Einrückungsgebübr:Die8geio.KoIonelzeileod. deren Raum 1.— Mk., die 4geiv. Zeile i. Reklameteil 3.— Bkk.. 25°Ik>Teuerungszusä,l. Offertgebühr MPfg. Bezussvreis:Vierteljährlich 12.90 Mk.. monatl. 4.30 Mk.. für Postbezug vierteliährl. 12.90 Mark, monatl. 4.30 Mk. Die Rummer 20 Pfg. Poflscheck-Konto Nr. 26659. Frankfurt a. M.
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General-Anzeiger
AAlllchrs Organ für SkaS!» vuL Landkreis Kanon
Erschein! täglich mit Ausnahme bei Sonn- und Feiertags
Nr. 218
Donnerstag den 18. September
1926
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Das Neueste.
Der interalliierten Kommission in Oppeln wurde line deutsche Note überreicht, in der Beweise über eine zewaltjame Besetzung Oberschlesiens angeführt werden.
Zufolge Lohndifferenzen sind die Belegschaften Ifveier Gruben im Saargebiet in den Ausstand getreten.
Das tschechoslowakische Kabinett hat demissioniert. Das neue Kabinett mit Cerny als Ministerpräsident
ist bereits ernannt.
Ueber die Besprechungen zwischen Vertretern ichweizerischen Bundesrats und Millerand wurde offizielles Kommunique herausgegeben.
Die polnische Friedensdelegation ist gestern Danzig nach Riga abgereist.
der ein
Von
Der finnisch-russische Frieden soll in der nächsten Woche unterzeichnet werden.
Für den Fall des Ablebens der Bürgermeister? von Sorl rechnet man in Londoner politischen Kreisen ansilich mit einer Kabinettskrisis.
Mehr Front!
Häufige Wahlkämpfe sind in einem geordneten Staate unnötig und nach Möglichkeit zu vermeiden; in verworrenen Verhältnissen, wie sie bei uns zur Zeit sind, sind solche Erscheinungen nur natürlich und beweisen, daß der kranke Ztaatskörper 1 nach nicht dem hoffnungslosen Siechtum verfallen ist, sondern im Fieber des Kahlkampfes seiner Heilung entgegenstrebt. Resenwärtin werden bei uns wieder Neuwahlen W Reichstag
unserer demokratischen Verfassung die Regierung
;u schaffen haben, müssen sich aber darüber klar sein, daß eine Neuwahl nur dann Zweck hat, wenn sie unter bestimmter Erkenntnis des anzu- strebenden Zieles erfolgt; lotterienhafte Stimm- spekulationen auf das gute Glück des Zufalls von Wahlparolen, die dem notwendigen Ziel nicht mtsprechen, sind ein Verbrechen an der Kraft des Volkes; ehe man dem Volk die Frage vorlegt, rohin es gehen will, muß man ihm klar und deutlich die Wege zeigen, die seiner Kraft unterliegen.
Unser großzügiges Wahlrecht, das in schwungvollem Idealismus der Zeit vielleicht um viele Jahrhunderte vprauseilt, setzt eine politische Schulung des einzelnen voraus, die wir zweifellos nicht haben. Die Gefahren, die notwendig in tiefem Umstand liegen, fordern von uns doppelte Anspannung der Kräfte. Man denke nur an das Wahlrecht der Frauen, deren Wert man nicht dadurch herabsetzt, daß man in politicis sich dem bekannten Urteil von Paul Julius Möbius an- schließt; die Frauen haben keine Geschichte geistiger Entwicklung und können den Vorsprung der Männer in dieser Hinsicht nicht mehr einbolen. Es war eine blinde expressimistische Ueberschätzung des politischen Gefühls der Rassen, wenn die revolutionären Parteien sich an die Frauen wandten in dem Glauben, deren Naivität auf ihrem Par- iei-Jdealismus fortreißen zu können. Doch wir Essen uns nun wohl oder über mit diesem vor- eiligen Idealismus abfinden und umsomehr die politische Aktivität der Männer steigern. Der planlose Unverstand, mit dem bislang in Deutsch- ™ selbst die Wege der deutschen Politik behandelt werden, ist geeignet, auch die Besten mit Pessimismus zu erfüllen. Das Ententegeschwätz wn unserer Schuld am Weltkrieg wird hier von ifoßen Massen ohne Unterschied der Partei schon ns Evangelium genommen und man glaubt mit dem Sturz unserer früheren Regterungsform den Legern das unvermeidliche Maß von Reue er- ouesen zu haben, um über kurz oder lang von «In mit offenen Armen in eine glückbringende jiT ^sgemeinschaft ausgenommen zu werden. In Eitlichkeit haben wir mit dem Sturz dieser Mgicrung, die durch die vier Jahre des Krieges, e,n England gegen sie führte, allerdings zu einer ' cn »arm geworden war, unseren Feinden den v r ■ großen Sieg in dem Krieg zugestanden, seitdem in erheblich verschärfter Form gegen 3 J°^8eführt wird England und Amerika, die ' 0 c, steibende Kraft dieses weitertobenden Krie- st/ nnd, sind Staaten, die von einer ^kleinen
"Ee kapitalistischer Radikalen beherrscht wer- , oiese Staaten werden auch boraugfW^ ,2 Zeit mit der kapitalistischen Regierung m2 Fortbestehen können, da sie über ungeheure
loder Art verfügen, die ihrer bei dem izr-E Gebietsumfang der Staaten dünnen Be- auch neben der kapitalistischen Ausbeu- mx1 ^ss. Dreschenden Minderheit noch ein leid- oluckliches Dasein, aarantiercn. Die libera-
listische Weltanschauung des Ententekapitalismus steckt im Grunde noch in jedem englischen und amerikanischen Arbeiter; mag das Emporkommen des Einzelnen auch noch so schwierig und selten sein, so klebt diesen Arbeitern stets ein Rest von
'i alistischer Unternehmeranschauung an, sie arbeiten nicht, um sich zu erhalten, um sich ein Exiftenzmintm' n zu sichern, sondern um Kapital zu sammeln, damit sie nicht mehr zu arbeiten brauchen; daher die in Amerika verbreitete Bewunderung des Parvenütums, das dort das Ideal jedes Arbeiters ist. Hätten wir in Deutschland auch die Möglichkeit gehabt, mit einer solchen kapitalistischen Ordnung zu leben, so hätten wir den Weltkrieg nicht nötig gehabt. Der Ausgang des Weltkrieges, der uns von allen künstlichen Machtmitteln entblößt hat, hat uns gelehrt, daß unser Einfluß nicht hinreicht, unserer überaus dichten Bevölkerung auf dem kleinen Staatsgebiet das unbedingt notwendige Existenzminimum zu garantieren. Die derzeitigen Schiebergewinne sind unreine Folge der Unordnung und werden mit dem notwendigen Ausgleich, den das Bedürfnis des Existenzminimums der Volksmassen bringen muß, ebensoschnell zusammenbrechen, als sie entstanden sind; ein kapitalistisches Unternehmertum ist innerhalb Deutschlands, wenn die große Masse der Arbeiter, zu der heute schon der ganze frühere Mittelstand gehört, überhaupt leben soll, unmöglich. Kommt es trotzdem zu einer rein kapitalistischen Ordnung bei uns, so wird daran kein deutscher Unternehmer mehr beteiligt sein, der Deutsche wird dann ohne Unterschied Ausbeutungsobiekt des ausländischen Kapitalismus; daß sich der letztere bereits zur Realisierung dieses Zustandes angeschickt hat, bedarf kaum noch eines Zweifels.
Es ist das ugleuzenbar große Verdienst der prevß'^-deutschen Staatsleitung gewesen, daß sie „ sich dieser Existenzbedingung des deutschen
wurde hier ein für unsere Zeit großzügiger Staatssozialismus.betrieben, der das deutsche Volk zu einer geradezu bewundernswerten Arbeitskraft steigerte und uns ermöglichte, auch den geringsten.unter uns eine bessere Lage zu schaffen, als das irgend ein Staat der Welt vermocht hatte. Die Arbeit, die man in England und Amerika nur. als eine Last ansieht, war nur das Kapital, mit dem wir uns lebenslang eine glückliche Existenz sicherten. Wir waren ein Arbeiterstaat längst, ehe dies zum erstenmal ausgesprochen wurde. Die starke sozial denkende Staatsleitung schuf einen für unsere Zeit musterhaften Ausgleich zwischen den verschiedenen Klassen der Bevölkerung — trotz aller Entgleisungen, in die uns der anglophile Monarchismus der letzten Jahrzehnte in der Sorglosigkeit einer glücklichen Zeit verfallen ließ. Es ist völlig falsch, wenn man an- nimmt, England und Amerika hätten den Krieg gegen uns aus Gründen der Handels^onkurrenz geführt; unseren Handel hätte man mit den unerschöpflichen Machtusttteln viel bequemer auf das gefällige Maß einschränken können, als mit den furchtbaren Schlachten des Weltkrieges. Der erfolgreiche preußisch-deutsche Staatssozialismus machte schon seit geraumer Zeit im eigenen Lager | der Entente Schule; der Ententekapitalismus lebte in stets wachsender Angst, daß der von Deutschland ausgehende soziale Geist mit seinem Erfolg die eigene Arbeiterschaft zur Auflehnung gegen die herrschende Minderheit anreizen werde. Wie begründet diese Angst war, hat die englische Arbeiterbewegung und die rücksichtslose Spzia- listenvecfolgung der nordamerilanifchen Union gelehrt. Es galt also, die eigenen Arbeiter zu überzeugen, daß der deutsche S'aatssozial^mus einem Volk kein dauerndes Glück bieten konnte; hierzu reichte die Eindämmung des deutschen Handels nicht aus, sondern man müßte den ganzen deutschen Staatsaufbau zersklagen und in Deutschland eine solche Unordnung hervorrufen, daß eine friedlich glückliche Existenz nicht mehr möglich war. Der Krieg war auf diesem Wege nur Vorbereitung; erst mit dem Friedensbetrug von Versailles schuf sich der Ententckavitalismus eine Handhabe, die Unord- "nung in Deutschland dauernd zu erhalten, da er mit Recht befürchten mußte, daß die Tüchtigkeit des deutschen Volkes, wenn man ihr keine Fesseln anlegte, in kurzer Frist der Welt voll neuem den Beweis der Richtigkeit ihrer staatssozialistischen Lehre bieten werde.
Unsere Lage ist heute die, daß wir zu wählen haben, ob wir dauernd in der in Versailles konstituierten Entente-Knechtschaft dem englisch-amerikanischen Kapi'aliSmus Frohn- bienftc leisten wollen, oder ob wir uns wieder unserer deutschen Stärke besinnen und uns ^nr Abschüttelung dieses Joches bereiten wollen. Die Walls dürfte für einen Deutschen nicht 'stwcr fein! Silier her Wea ist weit. Unsere monarchische
Regierungsform war um der überkommenen Festigkeit willen zböeifellos eine starke Stütze der staatssozialistischen Tendenz; die durch eine geschickte Verfassung geschützte starke Hand der leitenden Staatsmänner hatte es verhältnismäßig leicht der Idee des sozialen Ausgleichs die Bahn 'wischen den konkurrierenden Klasseninteressen frei zu halten. Die Parlamente waren für die Staatsleitung im Wesentlichen nur Mittel zur Erkenntnis der vorhandenen Interessen, deren Lösung Sache der Regierung war. Wir brauchten damals keine Volksvertretung, sondern nur beredte Anwälte der Klasseninteressen; die deutsche» Parlamente von ehedem züchteten deshalb naturgemäß keine Staatsmänner; die Parteien brauchten nicht zu regieren, sondern nur für ihre Klasseninteressen zu plädieren. Heute haben wir die starke Staatsleitung von ehedem nicht mehr; wir haben nur noch den alten Parteiapparat, der seiner historischen Entwickelung nach zum Aufbau einer Regierung garnicht fähig ist; die Parteien sollen jetzt plötzlich Staatsmänner stellen, Männer, die nicht das Wohl einer Klasse, sondern der Volksgesamtheit verwirklichen sollen, deren Erziehung bislang garnicht im Rahmen der Parteiaufgaben gelegen hatte. So ist es nicht verwunderlich, wenn wir in unserem neuen Staat bislang keinen ftaatsmännisch gehüteten Kopf zu unserer Regierung produzieren konnten; die Parteien haben solche Leute nicht und die vorhandenen staast- männischen Kapazitäten sind um ihrer monar-
'tiMen Vergangenheit willen im demokratische» Staat nicht mehr brauchbar. Man darf auch von dem völlig veralteten Parteiasivu-at nicht erwarten, daß er aus seinen eigenen Reihen in kurzer Zeit die nötigen regitzrunn^fähigen Leute finden kann. Es gibt nur einen Weg: eine Umbildung der Parteien nach vorhandenen starken Führergestalten, die mau h e c- n.e .h m e» m u,ß , w o f i e n urzu erreichen flnS rr„S »_>-/- Ämii.ij«
klar machen, daß es nicht mehr gewillt ist, hinter x-beliebigen Wahlparolen und Leuten, die im Grunde nichts anderes können, als Jnteressen- reklame treiben, herzulaufen und für solche seine Stimme herzugeben. Der Mandatshandel, der bei dem früheren Parteiwesen als Interessenvertretung selbstverständlich war, muß aufhören.
Wir brauche» wieder Führer, die über das Klasseninter esse hinaus das WohlderGesamtheiterkennen, universelle Köpfe, denen um ihrer eigenen Bedeutung willen, nicht auf Grund von Parteianprei- fungen sich das Vertrauen des Volkes zuwendet. Unsere Verfassung ist demokratisch genug, daß wir für das demokratische Prinzip nichts zu fürchten brauchen, auch wenn wir bei der Wahl unserer Führer aristokratischer verfahren, als das die Parteien bislang taten; wir brauchen die Besten des Volkes an unserer Spitze, nicht aber zanksüchtige Parteieiferer. Nur wenn es uns gelingt, auf diesem Wege unser völlig unzeitgemäßes Parteiwesen umzubilden und wieder zu beleben, können wir mit einer Gesundung des Staates rechnen. Die zerfahrene Jnteressenwirtschaft, die nach innen und außen keinerlei einheitl'ches Frontbe- wußtsei» zu brobureren vermag, die in den vergangenen zwei Jahren oft genug zur Schande dös deutschen Volkes um die Gunst unserer Feinde buhlte, ist der Tyrannei von V^rsa'lles ein nur allzu willkommenes Mittel, ihre Ziele, bje sie einem geschlossenen Volk gegenüber nie zu ver- wirkl'chen vermöchte, zu realisieren.
Wenn ihr nicht auf die Dauer Knechte sein wollt, so besinnt euch wieder, daß ihr Deutsche seid vor allem anderen und wählt danach eure Führer!
Block Stresemann-Schel-emann?
Die Frage der Eintritts der Socialdemokratie in die Regierung wird in der Oeffeutlichleit noch immer erörtert, da eine Gruppe der Sozialdemokratie anscheinend den Eintritt der S. P. D. in die jetzige Regierung gern sähe, „damit nicht noch mehr Machtpositionen der Socialdemokratie verloren gehen". Der Der Abg. Streiemann äußert sich jetzt in seinen „Deutschen Stimmen" dahin, sclbüverständlich stände der Sozialdemokratie die Möglichkeit jederzeit frei, m die bisherige Doalition einzutreten:
Wenn sie in die jetzige Koalition eintritt, so wurde damit ein vernünftiger Ausgleich zwischen Bürgertum und Sozialdemokratie gegeben sein. Sie wurde einen vollberechtigten Anspruch haben können auf den Einfluß, der ihr zahlenmäßig nach ihrer FraktionDärke zukommt, nicht mehr und nicht weniger. Immerhin bliebe das bürgerliche Element in dieser Koalition führend durch das Schwergewicht seines gegenwärtigen Einflusses. In der praktischen Politik hätte man eine Berfläudigung anznsnebcn, die schließlich auch bei der bisherigen Regierungs- volitik durch Fühln» nähme mit der Sozialdemo- kratie tatsächlich durchgesührt worden ist. Käme dann auf i rund ooit N »wählen in Prenueil eine gleiche Koalition ui Preußen luitanoe, so wäre nur dieser
Grundkage für eine Stetigkeit der Verhältnisse im Reich und in dem fübrenben deutschen Staat Sorge getragen, auf der eine eifbriehlidie Arbeit sich des» balb aufbauen konnte, weil eine Stetigkeit auch der Perfonnlverbältn'sse schliefilch die Voraussetzung dafür,ist, dafi hervorragende Persönlichkeiten auch wieder wie früher in ihren Ressorts in der Lage wären, praktische Arbeit zu leisten, während heute der Ministercaldirekto- die allmächtige Figur ist, der die kommenden und gebenden Minister überdauert und vielfach die ganze Regierungsmaschine in Stagnation erstarren lassen muß, weil kein Minister lange genug im Amte ist, um weitgreifende Ideen durch» führen zu können.
Dem Ausscheiden seiner Partei aus der Regierung steht der Abg. Stresemann demgemäß ablehnend gegenüber:
In der kriticchen Situation, in _ der wir außen, politisch, innerpolitisch und wirtschaktlich flehen, scheint mir eine solche Verzichtleistung des deutschen Bürgertums auf entscheidenden Einfluß in der Reichsregierung nicht überlegt zu sein, und die» jenigen, die auf Grund der gewiß zur Kritik Anlaß gebenden Erfahrung einer mehrmonatigen Regie» rungstätigkeit darauf drängen, aus der Regierung auszuscheiden, würden vielleicht diesen Schritt späte» bitter bereuen.
Strelemann faßt dann zusammen:
Aufpolle der hurtigen Koalition ist es, sich enh weder felhü durchzuletz-u — denn ein parlamentarischer Sturz des heutigen Kabinetts ist von links aus gar nicht zu führen, wenn die Deutschnationalen ihre gegenwärtige volitische Aufgabe erkennen — oder aber, da je^e Erweiterung der Koalition nach recht3 an dem Widerstand des Zentrums und der Demokraten scheitert, der Sozialdemokratie den Eintritt offen zu halten, um eine gefestigte Basis der heutigen Regierung zu bilden, welche die Gewähr der Dauer in sich trüge. Sollten die mit uns heute rentierten Parteien andere Wege geben und die ganze Politik nach lintS orientieren wollen, so wcrdtn wir das nicht hindern können, und niemand von denen, die gegenwärtig die D'utsche Volktzvartei in der Regierung vertreten, wird ein persönliches Interesse
Tag länger zu führen, als es die 6 täfion erheischt
Das Zentrum scheint sich inzwischen babin enk schliffen zu haben, an der Koalition .mit der Deutschen Volkspartei fefizubasten. Demnach bliebe wohl nur noch die Frage offen, ob sich die Sozialdcinokratic wirklich an der jetzigen Rezierungskoalition beteiligen will. Ohne weiteres sicher ist es nicht, denn diejenige Gruppe der Sk P. D., die dem Block Stresemann- Scheidemann ablehnend gegenübersteht unb die unter Führung Hermann Müllers steht, ist einflußreich.
Erne Bede Scheidemanns.
WB. Casscl. 15. Septbr. Heute nachmittag sank int Stadtpark eine F u n k t i o n ä r v cr s am m tun g ber,f ozialdemokrati scheu Partei statt, die sehr stark besucht war. Das Rewrat hatte Oberbürgermeister S ch c i d c in a n n übernommen, der u. a. ausführte:
Der Kampf zwischen Rußland und Polen sei für Deutschland gefahrdrohender als vielfach ange- nonimen werde. Er könne nur dringend wünschen, daß schnellstens eine friedliche Verständigung P!a- greife, damit der furchtbare Druck von uns genommen werve. Die vollkommene Besiegung Poleus durch Rußland würde die S o w j c t i s i e r u u g P o l e u - bedeuten. Wenn wir den Bolschewismus für Deutsche land verhüten könnten, so mufften wir wahrscheinlich doch wieder zahllose Putsche iuib, vielleicht auch den Bürgerkrieg über uns ergeben lassen. In dem Augenblicks in dem wir den Bolschewismus haben, halten ihn auch der Rhein.- die Vogesen und der Kanal nicht mehr auf. Deshalb muß der Entente immer mieoec klar gemacht werüen, daß sie sich vor dem LolschciviS- mus mir bewahren kann, wenn Deutschland leben und arbeiten kann und also auch finanziell nicht erdrosselt wird. Ein merkwürdiges Geraunc geht durch die Läuse über den angeblich bevornehenden
Wiedereintritt der ^> ozialo cinofraten i n d i c R e i ch s r e g i e r u n g. Was für nicht vor- dergesehene Ereignisse sind denn emgctreten, die es der sozialdemokratischen Partei als zeng^inäß erscheinen lassen konnten, die Bürde der Regierung wieder aus sich zu nehmen? Im Gegenteil, bie Zustände haben sich derart verschlinmett, daß mir froh fern können, nach den Wahlen eine Taktik eingeschlagen zu haben, die damals absolut richtig war und zur Stunde noch richtig ist. Wir gehen schlimmen Monaten entgegen. Kartoffelwucher, Lebensmittel- uot, und Wohmuigseleud sculimmstcr Art, Kohlennot Fron im Hause, Arbeitslosigkeit mib graues Elen! aus unabsehbare Zeit. Ich berufe mich gar nicht am Die im Sommer von Hermann Müller gegebene Parole: unter keinen Umständen in eine Regierung mit der Deutschen Volkspartei einzutreten. Aber jetzt kann die soz>aldemokratischc Partei noch weniger mit StinneS- kuten gemeinsam eine Regierung bilden als früher. Was uns einzig retten kann, ist eine vollkommen zielklare Politik, die auch einheitlich geführt werden muß. Wir müssen in kürzester Zeit die r e st l o s c S o z i a l i s i e r u n g d e 3 Bergbaues durch- säyren, um nur tut Ziel zu nennen.
Scheidemann schloß: Den Zeitpunkt festzustellen und die Bedingungen zu formulieren, unter denen die soziaibcniokratlschc Partei in die Berliner Wilhelm» »ratze einziehen kann, sieht bei uns.
iWeilere Politische Nachrichten auf Seite 5.),