Einzelbild herunterladen
 

deren MumVX*'Mk.^ b'l^lgeiu^eUe^Reklame- General-Anzeiger

teil 3. 25Teüerungszuschl. Offertgebühr

30Pfg.Bezuaspreis:Vierteliährlich 12.90Mk.,

$Ä£3ra U-MWTLM AmMches Organ für SlaSl- und Lanvkueis Sanan Postscheck-Konto Nr. 26659. Frankfurt a. M.

----------------------------------------------/ Ericheini täglich mit Ausnahme der >2onn- und Feierlago

tgBBKBaaaa^^sBRTimBrwimtKESEXEgsszs&^wiiEgsa&tzsii^iw&SEwz^tssttjzxigitt^^iW'^zr^^js^ir;^^^

Nr. 228 DieKSkag den 28. September

1920

Das Neueste.

Die deutsche Delegation in Brüssel wird heute das Wort zum Bericht über Deutschlands Finanzlage phalteu.

Die Annexion Südtirols ist vollzogen.

Der belgische Kriegsminister Jansen hat seine Remission eingereicht.

Der polnische Generalstabsbericht meldet heftige stampfe.

Die Nachrichten aus Irland werden immer ernster md bedrohlicher.

Nach Berichten ans Mexiko ist dort eine bolsche­wistische Verschwörung ausgedeckt word-n.

Der deutsche Finanzbericht.

Nachdem zunächst die Vertreter der aus­ländischen Delegationen in Brüssel di^inanzielle Lage ihrer Lander vorgetragen batW und fast überall die gleichen Grundlagen, "wie hohe Budgetziffern, geringe Steuermöglichkeiten, große Wareneinfuhr bei geringer Ausfuhr, da­neben hohe Staatsschulden und ungeklärte Eeld- oerhältniffe zu beobachten sind eine gründliche und kritische Beurteilung aller Berichte wird der Zeit nach der Konferenz vorbehalten bleiben missen, hat nun auch Deutschland sein Zinanzexposee schriftlich vorgelegt. Mit aller wünschenswerten Deutlichkeit werden darin die 'atastrophalen Schwierigkeiten geschildert, die der Wiederaufrichtung unseres Vaterlandes un­entwegt entgegenstehen. Man sollte annehmen, daß dieser ungeschminkte Bericht den Vertretern der übrigen Staaten hie Augen öffnen müßte und daß unsere ehemaligen Feinde wie neutralen Staatett endlich zum Einsehen gelangen und die Zwirnsfäden, die die französische Politik zwischen ihnen ausgespannt hat, zerreißen müß­ten. Doch wir wollen nicht zu viel erhoffen. Heute wird die deutsche Delegation das Wort erhalten; es wird zweifelsohne ebenso deutlich sein, wie es das deutsche Finanzexposee ist.

Das deutsche Finanzexposee.

Die auf der Brüsseler internationalen Finanz- »nferrnz von Deutschland überreichte Denkschrift legt n a. dar:

Der deutschen Bevölkerung war ein so enges Zu- sammenwohne« ix einem von der Natur nicht mit besonderem Reichtum auSgestatteten Lande nur dadurch möglich, daß sie, gestützt auf den verhältnismäßigen Reichtum an Kohle, Arbeit exportierte, die sie vor» »ehmlich an inländischem Eisen und an den verschieden- ! i jmSläMbifdjcn Rohstoffen bestätigte. Demgegenüber . Bedeutung der reinen Durchfuhrhandels sowie

Seefrachtgeschäst» auf fremde Rechnung in den ymtergrund. Vielmehr waren der Handel und die Schiffahrt Deutschlands in erster Linie nur Hilfs­mittel der deutschen Eigenwirtschaft. Im letzten Jahre

"tm Kriege wies der deutsche Außenhandel mit 11 Milliarden Goldmark auf der Einsuhrseite und uiva 10 Milliarden Goldmark,auf der Ausfuhrseite ^ne mäßig« passive Handelsbilanz auf. Die Mebr- kwsuhr wurde mit Erträgen aus dem Auslandskapital Md mit dem Gewinn aus der Seeschiffahrt und der Äderen internationalen Dienstleistung mit Leichtigkeit "tjahlt. Die natürlichen Grundlagen der deutschen ^lrtichaft heben sich durch da» Ergebnis des Krieges außerordentlich verschlechtert, selbst wenn man von den gemeinen Folgen des Krieges und der politischen Wirren vollständig absieht. Die deutsche Wirtschaft mitt eine empfindliche Einbuße, besonders inbczug auf brc Kohlen» und Eisenbasir. Zudem ist sie in hohem "W durch den Krieg verschuldet und hat durch den ffrude» von Versailles unermeßliche Verpflichtungen aufgebürdet bekommen. Die Erhaltung einer der bis- brngkn Volkszahl entsprechenden Bevölkerung auf "ulschem Boden ist nur möglich, wenn eS gelingt, unerieitS den Eigenbedarf dieser Bevölkerung in den «knkbar engsten Grenzen zu halten und ihn so wohl- M wie möglich zu decken und andererseits dieser Be- "oikernng die Gelegenheit zu bieten, durch Arbeit so W Werte zu schaffen, daß sie in der Lage ist diesen ngenen Mindestbedarf zu bestreiten und darüber hinaus ^mählich die Verschuldung an das Ausland abzn- lrag:n. Deutschland ist, wenn es überhaupt je wieder .^^lmdung kommen soll, in »och viel stärkerem ^laße als in den Vorkriegszeiten darauf angewiesen, , 0 y st » f f c ein zuführen und Fertig- v i e n g n t f f e auszuführen. Dabei muß » unbedingt, im Gegensatz zu der passiven Handclt- der Vorkriegszeit, zu einer stark aktive« Han- e »bilanz kommen, weil nur dadurch nach beut Fort» 2, öer Erträgnisse aus dem Auslandskapital und der Schiffahrt die Zahlung auf die Auslandsschulden über»' Mupt ermöglicht werden kann. Deutschland kann die J Mfcrlegten Geldschulden, wenn überhaupt, so nur mit Waren bezahlen. Deutschlands Vorräte und die ^tdarfsmittel waren bei Beendigung des Krieges voll- gandig erschöpft. Der Anhenbandel Deutschlands I and nach Aufhebung der Blockade ganz unter dem ^"hcn eines außerordentlich starken und dringenden ^i'ifuhrbedarsS an Lebensmitteln und iuouürieklen Altstoffen. Andererseits konnte die Ausfuhr sich iu- il*lgc der stark» Uuttrerniüruna her Bevülkeruna io«

wie der allgemeinen wirtschaftlichen Schwierigkeiten erst sehr allmählich wieder in Gang gebracht werden. Der Einfuhrüberschuß im Jahre 1919 kam auf die er­schreckende Höhe von 22 819 Millionen Mark. Dabei ist nicht berücksichtigt, daß erhebliche Teile der AuSfuhr für die Wiedergutmachung als Gegenwert der deutschen Wirtschaft nicht zu gute kommen. Für Januar bis Mai 1920 kommt hinzu ein Einfuhrüberschuß von rund 4800 Millionen Mark Die Handelsbilanz weist eine Passivität von einer Höhe auf, welche auf die Dauer zur völligen Aushöhlung und Erschöpfung der deutschen Wirtschaft führen mußte. Sehr zum Schaden der deutschen.Wirtschaft sind bis zum Frühjahr 1920 übergroße Mengen an nicht lebensnotwendigen Artikeln und ausgesprochenen Luxnswaren überdies auf An­ordnung der Besatzungsmächte in das deutsche Wirt­schaftsgebiet gelangt. Die AuSfuhr nahm im Herbst infolge deS jähen Sturzes der deutschen Markwäbrung eine ungesunde und für die heimische Bedarfsdeckung gefährliche Entwicklung. Der starke Valutaanreiz dauerte bis zum Frühjahr 1920 an. Dann wirkte auf die Ausfuhr die in allen Ländern eintretende Absatz­stockung ein, die infolge des starken Anstieges deS Preisniveaus auf der einen Seite und des zunehmen­den Sturzes der Devisenkurse auf der anderen Seite in Deutschland bald den Charakter einer ernsten Wirt­schaftskrise annahm. Die Tatsache, daß die akute Lebensgefahr für Deutschland noch nicht überwunden ist, zwingt das Reich nach wie vor zu sehr ernsten staatlichen.Einwirkungen auf die Wirtschaftsführung, insbesondere auch auf dem Gebiete des Außenhandels. Die anormale Entwertung der Markvaluta brächte die Erscheinung, daß die Ausfuhr zu einer schweren wirt­schaftlichen Gefahr wurde, die unter dem Schlagwort desdeutschen Ausverkaufs" gekennzeichnet zu werden pflegt. Es war daher ein notwendiger Akt der Selbst­hilfe, zu Valutazuschlägen zu greifen, solange die Jn- und Auslandspreise infolge des schnellen Sinkens der Valuta eine Ausgleichsspannung aufwiesen. Auf der Linsuhrsette zielte die staatliche Einwirkung auf mög­lichst auskömmliche und wohlfeile Deckung des auf Ausfuhr angewiesenen Kriegsbedarss und lebenswich­tigen Bedarfs und auf Fernhaltung nicht unbedingt uolwttwjg«-MWM. -?1m Jeit ist die Einfuhr wich- tiger industrieller Rohstoffe/ insbesoxdere von den lebenswichtigen Faserstoffen, von jeder staatlichen Ein­wirkung frei. Auch für die Einfuhr von Lebens- und Futtermitteln sind wesentliche Erleichterungen ge­schaffen. Hinsichtlich der Ausfuhrpolitik haben sich die Verhältnisse gegenüber der KriegSzeit wenig verändert. Ein staatlich organisierter Warenverlauf nach dem Auslande hat auch während deS Krieges so gut wie nicht bestanden. Die Preiskontrolle, d. h. die Ver­hinderung von unwirtschaftlicher Warenverschleudernng ist gleichfalls int Zeichen des sinkende« Markkurscs be­sonders bedeutsam Bei dem außerordentlich starken Unterschiede, den die Bewertung der verschiedenen nationalen Währungen ergibt, und bei den starken Veränderungen, denen die balutarischen Verhältnisse nach den Ersahrungecr der vergangenen Zeit ausgesctzt sind, ist Deutschland vorerst nicht in der Lage, bei der Preisbewegung auf die Berücksichtigung des Valuta­standes zu verzichten. Im Jahre 1920 ergab sich ein Ueberschnß der Einfuhr über die AuSfuhr im Januar um 3341 Millionen Mark, im Februar um 1670 Mill. Millionen Mark, im März um 1467 Mcll. Mark, da­gegen im April ein Ueberschuß der Ausfuhr über die Einfuhr um 570 Mill. Mk. und im Mai ein solcher um 1110 Mill. Mk.

Eine ReSeSes ViZepräsiLenlen Brand.

WB. Brütet, 27. Sept. HavaS-Reuter. Auf der Finanzkonferenz stellte der Eirgländer Brand, der Vizepräsident der Konferenz, den Grundsatz auf, daß der Reichtum eines Landes vor dem seiner Regierung den Vorrang haben m ü s s e. Der Stand der öffentlichen Finanzen habe keinen Wert, wenn die Lage jeder Einzelnen zu wünschen übrig lasse. Der Krieg bewirkte einen Um­sturz in der Lage eines jeden Einzelne« und die Re- volutionierung aller Kapitalien. Bor allem fei es also wichtig, die Lage wieder berzustellen. Zu den von Brand angezeigten Mitteln gehört zunächst die Hemmung der skandalösen Vermehrung der Möglichkeit, Geld au fz »k a uf en, ferner das Aufhören der Praxis, unproduktive Aus­gaben in die Budgets aufzuitehmen. Natürlich werde man auch die produktiven Ausgaben, soweit als mög­lich, zu beschränken haben. Es gebe gewisse Ausgaben, die eine Einschränkung nicht vertrügen, wie die natio­nalen Schulden und die Pensionen. Aber man könne bet den Rüstungen Ersparnisse bewirken. Die Bedingung jeder Rüstungsein- schräukung sei, daß sie im Einvernehmen aller sozialen Regierungen zustande käme. Brand rät den Regierungen, sich allen sozialen Maßnahmen zu widersetzen, die, wie z. B. die Sozialisternng, bte Lage nur verschlimmern könnten. Der Redner wünscht im Interesse der europäischen Finanzen auch die mög­lichst rasch zu erfolgende Aufhebung aller Beschränkungen der Handelsbe­ziehungen zwischen den Nationen. Brand ist über­zeugt, daß das Haupthindernis tür bte Wiederauf­nahme normaler Beziehungen zwischen den Nationen in der politischen Unbeständigkeit und Ungcivißkeit in Enropa zu finden sei. Europa müsse das Risiko auf sich nehmen, das mit dem gegenseitigen Vertrauen zwischen den Regierungen und Nationen verbunden sei. Vielleicht werde eS uns mißlinxetl, immerhin aber würde so die Möglichlcit gegeben sein, anS Ziel zu gelangen. Im Laufe feiner Rede gab B>and die be- iuerkeuswerte Öhüärttng ab, daß bte Regierungen aller kriegführend gewesencr großen Länder die Loiuua deS Problems ihrer auswärtigen Schuld suchen könnten, wobei die Wiederautmackuua der KrieaSickaden unter

Verlagsleitung: Ad. Jndermübl«.

Verantwortlich: für oolitiichen und allgemeine« TeilRich.dultich; für lokalen und vrovinzielle« , Teil sowie Sport W. Moritz: für Anzeigen u«d Reklamen A. Brodt. alle tn öanau a. M. Rotationsdruckd.WailenhausbuÄdruckerei Hans« Fernsprechanichlüffe Nr. 1237 und 1238

diesem Gesichtspunkte einen integrierenden Bestandteil der auswärtigen Sckmld Deutschlands nnd Oesterreichs bilde. Der belgische Ministerpräsident Delacroix erklärte, er wolle davon absehen, auf den politischen Teil der Rede Brands einzugehen. Er machte der Konferenz Vorschläge, die sich auf die von Brand angeschnittenen Stenerprobleme bezogen, insbesondere auf die Kapital­steuer. Delacroix stellte fest, daß kein Land die Kapitalsteuer durchgefübrt habe, obwohl die Frage überall aufgeworfen sei. Er wünschte, die Konferenz möge die Kapitalsteuer gründlich prüfen. Lord Chalmers besvrach die Darlegungen Brands und betonte, das wichtigste Heilmittel für die gegenwärtige Lage sei die Verringerung der Ausgaben, insbesondere derer für die Rüstungen.

WB. Paris. 27. Sept.HavaS" meldet aus Brüssel: Nach der Rede Brands ist also in den Augen der englischen Delegation selbstverständlich, daß die Bezahlung der Kriegsschäden durch Dentschland ein Teil der Schuld Deutschlands bildet und infolgedessen conditio sine qua non für den Kredit ist, den Deutsch­land in der Welt finden soll. Da? ist wenigstens die Auslegung, die den Worten Brands in den Wandel­gängen der Konferenz gegeben wird.

WB. Grüffcl, 28. Septbr. Havas meldet weiter: D er französische Vertreter Avenol erklärte, Frank­reich nnd Belgien erkennen die von Brand angeführten Gründe vollkommen an. Die französische Delegation glaube aber nicht befugt zu sein, an den Erörterungen von Fragen teil zu nehmen, welche die innere Politik streiften. Andererseits sei er der Meinung, daß eS für Frankreich besser sei, wenn eine einfache Ent­schließung unterzeichnet werde, wie sie in den Ob­jekten begründet^ sei. welche der Delegation eingereicht worden sei. Schweden, Norwegen und die Schweiz legten sodann ihren Standpunkt zu den Erklärungen Brands dar, worauf die Sitzung geschlossen wurde.

Ein Ausschutz wird, wie Havas weiter meldet, sich bemühen, eine Entschließung, wie sie sich aus der Dis­kussion ergab, konkret zu gestalten, um sie dann dem Votum der Vollversammlung zu unterbreiten. Die Resolution würde auf die Herabsetzung der off entliehen Ausgaben, ferner auf die Beteiligung aller Staaten auf dem Gebiete der Verminderung der Bewaffnung tzlnzietcn. .Much unro Du MW^A-MLUU« Mdxu, statt der Vermögensabgabe eine erhöhte Kapital st euer, oder die Erhöhung aller direkten Steuer anzustreben.

Dienstag nachmittag wird die deutsche Delegation zu Worte kommen.

Ein Tauschsyskem?

WB. Berlin, 28. Sept. Der amerikanische Delegierte auf der Brüsseler Finanzkonferenz wurde nach einer Meldung derDeutschen All­gemeinen Ztg." von seiner Regierung beauf­tragt, die Ententedelegierten von der Absicht der amerikanischen Regierung verständigt, die starren Zahlungsbedingungen, die Deutschland auferlegt worden sind, wesentlich erleichtert werden sollen. Deutschland solle nach Möglich­keit durch bessere finanzielle Abmachungen mit dem Auslande in seiner Produktion ermutigt werden. Die Lage der deutschen Währung mache es unmöglich, die Kriegsentschädigungen zu bezahlen, weder in Geld noch in Form von Waten. Die amerikanische Regierung empfiehlt deshalb irgend eine Art von Tauschsystem, auf Grund dessen Halb- und Ganzfabrikate als Zah­lung für Rohstoffe benutzt werden sollen. Ein solches Budget werde Deutschland zahlungs­fähig nmchen, dem Auslande helfen und feine finanzielle Lage wesentlich verbessern.

DefatzungsansjrrVche im Aheirrlarrd.

WB. Berlin, 27. Septbr. Nach einer Havas- meldung vom 22. September antwortete der französisch^ F i n a n z m i n i st e r auf die Anfrage eines Seiitaorz nach der Höhe der Be- satzungZkosten im Rheinland und der von Deutsch­land bisher gezahlten Entschädigung, daß die Be- satzungSkoste» bis Ende März 1920 1,8 Milliar­den Francs betragen hätte» und von Deutsch­land bis Ende Juli d. J. 138$ 047 245 Mark be» zahlt worden seien. Der Betrag von 1,8 MiLiar- ben Francs ergibt 2,2 Milliarden Start. Nach zuverlässigen Informationen handelt es sich bei der Summe von 1 388 047 245 Mark nur um die baren Geldleistungen, die bis jetzt an die französische BesatzungSarmee gezahlt werden mußten. Der Wert der für die BesatzungSarmee getätigten Sachleistungen ist noch garnicht zu schätzen. Allein durch die Requisitionen der Be- satzüngstruppen dürfte ein Kostenaufwand von mindestens 6 Milliarden Mark verursacht sein. Daß die Ansprüche, insbesondere in dem franzö­sischen BesatzungSgebiet, nicht im Zurückzehen be­griffen sind, ergibt sich daraus, daß nach zuoer- lässigen Nachrichten aus der Rheinpfalz in der Nähe von Kaiserslautern erst in den jüngsten Tagen ein wertvolles Waldgelände von etwa 600 Hektar jitr Errichtung eines Mu«i- tionsdepots beschlagnahmt wurde. Die Ge­samtkosten hierfür werden auf mindestens HO Millionen Mark angegeben, deren Zahlung von Deutschland verlangt wird; ebenfalls die in der Nähe von Kaiserslautern geplante große B e n - ziu-Lauk-Anlage, deren Errichtung von

Deutschland gefordert wird, verschlingt nach über« schlägiger Schätzung weitere 40 Millionen. Beide Anlagen find für die Versorgung einer Millionen- armee ausreichend. Auf der Gemarkung Euren- Zewam bei Trier planen die Franzosen ferner den Bau einer Feldbäckerei, die täglich zu­nächst 100 000, später 200 000 Brote, also einen Tagesbedarf für 200 000 bezw. 400 000 Mann herstellen soll, sowie den Bau eines Uebungs. Platzes für Eifenbahntruppen, mit dessen Bau bereits begonnen worden ist. Hierzu werden nach näheren Mitteilungen 300 Morgen des fruchtbarsten Ackergeländes, fast durchweg Kleinbesitz, beansprucht. Die Höhe der Kosten, die hierdurch dem Reich aufgebürdet werden sollen, ist noch nicht übersehbar. Die alten deut­schen Flugplätze im besetzten Gebiet rei­chen den Franzosen und Belgiern nicht aus. Sie haben angeblich als Reserveflugplätze für den Mobilmachungsfall wertvolles Ackergelände in vollem Umfange beschlagnahmt: die Belgier bei Düren 140 Hektar, bei Jnunendorf und Prum- mern 175 Hektar, bei Aldenhoven 50 Hektar, bei Odenkirchen 180 Hektar, die Franzosen bei EuS- kirchen und Koitzheim 75 Hektar, bei Sembach (Pfalz) 85 Hektar, bei Marxheim 93 Hektar, bei Wackernheim und Niedermgelheim 200 Hektar. Der Ernteausfall, der durch die Beschlag- nahmung von insgesamt 800 Hektar besten Acker- gelände? erwächst, und der schwere Schaden für die meist kleinbäuerlichen Grundbesitzer ange­sichts der Zerstörung ihrer Wirtschaft findet bei den französischen unb belgischen Militärbefehls­habern keinerlei Verständnis. Der geldliche Schaden, den das Reich außerdem zu tragen haben wird, ist zur Zeit überhaupt nicht zu schätzen. Die Belgier fordern weiter die Errich­tung von vier großen T r u p p e n l a z e r n bei Neuß, Herdt, Rheinkamp und Repelen, deren Bau über 47 Millionen Mark kosten wird. Es bedarf angefichls oer ftiLLnzieLen Lase SS Lrut» schen Reiches keiner Antwort arfforeFrage, wie Deutschland neben diesen, lediglich ftanzösischen unb- belgischen Heereszwecken dienenden unge­heuren Besatzungskosten Wiedergutmachung lei­sten soll. Wohl aber barf Deutschland Antwort auf die Frage erwarten, ob diese gewaltigen mili­tärischen Aufwendungen wirklich nur für den Zweck der Friedensbesatzung, wie sie der Vertrag von Versailles Vorsicht, erforberlief sind?

Ein nationaler Feiertag

für Die Opfer des Krieges.

D. Berlin, 27. Scpt. Wie dieDeutsche Allg^ meine Zeitung" erfährt, soll von demokratischer Seit; aus beim Reichstag ein Antrag eingebrachr worden sein, einen nationalen Trauertag für die Opfer beS Krieges einzuführen.

Lossage von Moskau.

Nach demVorwärts" bat selbst der radikale Metall» axbeiterverbant sich von Meskau losgesagt.

E«tgege«kommen der Moskauer Internationale.

Ipu. Berlin, 28. Sept. Wie wir von unab* gängiger Seite erfahren, hat sich die Sowjetregiermig an die Parteileitung bet Unabhängigen gewandt und erfiiirt, daß die dritte Internationale, um eine weitere Zersplitterung der U. S. P. zu vermeiden, bereit sei, die Aufnabmebedingungcn für die dritte Internatio­nale zu milbern. Dieses Entgegenkommen der dritren Internationale bar in gewissen Kreisen der Unao- liängigen die Befürchtung heroorgerufen, daß bgS ichem- bare Entgegenkommen Moskaus ein Versuch ist, einen weiteren Steil in die schon jetzt.zerrissene Partei zu treiben nnd auf diesem Wege einem Teil oer Unav- bängigen die goldene Brücke zum Anschluß an die MoÄaucr Jntcrnaiio^ale zu bauen.

Die soz. Nzrarpslittk.

Der sozialdemokratische Parteivorstaud hat eine Reihe »on Mitgliedern, die durch ihre Erfahrungen besonders befähigt erschienen, zu einer gutachtliche« Aeußerung über die Agrarpolitik aufgeforbert. Das Ergebnis ihrer Beratungen liegt in einem Vorschlag an den Muffelet Parteitag vor. II. a. heißt er darin Die zur ^emeinwirtkbaft reifen land- und forstwirt- ichaftlichen Betriebe sino zu soziglisieren. Die übrigen Vefiboerhältniffe sind nicht zu stören. Michtbearbeituug, sowie unwirtschaftliche Bearbeitung und Raubbau hat die Enteignung nach sich zu ziehen.

Die Arruexiorr-ttrols vollzöge«.

WB. HnnSbrttE, 28. Sept. Die Blätter bringen an leitender Stelle Meldungen über die vollzogene Annexion Südtirols. Die Meldungen sind mit Trauer­rand versehen. Die Stadt ist zum Zeichen der Trauer schwarz beflaggt.

Ein Balkanbund.

Ipu. London, 28. Sept. Zu amtlichen Kreise» wirb vc>sichert, daß nächster Tage in London ein Balkanbund zwischen Rumänien, Bulgarien und (ijriedjenlaub zum Abschluß gelangt, der das polityche Gleichgewicht auf dem Balkan herstellen foh.

Weitere Lolittsche Nachrichten auf ©rite 5X