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Nr. 225
Generm-Anzelger
AmMches Organ für Sladl- und Landkreis Lanan
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SÄ
Freitag den 24. September
1920
Das Neueste.
Fn der gestrigen Stadtverordnetensitzung tmrbe eine Einigung in dem zwischen Magistrat md Stadtverordnetenversammlung bestehenden Konflikt 'nicht erzielt, sodaß voraussichtlich die Legierung eingreifen muß.
In Berlin wurde der Unabhängige Dr. Lö- yenstein zum Oberschulrat gewählt.
Der Botschasterrat soll die Politik Le Ronds & Oberschlesien vollkommen gebilligt haben.
Millerand wurde gestern mit 695 Stimmen M Präsidenten der französischen Republik ge= tvLhlt.
Der Bergarbeiterstreik in England wird als Mermeidlich angesehen.
In fMcrnb wird seit einigen Tagen wieder schärfer gekämpft.
Slaalspräsidenl MMsrand.
WB. PariS, 2.1. September. (Havas). Bei der heutigen Präsidentenwahl wurde Milleraud mit 695 von 882 Stimmen MM Präsideuteu der Republik gewählt.
Millerand ist also zum Präsidenten der französischen Republik gewählt. Gustav Herv^, der dieser Tage mit am feurigsten für seine Kandidatur eintrat, hat nicht Unrecht, indem er erklärt, mit Millerand ziehe kein Strohmann ins Elysee ein, kein mannequin, kein „personnape Wot“. In der Tat, Millerand ist kein Trottel, jondem ein Mann von starker Energie und ungefähr in allem da« Gegenteil von Deschanel.
kein Schönredner, sondern etn das Wort mit mListerlich«WGewandtheit als Waffe handhabender politischer Kechtsanwalt. Wir werden aller Voraussicht nach einen Zustand erleben, in dem die Geschicke der französischen Republik nicht mehr wie zur Zeit Elemenceaus auf die Augen eines Ministerpräsidenten allein gestellt sind, und der Präsident nur eine Puppe darstellt. Millerand wird die Geschicke des „siegreichen Frankreich" selbst leiten und wird dabei, wie es weiter unten heißt, auf die vollständige Durchführung des Versailler Vertrages besonders Gewicht legen, und Frankreich eine Außenpolitik sichern, die seinen „Siegen und Toten würdig ist", das heißt also, Millerand wird die Art, in der das Verhältnis zu den Verbündeten behandelt wird ,und die Art, in der Deutschland in Schach gehalten wird, unentwegt fortsetzen. Deutschland weiß also, was es von dem neuen französischen Staatspräsidenten zu erwarten hat.
Ueber den Wahlakt liegt folgende Meldung vor:
WB. BersailleS, 23. Sept. Havas. Den ganzen vormittag über herrscht in der Umgebung des Schlosses hblmfte Bewegung. Von 11 Uhr an beginnen die Parlamentarier anzukommen. Millerand trifft gegen « Uhr ein. Vriand und Poincarö sind sehr umringt.
Leon Bourgeois gegen 2 Uhr die Sitzung eröffnet, ™ über 800 Parlamentarier anwesend, deren Zahl Ader Vornahme der Abstimmung noch weiter wächst.
Zur Wahl Millerands äußerst die „Kreuz- z e i't ung" : Was Deutschland von ihm als Präsident der Republik Frankreich zu erwarten hat, darüber gibt ... ~M.uuuu<r, vtl «umu.uuum ..vU, ....... ..„.., .»man sich wohl kaum einer Täuschung hin. Das ihm fahrend der Zählung wird die Sitzung unterbrochen > üon F'xmenceau vermachte Testament, die Vernichtung und um 4 56 Nhr fortgesetzt. Bourgeois gibt daS Deutschlands, wird er wohl weiter mit Nachdruck zu "rsuiltat bekannt: Abgegebene Stimmen 892, leere und Wültige Stimmzettel 106, gültige Stimmen 786. ^ absolute Mehrheit beträgt also 394, ES haben galten: Millerand 695, Delory (Sozialistischer Depu- F™r des Departements du Nord) 69 Stimmen. Der wastbent verkündet, daß Millerand für die Dauer von isden Jahren zum Präsidenten der Republik gewählt P D'e Versammlung erhebt sich mit Ausnahme der -»Muffen mit Hochrufen auf das neue Staatsober« W von ihren Sitzen.
Sept. Nach Beendigung der Sitzung ^.tkationalversammluug begab sich Bourgeois mit dem !y"":^inister L'Hopiteau, dem Kammerpräsidenten £ und einigen anderen Senatoren und Deputierten den Salon des Präsidenten der Natioualversamm- .Nach einer letzten Ehrung an die Adresse DeS- c, ^s beglückwünschte Bourgeois den neuen Präsi- „ Republik. Justizminister L'Hopiteau übersab auf Millerand die Urkunde seiner Ernennung zum , ^'sten der Republik und brächte ihm im Namen “ Regierung seine Glückwünsche dar. Millerand x '^"vtetc mit einer Rede, in der er n.a. sagte: ...» negreiche Frankreich muß feine Ruinen wieder s"en, seine Wunden verbinden, sich wieder verstellen j-! , oics zu erreichen, muß es die vollständige Durch« " • u>g aller auf der Grundlage des Versailler FriedenS- wqes ihnen gegenüber eingegaugenenVerpflichtungen Eine neue Parole ist ins Leben gerufen » .Die französische Demokratie wird im ®in« «nh™k 14 P1^ ibpen Allliciten über ihr Fortbestehen z ^'^ weitere Kutwicklnnq wachen. Der Präsident j bat die besondere Aingabe unter Mittvir'ung einer"» "r^'^er Präsidenten der Kammern,die Fortsetzung ^ i ^i-ßenvolitik zu sichern, die unseren Siegen und k;-'“ X ssten würdig ist. — Die Rede Millerands wurde ^stimmigen anhaltenden Beifall unterbrochen.
wurdev Glückwstusche auSLesprvcheu und der
Justizminister überreichte Millerand daS D emissi onS- schreiben der Kabinetts. — Heute vormittag wird die durch die Demiffion des Kabinetts geschlossene Lage besprochen werden.
WB. PariS, 24. Sept. Laut „Radikale" wird Briand Nachfolger des Mluistcrpräsidenten werden. Fast sämtliche Minister des gegenwärtigen Kabinetts werden beibehalten.
(Die Annahme, daß ein Kabinett Briand ein Nach- lassen in der nationalistischen Richtung der französischen Politik bedeuten könnte, muß man trotz der gemäßigterem Haltung, die Briand während deS Krieges öfter an den Tag gelegt bat, beweise lassen. Millerand und Briand werden sich zusammen sehr gut vertragen, obwohl ersterem Poincarö sicherlich lieber gewesen wäre. D. Red.).
GlüÄtwunsch der Schweiz.
WB. Bern, 24. Sevtbr. VnndeSvräsident Motta richtete am Donnerstag nachmittag an den Präsidenten Millerand daS foloende Glückwunicht-legramm:
Der schweizerische Bundesrat erhält soeben mit der lebhaftesten Freude Kenntnis von ihrer so durchschlagenden und so wohlverdienten Wahl zur höchsten Würde ihres Landes. Im Namen der BundeSratS und in meinem eigenen Namen entbiete ich ihnen und ihrem Lande die herzlichsten Glückwünsche- Herr Präsident! Meine Kolleaen und ich bewahren die an« genehmsten Erinnerung an ihren kürzlichen Besuch , in Lausanne und bleiben überzeugt, daß dieser persönliche Kontakt dazu gedient habe, eine gerechte und sreund- schaftliche Lösung der zwischen der Schweiz und Frankreich schwebenden Fragen vorzubereiten.
*
Alexandre Millerand wurde am 10. Februar 1859 in Paris geboren. Nach dem Besuche des Gymnasiums studierte er die Neckte und ließ sich bereits 1881 alsAdvokatin Paris nieder, wo er sich bald einen Namen machte. Sein erster Erfolg war seine Verteidigung der Arbeitergewerkichaft in dem groben Streikvrozeß von Monceau-les-Ntine» im Jahre 1882. Mit 23 Jahren stürzte er sich in die Politik, wurde zum Stadt rat von Pari» gewählt und gelangte flirr toi
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gegen Klerikale und Monarchisten und erwarb sich zugleich in der Arbeiterschaft den Ruf eines unerschrockenen Vorkämpfers der Arbeiterschutzgesetz-wbung. Im Vertrauen auf seine Popularität begründete er 1890 die „Union socialiste" in der er die verschiedenen ©ruppen der Linken zusammenschloß und deren Organ „La Petite Republigue" er bis 1896 leitete. Das sozialreformerische Programm, da? er der Partei auf« drängte ünddaS die Vergesellschaftung der Produktionsmittel und die internationale Verständigung der Arbeiterin sich schloß, wurde alsbald von der Sozialisten- Liga anerkannt. 1898 wurde Willerand Handels- mi n i st er im Kabinett Waldeck-Rousseau. Obwohl er sich in dieser Eigenschaft als ein äußerst gemäßigter Politiker erwies und das radikale Programm seiner Partei wiederholt verleugnete, blieb er Führer der Sozialisten. 1909 trat er als Minister für Verkehr, Post und Telegraphie in das Ministerin« Briand, mit dem er im November 1910 stürzte. Im nächsten Jahre übernahm er im Ministerium Poiucarö das Krieg s- m i n i st e r i n m, aus dem er 1913 aukscheide« mußte um eS im Weltkrieg neu zu übernehmen. Im März 1919 wurde er zum General kom missar in Ellaß-Lotbringen ernannt. Im Januar 1920 trat er endlich als Ministerpräsident an die Spitze des Ministeriums.
Berliner Stimmen.
DOlIftrecfcit suchen.
Die „Morgenpo si" erinnert daran, wie Mille- ?and, als er sich von Longuet, dem Schwiegersohn von Karl Marx, zum Sozialismus hatte bekehren lassen, der Anwalt der wildesten Stürmer und Dräuger wurde. Aber ihm sei der SozialilmuS lediglich Mittel
zum Zweck, das Sprungbrett, das ihm zu gegebener Zeit den Weg in ein Ministerium bereiten sollte, gewesen. Als er daS Handelsministerium übernommen hatte, verstand er eS ausgezeichnet, sich den veränderten Verhältnissen auzupaffen. Der Kaiser von Oesterreich verlieh ihm das Kroßkreuz des Ordens der Eisernen Krone und der damalige deutsche Botschafter schlug ebenfalls den französischen Handelsminister zur Dekoration vor. Der einstige Sozialist kann als der charakteristischste Repräsentant des heute maßgebenden Teils des französischen Bürgertums gelten.
Im „Berl. Tageblatt" kommt Viktor Au- burtin darauf zu sprechen, wie sich 1911 noch dem Sturze von Caillaux und dem Eintritt Millerauds als Kriegsminister in das Ministerium Poincare das große Wetter zu^mmenzog und Milleraud an eine, der wichtigsten Stellen Europas nickt» tat. um die Gefahr zu bannen. Im Gegenteil, seit diesem Mim- sternnu da? die abendlichen müftärnchcn Slufw erfand, herrschte in Frankreich jener soldatische Paroxis- muS, der den Krieg zwar nicht geradezu verschuldet hat, aber die Möglichkeit einer Verständigung schwächte.
Eine AnfUrachs d. Verkehrsminiftsrs.
WB. Berlin, 23. Sept. («ImtMJ Heute früh begann im Iestsaal des prmuiichen Ab'xeordltrt:«haust» unter Vorsitz deS RcichSvcrkch^-minpterS eine Bc- svrechung über die systematische Neuordnung der Gütertarife. Da der in der Neichsverfassung vomeschene iLtiLrtffenbahnüeirLt noch nicht gebildet ist. sind alS
Sachverständige die Mitglieder der Eisenbahnräte der bisherigen Staatseisenbahnverwaltungen geloben, deren Kreis durch Vertreter der verschiedensten Erzeuger- und Verbraucherverbände verstärkt ist. Der NeichsverkehrS- minifter Nur» in feiner Begrüßungsrede auf den ungeheuren Ernst der Wirtschaftslage hin, zu deren Gesundung in erster Linie der Wiederaufbau der Neichs- eifenbahnen und Ordnung in ihren Finanzen notwendig sei. Dazu gehöre vor allem die Anvaffung deS Tarifsystems an die heutigen Wirtschaftsverhältnifsc. Mit bex durch die Kriegsverhältnisse errungenen rohen prozentualen Zuschlägen zu den alten Friedeus- tarifen müsse aufgeräumt werden. Die Tarife müßten wieder organisatorisch gestaltet werden. Aber nicht nur um der Wiederherstellung technischer Einrichtungen nnb die Neuordnung zur Organisation der jungen ReichS- eiscnbahuverwaltunz dürfe es sich handeln, sondern vor allem fei die Gesundung von innen heraus notwendig. Das Personal der Eisenbahnen, vom obersten Beamten bis zum letzten Arbeiter, müsse wieder mit freudiger Hingabe die Arbeit verrichten. Seine (des MinisterS) Aufgabe werde eS fein, mit fester Hand einen klaren Kurs zu schaffen und die Aufrechterhaltung der Ordnung und Disziplin zu sorgen. Er wiffe, daß die große Maffe deS Personals durchaus auf dem Boden eines gesunden Ordnungsgedankens stände und bereit fei, an der Gesundung mitzuarbeiten. Von außen werde aber immer noch Unruhe und Unzufriedenheit in die Eisenbahner hineingetragen. Er werde eS nicht dulden, daß die Eisenbahnen zum Tummclvlatz politischer und wirtschaftlicher Händel gemacht werden und bitte auch an dieser Stelle die Vcrsammlnnz und durch sie die öffentliche Meinung um Unterstützung seiner Bemühungen, die Ordnung und damit die Gesundung der Eisenbahnen wieder zu erreichen. Die Versammlung trat dann in die sachliche Beratung der Tagesordnung ein, die die Neuregelung der deutschen Eisen- bahngüter- und Tiertarife zum Gegenstände hatte.
WR. Berlin, 23. Sept. In der heutigen Besprechung über die Neuordnung des Tarifsystems ent« schieben sich die Sachverständigen mit allen gegkn zwei Stimmen für den Vorschlag der ständigen, Tarif- geordneten ^n?^^^^,,.....—
künftig bei den Gütertarifen zum 'Staffeltarifsystem überwachen und hierbei die teuren Güter stärker zu belasten und die geringwertigen zu schonen. Ein weiterer Vorschlag, die Frachtberechnung nach den HanptwagenladnngSklassen im Grundsätze von der Ausnutzung des Ladegewichtes der Fünfzehntonnen- wagen abhängig zu n achen, fand einstimmige Annahme, desgleichen ein Vorschlag über die Neuregelung der normalen Beförderungsgebühren im Tierverkehr. Vom Neichsverkehrsministerium wurde zugelagt, daß die ständige Tarifkommission und der Ausschuß der VerkehrSintereffenten alsbald in die Prüfung eintreten würden, wie bei der Neuordnung der Tarife etwa ein« tretende Härten gemildert ober beseitigt werden könnten.
Zur Neuregelung der rleichsfinanzen.
Die Aufnahme der amtlichen Verlautbarung über die beabsichtigte Neuregelung der Finanzlage des Reichs begegnet in der Berliner Presse allgemeiner Zurückhaltung und einer gewissen Skepsis. Sowohl von rechts wie von links wird darauf hingewiesen, daß die Worte zwar recht schön klingen, daß aber, wie zum Beispiel der „L o k a l a n z e i g e r" schreibt, noch keine Garantie dafür gegeben ist, daß mit der Durchführung der angekündigten Maßnahmen Ernst gemacht wird. Die „Deutsche Tageszeitung" glaubt sogar daran erinnern zu müssen, daß der Ton der amtlichen Kundgebung an Bethmann HollwegS Zuversicht erinnere und daß das Ergebnis nur neue Steuern bedeuten könnte. Gegen die angekündigte Sozialisierung des Bergbaus polemisiert von den rechtsstehenden Blättern die „Tägliche R u n d- f ch n u". Sie bemerkt, es fei notwendig, daß die Volksvertretung sich gründlich damit be'aßt, damit die Frage geklärt werde, ob die Sozialisierung beS Bergbaus wirklich für das Reich Nutzen zu schaffen vermag. Auch von demokratischer Seite wird keine große Befriedigung über die amtliche AuSlaffung geäußert. DaS „Berliner Tageblatt" nennt die Gruppierung des Zahlenuiaterial» so unübersichtlich und zum Teil direkt irreführend gruppiert, außerdem den begleitenden Text so wenig präzis stilisiert, daß eine völlige Klarheit nicht erreicht wird und Mißvrr- ständniffe geradezu herauSgefordert werben. Von den Maßnahmen zur By'serung der Finanzlage sagt eS, daß sie höchst dürftig und nichtssagend seiht und stellt gleichfalls das Fehlen eines neuen großzügigen Finain- programmS fest. DaS ein ig Positive sei ein Gesetzentwurf, der auf der Grundlage des ReichSnotopfer» einen erheblichen Teil deS Ergebnisses alsbald dem Reich zuführen soll. Dies fei Nicht» anderes als die Kombination von ReichSnotopfer und ZwangSanleihe. Die „Voisische Zeitung" steht den »eichlüffen der R ich»^«ieruug wohlwollend gegenüber, nennt sie aber nur StlcfiverL Aber, fragt aal Bl tt, wird es wi-kiich der Anfang einer Ausführung ober nur die Fortsetzung der Redens von möglichen Dingen sein?
Der neue Oberschulrak Berlins.
WB. Berlin, 23. Sevtbr. In einer außerordent- lichen Sitzung bet neuen Berliner Stadtverordneten, wer ammluni erhielt bei der Abstimmung über den Zöllen des Oberichulrats von Berlin Dr. LSwenste-n 107 Stimmen, SfaMfcpu'rat Reimann 8t, Koller- Hamburg eine Stimmet Außerdem wurden sechs weiche Zettel abgegeben. Somit ist Dr. Löwenstein, der be- lanntlich der II. S. P. angehört, zum Oberstadtschul- rat Berlins gewählt.
neuen
SpalluNg der 1L S. P.
WB. Frankfurt a. M., 23. Sept Dem „Volks« recht" zufolge beschloß die gestrige Parteiversamm» lung der Unabhängigen mit 620 gegen 475 Stimmen den Anschluß an Moskau, nachdem Däumig und Crisvien referiert hatten. Däumig erklärte sich offen für die Spaltung der Partei.
Ein neuer Polenaufstand?
WB. Berlin, 23. Sept. Der „Lokalanzeiger* verzeichnet als ein neues Anzeichen für das Bevor« stehen eines abermaligen polnischen Putsches die Unterbringung polnischer Artillerie auf Gütern bei Fraustadt. ,®3 wird berichtet, polnischerseits verhehle man sich nicht, daß die Polen eine vollendete Tatsache schaffen und so den Einspruch der Entente unwirksam machen wollten.
WB. Bresla«, 23. Sevt. Der BreSlauer Kriminalpolizei gelang es laut Volksmacht, ein polnisches Büro in Odervorstadt aufzuheben. ES wurden wichtige Dokumente und Listen gefunden. Auch ein hiesiger Staatsbeamter ist nach dem genannten Blatt in den Listen als polnischer Agitator verzeichnet. Die drei angetroffenen Personen wurden verhaftet.
Le Rond gerechtfertigt?
WB. Veuthen, 23. Sept. Nach der polnischen Grenzzeitung wurde der Polnischen Telegraphenagentur aus angeblich gut informierten Kreisen in Paris berichtet, bog der Botschafterrat die Politik Le Ronds vollkommen billige. Le Rond werde auf dem ober» schlesischen Posten verbleiben und dorthin in allernächster Zeit zurückkehren.
Aus Sem MarnlsKer Gebier.
Gewaltmittel der Südslawen.
WR. .K!a^ens»trt,28. Sevtbr. Aus ?leuhenmge^ l südslawischer Seite über die Volksabstimmung »
von
Samten gebt herbor, daß die Südftawcn mit Gewaki- mitieln auftreten wollen, wenn biefilbftimmung für sie ungünstig ausfällt. Die Soldaten und landfremden Gendarmen, welche auf Befehl der Kommission die Südzoncn hätten verlassen sollen, die Anordnunci jedoch nicht bo'Utänbig befolgten, erzählten in ihren ....... " ilquyi, daß sie nach der Abstimmung „Slawensksi 'Rär„„ ,»,.—., '"BemT Sie Abstimmung mißglückt, müsse man das Kärntner Rbstimmnngs- gebiet mit Waffengewalt in Besitz nehmen, auch gegen den Willen der Alliierten, die baS Blatt ausdrücklich als sogenannte Alliierte bezeichnet. Die slowenisch- nationale Organisation in Körnten, Nar»dni Slams fordert in einet Ent'chlie'nmg im Falle eines deutschen AbstimmungSsiegeS den Einmarsch südslawischen Militärs. Dieses Ersuchen wurde mit Zustimmung siowc- nischer Politiker nach Belgrad weitergeleitet. In der Südzone befinden sich noch immer südslawische Offt^ier« und Soldaten in Zivil, welche in den Pfarrbösen und den Häusern von südslawisch gesinnten Bauern untergebrackt sind unb für den Fall, daß die Abstimmung für Oesterreich günstig ausfällt, bewaffneten Widerstand vorbcrcitcn sollen.
Der Krieg im Osten.
WB. Königsber-r t. Pr., 23. Sept. (Lage- bericht.) Im Komdsabschnitt vom Dnjestr bis zum Pripjet säubern die Polen nach Erreichung dc? Zbrucz und Gorin das eroberte Gelände von versprengten und zurückgebliebenen Bolschewistenabteilungen. ®üb?:h von Vinsk nähern sich bic Polen nach der Einnahme von Ljnbaschewo dem Styrfluß. Im Raume östlich von Kobryn unb Pcushauy setzen die Bolschewisten ihre Angriffe fort, hie bisher von den Polen abge« wiesen wurden, wobei die Bolschewisten auf Roshanb zurückgeworfen wurden. Polnische Angriffe auf im Raume westlich von Wolkowyschk zu Offensivziveckm bcritgeftellfe bolschewistische Dmppenanfamntlungeu waren erfolgrcick, wobei die Polen 1100 Gefangene machten. Bslschewisti'cke Angriffe an» der Gegend von Grodno auf Odelsk unb Rnsnitzs wurden «h« gewiesen. Der Breunbiinkt der Sämpfe liegt zur Zeit im Abschnitt Brushany westlich von Wolkowvichk, w» die Bollchewisten ihre neu herangeführten Kräfte t»x« zentrieren. Im Suwalkizebiet dauern die örtliche» Kampfbandlungen zwischen Polen und Litauern «n. Die Litauer führen ihre Verstärkungen anscheinend im Kannte von Seyuy zusammen.
WB. Moskitt, 23. Sept. (Funftprnch.! Russischer Heeresbericht vom 22. September: Zm Abschnift G r o d n » schlugen wir auf der ganzen Linie den Vormarsch des Feindes zurück, gingen zur« Gegenangriff über und nahmen nach Kamps eine Re '-e von Ortschaften ein. Im Abschnitt Wolkowyschk dauern die Kämpfe mit wechselseitigem Erfolge »-. Wir machten Gefangene. Im Abschnitt Prusbani, w die Lage unverändert.
Drr englische BsrqarhetterflreiL unoIrmeiLttch.
WB. PariS, 24. Sept. Wie das „Jaurnal" a>G London meldet, haben die Bergarbeiter in einer stürmischen Veriammlung den Vorschlag Lloyd Georges, die Lohnforderuitg einem Schiedsgericht zu unb'-« breiten, beiprotpen und den Antrag biefeS Angebot einer Abstimmung zu unterziehen, abgelehnt. ^n einer Versammlung der Bergarbeiter, Eisenbahner un^ Transportarbeiter, die über drei Stunden dauern, saunte e-ue Einigung nicht erzielt werden. Vc-. i tonnte sich über ein gemeinsames Vorgehen nicpi euug merken, da die Eisenbahner in einer besondereil -e'-y fammiung beschlossen hatten, nicht tu ben »trete zu treten. Der Bcrgarbeitcrstrcik erscheint nunmehr un' vermeidlich.
Meiter PoliüfÄs Nachrichten S«tS ^,