Einrückungsgebu b r: Die8gesv. Kotonelzeileod. beten Raum 1.— Mk., die 4ge)v. Zeile i. Reklame- leil 3.— Nik.. L5°<aTeuerungszuichl. Offertgebühr 30 Pfg. Bezugspreis: Vierteljährlich 12.90 Mk., monatl. 4.30 Mk., für Postbezug vierteliäbrl. 12.90 Mark, monatl. 4.30 Mk. Die Nummer 20Dsg.
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A«Mches Organ für SlsSl- uns Lan-Lreks Sattau
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Rotationsdruckd.Waisenhausbuchdruckerei Sana»
^ FernioreSanschluffe Nr. 1237 und 1238
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Nr. 223
Mittwoch den 22. SepieMber
1920
iza«&inm^gaKaag™ä»MMffi^^
Das Neueste.
Die deutsche Delegation für die Brüsseler Konferenz reist hmte abend nach Brüssel.
Der ReichSverkehrSminister verbreitet einen Erlaß Aer daS willkürliche Festhalten von Kartoffeltrans - jorten durch die Eisenbahner.
Die Abstimmung des KirchenaustrittsgesetzeS in der 'eußischen Landesberiammlung wurde durch sozial- ^mokratische Obstruktion unmöglich gemacht.
In Berlin fanden gestern in einzelnen Stadtteilen kommunistische Arbeitslosendemonstrationen statt.
Aräsident Derchanel gibt in einer Botschaft .seine Seinu(ton bekannt.
Die Verhandlungen der englischen Bergarbeiter mit der Regierung haben zu keinem Resultat geführt. Die Transportarbeiter haben sich mit den Bergarbeitern solidarisch erklärt.
Sie bolschewistische- Gegenaktion im Abschnitt IW« scheint gescheitert zu sein.
Das Programm Mr Vrüffel.
Die Einberufung der Finanzkonferenz in Brüffel ist letzten Endes nichts anderes als die Erkenntnis und das Eingeständnis dessen, daß es so, wie der Versailler Vertrag die Welt wirtschaftlich neuzuordnen versuchte, einfach nicht »eitergeht. Die Finanzkonferenz ist vom Völkerbund einberufen und zwar hauptsächlich auf die Anregung der Haager Denkschrift die vor einem dreiviertel Jahr eine derartige Konferenz mit aller Dringlichkeit und Beschleunigung gefordert hatte. Die Aufgabe der Brüsseler Konferenz so5 nach der genannten Denkschrift ein i n t e r - WRj»m a 1
Ritunterzeichner der DenkschrM, ver^Holland auch in Brüssel mitvertreten soll, Dr. Visse- r i n g, der Präsident der Niederländischen Bank, hatte das in einer Schrift folgendermaßen ausgesprochen: »Wenn man erst Klarheit geschaffen hat über die Schulden, dann kann man für den Wiederaufbau der Welt wichtige Arbeit leisten, indem man größere Kredite den Ländern verschafft, die durch den Krieg am meisten gelitten haben, und deren Valutaentwertung ein ernstliches Hindernis bildet auf dem Wege zur Ge- ^snng der erlittenen Schäden." Aber da diese Schuldensumme nicht feststehen wird, daß sogar ^ letzter Stunde noch angekündigt wurde, die Behandlung der noch zwischen den verbündeten Md vereinigten Mächten und ihren ehemaligen nttnden schwebenden Angelegenheiten solle nicht vltassig sein, wird die Konferenz ihre Berechnun- 8"» nur mit einem x anstellen können. Daß wir damit aber nicht weiterkommen, liegt klar auf der Hand. , Wir brauchen uns also von Brüssel nicht Wu viel zu versprechen, eine deutschfreundliche Hlstsstellung ist von niemandem zu erwarten, von unseren ehemaligen Feinden wird versucht werden, uns mit allen Mitteln zuzudecken. Selbst über wenn man in Brüssel zu einer klaren Beur- ^ung ohne politische und gefühlsmäßige Vor- chgeuommenheit gelangen sollte, so wird immer ,? "ur hypothesisches Ergebnis gezeitigt werden stnen. Erst in Genf — und wir haben Anlaß, l ^l^d Verhandlungen auf einem neutralen Ort ^destchen, denn dies ist immerhin für die ganze lyandlungsatmosphäre nicht ohne Belang — *o einem praktischen Ergebnis Gültigkeit ge- werden, das bestimmt sein soll, unser ge- , Wirtschaftsleben für eine weite Zukunft 8^EY«rschen. Jeder noch so kluge Gedanke
Big dahin in der Luft. Unsere Männer, ttr-^ir "ach Brüssel schicken, werden diesen Ge- »Butttt .im Aug« behalten und vor allem an- uM 11 »unächsi ihr Hauptaugenmerk darauf rich- ^ö erst Klarheit geschaffen wird, Elt die Grenzen zu bemessen sind, innerhalb " Die deutsche Schuldenlast sich bewegen darf.
Die Tose Lord «trug.
Aaii^, ^ugranim der Koxferenz wird sich folgender- »» » Jt nmn,cnie^eM: Am 24. September Eröffnung «nberLh011^ ^""i 26. bis 28. Keptembcr Aurem- 29 über die allgemeine finanzielle Lage, vom tihftin,,, ^ bis 2. Oktober: Feststellung der Kran» x ^"?«i»oIiHi Brand (England) wird die Sstld- Itaatsfinauzen, Vischering (Holland) die kn in/,^,W^n'eIkursc behandeln, Jaspar (Belgien) Üt Handel und Celier (Frankreich) bctL, ^«oualc Kreditfrage. Vom 3. bis 5. Oktober ^ biz v ^ch^'ssllsionssitznngcn abgehalten und vom Sie < ^e Endergebnisse festgestellt werden, "»zeln«» n"i) "ec Finanz- und Wirtschaftslage der ^richte ,'°"^ tr-olgt durch Uebergabe schriftlicher die sinön,;-,, . "'kn der einzelnen Länder, in benen Üubgct Lage dargelegt und AnSknnkt über Los m A„»,., Z to rd, in denen auf die Schulden im Jn- ®«hita tUf ben Stand des PapiergeldumlaufS
' "kenhandeh Form der Beschränkungen der
weitere Steigerung des Notenumlaufes zur Folge haben. Zudem wird man für wirkliche Werte, die man verloren hat, ein Stück bedruckten Papiers erhalten, dem nur eine künstliche Kauf- kraft innewohnt. Es scheint allerdings, daß einige ausländische Staaten geneigt sind, Kompensationen für das beschlagnah^rte deutsche Eigentum zu gewähren, wie das auch in Südafrika der Fall war. Die Zwangsanleihe halte ich in diesem Airgenblick, wo die Steigerung des Notenumlaufes noch nicht endgültig beseitigt ist, für ein sehr gewagtes Experiment. Denn die Verringerung der schwebenden Schuld, die dadurch momentan erreicht werden könnte, wäre durch die weitere systematisch« Steigerung der Inflation alsbald wieder wettgemacht. Für ebenso gewagt würde ich die Feststellung einer neuen Münzparität halten, solang« der Markkurs weiteren, Schwankungen ausgefetzt ist. Die Feststellung der neuen Münzparität kann nur erfolgen, wenn die Mark endlich auf allen ausländischen Geldmärkten einen testen Kurs erreicht hat, einerlei, wie hoch dieser Kms sein man. Nur c-ine Mehrproduktion und eine damit verbundene Sparsamkeit in der LebenStübruna können Deutschland helfen. Solange diese beiden wichtigsten Voraussetzungen nicht erfüllt sind, kann kaum eine dauernde Gesundung des deutschen Wirtschaftslebens eintreten."
Die öeuksche Delegaüvn.
WB. Berlin, 21. Sept. An der Spitze der beutf<$en Delegation für Brüffel steht Unterstaatsickretär Bergmann. Weitere Mitglieder sind der Geschäftsinhaber der Diskonto-Gesellschaft Urbig, der Vizepräsident der Reichsbank v. G l a s e n a p P und Staatssekretär Schröder vom Reichsfinanzministerium. Als Sachverständige sind der Deleaation Geh. Hofrat Bros. Dr. L o tz (München), Geb. Obcrsinanzrat Kaufs- nt a n n von der Reichsbank und Geheimrat Dr. Trendelenburg vomReichswirtschaftsMinisterium
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Zur Wn<rnzMi«?fksrkt«isis
Znr sogenannten Krisis im Reichsfinanzministerium sagt die „Germania", daß die Mitteilung der Blätter, wonach Dr. Wirth sein Entlassungsgesuch zurückgezogen habe, nicht den Tatsachen entspricht. Es werde ihr aber auS Regierungskreffen bestätigt, daß nach wie vor Hoffnung bestehe, daß eine Verständigung erzielt werde. Eine Zuriickziebung der RücktrittsgesucheS werde wesentlich abhängig sein von dem Verlauf der Verhandluuzen, - die Minister Wirth gestern und die Minister Gröber und Gicsberts heute mit dem Reichspräsidenten gehabt halten. Der emeuiliche Grund für die Einreichung des Riicktrittsgesiichcs sei in der Ge- samtfiuanzlage des Reich s zu suchen. Er würde vor allen Dingen daran? ankommen, für die Gesundung der Finanzen der Reiche? auf ein festes geordnetes Finanzprogramm aiffzustellen.
Der PräftösAiSKWechfe? 'M Frankreich.
Die Botschaft Deschanels.
Die Botschaft des Präsidenten Deschanel lautet:
Meine Herren Senatoren! Meine Herren Abgeordneten! Mein Gesundheitszustand erlaubt es mir nicht mehr, die hohen Funktionen auszuüben, die mir Ihr Vertrauen anläßlich der Nationeloersammlung am 17. Januar dieses Jahres übertragen hat. Die absolute Notwendigkeit einer völligen Ruhe mckcht es mir zur Pflicht, mit der Bekanntgabe des Entschlusses, den ich gefaßt habe, mäht mehr länger zu warten. Der Entschluß ist mir äußerst peinlich und mit tiefem Schmerz verzichte ich auf die edle Aufgabe, deren Sie mich würdig befanden. Das Amt des Präsidenten bringt schwere Aufgaben mit sich und verlangt eine tatkräftige Energie, die über jede körperliche Schwäche geht. Während der Jahre, in denen das siegreiche Frankreich berufen ist, seine Kräfte im Innern wieder zu stärken und gleichzeitig nach außen die vollständige Ausführung dss Friedensvertrages zu sichern, der so siegreich und sso teuer errungen wurde, werden wir bis zum Veußersten ausharren. Die Stunde ist gekommen, da ich mich verfehlen würde gegen das, was ich Ihnen schuldig bin. Daher lege ich mein Amt in Ihre Hände. In dem Moment, da ich mich zurückziehe, möchte ich den Wunsch aussprechen, daß die Vertreter der Nationen, deren patriotische Eintracht ein mächtiger Bundesgenosse des Siegers war, im Frieden ihre Einigkeit aufrecht erhalten möchten zum Blühen und zur Größe meines angebeteten Frankreichs, dessen Dienst ich mein ganzes Leben gewidmet habe und das mein letzter Gedanke ist. Es wird die Rolle und das Vorrecht meines Nachfolgers sein, in einigen Tagen vor der ganzen Welt das Werk der Republik zu verherrlichen, die, nachdem sie vor 50 Jahren die Ehre gerettet hatte, Elsaß-Lothringen wieder unter unsere Fahnen gebracht hat. In der Ce- liäbeit, die gebiete rischste. aber auch die uner»
Ein- und Ausfuhr, Regulierung der Valuta usw. näher eingegangen wird. Die Abordnungen werden durch ihre Führer mit einem mündlichen Bericht vorgestellt werden, der, ausschließlich der Uebersetzung, höchstens 15 Minuten dauern darf. Bei Behandlung der künftigen Finanzpolitik werden u. a. die Staatsfinanzen, die verschiedenen Maßnahmen zur Herstellung des Glcichsewichtes der Budgets, wie Einschränkung der Ausgaben, Begrenzung der Ausgaben für das Heer, gesonderte Voranschläge betreffend die Ausgaben für den Wiederaufbau, Beihilfe in Lebensrnitteln sowie in Transportmitteln, Rückzahlung der schwebenden schuld, Erhöhung der Steuern, ferner Fragen einer Kapitalabgabe oder einer Zwangsanleihe usw. besprochen werden.
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DaS Urteil eines deutschen Sachverständigen.
Die für Brüssel bestimmten deutschen Vertreter werden heute abend mit dem fahrplanmäßigen Zug nach Brüssel abreisen. Deutsche Preßvertreter sind, soweit gegen den einzelnen von der belgischen Regierung keine Bedenken geäußert wurden, im Gegensatz zu Spa, in unbeschränkter Zahl zugelassen. Direktor U c b i g von des Diskontogesellschaft, der als kommissarisch berufener Vertreter der deutschen Regierung nach Brüssel gehen wird, hat sich einem Vertreter des 8-Uhr-Abendblattes über seine Erwartungen u. a- folgendermaßen geäußert:
„Wir haben uns für Brüssel kein ausgesprochenes Programm zurechtgelegt, wir werden ja auch erst sehen müssen, auf welcher Basis sich die Besprechungen bewegen werden, und ich vermute, daß man recht viele akademische Erörterungen auf der Brüsseler Konferenz zu hören bekommen wird. Aber wir werden mit einem sehr umfangreichen Material ausgerüstet in Brüssel erscheinen, um in erster Reihe betonen zu können, daß die erste Voraussetzung einer finanziellen Gesundung des Deutschen Reiches die Festsetzung der EntschädigungS- ^ m m>Ofe >v ^
wie unsre ausländische Zahlungsbilanz gestaltet ist. Die Probleme, die in Brüssel besprochen werden sollen, haben für jedes einzelne Land eine andere Natur und lassen sich nicht einheitlich regeln. Allgemeine Maßnahmen lassen sich in diesen Fragen nicht treffen. In Deutschland liegen nun die wirtschaftlichen Verhältnisse ganz anders als in Frankreich, und dort wieder ganz anders als in England und Amerika. Eine einheitliche Lösung des 'wirtschaftlichen Jammers läßt sich also nicht finden. Die W e l t w ä h r u n g, von der in Brüssel auch gesprochen werden soll, halte ich für eine Utopie. Gegen eine solche Maßnahme würden sich selbstredend diejenigen wehren, die das größte Opfer bringen müßten, in diesem Falle also die Länder, deren Valuta am kräftigsten ist, und schon deshalb ist dieser Projekt zum Scheitern verurteilt, ganz abgesehen davon, daß ich es auch aus andern Gründen für undurchführbar halt«. Für mich ist der Staat ein Wesen mit zwei Seelen, die eine ist die Sprache, die andere die Währung, und wie sich eine einheitliche Weltsprache nicht schaffen läßt, so läßt sich auch «in« einheitliche Währung für die ganze Welt nicht zustande bringen. Die internationale Anleihe an Deutschland wird sehr wahrscheinlich auch in Brüssel zur Sprache kommen, aber ich habe n i ch t viel Hoffnung darauf, daß diese Anleihe zustande kommen wird. Ich vermisse vor allem jenen Geldmarkt, auf dem sie plaziert werden könnte, obwohl das Vorhandensein eines solchen wohl die erste Voraussetzung für das Zustande- komnien der Anleihe ist.
Das sind die Aussichten für Brüssel. Allzu rosig sind sie nicht, besonders, wenn man in Betracht zieht, daß wir von der eigentlichen Lebensfrage Deutschlands, der EntschädigungSfrage, kaum werden sprechen dürfen, und daß gerade zur selben Zeit unsre Valuta wieder im Sinken begriffen ist. Für eine dauernde Gesundung unserer Valuta sind aber zwei Voraussetzungen erforderlich, die zum Bereich der Brüsseler Konferenz gehören. Die erste dieser Voraussetzungen ist, daß wir einmal unsre ausländische Zahlungsbilanz kennen, daß also die Summe der Reparationen endlich festgesetzt wird. Um die Goldzahlungen bewältigen zu können, müßen wir uns entsprechende Goldrimessen verschaffen. Wir müssen unsre Produkte zum Weltmarkipreff« absetzen Wnnen,darunter natürlich auch unsereKohle. Wenn es auch möglich sein sollte, sich über diese äußer« Voraussetzung zu einigen, so verbleiben noch die inneren Schwierigleiten, vor allem die Banknoteninflation, die noch immer im Wachsen begriffen ist und auch weiter steigen dürfte. Die Lohnsteigerungen bedingen die Ausgabe immer neuer Noten, und twnn erst das Reich mit der Auszahlung der Entschädigungssummen für e e öc.'., , n Staatsbürger beginnt, denen im Auslande ihr Eigentum beschlagnahmt wurde, dann werden die zu zahlenden Summen eine
bittlichste Aufgabe zu erfüllen, reiche ich dem Büro des Senats und demjenigen der Kammer meine Demission als Präsident der Republik ein.
Die Kandidatur Millerands.
WB. Paris, 21. Sept. Im Laufe des Tages haben sich heute die meisten Kammergruppsn für die Kandidatur Millerand ausgesprochen. Uneinigkeit besteht nur darüber, ob die übliche Vorabstimmung morgen abend stattfinden soll. Die radikalsozialistische Gruppe besteht auf dieser Abstimmung. Die Linksrepublikaner wollen sich unter Umständen anschließen. Die übrigen Gruppen bekämpfen die Borabstimmung. Im Senat hat sich die demokratische Linke, die unter Führung von Combes und Doumergue steht, heute versammelt und eine Entschließung angenommen, in der erklärt wird, sie bekämpfe dir Absicht, eine Politik zu pflegen, die darauf hinausliefe, die Macht des Elyftes an die Stelle des Parlaments und des Landes zu fetzen. Von den 145 Mitgliedern der Gruppe waren 80 anwesend. Die Entschließung wurde mit 79 gegen eine Stimme angenommen. Sie richtet sich offensichtlich gegen die Erklärung Mille- rands. Man nimmt an, daß der größte Tsr! dieser Gruppe sich der Stimme enthalten wird.
WB. Paris, 22. Sept (Haoas.) Die Vorsitzenden der Kammer- und Ssnatsgruppen beschlossen, am Mittwoch nachmittag 2V» Uhr im Senat eine Vollsitzung abzuhalten, um den Kandidaten für die Präsidentschaft aufzustellen.
Die nieKeEnöffche Thronrede.
WB. Haag, 21. Sept. Die Königin Wilhe l- m ina eröffnete heute bte Session der ®eneralftaaren.| In der Thronrede erklärte sie u. a.:
Mit den fremden Mächten unterhalten wir Beziehungen, die im allgemeinen Anlaß zur Zufriedenheit geben. Trotzdenr bleibt die Lage in Europa unsicher. Außerdem sind die Aussichten, die durch den Völker- hmrv. mit Bezug auf die künst^ Beziehungen der Staaten eröffnet werden, noch Nicht oerwwri-chu Königin sagte, sie richte unter diesen Umständen weiterhin ihre Aufmerksamkeit auf die Maemrbinen zur Ver- harfüng der Verteidigungsmacht. Trotzdem die Ein- nahmen bisher die Ertvartungen übertroffen hätten, sei eine Erhöhung der Einnahmen unvermeidlich. In dieser Session seien Gesetzentwürfe betreffend teilweise Abänderungen der Versassung zu erwerten. Außerdem wurden Gesetzentwürft zur technischen Verbesserung des Wablgesetzes, eine vollständige Abänderung des Unter» richtsgeietzcS. Maßnabmen zur Regelung der Heimindustrie, Gesetze betreffend die Unfälle in der Landwirtschaft, die Einrichtung eines Gesundheitsdienste?, die Abänderung der Grundlage der Bezirks- und Ort?» Verwaltung von Niederländifch-Jndien sowie die Ausbeute der Erdölguellen von Djymbi angekündigt.
WB. Amsterdam, 21. Sept. Die Thronrede bet Königin findet in der niederländischen Presse geteilte Aufnahme. Der Telegraaf schreibt: Hinter den Worten der nichts sagenden Thronrede verbirgt sich dir Ohnmacht der niederländischen Regierung, in dieser ichicberkranken Zeit fühlen Hauptes dem wirtschaftlichen Konflikt, den Holland und alle anderen Völker bedroht, Widerstand zu leisten. Telegraaf tadelt rttner. daß in der Thronrede dem Volke gesagt werde, daß der Vülk.rbund, der nach Ansicht der Blatte?, nicht viel weniger als eine Revolution im Leben der Völker bedeute, vorläufig ein Mißerfolg sei. — Die katholische T i j d schreibt im Gegensatz dazu, die Thronrede ziehe aus dem Mißerfolg des Völkerbundes den logischen Schluß. Aus den „Maßnahmen zur Stärkung der Wehrkraft" sei ein militaristischer Zweck jedoch nicht zu entnehmen. — Standart stimmt her Regierung bei ihrem Mißtrauen gegen den Völkerbund zu und ist über die Dtaßnahmc» znr Stärkung der Wehrkraft erfreut — Der A msterdamer schreibt: Es ist noch sehr die Frage, ob die Thronrede von den Maßnahmen zur Stärkung der Wehrkraft gesprochen haben würde, wenn nicht ein französisch-belgisches Militärabkommen bestände, das einen mehr oder weniger drohenden Charakter gegen die Niederlande trage. — N i e uw s van dem D a g schreibt: Je weniger ntau verspricht, umso weniger braucht man zu halten und unter dieiein S-sichtSpunkte mache die Thronrede von 1920 einen befriedigenden Eindruck. Der Rieue Rotierdamsche Courant stimmt der Thronrede zu. DaS Blait hofft, daß der neue K ang dieser Rede ein neue» Leben auf politischem Gebiet einleiten möge. Das Blatt meist darauf hin, daß die niederländische Regierung für den Völkerbund niemals viel Interesse gezeigt $a6e.
Der örshenKs Skrerk in Tngkanö,
D. London, 22. Sepr. Der Exekutivausschiiß der Bergarbeiter teilt mit, daß bte Verhandlungen mit der Regierung zu keinem Resultat geführt haben und sein Grund bestehe, daß der Streik am nächsten Samstag nicht auSbreche. Diese Erklärung wurde heute von Snullie und 200 Abgeordneten der Bergarbeiter abgegeben. Ein Commuuique, das heute abend am Schluß der Konferenz ausgegeben wurde, teilt mit, daß letztere int Allgemeinen die Vorschläge billigt, welche der Erekutivausschuß der Regierung gcnmchr hat. Ferner hat die Traurportarbeitervereimgung eine Beriammlung abgehalten, in der beschlossen wurde, sich mit Den Bergarbeitern solioansch zu erkläreii und ihre Forderungen zu unterstützen.
(Weitere Politische Nachrichten auf Seit« 5&