Einrückunasgebübr:Die8gesv.KolonelzeileoÄ. deren Raum 1.— Mk., die 4gesv. Zeile i. Reklame- teil 8.— Mk.. 2S°loTeuerungszuichl. Offertgebühr 30 Pfg. Bezugspreis: Vierteljährlich 12.90 Mk.. monatl. 4.30 Mk.. für Postbezug vicrteljährl. 12.90 Mark, monatl. 4.80 Mk. Die Nummer 20Dfg. Postickeck-Konto Nr. 26659. Frankfurt a. M.
AmMches Organ für ÄaN- uns Landkreis Saison
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Fernsorechanickluffe Nr. 1237 und 1238 j
Nr. 219
Frettag Sen 17. Seplemder
1920
Zu der gestrigen Sitzung der preußischen Landestersammlung wurde das Gesetz betr. Erleichterung des Austrittes aus der Kirche angenommen.
Die Feststellungen über eine polnische Kampf- organisation in Oberschlesien werden durch neues Material über Aufstandsabsichten der Polen erhärtet.
General Lerond hat sich nach Paris begeben um der Botschafterkonferenz, die sich mit der oberschlesischen Frage befaßt, Bericht zu erstatten.
Der Parteitag der Unabhängigen ist um einige Tage vorverlegt worden.
In Sachsen werden infolge des hohen Kartoffel- preijeS Gewaltakte in den Dörfern befürchtet.
Der Leipziger Straßenbahnerstreik ist nach 14 tägiger Dauer durch Vergleichsverhandlungen beendet.
Millerand wurde gestern von Dschauel empfangen und mit den DemissionSabsichten des letzeren vertraut gemacht.
Der Lagerbericht vom Krieg im Osten läßt erkennen, daß die Polen sich auf dem Vormarsch befinden.
Tschitscherin tritt persönlich an die Spitze der russischen Friedensdelegation in Riga. .
In der englischen Bergarbeiterbewegung wird heute die Lage etwas hoffnungsvoller beurteilt.
Die polnische Kampforganisation.
WB. Berlin, 16. Septbr. Die Feststellungen » uü« äiiuamüüxoatüifltlDa in Ober
Westen werden durch weiteres hier inzwischen be- kenntgewordenes Material über neue Aufstands- absichben der Polen erhärtet. In dinem polnischen Bericht vom 9. September — L. 334/20 — heißt «5, bo^ vielfach polnische Dokumente in deutschen Besitz gelangten. Anscheinend unterhalte einer der Kuriere Beziehungen zu deutschen Stellen. Es wird in diesem Befehl die Errichtung besonderer geheimer Erkundungsposten angeordnet, die dauernd „die deutschen Kommissariate und deutschen Spionagebüros" beobachten sollen. Die ge= feinte Beobachtung scheint sich auch auf die eigenen Kuriere zu erstrecken, da vorgeschrieben ist, Berichte über die Personen aus dem eigenen Da- Str sofort dem Oberkommando zu übersenden.
Die Vermutung, daß der Aufmarschplan für me auf polnischem Boden bereitgestellien Streit- rrnste auch zeitlich im engsten Zusammenhänge mit dem auf oberschlesischem Boden beabsichtigten Vorgehen steht, wird aufs neue unterstützt durch
Mitteilung des Kommandanten des 27. Beuthener Reserve-Schützynegiments Jankowitz, dauert aus Krakau vom 2. September, gerichtet ^ das polnische Plebtszitkommissarrat Beuthen. Der Kommandant meldet, das erste, zweite und dtitre Bataillon des Regiments ständen an der Grenze in Bereitschaft, am 10. September werde der Rest der Soldaten kommen; der Einmarsch er- Mge aufWunsch des Kommissariats.
Nachricht deckt sich mit den Erkundungen an anderer Seite. Danach existierte in diesen Lagen zahlreiches polnisches Militär bei Sos- die Mannschaften hätten erklärt, sie seien ^^dschlesten bestimmt. Des weiteren sind August Weisungen zur schleunigen Beschaf- ' von Waffen an alle Kreiskommandanten er= ^m 14- August wird nochmals unter Ob! Hinweis, daß die Aktion jeden Augenblick ! ,^vnen könne, um sofortigen Rapport, u. a. auch O^ ö^ Zahl der Waffen und Organisationen, O .^dagnien und Kampfesabteilungen ersucht, temr; m sollen in der Zeit vom 14. bis 16. Sep- ^,"Er^vertr>auliche Zusammenkünfte aller Kom. Snwfuhrec veranstaltet werden, um Signale Sammelpunkte für den Fall der Alarmierung Tn?'^- ^den und die Kompagnleführer über ihre den "i^^^^end der Aktion zu unterweisen- Für e: bZ September ordnet der Oberkommandant ^.„.O'^ung in wichtigen Angelegenheiten in ® an und teilt mit, daß am 16. und 17. als Kj. .11 CUr des Oberkominandos Herr S t o e I ck i . wirb^^^nen Bezirke bereisen wird. Gleichzeitig da h;?m der' Benutzung des Telephons gewarnt, tauscht inhb^ bestehe, daß die Gespräche be-
Gc„txal Lerond nach Paris berufen.
„er N^kI^^?^nnb wurde nach Paris berufen, um von bag r°n^ über die Zusammensehunü und gehört- d"'"r''ru der Kommission für Oberschlesien werd n
Wr $ie ^oischafterkonferenz.
^nfercni ^"*^- ^- Sept. (Havar.) Die Botschafter- ^tufiem8fat gestern vormittag im Ministerium des B r” »usamme«. Wie die Blätter meinen. Hat sich
die Konferenz mit der oberschlesischen Frage beschäftigt. Man hat aber feine Beschlüsse gefaßt, da man erst die Ankunft des Generals Lerond abwarten will.
Lageberichte.
WB. Königsberg, 16. Septbr. Südlich von L e m b e r g überschritten die Polen den Dnjestr und besetzten die Ortschaften L-alicz und Bol- szowce sowie die Höhen östlich davon. Weiter nördlich wurden die Bolschewisten von dem Swyrzfluß auf die Gnila Lipa zurückgedrängt. Im Staunte von Wladimir-Wolhynsk, Brest- Litowsk und östlich ’bes Bug wurde Ehorstow besetzt und östlich von Kobryn der Dnjepr-Bug- Kanal überschritten. Die Polen melden eine große Anzahl von Gefangenen und Kriegsmaterialbeute. An der polnisch-litauischen Front dauern die örtlichen Kampfhandlungen an.
WB. Warschau, 16. Sept. Im polnischen Heeresbericht vom 15. September heißt es: An der tödlichen Front überschritten unsere Abteilungen zusammen mit der ukrainischen Armee die Dnjestrlinie bei Jezupol und Halicz und nahmen in _ schweren Sümpfen die Anhöhen nördlich von Halicz. ES wurden 300 Gefangene gemacht und Maschinengewehre erbeutet. Weiter nördlich zwischen Gnilaja Liva und Swirz erreichten unsere Truppen Zagorse und Pod- kamien. An den übrigen Fronten und in Kleinpolen herrschte die übliche Patrouillentätigkeit. Im Bereiche östlich Wladimir—Wolhinsk drangen unsere Abteilungen siegreich vor. Ein Angriff der feindlichen Kavallerie auf Kolno wurde abgewiesen. Die Truppen des Generals Malankowi'cz nahmen K'mien—Kaschyrski, eroberten Geschützbotterien, machten tausend Gefangene und eroberten 500 Trainwagen, sowie eine Menge Munition. Oestlich von Kobryn überschritten unsere Abteilungen nach Abweisung feindlicher Artilleriean- ariffe die Linie Bstg-Dniepr. Nördlich Kobryn zieht sich der geschlagene Feind zurück. In der Nichtimo
6 her Feint- auf da? östliche sitter rnrück. Im Suwaitigcvier nusen die gewöhnlichen Vorfeldkämpfe statt.
Riga.
WB,' Warschar», 16. Sept. Die Polnische Telc- graphen-Agentnr meldet aus Moskau: Tschitscherin tritt persönlich an die Spitze der russischen Friedensdelegation in Riga.
In einer Unterredung erklärte Paderewski, baß, falls der Friede zwischen Polen und Rußland zustande gekommen sein werde, was sehr wahrscheinlich fei, die Folge dieses Friedens die Anerkennung der Sowjet- regierung als tatsächliche, aber nicht als rechtmäßige Regierung fein werde.
WB. Amsterdam, 16. Sept. Wie „Telegraaf" meldet, hat Joffe von der russischen Friedensdelegation dem Vertreter der „Daily Ehroniele" mitgeteilt, daß die Sowjetregierung ihre ursprünglichen Forderungen auf Herabsetzung der polnischen HeereSmacht.aufrecht- erhalten, um einen Anoriff in/Zuknnft zu verhindern.
Ipu. Warschau, 17. Sept. Der polnischen Kommission sind ganz neue Forderungen nach Riga mitgegeben worden, welche sie den Russen überreifen sollen, während sie von den Russen ihre Gegenvorschläge in Empfang zu nehmen wünschen. Flieger sind nach Riga gesandt, um täglich Berichte über den Verlauf der Verhandlungen nach Warschau zu senden.
Ein Winterfeldzug? ,
WB. K^akan, 16. Sept. (Durch Funkspruch.) Hier eingetroffenen Meldungen zufolge soll sich Trotzki nach ßitaxen begeben haben. Sein Aufenthalt an der Front werde mit Vorbereitungen für eine neue Offensive in Verbindung gebracht. Helsiiigforier Meldungen besagen, daß Trotzki einen groß angelegten Winterfeldzug gegen Polen plane.
Die Konferenz in Lausanne.
WB. Lausanne, 16. Sept. Wie der Sonderberichterstatter der Schweizerischen Depeschen- agentur erfährt, wurde in der Lausanner Konferenz u. a. auch die russische Frage und die Stellung zur Sowjetregierung berührt, ohne 'daß dabei irgendwelche Vereinbaruugen getroffen worden sind. Millerand legte kurz den Standpunkt der französischen Regierung dar, die es bekanntlich ablehnt, zur Zeit mit der Sowjetregierung in irgendwelche offizielle Beziehungen, seien sie handelspolitischer oder diplomatischer Art, zu treten. Bundespräsident Motta erklärte, daß sich die schweizerische Regierung gegenwärtig mit der Prüfung der Frage der Wiedcruisnahme der Handelsbeziehungen mit Sowjetrußland beschäftige, daß aber der Bundesrat in der Sache noch keine (Stellung genommen und noch keinerlei Entscheidung getroffen habe. Der Vundespräsident wies daraufhin, daß die Schweiz um so eher Grund habe, vor irgend einer Entscheidung die Angelegenheit gründlich zu prüfen, als die Großmächte selbst über die Frage bekanntlich verschiedener Auffassung sind. Die Schweiz behalte sich in dieser Angelegenheit, wie das zunächst die Großmächte ebenfalls getan haben, ihre volle Handlungsfreiheit vor.
Am die Gsnfsr KsufsrenZ.
Ipu. WariS, 1T Septbr. Die Nachrichten aus Enrentc«reistn. welche tuxhebst eine Aufschiebung der
Genfer Konferenz meldeten und sich langsamdazu verdichten, daß die Konferenz überhaupt nicht stattfinden soll, sind von dem Korrespondenten der „Int rnatio- nalen Preß Union Pariser Diplomaten vorgelegt worden, die außerhalb der Entente stehen. Diese bezweifeln keinen Augenblick, daß es Frankreich? Wunsch sei, die Konferenz vorläufig zu verhindern. Auf der Konferenz sollte das Ende der Forderungen beschlossen werden, welche von den Alliierten an Deutschland zu stellen sind. Die Entschädigungssumme wollte Deutschland selbst angeben und die Aussicht war nicht ungünstig, daß sich eine Mehrheit der Alliierten für die Annahme der deutschen Vorschläge nach einigen Verhandlungstagen entschieden hätte. Damit wäre praktisch das Werk der Pariser Friedenskonferenz abgeschlossen gewesen und weder Frankreich noch ein anderer Staat konnte gegen Deutschlcstsd irgend etwa? unternehmen, wenn diese? seinen Verpflichtungen nachkam. Schon seit einigen Wocken hörte man in Paris von französischer Seite, daß Frankreich diese Entwicklung zu schnell gebe, zumal in Frankreich mit febem Tage die von Deutschland drohenden neuen Gefahren schwärzer gesehen werden. Diese Gründe sind es zweifellos gewesen, die Millerand dazu getrieben haben, bei den Alliierten eine einstweilige Aufschiebung der Konferenz durchzuketzen, in der Erwartung, daß sich diese gänzlich aufheben läßt. Ob sich aber Giolitti damit einverstanden erklärt hat, bleibt trotz aller Versicherungen Millerand? zu bezweifeln. Mit der Arbeit der EntschädigungSkommission, der man in Zukunft allein die Vertretung der alliierten Forderungen gegen Deutschland gern übertragen möchte, war weder Italien noch eine Reihe anderer Staaten zufrieden.
Der mMereuropAfche Block.
Tpu. Bukarest, 16. Sept. JoffreS Besprechungen auf dem Balkan hatten eine neue Staatenorganifation zur Grundlage, die sich langsam anbabnt. Der rumänische Ministerpräsident hat sich nach Pari? begeben, nachdem er vorher noch eine Begegnung mit Millerand hatte. Mit der T'checho-Slowakei, Jugoslawien und Griechenland ist der neue Block vereinbart, doch werden jetzt die letzten Verhandlungen in Paris
Polen in die Vereinigung zu bekommen. Man behauptet von Dem Block, das er ihm devensive Ziele verfolge, doch ist die Politik, die zu
dem Bündnis geführt hat, von Frankreich mit einzelnen Staaten rr"t besonders geführt worden.
den
Der
Wunsch Frankreichs, auch Italien in eine gewisse Abhängigkeiten dem neuen Block zu bringen, wird sich
kaum erfüllen. Wie die Karte zeigt, wird durch
den
neuen Staatenbund eine Scheidung zwischen Rußland, Asien und den Westmächten Europas vollzogen. Trotzdem ist diese Scheidewand auch im Notfalle dazu bestimmt, gegen die früheren Zentralmächte einen Druck auSzuüb-n. Auf dem Balkan und besonders in Rumänien besteht nun eine lebhafte Spannung, wie sich Rußland entwickelt und wie sich die Beziehungen zu den früheren Mittelmächten aulaffen. Ein Verband zwischen Deutschland, Oesterreich, Ungarn, Bulgarien und der Türkei ist int Augenblick kaum möglich, kann aber zur Tatsache werden, wenn in Rußland eine Regierung erstehen soll, welche sich diesem Verbände aus besonderen Gründen hingezogen fühlte. Ji letzterem Falle zweifelt man nicht daran, daß Italic!' sich ohne weiteres dem mitteleuropäischen Bunde ab- wenden werde und sich zu den Mittelmächten am^ Rußland gesellt, wo es größere Vorteile ermattet falls sich Englands Haltung gegenüber den frühere' Mittelmächten nicht wieder feindlich gestaltet. Vo: vielen Seiten erwartet man dies nicht, da England nach der Vernichtung der deutschen Flotte an Deutick- lands kontinentaler Politik kein Hinde-n s siebt, da! ihm gefährlich werden kann. Da ü r will fiel in Paris Rumänien Gewißheit versqa^fen und v' Frankreich hören, wie die Unterstützung des mitte! enopäischen Blocks sich gestalten soll. Rumänien als östlicher Flügel ist nicht geneigt, sich dem Block v verschreiben. Wenn nicht ausreichende Garantie vor den Westmächten geboten werde für seine t.rritoria Unverletzlichkeit. Ohne Englands Unterstützung er scheint es zwcnclhaft, ob sich die rumänische Regierur z i großen V rpfl'chtungen herbei läßt. Doch Hoff Jiumänien wie auch Griechenland auf Englands r r ichluß. Ob d e Hoffnungen aussichtsreich sind, lä;, sich im Augenblick nicht sagen.
WB. Sofia, 16. Septbr. Die Reise des Mmist- vräsidcntm StämüulinSki nach Prag erW’gt, wie hie verlautet, zu dem Zwecke, mit dem Minister des Aenßer Benesch über den Beitritt Bulgariens zur »klein: Entente" zu verhandeln.
Die französische PrasideKtschaflskrisk
MiLkraud bei Deschanel.
Paris, 17. Sept. (Havas.) Millerand hat an Donnerstag nachmittag eine Besprechung mit Des chanel gehabt, der ihm seine Absicht bekannt gab, ant Gründen seines dauernd schlechten Gesundheitszustandes zu demissionieren. Der Präsident der Republik ga Millerand Kenntnis von der Botschaft, die er zu die sein Zweck ax die Kammern richte werde. Millerant wird heute den Uabinettsrat von dieser Unterredun in Kenntnis setzen. Er wird sich nach Schluß dc Sitzung mit den Präsidenten her Kummer und der Senats über den Datum der Einberufung der Kam ittern verständigen.
WB. Paris, 16. Sept. Wie HavaS meldet, i schon eine ganze Anzahl von Abgeordneten, durch b Blätter benachrichtigt, ix Paris emzeiroffen. Parlamentarische Sireife iprechep sich für eine Kandwcuur bei jetzigen Mmmerpräiicrnteu Millerand aus. Miilc- rand Kleine der geeignete Ma„n, die Summen tes ^erjaiUcr Kongresses einmütig auf sich zu verewigen. Obgleich man von verschiedenen Seiten hartnäckig versichert. daß Millerand sich weigern werde, sich als
Kandidat für den Prä" astSposten aufstellen zr lassen, hofft man, daß dieser Entschluß nicht unwiderruflich sei und daß er anders darüber denken werde wenn man ihm darlege,' daß die sehr große Autorität, die er sich errungen habe, sieben Jahre hindurch Frankreich Dienste tun werde, wenn er es annehm«, der Erwählte des Kongresses zu sein, während keine Stellung als Ministerpräsident eine vorübergehende wäre und von dem Votum einer Kammer oder einem vielleicht nervösen Abend abhänge. Es würden demnächst sicherlich Schritte unternommen werden, um Millerand vorzustelle», daß er durch die Annahme der Nachfolgeschaft Deschanels dem Lande einen neuen Dienst erweisen würde. Es heißt, daß im Falle einer Kandidatur Millerands die Aufstellung weiterer Kan- kudaten unterbleiben werde, mit Ausnahme von einem Sozialisten den die sozialistische Gruppe aus grundsätzlichen Erwägungen heraus ernennen werde.
Ein Unfall Deschanels.
WB. Baris, 16. Sept. Wie der T:mps mitteilt, hatte Präsident Deschanel am 10. Sept. einen Unfall. Es war gegen 6 Uhr morgen?, als ein Angestellter der Schlosses den Präsidenten heran kommen und auf den Kanal zuzehen sah, in dem der Angestellte fischte. Der Präsident wünschte ibm guten Erfolg und ging weiter. Plötzlich, man weiß nickt recht was sich ereignet hat, sah der Fischer den Präsiden'en mitten im Kanal, der glücklicherweise an dieser Stelle nicht tief ist, bis zur Mitte seines Körper? im Wasser. Dri Angestellte rief um Hilfe. Der Präsident wurde sofort ins Schloß zurückgebracht, hatte aber von den ganzen Vorfall keine Ahnung mehr.
Deschanel hatte sich, wie erinnerlich, nach dem Unfall, den er am 23. Mai während einer Reise erlitt, zunächst zur Erholung in die Normandie begeben und war von dort so erfrischt zurückgekehrt, daß er den Vorsitz bei einem Ministerrat führen konnte. Der Präsident zog sich dann aber bald nach Rambouillet zurück und nahm am 14. Juli nicht an der Rasional- feier teil. Damals wurde in der Umgebung DeSchanelS mit Bestimmtheit erklärt, daß der Präsident zurücktreten werde, falls sein Leiden ihm nicht gestatten
t
über
nach dem Willen her 'Kamwernkehrbeit^ auf beü 1b November verschoben worden ist. um dann gleichzeiti, mit der Feier des Waffmstillstandktagcs «bgehaiten zu werden, verlor das Datum für die Entscheidung ves Präsenten seine Bedeutung. Das Besinden DeSchmels hat sich in Rambsuillet nach Versicherung aller, die ihm persönlich nabekommen sind, beständig gebessert. Der Präsident hat sogar fremde Diplo- maten emv fangen, und der Tag, an dem er sein Ani! wieder übernehmen würde, schien nahe. Nach Au- beutungen des „TempS" muß man jedoch annehmen, >aß Deschanel seit längerer Zeit bereits zum Rücktritt entschlossen war, und ein Rückiall, berborgetufes bitrcb den neueren Un-all am 10. September, scheint 5n jetzt zur ickuellen Ausführung dieses Entschlüsse^ bestimmt zu haben.
Die ilalienische Mbrilerbswegung. Giolittis Eingriff.
WB. Mailand, 16. ?eptbr. Die Blätter be> chäft-gtcn sich eingehend mit den Besprechungen, b« un Mittwoch zwischen Giolitti und den S^rtrefern her Industriellen stattgefunbcn haben. „Eorr-ere de! -> 'era" glaubt feststellen zu können, daß man auf b" -- Vege zu cmer Lotung des MetallarbeiterkonflüteS sei. In offiziellen Kresien wurde darauf biugewiesen, daß sie Annabme deS Kontrollrechts, das die Arbeiter in "n Fo'"'''b aus üben wollet durch die Industriellen m gl > se Giolitti soll auf die Aunabme bei .omohiMjt? gedrungen haben, ohne aber mit einer Inferoention der Regierung zu droben.
WB. ri»m. 16. Septbr. (Stetanü Nachdem ffck Oolitti für die Anisicht über die Fabriken entschied o it hat er durch Erlaß einen aus Industriellen und 'rßeitern Msammengetetzten AuSsthuß ernannt mit bei 'u'gabe, einen Gesetzentwurf hierüber vorzubereiten, il die Regierung der Kammer bei ihrem Wieder- .ifammentrift voÄegcn wird.
Wcitzehen!»« Ssftalisicruua.
Der „Sortiere della Sera" meldet: Die Regierunz :t sich grundsätzlich bereit erklärt, die Forderungen b, ; Geuoffeiischrf sSundes amunebuten, me auf we t- -'>ende Sozialisicrung staatlicher und privater Wer - uauSgeben. Alle Werften, Waffcnfabr-ken, fraat» I: 1(>n und privaten Werke der Metallindustrie tomm ’ .werzügsich in die Verwaltung des Genoflenschasis« lindes übernommen werden.
8teue Dabrithefetzuugen.
WB. Mailand, 16. Septbr. Nach einer Meldmig e» „Carriere de la Sera" wurden in Biella weiter» kexliifadriken beicyt. Bei der Besetzung einer Fabnk uu es heute morgen zu schweren Unruhen, wobei t ige Personen verletzt wurden.
Der KgrleiZKg der A. S. P.
Der Parteitag der Unabhängigen ist auf einen > äderen Zerium und zwar auf seit 12. Oktober ein« nruien worden, wie Die „Freiheit^ schreibt, mit Rück- Uit auf die politische Situation und viele brennende > itfdiafthdje und politische Fragen, sowie nuc Rück-
;t darauf, daß »er Reichstag bereits am 18. Okrodcr ^ifammeiitreten wird.
* Berichtigung. In unserem gestrigen Seit» artitel muß es im zweiten Absatz Zeile 15 „Gefühls der Massen" statt „Rassen» heißen.
(Weitere Politische Nachrichten auf Seite 5J,