu stabili- ^ren, seien Arbeit und Sparsamkeit.

Hiernach sprach der deutsche Delegierte Erdig, befien Ausführungen das Haus mit leb« halte,» Interesse folgte. Er betonte, daß die von . ustrmg geleistete Gedankenarbeit ein großes Werk & u* haß W eeWät* bu .Richtigkeit seiner

Ausführungen zugestanden werden könnte. Deutschland verfolgt mit Interesse die Konferenz, in der zum Ausdruck gebracht werde, daß Frieden und Wirtschaft­lichkeit in ganz Europa vorherrschen müßten. Nach seiner Meinung haben Kapital und Arbeitende» Sieger und Besiegte Opfer zu bringen und aufeinander Rück­sicht zu nehmen.

Der deutsche Botschafter im Elys«e.

WB. Paris, 29. Sept. Heute nachmittag wurde der deutsche Botschafter Dr. Mayer vom Präsidenten der französischen Republik zur Ueberreichung seines Beglaubigungsschreibens empfangen. Dabei hielt er folgende Ansprache:

Herr Präsident! Nachdem die deutsche Regierung sich entschloß, dem Beispiele der französischen Regie­rung folgend, die diplomatischen Beziehungen beider Länder in vollem Umfange wieder aufzunehmen, habe ich die Ehre, Ihnen, Herr Präsident, mein Beglaubig­ungsschreiben als deutscher Botschafter in Paris zu überreichen. Auf den bom Vcrsaillcr Vertrag geschaffe­nen Grundlagen werde ich, ganz wie es mir bisher in meiner Eigenschaft als Geschäftsträger am Herzen gelegen hat, fortfahren, in Uebereinstimmung mit den Absichten meiner Regierung alle meine Bestrebungen einer günstigen Entwickelung der Beziehungen zwischen unseren Ländern zu widmen. Ich verkenne nicht die Schwierigkeiten, die sich dem entgcgenstellen, ich ver­traue aber, daß dank Ihrem hohen Beistände und dank der einsichtsvollen Mitwirkung der Regierung der fran­zösischen Republik die Bestrebungen meiner Legierung von Erfolg gekrönt sein werden. Ich habe die Ehre, Herr Präsident, mit dieser Hoffnung den Ausdruck meiner Hochachtung für den ersten Beamten der Repu­blik zu verbinden.

Der französische Präsident erwiderte folgendes: Herr Botschafter! Mit Genugtuung nehme ich aus Ihren Händen das Schreiben entgegen, das Sie in Ihrer Eigenschaft als deutscher Botschafter bei mir be­glaubigt. Ich beglückwünsche mich in der Tat, von Ihnen die Erklärung zu vernehmen, daß Sie sich be­mühen werden, die Absichten Ihrer Regierung dadurch zu verwirklichen, daß sie auf der Grundlage des Ver- ^ut«er«Ls^raM^M Entwickelung der Ve- zichungen sichern, die sich zwischen unseren beiben Län­dern herstellen lassen werden. Die ganze Politik der Regierung der Republik gegen Deutschland ist von dem gleichen Gedanken erfüllt: Loyale Ausführung des feierlichen Paktes, der dem Kriege ein Ende gesetzt hat, ist das einzige Mittel, die ernsten Schwierigkeiten praktisch zu lösen, die zwischen den beiden Nationen bestehen, und die ihnen noch nicht gestatten, aus freiem Herzen an den großen Werken des Friedens mitzu- arbeiten. Die Art, wie Sie sich Ihrer vorläufigen Geschäftsführung zu entledigen gewußt haben, verbürgt mir die hohe Auffassung, Die Sie von Ihrer Auffassung haben. In aller Aufrichtigkeit wünsche ich Ihnen da­her Erfolg zu Ihrer Mission.

--- Berlin, 30. Sept. Wie verschiedene Blätter berichten, hatte gestern der deutsche Botschafter in Paris Dr. Mayer nach der Vorstellung der beiderseitigen Begleiter Gelegenheit zu einer kurzen Unterredung mit Millerand unter vier Augen.

Einweihung der Grstzfunksiation Nauen.

WB. Nauen, 29. Sept. Bei strahlendem Herbst­wetter wurde heute in Anwesenheit des Reichspräsi­denten, der Reichsminister Dr. Giesberts, Dr. Geßler, Dr. Scholz, des UnterstaatSsekretärs Albert und an­derer führender Persönlichkeiten, ferner unter Teil­nahme einer größeren Anzahl von Vertretern des Aus­landes, der Erweiterungsbau der Großfunkstelle Nauen feierlich übergeben und eingeweiht. Nachdem Direktor Dr. A. Franke von der Siemens u. HalSke Nklicn- G-sevschaft den Reichspräsidenten, die R-ichSminister und die übrigen Ehrengäste begrüßt hatte, gab er ein Bild der bisherigen Entwicklung der Großfunkstelle seit den ersten Anfängen 1910. Unter stetiger schritt­weiser Ausnutzung der technischen Errungenschaften ist die Großfunkstelle zu dem gemacht worden, mal sie heute ist. Wir sind uns aber wohl bewußt, daß auf dem Gebiet bei drahtlosen Verkehr? daS letzte Wort noch lange nicht gesprochen ist und daß auch die heutige Vollendung nur eine Etappe in der Entwick­lung bedeutet. Reichspräsident E S e r t dankte im eigenen Namen wie namens bet Reichsminister für die Ein­ladung zu der benlmürbigen Feier aus Anlaß der Vollcnduug des Werkes, das als vorbildlich die Be­wunderung der Welt erregen müsse und gedachte mit ehrenden Worten insbesondere auch der Verdienste der beiden Muttergesellschakten, der A. E. G. und Siemens u. HalSke, sowie der ReichSpost-Telegraphcuvcrwaltuug für ihre Tatkraft und Umsicht, mit der sie in der Großfunkstation Nauen eine mächtige Stütze für den Wiederaufbau Deutschlands geschaffen habe. Schon in ben früheren EntwicklungSstadien und durch ane Absperrungen deS KricgeS hindurch feien der Ruf und die Botschaften von Nauen in die ganze Welt, m mS 3n den Antipoden gedrungen und es sei zuocrsichllich zu hoffen, daß das nunmehr vollendete kSerk seine Au'gaüe als Träger bei deutschen UeberseeverkehrS glänzend erfüllen werde.

Reichspostniinister GieSbertS gab der festen Sntkbbfftrheit der Post- und Telegravbenverwaltuug Ausdruck, den brahtlofen Nachrichtenvcrkchr auch ferner­hin mit allen Kräften zu fördern. Er dankte zum Schluß wie den geistigen Leitern des großen Werkes so auch der Arbeiterschaft für ihren Anteil an der Vollendung der großen Ausgabe. Ministerialdirektor Dr. Brcdow hob insbesondere die großen Verdienue hervor, die Dianen zur Zeit der Rachrichtenblockade dem Reiche leistete und bie nicht minder große, tat» frostige Bedeutung der Großfunkstelle, namentlich für

den wirtschaftlichen Nachrichtenaustausch mit Amerika, betonte aber auch, daß der drahtlose Verkehr im Ver­hältnis zu« Kadelverkehr doch immer nur einen Not­behelf darstelle und daß daS Deutsche Reich auch wieder zu einem Kabeluetze kommen müsse. Sodann übergab der Reder im Auftrage bei ReichSpostministcriumS die Großfunkstelle dem öffentlichen Verkehr, indem er durch Tastendruck die große Hochfreguenzstelle zum Anlauf brächte. Zugleich teilte er mit, daß als erste Meldung nachstehender Funkspruch des Reichspräsi­dentenAn Alle" in die Welt hinauSgehe:

An Alle! Die offizielle Einweihung der unter dem RufnamenPoz" seit Jahren in der Welt be­kannten Großfunkstelle Nauen ist soeben in meinem Beisein erfolgt. Ich beglückwünsche bie deutsche In­dustrie, die dieses Meisterwerk der Radiotechnik ge­schaffen hat. Zu ihrer hervorragenden Leistung gebe ich gleichzeitig der Hoffnung Ausdruck, daß für Deutschland dieser Tag ein Markstein in der weiteren Entwicklung seiner Ueberfeeberbinbunacn sein möge, ebenso, wie ich daraus vertraue, daß Nauen an dem Wiederaufbau des Deutschen NeickeS und seiner UeberkeehandelS in hervorragendem Maße mitwirken wird."

Noch während des Frühstücks, das den Schluß der glänzenden Veranstaltung bildete, konnte eine Reihe von Gegengrüßen verlese« werden, so aus Danzig, Kopenhagen, Stockholm (von der schwedischen Marine- Verwaltung), Helsingfors, Haag, Deutsch - Altenburg, Budapest, Rom, Cartagena, New Iork (vom Präsi­denten der Radio - Corporation Edward I. Hally), Rio de Janeiro, Santiago be Chile, Bandoeng (Java), Schanghai und Peking. ' Der mit stürmischem Beifall aufgenommene Gruß aus Peking lautete in Ueber» setzung:Uebersende meinen Glückwunsch zur Ein- weibung der Riesenstation Nauen, die einen Sieg der Wiffenschast und Vebarrlichkeit darstellt. Der General­direktor der Post und bei Telegraphen."

Der Reichskanzler in München.

WB. München, 29. September. Die Korre­spondenz Hoffmann meldet: Der Reichskanzler Fehrenbach hat den Ministerpräsidenten v. Ji^§r ÖL ZMLHAL^LLMchsGnnteu Staatsmännern fand ein freundschaftlicher Meinungsaustausch über alle außen- und innen­politischen Fragen statt. An einem Frühstück nahmen auch die in München anwesenden Staatsminister und der preußische Geschäfts­träger teil.

Die Beratungen des Reichskanzlers mit dem bayrischen Ministerpräsidenten entspringen, wie derDeutschen Allgemeinen Ztg." aus München berichtet wird, dem Wunsche des ersteren, wie mit den übrigen deutschen Staaten, so auch mit Bayern die engsten persönlichen Beziehungen zu unterhalten. Der Reichskanzler tritt heute abend die Rückreise an.

AbbaZr der MrregsgssSlffchsften.

D. Berlin, 30. Septbr. Im volkswirtschaft­lichen Ausschuß des Reichstags gelangte gestern mit allen gegen die Stimmen der Unabhängigen ein Antrag des Demokraten Keinath zur An­nahme, der auf weitere Beschleunigung des Abbaus der Kriegsgssellschaften bringt Der Vertreter des Reichswirtschaftsministeriums, Staatssekretär Dr: Hirsch, erklärte sich mit dem Antrag einverstanden.

Gas Verfahren gegen dieKkiegsverbrecher".

DieDeutsche Juristenzeitung" veröffentlicht in ihrer neuesten Nummer interessante Mitteilungen über bett Stand der Untersuchung bei Reichsgerichts gegen bie von der Entente erhobenen Beschuldigungen wegen angeblicher deutscher Kriegsverbrechen, deren Sühne auf Grund des FriedenSvertragS gefordert wird. Die am 7. Mai von der Entente überreichte Heine Liste enthält 45 Namen mit genauer Angabe der Delikttatbestände. Zwischen Deutschland und ausländischen Vertretern ist darüber ant 9. Juli verhandelt uub vereinbart worden, .daß der Oberreichsanwalt zunächst die in dieser Liste aufgeführten Straftaten aufklären soll. Die deutsche Justiz soll völlig unabhängig verfahren und die Ver­antwortung allein tragen. Die Vertreter der fremden Staaten erklärten, daß sie in erster Linie nicht Ver­urteilung, sondern Aufklärung und Gerechtigkeit der langte». Der Oberreichsanwalt hat daher seine Ar­beiten zunächst auf Die in der kleinen Liste auf» geführten Fälle konzentriert. In 33 Fällen hat er allerdings Ersuchen an fremde Behörden ergehen lassen um Uevcrlassung des im Ausland vorhandenen Bc- welsmaterialr resp, seiner Ergänzung sowie Vernehmung etwa noch vorhandener, diSrer nicht vernommener Zeugen. In den andern Fällen stehen dem Verfahren noch besondere Schwierigkeiten entgegen.

Greusl der Polen.

WB. Vruthen, 30. Septbr. Auf der Max- Grube sind infolge der Verhaftung eines pol­nischen Betriebsratsmitgliedes Unruhen ausge­brochen, die zu der Verschleppung zweier deutsch gesinnter Arbeiter führten. Einer von diesen ist erhängt und mit eingeschlagenem Schädel aufgesunven worden. Von dem anderen fehlt noch jede Spur. , A

Der Krieg im Osten.

Lagebericht.

WB. Warschau, 29. Septbr. Generalstabs» bericht bet polnischen Armee vom 28. Septbr.. Im Norden erreichte» unsere Truppen teilweise die Fluß­linie der Szozara. Im Bereiche von Grodno wird, die Verfolgung bei sich zurückziehenden Feindes fort« gesetzt. Unsere in der Richtung auf Pinsk vorrücken­den Truppen besetzten die Orte Chomsk, Drohiczyn und Janowi, wobei sie ben Stab bet 55. und 57. Sowjetdivision gefangen nahmen, 6 Maschinengewehr-! 150 Waggons und eine Lokomotive erbeuteten. Süd­lich von Rowno warf unser Kavalleriekorps auf ben rechten Ufer des Flusses Horyu feindliche Abteilung« zurück, nahm Korzecin und eroberte 6 Geschütze uni 16 Maschinengewehre. Am 24. September macht« unsere Kavalleriebrigade 2600 Gefangene, erbeutete 32 Maschinengewehre und 3 Geschütze. Ukrainisch« Truppen, die östlich des Zbrucz tätig sind, besetzten mit unserer Hilfe Kloskirow und Skaro-Konstantynow, machten 2800 Gefangene nnb erbeuteten 4 Panzerzüge, zahlreiche Trains und viel technisches Material.

Erfolge Wrangels.

WB. Konstantinopel, 29. September. (Hava^) Bericht der Armee Wrangel vom 24. September: Wn haben Auriewka in der Richtung auf Wolnowakt» besetzt, wo wir zwölf Schiffe weggenommen haben. Der Armeebericht vom 26. September meldet: Vor- Postentätigkeit an bet ganzen Front. Der Bericht vom 27. September meldet: Im Norden von Alexan- drowsk haben wir die Verfolgung des Feindes fortge­setzt. Wir haben 33 Lokomotiven, 1000 Eisenbahn­wagen und 10 Maschinengewehre erbeutet sowie 100(] Gefangene gemacht. Offiziere des russischen General- stabes verbreiten die Proklamation, in welcher sie ihre Waffengenoffen, die sich gegenwärtig bei den Bolsche- misten befinden, aufforbern, zu General Wrangel zurückzukehren.

Helft -gfors, 29. Sept. Russischen Zeitungen zufolge hat General Makarow, ein General Wrangels, bie Front der Boischewiste» zwischen Zaritzyn und Woronesch durchbrochen.

Matten.

WB. Rom, 29. Sept. Nach einer Mitteilung des italienischen Metallarbeiterbundes ist die Räumung der Fabriken überall durchgeführt. Zwischen dem Metallarbeiterbund, den In­dustriellen und dem Präfekten von Mailand sind Verhandlungen über die letzten Einzel­heiten zur Durchführung der Vereinbarung über die Bezahlung von Arbeitern während der Be­setzung und der wirklich geleisteten Arbeit im Gange.

Eine irische Verschwörung.

London, 29. Septbr. Die Regierung hat boS einer ausgedehnten irischen Verschwörung in London Kenntnis erlangt. Ueber 100 angesehene Persönlichkeiten sollen stark kompromittiert sein. Zahlceiche Gerüchte füllen die Abendblätter. An­geblich soll eine größere Anzahl von Sirmferner» in den letzten drei Wochen nach London gekommen sein, um im Falle des Todes des Lordmayors von Cork das irische Amt in die Lust zu spren­gen. Der Plan soll bis in die kleinsten Einzel­heiten ausgearbeitet sein. Die ExplosionSstoffe hätten in Automobilen vor die beiden Regie- rungSgebäude gebracht und mittels einer Zünd­einrichtung zu einer bestimmten Zeit zur Explo­sion gebracht werden sollen. Angeblich stehen einige sensationelle Verhaftungen bevor.

Ein Tsdesurleil.

D. Halle, 29. Sept. Der Arbeiter Paul Witte, der nach dem Kapp-Putsch als Mitglied der Einwohnerwehr den Fabrikanten Kam» erschossen hatte, wurde vom Schwurgericht in Halle zum Tode verurteilt.

Wandels- u. WirLschaftslelezramme.

Inn. London, 28. S-Pt. Einige englische Streick- bolzsäbrikcn haben beschlossen, eigene Wälder aufjit» surften, um da? Holz für die Strcichholzindnstrie nickt mehr aus Finnland uni» Schweden beziehen zu müssen, weil sie bei den hohen Preisen nicht mehr konknrrenz- fähig sind. DaS Terrain ist in Schottland bereits angerauft. Die geeigneten Holzarten sind au» Ruß­land eingeführk. . ,

Ipa. Stsm, 28. Sept. Die ZnckerproduNl«» Italien« wird auf 3 310 000 Zentner geschätzt gegen« über 2 Millionen im Vorjadre.

[pn. Amsterdam, $8. Sept. In der ß»«-ndi,chch Kammer bat ein Abg-ordneter angekr-gt, westzalp amtliche RegierungsbüroS ihre Drucksachen en Deutich. land betitelten lassen, wovon lt. einem Rundschreste» an amtliche BüroS noch wertere Ausbreitung gegeben werben soll. ,.

ipa. Amsterdam, 28. Sept. Dw Preise für d.e Fahrt von Amsterdam nach Buenos Lire? mit hollän­dischen Schiffen schwank«« ix letzter Zeck etwa». Zur­zeit betragen sie 226 Fl.

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